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Full text of "Abhandlungen aus dem Gebiete der Naturwissenschaften"

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HARVARD UNIVERSITY 




Abhandlungen 



aus dem 




iMiit §4t ^^MMtW fffitf(<f$ft^t! 



herausgegeben 



van dem naturwissenschaftlichen Verein 



Hamburg. 



Zweiter Band. Erste Abtheilung. 



HAMBURG, 1S4S. 
Herold'sche Buchhandlung. 



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V 



Die Insel Helgoland. 

Untersuchungen über deren Grösse 

in IDot^eit utrt» ©enemtwrt, 



vom 



Standpunkte der Geschichte und Geologie, 



von 



JL W. JH. Webet, 



Ordentl. Professor der Physik und Chemie am akademischen Gymnasium, d. Z. Präsident des natur- 
wissenschaftlichen Vereins und Ehrenmitglied des ärztlichen Vereins in Hamburg; ordentl. Mitglied des 
landwirtschaftlichen Vereines im Grossherzogthum Baden und der Senckenbergischen naturf. Gesell- 
schaft in Frankfurt a. M. ; correspond. Mitglied des physikal. Vereines daselbst, der Schweizerischen 
naturf. Gesellschaft, der naturf. Gesellschaft im Canton Aargau, der Mecklenb. naturf. Gesellschaft 
zu Rostock, des naturwissensch. Vereines des Harzes und der naturf. Gesellschaft zu Halle. 



Mit zwei Karten und einer Tafel. 



Hamburg 1949. 
Herold'sche Buchhandlung. 



{V4T5I32- 



Vorwort. 

Die folgenden Blätter verdanken ihren Ursprung einer Reihe von Vor- 
trägen, Avelche ich in den General- Versammlungen und in der Section 
für Mineralogie und Geologie des hiesigen naturwissenschaftlichen 
Vereins gehalten habe und waren bereits für den ersten Band dieser 
Abhandlungen bestimmt, als öconomische Rücksichten sie für einen der 
folgenden Bände zurückzulegen geboten. Es ist zwar seitdem die zweite 
Abtheilung gleich der ersten im Programme des akademischen Gymna- 
siums erschienen, aber nur in kleinem Kreise local verbreitet worden. 
Die Ausführung der oft sehr mühevollen Vermessungsarbeiten, bei denen 
mein verehrter Freund, Herr Med. Dr. Gaedechens, und der biedere Hel- 
golander, Herr Jakob Siemens, mich mit der dankenswerlhesten Aufop- 
ferung unterstützten, namentlich aber die Aussicht, in den Besitz des 
Journals der Wessel'schen Vermessung zu gelangen, veranlassten das 
verzögerte Erscheinen der dritten Abtheilung. Möge diese Verzögerung 
der Arbeit zu statten gekommen sein und das eifrige Streben nach 
Gründlichkeit in derselben nicht vermisst werden. 

Hamburg im Juni 1848. 

3ev UrefitfjVr. 



Zur Literatur über die Insel Helgoland, mit Bezeichnung 
der bei den Citaten gebrauchten Abkürzungen. 

Henrici Ranzovii Cimbricae Chersonesi Descriptio nova etc., in Westpbalen 
monum. inedit. rer. Cimbrie. Lipsiae 1739. S. 67. 

Petri Saxii, Beschreibung des Helgolandes. Coldenbüttel 1638, in J. F. Ca merer's 
historisch-politischen Nachrichten. Leipzig 1758. Th. 1. S. 257. 

Benj. Cnoblauch, Helgolandia oder chorographische Beschreibung der Insel und 
Festung Heylige Land. Hamburg 1643. 

Casp. Danckwerth, Neue Landesbeschreibung der zwei Herzogtümer Schleswig 
und Holstein. 1652. S. 152. 

Bötticher, Nachricht von der Insel Helgeland im Jahre 1699, in J. F. Camerer's 
hist. polit. Nachrichten. Th. 1. S. 257. 

J. La ss, vorläufige Nachrichten vom der Beschaffenheit und Verfassung des merk- 
würdigen Heiligenlandes, 1751, 43. S. 8. — Aufs neue mit Zusätzen: Ander- 
weitige, jedoch vermehrte und verbesserte zuverlässige Nachrichten von der 
jetzigen Beschaffenheit des merkwürdigen Heiligen- oder Helgolandes. Flens- 
burg 1753. 93. S. S. 3te verbesserte Auflage findet sich in Camerer's 
hist. polit. Nachrichten S. 1— 66 und S. IS9— 232. 

Edlefsen und Mushardt, Beschreibung von Helgolaud — im hannöv. Magazin, 
1764. S. 1104—1112. 

Hansen. S. 439—447. 

Büsching, A. F., Neue Erdbeschreibung, 1770, Bd. 1. S.261. 

Hassel mann, Z., Versuch einer Beschreibung der Insel Helgoland. Provinzialber. 

1790. I. S. 1—22. III. S. 197—231. — 1791. V. S. 147—167, 241—252. 
1792. I. S. 1—46. 

Bemerkungen auf Reisen über die flies. Inseln in der Nordsee an der westl. Küste der 
Herzogthümer Schleswig und Holstein. 1789. — In Papst Reisen für Länder 
und Völkerkunde. IV. Nürnb. 1799. 8. S. 148—172. Vergl. Provinzialber. 

1791. IV. S. 84. 



— II - 

J. F. Zöllner, Beschreibung einer Reise nach Helgoland im Jahre 1793, im Berliner 
Archiv der Zeit. 1795. S. 17—19. Vergl. Provinzialber. 1795. III. S. 333— 339. 

Niemann, Handbuch der schleswig-holsteinischen Landeskunde. Topographischer Th. 
1. Bd. 1799. S. 201. 

Dickinson and Mac Culloch, Notice compaining a section of Heligoland. Trans- 
actions of the geological society. Vol. 1, p. 322. 

Heimemeyer, Ueber Helgoland. Allg. geogr. Eph. Bd. 25, S. 129. 

C. D. Clarke, Travels in various countries of Europe, Asia and Africa. 11 Vol. 
London 1816 — 41. 

v. Hoff, Geschichte der durch Ueberlieferung nachgewiesenen natürl. Veränderungen 
der Erdoberfläche. 5 Bde. Gotha 1822 — 41. 

F. v. d. Decken, Philosophisch -historisch -geographische Untersuchungen über die 
Insel Helgoland oder Heiligeland und ihre Bewohner. M. 2 fjillum.) KK. u. 
2 Karten. Hannov. 1826. 

Hoffmann, F., Einige Bemerkungen über die Vegetation und die Fauna von Helgo- 
land. — In Verhandlungen der Gesellschaft Naturforschender Freunde in Berlin. 
1824. Bd. 1. S. 228. 

Lappenberg, J. M., Ueber den ehemaligen Umfang und die alte Geschichte Helgo- 
lands. Ein Vortrag bei der Versammlung der deutschen Naturforscher im 
Sept. 1830. M. Iithograph. Abrissen. Hmbg. 1830. 

Dührssen, F. A., Nachricht von der Badeanstalt auf der Insel Helgoland. 1832. 

Richter, A. L., Die Seebäder auf Norderney, Wangeroog und Helgoland, nebst topo- 
graphischen und geognostischen Bemerkungen über diese Inseln der Nordsee. 
Berlin 1S33. 

Clarus, Helgoland in medizinischer Hinsicht. In den Beiträgen zur prakt. Heilkunde 
von Clarus und Radius, 1834. Bd. I. S. 118. 

Hille, K. Chr., Die Heilquellen Deutschlands und der Schweiz. 4tes Heft, die Nord- 
und Ostseebäder, mit 3 Karten. Leipzig 1838. 

Salomon, G., Erinnerungen an das Seebad auf Helgoland im Jahre 1834. In Briefen. 
Hmbg. 1835. M. 1 Steindr. 

A n diese n-Si em ens, J., Die Insel Helgoland vor ihrem bevorstehenden Untergange. 
Eine Nationalschrift zum Nutzen ihrer Bewohner und der Nordsee -Schiffahrt. 
M. 2 Ansichten und 1 Karte. Helgoland (Hmbg.) 1S35, 

Helgoland von C. Godeffroy, im Neuen Jahrbuch für Mineralogie etc. von Leon- 
hard und Bronn. Jahrg. 1835 S. 412. 

Röding, J. F. W., Album für Freunde Helgolands. Nebst einem Atlas in Oueer-F. 
von 10 Ansichten und 1 Karte. Hmb". 1836. 












— in — 

Becker, G. W., Meine kleine Seereise oder die Fahrt nach Helgoland. Lpz. 1836. 
Wien barg, L., Tagebuch von Helgoland. Hmbg. 1838. 

Sraidt, H., Eine Fahrt nach Helgoland u. d. Sagen der Niederelbe. Berlin 1839. 12. 
v. Kobbe, T. (C. A.) Briefe über Helgoland nebst poetischen und prosaischen Ver- 
suchen in der dortigen Mundart. Bremen 1840. 
Semmler, Der Eibstrom von seinem Ursprung bis zu seiner Mündung in d. Nordsee. 

Text von C. H. W. Münnich. Dresden 1846. 
Haikens, H. F., Memorabilien. Helgoland und die Helgolander. Herausg. von A. 

Stahr. Oldenburg 1844. 
L. T. bdt. Leonhard, Taschenbuch für die gesammte Mineralogie. 
L. J. Leonhard und Bronn, Jahrbuch der Mineralogie, Geognosie, Geologie und 

Petrefaktenkunde. 
G. A. Gilbert, Annalen der Physik. 
P. A. Poggendorff, Annalen der Physik und Chemie. 

Pr. B. Schleswig-Holsteinische Provinzialberichte. Herausg. von Niera an n. 1787 — 98. 
S. H. L. Pb. Schleswig -Holstein -Lauenburgische Provinzialberichte. Gesammelt von 

Petersen. 1811—25. 1826—30. 
S. H. B. Schleswig-Holsteinische Blätter. Herausg. von C. Heiberg. 1S35 — 38. 
A. Eph. Allgemeine geographische Ephemeriden. Herausg. von Zach, Gaspari und 

Bertuch und Reichard. 1798—1816. 
N. A. Eph. Neue allgemeine geograph. und Statist. Ephemeriden. Herausg. von G. 

Hassel. 1817—31. 
Seekarte Ost unde West tho segelen etc. Lübeck 1575. 

Albert Haeyen, Amstelredamsche Zeecaerten etc. Amstelredam 1613, 37. 
W. Jansz Blaeu, Seespiegel. Amsterdam 1643. S. 15. 
Karten von Helgoland und der nächsten Umgebung. 

Joh. Meyer, Neue Landkarte von der Insul Helgelandt. Anno 1649. 
Abriss der Insel Hellgeland, wie solches von der Elbe Seiten anzusehen. Anno 1714. 

Hamburg, bei Wierings Erben. Dazu erschien auch ein Grundriss mit Beschreibung. 
Charta von dem Heiligenlande, wie solches auf Ordre von Ihro königl. Majestät zu 

Dänemark, Norwegen etc. durch eine Esquadre armirter Fahrzeuge unter Com- 

mando des Hrn. Commandern' Paulsen im Augusto 1714 ist berennet, auch die 

Landung sofort auf denen Sanddünen gethan und den 9ten August durch Hrn. 

Generalmajor v. Wüster in Possession genommen worden. 
Neue accürate Pass-Kaart von das Heilige-Land nach der Elbe, Weser, Eyder en 
•Hewer, mit de Deepte en Dröögte, Reffen en Sanden . Streckung en Koorsen 

na en regtwiesende Conipass. 1760. 



— IV — 

Accurate Pas-Kaart en Afteekning van t'Eiland Helgeland inet alle des selfs Riffen, Reede 
of Anker-Plaatsen geteekent in t'Jaar 1772 van Cornelis Martin Wohlers. 

Accurate Charte vom Elbe-Strom etc., dabei accurate Pas-Kaart van t'Helgeland. Naert' 
Rode Tonn etc. door Chr. Piter Wohlers. 1775. 

Zee Kaart van't Helgoland op Verlangen der Hamburg'sche Commercie Collegie opge- 
nomen in't Jaar 1787 van J. T. Reinke & J. A. Laug. 

Karte von der Mündung der Elbe, Weser und Jahde und von einem Theile der Nord- 
see, auf Kosten der Hamburgischen Commerz -Deputation herausgegeben von 
J. T. Reinke. 1787. 1802. 

Karte von Helgoland, im Jahr 1793 aufgenommen von C. W es sei. 

Karte von der Insel Helgoland, vor der Elbemündung in der Nordsee gelegen, nach 
der von Reinke und Lang 1787 gemachten Aufnahme von derselben. 
Weimar 1808. 

Chart of the Harbour of Heligoland from an Actual Survey made by Lieut. S. 
Dickinson of the Royal Engineers in the year 1808. 

The Island of Heligoland, Views of the same and Chart of the Harbour published as 
the Act directs Novbr. 10. 1810, by G. Testoline. Cornhill London. 

Karte von Helgoland im neunzehnten Jahrhundert, gestochen von A. Papen, König). 
H. Ingenieur -Lieutenant. 1825. 

Karte von den Mündungen der Elbe und Weser, herausg. von der Schifffahrts- und 
Hafen-Deputation in Hamburg. Unter der Leitung von Woltmann zusammen- 
getragen von E. W. Schuback. 1831. 

A Chart of the Entrances to the Elbe and Weser, the Ems, Jahde, Eyder & Hever 
with the island of Heligoland drawn from the latest surveys by J. W. Norie. 
A New Edition 1840. 

Helgolander Bugten, Kiöbenh. 1841. 



Die Insel Helgoland 

nach ihrer Grösse in Vor seit und Gegenwart. 
Vom Standpunkte der Geschichte und Geologie. 

-Lfer lange und so beispiellos erbitterte Kampf zwischen Neptunismus und 
Vulkanismus begann im zweiten Decennium unseres Jahrhunderts zu verhallen; 
was die Kämpfenden sich nicht laut und offen zugestehen wollten, brach sich 
mit Gewalt die Bahn; die Natur schüttelte den Zwang ab, den man ihr allzu- 
lange angethan, indem man sie unter die Alleinherrschaft des Wassers oder des 
Feuers gebannt hatte; beide Potenzen mussten sich versöhnen und jeder wurde 
nicht mehr Einfluss bei der Bildung und den Veränderungen unseres Erdballs 
gestattet, als mit ihren sonstigen Wirkungsgesetzen, deren Kenntniss sich gerade 
in der Zeit des härtesten Kampfes unglaublich rasch entwickelt hatte, — in 
möglichsten Einklang zu bringen war. 

Wenn nun auch dadurch der grosse Nachtheil einer einseitigen Auffassung 
der Erscheinungen in der Geologie beseitigt war; wenn es ferner als eine Un- 
möglichkeit betrachtet werden konnte, dass die Systeme in solch' vorherrschendem 
Grade, wie früher, den geologischen Charakter des Landes repräsentirten , in 
welchem sie zu Tage gefördert worden; so hatte doch die Wissenschaft noch 
andere ungleich grössere Vortheile errungen, Vortheile von solcher Bedeutung, 
dass der oft und viel verwünschte Streit als das glücklichste Ereigniss für ihre 
Förderung begrüsst werden darf. 



Die Verteidigung der Theorien forderte Beweise und Gegenbeweise aus 
der Natur, Thatsachen waren iiöthig, nicht nur gesammelt auf kleinem Gebiete, 
sondern im Gegeiltheil den weitesten Kreisen und mannichf altigsten Verhältnissen 
entnommen. Man lernte beobachten. So geschah es nun, dass die Autorität 
des grossen Lehrers der Neptunisten bei Denjenigen zuerst wankend ward, welche 
als seine ausgezeichnetsten Schüler, seine treuesten Verehrer und Anhänger, aber 
auch als die schärfsten und redlichsten Beobachter die Masse überragten. Sie, 
die die Natur bekehrt, trugen zum Sturz des Neptunismus mehr bei, als alle 
früheren Gegner dieser Lehre zusammengenommen ; sie wiesen in gleichem Maasse 
vulkanische Einseitigkeiten in die rechte Bahn und wurden die Schöpfer von Theo- 
rien, über welche sie früher selbst das entschiedenste Anathem ausgesprochen haben 
würden. Wahrlich, es kann nicht Wunder nehmen, dass Wem er' s Lehre nicht 
eher richtigerer Erkenntniss gewichen, wenn man erwägt, mit welcher unwider- 
stehlichen Gewalt der grosse Gründer der Geognosie den Ideenkreis seiner 
Schüler zu beherrschen wusste; wie er seine Auffassungsart ihnen für's ganze 
Leben in einem Grade einzuimpfen vermochte, dass nur die gewaltigsten 
Köpfe durch lange Kämpfe mit vielfachen Krisen und Rückfällen den fremd- 
artigen Stoff ausscheiden und zur Freiheit des Urtheils gelangen konnten. Es 
kann hierfür kein schöneres Zeugniss angeführt werden, als L. v. Buch's eigenes 
Geständniss: 

„Ich verwirre mich in den Widersprüchen, welche die Natur mit sich selbst 

„zu machen scheint, und gewiss es ist kein angenehmes Gefühl, am Ende 

„gestehen zu müssen, man wisse nicht, was man glauben soll; oft ob es 

„erlaubt sei, seinen eigenen Augen zu trauen. Es kann wohl kaum Jemanden 

„geben, der von der Nicht- Vulkanität der Basalte so überzeugt ist, als ich, 

„und dennoch etc.*) 

Und dennoch zwang ihn die Natur dieser Ueberzeugung nicht nur zu entsagen, 

sondern die Wirkungen des Feuers bei der Bildung und Veränderung unserer 

Erde in einem Umfange anzuerkennen, dass seine Theorien sogar von seinen 

früheren Gegnern in das Reich phantastischer Hypothesen verwiesen wurden. 



") t. Moll's Jahrbuch der Berg- und Hüttenkunde; B. III. S. 361. 



— 3 — 

In diesen Fehden der beiden geologischen Schulen begann sich auf Seite 
der Neptunisten eine Ansicht zu bilden, die allmählich weiter und kräftiger 
entwickelt, dem siegreichen Plutonismus sich gegenübergestellt hat und bis auf 
diese Stunde ihm seine Uebermacht bestreitet. 

Die in den Traditionen fast aller Völker wiederkehrende Erzählung einer 
grossen Katastrophe in der Natur in Folge einer allgemeinen Fluth, hatte beim 
Vergleiche mit den Erscheinungen, welche die Erdrinde darbietet, nicht nur 
ihre hinlängliche Begründung gefunden, nein, die Verschiedenheit der organischen 
Wesen nach Form und Mannichfaltigkeit in den älteren und jüngeren Schichten 
zwang vielmehr, eine Reihe solcher gewaltsamer Umwälzungen zu statuiren, 
auf welche längere Perioden der Buhe mit fortschreitender Entwicklung der 
Lebewelt gefolgt seien. Die Lehre der geologischen Katastrophen ward daher 
von keiner der beiden Partheien verworfen, sondern nur über die Ursachen der- 
selben waren die Meinungen in so schneidenden Gegensatz getreten. 

Für die Behauptung der Wernerschen Lehre war es von sehr hohem Werthe, 
dass die Veränderungen unserer Erdoberfläche durch die Einwirkung des Wassers, 
wenn auch oft nur im kleinen Maassstabe, sich überall unwillkührlich der Wahr- 
nehmung jedes Menschen aufdrängten, und der Forscher sich hinlänglich berech- 
tigt halten konnte, aus so offenliegenden Thatsachen im Kleinen, Schlüsse für 
grössere Verhältnisse zu ziehen, da ja die modificirende Kraft die gleiche, nur 
ihr Maass verschieden schien. Bei diesem Vergleichen der fortwährenden Wir- 
kungen des Wassers mit ehemaligen, richtete sich natürlich der Blick auf die- 
jenigen Veränderungen, welche durch dieses Element in historischen Zeiten 
hervorgebracht worden waren, weil man dann um so sicherere Folgerungen für 
die Erforschung der Umbildung der Erdoberfläche in vorgeschichtlichen Perioden 
gewinnen konnte. 

K. E. A. v. Hoff") gebührt der Ruhm einer der Ersten und unter allen der 
Hervorragendste in diesem Felde der Forschung gewesen zu sein, der, sich 
freihaltend von den Einseitigkeiten der Schule und beseelt von dem Streben 



*) S. Geschichte der durch Ueberlieferung nachgewiesenen natürlichen Veränderungen der 
Erdoberfläche. Gekrönte Preisschrift. 5 Bde. Gotha 1822 — 41. 

1 * 



— 4 — 

»ach „ einer festen, auf Erfahrung gegründeten Basis für die Lehrsätze der oft mir 
zu phantastisch behandelten Geologie," auch die umgestaltenden Einflüssen des 
Feuers zu würdigen verstand, und der Gründer einer Theorie ward, die, wenn 
auch nicht in dem Umfange zulässig, welchen ihr später Lyell*) zu geben 
versuchte, doch für die Wissenschaft dadurch sehr bedeutungsvoll ist, dass die 
Notwendigkeit einer umfassenderen geologischen Dynamik klarer als je hervor- 
tritt. Die Untersuchung der im Gebiete der Geschichte liegenden Veränderungen 
der Erdfläche hatte ihn zu der Ansicht geleitet, dass es vielleicht nicht noth- 
wendig sei, grosse und besonders allgemein über den Erdball verbreitete, durch 
unbegreifliche Naturwirkungen hervorgebrachte Umwälzungen anzunehmen, um 
die grösseren geologischen Erscheinungen zu erklären; sondern dass diese sich 
vielleicht aus den Wirkungen herleiten Hessen, die wir noch jetzt unter unseren 
Augen erfolgen sehen, wenn man sich nicht scheue, sehr grosse Zeiträume für 
die Dauer dieser Wirkungen anzunehmen. Wir finden von nun an in der 
Geologie im Gegensatze zu der Theorie der Katastrophen, jene der All- 
mähligkeit der Umgestaltung. 

Es liegt nicht in dem Zwecke dieser Blätter, das Für und Wider beider 
Ansichten abzuwägen ; auch ist es in der That jetzt noch nicht an der Zeit, der 
einen oder anderen das Urtheil zu sprechen, wenn man nicht in die Fehler 
früherer geologischer Schulen gerathen will. Genaues, von jeder vorgefassten 
Meinung möglichst freies Beobachten , getreues Berichterstatten über das Ge- 
sehene neben dem sorgfältigsten Forschen zur Erkenntniss der bildenden und 
umgestaltenden Kräfte machen die Hauptaufgabe des Geognosten ; sie ist zugleich 
die dankbarste, weil die erlangten Ergebnisse noch dann ihren Werth behaupten, 
wenn thronende Theorien längst in den Staub gesunken sind. 

Zu der Zeit, als sich die Thätigksit der Geognosten noch mehr auf die 
Erforschung der Gebirge, der Verschiedenheit ihrer Gesteinsmassen nach Zu- 



") Principles of geologie, being an attempt to explain the formes changes of the earths 
surface by the causes now in action. 3 Vol. 1830 — 33. Die fünfte Auflage dieses vor- 
trefflichen Buches erschien schon 1837 in 4 Bänden. Nach der ersten und zweiten Auflage 
ist die deutsche Uebersetzung von C. Haitmann. 



sammensetzung und Lagerung beschränkte, konnte die grosse norddeutsche 
Ebene und deren Küsten dem Gebirgsforscher wenig Interesse abgewinnen ; die 
scheinbare Einförmigkeit der weithin verbreiteten Diluvionen und Alluvionen, wo 
kein anstehendes Gestein, keine Felsschichten eines Berges oder Hügels ihn 
zu näherer Untersuchung reizten, wo ihm nicht einmal möglich war, seine 
Sammlung durch eine Stufenfolge zu bereichern, — schreckte vielmehr ab, als 
dass sie bei ihm Fragen über die Abstammung und Bildung dieser Schuttmassen 
erweckt hätte, — denn diese wurde für ihn befriedigend durch die letzte allge- 
meine Fluth erklärt, — dass er den hohen Werth hätte ahnden können, den 
diese ansichtlich so bedeutungslosen Trümmer für die Geschichte des Erdbaues 
einst erlangen würden. 

Der Kampf der beiden Elemente lenkte die Aufmerksamkeit der Neptunisten 
dem Meere in höherem Grade zu; hier konnten an den Gränzen des Festlandes 
schlagende Beobachtungen für die Wirkungen des Wassers gesammelt werden; 
hier fand sich bei dem Zurückgehen in die Geschichte dieser Ländertheile ein 
unerwartet reicher Vorrath der willkommensten Beweise, theils glaubhaft verbürgt 
in Schriftwerken, theils des Vertrauens würdig erachtet im Gewände tausend- 
jähriger Ueberlieferungen. Versunkene Inseln, Städte und Landstriche erhoben 
sich wieder aus den Fluthen und gaben Strebepfeiler für das System. 

Leider ging man bei der Untersuchung dieser Ueberlieferungen nicht mit 
derjenigen Schärfe der Kritik zu Werke, welche die Entscheidung so wichtiger 
Fragen erheischte. Zweifel wurden laut, Widersprüche gegen die aufgestellten 
Behauptungen gewannen Halt, und viele der Burgen, Städte, Inseln und Länder 
sanken in das Meer zurück, aus dem nur Leichtgläubigkeit sie erhoben hatte. 

Die Aufmerksamkeit der Geologen wurde bei dieser Veranlassung aus wei- 
teren Kreisen auf einen kleinen Punkt im Deutschen Meere gelenkt, der zwar 
seiner geognostischen Bedeutung halber dieselbe längst hätte in Anspruch neh- 
men sollen, nun aber als öder Felsrest eines sonst blühenden, grossen Eilandes 
wissenschaftliches Interesse nicht minder als gemüthliche Theilnahme an seinem 
Schicksal erweckte. Wir meinen die Felseninsel Helgoland. 

Obgleich auch gegen diese Sage schon im vorigen Jahrhundert wohl- 
begründete Bedenken erhoben worden waren; so galt doch den meisten Geologen 



— 6 — 

v. HofPs Mittheilung als entscheidender Beweis, und die Mehrzahl der Schriften über 
jene Insel theilten unbedingt dieselbe Ueberzeugung. *) Es war daher ein sehr 
glücklicher Gedanke des Herrn Dr. Lappenberg, als er diese Streitfrage bei der 
Versammlung der deutschen Naturforscher in unserer Vaterstadt zur Sprache 
brachte und von kritisch -historischem Standpunkte aus die Sage und die ihr 
entquollenen schriftlichen Zeugnisse von der ehemaligen Grösse Helgolands 
allseitig beleuchtete und auf's Bündigste widerlegte."*) Wohl hatte sich an 
seine Schlüsse der ausdrückliche Wunsch geknüpft, dass bei dem Besuche 
der Insel durch die Mitglieder der Versammlung auch die geologischen 
Gesichtspunkte zur Erörterung kommen möchten, allein die Kürze des Auf- 
enthaltes (nur einen Tag) mag es vollkommen entschuldigen, dass die, der 
Schrift des Hrn. Dr. Lappenberg beigefügten, topographischen und geognostischen 
Bemerkungen über Helgoland von den H. H. L. und K. weit hinter seinen Leistungen 
zurückblieben und ausser bereits früher bekannten Verhältnissen nichts darbieten, 
was als eine wesentliche Stütze der historischen Facta betrachtet werden dürfte. 

Indessen fanden jene geschichtlichen Deductionen bei den Geologen so voll- 
ständige Anerkennung, dass selbst v. Hoff ihren Werth unbedingt zugestand und 
die Sage dieser ehemaligen Grösse „ganz in das Reich der Erdichtungen 
verwies." ''•") Von keiner Seite erhob sich eine ernstliche Einsprache, welche 
gegen Lappenberg's Behauptungen Zweifel erweckt oder deren Haltbarkeit beein- 
trächtigt hätte. Erst acht Jahre später trat Herr Dr. Wienbarg ***■*) für die alte 
Meinung auf's Neue in die Schranken und versuchte die in der gelehrten Welt 
ausser Credit gekommene Sagengrösse Helgolands durch nachgewiesene Ueber- 
einstimmung der Tradition, Geschichte und Natur zu retten. 

Wie wichtig eine Entscheidung dieser Polemik auch in geologischer Be- 
ziehung sei, wie wenig man aber bis jetzt die vorhandenen Verhältnisse dazu 



•) S. Bulletin de la Soc. geologique de France. V. S. 183. 
*') S. Ueber den ehemaligen Umfang und die alte Geschichte Helgolands. Ein Vortrag 
bei der Versammlung der deutschen Naturforscher im September 1830. Hamburg, 
Perthes und Besser. 

'■*) S. v. Hoff. III. Bd. S. 258. 
") S. Tagebuch von Helgoland von L. Wienbarg. Hamburg 1838. Antiquarische Zugabe, S.107. 



habe mitwirken lassen, ist bereits im Allgemeinen angedeutet worden. Die Mit- 
theilung derartiger Beobachtungen und Untersuchungen kann dalier für die 
Wissenschaft nur erspriesslich sein, wenn auch nur indirect durch Anregung zu 
umfassenderen und gründlicheren Forschungen. Dieser Glaube ist für den Verf. 
das Hauptmotiv, die bei einem mehrwöchentlichen Aufenthalt auf jener Insel 
gewonnene Ausbeute an Erfahrungen und Ansichten nicht zurückzuhalten. Da er 
aber auf seinem Wege zu einem andern Ziele gelangte, als Wienbarg, so schien 
es ihm unbedingt erforderlich, auch die Zeugnisse der Geschichte mit denen der 
Natur zu vergleichen und die Richtigkeit der Ersteren nach dem Einklang oder 
Widerspruch mit den Letzteren zu prüfen. Diese mögen zu besserer Verstän- 
digung hier die Stelle einnehmen, welche ihnen nach der Entwicklung des 
Meinungskampfes gebührt und auch nach den vielen wechselseitigen Beziehungen 
als Stütze für die geologischen Thatsachen geeigneter erschien. 



Erste Abtheilung. 

Historisches. 

Die ältesten Nachrichten über die Inseln an der Mündung der Elbe ent- 
behren alle diejenige Bestimmtheit in ihren Angaben, welche eine directe Beweis- 
führung erheischt, ja sie sind überhaupt so allgemein hingeworfen, unter ein- 
ander so wenig zusammentreffend, dass es der historischen Kritik unmöglich ist, 
auf indirectem Wege eine blössenfreie Behauptung auszusprechen. Wo sich 
aber die Meinungen mit gleichem, mehr oder weniger überwiegendem Rechte 
nach ganz entgegengesetzten Seiten wenden können, da ist für den vorliegenden 
Zweck auch kein Haltpunkt gegeben. Wer vermöchte aus den vorhandenen 
geschichtlichen Denkmalen als unbestreitbare Thatsache hinzustellen, dass Helgo- 
land zu den drei Sachsen-Inseln gehöre, welche nach Ptolemäus über der Mün- 
dung der Elbe liegen sollen? Wahrlich, wir haben in Zeiten weit mehr ent- 
wickelter geographischer Kenntnisse keinen Mangel an Angaben, die sich bei 
näherer Prüfung als total falsch erwiesen , und uns recht wohl einen Maasstab 
zur Schätzung für die Bestimmung des alten Geographen geben können! Was 



— 8 — 

wäre ferner für die Gewissheit der Sagengrösse Helgolands erreicht, wenn wir 
ohne allen Anstand zugeben wollten, dass es das alte Fositesland des 
Alcuin *) sei, so lange uns genauere Schilderungen fehlen? Es konnten sich 
gerade an die isolirte Felseninsel in der Zeit des Kampfes zwischen Christen- 
und Heidenthum die glänzendsten Bezüge nach aussen knüpfen, eben weil sie 
als natürliche Feste, wie weit und breit im Lande der Dänen, Friesen und 
Sachsen keine zweite zu finden, eben so wohl eine sichere Stätte für die 
bedrängten Götter und Heiligthümer, als eine wehrhafte Burg für ein geschlage- 
nes Heer, einen sicheren, weithin sichtbaren Sammelplatz für die zum neuen 
Kampfe aufgebotenen Banner gewährte. Auf dem flachen Lande mussten Friesen 
und Sachsen den in der Taktik des Landkrieges erfahreneren Franken weichen, 
hier, auf der Vestung im Meere gab die Seekunde jenen das Uebergewicht. Die 
Insel war den Sachsen und Friesen, was den Tyrolern ihre Hochthäler. Ein 
flaches Eiland mit einer Felskuppe, das nur durch einen Meeresarm (von Fähre 
und Steg nicht zu reden) von 1 Meile **) Breite und geringer Tiefe vom Lande 
getrennt lag, war dem feindlichen Angriffe und der Ueberwindung mit einiger 
Anstrengung weit leichter preisgegeben; jene Veste konnte nicht ausgehungert, 
nicht gestürmt werden, so lange dem Besitzer die Herrschaft des Meeres blieb. 
Läge Helgoland im Verhältniss zur Küste wie Föhr oder Sylt, so hätten es im 
letzten Kriege die Engländer wohl schwerlich gegen Frankreichs Landmacht 
behaupten mögen! 



*) Beda erwähnt Fositesland nicht, wie Wienbarg S. 207 behauptet, wovon sich derselbe 
leicht überzeugen konnte , wenn er die von Lappenberg citirten Stellen nachgeschlagen 
hätte. Beda spricht in der histor. Anglorum 1. V. cap. 10 nur von Willibrord's Bekehrung 
der Friesen, ohne die Insel zu nennen. Uebrigens ist der Name dieses Heiligen Willi - 
brord und nicht Wi 11 ib rand, wie Wienbarg schreibt. Dass der ErzbischoffWillibrord 
erst nach dem Jahr 696 nach Fositesland kam, ergiebt sich aus dem Umstände, dass er 
erst in diesem Jahre das Bisthum erhalten hat. (Beda hist. Anglor. I.V. c. II.) Alcuin 
erzählt aber ausdrücklich, dass Willibrord erst später Fositesland besucht habe. (Der 
Verf. verdankt diese und einige andere der histor. Notizen der Güte des Herrn Dr. Lap- 
penberg.) Radbod ging also erst nach seiner zweiten Besiegung nach der Insel, und es 
gewinnt dadurch meine Annahme eines Zufluchtsortes an Bedeutung, während Wienbarg' s 
Vorstellung ihr Gewicht einbüsst. (S. a. a. O. S. 209.) 

'•) S. Meyer's Karte von Nordfriesland Anno 1240, bei Dankwerth. 



Was bei Alcuin fehlt, wollte man durch Altfried's Erzählung von der Lan- 
dung des heil. Liudger auf Fositesland ergänzen; denn er soll die Tempel des 
Götzen zerstört und statt ihrer christliche Kirchen errichtet haben. Die Mehr- 
zahl könnte allerdings mittelbar einen ungefähren Maassstab für die Grösse der 
Insel bieten, und Wienbarg stützt sich hierauf nicht wenig in seinen Behaup- 
tungen. Es werde der Plural auch zugegeben; so bedingt doch eine andere 
Deutung keinesweges einen grösseren Umfang. Was können dies für Tempel 
und Kirchen gewesen sein? Man vergleiche nur genauer, was von Willibrord 
und Liudger in deren Lebensbeschreibung gesagt ist, um auch hierüber zu einem 
richtigen Schlüsse zu gelangen. 

In dem Leben des heil. Willibrord (f 739), von Alcuin (f 804) verfasst, lautet 
die auf unsere Insel bezügliche Stelle cap. 10: — pervenit in confinio Danorum 
et Fresonum ad quandam insulam, quae a quo dam deo suoFosite ab accolis 
terrae Fositesland appellatur, quia in ea ejus dem dei fana fuere constructa, 
qui locus a paganis in tanta veneratione habebatur, ut nil in ea, vel animalium 
ibi pascentium, vel aliarum quarumlibet rerum gentilium quisquam tangere 
audebat, nee etiam a fönte, qui ibi ebulliebat, aquam haurire nisi tacens 
praesumebat. Quo cum vir dei tempestate jaetatus est, mansit ibidem 
aliquot dies, quousque sepositis tempestatibus opportunum navigandi tempns 
adveniret. Sed parvipendens stultam loci illius religionem, vel ferocissimum regis 
animum, qui violatores sacrorum illius atrocissima morte damnarc solebat; tres 
bomines in eo fönte cum invocatione sanetae trinitatis baptizavit. Sed et animalia 
in ea terra poscentia in eibaria suis maetare praeeepit. Ouod pagani intuentes 
arbitrabantur, eos vel in furorem verti, vel etiam veloci morte perire; quos cum 
nil mali cernebant pari, stupore perterriti regi tarnen Radbodo quod viderant 
factum retulerunt. Oui nimio furore succensus in sacerdotem dei vivi suorum 
injurias deorum ulcisci cogitabat, et per tres dies semper tribus vieibus 
sortes suo more mittebat, et nunquam damnatorum sors, deo vero defendente suos, 
super servum dei aut aliquem ex suis cadere potuit; nee nisi unus tantum ex 
soeiis sorte monstratus martyrio coronatus est. 

Von Liudger (785) erzählt Altfried (f S49): Ipse vere (Liudgerus) — studuit 
fana destruere, et omnes erroris pristini abluere sordes. Curavit quoque ulterius 

2 



— 10 — 

doctrinae derivare flumina, et consilio ab imperatore accepto, transfretavit in 
confinio Fresonum atque Danorum ad quandam insulam, quae a nomine 
dei sui falsi Fosete Fosetesland est appellata — pervenientes autem ad eandem 
insulam, destruxerunt omnia ejus dem Fosetis fana, quae illic fuere con- 
structa, et pro eis Christi fabricaverant ecclesias, cumque habitatores terrae 
illius fide Christi imbueret, baptizavit eos cum invocatione sanctae trinitatis in 
fönte, qui ibi ebulliebat, in quo sanctus Willibrordus prius homines tres bapti- 
zaverat, a quo etiam fönte nemo prius haurire aquam nisi tacens praesumebat. 
(S. Pertz 2. 410.) 

Obgleich aus der letzteren Erzählung deutlich hervorgellt, dass Altfried 
Alcuin vor sich gehabt; so bezeichnen doch beide die heidnischen Heiligthüiner 
nicht als Tempel, sondern als Fana, worunter im Gegensatz zu templum nur 
kleinere Gebäude zu verstehen sind,') wenn man nicht, was anderen Verhält- 
nissen noch entsprechender ist, nur geweihte Oerter, wie Opferplätze und Mahl- 
stätten, dafür annehmen will. „In den meisten Fällen, sagt Grimm, ■) ist aus- 
drücklich bemerkt, dass an der Stelle des heidnischen Baums oder Tempels eine 
Kirche errichtet wurde. Auf solche Weise schonte man der Angewöhnung des 
Volkes, und machte ihm glaublich, dass die alte Heiligkeit der Stätte nicht 
gewichen sei, sondern fortan von der Gegenwart des wahren Gottes abhänge." 
So fügt derselbe der Erzählung Altfried's die Bemerkung bei: „Die Insel nahm 
seitdem den Namen heleg-land, Helgoland, an, den sie noch heute fortführt; den 
Bekehrern war auch hier daran gelegen , einen auf der Stätte ruhenden Begriff 
der Heiligkeit für das Christenthum zu erhalten.""**) Es folgt hieraus, dass 
Grimm Fositesland und Helgoland für identisch hält. 

Liudger schiffte, wie aus jenem Berichte erhellt, auf Geheiss des Kaisers 
ad quandum insulam, welche von dem Götzen Fosite Fositesland genannt sei. 
Denn Luidger curavit quoque ulterius doctrinae derivare flumina, woraus folgt 
dass Fositesland besonders als Sitz des Heidenthums den Verbreitern des 



•) S. J. Grimm deutsche Mythologie 1835. S. 691. 
") S. a. a. O. S. 56. 57. 
•**) S. Grimm a. a. O. S. 145. 



— 11 — 

Christenthums wichtig war, und hält man die Schilderung Adams von Bremen 
daneben; so ergiebt sich unzweifelhaft, dass die Insel nur dem Fositesdienst, 
aber nicht ihrer Grösse den Ruhm verdankte. *) 

Befragen wir aber auch die Geschichte der Kunst nach der Art dieser 
Tempel, Fanen und Kirchen! Sie giebt uns die beste und unwiderleglichste 
Antwort. Um's Jahr 785 stand in denjenigen Gegenden Deutschlands, die 
nicht durch die römische Occupation oder dureh die Einführung des Christen- 
thums einen höheren Bildungsstand erreicht hatten, besonders die Architektur 
noch auf einer sehr niedrigen Stufe, was die wenigen Reste, die uns aus jener 
Zeit erhalten sind, beweisen. Man darf sich daher bei der Erzählung von heidni- 
schen Tempeln und den ersten christlichen Kirchen, besonders auf dem flachen Lande, 
nur die geringsten Vorstellungen erlauben, Vorstellungen für Erstere, die sich von 
den Götzentempeln des Otahaitiers in unseren Tagen nicht weit entfernen, und hin- 
sichtlich Letzterer nicht über unsere schlechtesten Dorfkirchen sich steigern dürfen.**) 
In unseren Gegenden war überdies noch der Mangel an Steinen ein grosses Hin- 
derniss. Zur Bearbeitung der granitischen Gerolle fehlten die Werkzeuge, da die 
Kunst der Stahlbereitung nach dieser Zeit im Norden bekannt ward, und die Kennt- 
niss der Anfertigung gebrannter Steine, durch die Römer nach Deutschland ge- 
bracht, erst später dasselbe überwinden lehrte. Es mögen daher gerne ein halbes 
Dutzend solcher Götzenhütten mit Opferaltären und Steinkreisen auf Helgoland 
zugegeben werden, deshalb brauchte die Insel keinesweges einen weit bedeu- 
tenderen Umfang als jetzt zu haben. Es ist ja denkbar, dass sie als 



") Wienbarg (S. a. a. O. S. 209.) lässt den Liudger von Ludwig dem Frommen mit 
einem Bekehrungsheere ausgerüstet werden, wovon in obiger Stelle kein Wort steht, und 
lässt also den grossen Kaiser Carl schon im Jahre 785, 29 Jahre vor seinem Tode, 
todt sein! Abgesehen von jedem beliebigen Geschichtsbüchlein deutscher Nation, hätte 
auch hier das Nachschlagen der Quellen, wo Carl der Grosse ausdrücklich genannt wird, 
ihn vor Irrthum bewahrt. 

*) Hein. Ranzau hat in seiner Descr. Cimbric. Cherson. (Westphalen Monum. I. S. 60) eine 
Abbildung des Denkmals (mit einem Tempel oder Sacrarium) gegeben , welches der 
Dänen König Haraldt um's Jahr 964 seinem Vater Gorm und seiner Mutter Tyre in 
Jelling, unweit Kolding, errichtete. Obgleich dasselbe fast zwei Jahrhundert nach Liudger's 
Landung auf Fosetisland fällt; so wird der Anblick dieses Königsdenkmals auch 
meinen Schluss hinsichtlich der Art der Kirchen- und Tempelbaukunst rechtfertigen. — 
Man vergl. auch F. Kugler, Handbuch der Kunstgeschichte, Stuttgart 1842. S. 5. ff. 



— 12 — 

Zufluchtsstätte der Heiligthümer in Zeiten -der Gefahr zugleich ein Wallfahrtsort 
geworden, und vorübergehend grössere Volksmassen zur Uebung ihrer Andacht 
sich hier versammelt haben. Zur Zeit des Heeringsfanges im 16. Jahrhundert 
lebten 3000 Menschen und während der Continentalsperre mit der Besatzung 
sogar 4400 *} dauernd auf der Insel, der ungeheueren Masse von Kriegsmaterial 
und Waarenvorräthe gar nicht zu gedenken; wie viel leichter konnte sie bei 
ausserordentlichen Ereignissen vorübergehend die doppelte Zahl beherbergen, wie 
leicht fanden noch einige Tausende auf den Schiffen, deren, nach H. Ranzau, **) 
der Süderhafen allein mehr als hundert aufnehmen konnte, ihre Unterkunft. 
Dann waren mehrere Orte der Verehrung erforderlich, und es möchte auch 
Liudsrer statt einer kleinen Kirche vielleicht zwei oder drei auf dem Ober- und 
Unterlande der Insel, wozu nach ihrem jetzigen Maasse Raum genug ist, errichtet 
haben, damit bei der Unmöglichkeit der Ausführung grösserer Bauten die Zahl 
der bekehrten und durch Neugierde herbeigetriebenen Heiden Gelegenheit fände, 
im neuen Glauben zu erstarken und vom alten Götzendienst sich abzuwenden. 
Dass Helgoland aber überhaupt der Lage halber zu einem heiligen Orte 
besonders geeignet war, begründet Grimm folgendermassen : „Auf einer Insel, 
zwischen Dänemark, Friesland und Sachsen gelegen, dürfen wir sicher einen 
heidnischen Gott erwarten, der diesen Stämmen unter einander gemein war. Es 
wäre seltsam, dass der Friesische Fosite den Nordländern unbekannt gewesen, 
und noch seltsamer, dass der eddische Forseti ein davon ganz verschiedener 
Gott sein sollte. Freilich hätte man bei Saxo gram, eine Erwähnung gerade 
dieser Gottheit erwartet, der ihrer völlig geschweigt; allein er gedenkt mancher 
anderer nicht, und in seinen Tagen mag Fosites Name unter den Friesen ver- 
klungen gewesen sein. Spätere Schriftsteller haben aus diesem Fosite eine 

weibliche Göttin Foseta , Phoseta, Fosta gemacht, um sie der römischen Vesta 
zu nähern. Schon aus diesem Grunde schreibe ich der in Clarkes 
travels pars 3. sect. 1. pag. 8 herausgegebenen Karte, von Helgo- 
land, auf welcher man ein templuin Fostae vel Phosetae a. 768 und 



•) v. d. Decken Untersuchung über die Insel Helgoland. S. 19. 20. 
■ •) H. Ranzovius. Desc. Cimbr. Cherson. (Westphalen Monum. I. S. 69.) Centnm et plures 
onerarias naves. 



— 13 — 

ein templum Vestae a. 692 angemerkt findet, geringes Alter zu."*) 
Grimm wusste demnach nicht, dass jene Karte nur eine, nicht einmal vollständige, 
Kopie der Meier'schen Karte bei Dankwerth sei, und hat also sehr richtig 
geschlossen ! **) 

Wie viel einfacher gestaltet sich aber noch das Ganze, wenn man unter 
Kirchen nur ein Kloster mit Kapelle und eine öffentliche Kirche begreifen will, 
oder nach der Lesart der Bollandisten, ecclesiam statt ecclesias, sogar nur einer 
einzigen Kirche Erwähnung geschieht? Dann verliert W's. Schluss vollends 
alles Gewicht. 

Doch mögen diese schwankenden Angaben verlassen werden und die Unter- 
suchung sicher verbürgter, ungleich wichtigerer Nachrichten an deren Stelle treten. 

Diese verdanken wir zunächst dem Bremer Scholasticus Adam, welcher die 
Länder Schleswig, Holstein, Dänemark aus eigener Ansicht kannte und in sei- 
nem Werke „ de situ Daniae " uns eine Schilderung ihrer damaligen Zustände über- 
liefert hat. Er sagt von Helgoland: 

Ordinavit (Archiepiscopus) (episcopum) in Finne Eilbertum, quem tradunt 
conversum a piratis Farriam insulam, quae in ostio fluminis Albiae longo secessu 
latet, (ui Oceano. Lbg.) primum reperisse, constructoque monasterio in ea 
fecisse habitabilem. Haec insula contra Hudeloam sita est. Cuius 
latitudo (longitudo) vix VIII. milliaria panditur, latitudo quatuor; 
homines Stramine fragmentisque navium pro igne utuntur. Sermo 
est piratas, si quando praedam inde vel minimam tulerint, aut mox 
perisse naufragio, aut occisos ab aliquo, nulluni redisse indemp- 
nem. Qua propter solent heremitis ibi viventibus decimas prae- 
darum offerre cum magna devotione. Est enim feracissima frugum, ditis- 
sima volucrum et pecudum nutrix, collem habet unicum, arborem nullam, scopulis 
includitur asperrimis, nullo aditu nisi uno, ubi et aqua dulcis, locus venerabilis 
omnibus nautis, praecipue vero piratis. Unde nomen accepit ut Heiligeland 
dicatur. Hanc in vita sancti Willibrordi Fosetisland appellari didicimus, quae 



*) S. Grimm a. a. O. S. 145. 
**) Man vergleiche auch, was Michaelsen in seinem „Nordfriesland im Mittelalter" 
S. 45 und 46 von Helgoland bemerkt. 



— 14 — 

sita est in confinio Danorum et Fresonum. Sunt et aliae insulae contra Fresiam 
et Daniam, sed nulla earum tarn memorabilis." 

„Der ErzbischofF ordinirte Eilbert zum Bischoff in Fahnen. Dieser soll, von 
Seeräubern zur Flucht genöthigt, die Insel Farria, welche in der Mündung der 
Elbe in weiter Entfernung liegt, zuerst (im Ocean) wieder aufgefunden und durch 
Erbauung eines Klosters bewohnbar gemacht haben. Diese Insel liegt dem Lande 
Hadeln gegenüber. Ihre Lauge beträgt kaum 8, ihre Breite 4 Meilen. Die Ein- 
wohner bedienen sich des Strohs und der Schiffstrümmer zur Feuerung. Man 
sagt, dass die Seeräuber, wenn sie auch nur die kleinste Beute dort machten, ent- 
weder bald durch Schiff brach verunglückten, oder von irgend jemandem erschlagen 
wurden; keiner sei ohne Schaden davon gekommen. Deshalb pflegen die See- 
räuber den dort lebenden Einsiedlern den Zehnten der Beute mit grosser Ver- 
ehrung darzubringen. Sie ist sehr fruchtbar an Feldfrüchten, reich an Vögeln 
und bietet Schaafen Futter. Sie hat einen Hügel, keinen Baum, wird von 
schroffen Felsklippen eingeschlossen und ist bis auf eine einzige 
Stelle unzugänglich, bei welcher sich auch eine Süsswasserquelle 
befindet. Der Ort ist allen Schiffern, besonders aber den Seeräubern ehrwürdig, 
woher sie auch den Namen Heiligeland erhalten hat. Aus dem Leben des heil. 
Willibrord ersehen wir, dass dieselbe Fositesland heisse und an der Grenz- 
scheide der Dänen und Friesengelegen sei. Es giebt noch andere Inseln Fries- 
land und Dänemark gegenüber, aber keine derselben ist so merkwürdig." 

So getreu und wahrhaft diese Beschreibung auch ist, so sehr sie mit dem 
heutigen Zustand der Insel übereinkommt, dass ein Missverständniss fast 
unglaublich scheint, eben so sehr hat man sich über einzelne, wenig erhebliche 
Punkte in einen unfruchtbaren Streit eingelassen und der Sage zu Liebe, mit 
unbegreiflichem Leichtsinn den Wortlaut dieser Schilderung bei Seite setzend, 
sich die ärgsten Verdrehungen und Auslegungen erlaubt. 

Das von Eilbert gebrauchte Wort conversus gab zunächst Anstoss; man 
wollte es in der Bedeutung eines vom Heidenthum Bekehrten nehmen, allein hier 
stand das apiratisim Wege, weil es dann heissen müsse : e p i r a t a. Lappenberg * ) 
schlug die Emendation diversum a piratis (für divertentem, fliehend) vor, und 

•) S. Lappenberg a. a. O. S. 12. 32. 



— 15 — 

andere Handschriften lesen captum statt conversum. Ovid gebraucht in den Met. 13. 
879. (Terga fugae dederat conversa Symethias heros) dies Wort in einem Sinne, 
der ganz auf diese Stelle passt und mir gar keine Aenderung zu erfordern 
scheint, indem es heissen würde: „Eilbert durch die Seeräuber zur Umkehr ge- 
zwungen." Nicht minder viel Meinungsverschiedenheit gab sich über den Namen 
Farria insula kund.*) Die Farör- Inseln, die dänische Insel Falster sollten dar- 
unter verstanden werden, ja man ging so weit in Behauptungen, dass Adam 
ganz entfernte Länder und Inseln in seiner Schilderung confundirt habe, 
Farria wäre Fehmern, wenn man statt Hadeloam, Slaviam lesen wolle.*') Das 
so nahe liegende Föhr dafür anzunehmen, schlug zuerst Lappenberg vor, wo 
denn statt Farriam nur Föram stehen würde, — eine Verwechslung, welche dem 
der Gegend Unkundigen so leicht begegnen konnte; — aber selbst diese schwin- 
det, wenn man Lappenberg's Emendation a piratis Farrianis (vielleicht noch 
besser Föranis) zugestehen möchte. 

Gleichen Widerspruch hat die Stelle von: Haec insula devotione 

veranlasst. Dieselbe wurde für ein Glossem erklärt ***) und man suchte dies 
möglichst dadurch zu erhärten, dass sie in einigen Handschriften fehlt und 
früher nur aus Frid. Lindenbrogii annotat. ad Script, septentrionales in Staphorst's 
Hamb. Kirchengeschichte Th. I. S. 304 bekannt war, bis sie Pertz auch in einer 
Wiener Handschrift des 13. Jahrhunderts fand. Trotz dem hält Wienbarg, ohne 
Angabe eines Grundes, sie noch für einen nachherigen Zusatz. Allein da 
seit dem Jahr 1830 Herr Dr. Lappenberg auch in einem Utrechter Manuscripte 
des Adam aus dem Ende des Uten oder Anfang des 1 2 ten Jahrhunderts diese 
Stelle entdeckte, die Handschrift also vielleicht gleichzeitig mit Adam, der bald 
nach dem Jahre 1072 schrieb, verfertigt wurde, so ist sie keineswegs als ein 
„offenbar späteres Einschiebsel" ferner zu betrachten. 

Es ist für den vorliegenden Zweck ganz einerlei, ob Eilbert die Insel zu- 
erst wieder aufgefunden und bewohnbar gemacht habe oder nicht; f) Adam selbst 



*) S. Läppenberg a. a. O. S. 12. 31. 
'*) S. Staatsbürgerliches Magazin 1831. lOr Bd. S. 988 u. ff. 
'**) S. Kuss in d. Schlesw. Holst. Lauenb. Provinzialblättern 1823. 4tes Heft S. 103. 
|) Wir beziehen diesen Ausdruck auf die Wiederherstellung des christlichen Cultus, denn dadurch 
wurde sie im Sinne der Bekehrer für Christen bewohnbar. S. Michaelsen a. a. O. S. 46. 



— 10 — 

Gebraucht das Wort tradunt, man sagt, und kümmert sich nicht weiter um den 
Beweis. Dagegen gewährt es das höchste Interesse, seine Beschreibung mit 
denen späterer Schriftsteller und den jetzigen Verhältnissen zu vergleichen, weil 
dadurch die Unhaltbarkeit der ehemaligen Grösse Helgolands sich auf's Be- 
stimmteste darlegen lassen wird. 

Die geologische Frage eines ehemaligen Zusammenhanges mit dem Lande 
Hadeln für den zweiten Theil versparend, wenden wir uns zu den von Adam 
angegebenen Maassverhältnissen des Eilandes. Beide Partheien sind darin über- 
einstimmend, dass das Wort milliare nicht für deutsche Meilen genommen wer- 
den könne, denn ausserdem, dass um's Jahr 1072 noch keine Bestimmung für 
die deutsche Meile in unserem Sinne existirte, würden die Freunde der Sage 
mit dem tJeberflusse in Verlegenheit gerathen. Man hat daher um so bereit- 
williger von letzterer Seite die Bedeutung dieses Wortes bei den Römern her- 
vorgehoben, wonach milliare 1000 römische Schritte, jeder zu 5 römischen Füssen 
gerechnet, betrage und 758,2 Toisen oder 4549,2 pariser Fuss gleich käme. 
Jedoch auch dieses Maass steht mit anderen Angaben in der Erzählung in so 
entschiedenem Widerspruche, dass man sich gezwungen sieht, dem Worte ent- 
weder einen anderen Sinn unterzulegen, oder anzunehmen, dass sich hier ein 
Irrthum eingeschlichen habe. Acht römische Meilen geben für die Länge der 
Insel 1,59; vier römische Meilen aber 0,79 deutsche Meilen für deren Breite. 
Wollte man auch einräumen, dass noch zu Adam's Zeit der jetzige Fels mit 
den gegen Südost, Ost und Nordost ihn umschliessenden Klippen zu einem 
Ganzen verbunden, dass Norder- und Süderhafen noch Land gewesen 
sei, wogegen jedoch nicht nur für jene Zeit, sondern überhaupt sehr ge- 
wichtige Gründe streiten ; — so beträgt selbst dann die Länge von der äussersten 
Klippenspitze gegen N.N.W, bis zum sogenannten Steen, als äussersten Punkt 
gegen S. S. O., nach der neuesten Karte von Norie *) gemessen, nur etwas mehr 
als eine deutsche Meile, und die rechtwinklich hierauf genommene grosseste 
Breite von dem Bande des kleinen Ryffs gegen O. bis zum westlichen Rande 



•) A Charte of the Eutrances of the Elbe and Weser etc. with the island of Helegoland' 
drawn from the latent Surveys by .1. W. Norie. London 1840. 



— 17 — 

der Klippen, welche die Sohle des Felsens bilden, nur T 7 5 deutsche Meilen. 
Diese Differenzen sind zu bedeutend, selbst bei der Möglichkeit der Annahme 
einer solchen Gestaltung der Insel. Lappenberg *) hat daher vorgeschlagen, 
milliare als ein Maass von 1000 Fuss gelten zu lassen, weil auch dann die da- 
malige Insel noch immer sehr viel grösser als jetzt erscheine. Werfen wir einen 
Blick auf die Karte, so findet sich leicht durch eine einfache Messung des Fel- 
sens, sowohl in seinem jetzigen Zustande, als auch bei den durch seine Zer- 
störung nach allen Seiten entstandenen Riffen, — wozu jedoch die von der 
Düne aus streichenden nicht gerechnet werden, — ein Verhältniss der Breite zur 
Länge fast wie 1:3,5; nach Adam's Angaben wäre aber dasselbe nicht einmal 1,:!, 
was nach der in dem Klippenbilde so schön markirten Grösse der Abnahme durch- 
aus unzulässig ist. Wie könnten nun wohl diese Schwierigkeiten beseitigt werden? 
Eine römische Meile hat S Stadien zu 125 römischen Schritten oder 568| Par. Fuss. 
Wenn nun Adam oder die späteren Abschreiber seines Werkes stadia mit milliaria 
verwechselt haben sollten; wenn ferner, da die Länge nicht mit Worten, son- 
dern mit Zahlen geschrieben ist, VIII statt XIII gesetzt worden, was durch 
ein Versehen beim Abschreiben leicht denkbar wäre, so ergiebt sich eine Länge 
von 13 Stadien = 7392 P. Fuss gegen eine Breite von 4 Stadien oder 
= 2274 P. F. Die jetzige Länge des Felsens beträgt nach der Karte von 
v. d. Decken circa 6118, die grösste Breite 1900 P. F.; nach Norie circa 
5730, und 1800 P. F. Röding*) und Siemens"'**) geben dieselbe überein- 
stimmend zu 2200 Schritte in der Länge, 650 in dergrössten, 250 in der kleinsten 
Breite an, was, den Schritt zu 2,5 Fuss, ein Verhältniss von 5500 : 1625 : 625 P.F. 
giebt, und von den Zahlen der Norie'schen Karte darum schon keine so we- 
sentliche Differenz bietet, weil die Stellen der Maassnahme in den letzteren 
Fällen nicht weiter angegeben sind. Wählt man nun Röding's Zahlen; so hätte bei 
der Statuirung obiger Conjectur seit Adam von Bremen die Insel nach N. W. und 
S.O. in der Länge 1892, in der Breite 649 P.F. abgenommen; welche Zahlen 



•) A. a. O. S. 11. 

•*") Album für Freunde Helgolands. Hambg. 1836. 113. 114. 

"') Die Insel Helgoland vor ihrem bevorstehenden Untergange. Helgoland 1835. S. 37. 

o 



— 18 — 

sich fast wie 1:3 verhalten. Vergleicht man nun ferner das Maass der grössten 
Abnahme auf dem Klippenbilde von den Rändern gegen die Küste, so verhält 
sich auch hier die grösste Abnahme gegen N.O. und S.W. zusammengenommen, 
zur Summe der Verminderung gegen N.W. und S.O. nahe wie 1:3. Wir wer- 
den indessen in der zweiten Abtheilung noch bestimmtere und entscheidendere 
Thatsachen anfuhren, die den Beweis liefern, dass die Verminderung des Eilandes 
seit dem Jahre 1072 noch nicht einmal so hoch angeschlagen werden darf, wie 
wir oben gethan, und den Grössen -Angaben Adam's ein noch kleineres Maass 
substituirt werden muss. Hat er sich so wesentlich irren können, die Breite 
der Insel grösser als deren halbe Länge zu nehmen, — so war auch eine Verwechs- 
lung der Maasse möglich, die er ja nur aus Berichten Anderer erhalten zu haben 
scheint. Ihre Bedeutung für eine Beweisführung ist daher nur gering und steht 
dem Werthe seiner übrigen Angaben weit nach. 

„Die Einwohner bedienen sich des Strohs und der Schiffstrümmer zur 
Feuerung," erzählt der Bremer Scholasticus weiter, und man könnte schon dar- 
aus mit vollem Rechte folgern, dass kein Holzwuchs auf der Insel gewesen sein 
müsse, wenn er nicht noch weiterhin zum Ueberfluss ausdrücklich hinzugefügt 
hätte: „sie hat keinen Baum." Wenn man das bedeutende Gewicht dieser 
Angabe nun freilich dadurch auf eine sehr naive Weise zu neutralisiren ver- 
suchte, dass man die Heiligen Willibrord und Liudger als Hainvertilger betrachtete 
und ihren Verwüstungen den Mangel an Wäldern zuschrieb; so ist zwar allerdings 
hinlänglich erwiesen, dass die christlichen Apostel die Zerstörung heiliger Haine 
und Bäume als ein wesentliches Hülfsmittel zur Besiegung des Heidenthums 
ansahen; aber dann geschieht doch in ihren Erzählungen davon ausdrücklich 
Erwähnung. Bei Willibrord und Liudger heisst es nur „fana Fosetis," und Alt- 
fried setzt noch hinzu „ constructa ; " so dass an einen Wald-Cultus dabei gar 
nicht zu denken ist; hätte aber Liudger auch „lucos ac neinora" zerstört, so würde 
sein Biograph dies gewiss um so weniger unerwähnt gelassen haben, als es 
seinen Bekehrungseifer und Glaubensmuth mit einem noch höheren Glänze um- 
geben hätte. 

Die Insel Sylt, Amrum, haben ebenfalls keine Bäume, sie fehlen überhaupt 
an allen flachen benachbarten Küstenstrichen, die nicht durch vorliegende Inseln oder 



— 19 — 

Dünen geschützt, den Wirkungen der West- und Nordwestwinde aus erster Hand 
preisgegeben sind. Wo sich irgend ein Schutz gegen jene bietet, sei es ein 
Deich, oder nur ein Gehöfte, da gedeihen bei irgend tauglichem Boden auch 
Bäume und Holzungen. Dafür zeugen die Erscheinungen auf Führ und unserer 
Insel selbst. Erstere, schon mehr geborgen durch die vorliegenden Eilande Sylt 
und Amrum und ihre eigenen Deiche gegen West, besitzt auf der östlichen 
Seite Forst- und Obstbäume, die man auf Strassen und in Gärten in solcher 
Menge pflanzt, dass manches Dorf in der Ferne in einem Walde zu liegen 
scheint; Letztere dagegen gestattet die Entwicklung derselben nur in Hausgärten 
bis zur Firsthöhe der schützenden Gebäude. Dass die thermischen Verhältnisse 
des Klimas einer kräftigeren Vegetation nicht im Wege stehen, das zeigt der 
herrliche Maulbeerbaum im Garten des Pastor Langenheim. 

Wenn aber. Wienbarg es zu den Irrthümern Lappenberg's rechnet, dass er 
die Meier'sche Karte für eine Felsenkarte gehalten habe, während man sich nur 
ein „bescheiden niedriges Wischland " darunter denken müsse; so richten wir an 
ihn die Frage: ob es denn möglich war, dass eine solche Insel, noch mehr 
als Sylt und Amrum den Einflüssen der Winde preisgegeben, mit einer kräftigen 
Vegetation, Wäldern und Hainen in geschichtlichen Zeiten bedeckt gewesen sein 
könne? Wäre nur der Süderhafen im Jahre 1072 noch festes Land von nicht 
zu schlechter Bodenbeschaffenheit gewesen, ja war selbst nur das heutige Vor- 
land mit einer Erdschicht zum Wurzeltreiben bedeckt; so hätte dort, an der 
südlichen Seite unter dem Schirme des Felsens sich Pflanzen- und Baumwuchs 
sicher und kräftig entfalten können, sicherer und kräftiger, als im Garten des 
Pastors. Adam hatte dann keine Veranlassung zu setzen: „arborum habet 
nullam." Dass dieselben auf dem, vor dem Durchbruche des Steinwalles gewiss 
noch mehr geschützten Vorlande nicht einmal gediehen, liegt einzig in einer 
noch waltenden Ursache, in der schlechten Constitution des Bodens! 

Konnte, fragen wir weiter, das bescheiden niedrige Wischland seinen Be- 
wohnern kein besseres Brennmaterial liefern, als Stroh und Schiffstrümmer? 
Die benachbarten Inseln Föhr und Sylt nicht allein, sondern die sämmtlichen 



*) S. A. Niemannn Handbuch der Schleswig-Holsteinischen Landeskunde. l.B. S. 115. 

3 * 



— 20 — 

Küstenländer auf südlicher und östlicher Seite nebst den Inseln sind reich an 
Torfmooren, oder mehr oder weniger bedeutenden Resten in vorgeschichtlicher 
Zeit versunkener Wälder. Auf Führ ist die Torfschicht 3 — 8 Fuss mächtig und 
darunter liegen dann erst die versunkenen Wälder; *) auf Sylt **) und Helgoland 
liefen sie unter ähnlichen Verhältnissen. Wenn von letzterem Orte uns in sei- 
nem jetzigen Zustande nur wenige Merkmale ihres Daseins geboten sind, so 
berechtigen diese doch hinlänglich zu dem Schlüsse, dass ein ausgedehntes 
flaches Wischland sie in nutzbarer Menge besessen haben müsse. 

Die Bedeutung dieser wenigen Worte Adam's scheint Wienbarg gar nicht 
geahndet zu haben, sonst hätte er unmöglich sie so leicht und unbedenklich 
übergehen dürfen. Doch wir treffen denselben leider bei noch unglaublicheren 
Vernachlässigungen dieses so äusserst wichtigen geschichtlichen Zeugnisses! 

Die Sage von den Seeräubern manifestirt sich unverkennbar als ein Rest 
heidnischen Aberglaubens, der in die Zeiten des Christenthums , vielleicht der 
Zehnten halber absichtlich gepflegt von den Dienern der Kirche, sich fort- 
gepflanzt hat; zugleich bezeugt sie Adam's Bekanntschaft mit Alcuin's Lebens- 
beschreibung des heil. Willibrord, denn dort wird schon von der Verehrung der 
Heiden gemeldet, ut nil in ea — — quisquam tangere audebat. (Man 
vergl. oben die Stelle.) 

Die Bezeichnung der Insel als einer sehr fruchtbaren, Vögel und Schaafe 
ernährenden, wollte man für den Fels im Meere übertrieben und unpassend, zu- 
gleich aber darin den Beweis finden, dass Adam bei seiner Schilderung nicht 
diesen, sondern ein grösseres Eiland vor Augen gehabt habe. 

Nicht er allein, auch spätere Schriftsteller preisen diese Fruchtbarkeit 
Helgolands auf's Höchste und zwar nur mit Beziehung auf den Fels und die 
Düne; was hätten wir demnach für eine Veranlassung, den Angaben des Ersteren 
ein grösseres Land unterzubreiten? Als Beleg stehe hier die Schilderung, 
welche Heinrich Ranzau,***) der Zeitfolge und dem Werthe nach die erste 



") S. Schlesw. Holst. Lauenburg. Provinzbl. 1823. 4. 40. 
'*) Niemann a. a. O. Bd. 1. S. 102. 
'•) A. a. O. S. 68 ff. 






— 21 — 

Autorität seit Ad. von Bremen, — in seiner Beschreibung des Cimbr. Chersones 
giebt. Dieselbe stammt aus den unmittelbaren Mittheilungen eines gewissen 
Georg Brueck, Holsteinischen Vogts auf Helgoland, und muss um die Mitte des 
löten Jahrhunderts verfasst sein, da der Name dieses Mannes in dem Verzeich- 
nisse der Vögte, Landvögte und Commandanten auf Helgoland, welches sich bei 
J. Lass *) vom Jahre 1545 an findet, nicht vorkommt. — — (Insulae) Quae 
omnes, sagt Ranzau, aggeribus munitae, et contra marini impetus fluctum, sunt 
circumvallatae praeter unicam hanc sacram, praecelsis montibus et 
inaccessis undique rupibus circumdatam. — — Constat autem insula 
haec tota, binis rupibus seperatis, rubenti una, candenti altera. 

Prior una tantum via conscendi potest — superne pingui solo et fertili 

ubique contecta. Hordeum ex se fundit, fabas, pisa et siliginis loco hordeum 
Anglicanum, ea praestantia, ut duo modii, tribus Eiderstadtiensibus 
praes tent. Profert lactucam, raphanos, spinaceam cum ejus speciei olere Italico 
conferendam. — — Armenta hie eduntur magna, oves; vaccae, equi quos pe- 
dibus ligatos, magna diligentia observant, ne rupes, gramina quaerentes, ad 
scendendo , periculum sibi accessant, indeque in mare deeidant. — — Diversi 
generis avibus nidos, et quae non investigari possunt domicilia rupes haec alta 

praebet; quarum incredibiles greges, in autumno hie turmatim convolant, 

quae incolis grata fercula praebent. Altera insulae sacrae rupes, quae 

candet sabulosa est, et calcem, quae excisa divenditur, gignit, ubi suavissimae 
fontes passim eruetant. — Non est haec uti rupes rubens compascua, can- 

nabim tarnen producit. Si lignis instrueta foret, quae ex vicina im- 

portantur Holsatia, dici de ea posset: Terra suis contenta bonis, non 
indiga mercis. 

„Alle Inseln sind durch Deiche gegen die Gewalt der Meeresfluth geschützt, 
die Heilige allein ausgenommen, welche von hohen Wänden und unersteiglichen 
Felsen eingeschlossen wird. — — Die ganze Insel besteht aus zwei 

getrennten Felsen, deren einer roth, der andere weiss. Ersterer 

ist nur an einer Stelle zugänglich — — oben überall mit einem fetten, 



*) Nachrichten etc. des merkwürdigen Heiligen- oder Helgo-Landes. Flensburg 1753. S. 53. 



— 22 — 

fruchtbaren Boden bedeckt. Es wachsen hier Gerste, Bohnen ; Erbsen und, statt 
des Weitzens, englische Gerste von solcher Güte, dass zwei Scheffel besser 
sind, als drei Eiderstädtische. Der Boden erzeugt ferner Lattich, Kohl, Spinat, 
dessen Art dem italienischen Kohl ähnlich ist. Es wird hier viel Vieh ge- 
halten, Schaafe, Kühe und Pferde, welche sie an den Füssen angebunden mit 
grosser Sorgfalt hüten, damit sie nicht beim Grasen in Gefahr kommen, vom 

Fels in das Meer zu stürzen. Verschiedenartigen Vögeln gewährt der hohe 

Fels unersteigliche Neststellen; unglaubliche Heerden derselben fliegen im Herbste 

schaarenweise hier zusammen und bieten den Bewohnern eine angenehme 

Speise. — — Der andere Fels des heiligen Eilandes, von weisser Farbe, ist 
von Sand umgeben und enthält Kalk, der gebrochen und verkauft wird; daselbst 
treten auch an verschiedenen Stellen die wohlschmeckendsten Quellen zu Tage. 
Es taugt derselbe indessen nicht zur Weide, wie die rothe Klippe, doch gedeiht 

auf ihm Hanf. Wenn auch noch Holz, das aus Holstein eingeführt wird, 

vorhanden wäre, so könnte man von ihr (der Insel) sagen: Das Land hat 
genug an eigenen Erzeugnissen, es bedarf des Handels nicht." 

Hat mit diesen Worten H. Ranzau fünfhundert Jahre später nur von der 
rothen Klippe nicht mehr gesagt, als Adam? Seine Worte sind der beste 
Commentar zu der Beschreibung des Letzteren, um jede Missdeutung, jede 
willkührliche Auslegung unmöglich zu machen! 

Anderen Berichten gegenüber könnten zwar jene Angaben den Schein der 
Uebertreibung leicht gewinnen; berücksichtigt man aber die so oft und rasch 
eintretenden Wechsel in den äusseren Verhältnissen der Insulaner; so hat man 
den Schlüssel zu jenen Widersprüchen. 

Es ist vielleicht kein Flecken Landes im ganzen Küsten- und Inselngebiet 
des deutschen Meeres, wo die Volkszahl in kurzen Perioden so schwankte, wie 
auf Helgoland. So sagt Peter Sax:*) Krieg, Ueberzug, Brand und anderes 
Unglück, haben sie oftmals ausgestanden, und sein zu vielen malen gewaltig zur Bank 
gehauen worden. Sie haben sich aber immer recolligiret und sein tempore 



") Beschreibung des Helgolandes. Öatum Coldenbüttel 1638. Abgedruckt in Camere's hist. 
polit. Nachrichten, 1. B. S. 233 — 256. S. 247. 



— 23 — 

Georgii Bruyck Praefecti illius Helgol. noch 50 Familien und 300 Köpfe stark 
gewesen. *) Bei einer so kleinen Volkszahl können Brueck's Worte ihre volle 
Geltung behaupten; es bot der Boden nicht nur den Bewohnern hinlängliche 
Nahrung, sondern es mag der Ueberfluss an Erzeugnissen selbst eine Ausfuhr, 
von welcher A. Siemens **) spricht , in solchen Zeiten gestattet haben , wo denn 
zugleich auch eine grössere Zahl von Vieh zu halten möglich war. Mit wach- 
sender Bevölkerung musste nothwendig eine Aenderung eintreten. Schon 1696, 
wo dieselbe auf 960 Personen gestiegen war, reichte der Ertrag des Bodens 
nicht mehr hin; dies bezeugt die d. d. 28. Octbr. 1698 vom Herzog Friedrich 
von Holstein den Helgolandern auf eingereichte Bitte gegebene Erlaubniss, 
gegen eidliche Erhärtung für ihren Unterhalt Korn in Husum kaufen zu 
dürfen; ***) und in späteren Jahren, wie 1739 bei 1900; 1751 bei 2000; 1825 
bei 2300 Einwohnern f) war man noch mehr gedrungen die Nahrung von 
Aussen herbeizuschaffen. Hierin liegt ein bedeutungsvolles Moment, das der 
Sage Halt gegeben, indem man nicht der Zunahme der Bevölkerung, sondern 
der Abnahme der Insel, den Wandel früherer Verhältnisse zuschrieb. Wien- 
barg ff) namentlich sucht in diesem Sinne die Bedeutung einiger Worte gegen 
L. geltend zumachen; er verwirft die Uebersetzung „pecudes" durch „Schaafe', 
und will darunter „Viehheerden" verstanden wissen. Hätte er Adams Werk 
aufmerksam durchgelesen; so könnte ihm unmöglich entgangen sein, dass der- 
selbe pecudes für Schaafe oder Schaafheerde gebraucht -j-f-j-). Noch besser 
hätten ihn die übrigen Quellen belehrt, dass nicht allein auf Helgoland, sondern 
auch auf den benachbarten grösseren Inseln, wie Sylt und Föhr vorzugsweise 



*) Sax citirt bei dieser Stelle Brueck's Schreiben an H. Ranzau, ich habe jedoch in dessen 
Descr. Cimbr. Chers. bei Westphalen keine Einwohnerzahl finden können. 
") S. a. a. O. S. 37. Anm. 4. 
**'*) S. Lass. a. a. O. S. 22. Anm. n. 

f) S. A. Siemens a. a. O. S. 36. Anm. 12. 
tf) S. a. a. O. S. 216. 
fff) Es heisst z. B. in der letzten Strophe des Epilogs an den Hamburger Erzbischoff 
Liemar: Nosque tuae pecudes tibi corde et voce favemus. Sollten hier unter 
pecudes auch Ochsen oder Kühe gemeint sein?! 



— 24 — 

Schaafzucht getrieben wurde, ) weil es an Wiesenländern zur Nährung grösseren 
Viehes gebricht. Ranzau nennt „Armenta" aber voran stellt er „Oves", 
welche doch der Bedeutung jenes Wortes nicht entsprechen, und „Ochsen" 
erwähnt er gar nicht. Pferde sind nur vorübergehend auf der Insel gewesen'"), 
selbst die Kühe hat man nur der Milch wegen gehalten, und ihre Zahl wegen 
der hohen Preise des Heu's, das in allen Zeiten von auswärts hergeholt werden 
musste, alhnälig sehr vermindert; dagegen sind „jeder Zeit mehr Schaafe als 
Kühe gehalten worden" sagt Lass, z.B. 1751 40 Kühe und 200 Schaafe; 1799 nur 
10 Kühe und 400 Schaafe.***) Es kann demnach kein Zweifel obwalten, wa- 
rum Adam gerade „ pecudum nutrix " gesetzt hat. f) 

Aiif eine nicht minder willkühre Weise hat W. die folgenden Stellen in dem 
Berichte Adams mit gänzlicher Beiseitesetzung der Pflichten, welche ihm eine 
gründliche kritische Forschung gegen seinen Gegner, wie gegen sich selbst 
auferlegte, zu seinem Vortheile auszubeuten versucht. Er nennt es ein bedeut- 
sames Referat, dass die Insel nur einen „einzigen Berg" habe, weil dies 
eine Insel von solchem Umfange anzeige, dass man eines Berges auf ihr 
gedenken konnte. Allein er kömmt sogleich in die beengende Lage, Adam 
eines Irrthums zeihen zu müssen, weil eigentlich zwei Berge oder Felsen 
vorhanden seien. Mit etwas mehr geologischer Kühnheit wäre er letzterem 
Schlüsse entgangen; hätte die weisse Klippe der rothen angelagert sein und 
sie erst nach dem Jahre 1072 durch eine beliebige Fluth durchbrochen werden 



•) S. Niemann a. a. O. ]. B. S. 105. 
**) Die hiesige Commerzbibliothek bewahrt eine handschriftliche Beschreibung Helgo- 
lands vom Jahre 1699, die von den gewöhnlichen Nachrichten eines Sax, Knobloch, 
Lass etc., durch einen eigenthümlichen Charakter sich unterscheidet und von einem mit 
den Zuständen der Insel sehr vertrauten Manne herrühren muss. Dort wird erzählt: 
„dass die Kornäcker von den Weibern müssen gegraben und bearbeitet werden, weil 
kein einziges Pferd, Pflug oder Wagen auf dem Lande vorhanden". Dasselbe Manuscript 
findet sich, wie ich durch Vergleichung inne geworden, schon in Camerers hist. polit. 
Nachrichten, Bd. I. S. 257 — 285, jedoch an einigen Stellen nicht vollständig abgedruckt. 
Westphalen Mon. ined. T. IV. praef. pag. 225 nennt den Verf. d. Mscr. Bötticher. 
***) S. Niemann a. a. O. S. 226. 
t) M. vergl. was Grimm a. a. O. S. 378 hinsichtlich Her geheiligten Thiere bemerkt, welche 
im Leben des heil. Willibrord erwähnt werden. 



— 25 — 

lassen. Wasser thut's freilich nicht so geschwind, aber wer wollte das Gegen- 
theil beweisen?! Dann hatte er nur einen Berg zu demonstriren ! Adam sagt: 
„collem habet unicum — — scopulis includitur asperrimis, nullo 
aditu nisi uno, ubi et aqua dulcis"; diese Worte müssen zusammen auf- 
gefasst werden. 

Nicht nur heut zu Tage, nein, schon vor 2 Jahrhunderten sprachen die 
Schriftsteller von Bergen auf der Felseninsel; Cnobloch*} z. B. erwähnt 
unter dem Titel ,,Montes" den Radbod-Berg oder Radeburg, Moderberg oder 
Marsberg, Bredberg, Giessberg und Flavenberg, und Meier hat sie getreulichst 
als „Berge" in seine Karte aufgenommen, wie alle Karten und Bücher wieder 
nach ihm. Der Bremische Stiftsherr war aller Wahrscheinlichkeit nach ein Ober- 
deutscher; er hatte einen anderen Begriff vom Worte Berg; ihm musste es höchst 
lächerlich erscheinen, einen kaum zwei Mannshöhen messenden Erdhaufen so 
benannt zu finden; darum setzte er nicht montem, sondern collem, den 
geringsten Ausdruck, der ihm für solche Erhöhungen annehmbar dünkte, und in 
dem Worte Grab-Hügel ein jenen Bergen ganz ähnliches Maass längst in der 
Sprache bezeichnete. Den Bewohnern des Felsens war die Klippenfläche eine 
Ebene, Berg nannten sie, was sich über dieselbe erhob; sie missbrauchten 
diese Bezeichnung, wie alle Eingeborenen des Flachlandes, weil ihnen keine 
Veranlassung gegeben ist, die Verschiedenheit der Begriffe für Höhen in der 
Natur zu erkennen und zu bilden. Diese Hügel sind aber durchaus keine natür- 
lichen Bildungen, sie sind nichts mehr als aufgeschüttete Erdhaufen. Daher 
ändert sich ihre Zahl, wie sich auch ihre Namen nach den Zwecken umwandeln, 
zu welchen man sie verwendete. Leicht kann also zur Zeit unseres Geschicht- 
schreibers nur ein einziger solcher Berg existirt haben und dies war denn wahr- 
scheinlich der Bred- oder Baake-Berg, ein übrig gebliebener Grabhügel aus der 
Heidenzeit, wofür die Urnen und Gebeine zeugten, die bei dem Baue der alten 
Feuerblüse darin gefunden wurden.**) Der Moder -Berg ist nur durch die An- 
lage eines Pulvermagazins, dessen Gewölbe man zum Schutze mit Erde über- 



*) Chirographische Beschreibung der Insel und Festung Helgoland. Hamburg 1643. 4. 
**) S. Schlesw. Holst. Provinz. Blätter. 4ter Jahrg. lr Bd. S. 10. 

4 



— 26 — 

schüttete, entstanden, und so können Gies-, Flaggen- und Rad -Berg den, bei 
dem Kaue der Kirche, der Anlage der Sapskuhlen etc. ausgegrabenen Erdniassen 
ihren Ursprung verdanken, eine Meinung, welche schon früher geäussert ward.*) 

') S. Schi. Holst. Prvnz. Bl. 4ter Jahrg. IrBd. S. lü. Die Namen dieser sogenannten Berge 
sind viellach ganz umgewandelt, oder theilweise verändert; so dass ihre ursprüngliche 
Bedeutung verschwunden und von den Schwärmern der Helgolandischen Grösse ganz fremd- 
artige untergeschoben worden sind. Moderberg soll von Mars herrühren, weil dessen Tempel 
ilarauf gestanden ; der Radberg wurde zum Radbodsberg gemacht und eine Königsburg 
darauf gesetzt. Wahrlich, man kann sich des herzlichen Lachens über solch jämmer- 
lichen Unsinn, der ohne eigene Anschauung im Bereiche der besckränkten Studirstube 
und des noch beschränkteren Blickes ausgeheckt wurde, — bei der Ansicht dieser 
10 — 15 Fuss hohen Maulwurfshaufen unmöglich enthalten. Darauf, wo eben ein be- 
quemes Schilderhaus für einen Mann Platz hat, soll im Schlosse der Friesenkönig mit 
all' seinem Hofgesinde gehaust haben?! — Und wie viele haben solche Lächerlichkeiten 
nachgesprochen, nachgeschrieben und — nachgeglaubt?! — Suchen wir nach den Be- 
deutungen der jetzigen Namen in der Sprache der Einwohner, so könnten sich folgende 
Formen rechtfertigen lassen. Schon Lass erklärt S. 18. Anm. 1. Rad-Borg durch Rad, 
roth, und Borg, welches nach ihm eine Treppe heissen soll, also Rothe Treppe, weil 
früher dieselbe in den rothen Fels eingehauen gewesen sei und der Rad -Berg nahe bei 
derselben gelegen. Weder bei Wiarda, noch bei Outzen findet sich indessen eine der- 
artige Bedeutung, und wir müssen daher annehmen, dass der Name von rud, in Helgo- 
lander Mundart rad, roth, und beerg, Berg, herzuleiten sei. (S. Outzen a. v. rud.) 
Die Benennung „Rother Berg" erscheint alsdann in einem Gegensatze zum Rasen-Berg 
oder Flaggen-Berg, abgeleitet von „Flaggen," dünner Rasen; nördl. und dänisch auch 
in der Form „ Flav'." woher gewiss die verschiedene Bezeichnung dieses Hügels als Flaggen- 
und Flavenberg in Büchern und Karten. (S. Outzen a. v. Flaggen.) Bräde, brede 
heisst nach Outzen contexere rete, Schlingen knüpfen; als Name für diesen Hügel 
könnte es gewählt sein, weil man denselben vielleicht zur Aufstellung der Netze beim 
Vogelfang gebrauchte, wie dies noch jetzt in dessen Nähe geschieht. 

Der Name des Moderberges hängt vielleicht zusammen mit Maade, Mudder, Moder, 
insoferne man bei seinem Aufwerfen den Schlamm der Sapskuhlen oder anderen Morast 
aus dem Orte selbst verwendet haben mag. 

Bötticher (s. Camerer a. a. O. S. 258) erzählt: „St. Tiets ist auch 

ein kleiner Gott, welcher die Fischerei hat segnen müssen, wovon sein Bildniss bis 
auf den heutigen Tag noch zu sehen. Welcher Gestalt die Anbetung geschehen, davon 
ist gegenwärtig nichts mehr vorhanden, als dass sie dies Ebenbild gegen den Frühling 
mit Procession im Lande umhergetragen und nachgehends auf eine heilige Stelle auf 
einem Berge geführet, allwo die Verehrung beschlossen, mit Bedrohen, falls sie seinen 
Segen nicht verspüren würden, er von ihnen bestrafet werden sollte. Der Berg ist noch 
diese Stunde und hat seinen Namen als St. Tiets-Berg erhalten." Sollte dies der letzte 
Rest des heidnischen Dienstes auf der Insel gewesen und vielleicht Fosite, oder Tius 
(S. Grimm S. 131) von den Bekehrern in einen St. Tiedts verwandelt worden sein, um 
dem Cultus wenigstens im Namen einen christlichen Anstrich zu geben? 



— 27 — 

Aus allen Angaben spricht eine solch genaue Kenntniss der Insel, dass man 
dem Glauben geneigt wird, Adam müsse seine Beschreibung nach eigener An- 
schauung abgefasst haben. Er hätte sich gewiss des Wortes Hügel nicht be- 
dient, wenn man ihm von einem Berge berichtet hätte; er würde gesagt haben 
zwei Felsen, wenn er dieselben von W. 's Wischland aus gesehen. Doch er fügt 
zur ferneren Verständigung hinzu: „scopulis includitur asperimis, nullo 
aditu nisi uno." Diese Stelle gehört nicht zu den offenbar späteren Ein- 
schiebseln und W. übersetzt es auch: „wird von schroffen Klippen eingeschlos- 
sen und ist bis auf eine Stelle unzugänglich;" L. dagegen hat die Worte 
wiedergegeben durch „schroffen Felsen." Wir wollen annehmen, dass die 
erstere Verdeutschung mit Beziehimg auf die Meeresklippen gewählt sei; 
wie passt dann aber der folgende Theil der Stelle? An den Strand kann man 
von N. W. , S.W. und O. gelangen, das sind drei Zugänge! Meyer war damit 
noch gar nicht zufrieden, er gab seiner Phantasie-Insel sechs besondere Häfen ! 
Lappenberg nimmt „scopuli" für die Felsabhänge der Insel selbst und ver- 
bindet den Nachsatz dadurch auf's Natürlichste mit dem Vorhergegangenen; 
der Commandant Brueck schrieb an H. Ranzau (s. oben) „Die rothe Klippe 
ist nur auf einem Wege zu ersteigen" und Peter Sax gebraucht diese 
Aeusserung als Parallelstelle zu Adam. 

Doch der Ort des Zuganges ist noch genauer bestimmt, denn er soll bei 
einer „Süsswasserquelle" sein. 

Die Verfasser der topograph. geognostischen Bemerkungen zu Lappenbergs 
Schrift haben durch eine falsche Angabe nicht wenig zu dem Missverständnisse 
unter den neueren Schriftstellern über Helgoland beigetragen. Die Quelle in 
der Brennerei des Jasper Bufe gilt ihnen „ohne Zweifel für die früher heilig 
gehaltene, die jedoch ihres Wissens in keiner Beschreibung Helgolands erwähnt 
sei, obwohl sie als ein wesentliches Kennzeichen der Identität derselben gelten 
könnte." *) Diese Quelle ist jedoch keinesweges die alte, heilige; sie ist erst 
vor etwa 20 Jahren von dem genannten Manne erbohrt; jene alte dagegen ist noch 
heute da, wo sie nach Adams Schilderung sich befinden soll, sie liegt links 



*) S. Lappenberg a. a. O. S. 41. 



- 28 — 

von den ersten Stufen der Treppe beim Aufgang, von einer hölzernen Fassung 
umgeben, und wird in alteren Nachrichten wohl erwähnt. Bei Bötticher 
heisst es: „Das Unterland und die Waal (der Steinwall) sind nicht höher, 
als dass eine extraordinaire Fluth geräumet überhingeht, und ist die Waal 
ganz schmal und von beiden Seiten mit Wasser umgeben, dennoch sind an den 
beiden Seiten frische Quellen, die ersten sind ohnweit der Treppen und 
sind den Seefahrenden, wenn sie an's Land kommen, frischWasser 
zu holen, sehr bequem. An dem anderen Ende vorn in den Dühnen ist 
auch frisch Wasser, und ist fast das beste; weil diese Quelle aber abgelegen, 
und mit dem Sande durch stetigen Wind sich öfters verstopfet, müssen sie allezeit 
zuerst aufgeräumet werden, wird derohalben nur zum Waschen und Bleichen in 
den Dünen gebraucht." "■ ') Das Wasser dieser Quelle ist jetzt allerdings ziemlich 
brakisch, und hierin mag die Ursache liegen, weshalb man sie nicht als die 
alte, heilige ansehen wollte. Allein, wenn man bedenkt, dass seit jener Zeit 
der Steinwall vom Meere ganz durchbrochen wurde, dass sich seit dieser Ver- 
anlassung dem süssen, von Oben zufliessenden Wasser mehr salziges Dräng- 
wasser beimischen kann; so ist dies nur ein Beispiel unter vielen über erfolgte 
Veränderungen in den Bestandtheilen der Quellen. 

Fassen wir diese drei bedeutenden Faktoren zusammen, Klippen, einziger 
Zugang und Quelle, steht dann das Bild nicht ebenso noch heute vor uns, wie 
es uns vor fast achthundert Jahren geschildert worden?! 

Wie konnte aber, fragen wir mit Recht, W. solchen unumstösslichen Kenn- 
zeichen entgegen seine Behauptungen hervortreten lassen; wie konnte es ihm 
einfallen, von einem „bescheiden niedrigen Wischland" zureden und es 
L. als Irrthum anzurechnen, dass er die ganze Meiersche Karte für eine Felsen- 
karte gehalten, wo doch vor seinen Augen geschrieben stand: „scopulis in- 
cluditur asperrimis, nullo aditu nisi uno" etc.?! Wir unterlassen die 
Antwort, denn sie ergiebt sich von selbst; wir weisen besser noch einige 
andere Einwürfe zurück, die er gemacht. Er findet den Ausdruck „in con- 
finio" von einer kleinen Insel lächerlich. Wäre er dies nicht in höherem 



*) S. Camerer a. a. O. S. 267. 



— 29 — 

Grade von einer Insel, die nur durch einen schmalen Meereskanal vom Fest- 
lande getrennt läge? W. hat dabei ganz übersehen, dass Adam hier die Worte 
eines anderen gebraucht, nämlich die Bezeichnung der Lage bei Alcuin und 
Altfried. Zu den Zeiten des Ersteren hatten die Dänen das feste Land, den 
nordfriesischen Inseln gegenüber, inne, erst Heinrich I. stiftete gegen sie die 
Markgrafschaft Schleswig; da war also der Ausdruck wohl an seinem Orte. 

So rügt er gleichfalls L's Uebersetzung der Worte: ubi et aqua dulcis 
durch „Quelle;" er lässt dafür „süsses Wasser fliessen." Darunter 
können auch Bäche und Flüsse verstanden werden, woran auf Meier's 
Karte in der That kein Mangel ist. Lappenberg hatte einen sehr guten Grund, 
so zu übersetzen; denn da Adam selbst Helgoland und Fositesland für identisch 
hält und sich ausdrücklich auf Willibrords Leben beruft, so war L., diese Be- 
ziehung verfolgend, durch die Worte „fönte, qui ibi ebulliebat" förmlich 
darauf hingewiesen. 

Völlig ignorirt W. die Worte „in Oceano" reperisse, welche Lindenbrog 
in seiner Handschrift des Adam fand, so wie die andere, sehr wichtige Stelle 
bei der Beschreibung der Nordsee, wo es cap. 217 heisst: a meridie (Oceanus) 
Fresos tangit, cum ea parte Saxoniae, quae nostrae diocesi pertinet Hamma- 
burgensi. In hoc Oeeano insula est modica Heiligeland, de qua 
supra dictum est. *) 

Sie lassen sich freilich unter dem Namen eines späteren Einschiebsels 
beseitigen, aber so lange nicht nachgewiesen ist, dass es „sehr späte" 
Zusätze sind, behalten sie immer einen nicht geringen Werth in der Reihe der 
Beweise gegen die ehemalige Grösse. Es ist ihm ferner nicht aufgefallen, dass 
Adam von einer grossen Insel nicht sagen konnte „longo secessu latet," 
und doch liegt in diesem Worte ein bedeutungsvoller Fingerzeig. 

Die Folgerungen, welche L.* ft ) aus den Worten „heremitis ibi viventibus" 
gezogen, haben wir keinesweges so unzulässig finden können, wie Wienbarg; 
sie erschienen uns vielmehr sehr natürlich. Wenn nach der Erzählung Eilbert etwa 
um's Jahr 1030 die Insel erst wieder aufgefunden und bewohnbar gemacht haben 



*) S. Staphorst Hamb. Kirchengeschichte. Th. I. S. 365. 
**) S. a. a. O. S. 12. 



— 30 — 

soll; so konnte sie unmöglich schon 1010 zwei Klöster und neun Kirchspiele 
gehabt haben. L. hat nirgends behauptet, dass die Insel nur von Eremiten 
bewohnt gewesen sei, sondern nur auf die einzelnen Eremiten, welchen mit 
grosser Ehrerbietung der Beutezehnt gebracht wurde, bezieht sich sein 
Schluss ; jener Ausdruck ist aber nicht unrichtig, wenn man sich diese Missionäre 
unter einer grösseren Zahl heidnischer Bewohner denkt, welche, durch keine 
äussere Macht gezwungen, erst sehr allmählig für das Christenthum empfänglich 
wurden. Dadurch gerade hebt sich das Abentheuerliche der Fiction von mehreren 
Klöstern und neun Kirchspielen erst recht hervor! Dass jene Missionäre und 
Eilbert selbst keine Spuren der Wirksamkeit Liudgers und seiner Genossen auf 
der Insel vorfanden und das Werk der Civilisation von neuem beginnen mussten, — 
so möchte ich „habitabilem" allerdings verstehen, — darf den nicht Wunder 
nehmen, der des langen und blutigen Ringens zwischen dem alten Glauben und 
der neuen Lehre, besonders bei den Völkern des Nordens, eingedenk ist. Von 
Liudger bis Adam, in einem Zeiträume von fast drei Jahrhunderten, *) hatte, 
ungeachtet der grossen Energie des Hamburgischen und Bremischen Clerus, das 
Christenthum im Volke noch wenig Halt gewonnen, denn die grosse slavische 
Empörung um's Jahr 1066 liess, namentlich in Holstein, nur wenige Reste des so 
mühevoll gegründeten Baues übrig. 

Je entschiedener sich bei einer genauen Analyse der Adam'schen Angaben 
die Uebereinstimmung mit den Verhältnissen des Eilandes in der Gegenwart 
herausstellt, je bestimmter sich die Ueberzeugung schon durch sie allein von 
der Sage abwendet, desto mehr fühlt man sich gedrungen, ihren Ursprung zu 
erforschen und über die Ursachen ihrer so langen Dauer im Gegensatz zu 
unzweifelhaften Thatsachen Fragen aufzuwerfen. 

Die früheren Geschichtsquellen nennen uns keine Schlösser, Burgen, Städte 
und Orte ; nur der Dienst des Fosite gab der Insel Namen und Weihe. Der Name 
erscheint geändert bei Adam, der Ruf der Heiligkeit aus der alten Heidenzeit im 
christlichen Gewände; auch bei ihm fehlen nicht nur Städte und Schlösser, sondern 
nur eines Klosters wird gedacht. Noch später wandelt sich der Name zum dritten- 



■) W. hat sich hier verrechnet, indem er von 785 — 1072 kaum zwei Jahrhunderte setzt. 



_ 



— 31 — 

mal, aber nur im Munde des Clerus, der für dienlich erachtet haben mochte, 
durch ein bedeutendes Ereigniss aus der frühesten Zeit des Christenthums das 
Eiland gefeiet werden zu lassen, damit auch die ältesten Ueberlieferungen in 
christlichem Boden wurzelten. St. Ursula tritt auf, unvertilgbare Fussstapfen 
werden im Rasen, zu Stein verwandelte Kerzen im Meere gefunden; doch dem 
Volke ist die Insel, nach wie vor, das hillig Land. Wie konnten aber die 
Reste geheiligter Kerzen, versteinerte Nüsse und Baumzweige, vom Meere aus- 
gespült, wie konnte zugleich der Mangel anderer Spuren aus jener grossen Ver- 
gangenheit besser erklärt werden und treueren Glauben finden, als durch die Hin- 
weisung auf die zerstörenden Wirkungen der Fluthen an den nachbarlichen Küsten? 
Nicht einmal absichtliche Täuschung ist hier nothwendig anzunehmen; im besten 
Glauben, ohne das geringste Bewusstsein eines Irrthums kann diese Behauptung, 
auf missverstandene Phänomene gegründet, verbreitet worden sein. Hierin 
finden wir die Entstehung der Sage eines sonst grossen Umfanges. Sie wäre 
vielleicht untergegangen im Strome der Zeit, oder hätte wenigstens nicht mehr 
Bedeutung erlangt, als andere Wundersagen von gewürzigen Matten unter dem 
ewigen Schnee der Hochfirnen, von Riesen und Gezwerge; nur einem zufälligen 
Ereignisse sollte sie ihre Rettung verdanken. 

Vom Jahre 1072 bis gegen die Mitte des 14ten Jahrhunderts geschieht der 
Insel nur dem Namen nach Erwähnung, — so im Erdbuche des Königs Waldemar, — 
der Insel, die noch 50 Jahre zuvor aus neun Kirchspielen bestanden haben 
soll!? Mit steigender Blüthe des Handels unter dem Schirm des Hansabundes 
gewinnt sie erst neue Bedeutsamkeit; die Dänen finden wir 1356 im Besitz des 
Eilandes, und Klagen über Belästigung des Hamburgischen Handels durch die 
dänische Besatzung werden erhoben. Die Wichtigkeit des Besitzes für Ham- 
burg wird durch das furchtbar überhand nehmende Unwesen der Seeräuber, 
denen sich hier günstige Gelegenheit und sichere Zufluchtsstätte bietet, erhöht; 
zu Anfang des 15ten Jahrhunderts ist die Insel durch Verpfändung wirklich 
unter Hamburgs Oberherrlichkeit. ■) Während dieser Zeit erscheinen dieHeerings- 



*) S. das Ausführlichere bei L. 14 — 17. Der Aufenthalt der Vitalianer auf Helgoland be- 
stätigt sich durch mehrere Notizen in den Kammerbüchern vom J. 1396. Die a. a. O. 



— 32 — 

zöge bei Helgoland; der Besitz desselben erhält dadurch einen um vieles er- 
höhten Werth; die Herzöge von Schleswig beeilen sich, dieselbe durch Ein- 
lösung den Hamburgern wieder zu entziehen; letztere machen ihm jedoch mit 
Bremen und Dithmarsen im Bunde die Oberherrschaft streitig und es entspinnt sich 
im Jahre 1496 eine Fehde, die Waffen und Federn in Bewegung versetzt. 

Dies war das für die Sage so bedeutsame Moment, auf welches oben hin- 
gewiesen wurde. P. Sax *) erzählt von diesen Streitigkeiten : — „ es wandten 
die Städte und Westfriesen per modum actionis für: 1, Es wäre diese Insel in 
offenbarer See gelegen, und gleich als das Meer frei wäre, also sollte diese 
Insel auch frei sein. 2, Sie hätten für vielen unendlichen Jahren ihre Häuser 
darauf gebauet, und unverhindert ihr Ablager da gehalten. 3, Könnten sie aus 
alten Documenten und Registern beweisen, dass Helgoland jährlich zur Gerechtig- 
keit an diesem und jenem Orte gegeben hätte, dieweil denn nun libertas maris, 
vetussissimae tabulae et vel solius immemorialis temporis decursus, qui 
omne juris impedimentum removet et non tantum idem sed plus et quam pactum 
contractus, privilegium, aut quaevis legitima concessio operatur, für sie streiten, 
wollten sie es für ein freies, und noch zur Zeit keiner Jurisdiction untergebenes 
Land halten. Hiergegen excipirte Ihro Fürstl. Gnaden Herzog Friedrich und 
sagte: 1, Er wäre in Possessione, und hätten die Herzoge zu Schleswig ohne 
jemandes Contradiction das Land von vielen hundert Jahren her ruhig besessen. 
2, Es wäre ganz unstreitig und aller Geographorum und Historicorum einhelliger 
Consens, dass Helgoland juxta ducatum Slesvicensem in Frisia minor! 



S. 16 vermnthungsweise ausgesprochene Schutzherrschaft der Stadt über die Insel hat 
sich durch jüngst von dem Hrn. Verf. aufgefundene Documente als richtig erwiesen. In 
dem Ausgabebuch der Hamburg. Cämmerei - Herren heisst es vom Jahre 1448: Item 
X solidos Johanni dem Richtescrevere pro uno libro Judicii in usum Hilligelande 
per eundem scripto. Darunter ist doch wohl ein kurzes Helgolander Rechtsbuch, Artikel 
oder Rechtssatzungen zu verstehen; und vermuthlich war dem Heine Brand auch die 
Gerichtsbarkeit über die Insel mit verpfändet, welche wie in ähnlichen Fällen durch den 
Rath ausgeübt wurde. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass dieser Heine Brand derselbe 
Mann war, dessen Verhaftung durch den Rath im Jahre 1410 Anstoss zu bürgerlichen Un- 
ruhen und dem ältesten vorhandenen Recesse zwischen Rath und Bürger gegeben hatte. 
S. a. a. O. S. 253 ff. 



— 33 — 

wäre belegen und für tausend und noch für wenigem Jahren, mit Eyder- 
städt, Everschop und Uthholm, imgleichen mit Nordstrand sodann 
Föhr, Sylt und Amre eine conterminirende Region gewest, und dass 
die Einwohner solcher Landen und Insuln nicht allein una eademque Frisorum 
colonia et populus unius gentis, sondern auch dem Herzogthum schon vor 
755 Jahren incorporiret worden und wollte derowegen ungeachtet der Städte 
und Westfriesen Einreden, als die kleiner Erheblichkeit und grösstentheils privatae 
scripturae wären, die Insel Helgoland für sein Erb- und eigenthümlich Land 
halten." 

Nach Beendigung der langen Fehde hatte der Herzog das Land behauptet; 
die Sage, zum erstenmal auf dem Kampfplatz, feierte zugleich einen Sieg über 
die ihr feindliche Meinung, sie hatte jetzt einen guten Boden, auf welchem sie 
bald wuchernd aufschoss. Die Geographen und Historiker des Herzogs hatten 
ibre Behauptung noch sehr allgemein ausgesprochen „vor tausend und wenigem 
Jahren," denn da waren sie vor entgegenstehenden Documenten sicher; hätten 
aber diese Herren, hätten die Räthen und Advocaten des Herzogs es wohl 
unterlassen, möglichst naheliegende, sicher verbürgte Thatsachen einer solchen 
Abnahme der Insel anzuführen und die Gegner damit zu schlagen, wenn solche 
vorhanden waren? Ist es aber auch denkbar, dass es kaum 300 Jahre nach der angeb- 
lichen grossen Fluth von 1216, welche der Insel sieben Kirchspiele von neun, 
die noch im Jahre 1030 dagewesen, *) entrissen haben soll, kein schriftliches 
Zeugniss jenes traurigen Ereignisses im Herzogthum und den übrig gebliebenen 
beiden Kirchspielen gegeben haben sollte , die Behauptung zu beweisen ; ja 
dass dieselbe in solchem Grade aus der Erinnerung verwischt gewesen, dass 
man nicht einmal an die Tradition aus so naheliegender Zeit appelliren konnte? 
War selbst die, dem Andenken zunächst liegende, furchtbarste aller Ueber- 
fluthungen, die Mandrankelse von 1354, so spurlos an der Insel, die doch noch 
zwei Kirchspiele grösstentheils auf niedrigem Wischlande besass, — vorüber- 
gegangen, dass man nicht einmal auf ein Stück abgespühlten Landes seinen 



*) S. Heimreich nordfriesische Chronik. Hsgb. v. Falk. Tondern 1819. Ister Th. S. 256. 

5 



— 34 — 

Beweis fassen konnte?! *) In der That, man mochte hinterher gefühlt baben, 
dass man bei Wiederholung dieser Streitigkeiten nicht so leichten Kaufs 
durchkommen dürfte, wenn bessere Beweise mangelten ; daher brachen die Fluthen 
nun um so heftiger los und begruben die Kirchspiele, die man für sie schon in 
Bereitschaft gehalten hatte ; in die Register der Harden und Kirchen **) schob man 
die Namen untergegangener Kirchspiele, jedoch glücklicher Weise mit solchen 
Zusätzen, dass die zur Deckung des Betrugs bestimmte Hülle durch die sich 
rächende Wissenschaft zerrissen und die Fälschung in ihrer lächerlichen Blosse 
leicht an den Tag gebracht werden konnte.***) Auch nicht eine einzige glaub- 
würdige Urkunde von dieser Zeit ist vorhanden, kein einziger Chronist erwähnt 
solcher Ereignisse auf der Insel mit Angabe von Orten und Kirchspielen, der 
Mangel aller Belege ist mit einem Worte so gross, dass schon P. Sax f) 
ehrlich bekennt: „Ich verwundere mich aber hierbei, dass der Insel in den alten 
Schleswigschen Monumenten so wenig gedacht wird, dahin doch dero Acta in 
allewege gehören, und können davon nicht ausgezogen werden!" Obgleich sein 
geäussertes Bedenken vollkommen gegründet ist, so lässt er sich im guten 
Glauben doch vom Strome seiner Zeit fortreissen und erzählt gleich darauf das 
Schicksal der neun Kirchspiele, wie seine Vorgänger. Wie wenig indessen die 



*) S. Heimreich a. a. O. S. 243. 

*') S. Lappenberg a. a. O. S. 14 über die Urkunde von 1240. 

' *) Westphalen Mon. inad. T. IV. Praef. S. 225 giebt nach einem gewissen Jord Nielsen, ehe- 
maligen Vogt auf Helgoland, eine Abbildung der Fostoburg auf Helgoland. Die sehr 
ausgebildete Holzkonstruction des Gebäudes, wie sie erst in späteren Jahrhunderten vor- 
kommt, verräth den Betrug auf der Stelle. Der Zeichner scheint sich überdem dabei 
vergessen zn haben, denn das Gebäude steht so, dass dazwischen der Hafen und gegen- 
über die Düne liegt, gerade als wenn es auf der Südfalm der jetzigen Insel gestanden 
hätte! Man betrachte überhaupt diese Abbildungen, um den vielseitigen, oft sehr er- 
bärmlichen Betrug mit Denkmälern der nordischen Völker mit einem Blicke zu erkennen. 
|) S. P. Sax in Camerer hist. pol. Nachr. Th. I. S. 239. Weiter unten auf S. 252 fügt er 
der vorhergegangenen Erzählung von Radbod und Carl dem Grossen hinzu: „Was nach- 
her in politischen und ecclesiastischen Sachen auf der Insel vorgegangen sein möchte, 
das habe ich nicht gelesen." (Oportuna hujusmodi subsidia nobis futura erant, si 
extarent. Verum cum Scriptores ad nos, ant nulli aut certe perpauci iidemque accisi, 
mutili et laceri pervenerint, lectori fucum facere nolo, obtrudendo falsa pro veris. 
Volo igitur hie potius subsistere, quam sine manuduetione latius divagari.) 



— 35 — 

Schriftsteller jener Zeit sich der Sicherheit ihrer Behauptungen bewusst waren, 
geht zur Genüge aus dem Umstände hervor, dass die Zahl der Kirchspiele bald auf 
sieben, bald auf neun angegeben, aber nirgends Beweise für eine so bedeutende 
Frage beigebracht oder auch nur frühere Quellen citirt werden. Alle Zeugnisse 
der Geschichte sprechen durchaus gegen beide Annahmen, und würden, ernst 
und aufrichtig befragt, gewiss keine andere Folgerung erlaubt haben, als welche 
wir daraus entnehmen. 

In dem Registrum Capituli Slesvicensis vom Jahre 1352, also 2 Jahre vor 
der furchtbaren Mandrankelse , die so grosse Verheerungen angerichtet, wird 
weder der Insel Helgoland, noch eines Kirchspiels oder einer Kirche gedacht. ') 
Erst im Jahre 1436 erscheint eine Kirche im Zinsbuch derBischöffe von Schles- 
wig,''') die aber eine so kleine Abgabe entrichtet, dass sie von geringer Be- 
deutung gewesen sein muss. Diese Meinung wird durch eine Urkunde bekräftigt, 
welche Christian I. im Jahre 1470 ausgestellt hat. Er verschenkt durch sie 
„dat Hillige landt und alle upgeworpen lande in Wirkesherde im Strande be- 
legen dar nene kerkheren, kerken effte kerspele in sin" an die Domkirche zu 
Schleswig. Wahrscheinlich war also die kleine alte Kirche, vielleicht der letzte 
Best des von Eilbert gebaueten Klosters, zerfallen, denn wäre eine Kirche vor- 
handen gewesen; so hätte sie, wie früher, dem BischofFe von Schleswig gehört, 
und der König war dann nicht im Falle, das Land erst unter dessen geistliche 
Obhut zu stellen. Gewiss wird durch eine strenge Interpretation dieser Urkunde, 
dass die von den Helgolandern und Bremern gemeinschaftlich gestiftete Kirche erst 
nach dem Jahre 1470 erbaut worden sein muss. Im Schwabstädter Buche vom 
Jahre 1523 : **) erfahren wir, dass der Bischoff von Schleswig die Pfarre 
(Karspelkerke tohill. Landt) vergab; aber nur einer wird hier gedacht; wenn dennoch 
mitunter von späteren Chronisten zwei Kirchen erwähnt werden, so beruhte dies 
nur auf einem Irrthum, welchen L.f) vollkommen aufgeklärt hat. Die jetzige 



*) S. Langenbeck scriptores rer. Danic. T. VI. p. 584 — 591. 

'*) S. Lappenberg a. a. O. S, 13 u. 14. 

'") S. Westphalen Mon. ined. T. IV. p. 3145 No. 10. 

|) S. a. a. O. S. 19. 



— 36 — 

Kirche ist erst 1680 erbauet worden. Auf alte versunkene Kirchen hat man 
zum Theil aus willkübrlich gedeuteten Ortsbezeichnungen geschlossen, theils 
sich auf Urkunden berufen , welche man nur aus einzelnen Behauptungen 
kennt. P. Sax, dessen wichtige Bemerkungen oben mitgetheilt worden, erzählt 
von Eilbert's Kloster, setzt aber hinzu: „und habe ich ein mehrers nicht 
in allen Schriften, was zur Kirche gehören möchte, erfahren können." *) „Oester- 
teich, nach Eyderstedt, hat es noch eine Kirche gehabt, wie noch heutiges 
Tages dieser Ort, die alten Höfe, oder Kirchhöfe genennet wird, auch sein dar- 
unter gefunden worden allerlei Hausgeräth, Brunnen, güldene und silberne 
Münzen." **) Die hier bezeichnete Stelle führte noch später auch auf den Karten 
jenen Namen, aber nicht weil eine Kirche da gestanden, sondern weil daselbst, 
wie noch zu Anfang dieses Jahrhunderts, der Begräbnissplatz für angetriebene 
Leichen auf der Düne war, der mit Veränderung derselben in Folge des Kalk- 
brechens mehr nach S. O. zurückverlegt werden musste. Dabei stand auch 
eine Hütte mit Feuerheerd und den nothwendigsten Geräthscbaften zum Besten 
der aus Schiffbrüchen nach der Düne sich rettenden Mannschaft, woher die ge- 
fundenen Sachen stammen können, wenn man sie nicht als Reste verunglückter 
Schiffe betrachten will. 

Die ehemalige Existenz einer Johanniskirche (die jetzige ist dem heil. 
Nicolaus geweiht) hat man auf die Aussage eines, durch andere Angaben offen- 
bar sehr unzuverlässigen, Mannes angenommen. Johann Ditius, Anno 1635 Com- 
mandant auf Helgoland, bekennt in einem Schreiben, ,,dass er alte lateinische 
Testamente gelesen habe, darinnen von Wischen und Weiden auf Helgoland ge- 
dacht und von Föhre auf Skt. Johannis - Kirche und deren Altaren 
gelautet." **) Wo sich diese Testamente fanden, wird nicht angegeben ; schon darum 
kann diesZeugniss keinen Einfluss üben, zumal noch die Vermuthung sehr nahe liegt, 
dass Ditius den Satz nicht recht verstanden und „von Skt. Johannis-Kirche und 
deren Altären auf Föhr" in obiger Weise verdreht habe. Auf dieser Insel ist 



*) S. a. a. O. S. 249. 
■ ') S. Sax a. a. O. S. 240. 
"**) S. P. Sax a. a. O. S. 246. 247. 



— 37 - 

eine Kirche jenes Namens, und möglich wäre es ja, dass dieselbe die nächsten 
Rechte auf das Eigenthum des Helgolander Klosters gehabt habe.*} 

Auf einer eben so unsicheren Grundlage, wie die Kirchen und Kirchspiele, 
beruhen die bei der Zerstörung wirkenden Fluthen; Meinungen stehen sich hier 
entgegen, wie dort; auch hier ist derselbe Mangel an Quellen; aber auch hier 
schwindet der Nebel der Ueberlieferung spurlos vor dem Lichte der Critik. 

Kuss **) beginnt seine Sammlung denkwürdiger Naturereignisse mit dem 
Jahre 1164; er bezeichnet die noch älteren Angaben Heimreich's als aller Be- 
glaubigung entblösst, und weiss selbst für die Zerstörung Helgolands durch die 
Fluthen der Jahre 1102, 1216 keine andere Autorität, als diesen leichtgläubigen, 
schwindelnden Chronisten anzuführen. In allen späteren berühmten Fluthen, 
welche den niedrigen Inseln und der Küste von Holstein und Schleswig so ver- 
derblich waren, ist kein einziges sicheres Zeugniss für Abspühlungen bei 
Helgoland. Eanzau spricht von sechs untergegangenen Kirchspielen, nennt aber 
keine Jahre, keine Fluthen.***) Die Sturmfluth vom 20. September 1621, welche 
Adolphi unter dem Zusätze erwähnt: „dass man mit grossen Schiffen über 
Heilig Land fahren konnte," verliert ihre ganze Furchtbarkeit bei genauerer Be- 
trachtung, da sich dies über nur auf den Steinwall, der „ganz schmal und 
nicht höher, als dass eine ordinäre Fluth geräumet überhingeht," f) bezieht. 



*) Wienbarg lässt (a. a. O. S. 227) als eine bedeutende Autorität für die neun Kirchspiele 
Dahlmann gegen Lappenberg auftreten. In der Sache gelangen wir indessen dadurch 
um keinen Schritt weiter, denn die gelegentlichen Aeusserungen des Ersteren können 
so lange nicht zu seinen Gunsten sprechen, als die Gründe jener Annahme ver- 
schwiegen bleiben. Nach den Worten auf S- 221 wird man dem Glauben geneigt, dass 
die Beweismittel seines berühmten Lehrers nicht sehr kräftig gewesen sein müssen, da 
sie in ihm keine feste Ansicht gebildet, ja nicht einmal so weit in seinem Gedächtnisse 
gehaftet haben, um sie der Hauptsache nach bei so passender Gelegenheit geltend 
machen zu können. 

"") Jahrbuch denkwürdiger Naturereignisse in den Herzogthümern Schleswig und Holstein 
vom Uten bis 18ten Jahrhundert. Altona 1825. 

**) S. a. a. O. S. 68. 70. Olim multo quam nunc, fuit amplior; Septem enim tum Parochiis 
fuit distincta, ex quibus superest unica. Ac etiamnum recedeate mari , exesum et 
supressum Neptuni violentia solum conspici potest. 
f) S. Bötticher 1699 a. a. O. bei Camerer S. 267. 



— 38 — 

Der obenerwähnte Helgolander Commandant J. Ditius schreibt, d. d. 7. April 
1035, von einer Fluth, die seit Menschengedenken „Landflecken und Einwohner 
ganz weggenommen, und über 30 Hausgesessen nicht übrig geblieben." *) Diese 
Angabe trägt das Kennzeichen der Unwahrheit an der Stirne; sie soll darum 
hier nur als Beleg dienen, wie toll man es im Aufschneiden und Glauben ge- 
trieben habe. Unten am Strande befanden sich um jene Zeit nur einzelne Hütten 
für Fischergeräthe, die Wohnhäuser alle oben auf der Klippe; welche Fluth 
nüisste das gewesen sein, die über 100 Fuss hoch gestiegen und oben Land 
und Wohnungen abgespühlt, dass nur dreiss ig Hausgesessen übrig geblieben!? 
In den Jahren 1602—1607 wüthete auf der benachbarten Küste die Pest in 
hohem Grade, **) wahrscheinlich auch auf Helgoland, denn im Jahre 1615 waren 
nur 68 Familien oder, jede zu 4 Personen, 272 Einwohner auf der Insel, wäh- 
rend sie noch 85 Jahre zuvor deren 2000 zählte.***) Was die Pest verursacht, 
wird also einer Fluth untergeschoben! Der sonst bedachtsamere Sax giebt sei- 
ner historischen Critik hier eine arge Blosse, denn er fährt nach jener Stelle 

unmittelbar fort: „sonsten haben die Einwohner wegen Ungewitter oder 

einer Wasserfluth sich keiner Gefahr oder Schadens zu befürchten!" — 

Spätere Berichterstatter sind noch verschiedener in ihren Angaben zer- 
störender Fluthen: Bötticher f) setzt dieselben Anno 800, wo der grösste 
Schaden gethan, und der grösste Theil verschlungen, dann Anno 1300, 
1500 und 1649; Lass ff) dagegen bestimmt die Jahre 800, 1100, 1102, 1120, 
1216, 1338, 1341, 1362, 1400, 1471, 1532, 1634 etc. Ihre Vorgänger Sax und 
Cnobloch geben gar keine Jahreszahlen an, denn damals hatte Heimreich seine 
Chronik noch nicht geschrieben. Bei Kuss findet sich für die Jahre 800, 1100, 
1120, 1338, 1341, 1400, 1500, 1649 gar keine Fluth verzeichnet, in den 
Fluthberichten der Jahre 1300, 1362, 1471, 1532 und 1634 wird Helgoland 



•) S. P. Sax a. a. O. S. 244. 245. 

") S. Kuss a. a. O. S. 120. 

'•*) S. Schlesw. Holst. Prvzbl. 4. Jahrg. 1. B. S. 200. 201. 

■jO S. Bötticher a. a. O. S. 259. 260. 

•H-) S. Lass a. a. O. S. 7. 8. 



— 39 — 

nirgends genannt; es bleiben daher nur jene von 1102 und 1216, deren ein- 
ziger Gewährsmann Heimreich ist. Dankwerth bemerkt durchaus keine Fluthen, 
er sagt nur: „es soll viel grösser gewesen sein dann itzo;" bei der Ableitung 
des Namens der Insel meint er aber, „dass daselbst vor Zeiten, als in einem 
entlegenen Orte, gewisse Götter veneriret worden." Das spricht nicht für 
seinen Glauben an die Fluthen und die Karten seines Mitarbeiters! 

Dem Gefühle der Unbehaglichkeit bei diesen, mehr als hinfälligen, Stützen 
für die einmal ausgesprochene Meinung mag es zuzuschreiben sein, dass man 
in den geringsten Umständen einen Ankergrund suchte, um das lecke Schiff vom 
gänzlichen Untergange zu retten. Man wagte die unglaublichsten Schlüsse, in 
denen Kühnheit und Unverstand so nahe an einander gränzen, dass der Unter- 
schied schwer fällt. In diesem Sinne gedenken wir folgender Conjectur. Der 
Herzog Adolf von Schleswig erliess im Jahre 1444 für die drei Lande, Eiderstädt, 
Everschopund Utholm eine Verordnung hinsichtlich der Strandgüter (UmmeSeefundt), 
worin die Stelle vorkommt: „Sundter findt dar wohl Gudt erne Oghen kennynge 
af hemmesyd Hilgelandt, de mag dat Gudt beholden." Das Wörtchen 
„hemmesyd" übersetzte Voss') durch „jenseits" und folgerte, „dass zu 
der Zeit, im Jahre 1444, der Eiderstädtische Strand nicht nur bis Helgoland 
gegangen, sondern dass auch die Eiderstädter sogar bis jenseits dieser nun- 
mehrigen Klippe gekommen, um Strandgut zu suchen." „Welche schreckliche 
Veränderung, fügt er hinzu, ist doch seitdem — in 350 Jahren — mit diesem 
Strande vorgegangen!" Nach sprachrichtiger Auslegung dieses Wortes heisst 
es aber „auf dieser Seite"**) und beweist also gerade das Gegentheil, dass 
nämlich die Insel schon damals, was auch durch andere Thatsachen vorher 
darzuthun war, in offenbarer See und so weit von der Küste gelegen habe, 
dass die zwischen ihr und dem Schleswigschen Strande gefundenen Güter, als 



*) S. Schlesw. Holst. Prvzb. 4ter Jahrg. Ister B. S. 49. 

**) S. Outzen Glossarium d. fries. Sprache, hsgb. v. Engelstoft und Molbech. Kopenhagen IS37. 

a. v. hem. Ein Ungenannter (s. Schi. Holst. Prvzb. 4ter Jahrg. Ister B. S. 345) will für 

. „hemme" „henne," ein auf Helgoland noch gebräuchliches Wort für „hin" gesetzt 

wissen. In gleichem Sinne gebrauchen süddeutsche Mundarten, das Wort „anne" „onni," 

und sollte nicht das Schweizerische „ ennet," binnen, damit zusammenhängen? 



— 40 — 

Treibgüter, den Ansprüchen des Herzogs nicht mehr unterworfen sein konnten. 
Schon v. Hoft hat daher jene lächerliche Hypothese zurückgewiesen. ') 

Der Gang unserer Untersuchung führt auch uns zur Erörterung der schon 
so viel und lebhaft besprochenen Meyersehen Karten bei Dankwerth, für deren 
Rettung Wienbarg seine besten Kräfte aufgeboten hat."*) „Es muss aber vor 
allen Dingen bestimmt werden, sagt er, welche Art von Glaubwürdigkeit der 
alte Meier mit seiner Karte von Helgoland (und den beiden Karten von Nord- 
friesland) verbunden wissen wollte. Man braucht in dieser Hinsicht nur über 
den Gehalt dieser Karte zu berichten, um dem Leser den Maassstab der Kritik 
in die Hand zu geben." Zur Vorbereitung für diese unabhängige Beurtheilung 
führt er denselben auf Klippen und Schlickwatten und stellt ihn neben sich auf 
den schlüpfrigsten Boden. Wir werden in der zweiten Abtheilung ausführlicher 
auf die hier gemachten Behauptungen eingehen und bemerken nur vorläufig, 
dass nach den neuesten und besten Seekarten, eben so wenig wie nach den 
älteren, eine Spur von „zwei ungeheuren FelsrhTen, die von Helgoland in 
mehreren Richtungen ausschiessen , und von welchen zwei, beinahe parallel, 
in nordwestlicher Richtung an das jütische Riff stossen," — zu finden ist; 
eben so wenig zeigen sie ***) ein gerade westlich von Husum acht Meilen langes, 
über Helgoland hinausragendes Schlickbette;" denn die Bank von Amrum 
kann W. nicht wohl meinen, da diese aus Sand besteht. Diese Behauptungen 



■) S. v. Hoff. a. a. O. Ister B. S. 57. 
**) AVir können hier die Bemerkung nicht unterlassen, dass W. die Aeusserung L.'s (S. 21) 
nicht verstanden habe, indem er demselben eine Verletzung der historischen Wahrheit 
(S. 222) vorwirft. L. hat nicht gesagt, dass die Meier'sche Karte die Irrthümer ver- 
anlasst; sondern sie habe ihn zunächst zur Zusammenstellung seiner Nachrichten be- 
wogen, um weit verbreitete Irrthümer, denen diese sehr überschätzte Karte als Stütze 
gedient , zu berichtigen. Wir haben eben so wenig eine Verletzung schuldiger Pietät in 
der Art der Erwähnung zu finden vermocht; denn L. sprach nur von dem Maasse der 
Glaubwürdigkeit derselben im Gegensatze zu den blinden Vertheidigern ; darin liegt aber 
durchaus kein Absprechen des Verdienstes, welches so fest steht, dass es einer beson- 
deren Hervorhebung nur für den Unwissenden bedurft hätte. Es fragt sich, ob W. die 
Zuhörer L.'s als solche betrachten will! 

**) Man vergleiche die neueste Karte der Schlesw. Holst. Küsten, welche die dänische 
Admiralität unter dem Titel „Helgolander Bugten" 1841 herausgegeben hat. 



— 41 — 

sind daher für uns so lange Phantasiegebilde, bis sie hinlänglich erwiesen worden, 
und darauf gegründete Annahmen können auf die Frage selbst keinerlei Einfluss 
üben. Eben so wenig kann ein solcher der Aeusserung Adams zuerkannt 
werden; denn wenn er sagt: „latitudo Jütlandiae secus Eideram diffusior est, inde 
vero paulatim contrahitur in formam linguae;" so ist damit nur ein allgemeines 
Bild des Landes zu geben versucht, welches um so weniger zum Haken für 
andere Schlüsse gebraucht werden darf, als wir bei ihm keine genaue Kenntniss 
der Dimensionen der jütischen Halbinsel vorauszusetzen ein Recht haben. Man messe 
aber zum Ueberflusse von Friedrichsort an der Mündung des Eyderkanals in die 
Ostsee bis Helgoland, und von Aalsoe an der jütischen Ost- bis Nissum an der 
Westküste, dann hat Adam doch noch um ein gut Theil Unrecht! Die von W. 
weiterhin erwähnten Veränderungen an der Insel Nordstrand hat unsers Wissens 
noch niemand in Abrede gestellt, ihre Anführung an diesem Orte konnte daher 
nur den Zweck haben, von vorn herein das Urtheil des Lesers für das Folgende 
zuzubereiten und sich des Ergebnisses zu vergewissern. Die vorhergehenden 
Exclamationen über Bach und Hügel sind eben so übertrieben und unwahr, *) 
wie die Berufung auf Meiers Tiefenmessungen und die Erzählungen bejahrter 
Männer. Warum hat Meier diese Tiefen als Hauptbeweismittel nicht auf seiner 
Karte notirt? Die beiden Karten von Nordfriesland haben keine einzige Tiefen- 
angabe; auf den Helgolander Karten ist ein Maass im Norderhafen, eins zu Ost 
der Riffe, zwei zu West der Klippe, einige auf Nord- und Süder-Riff, die meisten 
im Süderhafen, was für den Hauptzweck weit weniger erforderlich war. Doch 
Meier war ehrlich, er hat nicht mehr notirt, als er zu verantworten wusste; 
aber seine Vertheidiger haben es nicht eben so gemacht. Genaue Ablothungen 
von den Friesischen Küsten hätten ihn, wie diese, zu ganz anderen Resultaten 
geleitet, er hätte gefunden, dass die Meerestiefen zunächst der Insel wenig oder 
gar nicht von denen in freier Nordsee abweichen, dass, wenn durch Punkte 
geringster Tiefen eine Verbindung mit benachbarten Küsten nachgewiesen werden 
sollte, dies eben so leicht nach der Elbe und dem Lande Hadeln, als nach 



*) S. Major bevölkertes Cimbrien. Plön 1692. S. 30. Nach ihm fehlt nicht mir ein Bach, 
„in dem sich eine Kirche spiegeln kann," sondern sogar zwei mittelmässige Seen. 

G 



— 42 — 

Eyder- und Hevermiindung geschehen könne; dass es mit diesem Eilande überhaupt 
eine ganz andere Bewandtniss habe, als mit den niedrigen, von Dünen begränz- 
ten Inseln an der Küste; denn gerade die Veränderungen der Dünenstriche sind 
es, die ihn und alle seine Vertheidiger in ihren Schlüssen irre geleitet haben. 

Das Fundament der acht Meilen langen Schliekwatte , welches W. für die 
Meyer'sche Karte in Anspruch nimmt, haben wir als nicht vorhanden bereits 
nachgewiesen; ein Gleiches gilt von seinen Tiefenangaben.*) Zu Ost der Helgo- 
ander Düne ist in £ Meile Entfernung eine plötzliche Erhöhung des Meeres- 
bodens zu 8 Faden, rings herum ein Absturz zu 13, 14, 15 Faden und in einer 
Entfernung von fast fünf deutschen Meilen nach jeder Küste bleibt die Tiefe 
unter 9 Faden;**) eine „ebene Tiefe von 6 — 7 Faden bis zur Schleswigischen 
Küste" ist nirgends zu finden, auch auf der Karte von Schleswig und Holstein 
beiDankwerth nicht! — Welche Grundlagen bleiben nun noch für die Meyer'sche 
Karte von Helgoland? Nur die Tradition ! Ihr finden wir ihn gänzlich hingegeben, 
so von ihr eingenommen, dass sein Werk und die literarische Zuthat seines 
Genossen im offenbaren Widerspruche stehen. Es wird darum kein Schein des 
Betruges auf ihn zu werfen sein, da die Gewissheit vorliegt, dass er selbst von seiner 
Phantasie und Leichtgläubigkeit betrogen worden ist; denn die Sage war vor Meyer, 
aber sie war mehr ein geisterhaftes Nebelbild, er hat ihr nur bestimmtere Umrisse 
und ein Skelett gegeben, wodurch sie zum rasselnden Gespenst geworden ist. 

Man erinnere sich der gänzlichen Ungewissheit in den Zeitbestimmungen 
der älteren zerstörenden Fluthen, Meier hat die Epochen mit Linien bezeichnet, 
und das war hinlänglich zum Glauben. P. S,ax.***) hatte 1638 auf Cempius 



') S. a. a. O. S. 248. 

•*) S. Norie a. a. O. und Helgolander Bugten. Es sind dies keine „lateinischen Autoritäten;" 
sondern auch Schifferzeugnisse und zwar zuverlässige. Die Schiffer können Hm. W. 
freilich noch mancherlei gesagt haben, etwa so, wie die Alpenführer in der Schweiz den 
Hörnern und Stöcken Namen und Höhen nach Belieben geben, und wie die Helgolander 
Schiffer dem Hrn. v. d. Decken erzählt haben, „dass noch 1809 verschiedene Helgolander, 
ohne irgend eine Beschreibung ihrer Insel zu kennen, zur Zeit der Ebbe, so weit das 
Auge reichte, in der Umgegend der Insel die Stellen zu bezeichnen wussten, wo einst 
heidnische Tempel, Kirchen, Klöster und Schlösser belegen gewesen sein sollen!!!" 
(S. a. a. O. S. 24.) 

■ • •) S. Camerer a. a. O. S. 240. 248 ff. 



— 43 — 

Autorität in seiner Beschreibung des Helgolandes gesagt, dass die alten Friesen- 
könige „residebant aliquando in Meden-Blück, aliquando et in Miltenborch, 
aliquando et in Cronenborch, et nonnunquam in Phosteland. Und dieweil sonst, — 
setzt er hinzu, — inFrisia minori keine feste Orte, Bürge oder Vestigia gefunden 
werden, worauf die friesische Herrschaft und Potestat sollte gewohnet haben, 
gedenke ich, dass Jutho, Ubbo, Vitho und alle andere friesische Häupter, Athletae 
und Richtere hieselbst müssen residiret haben, et si ita est, als J. Th. Pontanus 
aus dem C. Tacito will beweisen, dass die Insel von einem Walde den Namen 
hat überkommen, so muss anno Christi 100, Taciti tempore, ein grosser Wald 
und lustige Holzung da gewesen sein." — — „Und haben die Einwohner auf 
Helgoland noch so viel für sich (nämlich vor den anderen Friesen voraus), dass 
der Abgötter .lovis, Vestae, et Phosetae Tempel bei ihnen gestanden." Von Willibrord 
erzählt er: — — „Und als er anno Ch. 692 eine Zeitlang mit seinen Jüngern 
auf Helgoland gepredigt, des Jovis et Vestae Tempel niedergerissen und 
3 Friesen getauft hatte, ist Radbodus darüber heftig ergrimmt und hat den heil. 
Wigbertum säbeln lassen." „Anno Christi 768 hat Ludgerus in kurzer Zeit 
diese Insel bekehret." — Alle diese Angaben finden sich vollständig in Meiers 
Karte 11 Jahre später, aber mit dem grössten Leichtsinn und gänzlichem Mangel 
an Kritik eingetragen. Dort steht, dass die Friesenkönige nonnunquam in 
Phosteland, d. h. auf der Insel, sonst in Meden-Blick, Cronenborg, Miltenborg 
gehaust hätten, Meier trägt dies ohne Unterschied auf seine Insel; Sax 
„gedencket," dass Jutho, Ubbo, Vitho daselbst müssen residiret haben; 
Meier zeichnet ohne Anstand ihre Burgen und Namen ein; ja nicht überlegend, 
dass sein Eiland keine „feste Bürge" sei in Sax's Sinn, setzt er die Schlösser 
nicht einmal auf den Felsen. Jovis und Vestae Tempel prangen auf der Karte 
mit der Jahrszahl 692, Phositae Tempel Anno 76S; Liudger und der gesäbelte 
Wigbert bekommen eine Kapelle, nur der vielberühmte König Radbodus geht 
leer aus. ') Aber Sax nennt noch keine Wälder, keine Berge auf der Insel, 



") Herr v. d. Decken hat schon den Radbodus auf der Karte nicht bedacht gefunden und 
ihm daher in seiner Copie der Meierschen Karte nachträglich auf den obenerwähnten 
Radbodsberg des Felsens eine Burg errichtet. 

f» * 



— 44 — 

er erwähnt den Namen der St. Ursula noch nicht. Von wannen sind nun diese 
in die Karte gekommen? B. Cnobloch schrieb 1643 seine Helgolandia, und 
macht darin zuerst Wälder, Berge und St. Ursula namhaft; er spricht von einem 
zu alten Zeiten vorhandenen grossen Walde, Namens „Heyligen Lunde oder 
Walde" und einem anderen im Süden, dem „Holmbusch." Meier zertheilte ein 
und denselben Namen, und macht einen „Hilligenwalde, Hellgelundholdt (Holzung 
bei Sax) Hellgenwoldt und Holmbusch; da aber hierdurch seine Nomenclatur 
erschöpft war, so kommen die übrigen Wälder ohne Namen weg. Von Cnobloch 
stammen ferner der Marsberg und Kiesberg; der Marstempel und die Ursula-Kapelle 
sind freiwillige Zugabe. Aber wo liegen diese Berge? Auf der Karte von 800 
sind sie in dem Theil der Insel, welcher schon Anno 1300 weggespühlt war; 
auf der Karte von 1649 begegnen sie uns auf der Klippe! Wir treffen 
auch eine Süderkirch und Osterkirch; sie werden von Cnobloch nicht erwähnt. 
Diese hatte er aus dem Register, dessen Lappenberg *) gedenkt, entnommen, 
nur die Westerkirche jener falschen Urkunde vermisst man. Eine musste aber 
auf den Felsen, die andere dahin, wo nach Sax **) — „ Osterteich gegen Eyder- 
städt" — alte Gräber gefunden sein sollten, das musste also die Osterkirche 
werden; die Süderkirche kam in den südlichen Winkel, die Westerkirche wurde 
ignorirt, dafür konnte man die Kirche auf dem Felsen gelten lassen. Alle 
drei liegen nun fast in einer graden Linie von N. nach S. auf einem klei- 
nen Fleck Landes beisammen, und doch hätten sie nach der Urkunde von 
1240 auf der Insel von 1300 alle fehlen können, aber nur die Süderkirche wurde 
von der Katastrophe erreicht. Die Sage von den neun Kirchspielen existirte 
noch nicht, darum treffen wir auch deren Kirchen nicht. Einige Ortschaften auf 
bull, um, up und holm mit heidnischen Anklängen, wie Jovesbull und Vaestebull, — 
und die Karte war fertig! Cnobloch"*') sagt: „die Form oderGestalt der Insel ist vor 
Alters und vor 900 Jahren einem Kleeblatt recht gleich gewesen;" somit hatte 
Meier auch das Muster zur äussern Form; von der Insel des Jahres 1649 hatte 



") S. a. a. O. S.U. 34. Anm. 19. 
• *) S. a. a. O. S. 240. 
'•') S. a. a. O. S. 7. 






— 45 — 

jener das Bild eines Pokals gebraucht, deshalb musste der Fels in der 
Länge verkürzt werden, damit er sich in jene Vorstellung fügte! Ist nun ein 
solches Verfahren nicht mehr als tadelnswerther Leichtsinn? 

Vergleiche man indessen auch die Beschreibung zu den Karten. Dankwerth 
erklärt, dass die Karten „ex traditionibus, sed humanis" erhalten, aber er 
zeigt sich, wenigstens bei dieser Gelegenheit, als ein Mann von viel ge- 
sunderer Kritik und wissenschaftlicher Bedachtsamkeit, als sein Mitarbeiter; er 
konnte es nicht billigen, das dieser theils ganz falsch verstandene Dinge, wie 
die Residenzen Cronenborch, Miltenborg, Medenblick; theils Angaben, die keine 
Traditionen , sondern in dem Gehirne einzelner Gelehrten ausgebrütete Hypo- 
thesen waren, wie die heiligen Wälder und die Fürsten Jutho, Ubbo, Vitho, — 
ohne Anstand in seine Karte aufnahm und diese zu einem Gemisch von Sage, 
Conjectur und Unverstand machte. Er beobachtet zwar ein nachsichtiges Schweigen 
über diese Mängel, allein er hält seine Ansichten nicht zurück und sein Zweifel 
gegen die Sage scheint überall durch. So erklärt er die Ableitung des Namens der 
Insel, „ dass daselbst vorzeiten, als in einem entlegenen Orte, gewisse Abgötter 
veneriret worden," und zu Eadbod's Flucht nach Helgoland bemerkt er, „denn weil 
Herzog Pipin das feste Land inne hatte, war ihm leichte, auch die beigelegene 
kleine Insulen, als Ameland, Schelling etc. zu erobern, aber auf Hilgeland 
musste er den König wohl sitzen lassen;" — und dies beweist doch wohl, dass 
Dankwerth hierbei kein flaches, dem Lande nahe gelegenes Eiland vor Augen 
hatte, sondern vielmehr in dem Sinne schrieb, in welchem wir die strategische 
Bedeutung desselben bereits oben aufgefasst haben. Auf Adam's Schilderung 
legt er bedeutendes Gewicht und theilt sie mit, ja selbst den Ausdruck „habi- 
tabilem" fasst er schon so, wie wir ihn bei L. finden; aber die Taufe Eadbod's 
auf Helgoland scheint ihm bedenklich, und hinsichtlich der Schlösser und Burgen 
äussert er: „Und zweifle ich sehr, ob aus den Alten zu erweisen, dass der- 
gleichen Schlösser, als Medemblick, Gronenberk, Wilteberg, jemals auf Hilge- 
land belegen gewesen, halte auch nicht, dass an der Juthen und Vithenburgen 
etwas wahres an sei." Die Tempel Jovis etVestae erwähnt er nur referirend, 
bestimmt spricht er sich aber gegen die versuchten Beziehungen zu Tactius An- 
gaben so aus: „dass aber etliche des Taciti Fosos hierher wollen ziehen, das 



— 46 — 

reimet sich eben wie eine Faust auf ein Auge." Auf die Sage der ehemaligen 
Grosse geht er nur mit den wenigen Worten ein: „und soll viel grösser gewesen 
sein, denn itzo, gestalt nach dem Osten bei starkem Ostwinde man eine Meile 
Weges auf dem Lande hinausgehen kann." Welcher Contrast gegen Meier?! 
Letzterer hat oifenbar Adam's Beschreibung nicht verstanden oder nicht zu wür- 
digen gewusst, wie hätte er sonst ein Kastell Ubbonis auf die Karte von 1300 
setzen können! 

Untersuchen wir indessen nun auch noch den Grad der Zuverlässigkeit des 
geographischen Theils der hierher gehörigen Karten. Ueber jene von 800 und 
1300 schweigen wir, es sind Werke der Einbildung, jene von 1649 allein ge- 
stattet einen Vergleich. Misst man den Felsen vom Nordhorn zum Südhorn in 
gerader Linie, so ergiebt sich eine Länge von 290 Ruthen nach dem Maasse 
der Karte, oder 3451 Par. Puss, und eine grösste Breite von der Ostspitze zur 
Küste beim Nyestack von 170 Ruthen oder 2023 Par. Fuss. Nach der Karte 
von v. d. Decken ist dagegen, in denselben Richtungen genommen, die 
Länge 6118 P. F., die Breite 1903 P. F. Es erhellt demnach: 1) dass 
Meier gegen v. d. Decken die Länge, ungerechnet der Abnahme während fast 
200 Jahren, um 2667 P. F. zu kurz gezeichnet habe; 2) dass die Breite der 
Insel seit jener Zeit um 120 P. F. abgenommen habe, was ebenfalls in directen 
Widerspruch mit anderen Angaben tritt; 3) dass der Fels, wenn man Ostspitze, 
Süd- und Nordhorn durch gerade Linien verbindet und den Umfang des ent- 
standenen Dreiecks misst, nach der Karte von Meier 710 Ruthen = 8446 P. F., 
nach v. d. Decken aber 13,205 P. F. erhalten werden, mithin der Umfang des 
Felsens nach Meier Anno 1649 wirklich um 4759 P. F. kleiner ist, als im Jahre 
1826 bei v. d. Decken. Geringere Unterschiede könnten auf billige Nachsicht 
Anspruch machen, da solche in den neueren Aufnahmen, wie wir unten weiter 
sehen werden, auch noch vorkommen; allein der Irrthum in der Länge ist zu 
plump, und wirft ein sehr nachtheiliges Licht auf die Genauigkeit der Meier'schen 
Messungen. 

Die beiden Karten von Nordfriesland geben uns hierzu noch einen ferneren 
Beleg. Dieselben zeigen uns den Zustand des Landes im Jahre 1240 und 1651 
und sind eigentlich bestimmt, die furchtbaren Veränderungen dieser Küste in 



— 47 — 

einem Zeiträume von vier Jahrhunderten zu beweisen. Die Insel Helgoland ist 
auch hier noch mit aufgenommen und zwar liegend zwischen 

41° 18' 30" bis 41° 36' O. Länge, 

54» 13' 30" bis 54° 19' 20" N. Breite; 
auf der Karte von 800 liegt sie dagegen zwischen 

41» 18' 36" bis 41 31' 15" O. Länge, 

54o U' 30" bis 54o 2 0' 15" N. Breite; 
d. h. in 440 Jahren hat sich die Länge der Insel um fast £ Meilen vergrössert, 
während sie in der Breite nicht | Meile abnahm! Man halte dagegen die an- 
geblichen Fluthen der Jahre 1102 und 1216 und man wird keinen weiteren 
Beweis verlangen, dass auch hier alles auf reinen Hirngespinnsten beruhe! 

Wir können indessen nicht unterlassen, den warmen Verfechtern der Sagen- 
grösse auch noch das Urtkeil eines sehr geachteten Historikers entgegen zu 
stellen, eines Mannes, der durch seine umfassenden und gründlichen Studien 
über die hier in Rede stehenden Ländertheile vielfache Veranlassung hatte, die 
Richtigkeit der Meierschen Karte zu prüfen und über den Grad ihrer Zuverlässig- 
keit ein Urtheil zu fällen. Michelsen *) sagt über jene von Nordfriesland: 
„Es fragt sich, worauf diese Karten fussen. Dass der Zeichner ältere Land- 
karten vor sich hatte , **) kann man nicht annehmen, da solche, abgesehen 
von dem mehr als unwahrscheinlichen Vorhandensein so alter Landkarten 
bei uns zu Lande, nicht allein heutiges Tages nicht vorhanden sind, sondern 
auch vor Meier's und Dankwerlh's Zeit landeseingesessenen Männern, die alle 
dergleichen Documente mit vorzüglichem Eifer sammelten, wie Peter Sax, nicht 



*) Nordfriesland im Mittelalter. Schleswig 1826. S. 28 ff. 
**) v. d. Decken hat bereits (s. a. a. O. S. 24 ff.) diese Meinung ausgesprochen und sie durch 
die Verschiedenheit der Meier'schen und Clarke'schen Karte, die übrigens nur sehr 
unbedeutend ist, zu begründen versucht, indem er annahm, dass beide von einer alten, 
früher auf der Insel vorhandenen Zeichnung copirt seien. Er gehört jedoch nach dem 
Maasse der Leichtgläubigkeit zu den ersten Stimmführern für die Sage, ja eigentlich zu 
den TJeberschwänglichen, denn die Meier'sche Karte ist ihm der Tradition nach noch 
nicht gross genug, weil die Insel im Jahre '800 durch eine Sturmfluth viel ein- 
gebüsst haben solle; so müsse sie im 7ten und Sten Jahrhundert einen bedeutenderen 

Der Verf. 



— 4S — 

bekannt waren. Dass solche alte Karten nicht die Grundlage der Meier'scben 
bilden, wird überdies ausser allen Zweifel gesetzt durch des Zeichners eigenes 
Zeugniss über die Art, wie er seine Karte entworfen hat, indem er sich dahin 
äussert, dass er an den Küsten fleissig den Tiefen nachgefahren sei, alte glaub- 
würdige Männer des Landes jederzeit zu Begleitern mitnehmend, welche ihn mit 
der ganzen Gegend, wie insonderheit mit den Stellen, wo einst Kirchen und 
Dörfer gestanden, bekannt gemacht hätten. Nach diesen Untersuchungen und 
Erkundigungen also wurden hauptsächlich die Karten entworfen und ausgeführt. 
Dass alte erfahrene und ortskundige Männer in einem Lande, wo die durch die 
Fluthen geschehenen Verheerungen in das Gedächtniss aller Einwohner, das 
vormals viel stärker und fester war, als heut zu Tage, sich tief einprägten, wo 
Ueberlieferungen von verwüstenden Ueberschwemmungen Jahrhunderte fortlebten, 
daneben auch Wunder und Wahrzeichen und Prophezeihungen sich mit diesem 
Thema beschäftigten und die Sage manchmal einen dürren topographischen 
Charakter annahm, — dem antiquarischen Landmesser viel Wahres von der 
vormaligen Länderbeschaffenheit erzählen konnten, ist nicht zu bezweifeln. 
Ausserdem wird er einzelne Vermessungen und Risse, jedoch schwerlich recht 
alte, und Erdbücher benutzt haben, so wie es ausgemacht ist, dass er alte 
Kirchenverzeichnisse zu Eathe gezogen hat. Zu weit würde man daher zweifel- 
süchtig gehen, wenn man Meier's Karten so gut als unbrauchbar verwerfen 
wollte, zumal da selbige im Einzelnen durch Urkunden, durch den Zustand der 
Küsten in neuerer Zeit, wie durch fortwährend erhaltene Tradition, sich viel- 
fältig bewahrheiten lassen. Allein verhehlen darf man sich nicht, dass im Munde 
der Sage, welcher der Geograph vertraute, das Unglück und die Verheerung der 
Fluthen, wie es immer der Fall ist, sich sehr vergrössert haben wird, und dass 
die Karten wirklich mit Land viel zu freigebig sind. Solche Freigebigkeit wird 
schon da zu besaupten sein, wo von einem grösseren Gebiete des dargestellten 
Landes jede urkundliche Spur fehlt und man kann daher zuvörderst mit gutem 
Gewissen über den ganzen Süderstrand, den Meier im Westen Utholms ge- 
zeichnet hat, einen Strich machen. Er musste auf seiner Karte einen Süder- 
strand haben, weil es einen Nordstrand gab. und Hess sich dadurch zu jener 
Malerei verleiten. Ferner ist die Darstellung, welche die Insel Sylt in einer so 



— 49 — 

grossen Landmasse, Nordwestharde genannt, sich verbergen und verlieren lässt, 
entschieden zu verwerfen, weil ihr Urkunden aus der Mitte des zwölften Jahr- 
hunderts widersprechen. — — Am schlimmsten steht es um den Ruhm Meier's, 
wenn wir zu Helgoland uns wenden. Da hat er sich der Sage, die in Helgo- 
land einst ein gewaltiges Riesenland voll von Heiden und Götzen sah, vollends 
gläubig in die Arme geworfen. — — Wir sehen die Insel als ein recht aus- 
gedehntes Land vor uns, mit Tempeln des römischen und friesischen Heiden- 
thums, mit Gotteshäusern und Königsburgen, mit Dörfern und Waldungen reich 
ausgestattet, erfahren spezielle topographische Nachrichten aus dem 7ten und 
Sten Seculum, und staunen über die furchtbare Abnahme der Insel im Laufe 
des Mittelalters. Nur Schade, dass diese Schaubühne durch das älteste mehr als 
sagenhafte Zeugniss über Helgoland, welches Adam von Bremen ablegt, fast 
ganz zu Wasser wird. Man kann sich daher nur wundern , wenn man die 
Meiersche Karte in dem neuesten Werke über diese Insel von v. d. Decken, 
schön und selbst mit jenen Zierrathen gedankenloser Gelehrsamkeit aufgestutzt, 
nachgestochen findet. " 

Nach diesem Urtheil Michelsen's dürfen wir um so mehr hoffen, unser Urtheil 
gerechtfertigt zu sehen, als es sich nur auf sorgfältigst geprüfte Thatsachen 
gründet; zugleich werden wir aber auch die Ueberzeugung aussprechen dürfen, 
dass alle Berufungen auf die Meier'sche Karte, als alles Grundes und 
Bodens entbehrend, bei einer Beweisführung für die Sage zurückgewiesen 
werden müssen. Man wird es auch nach den bereits erlangten Ergebnissen 
nicht als Mangel umfassender und gründlicher Kritik ansehen, wenn wir uns 
eines widerlegenden Eingehens in alle, zum Theil widersinnigen, Meinungen 
enthalten und es vorziehen, einige indirecte Beweismittel kurz zu erörtern. *) 



•) Nur eines Beispiels , wie das Irrlicht der Sage die Leichtgläubigen in Sümpfe und 
Moräste gelockt und so arg verblendet habe, dass sie auf festem Boden mit frischem 
Rasen und in grünenden Hainen zu stehen wähnten und für lautere Wahrheit hielten, was 
nur ein äffendes Gesicht war, — möge hier gedacht werden. Von der Decken, der erste 
Schöpfer des Wienbarg'schen Wischlandes und des Felsenberges bei Adam, vor welchem 
er und Wienbarg Klippen, Zugang und Quelle nicht'gesehen haben, meint sogar, dass 
die Insel von 1613 — 1649 eine letzte grosse Umwälzung erlitten haben müsse, weil er 
den Cnoblochschen Vergleich des Eilandes mit einem Pokal auf Meier's Karte nicht ganz 

7 



— 50 — 

Im Laufe der vorausgegangenen Untersuchungen haben wir mehrfach die 
Thatsache, dass von Helgoland so wenige verbürgte historische Zeugnisse selbst 
in denjenigen Orten sich finden, mit welchen eine genauere Verbindung statt- 
gehabt haben musste, — unseren Gegnern vorgehalten, und unsere Verwunderung . 
ausgesprochen, dass selbst auf der Insel von allen den furchtbaren Katastrophen 
kein einziges schriftliches Dokument erhalten sei. Die schwachen Spuren 
einer Tradition unter den Einwohnern tragen das unverkennbare Merkzeichen 
eingeschmuggelten Gutes, wie die einzige auf der Insel befindliche Chronik, 
wenn dieser Name gebraucht werden darf, nur aus zusammengestoppelten Nach- 
richten auswärts ersonnener Ereignisse und Schicksale des Eilandes besteht. '") 
Doch nicht nur in dem Kreise der Familien werden solche handschriftliche Ueber- 
lieferungen aus früherer Zeit vermisst, sondern, was noch viel auffallender und 
wichtiger ist, selbst in der Gemeinde sind keine Spuren einer Gesetzgebung, 
eines geschriebenen Rechtes von einigem Alter vorhanden; ja es kann mit hin- 
länglicher Bestimmtheit geschlossen werden, dass früher solche Documente nicht 
existirten, denn im Jahre 1448, als die Insel unter Hamburgs Oberherrlichkeit 
war, sah sich der Rath genöthigt, eine Art Landrecht (librum Judicii in usum 



übereinstimmend fand. Cnobloch bestimmt 1643 den Umfang der Insel auf eine einzige, 
und zwar gar kleine Meile und gedenkt nur einer Stadt auf ihr. V. d. Decken findet 
„ es auffallend, dass auf einer Fläche von zwei Stunden, im Umfange, alle Bewohner sich 
im Mittelpunkte derselben zusammengedrängt haben- Wiederholte widrige Erfahrungen 
mochten sie von der Notwendigkeit überzeugen, sich von dem furchtbaren Elemente so 
entfernt als möglich zu halten. — Die im Jahre 1706 in der Mitte der Insel erbaute, 
noch vorhandene Kirche steht gegenwärtig schon nahe am Rande des Felsens, wo der 
stärkste Abbruch ist." Nach der sehr genauen grossen Karte von Testoline, vom Jahre 
1810, steht die Kirche von der nächsten Stelle der Nordostküste 713 P. F., von der West- 
küste 917 P. F. entfernt, in der Mitte aber hat die Kirche nie gestanden, was durch alte 
Karten aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts erhärtet wird, und gegen Ost ist der 
stärkste Abbruch durchaus nicht, sondern gegen Nord und West. Die ganze Folgerung 
stempelt sich demnach als eine reine Unwahrheit. 
') Es ist hier die Chronik gemeint, welche sich im Besitze des Herrn ßolzendahl auf 
Helgoland befindet, und wahrscheinlich dieselbe, deren Wienbarg (S. 85) in gleichem 
Sinne erwähnt. Einen Auszug davon verdanke ich der Güte meines Herrn Collegen 
Petersen, der ihre erste Abfassung in das Jahr 1698 setzt, wo Sax, Cnobloch, Heim- 
reich etc. bereits erschienen waren. 



— 51 — 

Heiligeland) für die Insel verfassen zu lassen, was gewiss nicht geschehen wäre, 
wenn die Einwohner ein solches besessen hätten. 

Auf einem Eilande von neun Kirchspielen mit Klöstern und Kirchen (nach 
der Meier'schen Karte an 26 Ortschaften) hätte ganz unmöglich bei der Ver- 
schiedenheit der Interessen von Gemeinde gegen Gemeinde, von Klöstern zum 
weltlichen Regiment, ein Einverständniss ohne alle Satzung und Regel existiren 
können, da im Falle entstehender Streitigkeiten dem Richter eine Norm gegeben 
sein musste. Finden wir doch zwischen Dörfern, die ihre Hähne gegenseitig 
krähen hören, Partikularrechte bis in die kleinsten Verhältnisse dringend, dass 
bald hier die Benutzung eines Wassergrabens, dort einer Weide auf magerem 
Stoppelfelde durch besondere Rechte geschützt und seit Jahrhunderten verbrieft 
und besiegelt ist; wie viel mehr sollte man auf dem Helgoland der Sage, einer 
Insel, wo die Differenz der Interessen zwischen Küsten- und Binnenländer noch 
stärker hervortritt, solche Satzungen aus alter Zeit erwarten dürfen, die nicht 
nur durch Tradition von Vater auf Sohn sich forterben, sondern durch die Schrift 
vor willkürlichem Wandel und beliebiger Auslegung geschützt sind. Kampf um 
Besitz, Ringen um verlorene und gewonnene Rechte bilden den Faden, an 
welchem sich die Geschichte fortspinnt aus der Wiegenzeit der Völker bis in 
die Tage ihres Alters; Rechtsbücher als nächste Mitte zur Ordnung im Lande, 
im Gau und der Gemeinde, gehören zu den frühesten Bedürfnissen eines Volkes, 
das aus dem rohen Naturzustande der Cultur entgegengeht, und sie sind auch 
in der That unter den ältesten Denkmalen, welche uns als Zeugen der Ge- 
schichte und der Entwicklung des Völkerlebens erhalten wurden. Schwaben 
und Sachsen besassen solche Gesetze und das altfriesische Landrecht reicht 
lange vor die Zeiten des angeblichen Unterganges der Insel. Schon allein dar- 
aus, dass die Bewohner Helgolands nicht einmal von ihren, nur wenige Meilen 
entfernt auf den grösseren Inseln und dem Festlande lebenden, Stammesgenossen 
diese Satzungen, welche gewiss nicht von königlicher Willkür diktirt, sondern 
aus dem Gefühle des Volkes, seinen wahren Interessen angemessen, hervor- 
gegangen waren, angenommen haben, — lässt sich der Beweis führen, dass die 
Insel so klein und die Einwohnerzahl so gering gewesen sein müsse, dass sie 
als eine Familie bei den wenigen vorkommenden Streitfragen mit einem tra- 



— 52 — 

ditionellei) Hechte vollkommen ausreichten, und gar nicht auf die Notwendig- 
keit geschriebener Gemeindeordnungen hingewiesen wurden. Erst mit der stei- 
genden Wichtigkeit der Insel und dem Eintreten verwickelterer Verhältnisse giebt 
sich das Bedürfniss eines festeren Haltpunktes kund, was Lass mit folgenden 
Worten bestätigt:*) „Bis Anno 1587 richteten die Heiligelanders sich mehren- 
theils nach ihrem sogenannten Willkühr. In selbigem Jahre sub dato d. 25. Jan. 
confirmirte die Herrschaft die Landesbeliebungen, welche von dem Helgolander 
Vogt Kichert Erichs verfasset waren. Dieses Land-Recht, so in Nieder- 
sächsischer Sprache entworfen, enthielte die alte Anordnungen, so nicht 
zu Papier gebracht, jedoch per Traditionem von einer Familie auf 
die andere fortgebracht worden." Zu diesen Beliebungen erhielten sie 
noch durch die dänische Herrschaft das jütische Lowbuch. Wir entnehmen hier 
ersteren, nach der Bestätigung durch Herzog Johann Adolf am 3. Mai 1606, die 
wichtigsten Punkte für unseren Beweis. Im Eingange heisst es:.**) „Der Hilligen 
Lande willkührliche Beliebung und Recht, so von Older toOlder gebrücklich ge- 
wesen, und ist nun vor gut angesehen worden, dat man sölke Belewinge weder up nie 
aversehen, und in de Fehder verfahten möchte, de will de Olde verlustig geworden." 
Sollte man hier vielleicht annehmen können, dass ähnliche Beliebungen es waren, 
welche zur Zeit der Hamburgischen Oberherrlichkeit verfasst waren, aber später ver- 
loren gingen ? Jedenfalls wird aus obigen Worten mit vollem Rechte gefolgert wer- 
den können, dass den folgenden 14 Artikeln der Hauptsache nach uralte Be- 
stimmungen zu Grunde liegen, was auch fast bei einem jeden derselben aus- 
drücklich hervorgehoben wird, und dass demnach ihr Inhalt uns ein Bild ihrer 
früheren Zustände bieten werde. 

Im zweiten Artikel begegnen wir der Anordnung wegen der Einwanderung auf 
die Insel, welche durch die festgesetzte Verheirathung mit einer Helgolanderin 
natürlich ausserordentlich beschränkt wurde. Der dritte Artikel verbietet den 
Fremden den Betrieb der Fischerei aus dem Grunde: „dar wi doch nich anders 



•) S. a. a. O. S. 50. 
'*) S. Camerer a. a. O. S. 56. 



— 53 — 

heben als von de Fiskerye, und wenn uns also dat alles benahmen würde, so 
is et mit uns geschehen, so heben wi darna nene Nahrung." 

„Thom föfften, heisst es weiter, is ock von Oldings her geholden worden, 
wenn een Schip weckede effte schavede, dat jene, so dar verdenet worden, dat 
ging över dat ganze Buhrschopp , dar krig de Arme enen so vele von als de 
Rike, solkes willen wi ock vordan und alle Wege also holden und blieven 
laten, und den armen Wedeven dat Brod nich uth den Munde rieten und neh- 
men, welches unsere Vorfahren ehnen gegönnet heben;" — — 

„Thom sechsten schall nemand darinne he von heben, dat by Scheppen 
verdenet wird, et sy bi Tage effte by Nachte, als twe Part, dat drütte Part 
höret aber de Gemende. " — — 

„Thom sövenden is ock von Oldings gebrücklik wesen, den Fisk als 
Leppel und Rochen, samt andern Fischwerke, so hie unter inelt Land tho 
Kope kommen, und dar is een Schilling an tho gewinnen, de schölen gelikmetig 
gedehlet werden mank de Buhrscbop, dar schölen de armen Wedeven so veel 
von lieben, als de aller Rikesten, sölkes ist bethero geschehen, und willen 
ock hinförder also holden, idt mudt ock nemand premder den Verkop hier thon, 
he sy ock, we he will." — — 

„Thom negenden, so mocht nich bargen, we da will, als wenn da een 
Mann were, der dry edde vier Sohns hedde, und wollte eener jedder een Loth 
tho hebben, ist nich geschehen und kann ock nich geschehen, sondern wenn 
de Wedeven Volk huren, so mocht neen fremmer Mann helpen bargen, de hier 
nich wohnet, sondern se schölen von unsern egen Landvolk huren." — — 

„Thom twölfften so mocht ock nemand Kauen op by dat Klifft tüdern, wer 
da will, sondern wo idt von Oldings her geholden worden is, als man mochte 
by olden Tieden, nen Kalve effte Schape mit den Käuen tüdern, by Verlust 
eener Tonne Biers, wy willen solkes noch also holden, de nene Bauersman is, 
der mag da sine Käue tüdern und nich anders. " — — 

Aus allen diesen Artikeln erhellt zur Genüge, dass sie nur für eine einzige 
kleine Gemeinde durchführbar waren, wo jeder Betrug und jede Umgehung der 



— 54 — 

Gesetze leicht an den Tag kam. Aber auch die Verhältnisse dieser Gemeinde 
leuchten daraus auf's Deutlichste hervor; sie nennen sich selbst arme Leute, 
die nur von der Fischerei leben können; der Verdienst der Einzelnen ist immer 
zugleich ein Verdienst für die Gemeinde, wo Arme und Reiche gleiche Theile 
bekommen; die Furcht vor Schmälerung des kargen Erwerbes lässt sie ängstlich 
jeden Fremden ferne halten, und damit auch auf der Insel selbst keiner den 
andern beeinträchtige, so wird sogar auf dem kleinen Lande ein Unterschied 
im Weiderecht gemacht. Nehmen wir nun den Zusatz „zu alten Zeiten," „von 
Alters her" so, wie er hier, wo sich das Recht durch Tradition forterbte, 
genommen werden muss, für einen Zeitraum mehrerer Jahrhunderte, — wozu 
überdies der Eingangs erwähnte Ausdruck, dass die von Alter zu Alter gebräuch- 
lichen Beliebungen nur auf's Neue „übersehen" werden sollten, noch be- 
stimmter berechtigt; so ist der Zwiespalt zwischen diesen Satzungen und der 
Sage schon für einen Zeitraum von 280 Jahren bis zur Unvereinbarkeit gesteigert. 
Die Insel von 1300 hat noch zehn Dörfer und ein Schloss bei Meier, und im 
Jahre 1634 vor der Fluth soll sie noch so weit sich erstreckt haben;*) als die Klippen 
und Riffe reichen. Diese letzte grosse Katastrophe bildet demnach den Endpunkt 
der Sage. Sie auch noch hier zu widerlegen, wäre überflüssig, denn durch 
Ranzau's Schilderung Helgolands um die Mitte des 16ten Jahrhunderts verfällt 
sie dem Reiche reiner Erdichtungen. Vergleichen wir aber den Charakter jener 
Beliebungen gegen die Insel vom Jahre 1300, so muss es doch den höchsten 
Grad von Bedenklichkeit erregen, dass in denselben auch nicht die leiseste 
Andeutung der Sage, nicht die entfernteste Beziehung auf bessere Verhältnisse 
früherer Zeiten sich findet, dass vielmehr alle Berufungen auf die Vergangenheit 
ganz unverkennbar einen Zustand verrathen, welcher dem zu jener Zeit ganz 
gleich war. Das Sageneiland soll die beiden Kirchspiele, welche die Fluth vom 
Jahre 1300 verschonte, nicht auf einmal, sondern in einer Reihe von Kataklysmen 
verloren haben, von denen einige der bedeutensten sogar dein Erinnerungskreise 
der Bevölkerung von 1587 angehörten; aber Zeichen eines solchen Andenkens 



*) S. Lass a. a. O. S. 8. 



suchen wir bei einer Veranlassung vergeblich , wo Klagen über Armuth und 
Schmälerung der einzigen Erwei'bsquelle laut werden , wo man sich gezwungen 
sieht, den kleinen Weideplatz für Kühe und Schafe ängstlich zuzumessen, wo 
die Vermehrung der Bevölkerung durch Einwanderung Fremder auf's Aeusserste 
erschwert wird, wo der Gewinn zu gleichen Theilen Armen wie Eeichen zufällt 
und der überwiegende Erwerb einer Familie auf Kosten anderer Gemeindeglieder 
mit einer Strenge beschränkt ist, wie sie in den härtesten mittelalterlichen Zunft- 
gesetzen ohne Beispiel sein dürfte. — In einem solch' geeigneten Boden druckte 
sich nicht die zarteste Spur ab, um uns auf die Bahn der Sage zu leiten! 

Für den Zustand der Insel am Ende des 14ten Jahrhunderts ist uns noch 
die Thatsache von Wichtigkeit, dass sie den Banden der Seeräuber, welche 
unter dem Namen der Vitalianer oder Likedeler sich so furchtbar gemacht haben, 
als hauptsächlichste Stütze diente, und bis in die neueren Zeiten bei jeder vor- 
kommenden Gelegenheit von den Capern als Schlupfwinkel benutzt wurde. So 
erzählt uns Bötticher : *) „ Die französischen Caper haben in etlichen Jahren 
diesen Ort sehr werth gehalten, indem sie gerades Weges von Duynkerken 
gekommen und ihre Anker auf diese Rhede oder Hafen geworfen, und nach 
eigenem Gefallen am Lande restraichiret , bis sie umher ein Seegel in der See 
sind ansichtig worden, und sich desselbigen bemächtiget, auch wohl gar damit 
sich wieder auf die Rhede geleget. Es kann von der Klippen Höhe ein Schiff 
auf 6 Meilen erkannt werden, und dagegen können die fremden vorbei- 
fahrenden Schiffer nicht bemerken, was sich vor Schiffe unter 
dieser Insel aufhalten, welches ein grosser Vortheil vor den 
Caper. Haben sich ihre Widersacher erblicken lassen, so haben sie gute Zeit 
und Weile, sich zu retiriren und in Sicherheit zu bringen, wozu die Ein- 
wohner ganz willig und ihnen gerne an die Hand gehen, so lange 
sie in dem Hafen liegen und ihre Hülfe verlangen." — Diesen wohlgelegenen 
Versteck gewährte ihnen indessen die Insel nur in dem Falle, dass auch damals 
schon Norder- und Süderhafen existirte, wo sie sicher vor Stürmen und Ent- 



') S. Cammerer a. a. O. S. 262. 



— 56 — 

deckung waren, und in der Armuth und Habsucht einer geringen Bevölkerung 
leicht in Bewegung zu setzende Hebel zur Förderung ihres Treibens fanden. 
Alles dies suchten sie auf einem bescheiden niedrigen Wischland mit vielen 
Dörfern, gesegneten Feldern und Weiden vergeblich. Erinnern wir uns an Adam's 
„praecipue vero piratis," so haben wir auch hier eine Uebereinstimmung der 
Berichte in einem Zeiträume von sechs Jahrhunderten. 

Doch wir schliessen den historischen Theil unserer Untersuchung in dem 
Glauben., keinen bedeutsamen Einwurf unberücksichtigt, keinen Grund für oder 
wider ungeprüft gelassen zu haben. Ist das erlangte Resultat auch durchaus 
verneinend, so sind wir uns klar bewusst, nicht die Sage, sondern nur deren 
Begründung durch Ereignisse geschichtlicher Zeiten vernichtet zu haben; denn 
die historische Kritik hat eine Gränze, über welche sie jene nicht verfolgen 
kann; in vorliegender Frage übernimmt aber dann die Geologie das Richter- 
schwert, um über Leben oder Tod zu entscheiden. 






Die Insel Helgoland 

nach ihrer Grösse in Vorzeit und Gegenwart. 

Vom Standpunkte der Geschichte und Geologie. 



Zweite Abtheilung. 

Geognostisches und Geologisches. 



— 58 — 

Doch wie sehr muss man sich jedes Vorwurfs gegen die älteren Autoren 
bei dem Vergleiche mit den Leistungen ihrer so sehr begünstigten Nachfolger 
enthalten ! In eine fast babylonische Verwirrung sieht sieb die Kritik versetzt 
und vergeblich sucht sie sichere Haltpunkte, denn hier kreuzen sich die entgegen- 
gesetztesten Angaben über den Zustand des Eilandes mit den übertriebensten 
Berichten seiner gewaltigen Veränderungen ; dort findet sie statt des erwünschten 
Prüfsteins genauer Maasse und Zahlen nur unbegreifliche Widersprüche und 
endlich begegnen ihr statt selbstständiger Untersuchungen nur gedankenlose 
Nachschreibereien alter Irrthümer. Kaum ist z. B. glaublich, was im Verfolge 
Beweise erhärten werden, dass die seit fast zwanzig Jahren berichtigten älteren 
Bestimmungen der geographischen Lage Helgolands zur Stunde selbst in den 
wichtigsten Schriften noch keine Aufnahme gefunden haben, dass man die ver- 
schiedenenGrössen-Verhältnisse angab ohne irgend eineBezeichnung der gebrauchten 
Maasse, dass endlich ohne alle nähere Begründung der Eine in wenigen Jahr- 
hunderten , der Andere in ein paar Menschenaltern die letzten Trümmer des 
Eilandes vom Meere verschlungen werden lässt. 

Die Hoffnung, auf das vorhandene Material die weitere Beweisführung über 
die wahre ehemalige Grösse Helgolands im Verhältniss zur traditionellen bauen 
zu können, durfte nach solchen Ergebnissen einer vorläufigen Kritik nicht, ferner 
gehegt werden, ohne gleichzeitig das Bewusstsein einer gründlicheren und sorg- 
fältigeren Untersuchung, als wir den Vorgängern verdanken , zu opfern. Der 
Verlust eines wesentlichen Theils der Arbeit bei dem, bald nach dem Erscheinen 
der ersten Abtheilung ausgebrochenen, grossen Brande machte einen zweiten 
längeren Besuch der Insel nothwendig und diesem folgte im vergangenen Sommer 
ein dritter mehrwöchentlicher Aufenthalt, der nur der Ermittlung noch fraglicher 
Verhältnisse gewidmet war. 

Die Resultate dieser fortgesetzten Untersuchungen, wie sie in Folgendem 
vorliegen, sind demungeachtet nur als die Grundlage zu ferneren Forschungen 
zu betrachten, die gewiss Manches berichtigen, Vieles bestimmter und klarer 
herausstellen und zur Lösung noch räthselbafter Punkte führen werden. 

Wenn die umfassendere Erörterung der geographischen und geognostiseben 
Verhältnisse des Eilandes, die Aufnahme bereits bekannter Thatsachen als eine 



— 59 — 

Ueberschreitung der in der Ueberschrift angedeuteten Begränzung des Gegen- 
standes erscheinen muss; so wird dies tbeils durch die Notwendigkeit einer 
möglichst umfassenden Begründung der Folgerungen, theils durch die Absicht 
gerechtfertigt, früheren Berichtigungen gegenüber der noch ausgedehnten Herrschaft 
alter Irrthümer auch in weiteren Kreisen die gebührende Anerkennung zu erringen. 

Erster Abschnitt. 

Lage, Formen- und Grössen -Verhältnisse. 

Die älteste Bestimmung der Lage Helgolands findet sich in Ranzau,) der 
für die Breite 54° 55' setzt. — Dankwerth" ) giebt schon eine der Richtigkeit 
nähere Polhöhe, nämlich 54° 16' an, beide aber bezeichnen den Punkt der 
Insel nicht näher, für welchen die Breite genommen, und es ist daher sehr wahr- 
scheinlich, dass dieselbe gar nicht aus Beobachtungen auf der Insel erhalten 
wurde. Nach Meyer*s Specialkarte wurden bei Gelegenheit des Bombardements 
durch die Dänen am S.August 1714 und später einige andere entworfen, denen 
sämmtlich aber offenbar keine genaueren Vermessungen der Insel zu Grunde 
liegen können, da sie ausserordentliche Verschiedenheit in ihren Verhältnissen 
zeigen. Im Jahre 1787 wurde auf Veranlassung des Hamburgischen Commerz- 
Collegiums durch Reinke und Lang zuerst die Insel mit ihren Riffen genauer 
aufgenommen, und namentlich ihre Lage richtiger als bisher und zwar zu 25° 34' 
0. L. von Ferro und 54° 11' 30" N. B. für die Mitte der Bluse (alter Leucht- 
thurm) bestimmt. ***) 

Aus dem Wesselschen Triangelnetze für die üldenburgische Landesvermessung 
und den trigonometrischen Aufnahmen Reinke's zum Behufe einer genaueren 
Karte der Elb-, Weser- und Jahde-Mündungen, leitete Zach f) die Länge der Bluse 
Helgolands im Mittel aus mehreren Resultaten zu 25 ° 31 ' 22" G. L. u. 54 ° 1 1' 34" 
N. B. ab, welcher Bestimmung Reinke ff) auf seiner Tabelle zur obengenannten 



*) 


a. a. 0. S. 69. 




**} 


a. *. O. S. 153. 




***\ 


A. Eph. Bd. 3. S. 616. 




-so 


Monatliche Correspondenz. 


Bd. 3. S. 342 


:t) 


A. Eph. Bd. 11. S. 723. 





— 60 — 

Karte vom Jahre 1802 noch eine eigene spätere hinzufügte, wornach die Bluse in 
25° 31' 16" O. L. und 54° 11' 5" N. B. zu liegen kam. Trotz dieser viel- 
fachen Beobachtungen herrschte fortwährend eine nicht unbedeutende Schwankung 
in den Angaben der Schriften und auf den Karten. 

Die Errichtung einer temporären Sternwarte auf Helgoland durch Schumacher, 
veranlasste endlich "im Jahre 1825 die zuverlässige Bestimmung seiner Lage, 
welche nach den von Hansen daselbst gemachten Beobachtungen ergab: 

54» 10' 46", 51 N. B.Q 
25« 32' 43", 5 0. L. von Ferro. 
Eine gleichzeitig veranstaltete Chronometer-Expedition von England zur Ermittelung 
der LängendifTerenz zwischen Greenwich, Helgoland und Altona lieferte für 
Erstere einen Unterschied im Mittel =z31'32", 49* ; ) nach Zeit, = 7° 53' 5", 85 
im Bogen. Der Güte des Herrn Conferenzrath Schumacher verdanke ich die 
nähere Bezeichnung des in der Erde bemerkten Punktes, wo das Observatorium 
gestanden, für welches die obigen Bestimmungen gelten. Von demselben liegt 

Toisen Toisen 

der Kirchthurm. . N. 170,, 96 O. 35, 80 
Leuchtthurm . . . N. 53, 87 W. 15, 30 
Alter Leuchtturm N. 26, 08 W. 27, 49 
woraus sich deren Lage folgendermaassen ergiebt: 

Kirchthurm .... 54» 10' 46", 51 + 10", 796 =z 54» 10' 57", 30 

Leuchtturm ... — — — \~ 3", 40 =.54<> 10' 49", 91 

Alter Leuchtthurm — — — — + 1", 65 = 54° 10' 48", 16 
Kirchthurm. ... 7« 53' 5", 85 + 7", 856 = 7° 53' 9 ",706 

Leuchtthurm ... — — — 1", 650 = 7° 53' 4", 20 

Alter Leuchtthurm — — — 2", 96 = 7« 53' 2", 89 

Wenn man bedenkt, dass bereits seit zwanzig Jahren von der Wissenschaft 
diese bessern Resultate erzielt wurden, so bleibt es in der That unbegreiflich, wie die 
Bestimmung eines für die SchiflTahrt so wichtigen Punktes keinen Eingang in 



*) Schumacher's astronomische Nachrichten. Bd. 3. S. 272. 
**) Schumacher's astronom. Nachr. Bd. 8. S. 117. 



— 61 — 

die spätem Karten, Steuerbücher und geographischen Werke finden konnte. 
So liegt z. B. der Leuchtthurm 

Nach Purdy*) 54» 11' 20"N.B., 7° 53' — " O. L. Greenw. 

„ Norie**) 54» 11' 20" — 7» 53' 13" — 

„ Woltmann u. Schuback** ) 54° 11' 7« 53' — — 

„ Berghaust) 54° 11' 5° 31' — " O. Paris. 

7° 51' 23" 0. Greenw. 
Wenn man in solchen practisch richtigen Werken falschen Angaben der Lage 
Helgolands begegnet, dann kann es allerdings weniger Wunder nehmen, wenn 
alle neueren Schriften über die Insel, mit alleiniger Ausnahme der topographi- 
schen und geognostischen Bemerkungen von L. und K. dieselben Fehler darbieten. 
Die magnetische Variation gab Reinke 1787 zu 20° 30' W. Wessel tt) 
1793 zu 19° 41', und einige Jahre zuvor 19° 19' an, die neuesten Karten 
setzen dieselbe auf 20 ° , nach der Gaussischen Theorie folgt aber eine Miss- 
weisung von 20° 12' z. W. Eine genauere Bestimmung bleibt hier also noch 
wünschenswert!). Die Entfernung der Insel von den benachbarten Küsten beträgt 

nach Norie Woltmann Lichtenstein 

1) Von der rothen Tonne vor u. Schuback u. Kunowskittt) 
der Mündung der Elbe ... 5, 12 4, 5 — geogr. Meil- 

2) Vom Leuchtthurm auf Neu- 
werk — , 7 6, 87 6 

3) Von der Insel Wangeroog . 6, 00 5, 75 6 

4) Von dem Leuchtthurm in 
der Eydermündung 7, 25 — 7 „ 

5) Von der schwarzen Tonne 
No. I. in der Eydermündung 6, 8 — — „ 

6) Von der Tonne No. I. vor 
der Hevermündung 7, 25 — — „ 

7) Von Cuxhaven 8, 75 8, 65 7, 66 „ 

*) New sailing directory for the North -Sea. London 1834. 
**) Sailing directions from the Texel to the Hever. London 1S40. 

**) Charte von den Mündungen der Elbe u. Weser etc. nebst Beschreibung. Hamb. 1831. 
f) Allgem. Länder- u. Völkerkunde. 1843. Bd. 5. S. 425. 
-ü) A. Eph. Bd. 3. S. 617. 
Üf) a. a. O. S. 39. 



55 
55 



— G2 — 

Auch hier erscheint also wieder eine nicht unbedeutende Differenz in den 
Angaben der Karten, unter denen jedoch die Woltmann'sche gewiss den Vorzug 
verdient. Wahrscheinlich hat durch Veränderung des Fahrwassers auch die 
rothe Tonne mit der Zeit eine andere Stelle erhalten, da nach den altern Karten 
die Entfernung ebenfalls grösser ist. Unerklärlich bleiben aber die grossen 
Unterschiede bei Neuwerk und Cuxhaven, da deren Lage früher schon durch 
Wessel und Reinke und auch in der neuesten Zeit bestimmt wurde. *) 

Eine Berechnung der Entfernungen aus den Unterschieden geographischer 

Lagen giebt bei Annahme ebener Dreiecke für Neuwerk, Cuxhaven und Wan- 

geroog folgende Verhältnisse. 

Differenz 
Breite Länge der Breite der Länge 

Helgoland 

Leuchtthurm . 50° 10' 49",9l 7» 53' 4",20 — — 

. ** L ) 453° 55'42".— 8»30'4S",— 15' 7", 91 37' 43" 
Neuwerk 



Entfernung 


geogi 


•. Meil. 


6, 


6 


6, 


7 


8, 


6 


8, 


7 


5, 


00 


5, 


S 



) 053» 54' 59",— 8» 30' 10",— 15' 50", 91 37' 5", 80 

3 ) 153° 52' 0",— 8° 43' 0",— 18' 49", 90 49' 55", 80 

4 ) $53° 53'— ",— 8» 44' 1",— 17'49",90 50' 50", 80 

5 ) k53°48'26",— 7« 51' 38",— 22' 23", 90 1' 26", 10 
Se ) (53» 47' 33",— 7°51'16",— 23' 16", 90 1' 48", 20 

Es müssen demnach den angeführten Karten andere Bestimmungen zu 
Grunde gelegt worden sein, als die jetzt angenommenen, wenn man nicht vor- 
aussetzen soll, dass durch Irrthum die grossen Abweichungen entstanden seien. 

In zwei Inseln steigt das jetzige Helgoland aus dem Meere. Die grössere 
als ein fast überall senkrecht abstürzender Fels, die Insel im engeren Sinne, 
die rothe Klippe oder vom Volke nur das Land genannt. Genau in östlicher 
Richtung vom alten Leuchtthurm liegt das kleine Eiland, wegen seiner niedrigen 
Sandhügel mit flachem Strande die Düne geheissen. 

Von ihrer südöstlichen Spitze schiessen in einem Bogen von S. O. nach S. 
und S. W., von dem nordwestlichen Strande in der Richtung nach N. W. 
und W. Riffe aus, welche mit den von der Insel nach S. O. und N. W. 



*) Gehler, phys. Wörtern. Bd. 10. S. 284. 
'*) 1. 3. 5.) Nach C. Riimker Handbuch der Schifffahrtskunde. Hamburg 1844. 
2) Epailly. 1837. 4) Wessel u. Zach astr. Tageb. 6) Schrenk Ann. 3 R. VII. 



- 63 — 

fortsetzenden Klippen das Bild einer Ellipse geben, deren grössere Axe von 
S. 0. nach N. W. streicht, deren Umfang aber in S. und N. W. durch tiefe 
Einschnitte unterbrochen ist. 

Was so über dem Meere getrennt erscheint, bildet doch im Verhältnis» zu 
dessen Boden nur ein einziges Erhebungssystem, welches jedoch in seinen ein- 
zelnen Theilen eine besondere Betrachtung erheischt, um einen desto vollstän- 
digeren Ueberblick des Ganzen zu gewinnen. 

1. Die Insel. 

Als Dankwerth vor 200 Jahren seine Beschreibung verfasste, verglich er 
die Gestalt des Felsens mit einem rechtwinkligen Dreiecke, dessen Seiten sich 
verhielten wie 3:4:5. Obgleich nun"') die Meyer'sche Karte, die jener Be- 
zeichnung zu Grunde liegt, offenbar ohne eine genauere Aufnahme nur nach 
dem Augenmaasse entworfen ist; so erschien sie doch seinen Nachfolgern als 
ein zuverlässiger Haltpunkt und es erbte sich neben ihren sonstigen Fehlern auch 
jenes unrichtige Bild bis auf die neuesten Tage fort. So erkennt Godeffroy * K ) 
noch jetzt dieselbe Gestalt nur in einem anderen Verhältnisse der Dreiecks- 
seiten. Schon die Karten von Wohlers und Reinke geben ein richtigeres Bild 
von der Gestalt des Felsens, das beste und treueste aber die, nach einer ge- 
nauen Detailvermessung entworfene WessePsche Karte. * : ) Nach dieser und 
meiner eigenen Aufnahme kann man wohl im Allgemeinen die Form der Fels- 
klippe mit einem Triangel, aber nur mit einem stumpfwinkeligen vergleichen. 
Legt man nämlich von der östlichsten Spitze eine Tangente längst der Nord- 
ostseite, eine zweite an die äussersten Punkte der Westseite und verbindet 
endlich das Südhorn durch eine dritte Tangente mit der Ostspitze, so erhält 
man ein Dreieck, dessen stumpfer Winkel genau nach Ost liegt, und nach 
Wessel gleich 114°, nach meinen Messungen gleich 112° ist. Zieht man von 
der Station auf dem Südhorn zum Punkte b. am Nordhorn, so ist diese das 
grösste Maass zwischen zwei Punkten auf der Insel und bezeichnet demnach 



") a. a. O. S. 153. 

**) L. J. 1835. 412. 

"") Dieselbe ist nie in das Publikum gelangt und da, den angestellten Nachforschungen 
zufolge , das Vermessungsjournal leider verloren zu sein scheint, so ist es trotz der 
äusserst vollendeten Zeichnung der Karte bei dem sehr kleinen Maasstabe nicht 
möglich, mit völliger Sicherheit nachzumessen. 



- 64 — 

deren Haupterstreckung, welche mit dem Meridian einen Winkel von 47 ° z. W. 
bildend, aus S. 0. nach N. W. geht, während die kleinste Seite des Dreiecks 
demselben fast parallel gen 0. liegt. 

Nach dieser Richtung an der Sohle des Felsens ist aus Gesteinstrümmern 
ein niedriges Schuttland abgelagert, das Unter- oder Siet-Land genannt, im 
Gegensatz zum Felsen, welcher dann auch als Oberland bezeichnet wird. Es 
gleicbt einem Dreieck, dessen nach Süden gerichtete Basis eine Curve nach 
innen bildet. Nach 0. endet es in eine Landzunge, wechselnd in Gestalt und 
Lage mit den Stürmen aus N. und S. Will man für beide Theile des Eilandes 
ein vereintes Bild, so kann man allerdings dafür ein rechtwinkliges Dreieck 
wählen, dessen grössere Kathete an der Linie vom Nordhorn nach dem Süd- 
horn , die kleinere in der Tangente von letzterem nach der Landzunge , und da 
der eine geschlossene Winkel bei ordinairer Fluth = 90 ° — 93 ° ist, die Hy- 
pothenuse in der Tangente der N. 0. -Küste gegeben wäre. In den Angaben der 
Maassverhältnisse der Insel herrschen Unbestimmtheit und Widerspruch bei einem 
das Unglaubliche so überschreitenden Grade, dass eine ziemliche Geduld zur 
Entwirrung derselben erforderlich ist. Nur einige dieser Angaben, deren Unrich- 
tigkeit theils direct zu beweisen, theils so augenfällig ist, dass sie keines Be- 
weises bedarf, mögen hier stehen. 

Länge von Umfang Breite 

Gesammt- 
S.O.-N.W. N.W.-O. O.-S.O. Oberland. Unterl. Umfang. Grösste. Kleinste. 

Edlefsen und 

Mushardf'). 1764. 7060 

Hasselmann* *). 1790. 2100 
Heimemeyer. 1800. . — 

Hassel-*"). 1826. . . 2200 
Siemens-fr. 1835. . . — 

Godeffroyii). 1835. . 4600 

Kobbettt) 2300 













1704 


— Fuss 


600 


900 


4600 


1400 


6000 


— 


— Schritte 


— 


500 


4200 


1400 


5600 


— 


11 


— 


— 


— 


■ — 


5-600 


— 


11 


— 


— ■ 


— 


— 


— 


650 


250 „ 


000 


1500 


10100 


— 


13000 


— 


— Fuss 


— 


— 








4636 


650 


— Schritte 



*) a. a. O. 1105. (was für Fusse?) 

■') Pr. B. 4. 1. 12. 

■") N. A. Eph. 20. 307. 

|) a. a. O. S. 37. 

t+) L. J. 1835. 413. (welche Fusse?) 

fü) a. a. O. S. 22. 



— 65 — 

Das gesammte Areal des Ober- und Unterlandes ist nach Siemens noch 
nicht T J S , nach Godeffroy dagegen j einer geographischen Ouadratmeile. 

Es ist offenbar, dass solche Messungen eigentlich gar keinen Werth haben, 
denn wenn im Jahr 1800 die Länge = 2100, 1840 = 2300 Schritte betrug; 
so kann eine solche Abweichung nur in der verschiedenen Art des Messens 
nach den Krümmungen der Küste, oder in der Differenz der Schritte gesucht 
werden. Und doch hat man von so oberflächlichen und irrigen Messungen auf 
die rasch fortschreitende Veränderung der Insel mit der grössten Bestimmtheit 
geschlossen, hat keinen Anstand daran genommen, dass gerade die geschütz- 
teste Seite der Insel von O. nach S. O. in 10 Jahren um vierhundert Schritte 
abgenommen haben sollte. 

Die ausführlichere Darlegung der von mir aufgenommenen Maasse einem 
besonderen Abschnitte vorbehaltend, erwähne ich nur noch die Hauptdimensionen 
nach der Wessel'schen Karte im Vergleich zu obigen Angaben und den Ergeb- 
nissen meiner Messung. 



1) Länge einer geraden Linie von S. O. 
nach N- W., äussersteSpitze der Insel, 

Mit dem Hengst .... 

2) N. W. nach O 

3) O. nach S. O 

4) Durchmesser vom alten Leu chtthurm 
nach der Treppe Cgrösste Breite) . 

5) Von der Bullbaake nach dem Falm 

6) VomKasteeln.N.O geringste Breite 

Unterland. 

7) Von der Ostecke am Fusse bis zur 

Landzunge bei ordinairer Fluth . . 1100 1160 

Der Flächen-Inhalt des Oberlandes 6,000,889 Ouadr.Fs. 

und des Unterlandes 779,913 „ 





Nach 




Vessel, 


meiner Messung 


5850 




5750 


— 




5850 


4700 




4610 


2190 




2120 


1840 




1840 


8S0 




880 


375 




268 



Total - Fläche 6,780,802 Quadr.Fs. 
9 



— 66 — 

Das Areal ist demnach, l geographische Meile = 25890, 05 Hamburger Fuss, 
circa jjg geographische Ouadratmeile und Godeffroy's Angabe zu ^ geographische 
Quadratmeile beruht auf einem Irrthume, während die Schätzung von Siemens 
der Wahrheit sehr nahe kömmt. 

Obgleich die Fläche des Oberlandes mit Ausnahme der wenigen, gewiss 
durch Menschenhand aufgeworfenen kleinen Erdhügel, hier Berge genannt, äusserst 
regelmässig erscheint, so ist doch neben der augenfälligen Neigung gegen 
N. 0. z. 0. auch eine, nicht unbeträchtliche Niveaudifferenz auf der Linie von 
S. O. nach N. VV. vorhanden. 

Im Verfolge auf derselben beobachtet man deutlich ein sanftes Ansteigen 
bis gegen den neuen Leuchtthurm, dann wieder eine allmählige Neigung, die 
200' zu S. 0. des Flaggenbergs zunimmt und am Fusse desselben einen Sattel 
bildet, welcher die Insel von W. n. 0. durchschneidet, in 0. aber durch die 
darin ausgegrabenen Sapskuhlen eine Veränderung erlitten hat. Jenseits desselben 
steigt das Terrain auf seine frühere Höhe und senkt sich dann abermals gegen 
das Nordhorn. Nach einem vorläufigen Nivellement betragen diese Höhenunter- 
schiede zwischen 20 und 25 Fuss. Auch die Abdachung der Fläche gen O. 
ist nicht ganz gleichförmig, sondern im Allgemeinen nach 0. etwas stärker. 
So beträgt die Neigung auf einer Linie von 1770' von der Westküste durch die 
Kirchenstrasse nach der Ostspitze (Roadborg) von n ; bis 990' = 2° 45'; 
von 990' — 12S8' = 3» 38'; von 1288' — 1770' = 3° 27'. 

Nahe gleichmässig ist diese Neigung auf der Linie von der Bullbaake nach 
dem Punkte p am östlichen Felsrand, wo sie sich = 2 ° 40 ' und vom Sellinger 
Hörn nach 0, wo sie sich = 3° 38' ergiebt. 

Das Unterland steigt an der N. 0. und S. Seite unter einem Winkel von 
5° — 7° an, verflacht sich dagegen nach O. in der Landzunge allmähliger. 
Vom Aufgang der Treppe, dem höchsten Punkt des Unterlandes, in einer Linie 
zum Oststrande fand sich ein Höhenunterschied = 20 F. bei Ebbe und 15 F. 
bei ordinairer Fluth. 

Godeffroy bestimmt die Höhe des Unterlandes über dem Meere zu 6 Fuss, 
ohne Angabe der Zeit, was offenbar auch in Beziehung auf die gewöhnliche 
Fluthgränze zu wenig ist. 



— 67 — 

An der Gränzlinie des Unter- und Oberlandes hat sich am Abhänge des 
Letztern durch die abgestürzten Massen im Laufe der Zeit eine ziemliche Böschung 
gebildet, so dass an einer Stelle selbst eine Ersteigung der Klippen möglich 
geworden. An den beiden andern Seiten stürzt der Fels fast überall mehr oder 
minder senkrecht ab und zeigt nur oben am Rande kleine Böschungen von 
10 — 20 Fuss. 

Eine wunderbare Verschiedenheit herrscht in der Configuration der beiden 
vom Meere bespülten Küsten. Ein Wechsel von Einschnitten und Vorsprüngen 
längs der Seite von S. 0. — N., grosse Blöcke herabgestürzter Felsmassen, 
einzeln stehende Stöcke, Reste vom Meere verschlungener Inseltheile, zahlreiche 
ausgewaschene Klüfte und grosse Felsenthore verleihen dieser Seite einen Reiz 
erhabener Naturschönheit, wie solcher auf so kleinem Räume selten vereint ist. 
Ein wahres Bild der Einförmigkeit bietet dagegen die 0. und N. 0. Küste, die 
nur einige sanfte Buchten, keine scharf vorspringende Felsmassen, und überhaupt 
weit weniger die Wirkungen der zerstörenden Kräfte dem Beobachter zeigt, als 
die Westseite. 

Wie der Aelpler die Thäler und Schluchten, die B«rge, Hörner und Fels- 
kämme mit Namen belegt, um desto besser mit der Natur vertraut zu werden; 
so hat auch der Helgolander nicht nur die ihn umgebenden Bänke, Riffe und 
Klippen im Meere als Merkzeichen für den Lootsen und Fischer, sondern auch 
alle Buchten, Hörner, Felsstöcke und Klüfte getauft, denn auch sie sind theils 
sichere Punkte zur Orientirung auf dem Meere, theils wichtig für den Jäger und 
Vogelsteller, dem sie zur Zugzeit der Vögel und als deren Niststätte vielfache 
Gelegenheit zu reichlichem Fange bieten. Nur einige dieser Namen finden sich 
in den vielen Schriften über die Insel, manche der älteren sind verklungen, oder 
auf andere Punkte übergetragen, wodurch Verwechselungen und Irrthümer ent- 
standen, die selbst bei den Helgolandern die richtigen Bezeichnungen in Ver- 
gessenheit gerathen Hessen. Die Beziehung, welche in der Folge auf die ein- 
zelnen Küstenpunkte genommen werden muss, macht eine genaue Orientirung 
so nothwendig, dass die Anführung ihrer Namen, wie ich solche durch einige 
mit ihrem Eilande wohl vertraute Helgolander erhalten ) , nicht als überflüssige 

*) Zu besonderem Danke fühle ich mich desshalb dem Herrn Lassen jr. verpflichtet. 

9 * 



— GS — 

Weitschweifigkeit betrachtet werden wird. Oft sind die Benennungen für die- 
selbe Gegend am Felsrande andere, als unten am Strande, weshalb erstere so- 
wohl hier, als auf der Karte mit Buchstaben, letztere mit Zahlen bezeichnet 
wurden wie folgt: 

S. Satlnirn. Südhorn. 

1. Judentempel, der Rest eines losgerissenen Stückes vom Südhorn, nur 

bei tiefer Ebbe sichtbar. 

2. De Mönck — Mönch, im Herbst 1839 umgestürzt, davon noch der 

Sockel bei Ebbe sichtbar. 

3. Ingels Karck. Englische Kirche.*) An der östlichen Felswand 

liegt das Nistack-Gatt. 

4. Predtstuhl — Predigtstuhl. 

a. Ingels-Hörn. — Englisches Hörn. Unten an der Sohle liegt der 

Ingels-Ofen, auch Nistack-Ofen**). 

b. Bullhörn — Bullen-Horn. Unten das Bullhörn -Gatt. 

5. Bullhörn-Slapp'*'). 

6. Singel-Galt — Kiesel-Gatt von den vielen kleinen Feuerstein- 

geröllen, die hier das Meer ausgeworfen hat. 

7. Hoi's Hörn. Der angränzende Küstentheil bis zum Jung -Gatt wird 

bezeichnet zu S. und N. Hoi's Hörn. In der Mitte dieser Strecke 
liegt das Hoi's Hörn -Gatt. 
8 und 9. TauStack — Zwei-Stack. Vom ersten derselben zu N. Hoi's Hörn 
nur noch der Sockel wenig sichtbar, das zweite nahe bei dem Jung- 
Gatt noch stehende heisst: Düv- Stack, Tauben- Stack, weil hier 
besonders die sogenannte grönländische Taube, Mormon arctica 
(Naumann), nistete. 

c. Bäk-Hörn — Baken -Hörn, von der oben in der Nähe stehenden 

grossen oder Bull -Bake. 



*) Dieser Pfeiler wird häufig auch Nistack genannt. Diese Bezeichnung wird schon 
früher für einzeln stehende Felsstücke gebraucht, und bedeutet von nia, neu und 
Stack Haufen (auf Föbr stuck) allgemein eine neue derartige Bildung. 

*) Ofen nennt der Helgolander in der Schichtenlage ausgewaschene Löcher, die sich 
durch Nachstürzen der bangenden Schichten allmählig vergrössern. 

*) Slapp heisst eine Einbucht. Ob von slapp, schlaft', was nicht gespannt ist? 






— 69 — 

10. Jung Gatt — Dunkles Gatt unter dem Bak-Horn'). 

11. Bäk-Hörn-Slapp. z. N. des Bak-Horns. An der Sohle ein Loch im 

Felsen, Slapp-Gatt oder Skit-Gatt — Dreck-Gatt, 
d und 12. Mörmers und Mörmers Gatt. 

13 und 14. Tau Stack z. N. Mörmers. Rest eines ehemaligen Pfeilers, in 

der Klippe ein ausgewaschenes Loch des Tau stack-Gatt. 
e. Brti oder Brünsche Rost. 

14 a. Bei Nord Tau Stack. Rest eines Pfeilers, der früher den Bogen 

eines kleinen Gatts trug. Die grösste unter den Ausspülungen 
in dem gegenüberliegenden Abhang heisst Kiew Gatt. 

15 und 16. Markau. Die erste grosse Bucht z. N. Mörmers. Es stehen in dersel- 

ben zwei Felsvorsprünge, rückwärts noch mit dem Abhänge ver- 
bunden, aber bis zu l der Höhe abgestürzt. Solche Bildungen 
nennt der Helgolander zum Unterschied vom Stack, dem isolirten 
Felsstock, Täterken. 

f. Block-Hörn die südliche, 

g. Spitzk Hörn die nördliche Spitze von Markau. — 

17. Mensk-Gatt — wegen einer hier angetriebenen Leiche. 

18. Slapp z. N. Markau. Oben liegt das Spitzkhörn z. S. 

h. Die Pfannen. Zwischen Mensk-Gatt z. S. und Hans Prale z. N. 

19. Hans Prale's Gatt, 

oder Letge Karck — Kleine Kirche. 

20. Grote Karck — Grosse Kirche, 
i. Billberg. 

21. Flaggenberger-Slapp. 

22. Flaggenberg's Hengst. 

23. Mädeck-Gatt. 

k. Flaggenberger-Hörn. 



*) Nicht Young Gatt, wie Röding und nach ihm Andere schrieben, denn der Name ist 
abgeleitet von jung, Fries, dunkel, (z. B. det ward all jung — es wird schon 
dunkel,) weil noch seit Menschengedenken die nördliche Oeffnung so klein war, dass 
nur wenig Licht in die Höhle fiel. 




— 70 — 

24. Slapp z. N. Flaggenberger-Hörn. 

25. Mädeck-Stack. In den verschiedenen Schriften unter dem Namen 

Nonne und Pastor häufig erwähnt. 

26. Mädeck — Maden-Ecke, von den vielen hier vorkommenden Würmern, 

die zum Fischfang gegraben werden. 
1. Sellinger-Hörn. 

27. Letge oder jung Hei, kleine oder dunkle Hölle. Oben das 

Sellinger-Hörn z. S. 
m. Bread-Hörn — Breit-Horn. 

28. Grote oder liachte (lichte) Hei. '■•) 
n. Kasteal-Hörn, Kastell-Horn. 

o. Kasteal Hengst. 

29. Flaggens. An der Sohle des Kastell-Horns. 

p. Insunken-Gatt. Gewöhnlich der Trichter genannt. 

q. Kasteal. 

30. Nathürn-Gatt. 

31. Wäter-Gatt. Wasser-Gatt. 

32. Hengst. 

Von Nord nach Ost. 

33. Nathürn- Stack. Nur noch der Sockel eines ehemaligen Stacks, 
r. Hahn's-Hörn. 

s. Petersen's-Hörn. 

t. Reinbeck's Keller. 

u. Boyen's-Lin. — Boyens Leine. 

v. Büket-Hörn. Bauchichtes Hörn. 

w. Letge-Brü. 

34. Road-Borg. 
x. Nord-Falm. 

Von Ost nach Süd. 
z. Falm. 



*) Hei und Helle eine sehr niedrige und tiefe Stelle cf. Outzen. 121. 



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— 71 •= 

Auf dem Oberlande sind ausserdem noch folgende Punkte zu bemerken: 

N. Nathürn, Nordhorn. 

Fb. Der Flaggenberg, auch Flaven- oder Alavenberg älterer Beschreibung. 

AL. Der alte Leuchtthurm, früher immer als Bluse (Feuerthurm) ge- 
nannt, da auf demselben bis im Jahre 1810 ein Steinkohlenfeuer 
brannte. 

L. Der neue Leuchtthurm — der Lampenthurm. 

B. Die Bullbake. 

K. Die Kirche. 

Fls. Die Flaggenstange bei der Treppe. 
Unterland. 

35. Om Wast. Der südliche unbebauete Theil des Unterlandes. Im Ab- 
hänge der Klippe liegen das Katergatt (Gatt plattd. Loch, enge Ein- und Durch- 
fahrt in Gewässern) und Smälgatt (kleines Gatt) jetzt zum Theil verschüttet. 

36. Bollwerk. 

37. Landzunge. 
Bd. Badehaus. 

Die Erhebung der Küsten des Oberlandes über die Meeresfläche bietet in 
den darüber vorhandenen Angaben nicht mindere Abweichungen und Widersprüche 
wie die oben erwähnten Maassverhältnisse. So sagt Ranzau: ex mari emergit 
ad altitudinem sex et quadraginta ulnarum i. e. brachiorum utrinque extensorum 
seu orgyarum. 

Dies wäre nach der bei dem Lothen noch jetzt üblichen Messweise 46 Fa- 
den. P. Sax '0 giebt dagegen für die Westseite 46 und 36, für die Südseite 
30 Ellen an und Meyer setzt auf seine Karte in die Gegend des alten Leuchtthurms 
40, bei dem Sellinger Hörn 36 und in die Mitte der N. 0. Küste 30 Faden. 
Diese Höhenbestimmungen haben sich, in Fusse übertragen, bis in die neuesten 
Zeiten in den Schriften fortgeerbt, wie so viele andere Irrthümer Meyers. Bei 
dem Mangel einer genauen Bezeichnung der Stellen, wo die Höhen genommen 
wurden, ist eine Vergleichung mit der Gegenwart unmöglich: nur der Leucht- 

*) a. a. O. 241. 



— 72 — 

thurm dessen Meereshöhe von practischem Werth war, giebt einen unzweifelhaften 
Anhaltspunkt. Welches Vertrauen indessen die früheren Angaben gewähren, 
wird folgende Uebersicht zeigen. 

Meereshöhe Niemann : ) Reinke **) Wessel ***) 

des alten Leucht- 216 Fuss 190' rhl. 200 Seel. Ellen 

thurms. (welche?) — 208' Hbg. — 455 Hbg 

Genaue Messungen verschiedener Punkte sind im .Tahre 1824 von Schumacher, 
durch Beobachtung und Berechnung aus Zenithdistanzen, 1833 von Martins durch 
directe Messung mit dem Lothe vorgenommen worden und geben in theilweiser 
Vergleichung mit den von mir ebenfalls durch Lothung gewonnenen Resultaten, 
folgende Höhen in Füssen, welche in den beiden letzten Columnen auf ordinaire 

Ebbe berechnet sind. ****) 

Schumacher. Martins. Meine Messung. 

Engl. Hbg. rheinl. Hbg. Hbg. 

Fuss des alten Leuchthurms 185, 6 zz 197, 3 — — 
Neuer Leuchthurm Mitte der 

Fenster 229, = 243, 5 — — 

Kirchthurm Mitte des Knopfs 233, 6 = 248, 4 — 243, 8 

Observatorium 170, 1 — 180, 9 — — 

Bullhörn — 156 zz 170, 8 

Bakhörn — 184, 5 

Mörmers, höchste Höhe an 

dem Nordrande — 195, 9 193, 8 

Hans Prale z. N. des Pfeilers — — 181, 3 

Flaggenberger Slapp im Sattel — 171, 9 164, 3 



*) a. a. O. 229. 
*•) A. Epb. 11. 723. 
***) A. Epli. S. 131. Heinemeyer, dessen Bericht diese Angabe entnommen ist, hat sich 
ganz gewiss gröblich geirrt und Ellen statt Fusse gesetzt. Wessel's Messungen tragen 
überall das Gepräge der Zuverlässigkeit, und würden Fusse statt ElIeD gesetzt, mit 
Reincke nur um 10' differiren, da der Seeländische Fuss nur wenig vom Rheinischen 
abweicht. 
****) Die bis jetzt nicht bekannt gewordenen Ergebnisse verdanke ich der gütigen Mitthei- 
lung der Herren Conferenzrath Schumacher in Altona und Berghauptmann Martins 
in Halle. 



- 73 - 

Schumacher. Martins. Meine Messung. 

Engl. Hbg. rheinl. Hbg. Hbg. 

Sellingerhorn — 179 196 185, 8*) 

Trichter, Ostrand — — 179 

Castell — 166 181, 8 181 

v ji, Westseite .... — — 179 

Nordhorn / 

( Ostseite — — 168, 8 

Nordostrand, Mitte — 156 170, 8 — 

Mehr z. — 111 121, 5 — 

In der Richtung des Sattels 

vom Flaggenberg zu den 

Sapskuhlen — — 115, 6 

Kommandantenhaus — 95 104 — 

Ostecke — — 87 

Südhorn 141 154, 4 — 

Da nach Schumacher der Fuss des alten Leuchtthurms 197', 3 über dem 
Meere, der Thurm nach meiner Messung 22, 58 hoch ist, so beträgt die Ge- 
sammterhebung nahe 220', also 7 weniger als nach Wessels Bestimmung. 

Auch der neue Leuchtthurm ist auf den Seekarten zu hoch angegeben. 
Dickinson, Testoline, Norie setzen die Höhe = 240 Fuss Engl., Purdy **) 
250 Fuss Engl, über dem Meeresspiegel, also resp. 11 und 21 Fuss mehr als 
Schumacher, dessen Bestimmungen jedoch der unbezweifelte Vorzug gebührt. 

Die Angaben Heinemeyer's , Röding's, Godeffroy's und der meisten andern 
Schriften bleiben hier unberücksichtigt, da sie theils nur altern Werken ent- 
nommen, theils ohne Bezeichnung der gebrauchten Maasse und gewählten Oert- 
lichkeiten ohne Werth sind. 



*) An der höchsten Spitze des Sellinger Horn's ist in den letzten Jahren etwas abgestürzt; 
so dass es nicht möglich war, dieselbe zu erreichen, woraus sich die Differenz der 
Messungen zum Theil erklärt. 

*) New sailing directory S. 128. 

10 



— 7-1 — 

Dass die Höhe der Insel an der Südwestseite ehemals grösser war, folgt aus 
der so regelmässigen Neigung gegen N. 0. Wie trüglich es aber immer sey, bei der 
Unsicherheit der altern Höhen -Messungen auf ihre frühere Grösse zu sehliessen, 
lehrt ein Blick auf die mitgetheilten Zahlen. Zu West des Sellingerhorn's treten 
in 580 F. Entfernung bei gewöhnlicher Ebbe noch die Klippen circa 1 F. über das 
Wasser. Nimmt man diesen Abstand und die Neigung der Oberfläche zz 3 ° 38 ' 
auch für den weggespülten Theil, wozu der gleiche Fallwinkel der Schichten 
wohl berechtigt; so erhält man für die Küste in 580 F. z. W. von der jetzigen 
erst eine Höbe von 36, 83 -f- 196 zz 232, 83 Fuss, ein Unterschied, der weit 
vor die Zeit irgend eines historischen Documentes fällt. 

2. Die Düne 

erhebt sich im Osten der Insel und erscheint zur Fluthzeit in Form einer gegen 
S. 0. sich zuspitzenden Ellipse, deren grössere Axe aus S. O. nach N. W. streicht. 
Bei Ebbe ändert sich diese Gestalt aber wesentlich, indem sie sich dann in 
einen langen , schmalen , nach S. O. , S. und S. W. streichenden Rücken endet, 
während gleichzeitig gen W. N. W. und W. ein grosser flacher sandiger Strand 
entsteht, unter welchem gegen N. W. eine lange Klippenreihe hervortritt. 

Eine Gruppe von eigentlichen Dünenhügeln muss als der Haupttheil dieser 
Insel betrachtet werden, da die höchsten Fluthen nur ihren Fuss bespülen. 
Bei der verhältnissmässig geringen Erstreckung lässt sich kaum etwas Geregeltes 
in der Gruppirung einzelner Sandhügel erkennen, doch kann man eine westliche 
und eine östliche Hügelreihe unterscheiden und von S. 0. nach N. W. ein klei- 
nes Thal verfolgen, welches endlich in westlicher Richtung mündet. 

Von W. steigen die Hügel sanft an, fallen nach N. und O. steil und verflachen 
sich gegen S. O. allmählig in einen niedrigen Rücken. Die grösste Höhe der 
Hügel beträgt 27 — 33 Fuss, es liegen die erhabensten Punkte jedoch nicht in 
der Mitte, sondern mehr an der nordöstlichen Seite der Gruppe. 

Gen S. W., W. und N. W. senkt sich der vor den Hügeln liegende Strand 
sanft in das Meer und bildet daher bei Ebbe ein ausgedehntes sandiges Vorland; 






— 75 — 

von N. gegen O. wird dagegen der Neigungswinkel des Strandes immer grösser, 
und fällt an einigen Stellen unter 10 — 15° in das Meer. Der östliche Strand ist 
daher weit schmaler und die gewöhnliche Fluth bespült fast den Fuss der 
Hügel. Legt man an den westlichen und östlichen Fuss des Hügellandes 
Tangenten, und verbindet sie durch zwei andere an die Nord- nnd Südseite ge- 
legte, so bilden diese Linien ein Trapez, dessen Seiten nach W. — 2941 ', 7, 
nachO. — 1754', nach S. = 429', 21 und nachN. — S31,90Fuss sind. Eine 
Verlängerung der westlichen Seite nach N. trifft in 211 Fuss Entfernung den 
gewöhnlichen Fluthstrand, welcher durch den ausgeworfenen Tang markirt ist, 
während der Ebbestrand noch 1935' jenseits der Fluthlinie liegt. Der südliche 
Endpunkt der Westtangente fällt schon 17 ' jenseits der Fluthgränze, bei Ebbe 
liegt dagegen die Wasserlinie 450 — 500' westlicher. Die grösste Länge des 
Hügellandes folgt aus Obigem =: 1940', die grösste Breite r= 720'. Die Länge 
des schmalen Bogens von dem Südende der Dünenhügel nach S. O., S. und 
S. W. beträgt in 4 Sectionen gemessen 2941 ', 7, jedoch ist dieser Rücken in 
1453' Entfernung vom Hügellande so niedrig, dass er bei gewöhnlicher Fluth 
überschwemmt wird. Die detaillirten Maassverhältnisse und die daraus sicli 
ergebende Form wird man indessen auf der Karte besser und rascher übersehen, 
als eine noch so ausführliche Beschreibung sie bieten kann. Es möge daher 
hier nur noch bemerkt werden, dass eine Messung für die grösste Länge bei 
Fluth =. 3522', die grösste Breite — 1050' ergeben hat. Aus der Natur der 
Dünenmasse folgt schon, dass die gegebenen Grössenverhältnisse besonders jenseits 
der Fluthgränze sehr schwankend sind, da nach der verschiedenen Heftigkeit 
des Wellenschlages, der Strand bald höher aufgeworfen und schmaler, an andern 
Stellen gleichzeitig breiter und niedriger bei Ebbe erscheinen kann. 

Der Flächenraum , welchen jetzt die Dünenhügel einnehmen, beträgt circa 
880000 Quadrat -Fuss; ist aber besonders von Osten her in einer fortschrei- 
tenden Abnahme begriffen. Es ist überhaupt dieser Theil der Insel, welcher seit 
seiner Losreissung von dem Felsen, 1720 den 31.December, die grösste Vermin- 
derung erlitten hat, welche in einem besondern Abschnitte über die historisch 
erweislichen Veränderungen mit Vergleichung früherer Messungen weiter er- 
mittelt werden sollen. Die jetzige kleinste Entfernung von der Insel ist: 

10 • 



— 76 — 

Nach 
Martins, meiner Messung. 

Fluth. Ebbe. Flutb. Ebbe. 

Von der Spitze der Landzunge zum 

Landungsplatze vor dem Pavillon . 3742' 3259 3940, 3240 

wovon im July 1845 nur 36' auf den Rücktritt des Wassers an der Landzunge, 
564 auf den Dünenstrand kamen. 

Die grosse Einfachheit der Düne bietet dem Fischer und Lootsen nur wenige, 
einer Bezeichnung würdige, Punkte. Die südlichste Spitze wird die Aade 
genannt, trug aber einige Jahrhunderte hindurch auf den Karten und in den 
Schriften über Steuerkunde den jetzt ganz verklungenen Namen Kulverhuk,*) 
der schon damals auch in der verketzerten Form Schulverhuk, später z. B. bei 
Meyer als Schulperriff vorkommt. Das Nordende der Düne diente seit Jahr- 
hunderten als Begräbnissstelle für angetriebene Leichen, und wurde daher bei 
den Höfen, auch Ol de Höfen, alte Kirchhöfen, genannt, insofern dieselben 
weggeschwemmt, oder sonst unbrauchbar geworden waren. 

3. Die Riffe. 

Verfolgt man von der Aade auf der Düne mit dem Lothe die Richtung, 
welche in dem schmalen niedrigen Rücken der südlichen Dünenhälfte angedeutet 
ist; so zeigen die beobachteten Meerestiefen die Fortsetzung jenes Bogens gegen 
S. W. In einer zunehmenden Tiefe von 7, 10, 12 und 15' ist der schmale 
Rücken noch mit Sand bedeckt, weiter gegen S. W. trifft das Loth bald in einer 
Tiefe von 30' ein Felsriff, welches von mehreren Rillen aus W. nach 0. durch- 
brochen, in einzelnen Stücken bis nahe unter das Ebbeniveau des Meeres ansteigt. 
Die erste dieser Erhebungen, das Danskermann's Hörn, liegt bei Ebbe nur 
12', das zweite, westlichere, derSteen, Stein vorzugsweise genannt, nur 6' tief 
und tritt bei Springzeit mit östlichen Winden sogar über das Wasser. Schon 



*) In der Seekarte \on 1575 ist eine freilich sehr rohe Ansicht der Insel mit der Düne, 
deren südlichste Spitze obige Bezeichnung trägt. Kulv, ein Kalb, oder auch eine 
Sandbank, und Huk, Ecke, könnte entweder das Ende der Düne oder als Kälber 
(Seekälber) Ecke, genommen werden, da eins der Riffe noch jetzt als Aufenthalts- 
ort der Seehunde den Namen der Seehundsklippe trägt. 



— 77 — 

die ältesten Seekarten warnen vor dieser Klippe, welche durch den Untergang 
vieler Schiffe berüchtigt geworden ist. 

Eine vollkommen scharfe Bestimmung der Lage der verschiedenen Klippen 
würde Mittel erfordern, über welche der Einzelne selten, noch seltner aber der 
gebieten kann, welchen ein lebhaftes Interesse für solche Untersuchungen beseelt. 
Die Marken auf der Insel und der Düne sind daher die einzigen Hülfsmittel und 
reichen wenigstens hin, ein der Richtigkeit nahe kommendes Bild zu entwerfen. 

Die grossen Nachtheile, welche durch diese Klippe der Schifffahrt zugefügt 
wurden, haben schon 17G2 die Hamburger Admiralität veranlasst, eine rothe Tonne 
als Merkzeichen darauf zu legen, und auf der Insel und Düne eigene Baken 
zur Erkennung ihrer Lage zu errichten. Die Marken sind : Bullbake und Flag- 
genstange auf dem alten Feuerthurm in Eins Cd. h. in einer geraden Linie), Süd- 
und Nordbake auf der Düne in Eins. Der Durchschnittspunkt beider Linien 
liegt in dem Stein, in einer Entfernung von 7200' vom alten Leuchtthurm und 
7700' von der Südbake der Düne. Er besteht aus zwei getrennten Felsstücken, 
von 80 — 100' Länge nach oben in einen scharfen, kaum einige Fuss breiten 
Kamm endend, zwischen denen eine von O. nach W. streichende Rille von 
30 — 40' Breite und 15' Tiefe sich befindet *) 

Nach allen Seiten stürzt die Klippe fast senkrecht ab und ist von einer, 
auch für die grössten Schiffe bei Ebbe hinlänglichen, Tiefe umgeben, was 
neben der Beschaffenheit des Meeresgrundes seine Gefährlichkeit für dieselben 
hauptsächlich bedingt. 

Der Stein ist der äusserste Punkt des von der Aade ausschiessenden Riffs, 
welches in altern Schriften''') als Aadebrunnen oder Schulperriff ange- 
führt wird. 



*) Ein Schiff von Tönningen mit einer Ladung Knochen nach England bestimmt, segelte 
im Spätherbst 1844 gerade in diese Rille und scheiterte. 
ss ) Bötticher a. a. O. S. 265. Das Wort Brunnen wird noch jetzt auf Helgoland zur 
Bezeichnung eines Felsriffs gebraucht und ist gewiss das althd. Brunja — Brünne 
oder Brunne — Harnisch, eine aus metallnen, hornenen und dergl. Platten (Schuppen) 
verfettigte Bedeckung des Oberleibes, cf. Graff althochd. Sprachschatz T. III S. 312. 
Ziemann, mittelhochd. Wbrterb. S. 46. Sollte die ebenfalls noch übliche Bezeichnung 
Bru und Brün für einzelne Theile einer Klippe vielleicht die Form des Singulars seyn? 



_ 78 _ 

Nach N. und N. W. dieses Riffes senkt sich der Meeresboden weniger tief, 
als nach W. und S. W., wie die von 28, 24, 30 auf 28, 38, 29, 36, 35, 48 
Fuss steigenden Tiefen zeigen*). Nach S. und 0. ist der Abfall der Klippe 
steiler und tiefer, und besonders gegen S. 0. senkt sich der Boden in einer 
von W. nach O. streichenden Rille bis zu einer sehr beträchtlichen Tiefe, welche 
auf einigen Karten zu 30 Faden oder 1 80 Fuss angegeben wird. Es ist dies die 
grösste Tiefe des Meeres gegen die deutsche und dänische Küste und selbst west- 
lich und nördlich von Helgoland trifft man dieselbe erst in grösserer Entfernung. 

Ungleich grösser sowohl nach ihrer Länge als Breite sind die vom Nordende 
der Düne, den Ol de Höfen, nach N. W. ausschiessenden Riffe. Drei grosse 
Aeste ziehen untereinander parallel in einem sanften Bogen von N. N. W. nach 
N. W. und W. N. W. mit allmählig zunehmender Senkung unter das Niveau 
bis zu ihren äussersten Punkten, wo sie jedoch steil gegen den Meeresboden 
abfallen und nach der Bezeichnung der Helgolander Lootsen und Fischer eine 
Kante bilden, die sich sowohl durch den Tiefenunterschied, als durch die Ver- 
änderung des Grundes mittelst des Lothes sogleich zu erkennen giebt. 

Getrennt werden diese drei grossen Riffe durch lange und tiefe in gleicher 
Richtung laufende Rillen, vom Helgolander Gotel Oltfriesisch goete, eine 
Wasserrinne)*-) und Gatt genannt, die im Kleinen das vollkommenste Bild von 
Längenthälern zwischen parallelen Gebirgsketten bieten. 

Die westliche dieser Klippen ist die in der Geschichte der Insel oft ge- 
nannte Wite-Klif oder Wit Klou Brunnen. Nach Ranzau's Beschreibung 
war dieselbe noch um's Jahr 1570 fast von gleicher Höhe wie die rothe Klippe, 
und 1699 wurde darauf noch eine Schiessbahn angelegt ***), aber bis 1711 be- 
sonders durch Steinbruch schon so vermindert, dass sie nur noch von der Grösse 
eines Heuschobers aus dem Wasser hervorragte und am 1. November desselben 
Jahres Nachmittags 3 Uhr bei einem starken Nordweststurm weggespült wurde. 
Seit dieser Zeit ist sie nur bei Ebbe als ein langer, niedriger Felsrücken sichtbar, 
etwa 400 Fuss breit, aber durchfurcht von vielen kleinen Rinnen (gotels), so dass 



*) Die Tiefenangaben sind auf mittlere Zeit zwischen Ebbe und Flutli zu beziehen. 
**) s. Wiarda S. 16. 
***) Bötticher a. a. O. 263. 



—i 



— 79 — 

nur die Schichtenköpfe in schmalen Streifen über das Wasser treten. DieWite- 
Klif ist das kürzeste der drei Riffe, und als Marke für ihr nordwestliches Ende 
gilt, wenn die zwei Drosselbüsche in der Nähe des neuen Leuchtthurms öst- 
lich vom Kohlenhaus*) gesehen werden. Eine tiefe Kluft durchsetzt das Riff 
senkrecht auf seine Streichungslinien, deren Lage markirt ist: wenn die Bull- 
b a k e zu 0. des Kohlenhauses liegt. Aus diesen Marken folgt, von der Südbake 
der Düne an, die Lage des äussersten Punktes in 16,000 Fuss Entfernung; die 
mittlere Breite beträgt 4 — 500 Fuss, gegen das Ende wird das Riff jedoch so 
schmal, dass man nur noch drei Schichtenreihen mit dem Lothe unterscheiden kann. 
Die Tiefen auf dem Riffe von der Düne aus nehmen nach folgenden Maassen 
zu: 6, 7, 6, 9, 24, 14, 30, 14, 16, 36 018, 54 in der Kluft), 30, 42, 36, 42, 
36 Fuss. Gegen S. W. fällt es steil, gegen N. O. aber senkt es sich in meh- 
reren Absätzen. 

Eine 17— 1800 Fuss breite Rille, das Skitt-Gatt, scheidet dieWite-Klif 
von dem nächsten grossen Riffe gen N. O. unter dem Namen Seile-Brunnen 
bekannt. Zwischen beiden liegt jedoch noch ein kleineres Riff, welches gegen 
S. O. von dem Dünensand bei den olde Höfen bedeckt ist, weshalb ihm der 
Name olde Höfen Brunnen gegeben wurde. Gegen S. W. ist es von der 
Witen-Klif, nach N. O. von Seile-Brunnen, durch 12 — 24 Fuss tiefe 
Gotels geschieden, und läuft nach N. W. in eine schmale Klippe aus, deren 
äusserste Spitze durch eine Kluft von 48 Fuss Tiefe von der Hauptmasse ge- 
sondert ist. Die Marke für die Spitze des Riffs ist: Bullbak mitten im Armen- 
haus, und ihre Entfernung von der Südbake der Düne circa 7800 Fuss. 

Parallel mit der Streichungslinie des Riffs wird dasselbe von vielen 
Gotels durchfurcht, deren man bei Ebbe 12 — 14 grössere zählt. Das Skitt- 
Gatt hat bei seinem Ausgange zwischen Wite-Klif und Seile-Brunnen 
eine Tiefe von 70 Fuss, welche gegen olde Höfen zu nach und nach 
auf 54, 45, 36, 18 Fuss ansteigt. Mehrmals ist daher schon der Fall vor- 
gekommen, dass mit der Lage der Klippen unbekannte Schiffe, getäuscht durch 



*) Das sogenannte Kohlenhaus am südlichen Fusse des alten Leuchtthurms, früher das 
Kohlenmagazin für die Feuerblüse, dient jetzt zur Lagerung des Oels für den Leticht- 
thurm, hat aber demohngeachtet seinen alten Namen behalten. 



— 80 — 

die Tiefe des Fahrwassers und die Beschaffenheit des Grundes hier einsegelten 
und in einem gefahrlosen Meere sich zu befinden glaubten. 

Die Seile - Brunnen *), das Seelhunder-Riff, Seehundsklippe 
alterer Karten, (s. Meyer) hiess in seinem südlichen Ende früher auch Krit- 
Brunnen — Kreide-Klippe, welche Benennung indessen jetzt ganz verklun- 
gen zu seyn scheint, da ich bei mehreren mit den Riffen auf's Beste vertrauten 
Hummerfischern vergeblich nach derselben frug. 

Von der Düne aus befolgt das Riff in seiner Erstreckung die Richtung von 
S. S. 0. nach N. N. VV., wendet sich aber weiter gen N. W., W. N. W. und 
W. und stürzt in seinem äussersten Ende ziemlich steil nach der Tiefe. Die 
Marke für diesen Punkt ist: Die Bullbake westlich vom Kohlenhaus, aus 
welcher in Verbindung mit dem Streichungswinkel eine Länge von 26000 Fuss, 
also über eine geograph. Meile für die Länge des Bogens von der Südbake der 
Düne an, sich ergiebt. Die Breite ist dagegen im Mittel 350 — 400 Fuss. Auch 
hier ist der westliche Absturz steiler als der östliche; besondere Erwähnung 
verdient noch die Bildung einzelner Vorsprünge und Stöcke, nach der äusser- 
sten westlichen Kante. Man unterscheidet mit Sicherheit durch das Loth drei 
solcher Hörner, denen der Insel vergleichbar, und den Hummerfischern sind sie 
als gute Lagerplätze für die Netze wohl bekannt. Auf denselben erreicht man 
in 30 Fuss, an ihren senkrechten Wänden erst in 66 Fuss den Grund. Dem 
grössten dieser Hörner liegt ein einzelner Felsblock ungefähr 100 Fuss im Durch- 
messer, der Sellebrunnen-Knoll genannt, gegenüber. Sein Scheitel liegt in 
30, seine Sohle in 60 Fuss Tiefe und seine Landmarke ist: Die Bullbake 
mitten im Kohlen haus. Eine grosse Spalte durchsetzt auch die Kante von 
Seile-Brunnen, so dass man mit kleinen Schiffen sie passiren kann. Ihre Land- 
marke ist : Die drei Thürme, (Kirchthurm, alter und neuer Leuchtthurm) in Eins. 

Gegen N. O. von Seile - Brunnen liegt das dritte grosse Riff, in seiner 
Richtung, Erstreckung und Breite mit jenem ganz übereinstimmend, aber durch 



*) S ;i I h ü n ' und S a a 1 1) u n d von Saal, S a 1 u m , das Meer, dänisch Sälhund, Seile 
als Abkürzung findet man auf Helgoland auch noch in dem Worte Sellenliw wer — 
Seehund sieber. 



- 



— 81 — 

eine, circa 500 Fuss breite Rille, das Adrians - Götel, davon geschieden ist. 
Der an die Düne gränzende Theil dieser Klippe heisst Kaivertanz,*) weiter 
gegen N. W. erhält sie den Namen Hohe Brü. Das Adrians - Götel ist 
offenbar nur die Vertiefung zwischen den Köpfen zweier Schichtenmassen ; seine 
Tiefe im Vergleich zu jener des Seile - Brunnens und der Hohen Brü zei- 
gen dies sehr deutlich. 

auf; Seile -Brunnen — 6. 8. 10. 12. 16. 14. 17. 15. 20. 18. 30. 19. 20. 
Tiefe in ] Adrians - Götel — 12. 36. 30. 40. 36. 40. 48. 48. 40. 

auf' der Hohen -Brii — 6. 9. 14. 20. 18. 16. 36. IS. 19. 19. 

Der Hohen -Brü zu N. O. erhebt sich endlich auch ein kleines Riff, ohne 
eine sichere Bezeichnung, da der Name Nordost-Brunnen auch von andern Klip- 
pen gebraucht wird, welche in N. O. der Insel liegen. Die Länge dieser kleinen 
Klippe ist circa 3000, die Breite 150 — 200 Fuss, ihre Entfernung von der 
Hohen-Brü 15 — 1600 Fuss, und sie bildet die letzte Erhebung von festen 
Gesteinsmassen über dem Meeresboden zwischen Helgoland und der benach- 
barten Küste. Zwar soll nach der Aussage der Fischer solche in der Tiefe 
noch östlicher mit dem Lothe zu verfolgen sein, allein die besten Karten, dar- 
unter namentlich jene der dänischen Admiralität, enthalten keine derartige An- 
gaben. Eben so wenig findet man irgend eine Spur von dem grossen Riffe, 
welches in nordwestlicher Richtung bis zum Jütischen Riffe und dem Felsen 
des Kattegatts gehen soll, wie Hasselmann **), v. d. Decken***) u. A. angeführt 
haben. Es muss gewiss zugegeben werden, dass die Fischer und Lootsen durch 
ihren Beruf eine sehr genaue Kenntniss des Meeresbodens erlangen, allein es 
ist nicht glaublich, dass der englischen und dänischen Regierung, die beträcht- 
liche Summen auf die Erforschung der Nordsee, besonders in den Kiistengegenden 



*) Man bezeichnet auf diese Weise an den Küsten der Nordsee, besonders an den Mün- 
dungen der Ströme, kurze einander entgegenschlagende Wellen, wie sie z. B. entste- 
hen, wenn die Fluth gegen den Strom ansteigt. Ob wohl das Bild von einer Heerde 
auf- und niedertauchender Seekälber (Seehunde) entlehnt? Godeffroy führt an, dass 
von den Seefahrern dieser Name zur gemeinschaftlichen Bezeichnung aller Klippen in 
N. W. der Düne gebraucht würde, was jedoch den Angaben der Seekarten widerstreitet. 

**) a. a. O. IV. S. 20. 

•**) a. a. O. S. 21. 

11 



-— 



— 82 — 

verwendet haben, das Vorhandensein so grosser Riffe ganz unbekannt geblieben 
sein sollte. Fischer und Lootsen, welche ich deshalb befragt, wussten nichts 
von der Existenz solcher Riffe. 

Geht man bei stillem Wetter, zur Zeit der Ebbe, vom Südhoru oben längs 
der Felskante um die Insel bis zur Road-Borg; so beobachtet man nicht nur 
über dem Wasser, sondern auch auf eine grössere oder kleinere Strecke unter 
demselben die Klippen, welche sich durch die Zerstörung der Felsküsten gebildet 
haben. Der Augenschein lehrt aber, dass diese Ausdehnung derselben nicht nach 
allen Seiten gleich, sondern vorherrschend vom Nordhorn nach N. W., weni- 
ger von der S. Westseite gegen S.W. und vom Südhorn nach S. O., am wenig- 
sten von der N. Ostseite nach N. O. sich ausdehnen. — 

Die Klippen am Nordhorn heissen Nathürn-Brunnen, jene am Süd- 
horn: Sathürn - Brunnen. Verfolgt man sie von der Landzunge an mit dem 
Lothe gegen N. W. und von da nach dem Südhorn; so trifft man ringsum 
Punkte, wo, nach der von den Küsten allmählich zunehmenden Tiefe an, die- 
selben plötzlich einen Absturz bilden. Die Linie durch diese Punkte bezeich- 
net die Lage der Kante der Rothen Klippe. Bei der Road-Borg ist sie 
850 Fuss von dem Felsabhange entfernt, bei Reinbecks Keller 1200 Fuss 
bei 18 Fuss Tiefe. 

Auf der Karte bei v. d. Decken ist hier, in einiger Entfernung von der 
Kante, eine besondere kleine Klippe unter dem Namen Seelhunder Riff an- 
gegeben. Die genauesten Durchlothungen dieser Gegend haben den Beweis ge- 
liefert, dass selbiges nicht existirt und wahrscheinlich durch Verwechselung 
mit dem Seile-Brunnen oder Seelhunder Riff dahin versetzt wurde. 

Eine ungefähre Andeutung der Lage der Kante geben von hier aus gegen 
die Road-Borg die vor Anker liegenden Sniggen der Helgolander, indem die- 
selben, da der Fels keinen Ankergrund bietet, alle jenseits der Kante sich legen 
müssen. Weiter gegen N. W. entfernt sich die Kantenlinie mehr von dem Fel- 
sen und liegt in N. z. W. vom Hengst in 2500 F. und 20 F. tief. Bis hieher 
lothet man nach dem Ueberschreiten der Kante nach O. und N. O. auf keinen 
Felsgrund, sondern nur Sand und Gerolle. In der eben bezeichneten Richtung vom 
Hengst aber trifft man Mieder auf eine einzelne Felspartie zu N. der Kante, 



— 83 — 

welche das Drück*) genannt wird. Die Gefährlichkeit dieser Klippe veranlasste 
den englischen Gouverneur 1811, wo Helgoland, als wichtigster Stapelplatz des 
Schmuggelhandels nach dem Continente, von einer Menge von Fahrzeugen be- 
sucht wurde, eine Tonne in ihre Nähe legen und Marken für dieselbe aufnehmen 
zu lassen. Den 21. Jan. 1811 wurde als Kennzeichen für das Drück bestimmt: 
S. S. O., ein wenig O., liegt rechts der Lampenthurm Cneuer Leuchtthurm), 
oder die Kappe des Leuchtthurms in der Bucht, Südost vomNordhorn. Auf dem 
Fels giebt das Loth 21 Fuss, bei niedriger Ebbe sogar nur 12 Fuss, und zur 
Springzeit mit scharfen Ostwinden soll er selbst schon über das Wasser und 
daher seine Benennung gekommen sein. Nach der Kante zu ruht das Loth in 
einem Götel von 42 Fuss, auf Nathürn-Brunnen Kante in 15 Fuss, nach 
O. und N. erst in 72 Fuss Tiefe und zwar auf Gerolle, das bis Seilebrunnen 
anhält. 

Die Nathürn-Brunnen, welche bei Ebbe vom Hengst, einer langen, 
spitzen Zunge gleich, aus dem Meere nach N. N. W. sich erheben, setzen mit 
sehr gleichmässig zunehmender Tiefe nach dieser Richtung, bis auf eine Ent- 
fernung von 4500 Fuss fort, wo man in 20 — 30 Fuss die Kante erreicht und 
darauf mit dem Lothe steil in 42, und in einer das Riff quer durchsetzenden 
Kluft in 62 Fuss Tiefe gelangt. - - 

In gerader Verfolgung dieser Linie hebt sich der Felsgrund wieder auf 18, 
fällt zum zweitenmale auf 54, steigt abermals auf 30, 36, und senkt sich endlich 
in circa 10,000 Fuss Entfernung vom Nordhorn auf 72, 84 und 92 Fuss Tiefe, 
wo Gerolle und Sand den Fels begränzen. Nur einem isolirten Stock begegnet 
man noch im N. dieser äussersten Klippen, in der Einfahrt des Nordhafens lie- 
gend, und Nordhafen - Knoll**) genannt. Sein Scheitel ist 48, die Sohle 
66 — 72 Fuss unter der Meeresfläche, und seine Landmarke ist: Die Stange 
auf dem alten Leuchtthurm im Flaggenberg. 



*) Holland. Droogte, Sandbank. 

') Diese Bezeichnung der Helgolander für einzeln stehende stocklöruiige Massen findet 
man wieder bei dem Knoll, unfern Jessberg in Kurhessen, wo die kegelförmigen 
Erhebungen desselben gewiss nuf die Benennung geleitet haben. 

11 * 



— 84 — 

Dieselbe terrassenförmige Abstufung der Klippen nach dem Meeresboden, 
giebt sich längs der ganzen West- und Südwestseite der Insel durch das Loth 
zu erkennen, und der Lootse unterscheidet hier, ausser der Kante der rothen 
Klippe, noch zwei grössere Erhebungen des Gesteins, den Binnen-Röig und 
Bütters-Röig, den Binnen- und Aussen-Rücken*), und zwischen beiden 
noch einen kleineren, den letge Röig. 

Kante und beide Rücken laufen einander ziemlich parallel bis nach dem 
Südhorn und in drei auf ihre Streichung senkrechten Linien wurde die Abstufung 
nach der Tiefe untersucht und folgendes Resultat erhalten: 

12. 16. 15. 21. 30. 23. 22. 22. 21. — Kante. 
32. 41. 48. 54. 95. 58. — Binnen -Rücken. 

o.'«l«on,. [ 62. 69. 72. 85. 93. 42. 42. — Aussen - Rücken, 

£ Seemeile von der Küste. 
49. 61. 67. 74. 81. 87. 94. 

14. 19. 24. 24. 28. 19. — Kante. 

, 32. 37. 48. 51. 59. 32. 37. 33. 36. 40. 25. — 
Süd-West } Selhnger Binnen -Rücken. 

von . . \ Horn \ 

29. 34. 42. 47. 53. 40. — Aussen - Rücken. 

51. 53. 60. 66. 70. 77. 84. 93. 

17. 25. 26. 18. — Kante. 

36. 45. 50. 56. 30. 36. 42. 33. 36. 27. — 

Binnen - Rücken. 

36. 40. 50. 44. 50. 55. 58. 64. 70. 78. 88. 

88. 90. — Aussen -Rücken. 

Zur Bestimmung der Lagen dieser drei Klippenreihen dient das Hervor- 
treten des Kirchthurms in verschiedener Höhe über den Westrand des Felsens. 
Kommt nämlich über demselben in Sicht: 

1. Der Knopf des Thurms, so ist man auf der Kante. 

2. Der erste Absatz der Thurmspitze, so ist man auf dem 
Binnen-Röig. 



Brün'sche 
Rost. 



*) Röig auf Helgoland: der Rücken, sonst im Friesischen Reg 






_J 



— 85 — 

3. Der zweite Absatz, so ist man auf dem Bütters-Röig. 

4. Der unterste Rand der Spitze, so ist man jenseits aller Klippen. 

Die nähere Betrachtung zeigt, dass diese Marken nicht für alle Punkte der 
westlichen Inselseite gelten können, da von der Erhebung des Küstenrandes über 
eine, durch die Basis des Thurms gelegte Horizontale und von der Entfernung 
desselben vom Thurm, die Lage jener vier Punkte abhängt. Zum Behufe einer 
genauem Bestimmung wurde bei der Brün'schen Kost die Höhe des Felsens, die 
Entfernung des Bandes von dem Kirchthurm und die Höhenwinkel für die oben- 
genannten Abtheilungen der Thurmspitze genommen, aus welchen sich durch 
Rechnung die horizontale Entfernung von der Sohle des Felsens ergiebt: 

1. Kante — 1711, 2 F. 

2. Binnen -Rücken = 2931, „ 

3. Aussen - Rücken hz 323 1 , 6 „ 

Vom Südkorn nach S. O. findet man, in circa 3000 Fuss, die letzten Spu- 
ren dieser Klippen, denn eine sehr breite Rille durchsetzt sie hier von W. nach 
O., welche mit Geröllmassen der verschiedenen Gesteine der Klippen und mit 
Sand angefüllt ist. — Oestlich vom Südhorn kann man die Kante der rothen 
Klippe in mehreren Ein- und Aussprüngen verfolgen und das ganze Unterland 
ist auf derselben abgelagert. Bei Om Wast treten sie sichtbar unter den 
Schuttmassen desselben hervor und senken sich bis auf eine Entfernung von 
1000 Fuss sehr allmählig unter das Niveau, dann fallen sie rascher in einigen 
kurzen Abstufungen in grössere Tiefe. 

Bis zum Jahre 1720 verband ein niedriger Landrücken, der Steenwaal 
(Steinwall) genannt, die östliche Klippenreihe mit der westlichen. Er war bei 
Ebbe 40 Faden ^ 240 Fuss breit und so hoch, dass nur ungewöhnliche Flu- 
then darüber gingen. Noch jetzt bildet er auf dem Meeresgrunde einen Rücken, 
welcher die Rille zwischen der Insel und Düne und den Riffen beider quer 
durchsetzt und die Gränze zwischen dem Nord- und Südhafen bildet. Von 
der Landzunge gegen Olde Höfen sind die Tiefen auf dem Rücken = 12, 
16, 18, 20, 17, 14 Fuss; von seinem Abhänge nach S. O. fallen die Tiefen durch 



- 86 = 

den Süilhafen nach dessen Ausgang in West auf 36, 42, 48 Fuss; nach N. W. 
aber dacht er sich durch den Nordhafen auf 24, 36, 48, 60, 78 F. ab. 

Von der Insel nach den Küsten des benachbarten Festlandes wächst bis 
auf eine gewisse Entfernung die Meerestiefe und nimmt dann erst ganz allmählig 
ab. Nach W. aber senkt sich der Boden stärker und die Schiffer erkennen aus 
dem tiefen Falle des Lothes und dem Schlick am Grunde, dass sie sich in 
einer Gegend befinden, welche nach dem nächstliegenden Punkte den Namen 
der Helgolander Tiefe erhalten hat. Die Gestaltung des Meeresbodens nach 
den verschiedenen Richtungen wird am besten aus folgenden Tiefenverhältnissen 
ersehen werden, welche von Helgoland in einem Kreise von 6 geograph. Meilen 
Halbmesser genommen sind: 

1. Nach der Oldenburger Küste, 120. 114. 96. 60. 54. 42. 

2. „ Neuwerk, 78. 72. 66. 66. 42. 39. 17. 10. 

3. „ der Küste zwischen Eider und Hever, 48. 96. 84. 72. 50. 34. 19. 

4. „ Amrum, 120. 84. 51. 48. 42. 39. 39. 

5. „ Nord, 81. 84. 78. 

6. „ West, 142. 142. 142. 128. 90. 131. (Helgolander Tiefe.) 
Wenn bereits oben die Insel als eine Erhebung bezeichnet wurde, so könn- 
ten für eine solche Annahme schon jetzt die Gründe geltend gemacht werden, 
welche aus der Gestaltung des Meeresbodens, nach den verschiedenen Richtun- 
gen, folgen. Andere sehr wichtige Beweismittel liefert aber noch die geogno- 
stische Constitution des Eilandes und diese muss daher zuvor einer umfassen- 
deren Betrachtung unterworfen werden. 



Zweiter Abschnitt. 

Die verschiedenen Gebilde, ihre Lagerungsverh'dltnisse und Stellung 
zu bestimmten Formationen. 

Der überraschende Anblick, welchen das allmählige Erheben der rothen 
Klippe aus dem grünen Meere jedem Nahenden gewährt, steigert sich für den 
Gebirgskundigen noch mehr bei dem deutlichen Hervortreten der grotesken Formen 
der Küste mit ihren so regelmässig bunten Streifen. Er ahndet in der ausge- 



— 87 — 

zeichneten Schichtung den neptunischen Charakter des Gebildes, erkennt in der 
starken Neigung der wechselnden Lagen nach Ost die Veränderungen, welche 
sie seit ihrer Bildung erlitten; aber die zugleich gehegte Erwartung, hier mehrere 
Glieder einer Formation, in der belehrendsten Entwickelung ihrer gegenseitigen 
Verhältnisse, zu treffen, schwindet bei der nähern Prüfung, die ihn bald 
überzeugt, dass das vielversprechende bunte Gewand nur den kleinsten Theil 
einer einzigen Formation umschliesse. Doch diese Einförmigkeit der Massen 
wird aufgewogen durch die Eigentümlichkeit ihrer Formen und bei der 
Erforschung dieser erschliesst sich dem geschärfteren Blicke eine grössere 
Mannigfaltigkeit jener. 

Das Gestein des Felsens ist ein verhärteter Thon, wechselnd mit Bänken 
eines Sandsteins, in sehr schön ausgesprochener, regelmässiger Schichtung. 
Beide unterscheiden sich sowohl nach Farbe, Cpbaerenz und Einschlüssen, als 
nach Structur und Absonderung etc. so von einander, dass sie eine besondere 
Betrachtung nothwendig machen.") 

Die Treppe nach dem Oberlande, nach der Ostecke der Insel, durchschneidet 
die obersten Schichten,, welche aus einem fleischrothen Thon, in Wechsellagerung 
mit einem grünlich -grauen, oft auch apfel- und spargelgrünen bestehen. Die 
rothen Schichten zeigen eine Mächtigkeit von 6 — 15 Fuss, während die hellen 



*) In dein: Transactions of the geological Society. Vol. I. 322, findet sich unter dem Titel: 
Notice accompaning a section of Heligoland drawn up from the communication of 
Lieutenant Dickinson and Mac Culloch, of the Royal Engmeers by John Mac Culloch. 
Meinber of the geological Society. — eine Mittheilung über die geognostischen Con- 
stitutionen der Insel, der wir hier eine Stelle nicht versagen dürfen. Es heisst daselbst: 
I have not been able, to obtain any accurate account of the changes whieb this island 
has undergone ; but it is said to be in a State of rapid destruction from the enoroach- 
ments of the sea. It is currently reported among the inhabitants, that it has been 
reduced within the last Century from eleven miles in length to its prescnt dimension 
of one ruile. 

It seems to consist of strata of au indurated clay alternating with beds of grey 
limestone. These form an angle of 30° with the horizont and dip to the N. E. 

The clay is of a strong red colour, containing much oxyd of iron, and with it so 
inucb carbonate of lime as to effervesce considerable wilb acids. The limestone is in 
some parts formed of various marine rcmains, in others it is uniformly granulär. 



— SS — 

nur als Zwischenlager, von einigen Zollen bis 3 F. im Durchmesser erscheinen. 
Die Begrenzung Beider ist jedoch selten ganz scharf, sondern in der Kegel findet 
man Schnüre, kugelförmige und eckige Bruchstücke gegenseitig übertretend, 
namentlich aber grünliche Flecken, von £"' — 2" Grösse, in der Masse des 
rothen Thons verbreitet. Im Uebrigen erkennt das Auge keine fremde Bei- 
mengungen, und besonders die grünlich-graue Abänderung des Gesteins erscheint 
völlig homogen, und erst durch Schlemmen des gepulverten Gesteins erhält man 
kleine Sandkörner und höchst sparsame Glimmerblättchen. Die hellen und dunklern 
Schichtenzüge zeigen in gleichem Grade den eigenthümlichen Thongeruch beim 
Anhauchen, das Kleben an der Zunge und einen Gehalt von kohlensaurem Kalk, 
der jedoch in ein und derselben Schicht nicht immer gleichmässig vertheilt, 
stets aber so beträchtlich ist, dass das Gestein ein rauhes Anfühlen, erdigen 
Bruch und mattes Ansehen gewinnt. 

In der Schichtenmasse gewahrt man kaum eine schiefrige Structur; bei dem 
Schlagen einzelner Stücke dagegen zeigt sie sich oft vollkommen dünn — ■, bald 
gerad — , bald krummschiefrig, seltner mit deutlichen Wellenformen. Dagegen 
sind die Flötze nach den verschiedensten Richtungen von unzähligen feinen 
Spalten durchzogen, nach welchen sich die Massen in unregelmässige Stücke 
absondern und nur mitunter zufällig eine prismatische oder rhomboedrische Form 



Through both these there are dispersed in varions places deposits of copper, diffused 
through the earthy matters and of crystalized masses of tlie same substance; and, more 
rarely, there are found lutnps of red oxyd mixed with particles of grey ore and 
native copper. The beach is covered with various siliccous pebbles, containing grains 
of the same substances inbedded in them , togetber with porphyries and bornstones of 
varions colours. 

Belemnites, and other fossil remaitis, both calcareous and flinty, are also fouod on 
the sliore ; and the clay strata often contain considerable quantities of pyrites, together 
with carbonized and pyritaceous wood. — Diese kurze Darstellung, welche nur der 
flüchtigsten Beobachtung entsprungen sein kann, ist, bis auf einige Angaben, durchaus 
unrichtig. Bänke eines Kalksteins zwischen jenen des verbärteteu Thons sind nir- 
gends vorhanden, eben sowenig Spuren von Seethiereu etc. und die wichtigeren Gebilde 
der siid- und nordöstlichen Klippen und der Düne sind ganz übergangen. Die in 
neueren Schriften noch vorkommende Beziehung auf obige Abhandlung machte diese 
Berichtigung hier nothwendig. 



— 89 — 

annehmen.*) Nach diesen Absonderungsflächen trennt sich das Gestein so leicht, 
dass es oft schwer fällt, ein Handstück zu schlagen. 

An der Ost- und Nordostseite sieht man diese Schichten an dem ganzen 
Abhänge des Felsens und an dessen Sohle. Zwischen Büket Hörn und 
Boyens Lin kann man besonders die grünlich - grauen Schichten bei ruhigem 
Wetter in circa 800 Fuss von der Küste und 16 Fuss Tiefe deutlich erkennen; 
ja, sie scheinen an manchen Stellen so überraschend hell durch das Wasser, 
dass man über einer Bank der schönsten weissen Kreide zu seyn wähnt. Mög- 
lich, dass hierdurch auf v. d. Deckens Karte das in dieser Gegend angegebene, 
aber nicht vorhandene, isolirte Riff veranlasst wurde. — 

Schon an der Sohle des Südhorns geben sich unter den bunten Mergeln 
durch dunklere Farbe, mit ziemlich scharfer Begränzung, andere Thonflötze zu 
erkennen, welche längs der ganzen Südwest- und West -Seite immer mächtiger 
sich entwickeln. So erreichen sie am Bullhorn schon eine Höhe von 40 Fuss, 
bei Bakhorn, Mörmers und Flaggenberger - Slapp die Hälfte, am Sel- 
linger-Horn endlich dreiviertel der Höhe des Felsens. 

Das Gestein ist dunkler von Farbe durch einen grössern Eisenoxydgehalt, 
doch nicht ganz gleichförmig, sondern auch hellere Schichten zwischen den 
dunklern, z. B. Südwand des Flaggenberger-Slapps, Sohle des Bakhorns; 
erstere haben aber nur eine geringe Mächtigkeit. Das Gestein der rothbraunen 
Schichten ist rauh im Anfühlen, erdig im Bruch und matt, ziemlich stark, beson- 
ders im feuchten Zustande, abfärbend und stark mit Säuren brausend. Die leber- 
braunen Abtheilungen zeigen auf den Spaltungsflächen noch einen schwachen 
Schimmer, Tendenz zum muscheligen Bruch, wenig fettes Anfühlen und durch 
Säuren eine weniger starke Beaction auf Kohlensäure. Beide unterscheiden 
sich von den obern bunten Schichten vorzüglich durch die vorherrschende Ten- 
denz zur schiefrigen Absonderung, die von dem plattenförmigen bis zum dünn- 
schiefrigen geht, oft ebene, sehr häufig aber auch wellenförmige Theilungsflächen 



") Röding a. a. O. S. 103 will in solchen Absonderungen eine Tendenz zur Kristallbildung 
erkennen, wovon jedoch nach der Natur der Masse keine Rede sein kann, da der Kalk- 
gehalt viel zu gering ist, um, wie bei dem Sandstein von Fontainebleau, die andern Bei- 
mengungen zu überwiegen. 

12 



— 90 — 

besitzt. Das Vorkommen dieser Wellenformen, deren völlige Uebereinstimmung 
mit jenen, welche im Dünensande bei niedrigem Wasser und schwachem Winde 
immer entstellen, jedem Beobachter sich sogleich aufdrängt, ist in manchen 
Punkten durch seine Häufigkeit in der That überraschend. Man erblickt sie im 
Liegenden und Hangenden und darin liegt wohl zunächst der Beweis, dass viele nur 
durch Nachbildung entstanden sind; (Jung-, Mörmers- und Nordhorn-Gatt). 
Aus andern Punkten folgt aber ebenso bestimmt eine directe Bildung, da die 
Wellenformen in verschiedenen Schichten eine andere Richtung haben. Auf den 
Spaltungsflächen dieser Flötze bemerkt man nicht selten noch eine andere Zeich- 
nung. Es sind dies nämlich Schnüre eines dunklern oder heilern Thons, von 
§'" — i'-' Breite, welche sich in den verschiedensten Richtungen durchkreuzen, 
drei-, vier- und vielseitige Figuren bildend. Wird eine solche Fläche längere 
Zeit der Wirkung des Wellenschlages ausgesetzt, so verschwinden entweder 
die Ausfüllungen jener Schnüre und an ihre Stelle treten \ — 4 Zoll tiefe 
Furchen auf der Schichtfläche, oder es wäscht sich das Gestein zwischen den 
Schnüren aus und lässt jene als Erhabenheiten zurück. Letzteres beobachtet 
man jedoch viel seltner, namentlich aber nur da, wo die helleren grünlich -grauen 
Schichten auf den dunkleren sich abgelagert haben. Die herabgestürzten Blöcke 
am Bakhorn und Kastellhorn liefern viele Beispiele des erstem Falles, 
welche durch die merkwürdige Erhaltung der scharfen Kanten der Spülfurchen 
die Aufmerksamkeit des Geognosten in Anspruch nehmen. 

Es unterliegt keinem Zweifel, dass nur die ungleiche Härte und Aufschlem- 
mungsfähigkeit der Flötze im Wasser die Ursache dieser Erscheinung ist, aus 
welcher sich ein verschiedener Abnutzungscöefficient für die Schichten als 
weitere Folge ergeben muss. 

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den unteren und oberen Schichten 
liegt im gänzlichen Verschwinden der grünlich -grauen Flötze, an deren Stelle 
bald ein schneeweisser, bald ein gelblich - grauer Sandstein tritt und mit dem 
braunen Thon wechsellagert. 

In den obersten Bänken ist derselbe kaum als ein Sandstein zu bezeichnen, 
denn die feinen Ouarzkörnchen sind so lose verbunden, dass ein leiser Druck 
der Finger sie trennt. Mit dem Quarz vermischt ist eine nicht ganz geringe 






— 91 — 

Menge kohlensauren Kalkes und etwas Thon, dessen Quantität in den untern 
Bänken zunimmt und eine grössere Festigkeit des Sandsteins veranlasst. Ten- 
denz zur schieferigen Absonderung zeigt sich sowohl in den Schichten, als na- 
mentlich durch die leichte Spaltung der Handstücke in dünne Platten durch den 
Schlag des Hammers. Die weissen Schichten werden von dem Helgolander 
Katersand genannt, an zugänglichen Stellen gegraben und statt des feinen 
Dünensandes, von welchem er nicht zu unterscheiden ist, gebraucht. 

Der Eisengehalt wird nach der Tiefe auch in den Sandstein -Schichten 
grösser, aber nicht in gleichem Grade wächst die Festigkeit. So tritt circa 
300 Fuss westlich vom Seilinge r Hörn bei Ebbe ein rothbraunes sandiges 
Flötz zu Tage, dessen Masse so porös ist, dass ein auf den lufttrockenen Stein 
fallender Säuretropfen augenblicklich verschwindet und man sich daher nur nach 
vorausgegangener Befeuchtung von der Reaction auf kohlensaure Salze überzeugen 
kann. In dem Wechsel der Sandsteine mit den Thonflötzen ist durchaus nichts 
Geregeltes; eben so schwankend ist die Mächtigkeit in den einzelnen Schich- 
ten desselben und nicht selten keilen die Lagen nach beiden Seiten gänzlich 
aus. Ein sehr schönes Beispiel dieser Art bietet die Wand z. N. Hans Prale's 
Gatt, wo zwei circa 4 F. von einander liegende, anscheinend horizontale Schich- 
ten sich seitlich ganz verdrücken. So liegen an der Südwand des Sellinger 
Horns, in ziemlich regelmässiger Zwischenlagerung, sechs Sandsteinbänke im 
braunen Letten, welche an der Nordwand nur noch sehr schwach sichtbar sind. 

In den obersten Flötzen des braunen Thons ziehen zahlreiche Drusenräume 
durch die Massen, deren Wände mit zwei kleinen, aber sehr zierlichen Kalkspath- 
Krystallen bekleidet und oft durch einen Gehalt von kohlensaurem Kupfer schön 
grün gefärbt sind. 

Als sparsamer verbreitete, aber für das Gestein sehr charakteristische Vor- 
kommnisse müssen der Gyps und das Kupfer besonders erwähnt werden. Ersterer 
fand sich in von 1 bis 1^ Zoll mächtigen Lagen zwischen den Schichten des 
braunen Schieferlettens auf der Ostseite der Insel bei der Ausgrabung eines 
Brunnens im Hause von Jasper Bufe, und im Juli 1845 fand ich ihn beim Zer- 
schlagen eines Blocks, welcher von der Wand des Bak - Horns herabgestürzt 
war. Er ist faserig, schön atlas-glänzend, aber vom Eisenoxyd des Thons schwach 

12 * 



— 92 — 

röthlich gefärbt. Ausserdem begegnete er mir nicht wieder, obgleich bei Unter- 
suchung der verschiedenen Schichten ein besonderes Augenmerk darauf ge- 
richtet ward. 

Die Flötze des braunen Thons, welche die oben erwähnten Kalkspathdrusen 
umschliessen , enthalten durch die ganze Masse des Gesteins vertheiltes Kupfer 
in kleinen Nestern, Putzen und Knauern. 

Es erscheint theils gediegen, vorherrschend als Rothkupfererz und Ziegelerz, 
seltner als Kupferglanz. Schmale Klüfte und Trümmer, die bis in die Sand- 
steinbänke fortsetzen, sind mit erdigem und faserigem Malachit, zuweilen auch 
mit erdiger Kupferlasur erfüllt und im Sandstein dient mitunter das Rothkupfererz 
als Bindemittel für die Quarzkörner, so dass ein förmliches Kupfersanderz ent- 
steht, welches nach der Zerstörung des Sandsteins in unregelmässigen Knollen 
am Strande gefunden wird.*) 

Bei dem Flaggenberger Hörn fand ich die ersten Spuren dieser Erze; 
weiter gegen das Nordhorn und Nordhorn-Stack.erscheinen sie zwar häufi- 
ger, aber selten in einer vom Beobachter erreichbaren Höhe, sondern mehr in 
den von der Küste abgestürzten Blöcken. F. Hoffmann"*) bezeichnet nach den 
Aussagen der Helgolander eine besondere Kupferklippe circa \ Stunde z. N. 
vom Nordhorn als den reichlichsten Fundort der Kupfererze. Das häufigere 
Auftreten derselben in den tiefern Schichten des braunen Schieferlettens hat zwar 
durchaus nichts Unwahrscheinliches, allein ich konnte ungeachtet aller Nach- 
forschungen bei den klippenkundigsten Hummerfischern keine Auskunft erhalten, 
noch auf Karten und in altern Schriften irgend eine Andeutung über die Exi- 



*) Röding a. a. O. S. 104 erwähnt unter den auf Helgoland vorkommenden Kupfererzen 
auch Salzkupfer, was ich aber nie gefunden habe, und auch von Hofimann nicht 
angeführt wird , welcher der Untersuchung der .hiesigen Kupfererze doch besondere Auf- 
merksamkeit schenkte. In einigen Sammlungen sah ich ausserdem grosse Stücke 
dichten und krystallisirten Rothkupfererzes mit faserigem Malachit, die offenbar Sibi- 
rischer Abstammung, aber auf Helgoland gekauft waren. Die Preise, welche für Kupfer- 
erze und Versteinerungen von den Badegästen in der Regel bezahlt werden, sind zu 
lockend , als dass die Speculation ein so ergiebiges Feld des Gewinns unbenutzt lassen 
sollte. Eine gewisse Vorsicht wird daher bei Beurtheilung solcher Acquisitionen und 
den daraus zu folgernden Schlüssen wohl angewendet seyn. 
*•) G. A. Bd. 70. S. 435. 



— 93 — 

stenz und Lage einer solchen Kupferklippe rinden. Als freilich sehr seltene, 
aber eben so bemerkenswerthe Vorkommnisse müssen das gediegene Silber und 
der Cölestin hier noch erwähnt werden. Ersteres erscheint in kleinen drath- 
förmigen Verästelungen in den kupferführenden Schichten*), Letzterer in Drusen 
der oberen bunten Mergel in gerade- und dünnstengeligen Gruppen. Der eigent- 
liche Ort des Vorkommens ist bis jetzt nicht näher ermittelt, da er sich nur in 
abgestürzten Stücken an der Nordostseite gefunden hat. 

Zwischenlager von Rogensteinen, welche sehr häufige Begleiter dergleichen 
bunten Mergel und Schieferletten im nördlichen und mittleren Deutschland sind, 
sucht man hier vergeblich; doch ist wohl in einzelnen Stücken eine derartige 
Bildung angedeutet, vielleicht auch in den untermeerischen Schichten wirklich 
vorhanden. 

Mit grösserer Bestimmtheit kann dagegen das Vorkommen organischer Reste 
im Gestein der rothen Klippe in Abrede gestellt werden. Die von Mac Culloch 
namhaft gemachten Petrefacten stammen alle von der Düne und ihren Klippen. 
Ebenso durchaus unrichtig ist die auf Aussagen der Helgolander gegründete 
Angabe Lichtenstein's und Kunowski's**), dass mehrere Arten Ammoniten in 
den bunten Mergeln und zwar theils in der, den Fels bedeckenden Ackererde, 
theils aus dem Gestein gespült, am Strande sich finden. 

Tausende von Stücken der verschiedenen Schichten des Felsens und seiner 
zugänglichen Klippen sind mir durch die Hand gegangen, die Abhänge, soweit 
sie nur erreichbar, habe ich durchsucht, aber nirgends auch nur die geringste 
Spur eines Petrefacts beobachtet. Die Ackererde des Oberlandes besteht nur 
aus verwittertem, buntem Mergel, aber auch in dieser fand ich keine Ver- 
steinerungen, und es haben sich nach den glaubwürdigsten Versicherungen über- 



*) Das einzige, mir bekannte Stück bewahrt die Sammlung des Hrn. Berghauptmann Martins 

in Halle. 
*') a.a.O. S. 45. Die Redaction des „Neuen Jahrbuchs für Mineralogie, Geognosie" u, s.w. 
hat in einer Note zu Godeffroy's Abhandlung (L. J. 1835 S. 417) L. und K.'s Angaben 
aufgenommen, was in Beziehung auf obige Berichtigung hier nicht unbemerkt bleiben 
durfte. 



J. 



— 94 — 

haupt nie welche darin gefunden. Die angeführten Ammoniten gehören alle den 
Formationen der Düne an. — 

Bei dem Zerschlagen des braunen Schieferlettens glaubt man zuweilen auf 
den Bruchflächen Andeutungen von Pflanzenformen vor sich zu haben, eine ge- 
nauere Untersuchung überzeugt indessen bald, dass man nur zufällige Gestalten 
vor sich habe. Wunderbar ist es allerdings, dass ein so mächtiges neptunisches 
Gebilde, dessen Ablagerung nicht in einem sehr kurzen Zeitraum geschehen 
seyn kann, jeder Spur einer organischen Schöpfung entbehrt, da überdies ältere 
Gebirgsmassen eine reiche Flora und Fauna der Vorwelt umschliessen. Es liegt 
aber in diesem Mangel eine Analogie mit gleichen Gesteinen am Thüringer Wald 
und in Franken, welche für die Bestimmung der zu Tage tretenden Formation 
nicht ohne Werth ist. 

Die Höhe, zu welcher sich diese Flötze über dem Meere erheben, beträgt 
bei Mörmers 193, 8 Fuss, die grösste Tiefe, in welcher ich sie durch das 
Loth erkannte, 52 Fuss, so dass die ganze Höhe 245, 8 Fuss erreicht. Die 
horizontalen Dimensionen ergeben in der Breite, von der Landzunge im Unter- 
lande bis zur Kante der rothen Klippe, 1711 Fuss z. W. von der jetzigen 
Küste, 4552 Fuss; in der Länge, vom südöstlichsten Rande des Sathürn- 
Brunnens bis zum nordwestlichsten des Nathürn - Brunnens, 13,452 Fuss. 

Die Schichtung des Gesteins ist, wie schon oben bemerkt ward, so ausge- 
zeichnet, dass man sie kaum entwickelter sehen kann. Besonders günstige Ge- 
legenheit zur Bestimmung des Streichens und Fallens der Schichten bieten die 
bei Ebbe hervortretenden Riffe. Nach Godeffroy") ginge die Streichungslinie, 
wie überall auf der Erdoberfläche, wo partielle Störungen sie nicht verrückt 
haben, von Ost nach West, mit einer kleinen nördlichen und südlichen Abwei- 
chung. Offenbar hat derselbe der Theorie zu Liebe etwas zu viel geopfert, 
denn die Schichten streichen nach drei Messungen auf den Klippen am Süd- 
horn, Markau und Nordhorn h a 11 von S. S. 0. nach N. N. W., mithin 
beträgt die nördliche und südliche Abweichung (Var. r 20° z. W.) 55 °, was 
für eine „kleine" doch etwas zu viel ist. 



•) L. J. 1835. S. 413. 



— 95 — 

Den Fallwinkel gegen O. IN. O. fand ich auf der Sohle des Jung-, Mör- 
iners- und jNordhorn-Gatts — 20° — 21°, an der Sohle des Büket-Horn 
dagegen nur 17°. Biegungen in den Schichten und Abweichungen von dem nor- 
malen Streichen finden sich nirgends, mit Ausnahme eines Punktes, wo aber 
die sorgfältige Untersuchung bald zeigt, dass mir eine scheinbare Störung vor- 
liege. Auf den Klippen an der Nordwand des Bakhorns erhebt sich nämlich 
aus der regellosen Masse der kleinen Bruchstücke des Felsens eine auffallend 
schöne Schichtenreihe circa 15 F. lang und 7 F. breit, in einer Richtung von 
S. W. nach N. 0. und einer Neigung von 70 ° nach N. W. Da durch die Geröll- 
massen in der näheren Umgebung die Klippen bedeckt und Vergleichungspunkte 
dem Blicke nicht geboten sind, so muss man durch Wegräumen solche ent- 
blössen und dann überzeugt man sich, dass hier nur ein grosser, aus der Nordwand 
des Bakhorns gefallener Block vorliege, der durch den, Sturz sich äusserst regel- 
mässig in 1 — 3 " dicke Platten gespalten hat. Da dieses Stück nach der Form 
der im Bakhorn entstandenen Lücke eine ziemlich prismatische Gestalt hatte, 
so erklärt sich daraus die täuschende Regelmässigkeit der Lage. Eine gerade 
Linie vom Südhorn zum Nordhorn giebt die grösste Dimension und Rich- 
tung des Felsens an. Diese Linie bildet mit der Streichungslinie der Schichten 
einen Winkel von 10°. Die Schichten des Sathürn - Brunnen nähern 
sich daher gegen N. W. der Küste immer mehr und schiessen endlich unter der- 
selben ein, so dass der nämliche blassrosenrothe Sandstein des südwestlichsten, 
bei Ebbe wasserfreien Riffs an der Sohle von Hans Prale und dem Flaggenber- 
ger Hörn zu Tage tritt. An der N. 0. Seite, welche die Streichungslinie der 
Schichten unter einem Winkel von 25° schneidet, treten diese von der Road- 
Borg an bis zum Nordhorn unter der Küste hervor und in einer noch mehr 
abweichenden Richtung, als an der Westseite, in das Meer. 

In seinen Bemerkungen über die Nord- und Ostsee -Küste giebt Reinke *) 
eine kurze Beschreibung des Gesteins der Insel mit dem Beifügen, dass die 
Lager sich von Süden nach Norden senkten. Zu diesem Irrthum kann die Lage 
der schroffen Küstenabhänge gegen die Schichtungsebene sehr leicht Veranlassung 



*) A. Eph. Bd. 26. S. 477. 



— 96 — 

geben. Bei der Neigung der letztern nach N. 0. muss eine jede Durch- 
schnittsebene der Schichten ein anderes Bild der Lagerung geben. Ist dieselbe 
der Streichungslinie parallel, oder nur wenig davon abweichend, so erscheinen 
die Schichten horizontal, wie an vielen Stellen der S. W. Seite des Felsens 
von Mörmers bis zum Flaggenberger Slapp; schneidet sie diese unter 
einem grössern oder kleinern Winkel, so muss ein anderer Fallwinkel auf der 
Durchschnittsebene sich ergeben und die Richtung der Neigung sich ändern. So 
durchkreuzt die Küstenfläche des Falm an dem Südhorn nach der Ostecke 
die Streichungslinie unter 35 ° und die Schichten neigen demnach allerdings von 
S. nach N. Dagegen theilt die Ebene des nordöstlichen Abhangs aus W. N. W. 
nach 0. S. 0. unter 25° die Schichten, welche nun der ersten Seite entgegen- 
gesetzt nach S. 0. sich zu senken scheinen. In der Ostecke treffen die schein- 
baren Neigungslinien aus entgegengesetzten Richtungen zusammen und hätte 
daher Reinke seine Beobachtungen auf der Nordostseite gemacht, so würde auch 
seine Angabe in nahe entgegengesetztem Sinne ausgefallen seyn. Die sehr ab- 
weichenden Bestimmungen des Fallens der Helgolander Flötze sind nur aus der 
vernachlässigten Rücksicht auf die Streichungslinien entsprungen. 

Da die Inseloberfläche nur circa 3° 3', die Schichten aber 20° nach O. 
N. 0. geneigt sind, so werden letztere von ersterer unter 16° 57' durchschnitten 
und unter der Ackererde liegen demnach die Ausgehenden derselben; an der 
Road-Borg aber ist bis zur Sohle des Felsens eine Reihe nach allen Seiten 
abgeschnittener Schichten über einander, welche zugleich die obersten der For- 
mation bilden. Nach diesen und der tiefsten Schicht, welche durch das Loth 
gegen S.W. nachgewiesen werden kann, bestimmt sich die Mächtigkeit des Gebildes. 
Ist die gerade Linie vom Rande des Felsens bei der Brün'schen Rost bis zum 
Ausgehenden der obersten Schicht bei der Road-Borg = 1750 F., der Neigungs- 
winkel der Inseloberfläche = 3« 3', der Fallwinkel der Schichten — : 20°, die 
Höhe der Brün'schen Rost über dem Meere =181' 36', die Entfernung der Kante 
der rothen Klippe 1711, 2 F., ihr tiefster Punkt 50 F. unter dem Niveau, so 
ergiebt sich die Mächtigkeit der von der Road-Borg bis zum Felsrande der 
Brün'schen Rost ausgebenden Schichten = 510, 20 F. und jener, welche vom 
Felsrande bis zum tiefsten Punkte der Kante ausgehen, = 802, 66 F. oder 



— 97 — 

einer Gesammtmächtigkeit von 1312, 86 F., eine Mächtigkeit, wie sie für diese 
Flötze bis jetzt selten beobachtet wurde. 

So regelmässig auch im Allgemeinen die Lagerungsverhältnisse der Gesteine 
sind, so fehlt es doch nicht an mannichfachen Störungen derselben. Eine grosse 
Zahl von Klüften durchsetzen die Schichten und vermindern ihre Continuität in 
ausserordentlichem Grade. Bei einem Gange um die Insel wird man auf den 
Klippen bei jedem Schritte die Klüfte wahrnehmen, welche mehr oder minder 
rechtwinklig zur Streichungslinie das Gestein theilen. Die meisten gleichen nur 
schmalen Rissen von \'" Breite, doch steigt bei vielen dieselbe auf 8 bis 
10 Zoll und bei anderen selbst auf 3 — 4 Fuss und darüber. Die Kluftebenen 
haben sehr selten eine verticale Lage, sondern neigen meist unter 80 — 87° 
nach S. 0., wenigere nach N. W. , wie an der ganzen West- und Südwestseite 
der Insel sich beobachten lässt. Mitunter liegen sie, stärker und schwächer, 
oder nach entgegengesetzten Richtungen neigend, so nahe beisammen, dass sie 
nach Oben oder Unten zusammenkeilen und dann als eine Kluft fortsetzen; 
andere durchkreuzen sich nach der Seite, oder gabeln. Die letzteren Verhältnisse 
finden sich auf den Klippen z. W. und N. in den belehrendsten Beispielen; am 
besten aber übersieht man sie von der Höhe des Felsens, bei ruhiger See gegen 
die Zeit der tiefsten Ebbe. Wenn dann noch einige Fuss Wasser über den 
Riffen stehen, so scheinen sie durch dasselbe entweder als hellere Streifen, wenn 
sie durch weissen Sand gefüllt sind, oder als dunklere, wegen der grösseren 
Tiefe des Wassers in den Klüften. So sieht man auf den Riffen bei Spitzk- 
Hörn und Sellinger-Hörn einander durchkreuzende, am Bread-Hörn diver- 
girende, an der Mädeck nach unten, am Ossengatt nach oben zukeilende 
Klüfte. Manche der grössern sind auf eine ziemliche Tiefe im Fels zu verfolgen 
und treten dann in Verbindung, wie das Ossengatt und der Trichter, ja 
von einigen wird schon seit Jahrhunderten behauptet, dass ihr Ende unerreich- 
bar sey. *) 



") Rauzaa a. a. O. p. 70 sagt: Adhaec invenere incolae nostra memoria Cameram quandam 
fornicatam, in rupe excavatam, satis amplam et profundam , quam subire et ulterius 
investigare a magistratu jussi tentarunt. Aus Knobloch's Besehreibung (S. 17) ist hier- 
unter die Spalte im Jung- Gatt zu verstehen, von welcher noch jetzt die Helgolander 

13 



— 98 — 

Manche dieser Spalten nehmen in ihren Dimensionen zu, z. B. die Kluft, 
welche an der INordwand von Mörmers fast im Scheitel des Bogens beginnt 
und nach der nordöstlichen Ecke bis unter die Dammerde sich erstreckt. So 
fand ich ferner eine Kluft in dem westlichen Abhänge des Südhorns seit 1838 
um 6 Zoll erweitert, was die starken Abstürze an der Ostseite im Jahre 1843 
mit veranlasst haben mögen. 

Dass diese Klüfte nach der Tiefe auch die Riffe durchsetzen, ist bereits 
erwähnt; eine besondere Hervorhebung verdient hier nur noch jene grosse, circa 
15 Fuss breite Kluft, welche von O. nach W. die Nathürn-Brunnen auf be- 
deutende Tiefe durchschneidet. 

Welch ungemein grossen Einfluss die vielfachen Zerklüftungen auf die fort- 
schreitende Zerstörung der Insel üben, wie sie die Gestaltung der Küsten, Buch- 
ten, Gatts und Stacks bedingen, — soll bei der Untersuchung der zerstörenden 
Agentien näher erörtert und mit Beobachtungen belegt werden. 

Wo die Continuität der Massen in so hohem Grade unterbrochen ist, wie 
an dem Helgolander Felsen, da kann es an Erscheinungen nicht fehlen, 
welche der Zerklüftung der Lager theils unmittelbar gefolgt sind, theils fortwäh- 
rend eintreten müssen: nämlich Störungen in den normalen Lagerungsverhält- 
nissen durch Verwerfungen, Rutschen u. s. w. Erstere beobachtet man an den 
Schichten bei der Treppe, am ausgezeichnetsten aber an der S. W. und N. 0. Seite 
der Insel. An der Wand von Ingels-Hörn sieht man, in fast regelmässiger 
Wechsellagerung mit dem rothen Mergel, fünf Schichten des grünlich - grauen, 
welche von einer Kluft durchsetzt und so verworfen werden, dass man rechts 
nur noch zwei der helleren Schichten wahrnimmt. Die scheinbare Verwerfung 
beträgt circa 3 Fuss; die totale aber ist weit beträchtlicher, da man sonst mehr 
als zwei graue Mergelflötze beobachten müsste. Im Flagge nberger-Slapp 
war im Jahr 1838 eine bedeutende, seitdem verschüttete, Verwerfung sichtbar; 



behaupten, dass ihr Ende nie erreicht worden sey. Auch Bötticher gedenkt der Spalte, 
die unter dem Namen Pipersloch bekannt war. Dieser Name, so wie die von Letz- 
terem angeführte, höchst merkwürdige Sage: jene Spalte stehe mit Seegeberg in Ver- 
bindung, sind gänzlich verschollen. Hasselmann (Pr. B. IV. 10. 11.) erwähnt noch 
einer Spalte im Flaggenberger-Slapp, welche aber jetzt verschüttet ist. 






— 99 — 

an dem 31 ä deck und bei dem Trichter sind sehr schöne Versetzungen und 
an der N. O. Seite bei Boyen's Lin zwei ausgezeichnete Verwerfungsbilder 
am Abhänge zu beobachten. Letztere liegen zwar nicht in geradliniger Verlän- 
gerung des Sattels am Flaggenberg, sondern etwas nördlich, stehen aber 
doch höchst wahrscheinlich mit einer grossen Kluft im Zusammenhange, welche 
hier die Bildung des Sattels veranlasste. Weniger häufig und bestimmt findet 
sich das Eindringen tieferer Lagen in die höheren und dadurch bewirkte Schich- 
tenstörung. Ein höchst belehrendes Beispiel dieser Art trifft man beim Flag- 
genberger Hörn, wo ein von unten eindringender Felskeil den braunen Schie- 
ferletten und eine Schicht des weissen Sandsteins so spaltet, dass der west- 
liche Theil eine beträchtliche Verwerfung erlitten hat. 

Die nicht geringe Neigung der Schichten gegen O. erleichtert, besonders 
da, wo sie nach oben und den Seiten zu Tage ausgehen, das Abrutschen von 
der Felskante ungemein und Klüfte sowohl, als die zwischen den Schichtungs- 
flächen sickernden Tagewasser beeinträchtigen den allein noch vorhandenen Zu- 
sammenhang mit den Flötzen im Liegenden in solchem Grade, dass eine Ablösung 
erfolgen muss. Die Road-Borg, Reinbecks Keller und die Ostseite des 
Siidhorns zeigen solche Veränderungen. Die Wasserführung der unteren Flötze 
ist überhaupt nicht unbedeutend, da die vielen, unter der Ackererde ausgehen- 
den, obern Schichten die atmosphärischen Niederschläge aufnehmen und durch 
die zahllosen kleinen Klüfte nach der Tiefe leiten. Man findet daher am Nord- 
ost- und Süd- Abhänge des Felsens, auch nach längerer Trockenheit, die untern 
Schichten immer nass und dünne Wasserfaden aus dem Gesteine tretend. Im 
Unterlande hat man an verschiedenen Orten deshalb z.B. im Hause von Jasper 
Bufe, bei der jetzigen und früheren Treppe, mit Erfolg Brunnen gegraben*). 

Ausser dem eigentlichen Felsen mit seinen bei Ebbe über Wasser kommen- 
den Klippen des gleichen Gesteins trifft der Geognost nur noch auf den nord- 



") Die in der ersten Abtheilung S. 27 ausgesprochene Meinung, dass der neben der Treppe 
stehende Brunnen der in den altern Schriften so oft erwähnte sei, muss dahin berich- 
tigt werden, dass der Letztere bei dem Bau der neuen Treppe zugeschüttet und dafür 
bei deren Aufgang ein anderer von den Engländern ausgetieft wurde. 

13 * 



- 100 - 

westlichen Riffen der Düne zugängliche Gebilde, welche von jenen der Insel 
ganz abweichend ein grosses Interesse gewähren , aber bei ihrer grösstentheils 
untermeerischen Lage noch sehr viel Räthselhaftes bieten. 

Steuert man von der Landzunge (Unterland) nac h o. N. O. gegen die 
Wite-Klif, so verkündet das Loth erst einen grauen, zwar sehr plastischen, 
aber doch ziemlich kalkhaltigen Thon, vermengt mit Sand und kleinen Bruchstücken 
von Kalk und buntem Mergel. Bei der Witen-Klif schlägt es in der Tiefe auf 
ein Gestein, das nur bei tiefer Ebbe über Wasser tritt und als ein Kalk erscheint, 
von welchem sich auf der Düne zahllose Bruchstücke finden. Seine Farbe zieht 
von hell-, asch- und rauchgraue in's Röthliche, der Bruch ist uneben in's Erdige, 
die Textur zuweilen krystallinisch körnig, in der Regel aber dicht, das spec. 
Gewicht = 2, 63. Eine grosse Neigung zur Spaltung in Platten von \ — 3 Zoll 
Dicke zeichnet das Gestein aus, das auf den Spaltungsflächen mitunter kleine 
wellenförmige Erhabenheiten besitzt. Viele dieser Gerolle sind so reich au 
Schaalthierresten, dass sie nur aus Muschelbruchstücken gebildet erscheinen, 
aber ihre Formen sind so zerstört, dass es mir nicht gelang, unter Hunderten 
zerschlagener Stücke auch nur eine bestimmbare Species aufzufinden. Kleine 
Bivalven, Formen, die an Avicula und Buccinum erinnern und Steinkerne einer 
Myophoria sind die allein noch kenntlichen Reste. 

Manche der Schichten sind dolomitisch und zeigen auf ihren Klüften zier- 
liche Bitterspath - Krystalle ; zwischen andern liegen dünne Lagen eines, bald 
faserigen, bald dichten Gypses. Ueber denselben lagert ein wenig mächtiges 
Flötz eines hellgrauen,, bald schmutzig rosenrothen, gebänderten Thongesteins, 
das mit Säuren nicht mehr braust und sichtlich keine Quarzkörner enthält. 
Bedeckt wird dasselbe von mächtigen Schichten eines grauen, sehr sandigen 
Kalkes, der bis zu der Ostkante dieser Klippe anhält. Petrefacten oder andere 
Einschlüsse habe ich in denselben nicht angetroffen. 

Ob es diese letzteren, oder die erst erwähnten Kalkschichten der Witen- 
Klif waren, welche noch zu Ranzau's Zeit eine der Insel fast gleiche Höhe 
besassen, lässt sich jetzt allerdings nicht mehr mit absoluter Gewissheit ent- 
scheiden; allein es sprechen historische Thatsachen im Zusammenhange mit den 
jetzigen Verhältnissen doch für die Annahme, dass die Klippe aus jenem dichten, 



— 101 — 

grauen Kalke bestanden habe, dessen leichte Zerstörbarkeit die zahlreichen am 
Dünenstrande ausgeworfenen Bruchstücke beurkunden. 

Ranzau sagt von ihr: Calcem, quae excisa divenditur, gignit. Adolfi") 
erwähnt bei Helgoland: „dar men ehrmalss Kalk uthgegraven" und nach Lass 
Bericht wäre der Kalk und Gyps 1618 noch so wohlfeil gewesen, dass man die 
Last von 12 Heringstonnen für 5 Rthlr. verkauft habe. Nach Knobloch**) „gab 
die Wite-Klif kalkweisse Steine (ohne die harten Felssteine) von sich" und 
Bötticher sagt: „massen annoch ein kleines Stück von der weissen Klippe übrig, 
so etliche weisse Adern hat, die so klar sind und bei nassem Wetter so durch- 
sichtig als ein Krystall, und haben sich Viele darum bemüht, etwas besonders 
daraus zu machen, aber befunden, dass es nicht von selbiger Güte wie es 
scheint, und kann es zu nichts, als zu den Grotten, gebraucht werden. Vor 
etlichen Jahren sind einige Italiener hier gewesen, die es auf allerhand Art 
probirt haben." 

Das Vorkommen des Gypses, das Fehlen der harten Felssteine, worunter 
gewiss die Feuersteine verstanden sind, lassen wohl eine Uebereinstimmung mit 
dem noch jetzt Gyps führenden Kalke annehmen.***) Die Wite-Klif würde 
dann neben der grösseren Höhe auch eine grössere Ausdehnung gegen die Insel 
zu gehabt haben, was mit allen darüber vorhandenen Nachrichten recht wohl 
sich vereinigt. 

Die Schichten derselben streichen h a ll aus S. S. O. nach N. N. W. und 
fallen unter 16° nach O. N. O. Sie sind von vielen schmalen Klüften mehr 
oder weniger senkrecht durchsetzt, deren eine sich zu der bereits oben erwähn- 
ten breiten und tiefen Spalte (Rille) erweitert. 

Auf dem grauen, sandigen Kalk im 0. der Witen-Klif findet man in der 
Tiefe einen plastischen, aber auch ziemlich kalkhaltigen Thon von bräunlicher, 
in's Rothe ziehender Farbe, weshalb die grosse Rille, in welcher derselbe auf 



*) genannt Neocorus, Chronik des Landes Dithmarschen, Bd. II. S. 85. 
'*) a. a. O. S. 6. 

'**) Dass dieser Gyps ein Fasergyps war, dürfte wohl aus der Bemerkung: er sei nur zu 
Grotten zu gebrauchen, gefolgert werden, da er zu diesem Zwecke damals häufig verwandt 
wurde. Ich erinnere hier nur an den Grottensaal im Poppelsdorfer Schlosse bei Bonn. 




— 102 — 

eine weite Strecke gelagert ist, den Namen Skit-Gatt erhalten hat. Er führt 
Schwefelkies in einzelnen Knollen und Belemniten, theils in einzelnen Bruch- 
stücken, theils verwachsen mit Schwefelkies; allein fast stets bis zur Unkennt- 
lichkeit der charakteristischen Merkmale abgeschliffen. 

Kanzau *) erwähnt schon dieses Vorkommens und seine Bemerkungen machen 
es wahrscheinlich, dass man damals die Schwefelkiese hier gegraben habe. Lei- 
der trat während meines wiederholten und längeren Aufenthaltes auf dem Eilande 
keine Ebbe von so ausserordentlicher Tiefe ein, dass, wie oft im Winter und 
Frühjahr bei Springzeit und östlichen Winden, diese Klippen so weit wasser- 
frei geworden wären, um das eigentliche Lagerungsverhältniss jenes Thones zu 
dem Gestein der Witen-Klif mit Sicherheit ermitteln und bestimmen zu können, 
welche der ausgespülten Petrefacten demselben wirklich angehöre. Aus dem 
Grunde des Skit-Gatt's erhebt sich bei den Ol de Höfen ein anderes Ge- 
bilde bis nahe unter die Meeresfläche, von den Helgolandern Töck (nicht Tunk, 
wie Godeffroy schreibt) genannt. Unter Wasser und im befeuchteten Zustande 
hat der Töck eine unrein bläulich -schwarze Farbe, welche durch Austrocknen 
in bleigrau übergeht; die Masse ist sehr weich, mit dem Messer leicht zu 
schneiden und in dünne Blätter spaltbar, an der Zunge stark klebend, durch Hauch 
einen intensiven Thongeruch entwickelnd, mit Säuren lebhaft brausend und circa 20 g 
kohlensaure Kalkerde haltend. Auf den Spaltungsflächen sieht man nicht selten 
kleine Glimmerblättehen, aber stets nur wenige Ouarzkörner und zuweilen finden 
sich dünne Schnüre und Schichten eines hell-aschgrauen, sehr feinen und viel weiche- 
ren Thon's in dem Gestein, dessen ausgezeichnet schieferige Structur manchem 
Mineralogen Anlass gab, darin einen Schieferthon zu erblicken. Irrig ist Godeffroy's 



Hie ad Boream et Subsolanum admiranda naturae miracula, ex montium visceribus 
eruuntur. Metallum colore et nitore aurum perfectum exhibens. Argentum rüde ru- 
brum (Golderz). Incolae Mummergold vocant. Metallica materia aurea est, quam 
erutam ad Adolphum Holsatiae Ducempiae memoriae. Tusa, Iota, tosta et separata aurum 
perfectum reddit, et tantam sulphuris quantitatem ut hinc sumtus in separationem impensi 
collegi possint. Inveniuntur et in iisdem venis nuces avellanae, et candelae cereae, tum 
instar lapidem induratae magna copia et conversae in metallicam auream limaces conchae, 
Glessum, etiam Bornstein, item minores arnorum rami metallici, tanta subtilitate, quanta 
n u 1 1 11 s argetitarius faber, licet artificiosissimus, ex aurö conficere possi't. 



SBBSBfiSfifiai 



— 103 — 

Behauptung: der Töck sey so bituminös, dass er geglüht hell aufbrenne, mit 
Zurücklassung einer weissen Asche. Der wirkliche Töck verbrennt durchaus nicht 
zu Asche, enthält überhaupt nur so wenig Bitumen, dass er bei dem Glühen 
vorübergehend eine schwach-leuchtende Flamme giebt, und es muss daher hier 
eine Verwechselung mit Braunkohle statt gefunden haben, die, besonders im 
feuchten Zustande, dem schieferigen Thon täuschend ähnlich ist. 

An organischen Einschlüssen ist der Töck sehr reich; sie sind mit Aus- 
nahme der Belemniten sämmtlich in Schwefelkies verwandelt und durch nachherige 
Zersetzung in thonigen Brauneisenstein übergegangen. Die meisten dieser Petrefacten 
sind so von dem Eisenkiese umhüllt, dass ihre Formen theils ganz unkenntlich 
geworden, theils die charakteristischen Merkmale in einem Grade eingebüsst 
haben, welcher in der Regel keine Bestimmung der Species mehr gestattet. Die 
mit Sicherheit erkannten sind: 

Terebratula nuciformis, Sow. Thracia Philipsii, Roem. Fistulanu (Pholas) 
constricta, Phil. Belemnites ptstilhim, Roem. B. subquadratus, Roem. Ammonites 
planus, Phil. A. venustus, Phil. A. Rotula, Sow. Hamites semicinctus, Roem. 
ff. decurrens, Roem. ff. capricornu, Roem. ff. raricostatus, Phil. ff. subnodosus, 
Roem. ff. Beanii, Phil. ff. obliquecostatus , Roem. ff. seminodosus , Roem. 
ff. {Ammonites) fissicostatus, Phil. H. gigas, Sow. ff. seacnodosus, Roem. Serjnda 
Philipsii, Roem. 

Auch Fischreste finden sich, aber so von dem Schwefelkies umhüllt, dass 
man bei dem Zerschlagen der länglich-knolligen Stücke nur die Wirbelsäule und 
einzelne Schuppen zu erkennen vermag. 

Nach der Mittheilung eines Ungenannten') wäre dieser Schieferthon das 
Dach eines Kohlenflötzes ; allein mit Ausnahme sparsam vorkommender Stücke 
verkiesten Holzes erscheinen nur einzelne Reste einer Kohle mit deutlicher Holz- 
textur, mitunter von Pholaden angebohrt, deren Bohrlöcher wieder mit Schwefel- 
kies ausgefüllt sind; sonst ist von einem Kohlenflötze keine Spur zu sehen und 



*) L. T. 20. S. 54. 



— 104 — 

daher gewiss nur aus den wenigen Andeutungen auf das Vorhandensein grösserer 
Massen, ohne ausreichende Gründe, geschlossen. Einzelne Glieder der Hamiten 
linden sich sehr zahlreich und werden von den Helgolandern Katzen füsse ge- 
nannt- Sie sind entweder in Schwefelkies verwandelt oder durch weitere Zersetzung 
in thonigen Brauneisenstein übergegangen. Den Schwefelkies beobachtet man 
nicht selten in den schönsten hexaedrischen und pyritoedrischen Gestalten, begleitet 
von Kalkspath und Blende-Krystallen. Die Letzteren hat Philippi*) schon vor meh- 
reren Jahren in der Alveole eines Belemniten aus dem Töck und damit einen 
schönen Beleg für die Bildung der Blende auf nassem Wege aufgefunden. 

Das Streichen und Fallen der Töckschichten ist, so weit dies bei der 
4 — 6 Fuss tiefen Lage unter Wasser bestimmt werden konnte, dasselbe wie 
bei der Witen-Klif. 

In weiterer Verfolgung der östlichen Richtung begegnet man gegen Selle- 
brunnen zu einem Kalke, der durch seine schöne rostgelbe und gelbröthliche 
Farbe gegen den dunkleren Töck absticht. Nur einige Bänke kommen bei tiefer 
Ebbe über Wasser, der grössere Theil der Schichten liegt dagegen 6 — 12 Fuss 
tief, aber leicht an der Farbe kenntlich, wo dieselbe nicht durch eine starke 
Vegetation dem Blicke entzogen wird. Alle Charaktere des Gesteins zeigten 
sogleich, dass hier die Kreide anstehe, welche in kleiner Entfernung auch als 
weisse Kreide erscheint. 

Die gelbe Kreide ist in einigen Schichten etwas sandig, in andern sehr 
fein, dicht und weniger abfärbend als die weisse. Feuersteine fand ich darin 
nirgends und von Petrefacten nur den Belemnites Listeri. Mant. Die ersten 
Bänke der weissen Kreide am Seile-Brunnen sind etwas sandig, nur einzelne 
Feuersteine sind darin sichtbar, deren Zahl aber sehr nach oben zunimmt 
und auf den Riffen der Hohen-Brü liegen sie schichtweise in beträchtlicher 
Menge, in den wunderlichsten Formen und verschiedensten Farben. Der Feuer- 
stein ist an letzterem Orte in der weissen Kreide oft so fein vertbeilt, dass er in 
kleinen schwarzen Pünktchen erscheint, die nach dem Lösen derselben in Säure, 



•) L. J. 1837. S. 318. 



— 105 — 

zuweilen als ein zusammenhängendes, zartes Kieselskelet , in der Regel als 
feine, Nadelkopf grosse Körnchen zurückbleiben. Dieselbe Beobachtung hat auch 
Gumprecht bei Kreide von mehreren andern Orten gemacht. 

Im Vergleiche zu den entsprechenden Gliedern der Kreidegruppe anderer Gegen- 
den zeigen die Schichten der Seile-Brunnen und der Hohen-Brü keinen 
Reichthum an Versteinerungen, welche bei der so sehr beschränkten Zugäng- 
lichkeit der Riffe nach ihrer Vertheilung in den verschiedenen Schichten nicht 
einmal erforscht, sondern meist nur als Auswürflinge des Meeres untersucht 
werden können. 

Bis jetzt sind folgende mit Sicherheit bestimmt: Pentacrinites carinatus, 
Roem., in der Regel in Feuersteinen, selten in der Kreide liegende Stielstücke. 
Cidaris stemmacantha, Ag. Galerites albo-galerus , L. Gal. vulgaris, L. Micraster 
cor testudinarium, Ag. Ananchytes ovata, L. Hippurites cyathus, Bronn. *) Inoceramus 
Cuvieri, Sow. Avicula gryphaeoides, Sow. Delphinula tricarinata, Roem. Be- 
lemnites mucronatus , Schloth. Ammonites , dem Am. navicularis, Sow. am näch- 
sten stehend.**) Scaphites inflatus, Roem. Scaphites proboscideus , Menke.***) 
Scaphites ornatus, Roem. 

In den Feuersteinen scheiden sich aus den Wandungen kleiner Drusenräume 
mitunter schöner Quarz-, Gyps- und, allerdings nur sehr selten, Cölestin-Krystalle 
aus: ebenso finden sich Spuren von Korallen und einer Menge anderer, gröss- 
tentheils mikroskopischen Thiere von derselben umschlossen. Die Echinodermen 
zeigen nur sehr selten noch Reste der Schale, sondern erscheinen gewöhn- 
lich als blosse Kerne aus Feuerstein und von diesem umschlossen. Belemniten 



•) Ei J. 1832. 173. 
**) Nach Bronn's Bemerkungen, L. J. 1837. S. 317 findet sich in der Helgolander Kreide 
noch ein Belemnit, welcher auf jeder Seite eine Doppellinie besitzt, die in ihrer ganzen 
Länge um den vollen Halbmesser von einander entfernt bleiben, wie bei einer dem Acti- 
nocamax fusiformis nahe stehenden Art der Kreide (bei Castellane, Basses Alpes) ; — 
zwei andere, deren grössler 3" 4'" lang und 6"' dick, an der bis zu J Länge hin- 
aufreichenden Alveole zusammen — , und gegen die Spitze flach gedrückt ist, zeigen eine 
flache, breite Rinne von der Spitze bis in die Alveolen - Gegend, wo sich dieselbe verliert. 

■") L. J. IS35. S. 418. 

14 



— 106 — 

trifft man dagegen nur sehr sparsam im Feuerstein und nie habe ich einen auf- 
gefunden, dessen Alveole damit erfüllt gewesen wäre. 

Die Kreide der Sellebrunnen und Hohen-Brü ist sehr deutlich geschich- 
tet und spaltet sich in { — 1 ^ Fuss starke Bänke. Ihr Streichen wurde bei einer 
sehr günstigen Ebbe an verschiedenen Punkten der Sellebrunnen bestimmt 
= h a 11, h a 10, 5, h a 9, 75 und h a 9. Bei dem weitern Verfolge der Riffe 
beweist die Fichtung der Rillen zwischen den Schichtenköpfen, die man auf 
10 — 12 Fuss Tiefe noch deutlich erkennen kann, dass dieselben von der 
ursprünglichen Richtung noch weiter nach West abgehen und also in einem 
sanften Bogen den Felsen umgeben. Ihr Fallen ist zunächst der Düne am stärk- 
sten = 15° nach O. N. O., in grösserer Entfernung wird es gleich 13° und am 
äussersten erreichbaren Punkte = 10° nach N. O. 

Es unterliegt keinem Zweifel, dass der Sand der Düne diese wichtige For- 
mation in ihrer weiteren Erstreckung nach S. O. verbirgt und, vom Felsen gegen 
die nordwestlichen Stürme geschützt, eine sichere Grundlage durch sie erhält; 
denn da, wo dieser Schutz aufhört, schlägt das Loth wieder auf Klippen. Wie 
von den Aade-Brunnen nach Danskermanns-Hörn und dem Stein die 
Schichten streichen, lässt sich nicht mit Bestimmtheit ermitteln; es dürfte aber 
doch mit Grund angenommen werden, dass dieselben auch hier, wie auf den 
nordwestlichen Klippen, im Allgemeinen mit der Richtung des Riffs überein- 
stimmen und der Bogen der Ersteren unter der Düne nach S. 0., S. und S. W. 
in einer stärkern Krümmung fortsetze. 

Die wiederholte Anwendung des Lothes auf Punkten von bekannter Ge- 
steinsbeschaffenheit, hatte mich bald gelehrt, seine Angaben richtig zu deuten; 
ich Hess daher, zur Erlangung noch grösserer Sicherheit, ein schwereres Loth 
verfertigen, als die Seeleute gewöhnlich gebrauchen und ihm statt der runden, 
eine vierekige Gestalt geben, damit bei dem Aufschlagen der Kanten mehr von 
dem Gestein hängen bliebe. An der Basis war die übliche Vertiefung zur 
Aufnahme von Talg. Mittelst dieses Lothes wurde sowohl nach dem Zuge der 
Riffe, als der dazwischen liegenden Götels und Rillen der Meeresgrund unter- 
sucht und folgende Ergebnisse gewonnen. 



— 107 — 

1. Auf der Witen-Klif: 

Leuchtthurm etwas rechts vom Kirch thurni, 30 Fuss. Grund — grauer, 
sandiger Kalk. Feuerthurm, etwas rechts vom Leuchtthurm, 16 Fuss — 
grauer, sandiger Kalk. 

Bullbake z. O. des Kohlenhauses in der Rille, 48 Fuss — 
bräunlicher Thon mit Kalkgerölle. 

2. im Skit-Gatt, gleiche Richtung, 54 Fuss — bräunlicher Thon mit 
Resten jetzt lebender Schalthiere; mehr nach S. O. in 45, 36, 28, 24, 
18 Fuss — überall derselbe Thon, bald mehr bräunlich, oder auch in's 
Graue übergehend. 

Am Ausgang, 70 Fuss — Kreidegerölle mit Sand und Thon. 

3. Auf Seilebrunnen und der Hohen-Brü. Auf deren ganze Erstreckung 
schlägt das Loth Kreide. 

4. Im Adrians - Götel. Die drei Thürme in Eins, 36 Fuss — Grauer 
Thon mit Kreidetrümmern. 

Bullbake z. Ost vom Kohlenhause, 36 Fuss — Grauer, kalkiger Thon. 
Ausgang des Götels, 24 Fuss. Thon mit Kreidetrümmern , 48 Fuss — 
Kreide und kleine Bruchstücke von buntem Mergel der rothen Klippe. 

5. Von Reinbecks Keller nach N. O. gegen die Wite-Klif, ISFuss — 
Klippe der bunten Mergel circa 1200 Fuss vom Felsen entfernt; 28 Fuss — 
graublauer Thon; 48 Fuss — grauer Thon mit Sand: 50 Fuss — grauer 
Thon mit Kalkstückchen. 

6. N. N. O. vom Hengst, 25 Füss — rothe Klippe in 2400 Fuss Entfernung. 

7. Kirchthurm über Petersen's Hörn. 

Bei dem Drück, 65 Fuss — Kreideklippe. Näher, 45 Fuss — Kreide. 
Mehr z. N., 70 Fuss — Kreide. 

Götel zwischen Drück und Nathürn-Brunnen, 42 Fuss — Gerolle 
der rothen Klippe; etwas westlicher, 25 Fuss — rothe Klippe. 

8. Nathürn-Brunnen nach N. N. W., 15, 22, 30 Fuss — rothe Klippe. 

Leuchtthurmspitze über dem Nordhorn, 62 Fuss — Kreideklippe; näher 
gegen den Hengst, 30, 36, 54, IS Fuss — Kreideklippe; weiter nach 
N. W., 72, 80, 83 Fuss — Sand und Gerolle mit Muschel- und Kreidetrümmern. 

14 * 



— 108 — 

9. Nordhafen-Knoll, 72, 48, 66 Fuss — Kreideklippe. 

10. Von W. N. W. gegen das Nordhorn. Hoishorn in Sicht, Leuchtthurm- 
spitze links über dem Nordhorn, 55 Fuss — Kreideklippe; näher der Küste, 
45 Fuss — Kreidegerölle mit Muscheltrümmern ; 40 Fuss — Kreideklippe. 
Mehr z. W., der alte Leuchtthurm in Sicht, 50 Fuss — Kreideklippe. 

11. Vom Nordhorn senkrecht auf die Streichungslinie nach W. S. W., 33, 
45, 52 Fuss — rothe Klippe; 74 Fuss — Gerolle der rothen Klippe, 
Kreide und Feuersteine; 60, 78 Fuss — Klippen grauen, festen Kalkes; 
40, 43, 45 Fuss — Kreide; in circa 2500 Fuss Entfernung von der Küste, 
84, 92, 96 Fuss — Gerolle von Muscheln, Kreide und Sand. 

12. Vom Se Hing er- Hörn nach W. S. W., 19 Fuss — rothe Klippe; 32 
Fuss — Kreide, welche bis zu 93 Fuss anhält; dann bringt das Loth 
Sand und Gerolle. 

13. Von der Brün'schen Rost nach W.S.W, ist der Grund wie bei Sel- 
linger-Horn. 

14. Vom Südhorn nach dem Stein in der Streichungslinie der Schichten, 
9, 14, 22 Fuss, in 2400 Fuss Entfernung vom Südhorn — rothe Klippe; 
36 Fuss — Sand und Gerolle der rothen Klippe mit Kreidetrümmern; 
42 Fuss — feiner Sand; 42 Fuss — Kreideklippe; 30, 18 Fuss — desgl.; 

11 Fuss, der Stein — Kreide. Unfern desselben in 20 Fuss, liegt ein 
brauner, harter Eisensandstein, der sich gewiss erst durch rostende Eisen- 
massen von untergegangenen Schiffen gebildet hat. Ein ähnlicher liegt 
z. O. der Düne, wovon bei heftigen Stürmen Stücke mit eingerosteten 
Nägeln u. s. w. ausgeworfen wurden. 

15. Vom Stein gegen Aade-Brunnen, 36 Fuss — Kreideklippen; 45 Fuss, 
in der Rille — Sand und Kreidegerölle; 34 Fuss — grauer, harter Kalk; 18, 

12 Fuss — Sand und Gerolle. 

16. Im O. der Düne, 20, 30, 36, 45 Fuss, bis auf circa 6000 Fuss Entfer- 
nung — Sand und kleines Gerolle. 

17. Der Sellebrunnen - Knoll, auf dem ich nicht selbst gelothet habe, 
besteht nach Aussage ortskundiger Hummerfischer gleichfalls aus Kreide 






— 109 — 
Als das wichtigste Endresultat folgt aus den obigen Lothungen, dass die 

• 

Kreideklippen unter der Düne nach S. ()., S. und S. W. sich erstrecken, gegen 
W. und N. in mehreren, hintereinanderliegenden Riffen sehr mächtig entwickelt sind 
und also die Formation des Felsens nach allen Seiten umschliessen. Aus der 
Richtung der Rillen zwischen den westlichen Riffen lässt sich wohl entnehmen, 
dass ihre Streichungslinien mit jenen der rothen Klippe ziemlich übereinstimmen ; 
nach welcher Richtung aber die Schichten fallen, kann mit Sicherheit nicht 
angegeben werden, da sie in einer für das Auge undurchdringlichen Tiefe liegen. 
Um indessen über diese wichtige Frage die möglichste Gewissheit zu erhalten, 
wurde auf der Linie z. W. der Brün* sehen Rost in kleinen Zwischenräumen 
eine Reihe von Punkten abgelothet und die Tiefen aufgetragen. Construirt man 
nach diesen nun ein Profil des Meeresbodens, so ergiebt sich daraus eine terrassen- 
förmige Senkung der Schichten, mit einem Fallen derselben gegen W. S. W. 

Die Mächtigkeit der Kreideformation ist hier in der That eine ausseror- 
dentliche zu nennen, denn wenn man den Querdurchmesser der Düne, von den 
Olde Höfen bis zur kleinen Klippe z. Ü. der Hohen -Brü, welche nach zu- 
verlässigen Aussagen ebenfalls aus weisser Kreide besteht, und den Fallwinkel 
der Schichten nimmt: so ergiebt sich eine Mächtigkeit von mehr als 1000 Fuss. — 

Ausserden, die Meeresfläche überragenden Gesteinsmassen und jenen, welche 
theils durch das Auge, theils durch das Loth nach Charakter und Lagerungs- 
verhältnissen erforscht werden können, deuten die Auswürflinge des Meeres, an 
der Düne und auf den Riffen, die Gegenwart anderer Formationen an, welche 
nicht mächtig genug entwickelt und von den Kreideschichten so überlagert sind, 
dass der Ort ihrer Ausgehenden bis jetzt nicht mit Sicherheit hat angegeben 
werden können. 

Bei Beurtheilung solcher Gerolle ist allerdings die grösste Vorsicht nicht 
genug zu empfehlen, da, ebensowohl wie die Trümmer plutonischer Formation 
Norwegens, der Basalte und Porphyren Schottlands, der ältesten neptunischen 
Gebilde Schwedens , hier am Dünenstrande wie in der ganzen norddeutschen 
Ebene getroffen werden, auch die mittlem Glieder der mächtigen Meeresgebilde 
Englands einen Beitrag zu der grossen Diluvialablagerung geliefert haben könnten. 
Nicht die Kollstücke allein, sondern vor Allem die von ihnen umschlossenen, 



— 110 — 

oder auch isolirt sich findenden Petrefacten , müssen als Leitsterne im Dunkel 
dieser Verhältnisse gewählt werden. Wenn dieselben häufiger an einer Stelle 
wiederkehren, wenn älteren Nachrichten zufolge schon vor Jahrhunderten ihr Vor- 
kommen gekannt war, wenn sie endlich nach heftigen Stürmen mit andern Klip- 
pentrümmern aus grösserer Tiefe an den Strand geworfen werden, ihre Formen 
nicht nur im Allgemeinen, sondern oft selbst in den feinsten Suturen, Falten und 
Leisten wohl erhalten sind: dann steigert sich die Vermuthung ihrer wahren Ab- 
stammung "»on der Insel mehr und mehr zur Gewissheit. Als solche, der Insel 
angehörige Versteinerungen müssen angesehen werden: 

Encrinites Hliifonnis, Schloth. Ceratites nodosus, Bronn. Var. dorso angusfo. 
Dentalinm laeve. Avicula socialis (Mytulites soeialis, Schloth.'') 

Ammonites capricornus , Sow.''*) Eugeniacrinites Hawmunni, Roem. Am. 
Strangwaysii; Sow. Ich fand denselben im August 1844, nach den fünftägigen 
heftigen Stürmen, in einem Stücke ausgeworfenen, grauen Kalkschiefers, der nach 
allen Seiten frische Bruchflächen zeigte. In denselben befindet sich auch eine, 
nach der Species nicht mehr bestimmbare Posidonia. Am. planicosta, Sow., jedoch 
mit Rippen, die auf dem Rücken kaum breiter, als an den Seiten sind***). 
Am. radians, Schloth. 

Nucula myoiden, Münst.f) Am. Lamberti, Sow. Am. mbradiatus, Sorc. Tere- 
bratula varians, Schlth. Cidaris nobilis, ftlünst. Cid. variabilis, Koch und Dunker. 
Cid. glundiferus, Goldf. Von letzterer Art nur die Stacheln, wohlerhalten, in Kalk, 
von den ersteren Cidariten Stacheln und Schalstücke, in Schwefelkies verwandelt, 
welcher überhaupt das Versteinerungsmittel für die meisten der angeführten 
Petrefacten ist.tt) Quenstedtttt) erwähnt noch Planulaten und Coronarier, in 
Begleitung vom Belemniten mit gefalteten Spitzen. Stücke einer bald dichten, 
bald blättrigen Braunkohle gehören zu den ganz gewöhnlichen Fündlingen auf 
der Düne, Bernsteine aber kommen ungleich seltener vor. 



') Quenstedt. L. J. 1S38. S. 152. 

•*) Ii! J. 1S38. S. 153. 

••*) Bronn L. J. 1835. S. 418. 

f) Bronn ebend. und Jahrg. 1838. S. 415. 

ff) Vergl. Ranzau's nutes Avellanae et minores arborum rami metalliei. 

Itt) L. J. 1838. S. 152. 



— III — 

Nach dieser Entvvickelung der verschiedenen Helgolander Straten und ihrer 
Lagerungsverhältnisse bleibt als wichtigste Frage zu beantworten: welche Glie- 
der in der Kette der geognostischen Formationen jene Gebilde hier repräsentiren. 

Einen sicheren Stützpunkt bieten allerdings nach der einen Seite die Kreide- 
flötze und mit Berücksichtigung der Lagerungsverhältnisse ihrer Schichten lassen 
sich auch nach der anderen Seite wohl haltbare Folgerungen ziehen, allein 
verhehlen darf man sich nicht, dass zur Erlangung absoluter Gewissheit noch 
manches Zweifelhafte beseitigt werden müsse. F. Hoffmann ist, nach seiner kur- 
zen Notiz über die hiesigen Kupfererze *), geneigt, das Gestein der Insel mit dem 
bunten Sandstein Werners für identisch zu halten, hat aber, meines Wissens, das 
Versprechen der näheren Deutung seiner Gründe nicht erfüllt. 

Lichtenstein und Kunowski folgern aus dem im Hangenden vorkommenden 
Muschelkalke, dass Helgoland der Green-S and- Formation der Engländer an- 
gehören möchte. Nachdem durch die umfassendsten Untersuchungen erwiesen 
ist, dass der Green-S and Englands eines der unteren Glieder der Kreidegruppe 
ist, kann jener Ansicht kein Werth mehr beigemessen werden, wenn es sich 
darthun lässt, dass der Muschelkalk wirklich das Hangende der bunten Mergel- 
flötze bildet. 

Forchhammer"*) rechnet, zufolge einer anderen Angabe von Hoffmann, den 
Helgolander Felsen zum Keuper und erwähnt jurassische Glieder zwischen ihm 
und der Kreide. Wo Hoffmann über diese Aenderung seiner Ansicht sich aus- 
gesprochen, ist mir unbekannt und ich vermag daher auch nicht zu entscheiden, 
in welchem Zeitverhältnisse seine Meinungen zu einander stehen. Wie dem 
indessen auch sei, soviel ist wohl als feststehend anzunehmen, dass wir in den 
Straten der rothen Klippe ein Glied der Trias vor uns haben, welches entweder 
der unteren Abtheilung, dem bunten Sandstein, oder ihrer oberen, dem Keuper 
angehört. 

Die oberen Schichten der Insel haben nach ihrem äusseren Ansehen in der 
That mehr Aehnlichkeit mit den bunten Keupermergeln, während die unteren, 



•) G. A. Bd. 70. S. 435. 
•") Danmarks geognostiske Forhold 1845. S. 44. 



— 112 — 

dunkleren, die völligste Uebereinstimmung mit Freieslebens Schieferletten des 
bunten Sandsteins zeigen. Der gänzliche Mangel an Versteinerungen ist in 
gleichem Grade bezeichnend für die Schieferletten eines grossen Theils von 
Thüringen und Unterfranken, welche im Thale des Mains, im Spessart und Oden- 
wald in ziemlicher Mächtigkeit die Scheide zwischen dem eigentlichen bunten 
Sandstein und dem Muschelkalk bilden und dort, mit Rücksicht auf die Farbe, 
den Namen Leberstein erhalten haben. 

Wie in den Helgolander Flötzen, ist auch dort der kohlensaure Kalk des 
Schieferlettens auf den Wänden irregulärer Blasenräume ausgeschieden, welche 
in mehreren parallelen Reihen über einander liegen. Das Kupfer, als erdiger, 
seltener als faseriger Malachit, fehlt auch dort nicht, und erscheint ausgezeichnet 
schön im Hundsrück und der Eifel, mit gediegenem Kupfer und Kupferlasur, 
wie zu Lieversbach, oder ersetzt durch andere Erze, wie Brauneisenstein und 
Sphärosiderit, zu Wadern bei Trier und Kupferath, Bleiglanz, Weissbleierz 
zu Commern und Call. 

Die, für die thüringischen und norddeutschen Schichten so bemerkenswerthe 
Zwischenlagerung von Rogensteinen vermisst man gleichfalls in dem Schiefer- 
letten des Spessarts und Odenwaldes, ja auch die fast stets vorkommenden 
Streifen von Fasergyps findet man, wie auf Helgoland, nur höchst sparsam, 
selbst da, wo mächtige, gypsfdhrende Straten des Muschelkalks jenen überlagern. 

Doch auch von den Keupermergeln kennt man ganz ähnliche Verhältnisse, 
so dass nur die Anwesenheit des Muschelkalks die waltenden Zweifel zu heben 
vermag. Wenngleich nach L. und K. r s Angabe die Flötze der Insel den Muschel- 
kalk unterteufen sollen , so habe ich doch vergeblich nach einem Punkte ge- 
sucht, wo ein solches Lagerungsverhältniss direct wahrnehmbar wäre. Dass 
in der Tiefe des Meeres die Ausgehenden desselben liegen, davon zeugt in der 
That das Vorkommen des Ceratites nodosus, Avicula socialis, Encrinites liliiformis. 
Dentalium loeve, theils isolirt, theils umschlossen von dem dichten, rauchgrauen 
Kalke, mit frischen Bruchflächen. Nur in der Gegend der Witen-Klif weiden 
diese Auswürflinge gefunden und hier schlägt auch das Lolh auf ein kalkiges 
Gestein, welches, nach dem Ansehen des Schlagpulvers, keine Aehnlichkeit mit 
den übrigen Kalken zeigt. Wahrscheinlich bildet daher der Muschelkalk die 



- 115 — 

Sohle der genannten Klippe. Aus dem Streichen und Fallen ihrer Schichten 
gegen jene der Insel lässt sich mit gutem Grunde der Schluss ziehen, dass die 
Schiefe rlelten des Felsens unter dem Muschelkalke einschiessen und demnach 
als das oberste Glied der Formation des bunten Standsteins zu betrachten sind. 

Die Mächtigkeit der Ausgehenden des Muschelkalks kann indessen nur eine 
geringe sein, da die Tiefe z. "W. der Witen-Klif nur 50 — 70 Fuss betragt und 
noch jüngere Formationen einen Theil dieser Dimensionen einnehmen. 

Wo indessen die untere Abtheilung des Muschelkalks, der sogenannte 
Wellenkalk, nur schwach entwickelt ist, findet man Schichten der braunen 
Schielerletten des bunten Sandsteins mit jenem wechsellagernd und oft in soleher 
Häufigkeit wiederkehrend, dass der Kalk fast ganz verdrängt und ein Uebergang 
in die bunten Mergel des Keupers herbeigeführt wird. Der Muschelkalk bildet 
dann nur noch einzelne untergeordnete Lager im Schieferletten, wie an mehreren 
Punkten in Unterfranken, namentlich aber an dem Ende der nordwestliehen Hügel- 
kette Deutschlands, wo der Muschelkalk überhaupt schon sehr verdrängt ist, nur 
inselweise eine grössere Mächtigkeit zeigt und endlich noeh mehr im Westen, 
namentlich aber in England, ganz verschwindet. Dechen gedenkt eines solchen 
untergeordneten Auftretens des Muschelkalks zu Ibbenbühren, in der Bauerschaft 
Oster Ledde, wo der bunte Sandstein, wie auf Helgoland, nur aus rothen Mergeln 
mit wenigen Lagen von Sandstein besteht, von einem 50 Fuss mächtigen Kalk- 
lager mit Encriniten und anderen charakteristischen Versteinerungen des Muschel- 
kalks bedeckt ist und nochmals mit dünnen Bänken Kalks wechselnd, oben in 
einen rothen Mergel endigt, der von dem Keuper nicht zu unterscheiden ist. Die 
Kalksteinlager verschwinden zuletzt ganz und gehen in ein, den grünlich - grauen 
Schichten des Keupermergels ganz ähnliches Gestein über. Also wohl möglich, 
dass die Muschelkalkpetrefacten Helgolands nur einem kleinen, untergeordneten 
Lager angehören, das, im Felsen ganz verschwindend, den bunten Sandstein und 
Keuper nicht mehr trennt; ja, in Hinsicht auf die grosse Mächtigkeit (1512 F.) 
der Schieferletten und Mergel dürfte sogar ein gewisser Grad von Wahrscheinlich- 
keit für ein gemeinsames Auftreten beider Formationen gegeben sein. 

Der Ammonites Strangwaysii, Ammonites planicosta, Ammonites radialis, 

15 



- 114 — 

Ammonites capricornu, Eugeniacrinites Hausmanni, Nucula myo'idea, beur- 
kunden das Vorhandenseyn des Lias und Untcr-Oolith; Terebratula varians, 
Ammonites Lamberti, Am. subradiatus, Cidaris glandiferus, Cidaris nobilis und 
variabilis — die Glieder des mittleren und oberen Oolith, und wahrscheinlich gehören 
die grauen, bei tiefer Ebbe über die Meeresfläche sich erhebenden KaLkbänke mit Stein- 
kernen yon Myophoria dieser Formation an. Ob der braune Thon im Skit-Gatt, 
welcher mit seinen an den Spitzen gefalteten Belemnitcn sich als ein Glied des Oolith 
eharakterisirt, jenen Kalk überlagert, ist noch ungewiss. Ebenso zweifelhaft ist es, 
ob die so wohl erhaltenen, verkiesten Gidaritenstacheln und Schalstücke diesem, oder 
einem tiefer liegenden Thongebilde eigen seien, da man wohl annehmen darf, dass, wenn 
sie durch länger dauernde Wellenwirkung aus festerem Gestein gewaschen worden 
wären, dieselben mehr von der Vollkommenheit ihrer Form eingebüsst haben müssten. 

Der graue Schieferthon, oder Töck der Hclgolander, bildet das Dach der 
oolithischen Schichten und gehört, nach den umfassendsten vergleichenden Unter- 
suchungen Roemers*) über die norddeutsche Kreideformation, zu dem untersten 
Gliede derselben, welches mit Beziehung auf dessen ausgezeichnete Entwickelung 
in der Hilsmulde unweit Alfeld mit dem Namen Hilsthon von ihm bezeichnet 
wird und identisch mit dem Speeton-clay Englands ist. Bei Bredenbeck 
liegt derselbe auf dem Wälderthon, der nach Hoffmanns, Roemers und Dunkers 
Untersuchungen die Oolithgruppe nach Oben begränzt und im INorden Deutsch- 
lands eine grosse Verbreitung und Mächtigkeit zeigt. Möglich also, dass der 
braune Thon im Skitt-Gatt dem Wälderthon angehört. 

Die weiss- und roth-gebänderten Thone, welche so kalkarm sind, dass sie 
nicht mehr mit Säuren brausen, bilden mit der darüber liegenden gelben Kreide 
nur wenig mächtige Bänke und gehören der unteren Kreide an; die Straten der 
Sellcbrunnen und Hohen-Brü besitzen dagegen alle Merkmale der oberen, 
weissen Kreide. Die Avicula gryphaeo'ides, welche Roemer im Grünsand (Flammen- 
mergel) bei Sarstedt u. s. w. beobachtete^ findet sich hier in der weissen Kreide. 

Unter dem Gerolle am Dünenstrande wird sehr häufig ein Sandstein von fei- 
nem Korn, beträchtlicher Härte, graulich - weisser und schmutzig rosenrother 
°) Die Versteinerungen des Norddeutschen Kreidegcbildes. Hannover 1811. 



— 115 — 

Farbe gefunden, der sich von den erreichbaren Sandsteinen der rothen Klippe 
wesentlich durch seine Härte und Mangel des kohlensauren Kalkes unterscheidet. 
Dass er dieser aber auch in den unternieerischen Riffen nicht eigen sei, dürfte durch 
sein seltenes "Vorkommen unter den Gerollen an der Felsküste -wahrscheinlich werden. 
Vielleicht nimmt derselbe dann, als Stellvertreter des Quaders, oder des Grün- 
sand e s, einen Platz zwischen dem Hilsthon und der oberen weissen Kreide ein. 

Ob der Thon im Adrians - Götel zum plastischen zu zählen sey, ob 
die Braunkohle mit Bernstein aus demselben stamme, ist bis jetzt noch ganz 
unbestimmt. Da derselbe zwischen zwei mächtigen Kreideriffen liegt, so könnte 
er in jenem Falle nur als ein, bei der Erhebung der Kreideflötze in der Rille 
zurückgebliebener Theil der Braunkohlenformation angesehen werden. Auf den 
übrigen friesischen Inseln, Sylt, Führ, IXordstrand, und der dithmarsischen 
Küste und unter den Diluvialmassen an den Ufern der Elbe ist die Existenz des 
plastischen Thons in einer sehr bedeutenden Mächtigkeit nachgewiesen und der 
Bernstein, welcher als ein zuverlässiges Zeichen vorhandener Braunkohle gilt, 
erscheint an der holsteinischen und jütischen Küste so häufig, dass dessen 
Sammeln eine Erwerbsquelle geworden.*) Sollte aber der Thon im Adrians- 
Götel nicht mit dem plastischen identisch seyn, so darf doch angenommen 
werden, dass derselbe in nicht zu grosser Entfernung unter dem Meere und 
zwar in solcher Tiefe liege, wo die Kraft des Wellenschlages noch gross genug 
ist, um ihn aufzuwühlen und die ausgespülten Kohlen und Bernsteinstücke nach 
dem Strande zu führen. Da man aber die Letzteren in der Regel nur auf der 
Düne findet, so dürfte dieser Umstand für das Vorkommen in ihrer Nähe sprechen. 
Dass die Schichten des plastischen Thons sich nicht auch hier mehr in ihrer 
normalen Lage befinden, wird aus den, unten ausführlicher zu erörternden Lagerungs- 
verhältnissen der Formationen, welche dem Eilande am nächsten auf dem Gontinente 
zu Tage treten, sich ergeben. 

Von besonderer Wichtigkeit ist es am Schlüsse dieses Abschnittes, die 
Helgolander Formationen mit den nächstgelegenen identischen oder aequivalenten 

*) Pr. B. Jahrg. II. Bd. II. S. 137. Jahrg. III. Bd. II. S. 13 und 225. Jahrg. IV. Bd. I. 
S. 140. Jahrg. IV. Bd. II. S. 479. Jahrg. IV. Bd. I. S. 287. Bd. II. S. 20. 

15* 



- Ii6 - 



Gebilden zusammen zu stellen, da eine solelie Vcrgleichnng ,,, vieler Hinsicht bedeutungsvolle Winke zu geh 
geeignet ist. >Vir wühlen zu dem Ende die Tabellenform, da sie die rascheste Uebersicht des Ganzen gestattet 



P\c §eUyi\<\nl)cv J&djidjtcit tmti iljrc nadjbrtrlidjnt ^nalujjfit. 



' 



/hinter 
Sandstein. 



Schiefcrletlen. 

(i ibenltt Glied des 

bunten Sandsteins) 

Lüneburg"). 

keuper. 



•)Fr.HoflinanoGllberts 

Ann.lm Bii 1C.S.33. 

Volmer A*ri, Lun.-I. 

dneript. g«05noai 

SB. 



Muschelkalk, 



Ccralitcs nodosus. 

Am. ii Li socialis. 

Knrrin. liliirorrais. 

'»entnimm iaeve. 

Lüneburg '. 

Pyrmont. 

Paderborn. 



Am. caprienrnu 
Bejemnitenschichien 

des Lins bei Knldcfeld. 
Markoldendurf etc. R. 

Engeniacrin. Hausmanni, 

Mini. Lias, Hainberg 

bei Giiltingcn. K. 

Am. planieosla. 

Am. radialis. 

Silbergrund bei Pulle. R 

Am. Strangwaysü. 

Posidonienscliicfer. 
bei Goslar. R. 

Nacula myoidca. 



O olith. 



Am. Lamberli, 

Umgegend v. Osnabrück 

Oxforlhon des Lindner 

Berges. R. 

Am. subradiatus. 

Tercbratula varians. 

Cidar. nobilis. 

Cidar. variabilis. 

Cidar. glandiferus. 



K r 



Tcrcbrat. nueiformis, 
Hilscnnglomcrat 
bei Essen. R. 

Thracia Philipsii, 
Hilsthon b. Bredenbeck 

Fistulana (Pholas) 
couslritta. 

Belem. pistillnm, 

Hilsthon bei Bredenbeck 

und Lallerde. 

Bei. subquadratus, 
Hilsthon des Elliser 
Brinkes, Bredenbeck. 

Am. planus. 

Am. venustus. 

Am. Rotula. 

Hamites semicinetus. 

H. decurrens. 

H. capricoiDU. 

H. raricostalus. 

H. subnodosus. 

H. Beanii. 

H. obliquecostatus. 

H. seminodosus. 

H. (Am.) Qssicostatas. 

H. gigas. Hildesheim, 

Bredenbeck. 
H. sexnodosus. 
Serpula Philipsii. 



Belemnites Listeri, 
Grünsand b.Langelshei 

Avicula gryphaeoidei 
Grünsand (Flammen 
mergel) bei Sarsteoi 

Inoceramus Cuvierl 
untere Kreide. Lünebn 

Scaphites indatus, 

oberer Kreidemergel 

bei Dülmen. 

Sc. ornatus. j 
unterer Kreidemergel 
bei Lemförde. 

Sc. proboseideus. \ 

Galerites albo-galerns,; 

obere Kreide auf Rüge«, 

und Dänemark, 

Galerites vulgaris. (| 

Micraster cor testudiro- 

rium, obere Kreide 

auf Rügen. 

Oberer Kreidemergel 

des Sudmerberges 

bei Goslar. 

Cidaris stemmacanthi, 

oberer Kreidemergel 

bei Gehrden. 

Pentacrinites carinatus, 
untere Kreide 
bei Hannover. 

Delphinula tricarinala, 

unterer Kreidemergel 

beim Lemförde. 

Belemnites mucronalus 
obere Kreide aufRügen 

Ammonites navicularis 

Ananchytcs ovata, 
untere Kreide 
bei Lüneburg. 

Hippurites cyathu 



— 117 - 

W endet man von diesen verwandten Punkten den Blick nach ferneren 
Gegenden, besonders im Westen, Osten und Norden, so steigert sich das In- 
teresse, welches die geognostischen Verhältnisse des kleinen Eilandes gewähren, 
in der That auf eine überraschende Weise. Der bunte Sandstein, welcher von 
Nordschottland durch England sich verfolgen lässt und in Deutschland eine so 
grosse Verbreitung und Mächtigkeit zeigt, erhebt sich hier noch einmal, um dann 
erst in Polen und im innern Russland zu Tage zu treten, denn weder in Däne- 
mark, noch auf der skandinavischen Halbinsel ist dieses Gebilde bis jetzt mit 
Sicherheit nachgewiesen worden. 

Der Muschelkalk, welchen England ganz entbehrt, der Dänemark und Skan- 
dinavien fehlt, zeigt hier die nördlichsten Spuren der, für unser Vaterland so 
charakteristischen Verknüpfung mit dem bunten Sandstein. Die Gruppe der 
oolithischen Gebilde, deren Verbreitungskreis in Norddeutschland durch die gründ- 
lichen Forschungen der letzten Jahrzehnte so bedeutend erweitert ward, verräth 
selbst in den wenigen Merkmalen ihres Daseins einige Eigenthümlichkeit, indem 
mehrere Petrefacten des Helgolander Ooliths in IVorddeutschland bisher nicht auf- 
gefunden, dagegen dieselben so häufige Einschlüsse der englischen Schichten sind. 
Besonders ausgezeichnet erscheint die vermittelnde Rolle, welche das winzige 
Eiland zwischen den Gliedern der Kreidegruppe Englands und Norddeutschlands 
spielt. Unter den 18, von Roemer beschriebenen Species des genus Hamites, 
stammen 11 aus dem Hilsthon Helgolands, welche sammtlich in dem analegen 
Speeton - clay Englands vorkommen, während nur eine dieser elf Species zugleich 
dem deutschen Hilsthon angehört In Dänemark und dem nordöstlichen Deutsch- 
land sind keine Spuren dieser merkwürdigen Ablagerung, welche einen Uebergang 
von der Jura zur Kreide bildet; allein jene Länder werden durch die mächtige 
Entwickelung der oberen Kreideglieder eng mit unserer Insel verknüpft und 
Forchhammer glaubt aus Handstücken der dortigen Kreide auch den Saltholm-Kalk 
Dänemarks wieder zu erkennen. Da mir der Saltholmer Schichtencomplcx nicht 
aus eigener Ansicht bekannt ist, so steht mir kein Urtheil über jene Meinung zu, 
welche überhaupt nur auf eine umfassendere Vergleichung der Stratenverhältnisse 
gegründet werden kann. Wenn er ferner in der Erhebung der Keuper- und Oolith- 



— 118 - 

Massen Helgolands eine Scheidelinie zwischen den Baltischen und Englischen Kreidc- 
syslcmen erblickt,*) so kann dieser Ansicht nicht unbedingt beigepflichtet werden, 
da aus den Lagcrungsverhältnisscn des Hilsthons auf den Klippen der Düne folgt, 
dass derselbe in der Tiefe noch weiter nach Ost fortsetze und die Kreide Däne- 
marks noch theilweise unterteufc. 

Bunter Sandstein, Muschelkalk, Oolith und Kreide, vier bedeutende Formationen 
bilden demnach in der Erhebung Helgolands einen sehr interessanten Knoten — 
und wie der Schiffer in dem hochragenden Fels einen treuen Leiter zwischen 
gefahrvollen Küsten findet, so begrüsst ihn der überraschte Gebirgsforscher als 
eine geognostische Warte, die ihm weithin Blicke zu senden gestattet in den 
räthsclhaften Bau der nachbarlichen Länder. 



*) Danmarks geognostische Forhold. S. 44. 



Die Insel Helgoland 

nach ihrer Grösse in Vorzeit und Gegenwart, 

Vom Standpunkte der Geschichte und Geologie. 



Dritte Abtheilung« 

Geologisches. Messungen. Schlussfolgerungen. 



Dritte Abtheilung. 

Geologisches. Messungen. Schlussfolgerungen. 

Trenn uns bei der ausführlichen Untersuchung des gegenwärtigen Zustande* 
von Helgoland die Absicht leitete, durch sie einen sichern Pfad zum vorgesteckten 
Ziel anzubahnen; wenn wir deshalb uns nicht begnügten, den Felskörper nur so 
aufzufassen, wie er sich dem Auge darbietet, sondern im Dunkel der Tiefe seine 
Gestaltung und Gliederung mit dem Senkblei zu erforschen und zu ergründen 
suchten, wie er in der Erdfeste wurzele; so reichen doch sie allein nicht hin, uns 
mit Erfolg demselben zuzuführen. An der Hand der Erscheinungen bedächtig 
schreitend müssen wir den Weg in die Jugendzeit des Eilandes suchen, die Kräfte 
erforschen, welche in vereinter Thätigkeit, seit Jahrtausenden an seiner Zertrümme- 
rung arbeiten und durch deren Beziehung zu erweislichen Veränderungen ein 
annäherndes Maass ihres Wirkens ermitteln. So nur gelangen wir zu einer wohl 
begründeten Vergleichung der Gegenwart mit der Vergangenheit und durch sie zur 
endlichen Entscheidung der Frage: ob die vom Boden der Geschichte verdrängte 
Sage in der Natur eine Zufluchtsstätte finde. 

In dem Bewusstsein, dass das Maass des Vertrauens in die gegebene Darstellung 
der geognostischen Verhältnisse in dem Grade zunehme und einen dauerndem Werth 
in der Wissenschaft ihnen verbürgt werde, als in der Schilderung ein vollkommenes 
Spiegelbild der Wirklichkeit erscheint, haben wir uns eifrigst bemüht, die Beob- 
achtungen von dem Einflüsse vorgefasster Ansicht zu isoliren und damit zugleich 
der ersten Pflicht des Naturforschers nach Kräften zu genügen. Ungleich schwie- 
riger wird deren Erfüllung auf dem theilweise so schwankenden Boden der Geologie. 

16 



- 122 — 

Bei dem besten Willen, nur die Erscheinungen reden zu lassen, ist eine völlige Ent- 
fesselung von herrschenden Theorien unmöglich und wir müssen daher dem Vorwurfe 
entgegen sehen, dass bei mancher Deutung der Phänomene die Natur in die Bande 
unhaltbarer Lehren geschmiedet worden. Um aber weniger der Gefahr zu unter- 
liegen, bei Begründung unserer Sehlüsse die Gränzmarhen feststehender Thatsachen 
zu überschreiten, schien es zweckmässig, das Erfahrungsgemäs6e von dem theoretisch 
Erschlossenen zu sondern und jenes als Geognostisehes, dieses als Geologisches in 
eigene Rahmen zu fassen. 

Erster Abschnitt. 

Die Entstehung Helgolands durch Schichtenerhebung und deren 

relatives Alter. 

Wenn schon nach den allgemeinen Höhenverhältnissen der Insel und ihrer 
Klippen zum Meeresboden dieselbe als eine Erhebung bezeichnet wurde; so sind 
hier nun die sehr wichtigen Beweise, welche aus der geognostischen Constitution 
des Eilandes für jene Ansicht entspringen, zu liefern. 

Die Schichten der Kreide, welche in Gestalt einer gedehnten Ellipse, deren 
grössere Axe von S. S, O. n N. N. W. streicht, den Felsen umgürten und mit ent- 
gegengesetztem Fallen unter den Jüngern Gebilden einschiessen, während sie selbst 
im Hangenden des bunten Sandsteins der Insel liegen, lassen diesen aufs Bestimm- 
teste als einen Durchbruch durch die Kreide und die übrigen älteren Flötze erkennen, 
welche zwischen ihr und den rothen Schieferlctten lagern. Die Streichungslinie 
dieser letzteren von S. S. O. nach IV. IV. W.*) zeigt die Richtung der hebenden 



*) Volger (Beiträge zur geognostischen Kenntniss des norddeutschen Tieflandes. Braunschweig 1846 
S. 23) meint zwar: die wahren Streichungslinien und nicht minder das Fallen seien sehr schwer 
zu bestimmen, da keine der Seiten der Insel der Streichungslinie entspreche. — Ich wüsste in 
der That nicht, wo jene Bestimmungen sicherer und leichter unternommen werden könnten, 
als an den von der horizontalen Meeresfläche durchschnittenen Schichten, wie sie in den Riffen 
g. "W. S. W. in einer Erstreckung von mehr als 5000 Fuss vorliegen. Da die s elben die Reste 
der früheren Küste sind, so giebt ihre Richtung und Neigung das Streichen und Fallen der in 
ihrem Hangenden liegenden Schichten des Felsens an und man hat nicht nöthig an der, durch 
ungleiche Zerstörung von der Schichtenrichtung mehr oder weniger abweichenden, jetzigen Küsten- 



— 123 — 

Kraft, welche sich in so merkwürdigem Grade hier concentrit hat. Ihre störenden 
Wirkungen äusserten sich am meisten in den Schichten der Insel, doch mehr an 
der Seite gen W. S. W., wo sie mit 20° — 21 # , als an der gen O. IV. O., wo 
sie nur mit 17° fallen, und die, bis auf 10° herabsinkende, Neigung in den Riffen 
der Sellabrunnen und hohen Brn bezeugt unverkennbar eine nach O. hin 
abnehmende Intensität der Eruptivkraft. 

Es entsteht indessen die sehr wichtige Frage: ob die Wirkung sich auf einen 
Punkt vereint, oder in mehreren parallelen Richtungen stattgefunden, wichtig, weil 
unmittelbar daran sich die fernere Frage knüpft r ob die erhobenen Flötze eine 
wirkliche Schichtenfolge darstellen, oder theilweise in den parallelen Erhebungen 
wiederkehren. 

Zunächst drängt sich dem Untersuchenden bei der Erwägung die ausserordent- 
liche Mächtigkeit der Kreide auf, welche bei Annahme einer zusammengehörenden 
Schichtenfolge nach dem Sinus ihres Fallwinkels berechnet, mehr als 1000 Fuss 
betragen würde (S. 109.), eine Mächtigkeit, welche allerdings noch etwas unter der 
mittleren dieser Formation in England zurückbleibt und nur £ der in den Alpen 
vorkommenden beträgt, aber doch an den Küsten der Nord und Ostsee, so weit 
mir bekannt, nicht auftritt. Seitliche Verschiebungen sucht man vergebens, um so 
mehr aber erwecken die tiefen und breiten Rillen des Adrian s-Götel's und Skit- 



linie sich mühsam Anhaltepunkte zu suchen. Das wah re Streichen und Fallen ist oben S. 94. 95. 
angegeben und durch drei Messungsreihen auf den genannten Riffen ermittelt. Es wird sich 
im Verfolge Gelegenheit bieten, die von Herrn Dr. Volger a. a. O. und in den Götting. gelehrt- 
Anzeigen 1847. S. 146 mir zu Theil gewordenen Berichtigungen zu prüfen und hier möge daher 
nur eine Angabe in letzterer Zeitschrift ihre Widerlegung zu finden. Es heisst daselbst S. 1457= 
„Eine dritte Abtheilung, zu welcher eine Karte bereits erschienen ist, wird demnächst erscheinen." 
Die erwähnte Karte ist bis jetzt nirgends erschienen, sondern nur ein Exemplar derselben 
im Frühjahr 1846 Herrn Dr. Volger vertraulich und gegen die ausdrückliche Bedingung von mir 
übergeben worden, davon nichts zu publiciren. Demungeachtet hat mir derselbe das Verdienst 
dieser Veröffentlichung abzunehmen gesucht, indem er seiner Schrift: Beiträge etc., eine verklei- 
nerte Copie meiner Karte, ohne auf derselben die Quelle anzugeben, beifügte. Nur veränderte 
Bezeichnung der Farbenfelder und eine beispiellos schlechte Ausführung bilden deren Eigen- 
tümlichkeit. In der geologischen Section der Naturforscherversammlung in Kiel hatte ich bereits 
unter Vorlegung meiner Karte mein Vorrecht gesichert (S. Amtlicher Bericht S. 261) und bin 
durch obige Angabe in den Götting. gelehrt. Anzeigen genöthigt, jeneVerwahrung hier zu wieder- 
holen. Sit vox populi judex ! 

16* 



— 124 - 

Gatt's Zweifel gegen jene Annahmen. Und in der That, wenn man die auf der 
schmälsten Stelle über 2000 Fuss breite Spalte zwischen Insel und Düne betrachtet, 
wie sie jetzt den i\ord- und Süd-Hafen bildet, wenn man erwägt, dass der Stein" 
wall, welcher früher die beiden letzteren trennte, nur aus Gerolle bestand, und an 
dessen Stelle auch jetzt noch das Loth keine Klippen findet, dann möchte man dem 
Gedanken Raum geben, dass die Kluft nach der Tiefe fortsetzend, die Schichten 
des Felsens von jenen der Witen-Klif und den Brunnen vor de Halem trenne 
und in Verbindung mit den Querspalten zwischen Sathürn-Brunncn und Stein 
und jener im Nalhürn-Brunnen, den Durebbruch des bunten Sandsteins möglich 
machten. 

Auf gleiche Weise scheint die höhere Erhebung der Witen-Klif, Ol de-Höfen 
und Aade- Brunnen mit der Bildung des Skit-Gats und den Querrillen in 
Verbindung zu stehen, deren eine die Seile-Brunnen und Hohe-Brü von den 
Krid-Brunnen, Kälbertanz und den Brunnen beft de Halem trennt, die andere 
zwischen dem Stein und Danskermanns-Horn, jener parallel von S. W. nach 
IV. O., den Zusammenbang der Sehichten unterbricht. Bestimmter würde sich eine 
solche Voraussetzung aussprechen lassen, wenn spätere Untersuchungen und Ver- 
gleichungen zeigen sollten, dass die Schichten, welche die Wände der Klüfte 
bilden, verworfen, und jene des Krid-Brunnen die älteren seien. Jedenfalls 
dürfte im Erscheinen der Kreide am Drück und Nordhafen Knoll der Beweis 
gefunden werden, dass hier eine tiefe Kluft, vielleicht die Fortsetzung jener im 
INordhorn-Brunnen, die älteren Flötze von den jüngeren abgeschnitten habe und bei 
dem Durchbruch sie in der Tiefe zurückbleiben Hess.*) 



*) Jch verhehle mir nicht, dass auch hier von künftigen Beobachtern Manches berichtigt werden 
wird, wie dies bereits früher ausgesprochen wurde (Oben St. 58.) und bedaure daher um so 
mehr, diejenigen Berichtigungen, welche Herr Dr. Volgcr neben seiner Anerkennung mir hat 
zu Thcil werden lassen, zurückweisen zu müssen. 

V. behauptet eine Profilconstruction durch die rothe Klippe und den Nordhafen zurWiten-Kli f 
ergäbe eine Fortsetzung der an der Road Borg abgeschnittenen Schichten im Meeresgründe 
und deren Einschiessen unter dem Kalk der Witen-Klif, welcher diesen Lagerungsverhiiltnissen 
nach, nicht Oolith, sondern Muschelkalk sei. Eine Trennung der Schichten des Felsens im 
bunten Sandstein und Keuper sei gänzlich willkührlich, nur aus Ersteren bestehe die Insel und 
Letzterem sei einzig eine mit Muschelkalk wechsellagernde Schicht bunter Mergel von geringer 






- 123 — 

Es zeigen diese grossen ^)uerklüfte in ihren Richtungen eine völlige Ueberein- 
stimmung mit den zahllosen Spalten, welche die Plötze des Felsens mehr oder 
weniger senkrecht auf ihre Streichungslinie durchsetzen und auch hier die noch 
früheren, zum Theil sehr bedeutenden Verwerfungen veranlassten. Namentlich aber 



Mächtigkeit zuzuzählen. (Beiträge S. 26. 35. ff, Gott. Anz. 1847. 1465. ff.) Sehen wir, wie es 
sich mit der Begründung dieser Behauptungen verhält. 

1) Die an derRoad-Borg abgeschnittenen Schichten setzen mit gleichem Fallen nach 0. N. 0. 
bis zur Kante fort, schiessen aber da nicht unter den jüngeren Gebilden ein, sondern stürzen 
jählings nach der Tiefe. Der ehemalige Steinwall, welcher in der Richtung des Schichtenfalles 
bis zum Jahr 1721 die Insel mit der Düne verband, bestand nur aus Gerolle (Knobloch S. 6.) 
und auch jetzt findet das Loth an seiner Stelle jenseits der Kante keine Spur der fortsetzenden 
Schichten der Insel. Ebenso trifft man im Süd- und Nordhafen selbst bei einer Tiefe von 
72 Fuss nirgends die Köpfe der Schichten, durch deren Anspülung die breite und tiefe Aus- 
höhlung zwischen Insel und den Klippen entstanden sein soll. Wodurch, fragt man mit Recht, 
sind gerade hier bis auf so grosse Tiefe die Schichten der behaupteten ununterbrochenen 
Lagerfolge spurlos weggeschwemmt, während die anderen Klippen seit Jahrtausenden im Kampfe 
mit ungleich kräftiger wirkenden Wellen sich erhielten? Spricht diese Thatsache nicht viel mehr 
dafür, dass der Schichtenverbar.d durch eine niedersetzende Kluft unterbrochen und demnach 
jene Profilconstruction unrichtig sei ? 

2) Volger berechnet nach seinem Profile für den bunten Sandstein allein eine Mächtigkeit von 
mehr als 2000 Fuss, was aber noch nicht einmal absolut richtig ist, da kein Beweis vorliegt, 
dass der tiefste Punkt der Kante g. S. W., auf welchem das Loth noch immer den braunen 
Schieferletten anzeigt, wirklich die untere Gränze der Formation sei, sondern selbst mit mehr 
Wahrscheinlichkeit angenommen werden könnte, dass die hypothetische Zechsteingruppe in noch 
grösserer Tiefe liege. Bestimmt man die Mächtigkeit aber auch nur nach den erforschten 
Gränzen der Schichten, von der Kante in 0. N. 0. bis zu deren tiefstem Punkte in W. S. W.; 
so beträgt die Normale vom Hangenden zum Liegenden 1600 Fuss. Da nun das Extrem der 
Mächtigkeit des bunten Sandsteins in Norddeutschland nur 1100, im Mittel nur 770 Fuss, jene 
des Keupers im Nordwestlichen Deutschland nur 980 Fuss ist und nördlich bedeutend abnimmt, 
(S. Alberti Monographie d. bunt. Sandsteins etc. S. 212. 290) in England im Mittel nur 400 
Fuss beträgt, auf Helgoland das untere Extrem nicht einmal gekannt ist; so fand ich schon in 
dieser enormen Abweichung von benachbarten Verhältnissen einen Anhaltspunkt für die Scheidung 
der Insel - Schichten ia bunten Sandstein und Keuper. Die dunkelen Farben der unteren 
Schichten, deren dünne Schieferung, das Fehlen der grünlich grauen Bänke, endlich die Lager 
des weissen zerreiblichen Sandsteins (Katersandes) boten dieser Ansicht eine weitere Unterstützung, 
indem der Letztere von ganz gleicher Beschaffenheit an mehreren Stellen des südlichen Deutsch- 
lands in wechselnden Lagern der unteren Keupermergel und oberen Schieferletten bekannt ist. 
(S. Alberti Monogr. S. 140.) 

An manchen Orten, wo eine sichere Trennung dieser Triasglieder möglich ist, zeigt ihr 
petrographischer Charakter gar keinen Unterschied, (Alberti 225) so dass V's. Einrede, die grosse 
Aehnlichkeit der Helgolander Schichten gestatte kerne Scheidung, durch festgestellte Thatsachen 
widerlegt wird. 

Den Maassen der ganzen Schichtenreihe der Insel, welche V. gegeben, (Beitr. S. 32) kann 
ich auf den Grund meiner Beobachtungen durchaus keinen Werth zugestehen. Sie umfassen 



126 - 



wird dem Beobachter nicht entgehen, dass die Einsattelung von Flaggenberg 
nach den starken Verwerfungen in den entsprechenden Punkten des S. W. 
und N. O. Abhanges des Felsens, als die Folge eines mächtigen Schichtenbruches 
erscheint, der in gleicher Richtung, wie die grosse Querkluft der Sellebrunnen 



weder die östlichen, noch die westlichen untermecrischen Schichten und obgleich die Mächtigkeit 
der wechselnden grünen und rothen Bänke oft in Bruchtheilen eines Zolles angegeben ist; so 
wird jeder, mit den dortigen Verhältnissen Vertraute mir ein räumen, dass das oft plötzliche 
Abschneiden der grünen Bänke, ihre Zusammenschnürungen und ihr Auskeilen in den rothen 
Schichten, die äusserst zahlreichen Verwerfungen, die Unmöglichkeit, die hochliegenden und 
verschütteten Schichten, z. B. an der R o a d B o r g, m W a r s t und an der West-und Nordostküste 
mit dem Maasse zu erreichen, zu einer Interpolation führt, welche mit der anscheinenden 
Genauigkeit unvereinbar ist, ja die Gränze des Erlaubten überschreitet. 

3) Wenn nach V's. Meinung der Muschelkalk mit demKeuper an der Witen-Klif wechsel- 
lagert und eine ähnliche Erscheinung sich an anderen Orten wiederholt; so entspringt daraus 
noch keine Nothwendigkeit, die Schichten der rothen Klippe in eine Formation zu vereinigen. 
Ich habe oben (S. 113) Beispiele angeführt, wo der Muschelkalk nur in einzelnen kleinen 
Parthien erscheint und seitdem in Franken mehrere Mulden desselben kennen gelernt, welche 
in meilenweiter Isolirung von grösseren Massen, bei einer Mächtigkeit von 6 — 10 Fuss nur 
100 — 150 Fuss in ihrer grössten Ausdehnung besitzen und charakteristische Versteinerungen führen. 

Das Auftreten des Muschelkalks im Helgolander Schichtencomplex habe ich aus den, vom 
Meere ausgeworfenen Versteinerungen gefolgert. Da ich aber im Kalke der Witen-Klif 
vergeblich nach organischen Resten suchte, welche dessen Stellung zum Muschelkalk unzweifelhaft 
gemacht hätten, so hielt ich mich schon aus diesem Grunde angesichts wahrer Wissenschaft 
nicht berechtigt, ihn jener Formation zuzuzählen. 

Doch andere Thatsachen Hessen diesem Gedanken noch weniger Raum geben. Das Vorkommen 
entschiedener Liaspetrefacten war schon von anderen Geognosten beobachtet worden und ich 
hatte gleichfalls mehrere ausgezeichnete aufgefunden (S. v. 110.) Nachdem ich mich überzeugt 
hatte, dass in 0. zwischen der Witen-Klif und Olde Höfen kein Lias liege, konnten seine 
Ausgehenden nur in W. gesucht und dann der Kalk der Witen-Klif nicht Muschelkalk 
sondern nur Oolith sein. Wahrscheinlichkeit gewann die letztere Annahme nicht weniger durch 
die Petrefacten und Lothgründe, als durch die Aussagen ortskundiger Fischer, dass unter der 
Witen-Klif, das Riff des dunklen, schiefrigen Gesteins liege, welches ich ihnen gezeigt hatte 
und von ihnen vom Töck wohl unterschieden wurde. Uebrigens bemerkt auch schon Bötticher 
(a. a. O. I. 268) „Unter der Witen-Klif ist der Grund braun und weiss." 

Wohl fühlend, dass hier " noch Vieles räthselhaft, habe ich meine Ansicht nicht „mit der 
grössten Sicherheit," als „ausser allem Zweifel," sondern nur bedingt ausgesprochen, späteren 
Beobachtungen deren Bestätigung oder Berichtigung anheimgebend. Herr Dr. Volger insinuirt 
mir, um den Widerspruch seiner Schlüsse mit jenen Liaspetrefecten zu lösen, dass dieselben 
Fremdlinge seien und von dem Ballast gescheiterter Schiffe herrührten. Er vergisst aber hierbei 
nicht nur meine Worte, (S. 109) sondern es ist selbst seinem Gedächtniss entschwunden, dass 
ich ihm nach seiner Rückkehr von Helgoland im Frühjahr 18i6 erklärte: das Stück Thonschiefer 
mit Schwefelkiesheiaedern, welches er mir als Beweis des Vorkommens älterer Schichten 
vorgezeigt hatte, sei englischer Abkunft und stamme aus der Ladung eines, an den Klippen 
verunglückten Schiffes. Wohl Zeugniss genug, dass ich bei meinen Beobachtungen solchen 






- 127 - 

und Hohen-Brü verläuft.*) Auffallend ist, dass gen S. W. der bunte Sandstein 
von der Kreide nicht durch eine tiefe Kluft längs der Kante geschieden und 
letztere ebenfalls höher gehoben wurde; denn sowohl die ausgeworfenen Bruch- 
stücke und die vielen kleinen Feuersteine im Singelgatt der Madeck und 



Zufälligkeiten Rechnung getragen und daraus entspringenden Täuschungen zu entgehen gesucht 
habe. Prüfen -wir aber V's. Behauptung hinsichtlich des Kalkes der Witen-Klif noch etwas 
näher. Er fand in den Auswürflingen am Dünenstrande ein paar Wirbel, Fischzähne und 
Schuppen; will ferner im unteren Flötz unzweifelhaft Avicula socialis, Myoph. vulg. Bucc 
gregarium etc. erkannthaben, welche auch „bei noch so grosseründeutlichkeit durch ihrZusammen- 
treffen" sogleich die geognost'sche Stellung des „so leicht zu erkennenden" Kalkes entschieden 
(S. Beitr. 37. Gott. A. 1817. S..1465— 66.) 

Wenn Herr Dr. Volger dem unteren Flötze die letzten Petrefacten entnommen haben will, so 
muss ich mir die Frage erlauben, wie und wo er die Gränze des Flö'tzes aufgefunden, um 
überhaupt von „unteren" Schichten reden zu können, und wie er zu denselben gelangt sei, 
da ich bei einigen sehr tiefen Ebben zur Springzeit nur die obersten Schichten der Klippe kaum 
2 Fuss hoch für die Zeit einer Stunde aus dem Wasser treten sah. 

Die besten Exemplare Avicul. Myophor. und Bucc, welche ich unter hunderten zerschlagener 
Auswürflinge gefunden, hatte ich einer unserer ersten petrefactologischen Autoritäten mitgetheilt, 
da mir deren sichere Deutung nicht möglich schien, erhielt sie aber mit dem Bemerken zurück, 
dass ihre Species nicht bestimmbar seien. Ich kann mich demnach trösten, dass eine namhafte 
Autorität die Formen nicht gewiss zu bestimmen wagte, welche Volgers Scharfblick „auch bei noch 
so grosser Undeutlichkeit" nicht entgehen. Nach einigen Fischzähnen und Schuppen, deren richtige Be- 
stimmung erst noch zu erweisen, eineFormation deuten zu wollen, wird meiner Ueherzeugung nach von 
bedächtigen Geognosten nimmer gebilligt werden. Ob man aber Ursache habe, V's. Bestimmungen 
unbedingtesVertrauen zu schenken, mag ferner daraus entnommen werden, dass derselbe eine angeb- 
liche Erhebung festen Gesteins in Hülshorst bei Schwarzenbeck, in welchem aber Kabell später 
einen isolirten Knollen Kalkmergel erkannte, nach den Petrefacten für Kreide ansprach, während 
Dunker, Philippi und Forchhammer dieselben wegen ihrer Undeutlichkeit nicht zu bestimmen 
wagten, sie aber für tertiär hielten. (S. Beitr. S. 81 und Specialbericht etc. S. 57.) 

Hinsichtlich des Helgolander Muschelkalkes beruft sich V. auf das Zeugniss von Lichtenstein 
undKunowski und an deren Beobachtern (Gott. A. 1847S. 1469), welche seine Ansichten bestätigten. 
Den Werth der Jlitth eilungen von L und K habe ich oben abgewogen und deren Unrichtigkeit dargethan; 
ob aber den angeblichen Bestätigungen der anderen Beobachter ein grösseres Gewicht zuzugestehen 
sei, vermag ich nicht zu entscheiden, da mir deren Untersuchungen zur Zeit noch unbekannt 
sind. Jedenfalls werde ich jeden Aufschluss dieser noch dunkelen Verhältnisse, jede Berichtigung 
metner, nicht irrthumsfreien Ansichten freudig begrüssen, muss aber im Interesse der Wissen- 
schaft dringend wünschen, dass man seine Beweise auf sicherern Grund baue, als Volger. Wer 
so wenig Elemente bedarf, wie er, um über so schwierige geognostische Probleme, als Segeberger 
Gyps, Thon (Keuper!) bei Elmshorn etc. „mit der grössten Sicherheit" abzuurtheilen 
S. Beiträge S. 77. 83.) der möge sich des Gedankens entschlagen, dass seine Ansichten auf der • 
Kapelle der Kritik je probehaltig befunden werden könnten. 

*) Nach Volger (Beiträge S. 23.) wäre der Flaggenberg „ohne Zweifel" bei der Schicbtenverwerrang 
im Flaggenberger-Slapp entstanden. Das hätte, bei der sonst so regelmässigen Gestaltung der 



— 128 — 

Adeks-Gatt, als die Angaben des Lothcs zeugen dafür, dass nur die Schichten 
der feuersteinführenden weissen Kreide in der Tiefe anstehen. Sollte die Er- 
hebungsspalte zwischen Kante und Binnen - Roig vielleicht weiter gewesen, 
durch das Zurücksinken der gehobenen Schichten wieder erfüllt worden, und sollte 
darin der Grund zu suchen sein, dass die Kreideformation hier nicht bis zu denselben 
Gliedern, wie im Osten, aufgeschlossen ist? Doch es muss unterbleibeu, diese und 
andere Fragen weiter zu erörtern, da die Unvollkommenheit der Beobachtungen zu 
wenige Anhaltpunkte der Hypothese darbietet. 

Ergänzen wir uns die Erhebung, wie sie noch vor 300 Jahren zu sehen war, 
wo die Wite-Klif fast bis zur Höhe der Insel anstieg, so bietet sie das Bild 
zweier hohen Wogen, die von O. IN. O. nach W. S. W. sich thürmen, mit einem 
breiten Wellenthal in ihrer Mitte. Noch auffallender aber gestaltet sich dieses Bild 
bei der Vergleichung mit dem Meeresboden der Nordsee und der Oberfläche der 
umherliegenden Küstenländer. 

Zur Veranschaulich ung des ersteren habe ich nach Anleitung der besten eng- 
lischen, holländischen und dänischen Seekarten zwei Profile (Fig. 1 u. 2. Taf. 1) 
entworfen und zwar das Erstere in einer geraden Linie von der Mündung der Elbe 
nach N. W. über Helgoland bis S4° 32 N B und 7,15 O. Greenw. c a . 7 deutsche 
Meilen von Helgoland und von da in nördlicher Richtung bis Cap Lindersnäs; 
Letzteres von der Mündung des Humber in einer geraden Linie O. z. IV. über die 
Wel-Bank und Helgoland zur Eidermündung. Sie zeigen, wie das Eiland plötzlich 
von allen Seiten aus dem Meeresgrunde bis zu nahe 300 Fuss Höhe ansteigt, gegen 



Oberfläche, doch nur durch örtliche stärkere Aufrichtung der Schichten oder durch Hervordrängung 
eines Felsprismas geschehen können. Dass das Erstere nicht der Fall ist, zeigt die Neigung der 
Schichten im. Flaggenberger-Slapp und ihrer Ausgehenden unter dem Rasen am Fusse des 
Hügels; von derNichtexistenz des Letzteren überzeugt man sich durch einen Spaten, indem man 
beim Nachgraben nirgends ein festes Gestein, sondern nur mit Kunstproducten vermengtes 
Gerolle trifft. Der Flaggenberg ist demnach keine plutonische Erhebung, sondern ein 
aufgeschütteter Erdhaufen, wie alle die anderen theils noch vorhandenen, theils wieder 
verschwundenen sogenannten Berge, als Schippberg, Bakeberg, Bredtberg, Pulverberg. Seine 
erste Entstehung mag er dem Umstände verdanken, dass man der Einsattlung etwas nachhalf, 
um durch diese Rinne das Wasser nach den Sapskuhlen zu leiten und die ausgegrabene Erde 
hier aufschüttete. 



— 129 — 

die Mündung der Eider und Elbe, der Boden sich allmählig der Meeresfläche nähert 
und ihn endlich unter einem sehr schiefen Winkel schneidet, -während er nach "W 
bis zur Well Bank in sehr gleichförmiger Tiefe fortsetzt, nach N. in sehr sanften 
Wellenlinien sich hebt und wieder senkt, bis er endlich vom jütischen Riff oder 
Rimmen in die Schlucht des Skager Rag abstürzt. In O. der Insel gegen die 
Eider trifft das Loth eine kesseiförmige Vertiefung und fällt rasch auf 14,19,29 
Faden Tiefe. Eine gleiche liegt nach N. W. auf der oben bezeichneten Linie, in 
der man erst in 27—28 Faden Grund findet. 

So stellt sich die Insel als eine ganz isolirte Erhebung dar, die durch keine 
Riffe und Untiefen mit entfernleren Erhebungen in sichtbare Verbindung tritt, einem 
Wasserberge vergleichbar, der durch eine heftige stehende Schwingung hoch über 
die Meeresfläche gethürmt wird und neben sich ein tiefes Wellenthal bildet. Was 
v. d. Decken, Wienbarg u. A. von einem Fortstreichen der Inselriffe bis zum jüti- 
schen Riff erzählen, wird demnach von der Natur selbst in das Gebiet der Fabel 
verwiesen, da nicht nur nach den Aussagen glaubwürdiger Lootsen und Fischer 
sondern namentlich nach den in neuster Zeit erschienenen Karten der hamburgischen 
Schiffahrt — und Hafendeputation und der dänischen Admiralität,*) welche diese Ge- 
wässer auPs Sorgfältigste untersuchen Hessen, weder nach dem jütischen Riff, noch 
nach anderen Richtungen Klippen sich finden. Nur die Karte von Norie (S. oben 
die Literatur) zeigt 7 deutsche Meilen N. W. von Helgoland unter 54° 52 N. B. 
und 7° IS O Greenw in 16 Faden Tiefe einen Lotbgrund aus „red Stones" be- 
stehend. Liegen dieselben auch ungefähr in der Streichungslinie des bunten Sand- 
steins der Insel, so kann doch durch jene Angabe der Norieschen Karte, die ich 
vergeblich durch weitere Nachforschungen zu bestätigen versuchte, auch nur die 
Vermuthung gerechtfertigt werden, dass dort der Keuper oder bunte Sandstein 
nochmals die Jüngern Gebilde durchbrochen habe, da auch die Erhebung des 
Meeresbodens an jener Stelle nur unbedeutend ist. 

Bei einer solchen Isolirung wird allerdings die Beantwortung der Frage sehr 



*) 1. Karte der Eibmündungen, herausgegeben von der Schifffahrt — und Hafendeputation, Hamburg 
1846. 2. Helgolander Buchten, Kopenhagen 1841. 3. Binnen Helgoland, Kopenhagen 1846. 

17 






— 130 - 

schwierig, welchem grösseren Hebungssystcme sich die Insel anschlicssc, oder ob 
sie in Folge sich durchkreuzender Oscillationen und Bildung einer gewaltigen 
stehenden Schwingung vereinzelt aufgetrieben worden sei.*) Noch hat indessen die 
Wcllcnlehrc bei unseren Hebungstheorien zu wenig Beachtung gefunden, noch 
liegen zu wenige Beobachtungen vor, als dass eine solche Erklärung hier versucht 
•werden dürfte. 



Yolger (Beiträge S. 3) erblickt in Helgoland einen Erhebungspunkt des Schlcsisch-Niedersäch- 
sischen Gebirgsrückens, der von da bis zum Jütischen Riff fortsetze. Sehen wir, worauf sieh 
seine Gründe stützen. Seite 44 heist es: „Die Hebung ist auf einer scharfen Linie einseitig 
geschehen in der Richtung der 9. Stunde, das ist die Richtung des Schlesisch-Niedersächsischen 
Gebirgszuges." Die scharfe Linie, welche die Richtung der hebenden Kraft bezeichnet, ist 
einzig sicher ausgesprochen in der Streichungslinie der ältesten Glieder, des bunten Sandsteins 
und Keupers, da die jüngeren durchbrochenen in langen elliptischen Bogen die in der grossen 
Axe liegende Haupteruption umlagern. Die Streichungslinie dieser Massen ist aber (s. o. S. 94.) 
h» 11 von S. S. 0. n. N. N. W. und nicht die neunte Stunde, sondern um zwei 
Stunden oder 30° verschieden von der Richtung des Schlesisch-Niedersächsischen Gebirgs- 
zuges. Auf Sylt herrscht in den erhobenen Tertiär-Schichten dasselbe Streichen und doch soll 
diese Insel zu einem System mit der Bank von Amrum gehören, welche von der Küste in 
westlicher Richtung streicht, nämlich zum Brandenburgisch -Meklenburgischen Gebirgsrücken, ja 
es soll derselbe von der Amrum-Bank aus eine, noch „weit gegen Schottland fortschrei- 
tende Untiefe bilden." Die geringsten Tiefen über jener Bank sind 4, 5, 5, 6 Faden, schon in 
3 Meilen von der Küste senkt sich der Boden auf 10, 13, 14 Faden und fällt auf einer Linie 
bis zur Schottischen-Küste bei Edinburg allmählich bis 17, 21, 24, 26, 28; steigt in der Doggers- 
bank wieder auf 15, 19, 20, 17, 16, 15, 17, 30, endlich zu W. derselben wieder bis 48, 56, 
64, 56, 55, 46 Faden niedergehend. Da auf den verschiedenen Linien von der Schleswig- 
Jütischen Küste g. W. der Meeresboden ein wenig abweichendes Neigungsverhältniss zeigt; so 
wird jene angebliche Untiefe und der weit gegen Schottland fortstreichende Brandenburgische- 
Meklenburgische Gebirgsrücken eine reine Fiction. 

Von Blaawands-Huck, dem westlichen Punkte Jütlands, streicht nachW. das Horn-Riff, 
eine Bank, welche an vielen Punkten in 4 Faden Tiefe und der Doggersbank viel näher liegt. 
Zu welchem Gebirgszug gehört dieses Riff? Willkommen für die Verfolgung des Schlesisch- 
Niedersächsischen Gebirgszuges bis Helgoland waren für Volger zwei mit hart bezeichnete 
Lothgründe auf der Karte der Eibmündung, denn sie sind ihm „wahr scheinlich" Felsgrund. 
Die dänischen Karten enthalten unter ihren viel zahlreicheren Angaben der Gründe davon keine 
Spur, abgesehen davon, dass der Seemann dieselben hart nennt, wenn der Anschlag des Loths 
hart ist und in dessen Talggrube nichts vom Grunde hängen bleibt, z. B. auf grobem Gerolle, 
wie ich bei meinen zahlreichenLothungen oft erfahren habe. So verwandelt sich auch diese Folgerung 
in eine vage Annahme. Forchhammer (S. Specialbericht der Section. f.Minerl. Geologie b. d. Vers. 
Deutsch. N. u. Ae. Kiel 1847. S. 52) bemerkte daher mit Recht gegen Volger, dass man dieErhebungs- 
linie nicht nach den Höhenzügen der Länder, ohne nähere Untersuchung, construiren dürfe und Un- 
ebenheiten des Bodens, welche durch Wellenschlag entstanden, von plutonischen Hebungen wohl zu 



- 151 - 

Der nächste Punkt, wo durch hebende Kräfte ältere Formationen die Decke der 
jüngeren durchbrochen, begegnet uns IV. ]X. O. von Helgoland auf der Insel Sylt. 
In gleicher Streichungslinie mit dem bunten Sandstein Helgolands von S. S. O. 
nach 1\. IV. "W.,, treten hier nach Forchhammer am Morsum-Klif die Tertiär 
Schichten eines Kaolin Sandes zu Tage, von 15° — 80° gen O. sich neigend.*) 
Die mächtige Ablagerung des Braunkohlenthons und der Bernstein führenden Braun- 
kohle, wenn gleich auf Helgoland nur durch die seit Jahrhunderten bekannten, bei 
jeder heftigen Bewegung des Meeres an den Strand geworfenen Stücke von Braun- 
kohle und Bernstein angezeigt,**) verbreitet sich, die Kreide überlagernd und Trümmer 



unterscheiden habe. Germar, sieh ihm anschliessend, hob noch besonders hervor, dass die 
Hebungslinien durchaus nicht nach Höhenzügen, sondern nach Schichtenfall bestimmt werden 
müssten. Wie sehr aber die Schichtenstellung in Helgoland und Sylt von den Volger'schen 
Erhebungslinien abweichen, ist bereits erwiesen, und wer je die Wirkungen des Wellenschlags 
und die Strandbildungen beobachtete, wird sich der Verwunderung nicht erwehren, wenn ihm 
die Insel Neuwerk als ein Gipfelpunkt, Tiefenunterschiede von einigen Faden als untermeerische 
Hügel des Schlesisch-Niedersächsischen Gebirgsrückens dargestellt werden. (S. V. Beitr. S. 21.) 

*) Schlesw. Holst. Blatter 1839, 8, Bd. Heft 3. S. 112 ü". 

**) Volger will die Braunkohle und den Bernstein, welche man als Auswürflinge am Dünenstrande 
findet (S. v. 103. 115.) nicht als tertiär gelten lassen, sondern einem älteren Kohlenflötz 
zuschreiben. Er stützt sich hierbei auf die dunkle Farbe, angebliche Fischschuppen, denen im 
Töck ähnlich, namentlich aber auf den Bericht eines Ungenannten in Leonh. Taschenb. f 
Minerl., wonach der Hilsthon (Töck) das Dach eines Kohlenflötzes sei. Meine Nachweisung, 
dass ein solches Lager unter dem Töck nicht vorhanden, dass dagegen in der nächsten Nach- 
barschaft Helgolands die tertiäre, Bernsteinführende Braunkohle weit verbreitet und demnach 
höchst wahrscheinlich sei, dass auch hier unter dem Meere dieselbe aufgeschlo sen liege, waren 
für ihn weniger überzeugend, als jene Angabe des Ungenannten, obgleich er selbst gesteht, es 
sei von jenem Kohlenflötz jetzt nichts mehr zu sehen. 

Herr Dr. Volger hat sich übrigens nicht einmal die Mühe gegeben, die citirte Stelle in Leonh. 
Taschb. nachzuschlagen und das Gewicht jener Angaben zuvor zu prüfen. Er würde gefunden 
haben, dass der Verfasser jener kurzen Notiz, mit den Verhältnissen selbst nicht bekannt, nur 
nach dem Hörensagen eines ungenannten reisenden Mineralogen das Etiquetten Verzeichniss 
einiger Handstücke der Helgolander Formationen, ohne alle nähere Erläuterung, giebt; er würde 
dann wohl Anstand genommen haben, sich mit seinem Urtheil fast auf gleiche Stufe mit jenem 
zu stallen, welcher über den Geschmack der Austern absprach, nach der Erzählung seines 
Freundes, der einen anderen solche essen sah. 

Doch hier noch ein anderer directer Beweis. Im obigen Citate (S. o. S. 103) hat sich ein 
Druckfehler eingeschlichen, denn es ist statt L. T. 20. S. 54. zu lesen : L. T. 20. II. S. 513 
und diesen Fehler giebt V. (Beitr. S. 41.) getreulich wieder. 

Endlich soll auch der alte Ranzau Zeugniss geben, dass unter dem Töck, statt der einzelnen 

17* 



— 132 — 

derselben unischlicssend, über einen grossen Tlieil Jütlands. Sic ist namentlich an 
der Westküste bis weit herauf in das Elbthal in ihrer normalen Lage gestört und 
bei Lüneburg von älteren Gesteinen durchbrochen.*) Von der, bei Helgoland so 
mächtig entwickelten Kreide kehrt die nächste Spur in einer Entfernung von 



Stücke verkiesten Holzes und sogenannter mineralisirler Holzkohle, ein Kohlenflötz liege, „denn 
derselbe führe schon an, dass in dieser Gegend der Klippen verkiesleBaumzwcige, Früchte 
und selbst Bernstein gegraben seien" (Gott. A. 1817. S. 1469Beitr. S. 41.) Verweilen 
wir hier noch einen Augenblick. 

Ranzau sagt, nachdem er die Düne geschildert (S.o. S. 102.) „Hie ad Boream" — Heisst 
dass in dieser Gegend der Klippen oder überhaupt im Norden der Düne? Wäre die 
Bezeichnung der Lage der Ol de Höfen nicht falsch, wenn hier nur von deren Klippen die 
Rede sein sollte, da diese z. W. des grossen Klippenzuges liegen?! „Ex Monitum visceribus — 
eruuntur,'' bezieht sich nur auf das nachfolgende „Metallum" (Mummergold) wie dies auch 
heute noch bei Ebbe geschieht, von den übrigen Dingen heisst es: „inveniuntur et in iisdem 
wenis," wo man bei der ganzen oberflächlichen Beschreibung doch wahrlich nicht behaupten 
wird, es sei hier bestimmt dasselbe Lager gemeint, statt „iisdem venis" allgemein auf die Klippe 
„ad Boream' 1 zu beziehen. Dies wird ausserdem fast zur Gewissheit, dass die genannten 
Versteinerungen in dem Töck gar nicht vorkommen. Freilich deutet Volger „nuces avellanae" 
als „Früchte" der Braunkohle und „minores arborum rami metallici" sind ihm schlechtweg 
„verkiestes Holz" derselben, ohne dass sein kritisches Bewusstsein ihn die Bedeutung des sehr 
wesentlichen Zusatzes hätte erkennen lassen „tanta subtilitate, quanta nullus argentarius faber, 
licet artificiosissimus ex auro conficere possit." Noch heut zu Tage verkauft man auf Helgo- 
land die Stacheln von Cid. glandiferus als versteinerte Haselnüsse und die, oft mehrere Zoll 
langen verkiesten Stacheln von Cid. nobilis als Baumzweige. Die äusserst vollkommene Erhaltung 
der Stacheln mit ihren zarten Furchen und Wärzchen, dem Zweige eines Doms so ähnlich, 
lassen über die Beziehung jenes Zusatzes um so weniger einen Zweifel, als ich auf Helgoland 
nie Korallen fand, welche einer solchen Schilderung zu Grunde gelegen haben konnten, obschon 
in der Kreide Norddeutschlands Escharites Pushtlopora etc. vorkommen. 

*) Forchhammer S. H. B. 8. 3. S. 122. P. A. 58. 616. 

üeber die Mächtigkeit dieser Formationen haben einige Bohrungen in Altona und Glückstadt 
interessante Aufschlüsse geliefert, welche ich hier übersichtlich zusammenstelle. Ueber das 
Nähere der Ausführung siehe : Vorträge in der Schleswig Holsteinischen patriotischen Gesellschaft 
1832—35 Altona, und Lucht, Specialbericht d. Sect. f. Minerl. etc. Kiel 1846 S. 1. 

Altona. Glückstadt. 

Bohrloch über der Elbe 29 Fuss, Bohrloch über ordinäre Fluth 8 Fuss, 

bis 7' Schutt, bis 5' Dammerde, 

- 21' gelber Lehm, dann gelber und blauer Thon - %\' Fiel oder Marscherde, 

mit Sand. Fester blauer Lehm, - 25' Torfmoor mit Resten von Seepflanzen, 

in 50' ein Gneisgerölle, - 30' gelblicher Torf mit unkenntlichen Pflanzen- 

- 76' Feuerstein und anderes grobes Gerolle, resten, 



- 133 - 

8 Meilen gen O. z. IN. als Riff in der Eiderniündung wieder,*) mächtiger dagegen 
in IN. IN. O. an der Westküste Jütlands aus S. O. nach IN. W. streichend, gehoben und 
mit den Gerollen durch einander geworfen, während dieselben feuersteinführenden 
Bänke der Kreide weiter nach O. am Limfiord in ihrer normalen Lage sich be- 



Altona. Glückstadt. 

in 99' blauer sandiger Lehm mit Kalkstückchen, bis 36^' fester schwarzer Torf, 

Darin Granit und Sandsteingerölle, - 50' grauer Thon, 

in 110' sandiger, wasserführender Lehm 8 — 10' - 51' Braunkohle, 

mächtig, - 91' feiner Triebsand, 

bis 302' blaugrüner fetter Thon mit Glimmer- - 114' grober Sand mit Gerollen u. crystallischen 

Schüppchen und Sand. Gesteinen, 

bis 420' fester Thon bis c» 300' rauchgrau, dann 
fast schwarz, auf dem musebelichen Bruch fett- 
glänzend, mit Glimmerblättchen, Eisenkiespunkten, 
bis 430' hellgrauer thoniger Sand, nach dem Trock- 
nen zerfallend, 
bis 431' fester Sandstein, 

bis 478' Thonlager mit Sandsteingeschieben, Mu- 
scheln mit Glimmer und Kalkspathen. 

Im Glückstadter Bohrloch fand sich in 212' ein Haifischzahn, Schaalen und Abdrücke von 
Terebrat. vulg, Astarte etc. und in 320' zeigen die vor mir liegenden Bohrprodukte ein Cardium 
fpapillosum?} Der Gehalt der verschiedenen Schichten an kohlensaurem Kalk ist sehr verschieden, 
denn während die oberste Schicht oder Kleierde mit Chlorwasserstoffsäure stark braust, wird 
dies in 18 — 50' schon viel schwächer; der feine Triebsand zeigt gar keine Reaktion, die folgenden 
Thone bis 180' eine äusserst schwache. Die Schicht in dieser Tiefe wird wieder kalkreicher, 
dann nimmt dessen Menge rasch bis zu fast völligem Verschwinden ab, um in 340' und 400' 
abermals sich einzufinden. Die Schicht des hellgrauen sandigen Thons in 420 — 430' reagirt 
dagegen wieder in kaum merklichem Grade. 

Es ergiebt sich aus diesen Versuchen, dass der Thon der Bernsteinführenden Braunkohle bei 
Glückstadt eine Mächtigkeit von mehr als 300 Fuss hat und wahrscheinlich ist er in Altona, wo 
man denselben nicht durchsunken hat, eben so mächtig. Während an beiden Orten das Flötz 
in nahe gleicher Tiefe erreicht wurde, scheint es bei Reinbeck im Sachsenwald schon bedeutend 
höher zu liegen, indem man die dunklen fetten Thone bereits in 33' über den Nullpunkt der 
Elbe antraf, von denen es übrigens noch nicht gewiss ist, ob sie jenen mächtigen Schichten 
angehören. 

Diese bedeutende Mächtigkeit und weile Verbreitung spricht doch wohl sehr für die Annahme, 
dass der Braunkohlenthon von den Küsten Schleswigs und Jütlands noch weiter nach W. fort- 
setze und durch die Erhebung Helgolands mit aufgeschlossen sein müsse, wenn erwiesen werden 
kann, dass dieselbe einer Jüngern Zeit angehöre, als dessen Ablagerung. Es fehlt nicht an 
Erscheinungen, welche für diese Annahme sprechen und bei der Bestimmung des relativen 

rr ) Tetens, Reisen in die Marschländer an der Nordsee. Leipzig 1788. Bd. 1. S. 170. 



— 134 — 

finden.*) Weiterbin endlich, in südöstlicher Richtung, wird der Blick durch über- 
raschend aus dem Flachlandc sich erhebende Blassen bei Segeberg und Lüneburg 
gefesselt. Die Achnlichkeit der äusseren Gestaltung, das Hervortreten der Gypsstöcke 
rechtfertigt die Voraussetzung, dass hier weitere Anhaltpunkte der Vergleicbung 



Alters ihre besondere Erörterung finden, werden. Auf der Karte wurde deshalb da, wo theils 
die Auswürflinge der Braunkohle und des Bernsteins die Ausgehenden des Thons in der Tiefe 
verrathen, theils im Grunde anstehende Massen desselben bekannt sind, der plastische 
Thon eingetragen, künftigen Untersuchungen die Entscheidung überlassend: ob dieser Thon 
einem und demselben, oder verschiedenen Gliedern der tertiären Gruppe angehöre. So wird 
schon auf der Meyerschen Karte eine Stelle in dem Nordhafen mit den Namen „Leemort" 
bezeichnet und das Loth schlägt hier und an einigen andern Punkten zwischen der Insel und 
weissen Klippe auf Thon, der so fest ist, dass Anker, welche darin gefasst haben, nur mit 
dem grössten Kraftaufwand und selbst gar nicht wieder herauszuheben sind. 

Auf das Vorkommen einzelner Blöcke fremdartiger Gesteine in so beträchtlicher Tiefe, wie in 
den Altonacr Bohrlöchern und umschlossen von Thon hat bereits Forchhammer (P. A. 58. 
617.") aufmerksam gemacht und daraus gefolgert, dass schon während der Bildungszeit der 
Braunkohle Dänemark's Geschiebe skandinavischer Gesteine gegen Süd geführt worden. Gerraar 
und Dunker (S. Spec. Bericht S. 16.) erklärten das Erscheinen der Rollsteine in älteren Flötzen 
durch ein allmähliches Einsinken, und ersterer glaubte sich hierbei auf die bekannten Erfahrungen 
des Sinkens von Grenzsteine berufen zu können. Ich gestehe, dass mir bei den Mittheilungen 
jener Herren in der Section, welche ich leider nur theilweise angehört, die Momente einer 
solchen Bewegung ebenso wenig klar geworden sind, als nach den kurzen Notizen in den 
Verhandlungen. Die erste Schwierigkeit begegnet dieser Erklärung in dem Umstand, das grössere 
und kleinere Blöcke noch jetzt auf der Oberfläche desselben Bodens lagern, in welchem andere 
eingesunken sein sollen. In Franken kenne ich Blöcke bunten Sandsteins auf dem Löss, deren 
einer als Sockel eines vierhundertjährigen Heiligenbildes dient, ohne seine Lage verändert zu 
haben und doch ist jenes Diluvialgebilde locker und leicht zerreiblich, gegen den festen tertiären 
Thon obiger Bohrlöcher. Es ist offenbar, dass bei der abwärtsgehenden Bewegung eines 
Gerölles, die Unterlage entweder in sich zusammen gedrückt werden, oder ein seitliches Aus- 
weichen ihr möglich sein müsse, da sonst die Verdichtung der Unterlage bald einen Punkt 
erreicht, wo ihre rückwirkende Festigkeit dem Drucke des Steins das Gleichgewicht hält und 
ein weiteres Sinken aufhört. Man wird aber ferner einräumen, dass nur in einem schlammigen 
weichen Thon ein seitliches Ausweichen eintreten könne, in einem, wenn gleich feuchten, aber 
durch die aufgelagerten Massen sehr verdichteten Thon oder Mergel nicht denkbar sei. Musste 
doch in Altona das eine Bohrloch aufgegeben werden, weil man sich vergeblich bemühte, einen 
nur theilweise in dasselbe ragenden Rollstein einige Zoll seitlich zu drängen, obschon das 
mechanische Moment eines frei fallenden Gewichts von c» 1000 Pr. wirkte. 

Andere Agentien sind es, welche auf der Oberfläche das Einsinken der Steine erleichtern, in 

geringer Tiefe aber schon die Gränze ihres Wirkens finden. Zwischen Ackerfeldern, welche 

wiederkehrend mechanisch aufgelockert werden, auf Wiesen und in Wäldern mit einer reichen, 

tiefwurzeluden Vegetation, endlich auf einem wasserschluekenden Grunde, wo durch den Frost 

5 ) Forchhammer P. A. 58. 611. 



- 135 — 

für die Erforschung eines Zusammenhangs der erhebenden [Kräfte geboten sein 
könnten. Dieselbe Kreide, reich an Inoceramen, liegt bei Lüneburg zu Tage; mit 
dem Gyps erscheint ein Kalk, der dem Muschelkalk zugezählt wurde und die 
Schichten der bunten Mergel würden nach unten die Analogie mit den Gebilden 
unserer Insel vollenden, wenn erst deren Identität mit dem bunten Sandstein fest 
stünde. Die Schichtenstellung der dortigen Flötze deutet auf dieselbe bin, und die 
Hauptstreichungslinie der Helgolander Schichten könnte in eine Beziehung zu jener 
der Sudeten gesetzt werden. 

Doch ein tieferes Eindringen in die Verhältnisse der Erhebungen von Lüneburg 
und Segeberg leitet von der so augenfällig scheinenden Verbindung nach einer 
andern Richtung, wie schon Forchhammer nachgewiesen hat.*) Von den Gyps — und 
Steinsalzmassen Lüneburgs führt eine gerade Linie von S. n. N. über die Soolquellen 
von Oldesloe und Tralau nach dem Gypskegel von Segeberg. Eine Menge kleiner 



noch eine Auflockerung bewirkt wird, da vermag ein Markstein allmählich wegzusinken, während 
ein unberührter, wenig Wasser aufnehmender, fetter Thonboden ohne Weichen die Last desselben 
trägt. So leicht scheint also die Erklärung dieser Erscheinung doch nicht, wie man im ersten 
Augenblick glauben möchte, und mehr für Forchhammers Ansicht zu sprechen, dass die meisten 
dieser Gerolle zur Zeit der Ablagerung eingeschlossen wurden und nur einzelne unter Be- 
günstigung zufälliger Umstände wirklich später eingesunken sind. Wenn z. B. auf soge- 
nannten schwimmenden Marschen Geschiebe sich ablagern, die vegetabilische Decke nach und 
nach durchbrechen, um dann in dem darunter liegenden Schlamm rasch und tief sich zu senken; 
so würde ein solches Wandern jüngerer Massen in den Schoos sehr viel älterer seine Analogien 
in der Gegenwart finden, aber darum gewiss noch keine allgemeine Anwendung erlauben. 

Die rothe Färbung, welche an manchen Orten die tieferen Massen des tertiären Thons zeigen 
und dadurch einige Aehnlichkeit mit Keupermergel gewinnen, will Volger (Spec- Bericht S. 7.) 
von der Oxydation und Zersetzung des Schwefelkieses ableiten. Abgesehen davon, dass erst 
nachgewiesen werden müsste, auf welchem Wege der Sauerstoff zu dem Eisenkiese gelange, da 
selbst fein zertheiltes Schwefeleisen, reichlich mit Thon vermengt, unverändert bleibt, so lange 
Luft und lufthaltende Wasser nicht zu demselben zu dringen vermögen — würde die rothe Farbe 
der Zersetzung des schwefeis. Eisenoxyduls nicht so leicht zuzuschreiben sein. 

Bekanntlich bildet dieses Salz bei seiner Zersetzung basisch schwefelsaures Eisenoxyd und 
nach Entfernung aller Säure auf nassem Wege Eisenoxydhydrat, welches nicht roth, sondern 
ockergelb färbt. Im Keuper und bunten Sandstein befindet sich das Eisenoxyd an Kieselsäure 
gebunden im ungewässerten Zustand und es bliebe demnach darzuthun, wie das, dem Thon 
bei gemengte Eisenoxydhydrat sein Wasser verloren habe. 

*) Danmerks geognost. Forhold. S. 111. 



— 136 — 

Salzquellen entspringen im Travcthal aus den jüngsten Gebilden dieser Gegend, den 
Lehm- und Sandlagen, allerdings verschieden von Salzgehalt, aber nach der chemi- 
schen Zusammensetzung der Soole wesentlich von jenen abweichend, welche in 
einer Verbindung mit dem Meere stehen. Von Tralau gen N. begegnet man erst 
bei Orvad im YVenfyssel wieder einer wahrhaften Soolquelle, zwischen beiden 
Punkten ist aber keine weitere bekannt. Diese nordsüdliche Hebungsrichtung, wie 
sie sich in diesen zusammengehörenden Erscheinungen ausspricht, hat Forchhammer 
in der Gränzlinie der von ihm aufgestellten Ahlformation und den Rollsteinen weiter 
verfolgt und in ihr nicht nur das Moment der Küstenbildung des westlichen 
Schleswigs und Jütlands, sondern der von S. n: ]\. gedehnten Gestalt der Halbinsel 
überhanpt erkannt.*) 



Eine Unterstützung für seine Hebungslinien findet Volger (Beitr. S. 90.) in dem Auftreten von 
Gyps und Soolquellen, welches sich in der Richtung jener Linien verfolgen lasse. Obgleich nun 
in der Wirklichkeit nur einige wenige Orte mit anstehendem oder durch Bohrungen erforschten 
Gypsmassen bekannt sind; so soll deren frühere Existenz durch die tausende grösserer und 
kleinerer Seen Pommerns, Mecklenburgs und Holsteins erwiesen werden; indem die Natur der- 
selben auf Einstürzungen im unterliegenden Flötzgebirge schliessen lasse. Dass durch den 
Bruch von sogenannten Gyps- und Kalkscblotten Einsenkungen des Bodens erzeugt werden, 
ist bekannt genug; diese Thatsache aber in solchem Umfang auf einem Terrain anwenden zu 
wollen, wo Gypse und Kalke so vereinzelt erscheinen, mit mächtigen tertiären Massen bedeckt 
sind, welche, wie die fetten Thone, eine bedeutende Tragkraft, Undurchdringlichkeit für auflösende 
Tagewasser besitzen — das kann von bedächtigeren Geologen nimmer gut geheissen werden. 
Forchhammer hat schon dagegen bemerkt (Spe. Ber. S. 53.), dass das Vorkommen von Gyps 
nördlich von Segeberg durchaus in Abrede zu stellen sei, und hinsichtlich der Abstammung 
vieler Soolquellen herrscht zur Zeit noch das tiefste Dunkel. KabelPs Untersuchungen zufolge 
kömmt die Soole von Oldesloe und Bramstedt aus einer Sandschicht, welche dem Diluvium 
angehört (Spe. Ber. S. 54). Ob sie aber dieser Periode eigentümlich oder seitwärts abgelenkte 
Zuflüsse aus einem älteren salzführenden Flötze seien, das ist eine , durch weitere Nach- 
forschungen zu entscheidende Frage. 

Der abweichende Gehalt der Soolen von Oldesloe, Tralau und Orvad von dem des jetzigen 
Seewassers liess sie in keiner Beziehung zu dem benachbarten Meere setzen und der andern 
Ansicht mehr Raum geben. Hinsichtlich der Salzsümpfe im Wildmoor in Jütland, auf welche 
sich Volger beruft, erklärt dagegen Kabell ausdrücklich am Schlüsse seiner Abhandlung (L. J. 
1845. 576), dass sie nicht als Soolquellen anzusehen sind, da Forchhammers Analyse eine 
fast völlige Uebereinstimmung mit dem Wasser der Nordsee erwiesen. V. hat also seiner Theorie 
zu Liebe dieses Endresultat ganz ignorirt und nur aus dem Titel der Abhandlung seinen 
Beweis geschöpft. 



~ 



— 137 — 

Die scheinbar so klar ausgesprochene innere Verknüpfung der drei wichtigsten 
Erhebungen des norddeutschen Tieflandes würde demnach mit der Wirklichkeit im 
Widerspruche stehen und wir genöthigt, eine andere Spur der plutonischcn Kräfte 
aufzusuchen, denen auch Helgoland sein Dasein verdankt. 

Die Skandinavische Halbinsel ist es unstreitig, welche durch ihre Erhebung, 
ihre fortdauernde Oscillation den wesentlichsten Einfluss auf die Bildung der Tief- 
länder Deutschlands und Dänemarks und die Gestaltung der Nord- und Ostsee zu ver- 
schiedenen Zeiten geübt hat. In einer Linie von S. S. O. n. IV. N. W. sieht man in 
Schweden alle Seitenketten gehoben, in derselben Linie, nach welcher die Helgo- 
lander Schichten dem Meeresgrunde entsteigen. Doch in dieser besonderen Ueberein- 
stimmung der Richtung der Eruptivkräfte liegen noch nicht die Beweise der 
Gleichzeitigkeit ihrer Wirkung, und es bleibt daher hier die Frage zu lösen, ob 
auch das relative Alter des Eilandes sich in die Periode der Erhebung jener Ge- 
birgsäste Schwedens versetzen lasse? Der Versuch einer Beantwortung dieser 
Frage stösst indessen bei der Erwägung der Lagerungsverhältnisse der verschiedenen 
Formationen auf Schwierigkeiten, wie man sie auf diesem kleinen Flecke kaum 
ahnden konnte. 

In weiter Entfernung von ähnlichen gewaltigen Zerstörungen der Erdrinde, in 
noch weiterer von grossen plutonischen Massen, glaubt man in dem Felsen Helgolands 
ein Musterbild einer erhobenen Formationsreihe zu finden, frei von den seeundären 
Wirkungen, welche in grösseren Gebirgen die primären oft mehr oder weniger 
verhüllen und nur mit Mühe dieselben erschliessen lassen. 

Je inniger der Beobachtende mit den gegebenen Verhältnissen vertraut wird, 
je unbefangener er die Erscheinungen zu sich reden lässt und sich von denselben 
Rechenschaft zu geben strebt, desto mehr wird sich in ihm allmählig die Ueber- 
zengung befestigen, dass die jetzige Gestalt des Eilandes nicht die Folge einer ein- 
zigen Erhebung sei, sondern wiederkehrende, nach sehr langen Zeiträumen sich 
erneuernde Störungen der Schichtenlage ihre Spuren hinterlassen haben. Wo sind^ 
so wird er sich fragen, bei der Erhebung die Jüngern Gebilde des Oolith, der Kreide 
und der Braunkohlengruppe geblieben, welche auf den Dünenklippen im Han- 

18 



- 138 - 

genden der bunten Mergel liegen? Sollten letztere während der Aufrichtung der 
Schichten seitlich vorgeschoben und dadurch ihres Daches beraubt worden sein? 

Dann hätten die jüngeren Glieder die älteren übergreifend bedechen oder nach dem 
seitlichen Ausbruch noch eine weitere Hebung der älteren Flötze folgen müssen, welche 
ihnen die stärkere Neigung ertheilte. Oder sind jene jüngeren Schichten von den auf- 
wärts drängenden älteren mitgehoben, aber später zerstört und dadurch deren jetzige 
Entblössung bedingt worden? Diese Annahme dürfte um so mehr Gewicht für sich 
haben, als sich beweisen lässt, dass die Oberfläche der rothen Klippe die unzwei- 
deutigsten Zeichen der Abspülung trägt. 

Schon bei dem ersten Anblick der Insel überrascht gewiss jeden die merkwürdige 
Ebenheit des sanft nach O. neigenden Oberlandes. In der That ein scharfer 
Contrast gegen die schroffen Abstürze nach allen Seiten und deren zahlreiche, 
heftige Wirkungen beurkundende, Frakturen, denn da ragt kein Felsstock hervor und 
keine Schicht erhebt ihre Köpfe über die anderen, alle sind wie von einer einzigen 
Ebene durchschnitten und bergen ihre Ausgehenden unter einer, selten 2 Fuss 
mächtigen, Decke von Dammerde, aus den verwitterten Mergeln selbst gebildet. 
Wir haben nicht lange nach den Ursachen zu suchen, welchen diese Regelmässigkeit 
zuzuschreiben ist, denn ein Blick von der Höhe des Felsens auf die umherliegenden 
Rifle nach S., W., N. u. O. zeigt, wie hier diese Schichten eben so regelmässig 
abgeschnitten und wie ein gepflügter Acker von gleich tiefen Furchen durchzogen 
sind. Die Meeresfläche ist die schneidende Ebene; sie war es früher in gleicher 
Weise auf dem jetzigen Plateau. Aber die Neignng desselben um c a 3° n. O., die 
schwache Senkung gegen S. u. N., die Einsattelung in der Mitte, sie stimmen zum 
Theil nicht mit jenem Bilde der Klippen, welche sich bei den Dünenriflfeu in 
grösserem Maassstabe dem Auge darbietet; denn diese sind eben gebreitet und 
ragen bei Ebbe fast gleichzeitig aus dem Meere. Denken wir uns dieses Klip- 
penfeld senkrecht auf 180 Fuss gehoben und dabei um 3—4° nach Ost ge- 
neigt, so würde ein zweites Helgoland mit steilen Wänden vor uns stehen. 
Auf den Riffen finden wir die Ausgehenden der Schichten, in den Furchen 
zwischen ihren Köpfen die Reste von Schaalthieren und Gerolle. Dieselben 



— 139 - 

Erscheinungen begegnen uns auf der Hochfläche des Felsens. Hier, wie dort} 
dieselbe Lage der Ausgehenden, kleine Gerolle mit Kreidebruchstückchen, Reste 
jetzt lebender Conchylien an Orten, wo sie durch Menschen oder Thiere gewiss 
nicht hingebracht sind. So schlagende Analogien legen uns doch wohl den Schluss 
nahe, dass der Fels schon einmal ganz vom Meere weggespült und dann erst durch 
eine abermalige Veränderung seiner Schichtenstellung die jetzige Gestaltung der 
Oberfläche erhalten habe. Es erstreckte sich indessen diese letzte Störung der 
Schichten nicht nur auf den jetzigen Fels, sondern auch auf die von ihm ausgehenden 
Riffe, was die Uebereinstimmung der Fallwinkel beurkundet. 

Aus dem bereits angedeuteten Verhalten der Fläche des Oberlandes zu den 
vielfachen und starken Schichtenstörungen, welche man an allen Abhängen beob- 
achtet, den engeren und weiteren Klüften, welche die Bänke fast senkrecht durch- 
schneiden, folgt mit Gewissheit, dass die Erhebung, in deren Folge jene Schichten- 
brüche entstanden, derjenigen verangegangen, welche dem Oberlande seine jetzige 
Neigung verliehen. Verwerfungen von 20—50 Fuss und mehr, gewaltsame Ein- 
keilungen älterer Schichten in die oberen, wie man bei dem Flaggenberger Hörn 
wahrnimmt (Fig. 9. Taf. 1.), Klüfte, wie im Jung Galt, sie hätten nicht ohne 
Einfluss auf die Gestaltung der Oberfläche bleiben können, sondern das Bild der 
Zerrissenheit auf sie übergetragen ; nach oben versetzte Schichten hätten Erhöhungen, 
Senkungen, wie am Flaggenberger Hörn, Vertiefungen bilden müssen. Auch der 
grosse Querbruch des Felsens von Flaggenberger Slapp nach Boyen's Lin, so 
deutlich bezeichnet durch eine Verwerfung von c a 40 Fuss, und die ausserordentliche 
Zertrümmerung des Gesteins, welches hier, am tiefsten Einschnitt der ganzen Süd- 
westküste, den zerstörenden Kräften den geringsten Widerstand entgegen setzt, ist 
gewiss schon bei der früheren Erhebung entstanden und hat bei der letzten Niveau- 
veränderung des Oberlandes durch Bildung des sanften Sattels nachgewirkt. Ueber- 
haupt geben sich in dieser jüngsten Veränderung mehr die Aeusserungcn einer 
allmählich erfolgten Störung zu erkennen, da eine rasche, stossweise Wirkung bei 
der ungewöhnlichen Zerklüftung und geringen Cohärenz des Gesteins schwerlich 
mit der Regelmässigkeit des Oberlandes in Einklang gebracht werden dürfte. Nicht 
minder aber scheint das Ansteigen desselben gen W. die Behauptung zu rechtfertigen, 

18* 



— 140 — 

dass der Fels schon damals, oder bald darauf, die Meeresfläche überragt habe, da 
ein länger dauernder Wellenschlag die nach W. zu liegende scharfe Klippenkante 
abgespült und in ein wagerechtes Riff verwandelt haben würde. Doch es könnten 
ja die abgestürzten und fortgerissenen Tbeile der Westseite eine solche Zerstörung 
erfahren haben, wahrend die nach O. zu tiefer liegenden Schichtköpfe, mehr gegen 
den Wellenschlag geschützt, keine Veränderung erlitten. Dann hat aber doch 
jedenfalls der Meeresspiegel sich rascher gesenkt, als jene Destruction fortschritt, 
indem sonst die hypothetische Planirung der untergegangenen Westkante nach und 
nach das ganze Oberland betreffen musste. 

Wenn die Aufrichtung der Schichten und ihre relative Lage gegen einander 
keinen Zweifel zulassen, dass von unten wirkende Kräfte diesen Durchbruch 
bedingt haben, so kann nicht mit gleicher Sicherheit behauptet werden, dass die spätere 
Abdachung des Felsens nach O. die Folge einer Erhebung sei, welche längs der 
Westseite stärker sich geäussert habe. Eben sowohl könnte sie durch eine Senkung 
gegen O. ihre Erklärung finden, und durch verschiedene, allerdings noch nicht 
hinlänglich bewiesene Verhältnisse sogar die grössere Wahrscheinlichkeit für sich 
gewinnen. 

Von den äussersten Klippen an der W. Seite, welche bei gewöhnlicher Ebbe 
über den Wasserspiegel treten, zeigt das Loth eine wachsende Tiefe, bis es von 
der Kante plötzlich senkrecht noch tiefer niederstürzt. Die Destruction der Riffe 
durch den Wellenschlag geht aber, wenn sie erst bis zum ordinären Ebbestand 
abgewaschen, höchst langsam vor sich, wie nicht nur die Klippen zu S. W. u. IV. 
der Insel, sondern namentlieh auch jene der Dünen beweisen, deren Schilderung in 
den ältesten historischen Ueberlieferungen ganz auf den gegenwärtigen Zustand 
passt. Wenn wir dagegen die tiefe Lage der Kante und das in einer schiefen 
Ebene bis zum Ebbespiegel ansteigende Riff mit jenem vergleichen, so wird der 
Schluss nahe gelegt, dass sie nicht bis zu dieser Tiefe abgespült, sondern durch 
allmähliche Senkung dabin gelangt sein möchten. Eine solche Annahme würde uns 
dann auch den Schlüssel zu der Rildungsweise der isolirten Stöcke, wie Dansker- 
mans Hörn, Stein, Drück, Nordhafen- und Sellebrunnen Knoll, den tief 
eingeschnittenen Slapps an der Südwestseite der Sellebrunnen darbieten, denn 



- 141 - 

wir hätten in ihnen die Analogen der heutigen Stacks (Mönche), Slapps, 
Thaterkens und Hörn der Süd-, West- und Nordseite der Insel, sie würden Halt 
gewinnen durch die Schilderungen des englischen Tauchers Brown, der im Sommer 
1843 an der Witen-Klif und Sellehrunnen geseheiterte Schiffe durchsuchte 
und die steilen Abhänge jener Riffe gegen den Nordhafen als eben so zerrissen, 
eingeschnitten und von grossen Gatt's durchbohrt beschrieb, wie wir sie über dem 
Meere an der Westseite des Felsens erblicken. 

Dürfen wir hier noch dem Gedanken Raum geben, dass ehemals der Meeres- 
spiegel 60 — 70 Fuss tiefer Helgoland umspülte, später durch langsame Senkung der 
Insel sich erhöht habe, so würde sich in den gegebenen Verhältnissen um so 
weniger eine gewichtige Einwendung gegen die Vermuthung finden, dass die 
Abdachung des Oberlandes Folge einer langsamen Senkung sei, als sie gerade nach 
jener Seite hinneigt, wo die Kluft des Nord- und Südhafens den Zusammenhang 
zwischen den östlichen und westlichen Klippen unterbrochen hat. 

So erscheint uns also nach diesem aus den Beobachtungen fliessenden] Schlüssen 
das Eiland in einer oscillatorischen Bewegung gegen den Meeresspiegel, erst ihn 
weit überragend, dann durch die nie ermüdende Gewalt der Wogen fortgerissen 
und in ein Riff verwandelt, abermals erhoben, aber auch wieder sich senkend, in 
ungleichem Kampfe mit dem Meere erneuetem Untergange sichtlich entgegeneilend, 
Doch es bedarf einer weiter gehenden Prüfung jener Folgerungeu, sie müssen 
zusammengehalten werden mit den Ergebnissen der geologischen Forschungen in 
den Nachbarländern, um möglicherweise die scheinbar isolirten Phänomene mit 
allgemeineren zu verknüpfen und aus ihnen fernere Beweise für die Zulässigkeit 
unserer Folgerungen zu schöpfen. 

Versuchen wir daher zuvörderst eine Bestimmung des relativen Alters der 
Erhebung und der späteren Veränderungen Helgolands, sie wird uns zugleich den 
Weg zur Beantwortung der übrigen Fragen bahnen. 

Nach den Lagerungsverhältnissen aller direkt zu beobachtenden Formationen 
fällt die Hebung und der Durchbruch des bunten Sandsteins jedenfalls in die 
Periode nach der Kreide, deren Schichten hier überall aus ihrer normalen Lage 
gerissen sind und in ihrem Fallen nicht viel von jenen der bunten Mergel abweichen. 



— 142 - t 

Sollten spätere Untersuchungen mit Gewissheit darthun, dass der im JXordhafen 
zwischen der Osthante der rotlien Klippe und der Witcn-Klif und im O- 
vom Kalbertanz liegende sehr feste graue Thon zur Braunkohlcnformation gehöre; 
so darf wohl angenommen werden, dass seine Ablagerung nach jener Erhebung 
erfolgte und er die älteren Gebilde übergreifend bedecke, wie man dies in Jnll.mil 
beobachtet. 

Die grosse Senkung des INordseebodens und eines grossen Theiles des Continents, 
welche mit der Bildung der Braunkohlenformation zusammentraf, konnte auf Helgo- 
land nicht ohne Einfluss bleiben. Die Schichten der Kreide des Ooliths, welche auf 
den Gliedern der Trias lagern, und mit ihnen emporgehoben waren, wurden in der 
Periode zwischen der Braunkohle und der grossen Gcrölleablagcrung bis zum 
Ebbespiegel weggespült, unter welchem die Insel als grosses Riff gebreitet lag. 

Wie die erste Hebung der Kreide Dänemarks und der Ciinbrischen Halbinsel 
nach Forchhammers Untersuchungen von dem Hervortreten der plutonischen 
Massen Skandinaviens bedingt worden, so dürften in den damit verbundenen, 
gewaltigen Bewegungen der nächste Grund der ersten Aufrichtung der Helgolander 
Schichtenreihe gesucht werden. Auch in der Folgezeit deuten die geoguostischen 
Phänomene dieser Länder wieder auf Skandinavien hin, mit dessen Entstehen und 
theil weisem Untergange eine Periode der gewaltigsten Revolutionen begonnen. 
Schon in dem Braunkohlenthon sind uns die Skandinavischen Geschiebe*) redende 
Zeugen für die Grösse der thätigen Gewalten und die Weite ihrer Verbreitung. 
Intensiver zeigen sie sich nach Ablagerung der Braunkohle in deren vielen Schichten- 
störungen, die auf Sylt in einer Richtung von S. S. O. nach IV. N. W. erfolgten, 
was mit der Streichungslinie des Helgolander Schieferlettens ganz übereinstimmt. 
Sollten daher weitere Nachforschungen den Beweis liefern, dass die Braunkohle an 
letztcrem Orte die Kreide nicht übergreifend bedecke, vielmehr mit ihr gleichförmig 
gehoben sei, so würde daraus und aus dieser Correspondenz der Streichungslinien 
der Beweis entnommen werden können, dass die Zeit der ersten Erhebung 
Helgolands nach der Bildung der Braunkohle, seine Abspülung aber in die Periode 



*) Forchhammer P. A. 58. 617. 



- 143 - 

vor der Rollsteinformation falle. Wesentliche Unterstützung findet letztere Ansicht 
in dem Charakter jener Formation selbst. "Wo die entfesselten Kräfte, so wie hier, 
ganze Gebirge und Länder zertrümmerten, die Zwischenglieder älterer und jüngerer 
plutonischen und neptunischen Formationen bunt durch einander warfen, und hunderte 
von Meilen umherstreueten, da kann unmöglich der von Norden andringenden Gewalt 
die kleine Insel einen überdauernden Widerstand entgegen gesetzt haben. 

Die allgemeine Bodenerhebung des nördlichen Deutschlands nach der Rollstein- 
bildung bewirkt ein Zurücktreten der es begrenzenden Meere und mit ihm tauchte 
das von Gerollen bedeckte Riff allmählig wieder aus den Wogen. Sie rissen die 
kleineren Rollsteine weg, als die Insel bei dem Heraustreten in die Ebene der 
stärksten Wellenwirkung gelangte, nur die grösseren behaupten durch ihr Gewicht, 
kleine durch ihre Lage in den Furchen der Rille, zum Thcil ihre Stätte. Solche 
granitische Blöcke liegen an verschiedenen Stellen anf dem Oberlande und verdrängen 
zum Theil durch ihre Grösse jeden Gedanken, dass sie durch Menschenhände dahin 
gelangt sein könnten. Rei der Schütte für den Unralh an derRoadBorg liegen einige klei- 
nere; amFusse des Billbergs drei grössere, welche nur theilweise über den Rasen hervor- 
treten. Einer derselben misst 3 Fuss 7 Zoll (hamb.) in der Länge und 1 Fuss 11 
Zoll in der Breite, ein anderer 1 Fuss 10 Zoll und 1 Fuss 6 Zoll, nur der dritte von c a 5 
Centner Gewicht ist ganz cntblösst. In einer kleinen Erhöhung am Bande desselben 
Abhanges 2 Fuss unter der Oberfläche findet sich ein Block von 2 Fuss 4 Zoll 
und in der ersten Sapskuhle v. O. her begegnet man dem grössten Rollsteine von 
5 Fuss Länge, 2 Fuss Breite und 2£ Fuss Höhe. Dicht daneben ragt ein anderer 
unter dem Basen hervor, etwas östlich von der Sapskuhle ein dritter, welcher 
Ersterein nur wenig an Grösse nachgiebt und c a 100 Schritte ostwärts gegen den 
Abhang liegt im Kartoffelfeld noch einer von gleicher Grösse. Im Unterlande bei 
Om Wast finden sich zahlreiche grössere und kleinere Geschiebe plutonischer 
Massen, ebenso auf dem Meeresgrunde bei der Boad Borg und 9 — 12 derselben 
liegen auf den Klippen bei den Old e Höfen und im Südhafen. Anden letzteren Or- 
teu kennt man diese Kollsteine schon so lange, dass die Sage, sich ihrer bemächtigend, bald 
die Grabsteine einer versunkenen Kirche, bald die Trümmer einer herabgestürzten Burg 



daraus machte, wie uns Böttichcr*) und Lass") berichten. Wichtig ist, dass sich 
die Lage dieser Geschiebe seit jener Zeit (1699) nicht geändert hat, denn B. und L- 
sagen ausdrücklich, dass man sie, wie jetzt, nur bei starker Ebbe im Meeresgrunde 
bei der Road Borg liegen sehe und von den Olde Höfen heisst es: sie seien 
im Grunde schwarz und bedeckt mit Champ steinen.***) 

Wie weit bei dieser allgemeinen Erhebung die Insel aus dem Meere getaucht, 
lässt sich natürlich nicht bestimmen; darf man aber in dem Danskermanns Hörn, 
Stein, Nordhafen- und Sellebrunnen-Knoll, Reste zertrümmerter Schichten 
erkennen, sie, wie auch die Slapps und Gatts in Sellebrunnen, mit den jetzigen 
Bildungen der Westküste vergleichen, dann wäre damals das Niveau 60 — 70 Fuss 
tiefer ' gesunken, als es jetzt steht. Der Nord- und Süd- Hafen lagen dann trocken, 
mit Gerolle bedeckt, gegen N. O., O. u. S. O. hin war die Insel mit der Schles- 
wigschen Küste in Verbindung und bildete nach W. ein felsiges Vorgebirge gegen 
die Helgolander Tiefe; in N. W- und S. O. aber befanden sich mehrere Seen, 
deren Lage durch die obenerwähnten trichterförmigen Vertiefungen des Seegrundes 
angedeutet wird. Kaum möchten Angesichts der viel beträchtlicheren Erhebungen 
dieser Periode sowohl auf der Cimbrischcn Halbinsel, als im nördlichen Deutschland****) 



«) A. a. 0. S. 261. **) A. a. O. S. 19. 
***) A. a. 0. S. 268. Mit dem Namen Feldstein bezeichnet man hier und in den benachbarten 
deutschen Küsten die erratischen Blöcke ; die Benennung Chn.mp stein ist dagegen nirgends üblich 
und gewiss nur von B. in jener Zeit der Sprachverunreinigung zu eigenem Gebrauch gebildet. 

Obgleich Volger von einem dieser grossen Granitblöcke spricht fBeitr. S. 22.) und also doch 
eine Vorstellung seiner Masse damit verbinden konnte; so nahm er doch keinen Anstand, 
ihn als einen Auswürfling des Meeres zu bezeichnen, welcher von den Wellen an den senkrechten 
Wänden gegen 200 Fuss hoch und auf das Land geschleudert worden. Wahrlich, wer, wie ich, 
das Meer um Helgoland in der Aufregung des Orkans gesehen und dabei die Höhe und Kraft 
der Wellen beobachtet hat, wird bei dieser Stelle, kaum seinen Augen trauend, fragen : wie ist 
es möglich, so etwas zu schreiben?? Nur in den Siebenmeilenstiefeln einer ausschweifenden 
Phantasie kann man, über die Schwierigkeiten der Wissenschaft sich hinweg setzend, dahin 
gelangen, eine solche Behauptung auszusprechen und ohne Ahnung der eigenen Blosse ihr sogar 
das Gewand einer ausgemachten Thatsache umzuhängen. 

Es wird sich bei der Untersuchung der Wellenwirkung auf die Küsten der Insel Gelegenheit 
finden, hierauf und auf einige andere damit zusammenhängende Angaben zurückzukommen. 

"") Einen der schönsten Beweise der Hebungen, welche nach der grossen Gerölleablagerung erfolgten 
und ausser der allgemeinen Aufsteigung des Landes auch noch örtliche Veränderungen der 



- 14S — 

gegen die Statuirung jenes Emportretens gewichtige Bedenken erhoben werden, 
dann aber haben wir hier den Punht wo die Sage entsprungen und in ihr selbst 
vielleicht ein Zeugniss, dass schon damals, Jahrtausende vor unserer Geschichte, 
diese Länder von Menschen bewohnt waren. Wenn auch in dieser Epoche der 
Heerd der wirkenden Kräfte in Skandinavien zu suchen ist, so scheint hier besonders 
für die Küstenländer der Nordsee der Wendepunkt zu einer weitverbreiteten Senkung 
eingetreten zu sein, welche ihnen im Allgemeinen die jetzige Gestalt verlieh, und 
nur theilweise durch geringe Wiedererhebungen in ihrem Fortgange unterbrochen 
wurde. Diese oscillatorisclie Bewegung wirkt noch jetzt fort, an der Westküste der 



Höhenlage bewirkten, bieten die in Holstein aufgefundenen Austerbänke. Die eine derselben lieg 1 
bei demDorfeTarbek, unweitBornhöved, am nordwestlichen Rande der Segeberger Haide, an 
den Gehängen eines Höhenzuges, der von S. 0. n. N. W. sich zieht und bis zu 200 Fuss über 
den Spiegel der Ostsee sieh erhebt. Die Bank ist in der Ausdehnung einer Viertelmeile stellen- 
weise aufgeschlossen, 3 — 8 Fuss von Sand bedeckt und an einigen Stellen über 25 Fuss mächtig. 
Obgleich die Schaalen unter einander parallel und so liegen, wie sich die Thiere anzusetzen 
pflegen, so ist doch die ganze Bank in ihrer Lage so gestört, dass ihre Längenachse fast senkrecht 
steht. Eine andere Austerbank trifft man bei Waterneversdorf, unweit Lütgenburg, eine 
Viertelmeile von der Ostsee und c* 80 Fuss über deren Spiegel. (Vergl. Bruhns Spec. Bericht 
S. 36) Forchhammer (L. J. 1838 S. 94.) fand in der Bank von Tarbek: Card, edule, Litor. 
litorea, Bucc. undatum, Ostr. edulis. 

In der Ostsee lebt die Auster jetzt nicht mehr, dagegen ist die Nordsee daran sehr reich, wie 
die jüngst bei Helgoland entdeckte Bank beweist. Dieselbe liegt 3 Seemeilen im 0. der Düne in 
einer Richtung von S. 0. n. N. W., so, dass ihr Nordendc mit dem der Helgolander Düne und 
demNordhorn in einer Linie liegt und das Südende über der Aade der Düne das Süd hörn der 
Insel zeigt. Die oberste Schicht der Austern soll in 14, die unterste in 17 Faden Tiefe liegen, 
demnach das Lager einen senkrechten Durchmesser von 18 Fuss haben und nach den, mir 
gewordenen, Mittheilungen auf einem Schlickgrund liegen. 

Ob die Blanken es er Hügel noch einer besonderen Localerhebung ihre Höhe verdanken, ist 
zur Zeit durchaus zweifelhaft uud mir wahrscheinlicher, dass dieselben Bildungen eines früheren 
Meeresstrandes sind. Die gleichen Niveauverhältnisse des Braunkohlenthons in Glückstadt und 
Altona sprechen so lange gegen eine örtliche Erhebung, bis bei Blankenese wirkliche Schichten- 
störungen dargethan sind. Nach Schumachers Messungen mit dem Verticalkreis sind für die 
dortigen Hügel folgende Höhenunterschiede erhalten. 

Die Oberkante des Steins auf dem Bauersberge ist: 

niedriger als der Knopf auf dem Michaelisthurm J81 Hambg. Fuss 

höher als die Wetterfahne auf der Altonaer Annenkirche 118 

höher als der Knopf auf der Altonaer Annenkirche 122^ - 

höher als der Knopf auf der Altonaer Stadtkirche 16J 

höher als der Knopf der Ottensener Kirche. 89 

höher als der Knopf der Niendorfer Kirche 148 

höher als der Knopf der Nienstedter Kirche 121 

19 



— 146 - 

cinibrischen Halbinsel und Schönens macht sie sich als langsame Senkung bemerklich, 
während der Osten Skandinaviens der See mehr entsteigt (Bornholm 1 F., Galmar 
2 F., Tornea 4i in F. 100 Jahren) und in den dänischen Inseln die Knotcnlinie der 
Schwingungen liegt. 

Eine reiche Vegetation hatte sich auf den, nach der Geröllbildung dem Meere 
entstiegenen Ländern entwickelt 5 Sumpfflanzen wucherten in ihren Niederungen und 
lieferten das Material zu ausgedehnten Torfmooren, während dichte Wälder das 
trockene Land bedeckten. Der Mensch erscheint unter ihren Bewohnern.*) Die 
Senkung, hier stätiger, dort mit heftigen Bewegungen verknüpft, hat sie theils 
in unveränderter Stellung unter den Meeresspiegel hegraben, theils liegen sie bedeckt 
von den jüngsten Strandbildungen und von den Alluvioncn der Flüsse. 

Von der grossen Ausdehnung dieses Niedersinkens giebt das Gebiet einen 
Begriff, über welches wir die untermeerischen Moore und Wälder verbreitet finden. 
An vielen Punkten der Ostküste Englands und Schottlands, am Fi ith of Forth, an deren 
West- und Südwestseite, in Nordfrankreich hei Morlaix, in Holland, an der Hannover- 
schen, Holstein 'sehen und Schleswig'schen Küste, bei den Friesischen Inseln Föhr, 
Sylt, Komöe**), Fanöe bis in die Gegend des Limfiord und des jütischen Biffs***) 

höher als der Knopf der Harburger Kirche 117 

höher als der Knopf der Moorburger Kirche 223 

Die Höhe der Oberkante des Steines über der Elbe ist durch gleichzeitige 
Barometerbeobachtuugen bestimmt, indem Schumacher auf dem Bauersberg 
und der Observator Petersen an der Elbe beobachtete. 
Es fand sich die Höhe der Oberkante des Bauersbergs über mittler Fluthhöhe 

der Elbe. September 27 315J - 

October 6. 1831 321$ - 

Mittel 318$ Hbg. Fuss. 

*) In derneuesten Zeit fand man bei dem Hafenbau von Husum, tief unter dem Niveau des jetzigen 
Meeres, Reste eines untermeerischen Waldes mit einem Grabhügel, der SteinwafTen enthielt. 
CS. Baggesen, der dänische Staat. Kopenhagen 1845. 1. S. 35 und Forchhammer, amtl. Bericht 
d. Vers' in Kiel S. 97.) Auch in englischen submarinen Mooren sind menschliche Reste und 
Kunstprodukte gefunden worden. 

»«*) Forchhammer L. I. 1838. S. 94. 1841. S. 28. Die Föhren, aus welchen dieser Wald besteht, 
wurzeln noch auf dem Meeresgrund und sind also nicht durch eine Fluth hier abgelagert. 

***) Tetens (Reise in die Marschländer an der Nordsee Leipz. 1788. Bd. 1. S. 183) erwähnt schon, 
dass auch auf dem jütischen Riff, welches auf 30 Meilen nach W. am Nordabfall Steingrund 



— 147 - 

sind sie bekannt, aber nach den Untersuchungen von Steenstrup, auch auf der 
Ostseite der Cimbriscken Halbinsel, z. JB. am Mariager Fiord, verbreitet; Nielsen 
entdeckte ein submarines Torfmoor an der Südküste Schönens und Forchbammer 
einen Wald an der Westküste von Bornholm. Auch in der Elbe bei Blankenese, 
Hamburg und noch weiter aufwärts im Stromthale*) liegen sie in verschiedenen, 
aber nicht sehr grossen Tiefen (Romöe 10 F. Hamburg 8 F. unter niedrig Wasser). 
Noch entfernter von den Küsten landeinwärts zeigen sich ihre Spuren unter einer 
Decke jüngster Meeres- und Süsswasserbildung, fast überall aus denselben, unserer 
jetzigen Vegetation angehörenden, Bäumen bestehend, als: Eichen, Haseln, Erlen 
(Cornwall, Hamburg), seltener: Föhren (Romöe.) 

In Folge dieser Senkung wurde Helgoland von dem Kontinente getrennt, aber 
wahrscheinlich hat es an dieser Bewegung nicht nur im Allgemeinen Tbeil genom- 
men, sondern noch eine specielle Störung erlitten, welche die östliche Neigung des 
Oberlandes hervorrief. 

Forchhammer hat versucht, diesen grossen Untergang der früheren Nordseelän- 
der mit dem Durchbruch des Kanals zwiseben England und Frankreich in Yerbin- 



habe, Bäume herausgezogen worden seien und reiht daran die Vermuthung, dass dasselbe ehemals 
aus dem Wasser hervorgeragt habe und mit Wald bewachsen gewesen. Nach der Verbreitung 
der untermeerischen Wälder längs der Westküste Holsteins, Schleswigs und Jütlands, ist es 
wahrscheinlich, dass die erwähnten Bäume des ßimmens derselben Zeit angehören. 

Im Sommer 1840 wurde bei der Austiefung des Oberhafens in Hamburg zwischen dem Grasbrook und 
Kehrwiederwall, dureh die ungeheuere Masse der zu Tage geförderten Haselnüsse und Eicheln 
die Aufmerksamkeit auf dieses Vorkommen gelenkt und bald erkannt, dass jene Früchte nicht 
zufällig und durch menschliches Zuthun an diesen Ort gelangt, sondern die Reste untergegangener 
Wälder seien. In der Generalversammlung des naturwissenschaftlichen Vereins vom 18. Nov. 
1840 zeigte ich, dass die Früchte und Baumstämme von Eicheln, Buchen und Haseln zu 
der Ablagerung der untermeerischen Wälder gehörten. Bei verschiedenen Bauwerken innerhalb 
der Stadt, besonders aber bei den Bodenuntersuchungen für den Bau der Hamburg-Bergedorfer 
Eisenbahn erkannte man die weitere Verbreitung dieser Bildung im oberen Elbthal und später 
wurde dieselbe auch bei den Baggerarbeiten im Strombette zwischen Blankenese und Schulau 
entblösst, wo man schon früher einzelne Stamm- und Aststücke von Bäumen aus dem Grunde 
gezogen hatte. Durch die Bohrungen bei Anlegung des Harburger Hafens wurde auch auf dem 
linken Ufer der Elbe deren Vorkommen erwiesen und zwar in einer durchschnittlichen Tiefe von 
8 — 10 Fuss unter dem dortigen Nullpunkt der Elbe, was von ihrer Lage bei und in Hamburg 
wenig abweicht. 

19* 



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düng zu setzen und aus den dadurch veränderten klimatischen Verhältnissen, .be- 
sonders in Dänemark, Anhaltspunkte für eine Zeitbestimmung zu gewinnen. Nach 
ihm wäre die bekannte Cimbrische FJuth, 500 lahrc vor Christo, vielleicht von je- 
nem Durchbruch des Kanals abzuleiten, und damit uns das früheste Datum einer 
gewaltigen Katastrophe gegeben. Das Vorkommen der untermeerischen Wälder an 
den östliehen wie westlichen Gestaden Englands spricht dafür, dass es von allen 
Seiten in die plutonische Senkung gezogen und durch diese vielleicht von Frank- 
reich getrennt worden sei. Dass dieses Ereignis zur Zeit der Cimbpischen Fluth 
eingetreten, möchte wohl vielem Zweifel unterliegen. Für Helgoland wenigstens 
glaube ich weiter unten beweisen zu können, das es weit früher vom Continente 
geschieden und in seine gegenwärtige Lage versetzt wurde. Die oscillatorischen 
Bewegungen der Nordsecländer waren mit der Periode der untermeerischen Wäl- 
der nicht abgeschlossen, denn nicht nur diese selbst, sondern auch jüngere Meercs- 
hildungcn, haben später noch eine Erhebung erfahren. An der benachbarten Küste 
Schleswigs und Jütlands beurkunden zwei Dünenzüge, die oft ein meilenhreiter 
Zwischenraum trennt, die eingetretene INiveauveränderung ; weiter nach S. O., in 
Holstein, findet man viele jüngere Formationen in einer Lage, welche unmöglich 
ihre ursprüngliche gewesen sein kann. 

Auflallend schon durch seine Isolirung, wird der Durchbruch Helgolands mit 
dem deutlichen Gepräge mächtiger Hebekräfte räthselhaft für den Gebirgsforseher, 
indem er vergeblich die Insel und ihre nächsten wie ferneren Umgebungen nach 
Massen durchspäht, die durch ihre Abkunft Licht in das Dunkel werfen, und Führer 
zum Heerde jener Kräfte werden könnten. So viel auch in den verschiedenen 
Schriften von solchen Gesteinen Erwähnung geschieht, nirgends ist eine Spur 
davon nachzuweisen, weder von dem meilcnlangen und -breiten Granitriff, welches 
Siemens*) in den Meeresgrund zu Pf. W. verlegt, noch von dem Porphyr, aus 
dessen Gerollen am Dünenstrande Fiedler**) das Anstehen einer grösseren Masse 
in geringer Tiefe schloss. Hätte er mit dem Lothe dieselbe ergründet, statt mit 



•) A. a. 0. S. 33. ••) Helgolands Rettung, Ausland 1843. Ko. 100 und 101. 



— - 



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der Phantasie sich in dieselben zu versenken, so würde er gefunden haben, dass 
keine Porphyre, kein Granit oder anderes endogene Gestein, weder in geringer 
Tiefe, noch überhaupt anstehe. Wollte man freilich zu der Theorie Rumohrs, 
welche Forchhanimer zu .begründen versucht hat, seine Zuflucht nehmen, dann wäre 
jede Frage nach den erhebenden Massen durch die erratischen Blöcke erledigt, und 
die Lavabruchstücke auf Sylt, wie zuweilen am Dünenstrande, würden für uns die 
nachgebliebenen Zeugen einer früheren vulkanischen Thätigkeit in dieser Gegend, 
zugleich auch die Führer zu einer einfachen und leichten Erklärung der isolirten 
Erhebung Helgolands sein. Doch der Kampf dieser Theorie mit anderen Erfahrungen 
ist ein zu gewaltiger und zu wenig siegverheissender, als dass man versucht sein 
könnte, im Gewoge räthselhafter Erscheinungen sich solch gebrechlichen Fahrzeuges 
zu bedienen, um überhaupt nur Land zu gewinnen.*) 



Die Idee, dass die erratischen Blöcke nicht durch Wanderung aus der Skandinavischen Halbinsel 
über die norddeutsche Ebene sich verbreitet hätten, sondern die Trümmer eines zerstörten 
Granitgebirges seien, welches früher in ihr sich erhoben, hatte Rumohr in den letzten Jahren 
aufs Eifrigste verfolgt, ohne dass es ihm jedoch gelungen wäre, irgend einen Punkt aufzufinden, 
wo die plutonischen Gesteine wirklich anstehen und eine unzweifelhafte Verbindung mit der 
Tiefe erkennen lassen. „Ich lebe der Ueberzeugung, äusserte er gegen mich, dass man unter 
den vielen Tausenden von grossen Blöcken in der nordischen Ebene gewiss noch einen mit 
seiner Nabelschnur findet, die uns zu der Mutter zurückführen und das Räthsel mit einem Male 
lösen wird." Aber bis jetzt ist diese Hoffnung R's. unerfüllt geblieben, denn von Belgien bis 
Kostroma an der Wolga, bis zum schwarzen Meere und zum Fusse der Karpathen haben die 
Geognosten vergeblich nach Spuren einer Verbindung mit den hypothetischen Analogen in der 
Tiefe geforscht. 

Diese Thatsache ist es, welche ich vor Allem der Forchhammerschen Theorie entgegenstelle, 
dass die zahlreichen Blöcke des Geschiebe - Thons nicht von Schweden herüber gewandert, 
sondern aus der Tiefe unter dem Boden Dänemarks durch plutonische Hebung losgebrochen 
und heraufgeworfen worden seien (P. A. 58. 625.) Wenn F. überhaupt die Wanderung der 
Rollsteine nach dem Süden zugiebt und jene des Braunkohlenthons als Skandinavische Geschiebe 
betrachtet (ib. 617); so scheint mir seine Beweisführung gegen eine solche Bewegung der 
späteren Rollsteine an vielen anderen gewichtigen Bedenken zu scheitern. 

Eine Fläche von c »1000 □Meilen ist mit dieser Bildung bedeckt und auch auf dieser grossen 
Strecke nirgends die geringste Andeutung einer Verknüpfung mit den angenommenen Granit- 
Gneisketten, welche von Schweden aus, unter dem Boden Dänemarks sich hinziehen sollen. 
Ueberall dagegen mächtige neptunische Ablagerungen, welche tausendfältig zerklüftet sein müssten, 
um den granitischen Bomben den Weg nach der Oberfläche möglich zu machen und die 
losgerissenen Trümmer der geborstenen Schichten aus mehreren tausend Fuss Tiefe mit sich 
herauf zu schleudern. Und alle diese Klüfte hätten sich wieder vollständig geschlossen, in 



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Dagegen möchte um so mehr Forchhammers Meinung beigepflichtet werden, dass 
der Durchbruch des Gypses in Lüneburg und Segeberg mit dem Vorkommen der 
Soolquellen von Oldesloe, Tralau und Orvad im Wensyssel in Verbindung 



keiner wäre, ungeachtet der Eruptivkraft, das plutonische Gestein alc zusammenhängende Masse 
heraufgestiegen, um sich oben zu einem, wenn auch kleinen, Dom zu thürmen? Es mögen die 
weiteren Einwürfe gegen diese Eruptionstheorie, welche einer Durchschwitzung zu vergleichen wäre, 
unerörtert bleiben, in so fern sie der Gestalt der Garölle, der Beschaffenheit ihrer Oberfläche etc. 
entnommen werden könnten, um nur bei einer Frage noch zu verweilen. 

Vulkanische wie plutonische Massen setzen an den Begränzungsstellcn mit neptunischen in 
der Regel steil nach der Tiefe, der sie entstiegen und lassen deshalb nicht den Schluss einer 
weiteren horizontalen Erstreckung unter den Letzteren zu. Anders ist dies bei Sedimentgebil- 
den. Wo sie in bedeutender Mächtigkeit unter jüngeren Gliedern erscheinen, da darf meistens 
vorausgesetzt werden, dass sie nicht plötzlich abschneiden oder auskeilen, sondern weiter unter 
den Letzteren fortsetzen und allmählicher verschwinden. Nach dem Streichen und Fallen der 1600F. 
mächtigen Trias auf Helgoland ist deren weitere Erstreckung nach 0. und S. 0. unler der eim- 
brischen Halbinsel und dem Boden Holsteins doch gewiss nicht unwahrscheinlich. Wenn nun 
bei den plutonischen Ausbrüchen Trümmer des Uebergangskalks, welche auf Helgoland, Sylt, 
Segeberg und Oldesloe so zahlreich sich finden, mit hervor getrieben wurden, warum trifft 
man nur selten Bruchstücke der mächtigen Lias, warum fehlen sie auf dem benachbarten Sylt, ja 
selbst unter den Gerollen der Helgolander Dünen fast gänzlich? 

Wenn die Lavatrümmer im Sylter Geschiebethon als Zeugen eines benachbarten vulkanischen 
Ausbruchs betrachtet werden, so sollte man doch da zunächst die Reste der durchbrochenen 
Schichten, durch Feuer veränderte Massen, gebleichte Sandsteine, gefrittete Mergel etc. unter 
den Auswürflingen zu finden hoffen. Oder sollen wir annehmen, dass die Bruchstücke der 
Schieferletten und bunten Mergel ganz zerstört seien, während die Reste der weit leichter ver- 
gänglichen weissen Kreide erhalten wurden? Eine solche Voraussetzung würde der Behauptung 
entgegen treten, dass die Auswürflinge nicht aus grösserer Entfernung an ihre jetzige Lager- 
stätte geführt, sondern in deren Nähe den Eruptionsklüften entstiegen seien. D - 629) Sucht man 
nicht viel einfacher und naturgemässer die Bildungsstätte dieser vulkanischen Trümmer in den 
Vulkanen Islands, wenn fest steht, dass vor dem Durchbruch des Kanals ein Polarstrom nor- 
discher Eisfelder in die nach W. geschlossene Nordsee führte? (S. Forchhammers Amtl. Ber. 
d. Vers. d. N. u. A. Kiel 1846. S. 83. ff.) Widerspräche es jetzigen Vorgängen, dass die leich- 
ten Lapilli in grosser Menge aus einem, der Küste nahe liegenden, Krater auf die Eisdecke 
des Meeres geworfen wurden, mit dieser von dem Strome nach Süden getrieben und am Orte 
der Schmelzung des Eises, sich mit den localen Bildungen vermengt haben? Auch unter den 
Gerollen der Helgolander Düne, trifft man einzelne Stücke von Trappen und wirklichen Laven, 
ja weit von den heutigen Küsten findet sich unter den übrigen Geschieben des Tieflandes Basalt 
gar nicht selten (ßoll Geognosie d. deutsch. Ostseeländer S. 112.). Sollte auch dieser nicht 
von einer fernen ursprünglichen Erzeugungsstätte über ein so weites Gebiet auf irgend eine 
Weise zerstreut worden, sondern gleich den Graniten, Gneisen etc. kein Fremdling sein? Dann 
wäre es in der That wunderbar, dass von einer so weit verbreiteten vulkanischen Thätigkeit nicht 
mehre und mannigfaltigere Spuren auf uns gekommen. Nach den Beobachtungen von Sartoriu 



151 - 



steheu und einer von S. nach IV. gehenden Hebung angehören, welche jünger ist, 
als die Erhebung der Seitenhetten Schwedens von S. S. O. nach 1\. N. W.*) 

Diesen Bewegungen in Skandinavien schliesst sich, nach dem Streichen der 
Schichten und relativem Alter ihrer Aufrichtung, Helgoland wohl am nächsten an; 



(Göttinger Studien 1847. 1. 350.) liegen an der nördlichen Küste von Island Granite, Serpentine 
etc. welche mit Eisfeldern von Spitzbergen angetrieben sein müssen, da weder auf der Insel 
noch in ihrer Nähe gleiche Gesteine vorkommen. Andere Erfahrungen haben eine derartige Fort- 
schaftong von Steinen und Gerollen ausser Zweifel gesetzt; so dass es ungleich mehr Wahrschein- 
lichkeit für sich hat, in den vulkanischen Trümmernder Rollsteinperiode Einwanderer aus Island 
und den Faeröern anzusprechen, als in ehemaligen durchaus hypothetischen Vulkanen Dänemarks 
und Norddeutschlands ihre Heimath zu suchen. 

Ueber die Stellung des Segeberger Gypses herrscht unter den Geognosten welche sich mit 
dessen Untersuchung befasst haben, eine grosse Meinungsverschiedenheit. Während Steffens (Ge- 
ognost. geolog. Aufsätze etc. 1810, S. 62. ff.) denselben der Kreide zuzählt; nach Hoffmann (G- 
A. 16. S. 55.) in dessen Auftreten eine völlige Uebereinstimmung mit dem Erscheinen der älteren 
Gypsformation in dem südlicheren Flötzgebirge Norddeutschlands stattfindet, sucht Volger (Beitr. 
S. 77.) zu beweisen, dass er dem Ceratitenkalk der Trias angehörte. Die umfassendsten und gründ- 
lichsten Untersuchungen über diesen merkwürdigen Erhebungspunkt verdanken wir Forchhammer. 
Da die Ergebnisse derselben in einer wenig verbreiteten und wegen der Sprache minder zugäng- 
lichen Schrift enthalten sind; so glaubte ich deren Mittheilung hier um so weniger mir versagen 
zu dürfen, als F's. Ansichten denmeinigen direkt entgegen stehen. Danmarks geognost Forhold. 
S. 109 ff. heisst es: „Der Kalkberg zu Segeberg erhebt sich steil, als ob er nur in der Grösse von 
den Rollsteinen, welche so häufig in dieser Gegend vorkommen, verschieden wäre. In einer Tiefe 
von 300' findet man noch denselben Gyps und der Berg selbst erhebt sich ca. 100' über die Erd- 
oberfläche. Die Masse besteht aus Gyps und Anhydrit, welcher kohlensauren Kalk, Borazit und 
Steinsalz eingeschlossen enthält, seine Lagerungsverhältnisse gleichen sehr der Möener Kreide, 
Streifen und Adern von Geröllsand und Lehm ziehen sich durch die ganze Masse und an der 
Seite des Berges, welcher der Stadt zugewendet, kommen Gyps, Rollsteine und Sand auf solche 
Art vermengt vor, dass man schwer ihre Verhältnisse bestimmen kann. Ganz in der Nähe des 
Gypsfelsens findet man selbst in tiefen Brunnen keinen Gyps, so dass er sich saiger nach der 
Tiefe fortsetzt. Er ist von einem mächtigen Lager blauen Thons, welcher S. nach N. streicht und 
wahrscheinlich derselbe ist, welcher in der Nähe von Oldesloe mit Gyrogonitmergel bedeckt ist, 
umgeben. Der Gyps streicht wie der blaue Thon nordsüdlich und fällt unter einem Winkel von 
c» 900 n ath 0. Bei Segeberg kommen zwei Gypslager vor, nämlich der eben genannte und der 
i Meile weiter nach 0. beiStipsdorf, welcher mit Rollsteinsand und Thon bedeckt tst. Hier sind die 
Verhältnisse des Gypses zu der Rollsteinbildung durch einige Bohrungen und Nachgrabungen, welche 
ich auf Befehl der königl. Rentenkammer habe ausführen lassen, aufgeschlossen worden. Eine 
Grube zeigte hier folgende Lager von W. nach 0. : 

1. Gyps, ohne Anhydrit, 8' mächtig, in grossen nierenförmigen Massen in blauen Thon eingelagert. 

2. Derselbe Thon, aber mit nur einzelnen Gypsnieren und Stücken schwarzen, porösen Kalk- 
steins, 5' mächtig. 



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es ragte schon hoch empor, ehe noch Lüneburg und Segeberg der Tiefe entstiegen 
waren. Gewiss sind nach den letzten plutonischen Erschütterungen, welche auf die 
Gestaltung der Küstenländer Norddeutschlands und Jütlands ihren Einfluss übten, 
aber alle einer vorgeschichtlichen Zeit angehören, noch fernere INiveauveränderungen 



3. Rother Sand, 1' machtig. 

4. Schwarzer Sand, voll Kalksteinbrocken wie No. 2. Der Kalk enthält scharfkantige Feuersteine 
und ausserdem Granit und andere Rollsteine. In einem Stücke fand sich ein Bruchstück von 
Dental, striatum. t 

Dieser Kalkstein hat wirkliche Blasenräume, und wenn man seine Härte und sein Verhalten gegen 
Säuren nicht untersucht, könnte man zu der Meinung geneigt sein, dass es Lava wäre. 

5. Bröckliger Mergel mit grünen und rothen Flecken, voll von grossen Rollsteinen. Bei einem 
Bohrversuche in der grossen Gypsgrube (einem vor längerer Zeit aufgegebenen Gypsbruch bei 
Stipsdorf) durchbohrte man die folgenden Lager: 

1. Grober Sand mit gelbem Thon 8 Fuss 6 Zoll 

2. Gyps 17 - 6 - 

3. Gelber Thon , 2 - - - 

4. Gyps 4 - 4 - 

5. Gelber Sand mit Thon 5-8- 

6. Gyps 52 - 9 - 

7. Sand 1 --- 

8. Gyps 24 - 2 - 

9. Grober Sand und scharfkantige Feuersteine. 5-6- 

10. Gyps , . . . - - 8 - 

11. Schwarzer Thon. , ,... i - 2 - 

12. Gyps mit Thon gemengt , 10 - 7 - 

137 Fuss 10 Zoll. 

Diese Untersuchungen erheben es über allen Zweifel, dass der Gyps in Holstein untergeordnete 
Massen in der Rollsteinformation bildet. Aber derselbe Gyps, welcher dieselben Boracite führt, 
wird in Lüneburg von Schreibekreide bedeckt, deren Character deutlich durch grosse Exemplare 
von Inoceramen bezeichnet wird. Hieraus schliessen wir mit grosser Sicherheit, dass die schwe- 
felsauren Dämpfe, welche stets Gyps und Kalkstein bilden, auf die Kreide eingewirkt haben, aber 
dass die Einwirkung in der Rollsteinzeit stattgefunden hat, deshalb sind die grossen Massen, wie 
die Kalkbcrge bei Lüneburg und Segeberg, frei von Rollstein ; aber die kleinen Massen bei Stips- 
dorf, welche wahrscheinlich aus dem Mergel der Rollsteinformation gebildet sind, sind mit 
Rollsteinen vermisoht. Ein schwarzer Kalkstein, wie der von Stipsdorf, begleitet auch eine Gyps- 
masse, welche sich in der Nähe von Ludwigsluat in Mecklenburg findet." 

Schon in den Iahren 1804—9 wurden in dem Segeberger Gyps Bohrungen auf Steinsalz unter- 
nommen, welche Kabell mitgetheilt hat (Spz. Ber. S. 53.); bei der einen war in 299F., bei der 
anderen in 433F. der Gyps noch nicht durchsunken. Wenn das Vorkommen von Gerollen und 
Geröllsand im Stipsdorfer, von Bernstein in dem Segeberger Gyps (S. Boll. a. a. 0. 219) hin- 
sichtlich leiner geognostischen Stellung entscheidend sein und Forchhammers Ansicht beigepflich- 



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an den Küsten erfolgt, welche das Hereinbrechen der See und den Untergang be- 
wohnter Strecken veranlassten, von denen Sage und Geschichte mit mehr oder min- 
derer Uebertreibung uns berichten. Einiger Anthcil an diesen Küstenveränderungen 
mag der allgemeinen, aber sehr langsamen Senkung zukommen, welche im Westen 



tet werden möchte; so fehlen zur Zeit noch die überzeugenden Beweise, dass in dem Gypsstock 
von Lübtheen die Gerolle, wie in Stipsdorf, mit der Masse vermengt und nicht nur auf Klüften 
in demselben liegen. Nach Boll (a. a. 0. S. 106. 221.) wären sie auf letztere beschränkt, allein 
die bisherigen Untersuchungen geben auf diese wichtige Frage keine befriedigende Antwort. 

Kaum wäre es zu begreifen, wie der Segeberger Gyps nach Forchhammer, „ohne allen Zweifel" 
untergeordnete Lager der Rollsteinformation bilden könne, während Volger denselben „mit der 
grössten Sicherheit" dem Ceratiten-Kalk zutheilt, wenn nicht durch die ungleiche Gründlichkeit 
der Untersuchung, die verschiedene kritische Genügsamkeit bei deren Beurtheilung, dieser Wider- 
spruch der gleichen Bestimmtheit in den entgegenstehenden Ansichten sich löste. Volger be- 
trachtet es als unbestreitbar, dass der Gyps von Lüneburg und ein, am Schildstein mit ihm 
brechender, Stinkmergel dem Ceratitenkalke angehören. Auch in Segeberg enthält der Gyps Bo- 
razite; in einem verlassenen Bruche an dem Kalkhausberge bei Stipsdorf sind Spuren eines 
Stinkmergels, beides für V. schlagende Beweise der geognostischen Identität. Doch der Ceratiten- 
kalk selbst, ja Triassandsteine seien vorhanden, freilich nur unter den Gerollen am Ufer des 
Stipsdorfer See's; da derselbe aber offenbar durch gewaltige Einstürzungen entstanden ist, so war 
zu vermuthen, dass sich Fragmente tiefer liegender Schichten finden würden. (Beitr. S. 77.) 
Angenommen, der See verdanke seine Bildung wirklich einer eingestürzten Gypsschlotte, so ist 
es gewiss nicht allein für meine Vorstellung unzugänglich, wie in Folge des Durchbruchs die 
Triasreste, den stürzenden Massen entgegen, aus unbekannten Tiefen herauf gelangen konnten. 
Dach V. weiss auch in dieser Verlegenheit Hülfe. Seine Phantasie spannt die Wellen des 
See's vor und lässt durch sie die Bruchstücke der Triasschichten, welche im Grunde anstehen 
sollen, aus unergründlicher Tiefe an's Ufer tragen. Schade nur dass die Gesetze der Wellenbe- 
wegung dieser Zumuthung sich nicht fügen; schade, dass die einfache Beobachtung der Wellen- 
wirkung auf einem kleinen Landsee das Nebelbild jener Hypothese sogleich auflöst, denn wenn 
im Bereiche der Brandung die Kraft kaum hinreicht, leichtes Gerolle zu bewegen, dann schwindet 
von selbst der Gedanke, dass grössere Stücke von einer kleineren Kraft aus der Tiefe gehoben 
werden könnten. 

Endlich bemüht sich V. seine Ansicht durch das Vorkommen der Trias zwischen Pinneberg 
und Elmshorn, an der sogenannten Lieth, zu erhärten. Bei dem Baue der Altona-Kieler Eisen- 
bahn wurde an dem genannten Punkte ein Thon mit einzelnen Nestern späthigen Gypses aufge- 
fahren und von dem Director der Bahn mir einige Proben übersendet. In einer Versammlung 
des naturwissenschaftlichen Vereins hatte ich über diesen Fund berichtet und dabei geäussert 
dass man nach den ersten Mittheilungen hätte vermuthen mögen, es trete hifcr ein, den Helgo- 
lander Schichten ähnliches, Gestein zu Tage, was jedoch durch die Untersuchung nicht hestätigt 
worden, indem der rothe Thonmcrgel der Tertiärzeit oder selbst dem Diluvium angehöre, worüber 
erst nach weiterem Aufschliessen der Ablagerung entschieden werden könne. Demungeachtet 
wurde in einem Schreiben in Leonhardt's Iahrb. 1845. S. 74. behauptet, der rothe Thonmergel 
sei dem Helgolander vollkommen ähnlich, obgleich der Verfasser jenes Schreibens damals die 

20 



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Dänemarks durch Beobachtung festgestellt ist, wie notorisch der Osten Skandina- 
viens noch fortfährt in dem Emporsteigen (S. oben S. 146.) und uns die hefti- 
gen andauernden und wiederkehrenden Evolutionen dieser Länder gleichsam in 
ihren letzten Zuckungen vergegenwärtigen. Die Hauptursachen dieser Zerstörungen 
sind dagegen nur in dem fortwährenden Schaffen und Vernichten an den Küsten 
der Tiefländer und in den Verhältnissen der Strecken zu suchen, welche deren 
Bewohner seit vielen Jahrhunderten in einen fortdauernden Kampf mit dem Meere 



Insel nicht ans eigener Anschauung kannte, ja nicht einmal ein Handstück zur Vergleichung ge- 
naht haben kann, da selbst der oberflächlichste Dilettant die gänzliche Verschiedenheit beider 
Massen erkennen muss. Es sind indessen von jener Seite schon so viele falsche Angaben und 
unglaubliche Irrthümer über unsere Umgebung in genannter Zeitschrift niedergelegt worden, dass 
dieser neue nicht eben Wunder nehmen könnte. 

In den Gruben bei der Ziegelei von Lieth erscheint der rothe Thonmergel in regellosem Wech- 
sel mit gräulichen Thonmassen; beide sind sehr plastisch, nach dem Trocknen aber leicht zwischen 
den Fingern zerreiblieh und so wenig cohärent, dass man kaum ein Handstück daraus schlagen 
kann. Die Farbe der ersteren Abänderung geht aus hellem Fleischroth ins Bostgclbe, und 
Chlorwasserstoffsäure zieht, ausser einer ziemlichen Menge Kalkcrde, auch nicht unbedeutende 
Quantitäten Eisenoxyd aus demselben. Von Schichtung ist nirgends die geringste Andeutung 
und eben so wenig lässt sich ein bestimmtes Einschiessen unter jüngere Gebilde erkennen. 

Unter solchen Verhältnissen würde unmöglich sein, über das Alter dieses Thonmergels einige 
Gewissheit zu erlangen, wenn nicht sehr zahlreiche Gerolle von Granit, Gneis, Feuersteine und 
selbst kleine Kreidetrümmer sich in der Masse fänden. In den oberen Abtheilungen gesellt sich 
ihnen auch wohl Sand zu, während beide nach der Tiefe seltener werden, doch selbst an der 
Sohle nicht fehlen. Betrachtet man neben dieser Thatsache die gesammte Configuration des 
Landes, welches sich als eine ununterbrochenen Fläche gegen die Elbe hinzieht und nur wenig über 
dieser erhaben liegt; erinnert man sich, dass in der Entfernung weniger Stunden bei Glückstadt 
und Altona bis über 450F. Tiefe der mächtige Braunkohlenthon reicht, hier weder von diesem, 
noch von der Kreide irgend eine Spur sich findet, — dann darf man in Ermangelung widerspre- 
chender Beobachtungen den Liether Thonmergel mit einiger Zuversicht in die Diluvialzeit versetzen. 
Und mit welchen Gründen stempelt ihn V. als Keuper? Nur wegen der Aehnlichkeit der 
Farbe mit einem Thonmergel in der Aschenkuhle bei Lüneburg, dessen Altersverhältniss noch 
im höchsten Grade unbestimmt ist!! Und die vielen Bedenken erregenden Diluvialgerölle im 
Thone derLieth? Der Wellenschlag hat sie in den aufgeschlemmten Keupermergel eingewaschen ! .' 
Doch endlich überbietet sich V, in seinen Ansprüchen an unseren Glauben, denn der Thon, 
welcher mit so ausgezeichneter Grundlosigkeit der Trias zugetheilt ist, soll der Behauptung eine 
„zuverlässige" Stütze bieten, (Beitr. S. 78.) dass der Segeberger Gyps derselben Formationsreihe 
angehöre! — In der That, für solche Beweisführungen kann die Wissenschaft, so lange sie auf 
diesen Namen nicht verzichten will, wenig Dank wissen, eben so wenig, als für das Verdienst, 
den ungeheuren Nameowust noch mit einer „penäischen Gruppe Töck" etc. etc. vermehrt, und 
selbst noch einen Skit hinzu gefügt zu haben. 



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versetzten, dem sie bald siegend neuen Boden abgewannen, bald unterliegend sicher 
gewälinten Besitz für immer tiberlassen mussten. 

Der feine Sand, welchen das Meer aus den Gebilden des Strandes wäscht 
und an das Ufer wirft, häuft sich, vom Winde fortgeführt, hinter den nächsten 
Gegenständen, die gegen den herrschenden Luftstrom ihn schützen, und bietet im 
fortdauernden Wachsen den neu anwehenden Massen einen sicheren Halt. Der 
kleine Hügel verschmilzt an seinem Fuss mit anderen benachbarten, es entsteht eine 
Kette von Sandhügeln, die Düne. 

Der Helgolander Strand lässt diese Bewegung des Sandes aufs Schönste beob- 
achten, ja er giebt ein Bild von der ungemeinen Beweglichkeit dieser kleinen Kör- 
perchen, welches jeden überraschen wird, der zum erstenmal diese Vorgänge beob- 
achtet. In einer, mit der Windesstärke wechselnden Höhe vom Boden befindet 
sich der Sand in förmlichem Fliessen. Ein Stein, ein Strunk ausgeworfenen Tanges, 
welche man in den Strom legt, sind bald vom Sande bedeckt imd öfter waren mir 
Rock und Sammcltasche, deren ich mich beim Durchmustern des Strandgerölles 
entledigt, in kurzer Zeit so überweht, dass ich erst nach einigem Suchen sie wieder 
zu finden vermochte. In Buchten der Düne, wo der Wmd sich fängt, geräth der 
Sand in eine eigentümliche Bewegung; auf dem Boden bilden sich Formen von 
der überraschendsten Aehnlichkeit mit kurzen, aller sehr scharfen Wellen, gleich 
als hätten sich die Schwingungen der Luft in der leicht beweglichen und 
doch hinreichend stabilen Masse abgedrückt. Wo der fliegende Sand keinen 
Schutz findet, da führt ihn auf der Düne Helgolands der Wind dem Meere wieder 
zu, dessen Wellen ihn am Strande abermals auswerfen. So erhält die Bewegung 
beider Elemente diese Massen in ewigem Kreislauf. 

Doch anders ist es an den benachbarten Küsten Schleswigs und Iüllands. Hier 
fuhren die herrschenden West- und Nordwestwinde den Strom des Sandes landein- 
wärts, er bedeckt fruchtbare Gefilde und erstickt jedes vegetabilische Leben. Der 
von der Westseite losgerissene Sand lagert sich auf der windstillen Gegenseite und 
so schreitet die ganze Düne unaufhaltsam verderbenbringend landeinwärts, dort wird 
der Strand bei dem Rückzüge ein Raub der Wellen, hier vertreibt die Sandfluth 
den Bewohner von der Stätte seiner Geburt. Jenseits der Dünen ragen noch bei 

20* 



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tiefer Ebbe die Trümmer der Wohnungen der Voreltern aus dem Meere, diesseits 
hat der Sandstrom schon die Kirchen und Häuser des gegenwärtigen Geschlechts 
erfasst und theilwcise verschlungen. Hat der Mensch erst die Scholle verlassen, 
ist das organische Leben erstorben, dann entfaltet sick die Sage und wuchert in 
immer üppigerer Fülle. Weit über die Marken der Zerstörung, die das Auge noch 
erreicht, oder von denen die Geschichte berichtet, zaubert sie in die abgespülten Strecken 
Königsburgen, Scldösser, Tempel und einen Kulturzustand, dem der gegenwär- 
tige nach einem Jahrtausend fortschreitender Entwicklung kaum vergleichbar ist- 
So stetig und unaufhaltsam auch die Dünen fortschreiten, so legen sie ihren Weg 
doch nur langsam zurück. Nach Tetens*) Angabe beträgt ihr Fortrücken 1 Ruthe 
im Jahre, so dass also die Küste des Landes in historischen Zeiten kaum eine Meile 
abgenommen haben würde. Doch die Dünen bieten dem dahinter liegenden 
Tieflande auch wesentlichen Schutz gegen die Gewalt des Meeres und machen ihm 
die künstlichen Deiche der Marschen entbehrlich. 

In der Bildung und den Verhältnissen der Letzteren liegt ein anderer Anhalts- 
punkt zur Erklärung der Veränderungen dieser Küsten, seit den letzten allgemeinen 
Bewegungen des Landes. 

An vielen Punkten, wo jetzt Marschen sind, befanden sich früher Moore, deren 
vegetabilische Ablagerungen später vom Meere üherfluthet und mit der so höchst 
fruchtbaren thonigen Erde bedeckt wurden, welche diesen Strecken einen so grossen 
landwirthschaftlichen Werth verleiht. Wie noch jetzt viele Moore ihre organischen 
Niederschläge nicht auf einem festen Boden, sondern oft auf einem halbflüssigcn 
Schlamme ablagern, ja nicht selten das Wasser selbst mit einem dichten Filz von 
Pflanzen überkleiden, stark genug, um eine beträchtliche Last zu tragen, so ruhen 
die grossen Marschen zwischen Elbe und Eider an manchen Stellen nicht auf 
festem Grunde und erleiden dadurch eine allmähliche Senkung, die man in der 
Wüster Maisch zu 1 Fuss in 100 Jahren berechnet, so dass sich in derselben 
Stellen befinden, die 6 Fuss und darüber niedriger liegen, als die Fläche des 
niedrigsten Ebbestandes der Elbe, wie man bei der grossen Ucberschwemmung im 



*) Ä.. a. 0. S. 143. 181, 



— 157 — 



Jahre 1756 beobachtete. Wird die tragende Decke zu stark keJastet, dann erfolgt 
diese Senkung rascher, ja oft plötzlich, und dann zeigen die damit verknüpften Er- 
scheinungen, so wie die Untersuchung des Bodens, dass an solchen Punkten die 
Marsch auf einem flüssigen Grunde liege.*) Gleiche Vorgänge fanden unzweifelhaft 



Forchhammer L. I. 1811. 29. Tetens a. a. O. S. 298 berichtet darüber Folgendes: 

„In den oberen Marschen an der Eider, die ebenfalls auf Moor liegen, hat man häufig Bei- 
spiele, dass die Gebäude sinken. Es ist darum das Sinken nicht allgemein in allen Marschen. 
Man findet es auch nur, so viel ich weiss, bei solchen, die auf Moor, und zwar auf weichem, 
halbflüssigem Moore liegen. 

Ganz entschieden ist das Sinken der hiesigen Deiche, insonderheit seit 1757, nachdem man 
sie stärker und höher, und also schwerer gemacht hatte. Damit ist es sehr weit gegangen. So 
wie man sie höher aufführte, sanken sie bald darauf einige Fuss ein; man erhöhte sie von neuem 
und sie sanken wieder. Es ist mir versichert worden von einem Mann, der es wissen konnte, 
dass dies an einigen Stellen, nach und nach, in allem bis gegen 100 Fuss gegangen sei. Er er- 
zählte mir folgenden Vorfall bei dem letzten Sinken: Da er auf dem Deich reitet, den man eben 
wieder zu einer Höhe von 20F. über die gewöhnliche Fluth aufgeführt hatte, und sich darüber 
freuet, dass die Arbeit vollendet sei, worüber er selbst die Aufsicht gehabt hatte, hört er inwen- 
dig zur Seite des Deichs im Acker ein Gezische vom durchseigenden "Wasser, sieht sich um. und 
wird gewahr, dass Luftblasen in grosser Menge sich aufdrängen. Noch ehe er weiter darüber 
denken kann, fällt der Deich unter ihm ein, und er mit seinem Pferde nach. Als er sich wieder 
aufgerafft und besonnen hat, findet sich eine Strecke des Deichs bis 14 Fuss herunter gesenkt 
und dabei ziemlich in Unordnung, Pferd und Mensch waren getrennt, aber weiter nicht beschä- 
digt. Das Land neben dem Deich war in die Höhe getrieben und ein Stück über ein anderes 
hingeschoben. Hie und da hatte sich das untere Moor auswärts ergossen. Einige Gebäude in 
der Nähe waren mit dem Grunde, worauf sie stunden, in die Höhe gebracht und schief gestellt. 
Von dem letzteren habe ich selbst noch einen Rest gesehen. Jetzo ist man der Meinung, dass 
die Deiche bis zu dem festen Grunde des Moores durchsunken sind, und hält sich für ein fer- 
neres Sinken gesichert." 

Ueber das Sinken der Deiche der Wilstermarsch finden sich ausführliche Mittheilungen in den 
S. H. Prb. 5 Jhg. Bd. 1. S. 254. Bd. 2. S. 167. ff. Ich entlehne daher folgende Stellen: 

„Der zum Theil flüssige Moor, auf welchem der Deich liegt, ist wohl unstreitig an dem Un- 
glücke schuld. Man hat bei der Vv'iederaufbringung der Erde erfahren, wie in kurzer Zeit vor 
sichtbaren Augen der Deich plötzlich einige Fuss tief gesunken sei. Die Proben, die man zur 
Untersuchung des Grundes mit dem Erdbohrer angestellt hatte, beweisen, dass unten am Deich 
erst auf 40 — 50 Fuss ein fester Boden zu finden sei. 

Als diese ungeheure Masse so plötzlich in den Strom hinabstürzte, musste ja natürlich der 
Schlick und die moorigte Erde, die sich daselbst aufhielt, «aus diesem Räume herausgetrieben und 
nach Verhältniss der Grösse und Heftigkeit des Stosscs nach einem anderen entfernten Orte hin- 
geworfen werden. Zehn bis zwölf Ruthen vom Deiche in der Elbe quoll der Moor und die übrige 
vermengte Erdart, welche man hier Drosch nennt, wieder hervor und bildete einen hohen läng- 
lichen Rücken, mit einer dem Deiche entgegen gesetzten flach auflaufenden Seite. Die dreima- 
lige Wiederholung dieses Unfalls, in dem kurzen Zeiträume eines halben Jahrs an einer und 



— 158 - 

in einer früheren Zeit bei den Blarschen und vielleicht in einem noch grösseren 
"Verhältnisse, als jetzt, statt, da angenommen werden darf, dass das Sinken in den 
ersteren Perioden nach der Bildung ein stärkeres, als in den späteren gewesen sei. 
Küstenstrecken, die früher über der gewöhnlichen Fluth lagen, wurden durch solche 
Senkung später dem Meere zurückgegeben. Denkt man sich aber die Deiche einer 
solchen, unter den Eibstrand gesunkenen Marsch nach einer Sturmfluth durchbrochen 
und zerstört, dann würde man bei Nichtbeachtung jener Niveauverhältnisse das Ver- 
schwinden des Landes der Gewalt des Meeres zuschreiben, während eine ganz an- 
dere Kraft es unter seine Wellen gezogen hat. Die "Wanderung der Dünen und 
das Sinken der Marschen, sie sind es, welche dem Meere den Weg in das Land 
bahnen, und gewiss mehr, als die so furchtbar erscheinenden Wirkungen der See 
zu den in geschichtlichen Zeiten erfolgten Veränderungen dieser Küste beigetragen 
haben. Helgoland lag seit der letzten grossen Senkung des Tieflandes und der 
Bildung der heutigen Nordsee vom Kontinente getrennt, als einsames Felseneiland 
im Meere und zur Zeit der Entstehung der inneren Dünenreihe in Schleswig und 
Jütland an der Gränze zwischen Geest und Marsch in noch grösserer Entfernung 
von der Küste, als jetzt. Sein Zusammenhang mit dem Lande ist weder durch 
wandernde Dünen, noch durch sinkende Marschen, aber auch nicht durch die Ge- 
walt des Meeres, wie Lyell meint*), unterbrochen worden, wie die Tiefen des 
Meeres und die Profile seines Bodens beweisen. Aber eben so wenig, wie die an- 
geblichen Zerstörungen durch die Fluthen, hat die Insel in historischen Zeiten eine 



derselben Stelle, lässt allerdings fernere Erneuerungen desselben befürchten, wenn ihm nicht 
gründlich entgegen gearbeitet würde. Das Unglück würde unaussprechlich sein, wenn es sich 
gerade bei einem Sturme zutrüge, oder wenn bald darauf eine hohe Fluth einträte, ehe noch der 
Schaden wieder ausgebessert worden. Weil nämlich die Wilstermarsch an vielen Stellen niedri- 
ger ist als die Elbe, so würde das Wasser desto stärker ins Land hineinstürzen, desto länger und 
höher stehen, desto mehr sich ausbreiten und, weil es durch die Schleusen nicht von selbst 
abfliessen könnte, mit desto grösserer Mühe nur durch Hülfe der Wassermühlen wieder in den 
Strom zurückgebracht werden." 

*) Ich finde unter meinen Notizen, ohne genauere Angabe der Quelle, folgende Stelle aus einem eng- 
lischen Werke: „Lyell attributes its destruetion to the contest between the waters of the Elbe 
and Weser and the strong Ocean tides of the North Sea. " 



— 139 - 

Erhebung erfahren. Wenn daher Balbi*) ums Jahr 800 n. Chr. einen grossen 
Theil der Insel Helgoland, zwischen der Weser und Elbe Mündung, aus dem 
Meere sich erheben lässt, so kann in dieser Angabe nur ein kurioses Missverständ- 
niss der Sage gefunden werden, welche gerade um diese Zeit den Untergang eines 
guten Tbeils des Eilands setzt. Die oscillatorischen Bewegungen des Bodens in 
längeren und kürzeren Zeiträumen, wie sie sich unmittelbar aus den Beobachtungen 
ergeben, scheinen bereits in der Periode geherrscht zu haben, in welche die Bildung 
der Gesteine der rothen Klippen fällt, denn es werden darin Erscheinungen wahr- 
genommen, welche auf eine andere Weise schwer zu erklären sein dürften. Es 
sind dies nämlich die bereits (S. 90.) erwähnten Wellenformen und Ausfüllungen 
von Klüften durch spätere Ueberschwemmung. In den unteren Schichten, wo die 
schiefrige Structur viel stärker hervortritt, als in den oberen, zeigen sich diese 
wellenförmigen Eindrücke, wie sich solche auf dem sandigen oder thonigen Boden 
seichter Gewässer in Folge des Wellenschlages immer bilden, bald grösser, bald 
kleiner, je nach der Grösse der Welle. Es giebt jedoch für dieselbe eine bestimmte 



•) In Leonh. Jahrb. 1832 S. 437. befindet sich eine, ans Fe>ussac. bull. sc. nat. 1830 XIX. 14—16 
entlehnte, chronologische Uebersicht der wichtigsten Veränderungen der Seeküste vom 8ten 
Jahrhundert bis auf unsere Tage, bearbeitet für Malte Brun's Traite' dlementaire de Geographie von 
Balbi. Dasselbe beginnt mit folgendem Datum: 

800. Ein grosser Theil der Insel Helgoland, zwischen der Weser und Elbe-Mündung 
erhebt sich in dieser Zeit aus dem Meere. 
Ich habe vergeblich nach der Quelle geforscht, welcher B. diese Angaben entnommen haben 
könnte und glaube daher, dass hier durch ein sprachliches Missverständniss der traditionelle Un- 
tergang eines guten Theils der Insel ums Jahr 800 in eine Erhebung übersetzt wurde. 
Ferner heisst es in jenem Verzeichnisse : 

1300, 1500, 1649. Neue Stürme nehmen | der Insel Helgoland weg; und 
1770 — 1785. Strömungen trennen den hohen von dem niederen Theil der Insel Helgoland 
und bilden so zwei Inselchen daraus. 
Die ersten Angaben, welche aus den Berichten Böttichers stammen, haben wir bereits auf 
ihren wahren Werth zurückgeführt, (0. S. 38.) aber auch die letztere ist unrichtig, denn der 
Durchbruch zwischen Insel und Düne geschah nicht zwischen 1770 — 85, sondern den ersten 
Januar 1721. 

Scheint es doch, als treibe der Geist der Sage seinen tollen Spuk noch fort, damit man end- 
lich aus all den Widersprüchen die Wahrheit nicht mehr herausfinden möge, da selbst bei den 
historisch sicheren Daten sich so unbegreifliche Irrthümer in wissenschaftliche Werke einschlei- 
chen konnten. 



— 160 — 

Gränze, die nicht überschritten werden darf, wenn sich diese Eindrücke noch regel- 
mässig und scharf bilden sollen. Da nach den Versuchen der Gebrüder Weber 
die Wellenbewegung sich bis zu einer Tiefe, welche der 3S0fachen Wellenhöhe 
gleich ist, fortpflanzt,*) so folgt, dass starke Wellen im flachen Wasser durch die 
Brechung am Boden denselben aufwühlen und damit die Eindrücke selbst sehr un- 
deutlich oder ganz verwischt werden. Es sind mir daher auch nur sehr selten 
regelmässige Formen von grösseren Wellen auf dem sandigen Meeresgrunde bei 
der Düne vorgekommen, während ich sie in den kleinen seichten Buchten am Dü- 
nenstrandc stets sehr vollkommen entstehen sali. 

Es bieten dieselben die schönste Gelegenheit den Zusammenhang der Grösse 
und Regclmässigkeit der Formen mit der Wassertiefe zu beobachten, da der feine 
Dünensand bei seiner grossen Beweglichkeit der Schwingung der Welle leicht 
folgt und dem Auge in dem ungetrübten Wasser den Vorgang erkennbar macht. 
Ich habe mehrmals die Wellenhöhe und W^assertiefe gemessen und gefunden, dass 
bis zu dem 24fachcn der Wellenböhe die Gestalten sich sehr scharf und regelmäs- 
sig erzeugten. Wo das Wasser eine fliessende Bewegung hat, können, wenn auch 
auf der Oberfläche Wellen durch den Wind entstehen, sich diese im Grunde nicht 
abbilden und daher sieht man am geneigten Strande, wo die Brandung aufläuft, 
auch stets nur eine geebnete Fläche. An mehreren Stellen in den Schiebten des 
Schieferlettens habe ich die Entfernungen der Wellenberge und die Tiefe der da- 
zwischen liegenden Thäler gemessen und erstere 12 — 14 Linien, letztere zu 1 — 2 
Linien gefunden. Nach der Vergleichung mit jenem im Dünensande wird der 
Schluss gerechtfertigt, dass die thonigen Massen des Schieferlettens, bei ihrer Er- 
zeugung, nur in geringer Tiefe unter der Wasserfläche gelegen haben. Da das 
Vorkommen dieser Formen nicht auf eine Schicht beschränkt ist, sondern, wenn 
gleich seltener, auch in den Bänken der grünlich grauen Mergel bei der Road Borg 
sich wieder finden, so zwingt dies eine Wiederkehr derselben Verhältnisse anzu- 
nehmen. Wie könnten aber diese in Distanzen von c a 1300 Fuss anders eingetre- 
ten sein, als dass die unteren Schiebten nach ihrer Bildung sich gesenkt und neue 



•) Gebr. Weber, Wellenlehre Leipz. 1825. S. 126. 



- 161 - 

Niederschläge unter dem Wasser möglieh gemacht haben. Aus der grossen Re- 
gelmässigheit dieser Wiederhehr in den Schichten des Schieferlettens möchte man 
nicht ohne Grund folgern dürfen, dass diese Senkung eine sehr stetige gewesen, 
oder doch jede folgende Ablagerung erst nach Erhärtung der vorangehenden ent- 
standen sei, da sich sonst nicht denken lässt, wie in einem Wasser, welches nur 
durch seine Bewegung das Material für neue Niederschläge suspendirt erhielt, die 
zarten Wellenformen in ihrer ursprünglichen Schärfe unverwischt bleiben konnten. 

Die Erhärtung des bunten Sandsteins und seiner Letten ist gewiss einem che- 
mischen Prozesse zuzuschreiben, durch welchen dieselbe, wie bei den hydraulischen 
Mörteln, unter Wasser statt finden konnte. Doch zeigen die Helgolander Schiefer- 
letten und bunten Mergel auch Erscheinungen, welche, nach der völligen Ueberein- 
stimmung mit gegenwärtigen Vorgängen, auch eine theilweise Mitwirkung der Luft 
bei der Erhärtung zu erkennen geben. Es sind dies nämlich die verschiedenfarbigen 
scharf begränzten Schnüre, die man in irregulären Schichtungen auf den horizonta- 
len Spaltungsflächen der Flötze sich vielfach durchkreuzen sieht (_Taf. 1. Fig. 16.), 
wie bereits oben (S. 90) erwähnt wurde. 

Zweifelsohne sind es dieselben Bildungen, wie sie bei dem Austrocknen von 
Sümpfen, Morästen, bei dem Trocknen von künstlichen Niederschlägen, Einschrumpfen 
von Glasuren, Farben und Firnissen immer vorkommen und durch die Contraction 
der Substanzen entstehen. Jst der Boden eines solchen ausgetrockneten Sumpfes sehr 
thonig und also stark schwindend, so werden die Trockenrisse nicht nur sehr weit 
und senkrecht niedergehen, sondern in Folge der stärkeren Contraction an der Ober- 
fläche biegen sich die getrennten Stücke an den Rändern auf und trennen sich 
dabei von den untenliegenden Massen auch in horizontaler Richtung zu einzelnen, 
irregulär prismatischen Tafeln, deren obere Seite concav, die untere dagegen convex 
ist. Ergösse sich nun über den geborstenen, noch nicht völlig erhärteten Boden, 
Wasser mit neuem Material zu Niederschlägen; so würden diese bei der Fällung 
jene Trockenrisse erfüllen, die unterbrochene Continuität wieder herstellen und mit 
dem vorangegangenen Niederschlägen an den Wänden der Klüfte zu einem Ganzen 
sieb verbinden, so dass der später eingedrungne Kitt nur durch seine Farbe oder 
den verschiedenen Grad der Härte kennbar bleibt. Da aber die thonige Masse in 

21 



- 162 - 

Berührung mit dem Wasser anschwillt, so lagern sich die coneaven Tafeln wieder 
mehr gerade und erlangen eine fast ebene Spaltungsflächc gegen die jüngere Schicht. 
War dagegen bei dem Ueberfluthcn die Erhärtung so weit forlgesch ritten, dass die 
Schieferlcttcn ihre Aufschwellungsfähigheit im Wasser verloren hatten, dann konn- 
ten die getrennten Stücke weder auf den Klüften, noch an der Oberfläche mit dem 
späteren Niederschlag sich fest verbinden und die horizontalen Ablösungsflächen 
zwischen beiden behielten ihre coneav-convexe Gestalt. Von der grösseren oder ge- 
ringeren Widerstandsfähigkeit zweier Schichtbildungcn gegen zerstörende Agenticn 
wird es dann abhängen, ob der spätere Niederschlag aus den Klüften gewaschen 
wird und die ehemaligen Trockenrisse im Gestein zurücklässt, oder ob dieses ausge- 
spült wird, während das jüngere Sediment in den Klüften sich erhält, und nun in 
irregulär netzartigen Erhabenheiten erscheint. Mitunter findet man im Strandgeröllc 
Stücke mit solchen Formen von grosser Symmetrie und diese mögen zu dem Irrthum 
verleitet haben, dass sie organischen Resten ihren Ursprung verdankten. Möge man 
nun mit Alberti in den Massen des bunten Sandsteins Ergüsse plutonischen Schlam- 
mes oder den Detritus älterer Formationen erblicken, so viel ist gewiss, dass sich 
hier unter Mitwirkung des Wassers die Flötze abgelagert haben und zwar unter 
einem niedrigen, schwach bewegten Niveau, welches sich zuweilen so senkte, dass 
die entstandenen Niederschläge wenigstens zum Theil mit der Luft in Berührung 
kamen. Erlaubte es die gleichförmige Mächtigkeit der Formation und ihrer einzel- 
nen Schichten, hier an eine Strandbildung zu denken, so könnte in dem Wechsel 
der Ebbe und Fluth, verbunden mit einer stetigen Senkung, ein Leitfaden zu der 
Genese derselben gefunden werden; man würde in den Bänken des feinen weissen 
Sandes, welcher mit den Schieferletten und Mergeln wechsellagert, vielleicht sein 
treustes Ebenbild, den Sand der Dünen, wieder erkennen, der vom Winde oder 
vom Wasser dem Meere wieder zugeführt, sich bald gleichförmig in dünnen Schich- 
ten auf dem Grunde verbreitete, bald nur in einzelnen kleinen Mulden desselben 
zurückblieb, während er von den höheren Stellen des Grundes durch Strömung und 
Wellenbewegung leichter fortgeführt wurde. Das Räthselhafte der isolirten Bänke 
des weissen Sandes, welche nach beiden Seiten auskeilen (s. o. S. 91), dürfte durch 
Annahme solcher Vorgänge ebenso einfach als befriedigend sich lösen. 



- 163 - 

Doch wenn durch eine solche Voraussetzung auch nach einigen Seiten hin sich 
dass Geheimnissvolle der Genese dieser Formationen etwas lichtete, so bleibt im 
Uebrigen noch zu viel des Dunkelen und Unerklärlichen, als dass man im Interesse 
der Wissenschaft wagen dürfte, eine Hypothese, welche nur mit einem Theile der 
Erscheinungen wohl übereinstimmt, auf deren Gesammtheit anzuwenden. 

Auch in dem Hillsthon, dem Töh der Helgolander, finden sich, wiewohl seltener, 
solche Trocknungsrisse mit einem Thon erfüllt, der heller, weicher und ärmer an organi- 
scher Substanz ist, als jener der Schichten, (s. S. 102). Nimmt man dazu die scharfe 
Abgrenzung der Streifen von dem Muttergesteine; so wird man, mit Rüchsicht auf 
den neptunischen Ursprung der Formation, sie wohl ebenfalls durch spätere Ausfül- 
lung der Klüfte entstanden betrachten dürfen. Auffallend ist es ferner, dass alle 
organischen Reste des Hillsthons in Schwefeleiscn und in der Regel bis zu völliger 
Unkenntlichkeit ihrer generischen Eigenschaften umgewandelt sind und diese Dildung 
noch fortzudauern scheint. RonsdorfP) versuchte dieselbe durch eine ■Zersetzung 



Pogg. Ann. 40. S. 133. Die Frage: ob die Schwefelkiesbildung noch jetzt in dem Hillsthon der 
Klippen fortdauere, glaubt Bonsdorff dadurch bejaht, dass die „versteinerten" (verkiesten) 
Holzstücke in demselben mehr oder weniger von der Kohle des Holzes oder von|dem Holze in 
einem braunkohlenähnlichen Zustand enthielten. Ein directer Beweis scheint mir jedoch hierin 
keineswegs zu liegen, da eben sowohl denkbar ist, dass die erwähnten, theilweise verkiesten 
Kohlen und braunkohlenähnlichen Holzstücke in Ermangelung des verkiesenden Materials seit 
lange keine weitere Umwandlung erlitten haben. Völlige Gewissheit, dass die Schwefelkiesbil- 
dung hier noch in einer späteren Zeit und unter dem Meere fortgewährt habe, bietet das oben 
(S. 103) erwähnte Vorkommen von Pholaden-Löehern in den Kohlen des Hillsthon, deren Wan- 
dungen mit Schwefelkies so überzogen sind, dass nach Abspülung der Ersteren die Ausfüllung 
in Gestalt eines Tintensacks >on Loligo zurückbleibt. Auf der Oberfläche erkennt man sehr 
deutlich die Abdrücke der Jahrsringe des Holzes, ein Beweis, dass die Bohrung im Holze vor 
dessen Umwandlung in Kohle erfolgt sei, da die mineralisir.te Kohle keiner Aufschwellung mehr 
fähig ist, durch welche die Jahrsringe in wechselnden Erhabenheiten nnd Vertiefungen hervor 
treten. Wie an den Wandungen des Bohrlochs sich das Schwefeleisen so reichlich niederschla- 
gen, die Kohle dagegen theilweise, ja selbst ganz unverkiest bleiben konnte, das erklärt sich 
wohl durch den Einfluss der thierischen Substanz, welche die Bildung des Schwefeleisens mehr, 
als die vegetabilische beförderte. Das Eisen muss aus der Gebirgsart, welche die Braunkohlen- 
stücke umschliesst, in letztere übergegangen sein, da sie selbst viel zu wenig desselben enthält, 
um eine so reichliche Inkrustation mit Eisenkies möglich zu machen. Man findet daher auch 
viele Kohlenstücke von Pholaden angebohrt, ohne eine solche Ausfüllung, wie Forchbammer sie 
auch in der Braunkohle des Glimmerthons auf Sylt beobachtet hat. (S. H. Bl. C. 8. I. 3. S. 122). 

21* 



— 164 



des Gypses oder anderer schwefelsauren Salze im Meerwasser in Berührung mit 
den organischen Stoffen und der Alinerais ubstanz des Töks so zu erklären, dass der 



Als die Quelle des Schwefels bei der Verkiesung betrachtet Bonsdorff die schwefelsauren 
Salze im Meerwasser und namentlich den Gyps, zu dessen Nachweisung er die langsame Evapo- 
ration des Seewassers über Schwefelsäure empfiehlt. Wenn gleich in früheren Analysen z. B. der 
von Marcet der Gehalt an Gyps übersehen wurde; so ist er doch jetzt von verschiedene Seiten 
im Wasser der Nordsee erwiesen, wie aus folgenden Analysen erhellt. 
Wasser von 
Frith of Forth I. Barmouth II. Helgoland III. Helgoland IV. 
Chlornatrium» 2,48 t „ 2,358 „ 2,689 „ 

Chlorkalium ] ' " 0,135 „ 0,101 „ 0,169 „ 

Chlormagnesium 0,240 „ 0,242 „ 0,277 „ 0,285 „ 

Schwefels. Magnesia 0,214 „ 0,206 „ 0,199 „ 0,238 „ 

Schwefels. Kalkerde 0,096 „ 0,120 „ 0,118 „ 0,156 „ 

3,018 „ 3,187 „ 3,053 „ 3,537 „ 

I. untersucht von John Murray (G. A. LXIH. 204.) 

II. — — G. Clemm (Ann. d. Ch. u. Pharm. XXXVII. 111.) 

analysirte das Wasser von Barmouth in Nord-Wales, bemerkt aber, dass das Wasser von Nor- 
derney nach Soltmann bis auf sehr unbedeutende Abweichungen gleiche Resultate geliefert habe. 
Da mir nun Soltmann s Untersuchung nicht zur Hand ist, so glaubte ich, jene von Clemm statt 
ihrer hier anführen zu dürfen. 

HI. H. Backs (Erdmanns Journ. XXXIV. 186.) Wasser von Helgoland. 

IV. Meine Analyse desselben Wassers, welches im August 1817 bei westlichen Winden auf 
Krüge gefüllt wurde. Sein spec. Gev. war bei 18°C = 1,0274 und 1000 Thl. Wasser geben 
35,378 trockenes Salz. 

Berzelius (Jahrb. 22 Jhg. S. 218.) glaubt nach der Uebereinstimmung der Analysen von Clemm 
und Soltmann annehmen zu dürfen, dass das Wasser der Nordsee überall gleich sei. Abgesehen 
von dem Irrthum, dass das Wasser zu der Clemmschen Analyse von der Westküste Englands 
stammte, kann nach meinen Erfahrungen urd der Vergleichung einer grösseren Zahl von Analy- 
sen eine solche „völlige" Gleichheit des Wassers der Nordsee durchaus nicht, am allerwenig- 
stens aber an den Küstenpunkten, wie Norderney, behauptet werden, wo sich der Einfluss des 
zuströmenden Süsswassers geltend machen muss. Ich betrachte daher jene Uebereinstimmung, 
als eine rein zufällige und stelle zum Belege meiner Ansicht hier folgende Thatsachen zusammen: 

Es fand in 1000 Th. Wassrr geschöpft: 
Bonsdorf: Z. N. Helgoland 1834. bei; Wind aus N. W. . . . 38,69 Salz Sp. Ge. 

Backs: Eben daher 1845 30,53 „ 1,0234 „ 

Meine Analyse : Ebendaher Juli 1845 nach 4tägigem Winde aus 0. 

und S. 0. und niedriger Ebbe 29,09 „ 1,0211 „ 

— — Ebendaher August 1847 bei Wcstl. Wind. 35,378 „ 1,0274 „ 

Gay Lussac : (G. A 3. 6. 204) Kanal 34,80 „ 1,0278 „ 

Forchhammer: Gallopev ö'stl. von Dover, 35,027 „ — „ 

(Amtl. Ber. d. v. d. N. u. A. in Kiel. S. 80). Mitte der Nsee. 

zwischen Schottland und Norwegen 34,202 „ — „ 

Einige Meilen von der norwegischen Küste. , . 33,294 ,, ==■ „ 



— 165 — 

Kohlenstoff der Organismen sich mit dem Sauerstoff der Schwefelsäure zu Kohlen- 
säure, und diese sich mit (!er Basis des zersetzten schwefelsauren Salzes verbände, 



Wie nach Forchhammer die Strömung aus der Oslsee auf den Salzgehalt des Meeres an der 
Norwegischen Küste ihren Einfluss übt; so kann auch ein solcher an den Küsten nicht fehlen, 
wo zahlreiche Strome das Süsswasser dem Meere zuführen. Sehr verschieden muss derselbe, so- 
wohl hinsichtlich der Verminderung des Salzgehaltes, als der Entfernung, bis zu welcher sich 
dieselbe bemerklich macht, nach dem herrschenden Winde sein. Wenn man bedenkt, 
dass bei anhaltendem Winde aus SO, 0. und NO. das Meer bei Helgoland und an den 
benachbarten Küsten 8 — 10 Fuss tiefer als bei gewöhnlicher Ebbe abläuft und die 
andringende Fluth so zurückgehalten wird, dass man sie in der Elbe bei Hamburg gar 
nicht mehr wahrnimmt; so wird in dem Winkel der Norddeutschen Küste, wo Weser, Jahde, 
Elbe, Eider Hever sich mit dem Winde weiter in das Meer ergiessen, dessen Salzgehalt nothwendig 
ein anderer werden müssen, als bei Winden und Stürmen aus SW., W. nnd NW., wo das 
salzreichere Wasser des Atlantischen Oceans in die Nordsee dringt, und diese in jenem Küsten- 
winkel dann oft so sehr gethürmt wird, dass nur eine geringe Ebbe eintritt. Erinnert man 
sich ferner daran, wie weit in grossen Strömen die Gewässer der Nebenflüsse sich unvermengt 
mit jenen des Hauptstroms erhalten und sie durch den Farbeunterschied deutlich erkannt 
werden können, z. B. der Main im Rhein bis gegen Rüdesheim, wie weit die Meeresströmungen 
durch die Temperaturdifferenz ihres Wassers sich verfolgen lassen; so wird eine Veränderung 
des Meerwassers bei Helgoland und mehr noch bciNorderney, welches der Küste und Mündung 
der Ems so viel näher liegt, mit Grund gefolgert werden können. Wünschenswerth wäre es, 
durch eine Reihe von Analysen diesen Einfluss, bei einem so günstig gelegenen Punkte wie 
Helgoland, festzustellen, und zu erforschen, ob die nicht geringe Abweichung in den bis jetzt 
gewonnenen Resultaten nicht etwa in anderen Zufälligkeiten zu suchen sei. 

Während sich BonsdorlT bemühte, einen Gehalt an Gyps im Wasser der Nordsee darzuthun, 
um die Frage über die fortgehende Schwefelkiesbildung bei Helgoland zu entscheiden, entging 
ihm, dass der Hillsthon (Töck) alle Elemente einschliesst, welche zur Kiesbildung erfordert 
werden, nämlich Eisen, schwefelsaure Salze und organische Substanz, also der Mitwirkung der 
im Seewasser gelösten Salze nicht bedarf. 

Behandelt man das Pulver dcsTöcks mit vielem kaltem Wasser; so zieht dieses ausser kleinen 
Mengen der vom Seewasser herrührenden Salze, namentlich Gyps aus, während sich die Flüs- 
sigkeit zugleich durch etwas organische Substanz blasgelb färbt. Etwas mehr derselben wird 
bei längerer Digestion mit kochendem Wasser extrahirt, es erscheint dieses dann weingelb, ent- 
hält aber kein aufgelöstes Eisensalz. Da der Eisenkies im Töck nicht selten in Stückchen von 
der Grösse eines Nadelkopfs vorkömmt, so konnte durch dessen Ersetzung leicht ein schwe- 
felsaures Eisensalz entstehen und die Ursache jener Färbung sein. Der wässerige Auszug lässt 
das Lackmus unverändert, absoluter Alkohol entzieht nach längerem Kochen dem Gestein nur 
sehr wenig organische Materie, indem er sich nur bloss weingelb färbt; Aether bleibt dagegen 
ganz unverändert, die wässerige und alkoholische Lösung hinterlässt nach dem Verdunsten sehr 
wenig einer brausen extraktartigen Masse, ohne alles Bitumen, wonach die nur auf vor- 
läufige Untersuchung sich stützende Angabe auf S. 10:3. berichtigt werden muss. Kocht man 
das Gesteinspulver mit kohlensaurem Kali, so färbt sich die Flüssigkeit tiefbraun, und nach dem 
Filtriren mit Salzsäure versetzt, scheidet sich eine braunflockige Masse ab, welche die Eigen- 
schaften der Huminsäure zeigt und 1, 5? des Gesammtgewichls beträgt. Behandelt man den 



— 166 - 

während der freigewordene Schwefel mit dem durch Bitumen reducirten Eisen 
des Töcks den Schwefelkies bilde. 



wohl ausgewaschenen Rückstand mit ChlorwasserstofTsäure; so erfolgt lebhaftes Aufbrausen und 
es wird Kalk und Eisenoxydul mit Spuren von Manganoxydul und Tbonerde aufgelöst. In dem 
durch die Säure unlösbaren Reste befindet sich no-,h die grössere Menge organischer Substanz, 
nach deren Verbrennung durch concentrirte Chlorwasserstoffsaure eine weitere Quantität Eisen 
mit Spuren von Phosphorsäure und Talkerde aus dem Rückstand gezogen werden kann. Letz- 
terer mit kohlensaurem Natron geschmolzen lieferte Kieselsäure, Thonerde und noch eine kleine 
Menge Eisenoxyd . 

Erhitzt man das Töckpulver für sich im Kolben; so entwickelt sich ein dicker, gelblicher 
Dampf von höchst durchdringendem empyreumatischen Geruch, an den Wänden condensirt sich 
etwas Wasser, welches Lakmus nicht röthet, vielmehr mit Kali die Reaction auf Ammoniak 
zeigte. Später setzt sich ein brauner Tbeer ab, der äusserst stark der Tabaksjauche ähnlich 
riecht und sich in Alkohol vollständig mit gelber Farbe löst. Fügt man nach beendigter Destil- 
lation zu dem Rückstande ChlorwasserstofTsäure; so entwickelt sich neben der Kohlensäure auch 
Schwefelwasserstoff, zieht man aber vor der Erhitzung des Gesteins die kohlensaure Kalkerde 
und das Eisenoxyd aus, unterwirft dann das Ungelöste der trockenen Destillation; so entwickelt 
sich schweflige Säure und bei dem nachherigen Uebergiessen mit Chlorwasserstoffsäurc erhält 
man keine Spur von Schwefelwasserstoff mehr. Die Anwesenheit des Kalks und Eisenoxyduls 
bedingen also die Bildung eines Sulfurcts; allein ich habe für jetzt aus Mangel an Material dem 
eigentlichen Vorgange nicht weiter nachforschen können. Eine vorläufige quantitative Analyse 
des bei 100° getrockneten Töcks lieferte folgendes Verhältniss: 

Kohlensaurer Kalk 53,80 

Kohlensaures Eisenoxydul 1,754 

Schwefelsaure Kalkerde 1,805 

Eisenoxyd . , 4,502 

Kieselsäure 9,683 

Thonerde : 2,830 

Phosphorsaurer Kalk und Talkerde 0,470 

Schwefeleisen , 3,942 

Huminsäure 1,510 

Organische Substanz 16,386 

Wasser . . . , 3,238 

100,000 
Der Helgolander Hillsthon besteht demnach hauptsächlich aus kohlens. Kalk mit so wenig 
Thonerde, dass ihm demnach die Benennung nicht gebührte. Die organische Substanz ist so 
fein durch die ganze Masse vertheilt, dass man selbst mit der Loupe keine pflanzlichen Reste 
mehr erkennen kann. Die Menge des kohlensauren Kalks und der organischen Materie wech- 
selt übrigens beträchtlich, so dass ich von Ersterem bei drei Versuchen 48, 53 und 65g erhielt. 
Da derTöck nach den thierischen Resten zu den Meeresbildungen gehört; so dürfte die vegeta- 
bilische Substanz desselben mit Recht von Fucoiden hergeleitet werden und dessen schwefel- 
haltige Verbindungen, namentlich der Gjps durch Zersetzung der schwefelsauren Salze der Tange 



— 167 - 

Zweiter Abschnitt. 

Die zerstörenden Kräfte und ihr Einßuss auf die Gestalt und fort- 
schreitenden Veränderungen des Eilandes. 

Kaum dürfte auf der Erde noch ein zweiter Ort gefunden werden, wo die Ge- 
schichte des Menschen in den Schilderungen des unausgesetzten Kampfes der Ele- 
mente so zurücktritt, so gänzlich sich auflöst in der Geschichte der Natur, wie auf 
Helgoland. Was auch die Sage von den Werken und Thaten alter Seevölker, die 



entstanden sein, welche bei deren Verwesung an der Luft den intensiven Geruch nach Schwefel- 
wasserstoff veranlassen. Wie beträchtlich die Menge der Schwefelsäure sei, welche von den Tangen 
aus dem Meerwasser aufgenommen wird, hat Forchhammer (Report of the British Ass. of. the 
Advenc. of Sc. for 1844. p.) durch die Analyse von 19 verschiedenen Fucusarten gezeigt, da sie 
nicht weniger als 1, 2S§ vom Gewichte der ganzen getrockneten Pflanze beträgt und selbst bis 
zu 8, 5g steigt, im Mittel aber 3, 92g beträgt und in den Pflanzen mit Kali, Natron und Kalk 
verbunden ist. 

Der feinen Zertheilung des schwefelsauren Kalks im Töck einer-, und dem in gleicher Weise 
darin verbreiteten Eisenoxydul anderseits, ist gewiss die reiche Schwefelkiesbildung in diesen 
Schichten zuzuschreiben, da die Umhüllung der organischen Reste mit reinem kohlensauren 
Kalk auch bei Anwesenheit oxydirten Eisens die Verkiesung sehr erschwert, wenn nicht unmög- 
lich gemacht hätte. In vielen eisenhaltigen pelagischen Sedimentbildungen trifft man daher 
nur selten Verkiesungen organischer Reste, so dass das Eindringen der schwefelsauren Salze 
des Seewassers zur Kiesbildung nicht hinreichend gewesen sein muss. Wie gering die Menge 
des im Wasser gelösten schwefeis. Salzes und kohlens. Eisenoxyduls sein könne, um dennoch 
die Bildung von Eisensulfuret bei Gegenwart eines organischen Stoffes einzuleiten, hat G. 
Bischoff (Lehrbuch d. Chem. u. phys. Geologie B. 1. S. 919). durch Versuche gezeigt, indem 
bei 1 Theil, ja selbst 0, 3 schwefeis. Natron gegen 1, 4 Theil kohlens. Eisenoxyduls in 10,000 
Wasser sich noch Schwefeleisen erzeugte. Kein Wunder also, wenn die im Töck vorkommenden 
Petrefacten und besonders die gekammertenSchaalthiere in der Regel bis zur völligen Unkennt- 
lichkeit der Species verkiest sind, da sich in ihm das erforderliche Material so günstig, als 
reichlich vertheilt findet. Dass im Töck und im eisenhaltigen Thone des Skittgatts die Kies- 
bildung noch fortdauere, wird durch Forchhammers Beobachtungen auf Bornholm höchst wahr- 
scheinlich, indem eine eisenhaltige Quelle, welche in eine Bucht der Insel abfliesst, in Berührung 
mit dem faulenden Tang, namentlich Fucus vesiculosus, so viel Schwefeleisen erzeugt, dass 
alle Geschiebe auf dem Meeresgrunde damit überrindet sind. Ausser den bereits erwähnten 
Ausfüllungen von Pholadenlöchern dürfte als redender Zeuge der noch fortgehenden Kiesbildung 
im Grunde des Skittgatts und der Olde Höfen das Vorkommen von Knollen und Nieren aus 
Schwefeleisen erwähnt werden, in welchem abgerollte Bruchstücke von Belemniten, Feuersteinen 
etc. etc. eingeschlossen liegen oder durch den Kies verkittet sind. Sehr zweifelhaft bleibt, ob 
die in alten Verkiesungen, z. B. den Alveolen von Belemniten und den Hamiten, sehr selten 
vorkommende Zinkblende (s. oben S. !04) auf Helgoland zu den fortgebenden Bildungen ge- 



- 168 - 

hier ihren Brennpunkt gefunden, berichten mag, die Geschichte verbürgt sie nicht, 
von der Zeit aber, wo die Insel unzweifelhaft in den Annalen erscheint, hat die Ge- 
schichte uns weder von den Thaten ihrer Bewohner zu erzählen, noch zeigt sie 
uns beide verwebt in die geschichtliche Entwicklung benachbarter stammverwandter 
Völker. Nur von "Verwüstungen durch Fluthen, von der Zertrümmerung des Landes 
durch die Wogen des Meeres hören wir, und dazwischen klingen Klagetöne über 
das Schicksal der armen Insulaner, da der Boden täglich mehr unter den Füssen 



höre. Dass sich bei Berührung des schwefelsauren Zinkes mit organischen Stoffen durch einen 
ganz gleichen Zersetzungsprocess Schwefelzink abscheide, haben Bischoff und Nöggeratb (Schweigger 
Seidel Neues Jahrb. f. Chem. u. Phys. Bd. V. S. 245). durch die interessante Beobachtung er- 
wiesen, dass altes Grubenholz in einem verlassenen Blei-Bergwerk mit Schwefelzink überzogen 
war. Auch Blum (Nachtrag zu der Pseudomorphose S. 152. ff.) erwähnt Petrefacten aus 
Schwefelzink; man kennt es ferner in den Kammern verschiedener Ammoniten des Lias und in 
einem mergeligen Schieferthon; in der Gegend von Oberkirchen fand Heuser J Zoll grosse 
Krystalle von schwarzer Blende in hohlen Bivalven. Es ist gewiss nicht unwahrscheinlich, dass 
auch das kohlensaure Zinkoxyd durch schwefelsaure Salze und organische Substanz in Zinksul- 
furet umgewandelt werden könne, aber bis jetzt habe ich vergeblich im Töck nach Spuren der 
ersteren Verbindung geforscht und. möchte deshalb glauben, dass die Entstehung der Blende in 
die Zeit der Ablagerung des Töcks falle, womit dem kohlensauren Kalk und Eisenoxydul örtlich 
kleine Mengen von Zinksalz durch Quellen zugeführt wurden. Ich kann hier nicht unterlassen, 
noch einige Einreden Volgers zu widerlegen, welche derselbe gegen meine Angaben und Deu- 
tungen erhoben hat. Er behauptet (a. a. 0. S. 31), dass die Kupfererze der rothen Klippe 
meinen Angaben entgegen viel häufiger in der oberen Lagerfolge, als in der unteren und zwar 
besonders in einem „feinkörnig sandigen Bitterkalkstein" sich fänden. Ich habe (Oben S. 92) 
dieser sandigen Kupfererze gedacht, aber ich habe sie nie in den oberen Schichten und nie in 
einem sandigen „Bitterkalkstein" gefunden, welchen ich überhaupt vergeblich suchte, da wohl 
schwerlich andere Mineralogen es passend finden werden, dieses vorherrschend aus Quarzsand 
mit etwas kohlensauren Kalk bestehende Gestein, wegen der Spuren von Bittererde die sich 
darin finden, als „sandigen Bitterkalkstein" zu bezeichnen. 

Bötticher, nicht Knobloch, wie V. (a. a. 0. S. 36.Anmerk.) citirt, berichtet von dem Kalk 
der Witten Kliff, dass er „etliche weisse Adern habe, die so klar sind und bei nassem Wetter 
so durchsichtig als ein Krystall" (s. oben S. 101) 

V. glaubt meiner Deutung dieser Angabe widersprechen zu müssen, da Fasergyps die er- 
wähnte Eigenschaft nicht habe. Allerdings habe ich mehrfach beobachtet, dass Gange und 
Schnüre von späthigen, stängelichen und faserigen Gyps bei Durchnässung einen höheren Grad 
von Durchsichtigkeit gewinnen, aber ich habe nicht allein hierauf, sondern auf den sehr wesent- 
lichen Umstand meine Ansicht gestützt, dass im Kalk der Witten Kliff noch jetzt Fasergyps 
vorkömmt, während ich den Bitterspath nur sehr selten in äusserst kleinen Krystallen in Dru- 
senräumen gesehen habe und denselben überhaupt nicht in solch grossen späthigen Massen 
kenne, dass er zum Baue von Grotten dienen könnte. 






— 169 — 

schwinde, abgewaschen vom Regen, „zusamniengesckienen" von der Sonne, mürbe 
gemacht von dem Froste, und der furchtbare Tag nicbt mehr ferne sei, wo der 
Fels dem Meere gänzlich zum Opfer gefallen, jene eine Stätte der Zuflucht auf der 
wankenden Düne suchen müssten. 

Scheidet daher auch der Historiker unbefriedigt von dem Eilande, so stellen 
solche Schilderungen dem Naturforscher einen um so reicheren Gewinn in Aussicht; 
denn er hofft durch das Medium geschichtlicher Aufzeichnungen einen sicheren Blick 
in das Erdenleben werfen, dessen Aeusserungen für einen Zeitraum mehrerer 
Jahrhunderte ergründen zu können. Doch wie sehr wird auch er enttäuscht! Die 
Angaben der Chronisten bestehen nicht vor den Zeugnissen der Natur; die unge- 
heuren Verwüstungen wandeln sich vor ihnen in massige Destructionen, die unge- 
heuren Gewalten der Fluthen und Wogen schwinden an dem Fels zu langsam zer- 
störenden Kräften, und das für die Insulaner so trübe Horoscop löst sich im Schei- 
dewasser ihrer eigenen Erfahrung total auf, verflüchtigt sich als Hirngespinst erhitz- 
ter Phantasie. Da ist nirgends ein Versuch, die Wirkungen der zerstörenden Agen- 
tien untereinander zu vergleichen, daraus ein ungefähres Maass für sie abzuleiten 
und dieses selbst wieder als Prüfstein für angebliche Ereignisse einer vergangenen 
Zeit zu benutzen. Mit einem Worte, die herrliche Gelegenheit, welche der Hel- 
golander Fels zu so wichtigen Beobachtungen, wie die Wirkungen des Wellen- 
schlages etc. etc. darbietet, findet er bis jetzt ganz unbenutzt. 

Der Mangel solcher älterer, zuverlässiger Beobachtungen machte sich im Ver- 
folge meiner Untersuchungen gar vielfach bemerklich und legte im Hinblick auf 
das vorgesteckte Ziel die Verpflichtung auf, nach besten Kräften eine vorläufige Aus- 
füllung dieser Lücke zu erstreben. 

Nicht in den selten eintretenden grossen Fluthen, sondern weit mehr in den 
fortwährenden, stetig wiederkehrenden Wirkungen der Atmosphärilien und der 
Wellen sind die Hauptursachen der Zerstörung zu suchen ; sie bereiten die Werke 
jener vor, werden aber selbst um so weniger beachtet, als man geneigt ist, die 
Folge aussergewöhnlicher Ereignisse auch einer eben so aussergewöhnlichen Con- 
centration von Kräften zuzuschreiben. Die wässerigen Niederschläge sind es zunächst, 

welche in Gemeinschaft mit dem Wechsel der Temperatur die Zerbröcklung des 

22 



— 170 - 

Gesteins und die Ablösung von den Abhängen bedingen. Aber auch die grossere 
oder geringere Zerklüftung und die Neigung der Schichten kommen dabei wesent- 
lich in Betracht und erklären den ungleichen Einfluss auf die verschiedenen Küsten. 
Sowohl durch die Neigung des Oberlandes gegen O. IN. O., als durch das Fallen 
der Schichten in gleicher Richtung wird dem niederfallenden Wasser vorzugsweise 
der Weg nach der U. und N. O. Seite des Felsens gewiesen.*) Bei heftigen 



Bei der Anlage der Sapskuhlen hat offenbar diese Beobachtung geleitet und auch die Erfah- 
rung ist schon sehr alt, dass man bei dem Einhauen in den Felsen, sowohl im Unterlande, als 
im Oberlande, namentlich an der Ostseite Wasser erhalte, (s. Pr. B. IV. 17.) Dass in der 
Schichtcnstellung der alleinige Grund dieser Erscheinung liege, ist bereits S. 99. nachgewiesen. 
Hier möge nur noch des Umstandes Erwähnung geschehen, dass in den Brunnen des Unterlan- 
des, in dem bei der Treppe, 1808 von den Engländern und indem bei Bufe, 1819 gegrabenen, der 
Wasserspiegel mit halber Zeit sich verändert und demnach eine untermeerische Verbindung 
stattfinden müsse. Dass demungeachtet ihr Wasser keinen grösseren Salzgehalt zeigt, muss dem 
überwiegenden Zuflüsse des Süsswassers zugeschrieben werden, dessen Niveau zur Ebbezeit 
höher liegt und in den Klüften das Seewasser durch den grösseren hydrostatischen Druck 
zurück drängt, während es bei Fluth in entgegengesetzter Richtung sich bewegend eineErhcbung 
der Wassersäule im Brunnen veranlasst. Der Gehaltan Salzen des Meerwassers in diesen und in 
den Brunnen auf der Düne stammt von dem feinen Wasserstaube, der bei Stürmen auf das 
Land oft in solcher Menge geweht wird, dass die eingeathmete Luft auf der Zunge salzig rea- 
girt. Die atmosphärischen Wasser führen das Salz nach der Tiefe und machen es bei grösse- 
ren Mengen brakisch. 

Der Brunnen auf der Düne wird lediglich durch atmosphärische Niederschläge gespeist und 
nicht, wie so allgemein geglaubt, von dem Meere, dessen Salz bei der Filtrirung durch den 
Sand auf eine noch unbekannte Weise dem Wasser entzogen würde. Denkt man sich 
die Sandraasse der Düne mit süssem Wasser durchnässt, so ist klar, dass dieses bei seinem 
Dringen nach der Tiefe, erst dann ins Gleichgewicht gelangen könne, wenn es in der vom Meere 
durchdrungenen Sandmasse einen gleichen hydrostatishen Gegendruck erleidet. Diese Süss- und 
Salzwasser-Säulen, die wir uns zur Erleichterung der Vorstellung in einem communicirenden 
Rohre denken können, würden sich nach bekannten Erfahrungen allmählich vermischen und zwar 
um so rascher, je grösser die Differenz der Höhe zwischen Salz- und Süsswasser-Stand in beiden 
Schenkeln des Bohres bei Fluth wäre, da hierdurch die Stärke der Fluctuation in den Flüssig- 
keitssäulen, also das Moment der gegenseitigen Durchdringung gesteigert würde. Dadurch, 
dass die atmosphärischen Zuflüsse die Süsswassersäule im Mittel auf einen höheren Stand er- 
halten, muss die des salzigen zurücktreten, oder allgemein mehr Süsswasser aus der Düne dem 
Meere zurinnen, als von daher in den Sand dringen kann. Wichtig wäre es, die Veränderlich- 
keit im Salzgehalt dieser Brunnen durch eine Reihe von Untersuchungen kennen zu lernen und 
durch mehrere Brunnen, die vom Centrum der Düne, in verschiedenen Entfernungen, gegen den 
ordinairen Fluthstand gegraben würden, die Fluctuationsgränze des Seewassers zu ermitteln. 

Wo eine solche Verdrängung des salzigen Wassers durch die Beschaffenheit des Bodens er- 



- 171 - 

Gewitterregen bilden sich dann in der Gegend der Road Borg eine Menge kleiner 
Bäche, die in dem Abhang sich Binnen auswaschen und kleine Stücke von demsel- 
ben lösen. Der Anblick der Treppe nach einem Platzregen zeigt, dass die Masse 
des losgerissenen Gesteins nicht gering ist ; wie sehr sie jedoch gegen die Masse 
des Felsens selbst verschwindet, beweist der kleine Geröllwall, welcher am Fnsse 
des Ost- Absturzes der Klippe sich gebildet hat. Da derselbe auch von den höchsten 
Fluthen nicht erreicht, und das Gerolle nicht durch die Wellen fortgeführt wird, 
so bietet er uns ein ungefähres 3Iaass dieser Loswaschungen im Laufe mehrerer 
Jahrhunderte. Zur Bildung des Unterlandes trugen diese Gerolle früher wesentlich 
bei, jetzt erzeugt sich daraus allmählig eine sanftere Böschung, deren Schuttdecke 
mit der Zeit den Fels noch mehr gegen den direkten Angriff der Atmosphärilien 
schützt, wie dies jetzt schon bei Om IVast der Fall ist. An den anderen Küsten 
ist dagegen die Menge der durch heftige Regengüsse losgespülten Felstrümmer 
auffallend geringe, wie ich bei einem Gange um die Insel, auf welchem ein furcht- 
barer Platzregen mich überraschte, beobachten konnte. Da an der W. und IV. Seite 
die nächste Fluth die neuen Ankömmlinge am Strande in Empfang nimmt und ver- 
arbeitet, so kann man diese mit ihren scharfen Kanten und Ecken leicht von den 
älteren Gerollen unterscheiden. 

Bei den bekannten Wirkungen des gefrierenden Wassers folgt von selbst, dass 
der Frost zur Verminderung der Cohärenz des Gesteins beitragen müsse und zwar 
vorzugsweise gen O IV O. wo es vom Wasser am meisten durchdrungen ist. 
Bei dem Einsinken des Wassers in die vielen Klüfte wird dort der thonige 



schwert wird, da muss sich dasselbe, ungeachtet der hinzukommenden atmosphärischen Nieder- 
schläge, nach Verhältniss weit länger erhalten. Als Beispiel führe ich hier eine Beobachtung 
von Tetens an Ca. a. 0. S. 25). Bei Deichbrüchen entstehen stets auf der Innenseite, durch 
den, über den Deichkamm stürzenden Strom, Aushöhlungen im Boden, welche man 
Wehten nennt, sie sind zuweilen sehr tief und wurden bei der Herstellung der Deichbrücbe, sei 
es aus Nachlässigkeit oder Mangel an Material, nicht immer ausgefüllt. In einigen solchen Wehlen 
der Bysumer Marsch, welche bei den grossen Deichbrüchen im Jahre 1717 sich gebildet hatten, 
fand Tetens 1787 das Wasser noch salzig. Angenommen, die Wehlen in der fetten Kleierde 
wären mit Süsswasser erfüllt, so würde in gleicher Weise das Eindringen des salzigen von 
aussen verzögert werden. 

22* 



- 172 - 

Schlamm, den es mit sich führt, abgesetzt und da derselbe im nassen Zustande eine 
bedeutende Bindekraft besitzt, vermag er, bereits in der Trennung vom Fels be- 
griffene, Bruchstücke wieder fester zu kitten. Folgt aber darauf anhaltende Trocken- 
heit mit Sonnenschein, so reisst bei dem raschen Wasserverlust das Thoncämcnt 
in den Klüften und es rieselt bald da, bald dort, der dadurch gelöste Felsgruss an 
den Wänden herab. Nur in diesem Verhalten des thonigen Schlammes kann diese 
Wirkung des Sonnenscheins liegen, welche schon in den ältesten Schriften über 
Helgoland mit dem Bemerken erwähnt wird,*) dass besonders in der I\ O. und N. 
Seite, wenn warme Sonnenstrahlen das Gestein durchdringen die Klippen abbrechen. 
Der grössere Wassergehalt begünstigt die Zerklüftung durch den Frost, das auf- 
thauende Eis öffnet sie dem eindringenden Thonschlamm und dieser schwindet in 
den Strahlen der warnien Frühjahrssonne. So arbeiten sich die Agentien beim 
Werke der Zerstörung in die Hände. 

Doch noch ein anderer Umstand gesellt sich hinzu, welcher gerade an der N. 
und IV ü. Seite den Absturz grösserer Massen veranlasst. Es ist dies der Fall 
der Schichten nach O IV O. und deren starke senkrechte Zerklüftung. 

Das Tagewasser, welches auf den Schichtflächen abläuft, bewirkt eine allmählige 
Fortbewegung des Hangenden auf dem Liegenden und endlich ein völliges Abrut- 
schen des Ersteren. Bei Beinbecks Keller haben zwei nach innen zukeilende 
Klüfte das Kutschen wesentlich befördert; ebenso sind die Abstürze an der Boad 
Borg, welche in älteren und neueren Schriften als besonders stark geschildert 
werden, in den daselbst von allen Seiten abgeschnittenen Schichten (s. Oben S. 96.) 
begründet und die meisten grösseren Abfälle bei Om Wast und am Südhorn sind 
nicht durch Unterspülung, sondern durch Butschen der, nur nach einer Seite ver- 
bundenen, Schichten entstanden. Hier werden in der Folge sich diese Butschungcn 
auch vermindern, da der bereits gebildete Geröllwall in seiner Böschung von dem 
Wellenschlage nicht erreicht wird und die darunter liegenden Schichten schützt 



») Bötticher (a. a. 0. S. 263) fasst diesen Vorgang schon ziemlich richtig auf, nur misst er dem 
salzigen Wasser irrthümlich eine besondere Wirkung bei. Nieman (a. a. 0. S. 206) gedenkt 
des Phänomens ebenfalls, namentlich an der Nordseite, und ihm nachschreibend, v. d. Decken 
(a. a. 0. S. 12.) 



— 173 — 

Wo die Wellen die abgestürzten Massen erfassen können, da wird früher oder 
später der Fuss des Felsens von der schirmenden Decke entblösst und dem direk- 
ten Angriffe derselben preisgegeben, wie längs der ganzen Küste vom Südhorn 
zum Nordhorn und von da zur Letge Bru. Auf den ersten Blick zeigt sich auch 
dem ungeübten Beobachter die grosse Verschiedenheit der Küstendestruction auf 
ersterer Linie im Vergleiche zur letzteren und dies leitete zu einer näheren Unter- 
suchung der Momente, welche die zerstörende Kraft des Wellenschlags steigern 
oder vermindern können. Die Erfahrung hatte längst gelehrt, was später die Theo- 
rie bestätigte, dass die Wirkung einer Welle auf einen ihr entgegenstehenden festen 
Körper sich nach ihrer Höhe uud ihrer Geschwindigkeit richte, und mit der Ah- 
nahme dieser geringer werde. Da aber eine Welle von gegebener Höhe eine 
dieser entsprechende Tiefe des Wassers voraussetzt, um frei schwingen und unver- 
ändert sich fortpflanzen zu können; so ist klar, dass ein Ansteigen des Meeresbodens 
auf die Welle selbst zurückwirken müsse. Erhebt sich derselbe sehr sanft gegen 
die Oberfläche, so vernichtet er allmählig die Wellenbewegung ganz, steigt er da- 
gegen terrassenförmig an, so thürmen sich durch Keflex an den steilen Wanden die 
Wellen auf der Oberfläche und brechen sich dort.*) Gerade ein solches Verhält- 
niss bietet Helgoland dar. Nach W. der Bütters-Binnen Böig und die Kante, nach 
O. die Düne mit ihren Kiffen zwingen die aus dem tieferen Meere kommenden Wogen, 
sich zu brechen und daher erscheint, weit von den sichtbaren Klippen entfernt, die 
Insel mit einem Schaumgürtel umgeben. Treten sie in ihrem weiteren Verlaufe 
über die bei Ebbe sichtbaren Biffe, so brechen sie sich fortwährend und ein langer 
Schaumstreif bezeichnet ihren Weg. In den Klippen hat also der Fels eine schüt- 
zende Vormauer gegen die Wuth der Wogen, welche aus hoher See ihm zurollen; 
je breiter die Kiffe durch die Abnahme der Insel mit der Zeit werden, um so mehr 



°) De la Coudraye (ThiScrio des vents et des ondes. Paris An. 10.) berichtet, dass sich auf der 
Bank von Newfoundland die Unebenheiten des Riffs den Schiffen durch die kurzen stehenden 
Wellen bemerklich machen, obgleich die Bank in 100 Faden Tiefe liegt. Die grossen Wellen, 
welche von W. und N W. aus der Helgolander Tiefe kommen, erleiden daher über den Fels- 
terrassen der beiden Bücken und der Kante im Meeresgrunde eine so starke Brechung, dass ihre 
Lage und Erstreckung vom Oberlande aus sehr deutlich erkannt werden kann. 



- 174 - 

müssen sie den Fels beschirmen. Wie sehr die Spülkraft der Wellen, welche über 
die Riffe hin das Geslade erreichen, von ihrer Höhe bedingt werde, zeigt am besten 
die Lage der Spülfurchen, welche in senkrechtem Durchschnitt eine der Wellenbahn 
zugekehrte Curve darstellen. Man sollte erwarten, dass der tiefste Punkt derselben 
dem Ebbestande näher liege, als dem Fluthspiegel, da die Dauer der Wirkung bei 
der höchsten Fliith kürzer ist, aber die vorgenommene Maassvcrgleichung lehrt 
bald das Irrige einer solchen Voraussetzung, indem die grösste Höhlung der Spül- 
furchen dem Fluthstande viel näher liegt, ja an einigen Punkten sogar in die Fluth- 
linie selbst fällt. So finden sich die Scheitelpunkte der Spülfurchen am Südhorn 
10£ Fuss, Ingels Kark % Fuss, Mörmers 14£ F., Markau 6 Fuss, Mädecks-Stack 
7 Fuss über dem ordinären Ebbespiegel, und dies stimmt völlig mit der grösseren 
Breite des vorliegenden Klippenfeldcs. Von der Felswand reflectirte Wellen lassen 
ihre Spülkraft an den isolirten Stöcken beobachten. Ihre Furchen liegen dem 
Ebbestande näher und sind zuweilen tiefer in das Gestein geschnitten, z. B. bei dem 
Madeck- und Düv-Stack. Bei letzterem fällt die Auswaschung durch die reflectirten 
Wellen besonders noch durch die seitlichen Ausladungen, auf so dass dessen 
Querschnitt eine mit der Spitze dem Abhang zugewendete Birnform zeigt. In 
engen Slapps, wo die TV eilen sich thürmen, liegen die Scheitelpunkte der Spül- 
furchen am allerhöchsten. 

Wesentlich gesteigert wird begreiflicherweise die abnutzende Wirkung des 
Wellenschlages, wenn sie Schlamm, Sand und kleine Gerolle mit sieh führen. An 
solchen Stellen des Strandes, wo auf den Riffen kleines Gerolle liegt, ist das Ge- 
stein daher tiefer ausgewaschen, als an anderen, und dasselbe gilt von Klüften im 
Abhänge, welche an beiden Seiten gegen die Sohle tiefer ausgespült sind. (Osscn 
gatt, Mahrs-Gatl etc. etc.) 

Wie gering die Abnutzung des Gesteins da ist, wo dem Wasser das Schleif- 
mittel fehlt, zeigen am besten die Tauscndc kleiner Balanen, mit welchen der Fels 
bis zum Fluthgcstade bedeckt ist. Nur nach einem fünftägigen orcanartigen Sturme 
im August 18M fand ich sie an den Wänden des Südhorns abgewaschen, an anderen 
mehr geschützten Stellen dagegen wohl erhallen. Ebenso waren die zarten Con- 
ferven, welche die Riffe bedecken, nur in der Nähe des Abbanges, wo die ablau- 



— 175 - 

('enden Wellen Gerolle mit sich gerissen hatten, zerstört, in grösserer Entfernung 
aher war das grüne Gewand der Schichtenköpfe unversehrt. Hierin darf wohl der 
sprechendste Beweis der höchst geringen Abnutzung der Riffe gefunden werden, 
wenn sie erst bis zum Ebbestand herabgesunken, und noch geringer werden diese 
Veränderungen in grösserer Tiefe, 

Abgesehen davon, dass mit deren Zunahme die mechanische Wirkung der 
Wellen an und für sich kleiner wird, fehlen auch dem Wasser auf den Riffen 
die seine Schleifkraft vermehrenden Beimengungen ; denn nur in den Rillen findet 
man hie und da kleines Gerolle, das Gestein selbst aber ist durch die starke Vege- 
tation so sehr gegen den Angriff geschützt, dass selbst bei heftigen Stürmen nicht so 
viel weggewaschen wird, um nur das Wasser zu trüben. Bei den Nathürn-Brunnen 
kann man sich hiervon am besten überzeugen, sie liegen bei Fluth c a 6 Fuss unter 
Wasser und die am Strande getrübten Wellen ziehen sich nicht bis nach ihnen 
heraus. 

In geringerem Maasse gegen diesen kräftigen Schutz der Riffe durch die Vegetation 
erscheint der Naehtheil, welcher bei ungewöhnlichen Stürmen ihnen durch dieselben er- 
wachsen kann. Der Tang, äusserst fest an den Gesteinen wurzelnd und durch die 
gesteigerte Gewalt der Wogen dann in sehr heftige Rewegung versetzt, lockert die 
Schichtenköpfe und löst mitunter das Stück ab, an welchem er festsitzt, ehe 
seine Wurzel sieh von demselben trennt. Auch die unausgesetzte Thätigkeit der 
Pholaden befördert in Etwas den Abbruch der Riffe. Wo das Gestein von unzäh- 
ligen Löchern durchbohrt ist, kann es leicht ein Spiel der Wellen werden, wie die 
ausgeworfenen Stücke der Kreide am Dünenstrande zeigen. Auf diese beschränkt 
sich aber auch der Schaden, denn in die Schieferletfen, bunten Mergel und die här- 
teren Kalksteine geht hier die Bohrmnschel, nach den Auswürflingen zu urtheilen, 
nur äusserst selten. Wie sehr gering demungeachtet die Abnahme der untermee- 
rischen Riffe sei, kann auch aus den Tiefenangaben der älteren Seekarten und 
Steuerbücher entnommen werden. In den ältesten Beschreibungen heisst es von 
den Klippen der Düne, dass sie bei östlichen Winden und starker Ebbe weit in 
die See hinein zum Vorschein kämen und dann auch der Stein über das Wasser 
trete. Ganz so ist es noch jetzt nach Verlauf mehrerer Jahrhunderte. Auf letzteren, 



— 176 — 

als eine den Schiffcu so gefährliche Klippe, seine Lage, Tiefe unter Wasser und 
Sichtbarwerden bei starker Ebbe, passen auch jetzt noch die Schilderungen von 
Haeyen ganz und gar, und doch hat dieser Felspfeiler, ausser den Wellen, die 
gewaltigen Stösse vieler an ihm scheiternden Schiffe zu ertragen gehabt, ohne einen 
merklichen Abbruch zu erleiden. Unmöglich lässt sich aus so unbedeutenden Ver- 
änderungen der Riffe unter dem Meere die Bildung des Steins, der Knolle etc. 
erklären, und wenn man das wagerechte Klippenfeld zu N W., W. und S W., 
welches wahrscheinlich schon seit Jahrtausenden so liegt, mit der allmählig zuneh- 
menden Tiefe und den terrassenförmigen Abstürzen vergleicht, dann wird man ge- 
wiss nicht ohne Grund geneigt sein, in jenen und diesen die Beweise einer theils 
plötzlichen, theils langsamen Senkung zu erkennen. Wie sehr das Gestein der 
rothen Klippe auch da, wo es dem direkten Anschlage der Wellen ausgesetzt ist 
und seine Festigkeit nicht durch unzählige Risse und Spalten verändert ist, dem 
Wogendrang zu widerstehen vermöge, lassen schon die Stacks, Reste der ehemali- 
gen Küste, erkennen. Das Mädeck-Stack, jetzt 201 F. 8 Z. vom nächsten Abhänge, 
trotzt auf einer Basis von 49 Fuss 6 Zoll Umfang dem Sturm und Wellenschlag 
und bei dem 1839 umgestürzten 31 ö n ch betrug der kleinste Umfang der Spülfurche, 
nach einer Messung im August 1838, nur 4 Fuss 9 Zoll und die Entfernung sron der 
Wand des Südhorns 170 F. 5 Z. Als Marke zur Vermeidung des Steins war er den 
Schiffen wichtig, und Steuerbücher des läten Jahrhunderts erwähnen ihn in dersel- 
ben Lage, wie er noch vor 8 Jahren gesehen wurde.*) 

Um indessen nur ein annäherndes Maass der Abspülung einer Fclsfläche zu er- 
halten, habe ich im August 1844 an der Westseite des Hengstes in der tiefsten 
Spülfurche drei 1 Fuss lange und \, £ und 1 Zoll tiefe Rinnen in senkrechter 
Richtung eingehauen. Im Juli 1845 fand ich No- 1 ganz abgewaschen ; No. Ü noch 
deutlich kennbar; PJo. 3 noch £ Zoll tief. Erlauben diese Beobachtungen auch 



*) Das älteste dieser Steuerbücher bewahrt die hiesige Commerzbibliothek in einem Manuscript, 
welches nach Kosegartens Ansicht am Ende des löten oder Anfang des 16ten Jahrhunderts 
mit Benutzung älterer holländischer Seekarten geschrieben ist. Mit Zusätzen erschien 
dasselbe unter dem Titel : Seekarte Ost unde West lo segelen. Lübeck 1575. Es findet sich 
darin folgende Angabe über Helgoland mit einer freilich sehr schlechten Küstenansicht der Insel: 



- 177 - 

keinen auf alle Küstenpunkte anwendbaren Schluss, so beweisen sie doch, dass an 
einer der ausgesetztesten Stellen die Abnutzung binnen Jahresfrist etwa £ Zoll 
beträgt. 

Haben die Massen nicht Stabilität genug, um bei dem Anschlagen der See 
unbewegt bleiben zu können, dann allerdings folgt die Zertrümmerung ungleich 



De Eydei unde Hilligelandt liggen van ander ost tho norden, unde west tho Süden II klene 
kenningen. 

Rypen licht van Hilligelandt nordost tho norden II grote kenningen. 

Item de Südbaven möge gy ynsegelen up vyff vadem. 

Hilligelandt schöle gy nicht neger kamen van bnten denn up IX. edder X. vadem benorden, 
wente van den stenen beth tho et liken enden ys ydt VII. vadem deep. 

De setten wil uuder Hilligelandt, unde kumpt van Westen, de käme Hilligelandt nieht neyer 
denn X. vadem, so lange alse gy den Monnick unde dat hoge Kliff sehen, unde segelt den fry 
na dem Südtlande tho up IV. ente V. vadem na dem Lande. 

Wenn dat Kliff Südwest elfte west Südwest van juw licht, unde Scbolverhock nordost ys van 
j uw dar ys de beste reyde up IV. effte V. vadem, schöne witte grundt. 

Ausführlichere Angaben liefern uns spätere Steuerbücher, z. B. die Amstelredamsche Zee- 
karten door Albert Haeyen, Amstelredam 1613, wo es S. 37 heisst: Die gheleghentheydt van 
alle de Eylanden ende havenen die ontrent heylige Landt liggen. 

Het eenenderticbste Capittel. 

Heylige-landt ende Bornrik liggen van malkanderenzuydwest te Westen, ende noartoost ten 
oosten, nae't gemeene gevoelen 24 mylen weeghs. 

Heylighe-Iandt ende de buytenste tonne in die Weeser liggen van den anderen zuyden wel 
soo westelijck, ende noorden wel soo oostelick: macr Heylighe-Iandt ende de tonne opt 1 
Hooft ligghen van malcanderen zuyden ende noorden ses mylen. WS can by die tonne opt' 
Hooft ligghen en sien Heylighe-Iandt met goet ghesichte. 

Heylighe-Iandt, ende die buytenste tonne in die Elff, oft Nieuwe-werck, ligghen verscheyden 
van den anderen zuydoost ten oosten, ende noordwest ten westen als boven. Heylighe-Iandt, 
ende die Eyder ligghen van malcander oost ten noorden ende west ten zuyden ses mylen weeghs. 
Heylighe-Iandt endede buytenste tonne in die Heever ligghen verscheyden van den anderen 
noordost ende zuydwest als voren. Wen can liggen neffens die buytenste tonne in die Heever 
ende sien Heylighe-Iandt met goet ghesichte. 

Heylighe-Iandt ende Smaeldiep, ligghen van malcanderen noordoost ten noorden, ende zuyd 
west ten zuyden ses mylen weeghs. 

Heylighe-Iandt ende Silterdiep ligghen verscheyden vanden anderen noordnoordoost, ende zuyd 
zuydwest seven grote mylen weeghs. 

Heylighe-Iandt ende die haven van List, ligghen van een verscheyden noorden wel soo ooste- 
lick, ende zuyden wel soo westelick, twaelf mylen weeghs. 

Heylighe-Iandt ende Knuytsdiep ligghen ven malcanderen ontrent zuyden en noorden seventien 
mylen weeghs. 

23 



- 178 - 

schneller und sind die Stücke erst so klein, dass sie von jeder auf- und ablaufenden 
Welle hin und her gerollt werden, dann geschieht ihre völlige Zerstörung um so 
rascher, je weicher das Gestein ist. Daher findet man im Singe 1-Gatt und am 1 ta- 
ste al unter den vielen kleinen Feuersteinen so wenig Gerolle des Schieferlettens 
und bunten Mergels. 



Heylighe-landt ende Schellingkroegh, oft zuyder zijds haven, ligghen van cen verschcyden 
zuydee en noorden, als die Jutten seggen, 21 oft 22 mylen weeghs. Heylighe-landt ende Boc- 
venberghen ligghen verscheyden vanden anderen noorden ten westen ende zuyden ten oosten 
38 mylen, na d'oude gevoelen, ende oock als dese naevolghende rekeninghe van mylen uytwyset 
hoc wel dat ick licver gheloove, zuyden wel soo oostelick ende noordde wel soo westelick, de 
mylen als voren. 

Die Bekenninghe vanden Jutten, vande mylen tusschen Heylighe-landt, end Boevenberghen, 
is, als nu volght Heylighe-landt ende die haven van List verschillen — 12 mylen. 

T'gat van List ende Knuytsdiep verschillen - - 5 mylen Knuytsdiep ende zuydez-zijds haven 

zijn verscheyden — 5 mylen Zuydez-zijds haven en t'gat van Numen zijn verscheyden 7 mylen. 

T'gat van Numen ende BoelenDerghen verschillen 9 mylen. 

Somma 38 mylen 

Om Heylighe-landt te kennen. 



Het toveeendertichste Capittel. 

Als ghy comt van by Westen, ende beginnet in t'ghesichte te crijghen Heylighe-landt, soo ist 
een hooghen, roodachtigen, steylen, ende bovenplatten hooek: Ende als ghy nae den zuydosten 
hoeck loopt, om nae de reede te seylen, ende dat ghy schier byt' landt comt, so siet yhyeen 
Clip, ghelijck een smallen toren, byt'hooghe landt staen, ghenaerat den Monck, ende is een 
weynigb leegher dan l'hooghe landt, staende op die zuydosl-zyde van t'landt. Maer als ghy by 
den zuydooste hoeck wilt om loepen, so light daer een stee of clippe wel het der de deel van 
eender mylen van landt. Ghy moeght daer buyten om looden op acht oft negen vamen. 

Efi als die voorseyde Monck bedeckt wordt van Heylighe-landt, dan zyt ghy neffens desen 
steen. Maer als die voornoemende Monck en handspaeck lanck voor by t'hoge land comt, 
settet daer op thien en elf vamen nant het is daer over al suyver ten naer van verlorn anckers 
die daer veel zijn. En als ghy light op neghen vamen, dan zijt ghy bedeckt voor den zugdwes- 
ten ende west noordwesten windt. Die mane noord noordost, efi zuyd zuydwest, maeckt daer 
t'hooghste water. 

Van den hoeck daer die Monck op staet, schiet een cleyn rifken vanden Wal, men mach 
dat looden op dry vatne. Men mach oock wel op vijf vamen van den Wal loopen, ende seylen 
mis den voornoemenden steen: maer ist dat ghy dieper loopt, te weten op seven vamen, so 
sult ghy de steen op t'lijf seylen, mettemin acht oft neghen vamen is buyten dee steen. Nu 
streckt hem oock vande noord zyde van Heylighe-landt af een quaet rif, ruym die twee derde 
deelen van een myle van landt, so dat ghy die geheele noord-zijde niet en moeght naerder comen 
dan op negen of thien vamen. Ende als ghy by noorden Heylighe-landt om wilt, comen de so 
verre daer afdattet oost-eynde van Heylighe-landt zuyd ende zuyd ten oosten van u comt, seylet 
dan vrynae Scholvers hoeck toe, men mach die looden og vijf, ses ende seven vamen. 



— 179 — 

Durch die Versuche von Breniontier, Emy etc. etc. ist ja die ausserordentliche 
Kraft der Wellen im Fortrollen grosser Felsstücke ausser Zweifel. Wie sehr es 
indessen hierbei auf das Profil des Grundes ankomme, auf welchem die Wellenbe- 
wegung stattfindet, babcn mich Beobachtungen an der Westküste gelehrt. Sieben 



Want is dat ghy daer op acht vamen wilt af loopen, so sult gtay wel twee mylen weeghs 
vanden wal loopen, ende het rechte vaerwater (d'welck is tusschen die Hever ende Heylighe- 
landt) en is niet meer dan neghen of thien vamen diep : Maer als ghy op die Reede comt, soo 
settet daer onder Scholvershoeck, want men can met cleyne schepen nae setten, dat man van 
eenen noorden windt beschudt ligght. 

Scholvershoeck is den hoer daer die zuydhaven binnen light, ende streckt hem van t'hooghe 
landt ontrent oost in zee : ende van dat buyteste eynde van Scholvershoeck streckt haer een 
banck van dry vamen toe den hoek daer die Monck op staet, daer binnen ist ser goet liggen 
voor schepen die niet diep gaen ende is die Znydhaven van Heylighe-landt. 

Noch bestimmter uud mit einer Karte der Elb- und Eidermündungen, worauf auch Helgoland 
ziemlich richtig angegeben ist, sind die Kurse, Marken und Lothgründe verzeichnet in den 
Seespiegel in houdende een Körte Onder wysinghe in de Kons der Zeevaert etc. etc. door 
Willem Jansz Blaeu. Amst. 1643. S. 15. 

H eyliglie-lamlt. 

Om onder Heylighe-landt te fetten ofte reede te maecken, comende van bewesten. soo loopt 
dat landt aen op thien ofte twaelf vadem. Als ghy nae de zuydhocck toeseylt, en het landt 
te met ghenaeckt, sult ghy een klip ghewaer werden ghelick een smallen tooren, dicht by het 
hooghe landt, gheheeten de Monick, is by nae soo hoogh als het hooghe landt. Ontrent zuyd- 
zuydoost een derdepart ofte vierdepart van een myle vun die Klippe, leyt een steen ofte Rudse 
onder waler op seven vadem, soo ghy u houndt op acht ofte neghen vadem, loopt ghy buyten 
dese steen om, ende en meuchl, daer aen niet misdoen : als de Monick bedeckt werdt van 
het ander landt, soo zijt ghy neffens desen steen: als die voornoende Monick een handtspaeck 
lengde voorby ofte buyten het ander landt comt, daer is de reede en goet setten op thien, elf 
vadem, de grondt is daer schoon en suyber, ten vvaer van wracken van gebleven schepen ofte 
verlören anckers, die daer veel zijn. Daer legghende op neghen, thien of elf vadem, hebt ghy 
beschut voor eenen westzuydwesten, noordwesten ende noorden wint. Van den hoeck daer de 
Monick by staet, schiet een cleyn Rifken vande vval af, dat machmen looden op drie vadem, 
men mach oock op V. vadem vande wal af loopen, ende scylen de voornoemde steen mis, te 
weten tusschen de steen ende het Rifken deur: maer ist dat ghy dieper loopt, te weten op 
seven vadem, sult de steen op'tlyf zeylen. Op acht ofte neghen vadem looptmen buyten den 
steen om. 

Van de noorzyd van Heylighelandt streckt een quaetRif afcen groote half mijl, ofte twee der 
dendeelen van een myle in zee, soo datmen de gheheele noorzyde met naerder comen en mach 
dan op neghen ofte thien vadem. Als ghy benoorden Heylighelandt om will, comende soo 
verre dat het oostcynde van Heylighelandt zuyden ende zuyden ten oosten van u comt, seylt 
dan vry nae, Scholvershoeck toe, dat is een vlacke hoeck, die meuchdy looden op vyf, ses en 
seven vaden. Ist dat ghy op acht vadem, daer af wilt loopen, sult wel twee mylen weeghs 
vande wal loopen, het rechte vaerwater is tusschen de Hever ende Heylighelandt niet meer dan 

23* 



L 



- 180 - 

bezeichnete Blöcke, darunter keiner von der Grösse der Bremontier'schen, bei 
Flaggen s, Flaggenberg sSlapp und Bak bor n, wurden in ihrer Lage zur Küste im 
August 1844 gemessen und im Juli 1845 verglichen und nur der kleinste derselben, 
war um 4 Fuss von seiner früheren Stelle dem Strande zugerollt. So sehr bricht 



neghen ofte thien vadem diep. Als gby om de hoeck nae de reede comt, en dat Scholvershoeck 
nördoost en het Klif zuydwersten van u leydt, daer is goet ligghen op fyf vadem. 

Scholvershoeck is de hoeck daer de Zuydhaven binnen leyt, streckt hem van't hooghe landt 
ontrent oost in zee. Van het buytenste eynde van Scholvershoeck streckt een banck van drie 
vadem tot deo hoeck toe daer de Monick staet, daer binnen ist seer goet ligghen voor schepen 
die niet diepen gaen, dat heet de Zuydhaven van Heylighelandt. 

Een zuyd zuydwerste ende noordnoordoosteMaen maeckt aldaerhet hooghste water. 

Obschon auf Helgoland in der Benennung der einzelnen Küstenpunkte einige Confusion herrscht, 
besonders seitdem in den verschiedenen Badeschriften englische und deutsche Namen mitein- 
ander verwechselt und die Irrthümer der früheren von den späteren unbedenklich nachgeschrieben 
wurden; so unterliegt es doch keinem Zweifel, dass der im Jahre 1839 umgestürtzte Stack der 
eigentliche Mönch war. Es wird dies dadurch zur Gewissheit, dass er als Marke zur Vermei- 
dung des Steins und Danskermanns-Horns bei dem Einsegeln in den Südhafen diente und 
deshalb auch schon vor Jahrhunderten (z. B. bei Dankwerth) Markstein genannt wurde. Die 
in obigen Marken angegebenen scheinbaren Entfernungen des Mönchs von der Küste des Süd- 
borns zur Bestimmung der Richtungen passen vollkommen auf die jetzigen Verhältnisse und 
weisen den etwaigen Einwurf zurück, dass der Mönch des 15ten Jahrhunderts, an einer andern 
Stelle gestanden haben könne. Wir kennen ihn überdies vom 16ten Jahrhundert an in Bildern 
und auf Karten. Auch Bötticher £a. 3. O. 269) sagt ausdrücklich, dass der Mönch am Süd- 
horn schon damals (1699) der „Olde Mönch" genannt worden und sehr alt sein müsse, „weil 
er in vielen Beschreibungen dieses Landes gemeldet wird und dienet den Piloten und Schiffern 
zum Markzeichen, wenn sie auf dieser Rhede herannahen wollen und können die unter Wasser 
liegenden Klippen nach einer gewissen Richtung erkennen." Aus dieser Thatsache erlangen wir 
den überzeugenden Beweis, wie sehr dieses sonst so mürbe Gestein der Kraft der Wellen wi- 
derstehe, wenn nicht Spalten ihr den Weg ins Innere bahnen. Da aber unzerklüflete Massen 
nur einzeln im Felskörper erscheinen, so muss ihre Umgebung früher dem Meer verfallen und 
die Küste sich rascher hinter sie zurück ziehen. 

Eine nähere Betrachtung der Spülfurchen zeigt uns nirgends glatt abgewaschene Flächen, wie 
sonst bei cohärenten Massen, sondern mehr oder minder hervortretende Unebenheiten mit abge- 
rundeten Kanten und Ecken. Auch diese Erscheinung wird durch die zahllosen Haarspalten 
veranlasst, welche die Schichten durchsetzen, so dass sie durch den Wellenschlag zugleich ab- 
gespült und abgebröckelt werden. Indem auf diese Weise immer wieder neue Kanten und Ecken 
hervortreten, kann sich nie eine glatte Fläche bilden. 

Auch die Lage der Spülfurchen bietet etwas Auffallendes dar. Es liegen dieselben nämlich 
nach der Richtung der anprallenden Wellen am höchsten und neigen sich nach den Seiten so, 
dass ihre Neigung meistens mit dem Schichtenfall übereinstimmt. Bekanntlich staut sich an 
jedem Hinderniss, welches die bewegte Flüssigkeit findet, dieselbe an den vordersten Punkten am 



— 181 — 

das -vorliegende breite Rifl die Kraft der Wellen. Sind daher die abgefallenen 
Felsstiieke nicht durch den Sturz zertrümmert, so können sie ebenfalls lange der 
gänzlichen Zerstörung widerstehen, wie die grossen Gerolle am obigen Orte zeigen. 
Entfernter vom Strande ist die Wirkung aber gewiss stärker, denn die Riffe sind 
seewärts auch von grossen Rollstüeken ganz frei.*) 



höchsten auf und senkt sich von da an den 'Seiten abwärts; aber hierin scheint mir die Richtung 
der Spülfurchen doch nicht allein begründet zu sein, sondern auch fdie Lage der Schichten 
einigen Einfluss zu üben, da sie in der Richtung derselben unter allen Umständen den geringsten 
Widerstand leisten. 

a ) Mit diesen Beobachtungen steht die Behauptung Volgers in schneidendem Gegensatz, welche 
bereits (Oben S. 144) erwähnt wurde und hier wörtlich folgt: „Die ungeheure Gewalt solcher 
Stürme mag man daraus ermessen, dass zur Zeit der Aequinoctien nicht selten die Wogen 
mit solcher Heftigkeit gegen die Insel anstürmen, dass sie an der zweihundert Fuss hohen 
Wand schäumend hinauflaufen und nicht nur Tang, sondern auch Kiesel und andere Gerolle 
bis auf die Gallerie des Leuchtthurms schleudern. Ja unter den zahlreichen derartigen Aus- 
würflingen des Meeres, welche sich oben auf dem Plateau der Insel finden, liegt auch ein 
grosser nordischer Granitblock von m ehreren Füssen im Durchmesser." Schon die Knaben 
zeigen Lust, sagt Wienbarg sehr richtig, den Neugierigen zu foppen. Manchem wissbegierigen 
Professor, der häufig nach den Seltenheiten von Helgoland umherläuft, haben die Schelmen 
einen Zopf gebunden. Auch Volger erscheint mit diesem Schmuck und unter so gewaltigen 
Eindrücken auf seine, ohnehin sehr elastische Phantasie, dass durch ihre Reaction 4000 Pf. 
schwere Granitblöcke, wie Sandkörner, über die 200 Fuss hohen Wände heraufgeworfen werden. 

Auf den Grund meiner Erfahrung, die unter den vielen Besuchern des Eilandes gewiss nicht 
wenige mit mir theilen, stelleich zunächst die Thatsache bestimmt in Abrede, dass die Wellen 
selbst bei der höchsten Aufregung des Meeres, über den Abhang, bis auf das Oberland steigen. 
Nur der feine Wellenscbaum ist es, der, wie eine Staubwolke, an den Küsten herauf steigt, aber 
seine Erhebung durchaus nicht der directen Wirkung der Welle verdankt, sondern lediglich 
jener des Sturmes selbst. Man kann auf Helgoland, besonders an der Westseite, bei Stürmen 
aus W- und NW. eine Beobachtung machen, welche an ähnlichen Küsten sich wiederholt und 
.als Erfahrung längst feststeht : dass nämlich in der Nähe des Abhanges der Wind viel schwä- 
cher wird und ohne grosse Anstrengung das Gehen gestattet, während man in weiterer Entfer- 
nung vom Abhang gezwungen ist, sich auf allen Tieren zu bewegen. Selbst die Schaafe haben 
dies ausgefunden und legen sich bei Sturm, so nahe als es ihre Fessel gestattet, an den Rand 
der Klippe. Auf folgende Weise dürfte sich diese Erscheinung leicht erklären: 

Denkt man sich eine Horizontale, welche die Richtung und Stärke des Windes darstellt, auf 
die geneigte Fläche des Abhanges gezogen; so wird die Zerlegung derselben die nothwendige 
Entstehung eines Luftstroms zeigen, welcher dem Letzteren parallel aufwärts geht. Über dem 
Rande muss dann bei dem Zusammentreffen des primären und secundären Luftstroms die 
Richtung beider der Diagonale des Parallelogramms entsprechen, welches sich aus jenen con- 
struiren Iässt, oder der resultirende Strom ein mehr oder weniger schief aufsteigender sein. 
Man befindet sich also in der Nähe des Abhanges gleichsam hinter einer Luftwand, die nicht 



- 182 - 

Die ungleiche Destruction der rothen Klippen gegen SW. "W. und NW. im 
Vergleiche gegen die Nord- und Nordost-Seite, wird nicht allein durch den stärkeren 
Wellenschlag der aus W. andringenden Fluth und der vorherrschend aus W. und 
NW. tobenden Stürmen bedingt, sondern auch durch die Klippen der Düne, 



nur gegen den directen Wind, sondern auch gegen den Regen und Wellenstaub schützt, welcher hinter 
ihr viel sparsamer fallt, als in einiger Entfernung vom Klippenrande. Der längs des Abhanges 
aufsteigende Luftstrom reisst den Wasserstaub, den an die Küsten geschleuderten Tang und die 
vom Fels abbröckelnden kleinen Steine mit sich fort und oben angelangt, folgen sie der Bewegung 
des resultirenden Stroms, und lediglich durch ihn werden sie nach der Gallerie des Lcucht- 
thurms geführt. Der Wellenstaub, der Tang machen diese Bewegung anschaulich, man kann 
aber ihre Richtung auch beliebig versinnlichen, wenn man einen nicht zu schweren Körper vom 
Abhang herunter wirft, wo ihn der Wind erfasst und hoch über dem Felsrande in einem Bogen 
landeinwärts führt. Demungeachtet wird man sich auch zur Zeit der Aequinoctien vergeblich 
nach den zahlreichen Auswürflingen, welche nach V. das Oberland nach Stürmen bedecken 
sollen, umsehen, denn ich habe im September 1814 nach 9tägigen furchtbaren Stürmen ausser 
einigen Stücken des breitblätterigen Tanges, nicht das Geringste wahrnehmen können. 

Es sind allerdings einige Küstenpunkte bekannt, wo sich die anschlagenden Wellen bis zu 
ausserordentlicher Höhe erheben, z. B. am Leuchtthurm zu Eddislone, bei Warberg in Norwe- 
gen, am Weib des Lot, im Archipel der Mariannen-Inseln etc. etc. Ebenso kann nicht geleugnet 
werden, dass die Kraft des Wellenschlags oft einen unglaublichen Grad erreicht, wie aus den 
Versuchen Bremontiers auf dem Damm von St. Jean de Luz, aus den bei Beil-Rock in Schottland 
ans Ufer geworfenen grossen Blöcken von mehreren Tausend Pf. Gewicht (Edinb. Phil. Journ. 
N. V. p. 42) etc. etc. unbestreitbar folgt. Allein nur da können solche Erscheinungen eintreten, 
wo die Bedingungen ihrer Entstehung vorhanden sind : ein tiefes Meer, znr Bildung grosser 
Wellen und eine, steil nach der Tiefe schiessende Küste, welche die Wellenschwingung nicht allmählig 
bricht. So lothetman bei dem Leuchtthurm von Eddistone 80 Faden und der Fels, auf welchem er 
steht, stürzt jählings nach dem Grunde. Wie ganz anders bei Helgoland! Zu S W., W. und 
N W. ein 800 — 1000 Fuss breites Riff, theils in, theils über dem Ebbespiegel, von da eine 
terrassenförmige Senkung bis zu 20 Faden ; von S. durch 0. nach N. die mächtigen Klippen 
der Düne; so dass fast überall die, aus hoher See kommenden, grossen Wogen, gebrochen 
werden, ehe sie noch die Küste erreichen. Doch angenommen, es stiegen die Wellen noch 
um mehrere Faden über die Kante des Oberlandes, wäre damit ihre Bewegungskraft bewiesen, 
um mächtige Granitblöcke an den fast senkrechten Wänden herauf und oben noch weit land- 
einwärts zu schleudern? Hier können ebenso wenig Bremontiers Versuche und die Beobachtun- 
gen bei Beil-Rock als allgemeine Beweise zugelassen werden; denn dieselbe bewegende Kraft, 
welche an einem Damm von geringer Neigung einen Felsblock aufwärts zu rollen vermag, wird 
bei einem grösseren Fallwinkel der Küste ohne Wirkung bleiben müssen, da von diesem die 
relative Schwere der zu bewegenden Masse abhängt und mit dem Neigungswinkel selbst wächst. 
Die Brechnug der Wellenkraft auf den Riffen, deren fernere Verminderung durch die Jähheit 
der Abhänge, sie machen vereint das Heraufschleudern der Strandgerölle zur Unmöglichkeit, da 



- 183 - 

welche gegen Stürme aus O. und N. einen schützenden Damm für den Fels bilden. 
Nicht weniger aber haben wir die Verschiedenheit dieser Abnahme in den Lage- 
rungsverhältnissen und der Zerhlüftung der Schichten selbst zu suchen. 

Nehmen wir zum besseren Versländnisse der ungleichen "Widerstandsfähigheit 



bei den höchsten der raarkirten Sturmfluthen, z. B. 1825, über den Riffen höchstens 20 Fuss 
Wasser steht und diese Tiefe weder die Fortpflanzung noch Bildung von Wellen mit der erfor- 
derlichen Bewegungskraft zulässt. 

In dem grossen Bleinungskampfe, welcher die Geologen zar Zeit in zwei feindliche Lager 
theilt, über die Verbreitung der erratischen Blöcke, glaubt V. (a. a. 0. S. 9) auf eben so 
leichte Weise das entscheidende Moment gefunden zu haben, denn es passe dieselbe „vollkom- 
men zu der Annahme, dass das ganze Tiefland von einem flachen Meer bedeckt war, auf dessen 
Grund die Blöcke von stark bewegten Wellen gerollt wurden, wie dies noch jetzt in der Nordsee 
der Fall wäre, z. B. bei Helgoland." 

Ich würde eine theilweise Wiederholung dessen nicht vermeiden können, was ich vom Stand- 
punkte der Wellenlehre bereits gegen die Volgerschen Behauptungen zuvor angeführt habe, 
wenn ich eine Widerlegung von dieser Seite überhaupt noch nöthig finden könnte. Ein grosses 
flaches Meer mit Wellen von solchem mechanischen Moment, dass sie nicht etwa kleine Gerolle, 
sondern Blöcke, wie der Dammstein im Gute Hesselager auf Fühnen, von 22 Fuss Vertikal- 
durchmesser und 105 Fuss Umfang, hin und herrollen und weithin fortführen könnten, sind 
Widersprüche, welche sich bei einiger physikalischen Kenntniss von der Wellenbewegung auf- 
drängen müssen. Ich könnte mich daher auf die Widerlegung der behaupteten Thatsache be- 
schränken, selbst wenn in dem Abschnitte der V'schen Schrift, welcher über Helgoland handelt, von 
gerollten Blöcken, ausser der bereits besprochenen Stelle, noch weiter die Rede wäre. Eine 
phantastische Theorie gestaltete sich ihm unter der Feder zum Factum und dieses zur Grund- 
lage einer „vollkommenen" Theorie. Darauf wäre also gar nichts zu sagen! Doch ich habe 
einige andere Thatsachen gegen diese Rolltheorie auf den Helgolander Klippen beobachtet, die 
ich dem Leser nicht vorenthalten will. Bei den Olde Höfen im Nord- und Süd-Hafen liegen 
grössere granitische Geschiebe, die man zum Theil seit Jahrhunderten an diesen Stellen kannte. 
(Oben S. 144) Viele mächtige Sturmfluthen haben ihren Weg über sie genommen, den Ge- 
rölldamm des Steinwalls haben sie durchbrochen, aber an den grösseren Blöcken scheiterte 
ihre Gewalt, obgleich diese auf dem Riff des Südhafens ihren Angriffen besonders ausgesetzt 
waren und sind. Die bewegende Kraft der Wellen, welche sich in der Brandung oft so furchtbar 
zeigt, nimmt mit der Tiefe beträchtlich ab und ihre Rückwirkung auf den Boden ist durch die 
Wellenhöhe bedingt. So liegen die Tinners, d. s. Körbe mit Netzen, in welchen die Hummer 
gefangen werden, in einer Tiefe von 2 Faden schon sicher bei starkem Winde, obgleich sie 
nur an einem Stein von 25 — 30 Pf. befestigt sind, und der leichte, eine grosse Fläche darbie- 
tende, Korb die Möglichkeit der Fortführung sehr vermehrt; erst bei Sturm werden sie in 4 und 
6 Faden und nur bei den heftigsten, lange dauernden Aufregungen des Meeres in 10 — 12 Faden 
zuweilen verschlagen. Da diese Tinners überdies in die Nähe oder auf die Klippen gesetzt 
werden, wo durch die Brechung der Wellen eine viel heftigere Wirkung entsteht, als auf dem 
flachen Meeresgrunde; so bieten diese Beobachtungen noch nicht einmal den richtigen Maassstab 
zur Vergleichung. Mehr nähert uns demselben das Factum, dass die Nordsee, deren mittlere 



- 184 - 

desselben Gesteins gegen die gleichen Wellen eine Reihe der erhobenen Flötze, 
O N O. fallend und die Schichtköpfe nach WSW. gewendet (T. I. Fig. 13 
und 14); so wird aus mechanischen Gründen gegen den steilen Weslabkang die 
Wirkung der Kraft eine beträchtlich grössere sein, als gegen die sanft verflachende 
Ostseite. Besitzt das Gestein aber auch noch eine schiefrige Structur, so lösen 
sich durch den Stoss allmäklig die oberen Schichten und das Flötz blättert ab, bis 
es endlich die Gestalt Fig. 15. gewonnen und nach dem Grade seiner Cohäsion dem 
Wellenschlag Stand zu halten vermag. Anders ist dies bei der von O. kommenden 
Welle. Auf der geneigten Fläche auflaufend bricht sie sich fortwährend und die 
Last des Wassers drückt die Schichten nieder, statt sie zu heben (Fig. 14.) Ein 
Blick auf das Riff" zu W^., wo die Schichten bis zur Sohle des Felsens abgespült 
sind und sämmtlich fast in einer horizontalen Ebene liegen, während sie in O N O. 
gegen den Fuss des Abhanges ansteigen, bestätigt diese theoretischen Folgerungen. 
Zu den JNachtheilen, welche für die Erhaltung Helgolands aus der Struetur 
und Neigung der Schichten entspringen, gesellt sich noch der ihrer Zerklüftung. 
Auf diesen unzähligen Ritzen, Spalten und Klüften dringen die verderbenbringen- 
den Agenticn in das Mark des Gesteins und bereiten ihm im Bunde mit den ausserhalb 
wogenden Wellen seinen Untergang. In dieser vereinten Thätigkeit müssen wir 
dieselben betrachten, um die Gestaltung der Westküste, die grotesken Ilörner, 
Buchten und Felsenthore, die Formen der Felspfeiler und Stöcke als das fortschrei- 
tende Werk der Zerstörung sich aus einander entwickeln zu sehen und die wun- 
derlichen Hypothesen, welche für deren Bildung aufgestellt wurden, richtig beur- 
theilcn zu können. 



Tiefe zwischen England und der Deutsch-Dänischen Küste ca 20 Faden beträgt, nur nach län- 
gerem, heftigem Stürmen durch Aufschlemmung des Grundes getrübt wird. Diese unbestreitbaren 
Thatsactaen schliesscn jeden Gedanken aus, dass am Meeresboden viele tausend Centner schwere 
Blöcke, leichten Kieseln gleich, gerollt und auf weite Entfernungen fortgeführt wurden, und die 
vollkommene Theorie zerstiebt an ihnen, wie die Woge am Fels, zu eitlem Schaum. 

Endlich begeht Volger noch einen grossen Irrthum, denn die meisten und wüthensten Stürme 
kommen nicht aus Südwest, (a. a. 0. S. 22.) sondern fallen auf Helgoland in die Region 
zwischen W. und N N W. 



— 185 - 

Die grossen Klüfte, welche mehr oder minder rechtwinklick zur Streichungs- 
linie bald mit südöstlicher, bald nordwestlicher Neigung der Kluftflächen das Ge- 
stein durchsetzen und besonders an der Westseite mitunter 10, ja 15 Fuss weit 
ausgehen, während man am Ost- und Nordost-Abhänge nur einige von so viel 
Zoll Weite trifft, üben vor allem den grössten Einfluss auf die Küstenformen. 
Laufen die Klüfte einander parallel, so theilen sie das Gestein in Prismen, deren 
eine Fläche in der Ebene des Abhanges liegt; durchschneiden sie sich gegen 
W v so wird eine Kante des Prisma's der Küste zugekehrt; keilen sie nach oben 
zusammen,, so erscheint die Absonderung des Gesteins als Pyramide, im entgegen- 
gesetzten Falle, als ein Keil in der Felswand. (T. I. Fig. 9. 17. 19. 20.) Für alle 
diese Fälle bietet die Westseite die schönsten Beispiele. 

An der Wand der Brunschen Böst laufen die Spalten ziemlich parallel, und 
da die an der Basis unterwaschenen Prismen ihren Schwerpunkt in grösserer Ent- 
fernung vom Abhänge haben, so behaupten sie ihre Stabilität und die Wand zeigt 
keine Ausstürzungen. Zwischen Block-Horn und Spitzhorn divergiren die 
Spalten nach W., die von ihnen gebildeten Felsprismen lösten sich durch die Un- 
terspülung aus der Wand und hinterliessen nach dem Sturz dasSlapp des Markau. 
Gerade entgegengesetzt convergiren am Spitzhorn die Klüfte nach W f . und ver- 
leihen ihm die scharfkantige Gestalt, welche der Name andeutet. Ebenso schön 
und deutlich ausgeprägt beobachtet man diese Convergenz nach Aussen an den 
W^änden von Mörmers, besonders aber an den sehr regelmässigen des Sellinger- 
Ilorns, und man kann die Behauptung aussprechen, dass in einer früheren Zeit vor 
den kreuzenden Spalten ein Slapp lag, wie jetzt hinter demselben ein Hörn her- 
vorspringt. In gleicher Weise lassen sich durch Vergleichung des Streichens und 
Fallcns der Klüfte die einstigen Contouren der Küste voraus verzeichnen. Ein 
solcher Versuch würde indessen hier zu weit abführen, wie ich denn auch unter- 
lasse, die Bildung aller Slapps und Hörner auf die entsprechenden Kluftrichtungen 
zurückzuführen. Jedem Beobachter werden sie sich mit mehr und weniger deutli- 
chem Gepräge im Slapp z. N. Markau, im Bread-Horn etc. etc. aufdrängen Nur 
einige sehr ausgezeichnete Belege für den grossen Einfluss dieser Klüfte auf die 
Küstendestruction mögen hier Erwähnung finden« 



— 186 - 

An der Wand der Mädcck keilen zwei Spalten nach unten zu und bilden 
eine umgekehrte Felspyramide, deren Spitze aber hoch über dem Fluthstrande 
liegt. Letztere hat sich von der Hauptmasse getrennt und ist ausgestürzt, ein zweites 
losgerissenes Stück liegt dagegen festgeklemmt zwischen den convergirenden Flächen 
und wird ein Tragstein für spätere INackstürzungen sein. (T. I. Fig. 17.) Gerade 
dem umgekehrten Verhältnisse verdankt der Trichter seine Entstehung. Zwei 
nach Oben unter der Rasendecke und zugleich nach W. hinter dem jetzigen Ab- 
hänge desKasteal Horns zuheilende Klüfte, sowie mehrere kleinere Spalten nach 
O. zu, sonderten eine Pyramide ab, die von den in der westlichen Spalte eindrin- 
genden Wellen unterspült wurde und nun ausstürzen musste. Der Durchbruch 
des Rasens erfolgte plötzlich ohne vorangegangene Versenkung mit entsetzlichem 
Krachen und die Helgolander nannten die Vertiefung nach ihrer Entstehung In- 
sanken Gatt.*) Die abgelösten Massen waren gewiss durch den Sturz sehr zer- 
trümmert und so hat die See bis auf einen grossen Felsblock ihrer Herr werden 
können. 

In den Winkeln, welche die Wände der Hörner mit den anstossenden Abhän- 
gen bilden, werden die zusammengedrängten Wellen eine gesteigerte Spülkraft auf 
das Gestein äussern müssen und nach der, mehr auf einen Punkt concentrirten, 
Richtung des Stosses allmählig selbst eine \ertiefung erzeugen. Solche Löcher 
wie sie an vielen Stellen, besonders deutlich aber im Winkel des lngclshorns 
an der Felssohle sich finden, beissen auf Helgoland „Ofen" T. I. Fig. 7. und sie 
sind die ersten Anfänge der grossen Gatts. Die hohen Bogen des Jung-, Mör- 
mers-, Prale's- und JXordhorn-Gatts, welche die Fluth und Wellenhöhe weit 
überragen, können schon darum nicht durch Auswaschung entstanden sein, ganz 
abgesehen davon, dass die scharfkantigen und eckigen Formen des Gesteins keine 
Spur der Einwirkung des Wellenschlags wahrnehmen lassen. Das Räthsel löst 



•) Ueber diese Entstehung des Trichters hatte ich mich nach meinem ersten Besuche Helgolands 
im Jahr 1838 in einer Versammlung des naturwissenschaftlichen Vereins ausgesprochen, erfuhr 
aber erst bei meinen späteren Untersuchungen die bezeichnende Benennung und die Zeit des 
Durchbruchs, welcher im Herbst des Jahres 1802 gegen Mittag erfolgte, als gerade ein Helgo- 
lander in der Nähe auf seinem Felde arbeitete. 



- 187 - 

sich uns indessen wenn wir nicht allein die niedergehenden Klüfte, sondern auch 
die Schichtungsflächen, nach welchen sich die Massen so leicht trennen, ins Auge 
fassen. Ist der Ofen so weit ausgewaschen, als die "Wellen reichen; so werden 
die Schichten im Hangenden doch sowohl von dem Schaume derselben, als von dem 
niedersickernden atmosphärischen Wasser benetzt und durch dessen Gefrieren im 
Winter von einander mehr und mehr getrennt, bis sie endlich von oben nicht weiter 
gehalten und durch die vielen Risse im Gestein unfähig sich zu tragen, herabstürzen. 
So erhöht sich das Gewölbe. Da aber die vertikalen Bruchflächen der oberen 
Schichten über denen der unteren etwas hervorstehen, so bildet sich zuletzt ein Bogen 
von hinlänglicher Tragkraft. (T. I. Fig. 10.) Ist das Hörn, in welchem der Ofen liegt, 
.breit, so entsteht anfangs eine dunkle Höhle, wie früher bei dem Jung-Gatt, 
endlich spült die See auch die andere Wand durch und öffnet das Felsenthor. In 
dem tiefsten Punkte des Gatts, wo der Bogen anf den- einschiessenden Schichten 
ruht, dauert der Prozess der Unterspülung fort. Sind endlich die tragenden Schichten 
bis zu gewisser Tiefe ihm geraubt, dann brechen die überliegenden Bänke wieder 
ab, der Bogen erweitert sich und erhöht sich zugleich, da Spannweite und Höhe 
in einem bestimmten, hier noch besonders vom Cohäsionsgrad des Gesteins abhän- 
gigen "Verhältnisse stehen. Das Ausfallen von oben nimmt dann plötzlich rasch zu, 
wenn die senkrechten Spalten bis in die Schichten des weissen Sandsteins fortsetzen, 
dessen Festigkeit auch für eine kleine Last zu gering ist. Im Jung-, Mö rm er s- und 
Prale's-Gatt findet man daher die Bogen bis zu jenen ausgefallen und beiJMörmers 
beobachtet man noch ausserdem die fortschreitende Erweiterung durch Unterwaschen 
der tragenden Schichten an der Rückseite, im Winkel bei d. (T. I. Fig. 8.) 

Hat das Hörn nur eine geringe Breite und senkrechte oder gegeneinander ge- 
neigte Wände, dann fällt das Gestein an den oberen Kanten mehr und mehr ab, die 
Fläche gewinnt die Gestalt eines runden Rückens, endlich eines scharfen Grades, 
und ist nun nicht mehr zugänglich. (Hans Prale und Flaggenberger Hengst.) 
Durch das rasche Abstürzen des Kammes solcher Hörner erniedrigen sich dieselben 
tief unter den Rand des Felsens und bilden diejenigen Formen, welche der Helgolander 
Thaterken nennt. Ist das Hörn dabei noch von einem Gatt durchbrochen, so stürzt 

endlich der Bogen ein und ein Stack bleibt zurück. Durchsetzen senkrechte oder nach 

24* 



- 188 — 

oben zukeilende Klüfte den Bogen in einer grösseren Entfernung, als seine jetzige 
"Weite, dann wird das Ganze durch jene abgesonderten Felsstücke ausstürzen, sobald der 
erweiterte Bogen jeneKlüfte schneidet, ein isolirtes Stack (Mönch) steht wieder vor 
uns. Die Richtung der Klüfte ist an den geraden Wanden oft deutlich erkennbar, wie 
am Hengstund Ingels Kark. (T. I. Fig. 6 und 18.) Zuweilen aber sind sie stärker 
gegen einander geneigt und bei dem Durchbruch des Bogens kippt dann der obere 
Theil des Stack in der Schichtflächc sich lösend über, es bleibt ein niedrigerer 
Pfeiler mit ebener Scheitelfläche, wie bei dem Hoishorn. Obschon die Entstehung 
dieser Formen aus einander bei Betrachtung des Gesteins, seiner Schichtung, Zer- 
klüftung und der Wirkungsweise der zerstörenden Kräfte sich so einfach und na- 
turgemäss ergiebt, so hat es doch nicht an anderen Theorien zur Erklärung ihrer 
Bildung gefehlt. Röding*) vergleicht die Gatts mit den Blasen in gegohrenemTeig 
und lässt die hebenden Kräfte in diesen Höhlen hausen. Andere erkennen darin 
einen Beweis der ungeheuren Wellenhöhe und einen erwünschten Stützpunkt für 
jene ausserordentlich zerstörenden Fluthen der Chronisten. Hätte jener doch seinen 
Blick auf den Boden gewendet und das gleichmässige Fallen der Schichten im 
Hangenden und Liegenden beachtet, diese die Spülfurchen an den Küsten mit den 
scharfkantigen Bruchflächen in jenen Gewölben verglichen und beide die fortgehende 
Bildung dieser Formen berücksichtigt, so würde sieh der Widerspruch der Natur 
gegen ihre Theorien nothwendig aufgedrungen haben. 

Gleiche Gestalten werden sich an den Küsten überall erzeugen müssen, wo 
sich im Charakter des Gesteins, in der Wirkung der Atmosphärilien und des Meeres 
die Bedingungen so, wie hier, zusammenfinden. 

Parkinson beschrieb schon vor Jahren solche Gatts auf Neuseeland und sagt, 
dass sie „in a softy sandstone" liegen. Namentlich aber sind dieselben, sogar unter 
gleicher Benennung, auf der Insel Wight bekannt, wo der Arched Rock die grösste 
Aehnlichkeit mit dem Mörmers Gatt zeigt. Auch die Stacks (Mönche) dort 
Needles genannt, bilden sich an ihren Küsten, sowie an den Kreideklippen von 
Moen. Ob auch hier die Stacks Reste ehemaliger Gatts seien, wage ich nicht zu 



*) A. a. 0. S. 109. 



- 189 - 

behaupten, da ich dieselben nicht näher untersucht habe und denkbar ist, dass bei 
ungeschichteten Massen, wie bei einem Theil der Möner Kreide, begünstigt durch 
prismatische Absonderung ohne vorgängige Gattbildung, die Trennung einzelner 
Felspfciler und ihre längere Erhaltung erfolgen können. 

Unter den zerstörenden Kräften, deren in der Geschichte Helgolands gedacht 
wird, spielen Strömung und Fluthen eine Hauptrolle, aber man bat ihnen ebenfalls 
Wirkungen beigemessen, welche sie durchaus nicht besitzen. Es ist bekannt, dass 
der Fluthstrom hier von W gegen O. quer überläuft und zwischen Insel und 
Düne in südöstlicher Richtung geht;*) allein die Geschwindigkeit desselben ist so 
gering, dass von seiner fortschaffenden Kraft hinsichtlich der Abnahme der Insel 
nicht die Rede sein kann. Nach meinen Versuchen im Juli 1846 zwischen Insel 
und Düne, wo der Strom am engsten zusammengedrängt ist und seine grösste Ge- 
schwindigkeit erreicht, beträgt dieselbe an der Oberfläche bei halber Fluth, voll- 
kommener "Windstille und ruhiger See \, 84 F. p. S.,**) welche nach den Versu- 
chen von du Rual***) allerdings gross genug wäre, um feinen Thon und Sand 
fortzuführen. Da aber am Roden die Geschwindigkeit kleiner als an der Oberfläche, 
in der Mitte des Stroms grösser ist als an den Ufern, so darf der, aus den Versu- 
chen gewonnene, Werth nicht auf die Rewegung am Grunde und am Gestade über- 
tragen werden. 



") Auffallend ist bei Helgoland die grosse Verschiedenheit in der Zeit des Umsetzens der Ebbe in 
Fluthströmung auf geringe Entfernungen ; sie beträgt zwischen den Binnen Röig und Aade 
J Stunde, so dass, wenn man mit der Vorfluth den ersteren verlässt, man bei Dansker- 
mannshorn noch gegen den Ebbestrom rudern muss. 

* s ) Herr Dr. G. Fischer hatte die Güte, auf meine Veranlassung im August 1847 die Stromge- 
schwindigkeit zwischen Insel und Düne mehrmals durch Beobachtung zu bestimmen und fand 
sie gleich 1, 97. Das Mittel aus unseren Versuchen giebt eine Geschwindigkeit von 1, 90 an 
der Oberfläche oder 6840 F. Hbg. in der Stunde. Ob der Strom an der Jütischen Küste, der 
nach Forchhammer (amtl. Ber. g. V. D. N. und Ae. in Kiel S. 84.) ■£ Meile (geographische 
oder Seemeile?) in der Stunde zurücklegen soll, mit derselben Geschwindigkeit zwischen Hel- 
goland und dem Schleswig'schen Ufer durchgehe, war aus den sehr abweichenden Aussagen 
der Fischer und Lootsen nicht zu entnehmen und muss die Beantwortung dieser Frage von ge- 
nauerer Untersuchung erwartet werden. 

* IS *) Grundlehren der Hydraulik, übersetzt von Eytelwein. Berlin 1796. Bd. I. § 71. 



— 190 — 

Mao hat zwar aus dem Treiben gesunkener Wracke auf eine grössere Bewe- 
gungskraft geschlossen; wenn man aber erwägt, dass solche Trümmer oft nur mit 
einem kleinen Gewichtsunterschied gesunken und dabei dem Strom eine grosse 
Fläche entgegensetzen, so verliert diese Thatsache ihre Beweiskraft. Doch wir 
können diese Folgerung noch direkt mit einer anderen Erscheinung belegen. Durch 
die Abrollung der Trümmer des Felsens im Wellenschlag trübt sich rings um die 
Insel das Meer bis auf eine gewisse Entfernung und man unterscheidet deutlich das 
sogenannte rothe Wasser von dem grünen Wasser. Fährtmanvon dem Südhorn 
gegen den Stein zu, in der Richtung des Stromes auch bei frischem Winde, so 
hat man schon bald die Gränzen des rothen und grünen Wassers erreicht und sieht 
aufs bestimmteste, dass der Strom nicht die Geschwindigkeit besitzt, um die höchst 
feinen Theilchen des rotben Thones weiter als einige tausend Fuss von der Küste 
suspendirt zu erhalten. Nur bei Sturmfluthen aus N W. wird das rothe Wasser 
angeblich £ deutsche Meile von der Insel gegen S O. fortgeführt, und ist dort 
deutlich zu erkennen. Nicht ohne Grund darf bezweifelt werden, dass die Ge- 
schwindigkeit am Boden des Stromes noch sehr viel geringer ist, als sie nach den 
Formeln zur Bestimmung derselben in verschiedenen Tiefen sich berechnen würde, 
indem diese aus Beobachtungen abgeleitet sind, bei welchen sich das Wasser immer 
in derselben Richtung bewegte. Namentlich wird in dem letzteren Falle die Diffe- 
renz zwischen der Boden- und Oberfläche-Geschwindigkeit eine sehr beträchtliche 
sein müssen, (S. Hl.) da oben der heftige Luftstrom das Wasser iu seiner Rich- 
tung mit fortreisst. Besucht man die westlichen Klippen zur Ebbezeit auch nach 
sehr starkem Winde aus N W., so sind die Schichten mit dem feinen rothen Schlamm 
bedeckt und bei ganz windstillem Wetter, wo der Strom in seiner reinsten Form 
gegeben, wird derselbe von den Schichten weder aufgerührt noch fortgeschafft, das 
Wasser über den Klippen bleibt klar und eine mit jenem Schlamm \ Zoll hoch 
bedeckte Steinplatte, war in SSO F. Entfernung auf das Riff z. W. gelegt nacb 
Verlauf einer Zeit nicht rein gespült. 

Diese Thatsachen sprechen zu entschieden gegen die Behauptung, dass die jet- 
zigen Meeresströmungen um Helgoland einen Abbruch desselben veranlasst, die kes- 
seiförmigen Vertiefungen in S O. und N W. ausgewühlt hätten und eine noch 



— 191 - 

fortwährende Veränderung des Seebodens von ihnen bewirkt werde. Zwar ist ein 
solcher Wandel der Tiefe an der Mündung der Ströme unleugbar; dass aber die 
benachbarten Flüsse, auch unter den günstigsten Umständen, so viel feste Substan- 
zen 6—8 Meilen seewärts führen, um allmählig in dieser Entfernung eine Verände- 
rung der Tiefe bewirken zu können, darf ohne Beweise nicht so obenhin angenommen 
werden. Die Tiefenzahlen der alten Karten sprechen wenigstens direkt dagegen.*) 
Wie Richtung und Stärke der herrschenden Strömungen im Meere von der 
Gestalt des Landes und den gegebenen thermischen Verhältnissen abhängen, so können 
auch nur, mit Aenderung dieser, jene eine solche erleiden. Derartige Katastrophen 
gehören aber alle einer vorgeschichtlichen Zeit an und auch das jüngste dieser Er- 
eignisse, welches die Nordsee besonders betraf, der Durchbruch des Kanals, fällt 
gleichfalls vor jedes historische Denkmal. Dürften wir voraussetzen, dass vor der 
Trennung Englands von Frankreich das Nordseebecken im Uebrigen schon seine 
heutige Gestalt gehabt habe, dann liesse sich der Beweis führen, dass damals die 
Strömungen der Nordsee noch geringer, ihre zerstörenden Wirkungen auf das Land 
noch unbedeutender, als gegenwärtig, gewesen seien. Jetzt dringen die Fluthwellen 
mit Macht durch den Kanal in die Nordsee, sie begegnen dem Strome, der längs 
der norwegischen Küste herab kömmt und erzeugen in dem Landwinkel Jütlands 
und Schleswig-Holsteins das ungewöhnliche Ansteigen der Fluth bei Stürmen aus 
W. und N W T . Doch nicht in der strömenden Bewegung des Fluthwassers, sondern 
in dem viel gewaltigeren Wellenschlag der hoch aufgestaneten See liegt die Ursache 
der grossen Zerstörungen, welche dieselben anrichteten. Entfernter von den Küsten 
im freien Meere erreicht die Fluth eine viel geringere Höhe und selbst nach der 



•) Eine Vergleichung der Tiefenzahlen in den oben (S. 178 ff.) milgelheilten Angaben alter 
Steuerbücher mit den jetzigen Verhältnissen zeigt eine völlige Uebereinstimmnng, ja selbst die 
Art der Lothgründe um Helgoland ist durchaus dieselbe, wie damals. Der „unsaubere Grund" 
in der Nähe des Steins, von den Ankern und dem Eisen untergegangener Schiffe herrührend, 
findet sich noch heute an der bezeichneten Stelle und das braune Gestein, auf welchem das 
Loth hart anschlägt, (s. S. Oben 108) ist also in der That die ganz jugendliche Bildung eines 
Eisensandsteins, wie dort vermutungsweise ausgesprochen wurde. 



- 192 - 

Lage benachbarter Punkte gegen den herrschenden Sturm können beträchtliche 
Differenzen eintreten .*) 

Wie wenig auch bei so furchtbarer Aufregung des Meeres die Ströme und der 
Wellenschlag bei freier Bewegung zerstörend wirken, wenn das Land nicht aus 
leichtem Sande, sondern einem festen Thonbodcn besteht, beweisen nicht nur die 
Schlickwatten, sondern namentlich die obenerwähnten Halligen. Seit Jahrhunderten 






Schon Tetcns sprach diese Ansicht aus und gedenkt unter den, dafür zeugenden Belegen, na- 
mentlich der Halligen, (a. a. 0. 188.) So nennt man unbedeiebte kleine Inseln NO. von Helgo- 
land, welche aus Marschland bestehen und bewohnt sind. Sie liegen 4 — 5 Fuss über der or- 
dinären Fluth, die sogenannte hohe Hallige liegt etwa 1 Fuss höher. Diese Höhe schützt 
sie nicht gegen Sturmfluthen, allein die Wohnungen für Menschen und Vieh liegen auf den so- 
genannten Werften, wie in Eiderstedt. Es sind dies aufgeworfene Hügel, die 13 — 14 Fuss über 
der gewöhnlichen Fluth liegen und dahin reichen dann nur die allerhöchsten Fluthen. 

„Es ist auch in anderer Hinsicht zu bemerken, dass niemals im freien Meere die Fluthen so 
hoch steigen, als an dem Ufer des Landes. Dies ist bekannt, sogar von den täglichen und ge- 
wöhnlichen, die an den Inseln in der offenen See, zumal an den kleinen, weit niedriger auflau- 
fen, als an dem festen Land. Hier stauet sich nämlich das vom Winde aufgetriebene Wasser 
mehr in die Höhe. Der Unterschied kann auf 5 — 6 Fuss gehen, bei den höchsten Sturmfluthen, 
ist bei den mittleren nicht so gross und bei den gewöhnlichen noch geringer. Unsere Hallige 
liegen eigentlich noch auf unseren Watten, aber auch weit genug vom Lande ab, um demFluth- 
wasser den Ablauf frei zu lassen. Daher kann ihre Höhe von 4 — 5 Fuss über das gewöhnliche 
hohe Wasser sie vor allen Fluthen sichern, die am festen Lande 7 — 8 F. darüber gehen. Von 
dergleichen Fluthen erfolgt kaum eine jährlich." 

Ferner heisst es 207: „Auch Deichsand ist eine Insel wie die Halligen. Sie besteht aus 
Marschland, ist 4 bis 4J Fuss über die gewöhnliche Fluth hoch, also nicht höher wie das übrige 
Aussenland. Das Haus auf Deichsand wird im Sommer von einem Schäfer bewohnt und liegt 
auf einem Werft. Die Höhe dieses Werfts fand ich 9 Fuss über dem Boden. In diesem Hause 
war ein Mensch im Jahr 1756 zur Zeit der hohen Fluth zurückgeblieben. Das Wasser war 
ihm durch das Haus gelaufen, hatte aber weiter keinen Schaden gethan. Ein Beweis, dass 
eben die Fluth, welche bis 18 Fuss und darüber an den Deichen aufgelaufen war, hier in der 
Entfernung von einer Meile 5 Fuss niedriger gewesen sei." Ueber die nicht unbedeutende 
Verschiedenheit der Fluthhöhe auf geringen Entfernungen äussert sich Tetens ferner. S. 255.: 

„Bei der letzteren Fluth von 1652 war die Wasserhöhe um Meldorf an der See, wo ein breites 
Vorland ist, wo sonst der West- und Südwestwind gerade auf den Deich steht, 8 bis 9 Fuss 
über die gewöhnliche Fluthhöhe gewesen; grösser schon, je weiter nach der Eibe hinum; an 
derselben aber, an dem Brunsbüttler Deich, bis 14J Fuss; und wiederum noch höher hinauf, 
wo das Wasser im Schutz vor dem Winde gestanden hatte, nicht mehr als 8 Fuss. Der ganze 
Unterschied betraf also 6J Fuss. 

Dieser Unterschied hat sich nicht bloss zwischen den Seedeichen und Elbdcichen gezeigt, sondern 
auch an den Eibdeichen selbst. Die Stelle, wo die Höhe 14^ Fuss gewesen war, ist von der, 
wo sie nur bis 8 Fuss gegangen, nicht weiter als etwa 300 Euthen entfernt- 



- 193 — 

werden sie bewohnt, alle die berüchtigten Sturmfluthen 162S, 1634, 1717, 1736, 
1825 etc. etc. sind über sie gegangen, ohne einen wesentlichen Abbruch zu verur- 
sachen. Doch wir besitzen nicht minder redende Zeugen gegen die fortschaffende 
Kraft der im Sturm bewegten See auf Helgoland selbst. Wer bei Orkanen aus 
N W., wo die Nordhorn- und Seilebrunnen die Wogen gleichsam in die Arme 
nehmen, dieselben zwischen Insel und Düne sich durchdrängen, wer die ungeheueren 
Wasserberge heranbrausen sieht, den Donner bei dem Anschlag ans Ufer, das Rasseln 
des Gerölles bei dem Ablaufen der Wellen hört, der wird sieb der Sorge für das 
Unterland nicht erwehren können. Wie sehr muss es daher überraschen, aus dem 
ruhiger gewordenen Meere mit der Ebbe das überfluthet gewesene Land wieder 
hervortauchen zu sehen und keine andere Veränderung wahrzunehmen, als dass die 
Landzunge gegen S O. herumgeworfen ist. Tritt darauf ein S O. Sturm ein, so 
kehrt sie sich eben so nach N W. und in solch wechselndem Spiele verkündet sie die 
Richtung des letzten Sturmes, der zwischen Insel und Düne die Wogen jagte. 
Lassen wir aber auch die Lothgründe und die Gerolle am Strande reden. 

Vom Südhorn gegen den Stein erreicht man schon in einigen tausend Fuss 
Entfernung die Gränze des Gerölles der rothen Klippe. Vom Nordhornbrunnen 
gegen die Witte Kliff bringt dasLoth schon in geringer Entfernung Sand, Thon 
und Kreidetrümmer. Verlässt man z. W. die Kante, so findet man nur anfangs 
etwas Gerolle der rothen Klippe, dann schlägt das Loth auf feste Kreide und bringt 
weiter seewärts nur Bruchstücke von dieser mit Sand und Muschelresten. Suchen 
wir unter den zahllosen Trümmern am Dünenstrand: wie selten findet man ein 



Die Fluth von 1751 war an einigen Stellen an den Eibdeichen nur 14 Fuss über die gewöhn- 
liche gegangen. Dies waren gedeckte Stellen, wo kein sonderlicher Wellenschlag gewesen war. 
An anderen Orten, etwa 400 — 500 Ruthen davon, war das Wasser über die Deiche gelaufen, 
die 20 Fuss über die gewöhnliche Fluth hoch sind, und, nach Aussage der Leute, noch in 
einer Höhe von einigen Füssen darüber gelaufen, wie ein siedendes Wasser über den Rand 
eines Topfes läuft. Remmers schätzt die Wasserhöhe an den letzteren Stellen auf 21 Fuss und 
also den Unterschied in der Höhe auf 10 Fuss. Nachher reducirt er diesen Unterschied selbst 
auf 6$ Fuss, wie sie es gewiss bei der zweiten Fluth gewesen war. Bei der ersteren konnte 
man doch füglich 7 — 8 Fuss dafür annehmen. 

23 



— 194 - 

Rollstück der rotben Klippe.*) Begehen wir das Gestade des Unterlandes, so be- 
gegnet uns kaum hie und da ein Stück der leichten weissen Kreide und der übrigen 
Gesteine der Dünenriffe. So sehr beschränkt ist also der Zerstrcunngskreis des 
abgespülten Felsgerölles, obschon seit Jahrtausenden die Wogen sich über die 
INordhornbrunnen wälzen und deren Trümmer gegen die Witte Kliff und Düne 
hinführen sollten ; wie alle Stürme aus N. und O., deren Weg über die Riffe der 
Düne geht, die mitgerissenen Gerolle am Fussc des Felsens ablagern müssten, wenn 
die fortschaffende Kraft der Sturm (Indien so gross wäre, als sie der, durch den ge- 
waltigen Anblick erregten, Phantasie zu sein scheint. 

Doch die Millionen Kubikfusse des sichtlich weggespülten Felsens, wo sollen 
wir ihre Trümmer suchen, da sie nicht als mächtiger Geröllwall in der Tiefe seine 
Sohle umlagern? In der That die Beantwortung dieser Frage scheint auf den ersten 
Blick höchst schwierig, aber sie löst sich leicht und vollständig in dem wirklichen 
Vorgange des Zerstörungsprozesses auf. Die abgestürzten Trümmer am Fusse des 
Felsens im Bereiche der Brandung werden dort allmählig zerkleinert und zu feinem 
Schlamm zermahlen. Seiner kann sich die Welle bemächtigen und im weitcrem Um- 
fange um die Insel verbreiten, während sie das schwerere Gerolle am Strande zu- 
rücklässt, um es dort in der Gewalt der Brandung durch Zerkleinerung transportabel 
zu machen. — Herrscht indessen fortwährend nur der gewöhnliche Wellenschlag, 
so müsste der Meeresgrund innerhalb der Gränzen des rotben Wassers mit einer 
Schicht des rothen Thons bedeckt gefunden werden, deren Mächtigkeit im Ver- 
hältnisse der fortschreitenden Zcrmalmung des Gesteins zunehmen würde. Die 
periodisch wiederkehrenden heftigeren Erregungen des Meeres greifen hier weiter 
ein. Der grösseren Höhe der Wellen entsprechend, geht deren Wirkung tiefer 
und der, bei gewöhnlicher Bewegung dort entstandene, Niederschlag wird aufgewühlt 
und in Wasser zcrtheilt. Wenn die Welle nach dem Gesetze ihrer Bewegung 



*) Selbst die hier vorkommenden Bruchstücke des Schieferlettens und bunüen Mergels dürfen 

nicht alle als angeschwemmte Rollstücke, von der Insel her, betrachtet werden, da ich im Jahr 

1838 selbst gesehen habe, wie man in Körben Strandgerölle von der Insel nach der Düne 

transportirte, um einer Verordnung zu genügen, welche das Wegführen des Dünensandes nur 

gegen Zubringung einer gleichen Masse von Gerolle der Insel gestattet. 



— 195 - 

keine fortschaffende Kraft besitzt, jene der gewöhnlichen Strömung zu hlein ist, 
um das Sinken der Theilchen auf grösseren Entfernungen zu verhüten, oder schon 
gesunkene mit sich fortzuführen, so sehen wir im Verbände beider Kräfte einen 
anderen Erfolg. Die Welle hebt dem Fluthstrom die Last auf die Schultern und 
unterstützt ihn wahrend des Transports, der Sturm spannt sich vor den Strom und 
zwingt ihn zu rascherem Laufe. So wird der Vertheilungskreis ein meilenweiter 
und die Millionen Kubikfusse des zermalmten Gesteins, welche hier in 200 Fuss 
mächtigen Massen gethürnit lagen, schwinden, fortwährend auf grossen Flächen zer- 
streut, zum unmerklichen Niederschlag. Wäre der ganze abgefallene Theil des 
Felsens auf einmal von den Wellen zu feinem Schlamme zermahlen und fortgeführt, 
daun würde auf dem Meeresgrunde um die Insel und nach der herrschenden Rich- 
tung der Slurnifluthen vorzugsweise gen O. und S O. eine Schicht des Niederschlags 
fächerförmig sich verbreitet finden. Wie aber Jahrtausende über diesem W^erke 
der Zerstörung verflossen sind, so haben sich auch dessen Spuren auf dem Grunde 
mit anderen Trümmern bis zur Unkenntlichkeit vermengt und auf immer grösseren 
Flächen bis zu gänzlichem Verschwinden ihres besonderen Charakters zerstreut. 

In völligster Uebereinstimmung mit obigen Folgerungen über das Verhältniss 
der zerstörenden Kräfte und die Grösse ihrer Wirkung stehen die erweislichen 
Veränderungen, welche die Insel in den letzten zwei Jahrhunderten erlitten hat. 
Aus schriftlichen Aufzeichnungen und mündlichen Mittheilungen gelang es folgendes 
festzustellen : 

1702 den 28 Januar ist durch einen harten Sturm und hohes Wasser das Boll- 
werk vor der Treppe ruinirt und die lose Erde unter der Treppe weggespült worden. 
1707 den 10 November ward das äusserste Stück des Bollwerks, 14 Pfähle, durch 
eine hohe Fluth eingerissen. Den 19 Nvbr. ist ein zweiter Einbruch am Bollwerk 
geschehen bis hinter Johann Müllers Haus. Den 26 Nvbr. erfolgte ein dritter 
Einbruch und ging Klaus Bockfinck's Bude mit weg, die noch hinter Hans Broders 
Kellerloch bisher gestanden hatte. Den 19Decbr. früh zwischen 7 und 8 Uhr war 
die Hucke von der Road Borg herunter gestürzt und hatte das Bollwerk nächst 
der Klippe zertrümmert. Die äusserste Batterie war unten ganz hohl und wurde 

das Stück davon noch mit Mühe zurückgebracht. 1711 den 1 Nvbr., Nachmittags 

25* 



— 196 — 

um 5 Uhr, ist das letzte Ueberbleibsel der Witten Kliff, welches vor 12 Jahren 
noch wie ein Heuschober hoch gestanden, durch eine hohe Fluth bei J\ W. Wind 
erstens umgeworfen und absorbiret worden. 1716 den 5 Decbr. Nachmittags von 
2—5 Uhr ging das ganze Bollwerk durch einen starken W N W. Sturm weg. 
1717 den 24 Decbr. Nachts war der entsetzlich harte Sturm, wodurch das Wasser 
fast alle Marschländer überschwemmte. Hier auf dem Lande war es so hoch, dass 
die Fahrzeuge ganz an die Häuser mussten aufgebackset werden. 

1720 den 31 Decbr. am Neujahrsabend und dem darauf folgenden Neujahrstage 
1721 war es von 2 Uhr an ein rechter Hauptsturm und ein ungemein hohes Wasser 
mit so grausamen Wetter, dass auch einige Häuser und Duden wegspülten und 
übertraf diese Wasserfluth fast diejenige, welche am Weihnacht Abend 1717 erging. 
Der Wind war auch heftiger als zu der Zeit. Der Steinwall zwischen dem Lande 
und der Sanddüne riss durch und war beinahe ein ganzes Jahr ein Loch darin, 
dass man allemal mit halber Fluth mit Jollen und Schaluppen durchfahren konnte. 

Der Durchbruch des Steinwalles ist unstreitig die grösste Katastrophe, welche 
Helgoland in historischen Zeiten betraf, denn durch diese Trennung der Insel von 
der Düne ward letztere dem Angriffe der Wellen preisgegeben und zu einem fort- 
währenden Rückzug gezwungen. Der Steinwall war nur ein schmaler Damm, dessen 
höchste Breite nach Cnoblauchs Angaben bei Springzeit 40 Faden betrug und be- 
stand aus Sand und Gerolle Im Oahr 1698 war er so niedrig, dass eine ausserge- 
wöhnliche Fluth darüber stieg und man mit kleinen Fahrzeugen vom Nordhafen 
nach dem Südhafen fahren konnte.*) 

Seine lose Geröllmasse hatte bis 1711 einen natürlichen Wogenbrecher in der 
Wittenkliff. Als deren letzter Rest aber gefallen war und die Helgolander nichts 



') Bötticher (a. a. 0. 267.) sagt ausdrücklich, dass die Waal und das Unterland nicht höher 
seien, als dass eine extraordinäre Fluth geräumet darüber hingehe und so findet man in anderen 
älteren Angaben zur Bezeichnung der Fluthböhe den Umstand erwähnt, dass man über das Land 
hätte fahren können. Obgleich hier natürlich nur der Steinwall gemeint war, so gingen spätere 
Vertheidiger der Meyer'schen Karte so weit, dass sie dies auf die Insel selbst bezogen, um die 
furchtbare Aufthürmung des Meeres dadurch zu beweisen und für ihre Behauptung einen Boden 
zu gewinnen. Einer Widerlegung bedarf solche Uebertreibung nicht. 



— 197 - 

tbaten, um die b'.ossgcgebenc Düne und Waal zu schützen, bahnte sich die See, 
nachdem in kurzer Frist mehrere der höchsten Sturmfluthen erfolgt waren, endlich 
ihren Weg durch die Letztere. Die Witte Kliff, noch 1578 nach Bruycfc's Schil- 
derung fast von gleicher Höhe mit der rothen Klippe, hatte durch den, schon damals*) 
darauf betriebeneu, Kalkbruch im Jahre 1711 so abgenommen, dass die See den letzten 
Rest verschlang. Nach dem erfolgten Durchbruche des Steinwalls drängten sich die 
Fluthen in der engen Oeffnungzu einem reissenden Strome, der sich in dem losen Sande 
ein immer tieferes Bett einschnitt. Seit dem Jahre 1811 scheint indessen nach den 
Angaben der Karten im Vergleiche zu den jetzigen Tiefen keine weitere Abschwem- 
mung des Grundes auf der ehemaligen Waal stattgefunden zu haben. Das Gerolle der- 
selben wurde von den Wellen gegen das Unterland und den Dünenstrand geworfen 
und jenes dadurch vergrössert und erhöht; so dass jetzt nur noch ganz ausseror- 
dentliche Sturmfluthen, wie 1825, es zum Theil überschwemmen.**} Diese fortwäh- 
rende Zunahme wird durch das Gerolle der !N T O. Seite des Felsens veranlasst. Die 
bei N W. Stürmen auf den Strand schlagenden Wellen hehren gleichsam die ab- 
gefallenen Trümmer vor sich her gegen die Boad Borg und die N. Seite der Land- 
zunge, werfen sie hier auf den Strand, wo sie hinter dem Bollwerk festgehalten 
werden. Durch Abrutschen verlor das Oberland an der IV O. und O. Seite einige 
Stücke zwischen Hahns- und Petersens-Horn bei Karkhiars Lin*' *), Beinbecks 



*) Die Kalkbrüche auf der weissen Klippe müssen sehr lange betrieben worden sein und wahr- 
scheinlich ist, dass hier der Mensch in kurzer Zeit viel mehr zerstörte, als im Laufe von Jahr- 
hunderten die See vermochte, da sie zu Banzaus Zeit in schwunghaftem Gange waren und noch 
1618 so viel Kalk und Gyps daselbst gebrochen wurde, dass 1 Last von 12 Häringstonnen für 
5 Thaler verkauft werden musste. (s. Lass S. 39.) Zu Adolfi's (Neocorus) Zeit müssen die 
Brüche eingestellt worden sein, denn er sagt von Helgoland „welches eine Klippe mitten in der 
See, dar man ehemals Kalk uth gegraven und allein einen üpgang hefft." (Neocorus, Chronik 
des Landes Dithmarsehen Band II. S. 85.) 

**) Hasselmann gedenktschon in seiner Beschreibung (S. H. B. Jg. 4. Bt 1. S. 5.) dieser Zunahme 
des Unterlandes, welches damals doch noch beträchtlich kleiner gewesen sein muss als jetzt, 
da er hinzufügt, dass die wenigen Wohnhäuser daselbst hart am Fusse des Felsens ständen. 
Es muss also seit dem Jahre 1790 der Zuwachs sehr beträchtlich gewesen sein, da jetzt viele 
Wohngebäude so viel weiter gegen den Strande aufgeführt sind und doch bei der ausserordent- 
lich hohen Fluth des Jahres 1825 keine Zerstörungen erlitten haben. 

* s *) Lin bei Outzen, Liin oder Linn bedeutet auf Helgoland: ein Stück Land, z. B. Karkhiars-Ltn, 
des Kirchherrn Land. 



— 198 - 

Keller, Road Borg und dein Südhorn. Erstere ist die bedeutendste, c" 5[] Ruthen 
betragend und seit 1790 erfolgt. An der Westseite erlitt die Klippe durch Aus- 
stürzung und Unterwaschung folgende Veränderungen : 

Umsturz des Mönchs 1839, Ausfall des Näbergatts und Bildung des Ny- 
stacks (Ingels Kark) 1810*), Durchbruch der Rückenwand des Jung Gatts, 
Ausfall der Tau Stack Gatts und groten Karl;, Einbruch des Trichters 1802, Aus- 
sturz des Wetergatts 1811 und Fall des Nordhornstacks zwischen 1811 und 1815. 
Die nächsten Verluste drohen dem Oberlande am Südhorn und Hans Prale's Gatt, 
in einer ferneren Zeit der Einsturz vom Mörmersgatt, dessen Bogen, gegen die Küste 
zu, von einer Kluft durchsetzt wird. Auch kann man mit Gewissheit voraussagen, 
dass der nordwestliche Theil der Insel in der Richtung der tiefen Einschnitte beim 
Kasteal und Hahns-Horn einst vom Meere durchschnitten und das ISordhom 
von der Insel getrennt werden wird. 

Ungleich grössere Zerstörungen betrafen die Düne.**) Durch den Abbruch 



*) Auf der Wesserschen Karte von 1793 hängt die Ingelskark noch mit dem Südhorn zusammen. 
Das grosse Gatt, welches, dem Mörmers Gatt gleich, hier lag, führte den Namen Näher- oder 
Nubergatt, unter welchem Namen es schon von Bötticber unter den Gatts aufgeführt wird. 

Es diente mit dem Mönch als Marke auf Danskermannsbrunnen und steht als solche noch 
jetzt im Helgolander Lootsen Catechismus. Der Bogen über dem Gatt war zuletzt so scharf, 
dass man nicht mehr darüber gehen, sondern nur auf dem Felsgrad reitend, nach dem äusser- 
sten Punkte gelangen konnte. Die Helgolander Jungen unternahmen dieses Wagstück, um die 
Nester vieler daselbst nistenden Vögel auszunehmen und der letzte, welcher kurz vor dem Ein- 
stürze herüber gerutscht war, hiess Johann Brandenburg. Er ging mit einem Schiff nach Ame- 
rika und verunglückte mit demselben. 

*) Der Helgolander nennt sie in seiner Mundart : deHalem. Outzen (Gloss. S. 112) bemerkt darüber 
folgendes: „Ha lern, Halm, Silt und Föhr, ein Gras, das im Korn, aber auch am Strande wächst; 
im Jütl. Marhalm. Hier heisst Halm sonst Langstroh, Dachstroh. In sofern es sonst eulmus, 
CBoxh, Gl.) eulmen, ags. healm, heisst, ohne Zweifel von hal, hoch, wie im Dan. Urnen bygger 
paa höjen Hald, vergl. K. V. I. 10, 137, I. und Hald, D. All. t. 4, 409. isl. haligr, altus, s 
Edda Saem. 2. Gl. 659, wie z. B. die Halligen hier, die auch der gemeinen Meinung nach davon 
ihren Namen haben, die schon lange vor 1634 ausser dem Deichland lagen und wegen ihrer 
Höhe (Heimr. 203) erhalten sind; s. auch Helgoland, Hau gl and, Helgoland in Norw. s. Others 
Periplus, Ad. v. Br. Halogland, im Testament des K. Magnus Halogheland, vergl. 
Hirdskraa, c, 36 und Halland, ags. hal, halh, eine Höhe, Bergstrecke." 

Zu diesem Stamm gehört gewiss auch das in unserer bergmännischen Sprache noch gebrauchte 
Wort Halde. An der ganzen Norddeutschen Küste wird übrigens mit dem Namen Helm 
besonders der Sandhafer bezeichnet, welcher auf den Dünen wächst und das Hauptmittel zu 
deren Befestigung gegen den Angriff des Windes ist. 



- 199 — 

der Witten Kliff und die Durchspülung des Steinwalls ihrer Vormauern gegen 
die wüthenden iNordweststürme beraubt, verlor sie nach dieser Richtung im Lanfe 
eines Jahrhunderts ausserordentlich viel von ihrer ehemaligen Grösse und gewann 
nur theilweise wieder im Süden, wo das Gerolle gegen die A ade sich mehr anhäufte. 

Auch die eigentlichen Dünenhügel ziehen sich fortwährend mehr gegen Südost, 
wie mich eine Vergleichung der Lage ihrer Südspitze in dem Zeitraum von 7 
Jahren gelehrt hat, indem der feine Sand durch die Insel mehr Schutz gegen die 
vorherrschenden Stürme dort findet. 

Wenn schon aus einer Vergleichung der jetzigen Küsten der Insel mit dem 
sie umgebenden und durch Zerstörung des Gesteins gebildeten Klippen und aus dem 
langsamen Fortgange dieser Zerstörung ein Zeuge gewonnen wurde, welcher die 
historische Nichtigheit der Sagengrösse bekräftigt, so war es auch aus andern Ge- 
sichtspunkten sehr wichtig, ein Maass dieser Küstendestruction möglichst genau zu 
bestimmen. 

Gelänge es einen zuverlässigen Destructionscoefficienten festzustellen, so Hesse 
sich nicht nur der unwiderleglichste Beweis gegen die Streitfrage selbst führen, 
sondern auch die Zeit annähernd ermitteln, seit welcher der Fels dem Angriffe des 
Meeres ausgesetzt ist. Eine solche Altersbestimmung würde im weiteren Verfolge 
ebensowohl für die Bildungsgeschichte der Insel selbst, als auch für jene der näheren 
und ferneren Küstenländer des Continents, die Grundlage bedeutungsvoller Schlüsse 
abgeben. 

Leider sind die früheren Angaben der Grössenverhältnissc so unsicher und ab- 
weichend, dass sie für eine längere Periode der Vergangenheit keine zuverlässige 
Vergleichung mit den jetzigen Dimensionen gestatten. 

Die Meyer'sche Karte vom Jahre 1649 ist durchaus ungenau, da sie nicht ein- 
mal die Gestalt der Insel im Allgemeinen richtig angiebt und mehr nach dem Au- 
genmaasse, als nach einer geometrischen Vermessung entworfen zu sein scheint. 
Bei Gelegenheit des Bombardements der Insel durch die Dänen unter dem General- 
major von Wllster am 9 August 1714 und der darauf erfolgten Besitzergreifung 
der Insel wurde, wahrscheinlich aus strategischen Bücksiehten, eine genauere Auf- 
nahme des Eilandes vorgenommen und darnach eine Karte entworfen, deren Original 



- 200 - 

sich im Seekartenarchiv in Kopenhagen befindet und ein weit getreueres Bild des 
Felsens liefert, als die Meyer'sche Karte. 

Aus demselben Archive erhielt ich die Copie einer anderen Karte, welche von 
einem gewissen A. W. Detmers zu Kiel am 7 Juli 1779 entworfen wurde und 
zwar ohne Zweifel nach besonderen ^Vermessungen, da sie die letztere an Genauig- 
keit weit übertrifft und namentlich die Küstenlinien sehr richtig verzeichnet. Zu 
bedauern ist es, dass von jenen Aufmessungen nur die Karten, nicht aber die Ver- 
mcssungsjournalc auf uns gekommen sind. 

Im Jahre 1793 wurde von dem dänischen Ingenieur Wessel nicht nur die Insel, 
sondern auch die Düne im Auftrage der Regierung aufgenommen, aber bis auf eine 
kleine, nie veröffentliche Karte ist von dem Vermessungsdetail nichts bekannt ge- 
worden und aller Bemühungen in Kopenhagen ungeachtet, kein weiterer Nachweis 
aufzutreiben gewesen. Ueberdies ist die Wcssel'scbe Karte, wenn auch sehr genau, 
doch in einem so kleinen Maassstabe aufgeführt (die grössten Entfernungen auf der 
Insel sind c a 3 Zoll), dass sie eine spezielle Vergleichung der Küstenveränderungen 
und eine ganz zuverlässige Berechnung eines Destructionscoefficienten für den 
Zeitraum von 50 Jahren unmöglich macht. Die späteren Karten von Dickinson 
(1808), Testoline (1810), Papen (1825) besitzen neben dem gleichen Mangel nicht 
denjenigen Grad von Genauigkeit, welcher für eine solche Bestimmung gefordert 
werden muss, obschon sie für die allgemeine Vergleichung erwünschte Anhalts- 
punkte bieten. - Unter solchen Umständen schien es mir zur Erreichung des ge- 
steckten Zieles in künftigen Zeiten nothwendig, eine möglichst detaillirte Aufnahme 
der Insel, sowohl in Beziehung auf ihre Küsten, als hinsichtlich einer genauen Be- 
stimmung der Lage der Düne und ihrer Riffe auszuführen. Diese Arbeit hat mich 
einen Theil der Sommermonate 1844 und 1845 beschäftigt und nach den erhaltenen 
Resultaten sind die angefügten Karten entworfen. — Um die Zerstörungen seit 
1793 thunlichst bestimmen zu können, sind, so weit es bei dem kleinen Maassstabe 
der Karte möglich war, die festen Punkte Wessels aufgesucht und zu Grunde ge- 
legt und da, wo die Zerrissenheit der Küste es bedingte, ein System von Ordina- 
ten in der Entfernung von 50 Fuss und weniger errichtet und die Küstenlinic 
danach gezogen worden. Da indessen diese Vermessung auf dem Plateau der Insel 



— 201 - 

vorgenommen wurde und nur an wenigen Stellen eine sichere Bestimmung des 
Böschungswinkels der Küsten ausführbar war; so werden auch nach dieser Karte 
nur solche Zerstörungen der Abstürze sich messen lassen, welche nicht nur deren 
Fnss, sondern auch das Plateau selbst treffen. Bei der grossen Uebereinstimmung 
des oberen Küstenrandes mit der Sohlenlinie werden es aber immer nur unbedeu- 
tende Destructionen sein können, welche in dem stark zerklüfteten Gestein und den 
fast senkrechten Wänden nach Unterspülung der Schichten sich nicht bald durch 
Ausstürzung bis zur oberen Felskanle fortpflanzen sollten. 

Die anfängliche Absicht, durch ein entsprechendes Ordinatensystem auf den 
Kiffen die Sohlenlinie des Felsens und damit zugleich die Böschungswinkel der 
Abhänge zu ermitteln, musste der grossen Schwierigkeit wegen aufgegeben werden. 
Abgesehen von den Hindernissen des Terrains, welche an vielen Stellen die zahl- 
reichen Felstrümmer verursachen, von der nicht geringen Gefahr, welche bei dem 
fortwährenden Abstürzen kleiner Steine dem unter der Klippe Arbeitenden droht, 
ist es besonders die aus der Oertliehkeit entspringende Beschränkung der Arbeits- 
zeit, welche eine genauere Aufnahme der Sohlenlinie erschwert. Nur bei ruhigem 
Wetter sind die Kiffe um den Fels und auch dann nur während 1 — 1^ Stunden 
zugänglich, eine Frist, welche fast allein für die Vorbereitungen in Anspruch ge- 
nommen würde und für die wirkliche Ausführung der Arbeit einen langen Aufent- 
halt erheischte. Um jedoch einige Anhaltspunkte zu einer künftigen Bemessung des 
Kückzugs der Sohlenlinie zu gewinnen, wurden alle Entfernungen zwischen dieser 
und den isolirten Felspfeilern (Stacks), die Weite und Höbe der Gatts und anderer, 
der Wellenwirhung vorzugsweise ausgesetzter Punkte gemessen, an mehreren Stellen 
Zeichen in das Gestein gehauen und die Tiefe der Unterspülungen bestimmt. 

Die Entfernungen auf dem Ober- und Unlerlande wurden wiederholt mit der Kette, 
die Basen der Dreiecke mit genauen Messlatten, die Winkel mit dem Theodolith 
nach mehrmaliger Kepetition bestimmt. Auf den Püffen bediente ich mich eines 
sehr genauen Bandmaasses, sowohl zur Ermittlung des Umfangs der Stacks etc. etc. 
als ihrer Entfernung von der Küste, da die Beschaffenheit des Terrains die Anwen- 
dung der Kette und Messlatten nur an wenigen Orten mit grösserer Sicherheit 

gestattete. Der für die Küstenkarte gewählte Maassstab von j^tr der natürlichen 

26 



— 202 — 

Grösse lässt jede, irgend erhebliche, Veränderung mit hinreichender Genauigkeit be- 
stimmen und überhebt mich der ausführlichen Angabe des geometrischen Details, 
welches ich mir für eine fernere Mittheilung vorbehalte. Hier mögen nur die 
hauptsächlichsten derjenigen Maasse stehen, welche an den Abhängen und auf den 
Riffen aufgenommen wurden, da sie mit einfachem Werkzeug von künftigen Beob- 
achtern nachgemessen werden können, um das Verhältniss der Destruction an diesen 
Punkten zu beurtheilen. Es sind vom Südhorn nach dem Nordhorn folgende: 

Hbg. M. Fuss Zoll 

1. Der ehemalige Mönch oder Markstein. 

Kleinste Entfernung von der Wand des Südkorns bis zur West- 
kante des Sockels 170 5 

2. Ingelsk Karl;. 

Kleinste Entfernung von der Wand des Südhorns 68 3 

Umfang des Sockels von dem Einschiessungspunkte der Schichten 
an der Südseite durch den Scheitelpunkt der Spülfurche bis zur 

Einschiessungsstelie an der IVordseite . 224 4 

Oestliche Seiten des Sockels, in der Streichungslinie der Schichten 
gemessen 72 8 

3. Predtstuhl. 

Entfernung von dem Ingelsk Kark in der Streichungslinie der Schickten 
gemessen 57 2 

4. fngels Ofen. 

Grösste Höhe desselben . . , 14 11 

Entfernung des Westrandes vom Predtstuhl . 24 8 

5. Hoishorn. 

Kleinste Entfernung zwischen demselben und dem Abhang ... 89 8 

6. Düvstack. 

Kleinster Umfang in den Spülfurchen 91 11 

7. Jung Gatt. 

Grösste Weite des Bogens am Fusse des Pfeilers in der Richtung 
des Schichtenfalls nach der tiefsten Ausspülung an der östlichen 



— 203 — 

Fuss Zoll 
Wand, am südlichen Eingang. Die Richtung dieses Maasses ist auf 
T. I. Fig. 8. durch die Buchstaben a d angedeutet und bei allen 

Gatts gewählt worden 83 

Höhe des Gerölles in der Mitte 34 

8. Mörmers. 

Grösste Weite des Bogens an den Punkten a und b nach d gemes- 
sen, Südeingang 80 9 

Nordeingang 90 10 

Innere Breite des Pfeilers von a nach b gemessen 42 10 

Grösste Höhe vom Scheitel des Bogens zur Sohle nach der Lothlinie 75 10 

9. Tau Stach. No. 1. 

Von der obersten Kante z. W. nach dem Schichtenfall zur Felswand 17 4 

10. Hs. Prale's Gatt. 

Grösste Weite des Bogens an der Sohle, wie bei Mörmers gemessen 39 6 
Grösste Höhe des Bogens 34 

11. Grosse Kirche. 

Von der obersten Westfcante des Stacks in der Neigungslinie der 
Schichten zur Sohle des Abhanges 105 4 

12. Mädeck-Stack (Nonne, Pastor). 

Kleinster Umfang in den Spülfurchen 49 6 

Entfernung vom äussersten Vorsprung des Sellinger Horns • . • 201 8 

13. Trichter. 

Grösste Weite in der Richtung h a 11, S 29 9 

Kleinster Durchmesser am Boden in der Richtung h a 10 z. W. • 18 10 

14. Nordhorn Gatt 

Weite des Bogens, wie bei Mörmers gemessen 48 9 

Grösste Bogenhöhen 31 8 

15. Hengst 

a. Kleinster Umfang des äussersten Fusses gen N. in der Spülfurche 52 2 

b. Kleinster Umfang des Fusses gen S 47 7 



26 



* 



- 204 - 

Fuss Zoll 

c. Kleinster Umfang des ganzen Hengstes im Scheitel der Spülfurclien 261 10 

d. Durchmesser des nördl. Lochs in der Linie a b T. I Fig. 18 

und im Loch gemessen 7 4 

e. Mittleres Loch 5 11 

Zwischen diesem und ersterem ist ein kleines Loch im Durchbrach, 
welches sich gegen W. bedeutend erweitert. 

f. Südliches Loch 5 9 

16. Wetergatt. 

Durchmesser nach der Linie ab. 35 4 

Da sich die Ausspülungen nach beiden Seiten erweitern; so drückt 
die Linie a b hier, wie bei den anderen elliptischen Löchern des 
Hengstes die Länge des Stabes aus, welcher in die Richtung der 
kleinen Axe gerade durch das Loch geschoben werden kann. 
Obschon auf der Karte von 1714 und 1779 die Küstenlinien der "Westseite den 
heutigen fast ganz entsprechen, einen wesentlichen Abbruch nur zwischen Peter- 
sens- und Hahn's-Horn und an der Roadborg erscheint; so finden sich in ihren 
Verhältnissen doch Widersprüche, welche ungeachtet des Maassstabes, der eine 
halbe Ruthe mit Sicherheit abnehmen lässt, die in der Zwischenzeit erfolgten Zer- 
störungen nicht genau zu bestimmen gestatten. So ist eine Linie vom Südhorn 
nach dem Nordhorn 1714=423 Ruthen, 1779=441 Ruthen, während die Linie 
vom Nordhorn zur Roadborg 1779 um 2 Ruthen kleiner, jene von da zum 
Südhorn auf beiden Karten gleich, die grösste Rreite von der Roadborg nach 
der Rrun'schen Rost 1779 um 6 Ruthen geringer ist. In Verbindung mit der 
Wessel'scliQn Karte liefern sie für unseren Zweck den sehr wichtigen Reweis, dass 
im Zeitraum von 130 Jahren die Küstencontouren nur an den genannten Stellen be- 
trächtlichere Veränderungen erlitten haben. Die genauere Bestimmung eines De- 
struetionscoeffienten wird also erst in der Folge durch wiederholte Messungen mög- 
lich und namentlich die Lage der Sohlenlinien des Felsens berücksichtigt werden 
müssen, da nur durch sie der wahre Werth der Anspülung bestimmbar ist. Wenn 
ich auch nicht wagen darf, aus den bisherigen Ergebnissen einen sicheren Schluss 



— 205 - 

für grössere Zeiträume zu ziehen; so glaube leb doch vorhersagen zu können, dass 
jener YVerlh für eine 100jährige Periode im Hinblick auf die tobenden Wellen und 
das mürbe Gestein überraschend klein gefunden werden wird. Im August 1838 
habe ich das Wetergalt und die Löcher im Hengst gemessen, im Juli 1845 ver- 
glichen und nach Verlauf von 7 Jahren das Maximum =1/5 Zoll gefunden. 
Wenn gleich dieses Stack die mit Nordwest- und West-Stürmen anrollenden Wogen 
zuerst bricht, in seinen Löchern das Wasser sich mit der grössten Heftigkeit und 
so gesteigerter Kraft durchdrängt, wie nur wenige Punkte der Küste sie zu er- 
tragen haben; so giebt die Anwendung des gefundenen Abnutzungswerthes auf den 
gesammten bespülten Perimeter des Felsens in 100 Jahren nur einen Rückzug der 
Sohle von 2, 5 Fuss! Mag dieser Coefficient für manche Stellen der Küste, wo 
mindere Härte und Cobäsion des Gesteins, reicherer Wassergehalt und andere 
Stellung der Schichten die Zerstörung mehr begünstigt, sich viel grösser zeigen; 
so wird er doch an den meisten Punkten ihnen ziemlich gleich kommen, ja an der 
IVordostseite vielleicht noch geringer sein. 

Wurde aber auch, was ich sehr bezweifle, der mittlere Coefficient dem 
Vierfachen des obigen Wertb.es gleich gefunden, wie sehr schwänden dennoch die 
so oft vernommenen Befürchtungen einer baldigen, gänzlichen Vernichtung des Ei- 
landes, welche Hassel*) schon in einigen Jahrhunderten, Fiedler**) sogar in einem 
Paar Menschenaltern herannahen sieht; wie wahr erscheinen dagegen die Versiche- 
rungen, welche Lichtenstein und Kunowski bei ihren Nachforschungen über den 
Abbruch der Insel von den Bewohnern erhielten!***) 

„Die ältesten Leute auf der Insel," heisst es in ihrem Berichte, „bezeugen, an 
den Umrissen dieser freistehenden Felsen, besonders des grossen Mönchs (eines 
umgekehrten Kegels von mehr als 100 Fuss Höhe) keine Veränderung wahrnehmen 
zu können, auch wurden unsere Fragen nach dem Abspülen des Felsens oder der 
Verkleinerung des Plateaus durch Einstürzen der Wände immer in ausweichender 



*) Ersch und Gruber Encvklopädie. Ort. Helgoland. 
»*3 Ausland 1843. No. 100. 
»*»)' A. a. O. S. 44. 



- 206 - 

Unbestimmtheit beantwortet. Niemand wollte behaupten, je davon gehört zu haben, 
dass das Grundcigenthuin des bis an den Abhang bebauten Landes, durch Einsturz 
desselben einer allmählichen Verminderung unterworfen sey." 

Solchen Zeugnissen der Natur gegenüber kann ohne Beeinträchtigung der 
Gründlichheit die specielle Widerlegung der grossen Veränderungen unterbleiben, 
welche angeblich in kurzer Frist die Insel betroffen haben sollen. Wenn wir bei 
Kobbe*) lesen, dass der Flaggenberg längst herabgestürzt sei ; wenn v. d. Decken**) 
uns erzählt: „die im Jahre 1706 in der Mitte der Insel erbaute, noch vorhandene 
Kirche stehe gegenwärtig schon nahe am Rande des Felsens, wo der stärkste Ab- 
bruch sei;" so genügt es, Diesen auf den vorhandenen Flaggenberg, welcher mit dem 
der ältesten Karten identisch ist, hinzuweisen, Jenem zu bemerken, dass die Kirche 
nie in der Mitte des Eilandes gestanden und der Ostabhang seit 1714, also acht 
Jahre nach deren Erbauung, um keine messbare Grösse ihr näher gerückt, sondern 
vom nächsten Punkte damals, wie jetzt, über 600 F. entfernt liegt. So blind machte 
vorgefasste Meinung gegen die Wirklichkeit ! 

Ganz anders gestalten sich die Verhältnisse der fortschreitenden Zerstörung bei der 
Düne. Nachdem die WitteKliff, ihre Schutzmauer gegcnNW., mehr durch die Gewinn- 
sucht der Helgolander, als durch die Gewalt der Elemente gefallen, erfolgte bald darauf 
der Durchbruch des Stein w all s. Man scheint damals die Bedeutnngder Düne und die 
ihr droheude Gefahr nicht erkannt zu haben, denn man begnügte sich mit einigen 
schwachen Versuchen, den Durchbruch zu stopfen, bis es damit zu spät war. Schon 1770, 
also nach SO Jahren, hatte sich derselbe auf 1500 F. erweitert und so vertieft, dass 
Kauffahrer von den Nord- in den Südhafen setzen konnten. Das Hügelland der 
Düne wurde seitdem von N W T . und W. her bei Sturmfluthen heftig angegriffen 
und verlor von dieser Seite in dem Zeitraum der letzten 50 Jahren sehr viel, wie 
aus folgender Znsammenstellung erhellt. 

1793 1845 

(Länget 3000 F. 1940 F. 

Grosste< <dcs Hügellandes 

(Breitet ft 980 „ 720 „ 



*) A.. a. O. S. 21. 

•*) A. a. 0. S. 28. 



— 207 — 

(Länge f. 5800 F. 3522 F. 

Grösste< <in den Flutharränzen 

(Breitet 1400 „ 10S6 „ 

Seit dem DnrclibrucLe des Steinwalles hat sieb indessen die Düne nach S O., S. und 
S W. nicht unbeträchtlich verlängert und namentlich auch seit 1793 der lang gestreckte 
Rüchen gegen die Aade sich durch das ausgeworfene Gerolle so erhöht, dass er bei 
ordinärer Fluth nur an einer kleinen Stelle überschwemmt wird. Bei Sturmflutben 
schlagen allerdings die Wogen über demselben zusammen, sie führen aber zugleich 
von dem nördlicheren Dünenstrande neues Material zu, welches sich in dem Bogen 
der Riffe fängt und ablagert. Dagegen ist Fiedler's Behauptung, dass bei heftigen 
Springflutben die schäumenden Wogen auch über die Dünenhügel wegschlügen, 
durchaus irrtbümlich und bildet einen Beitrag zu dem Schutte lächerlicher Ueber- 
treibung, welchen die Leichtgläubigkeit oberflächlicher Beobachter seit langen Jahren 
hier zusammengehäuft hat. 

Diese Verlängerung der Düne gegen S. und S W., so wie der beträchtliche 
Anwachs des Unterlandes erscheint als eine natürliche Folge des Durchbruchs des 
Steinwalls. Wenn man bedenkt, dass das Gerolle desselben einerseits südöstlich 
gegen die Riffe der Aade, anderseits westlieh gegen den Fuss des Felsens von den, 
mit Nordweststurm durchbrausenden, Wellen geworfen werden musste. Da der 
-westliche Theil des Steinwalls vorzugsweise aus den Trümmern der rothen Klippe 
bestanden haben muss, während an dem östlichen das Meer die Bruchstücke der 
Dünenriffe auswarf: so wird es erklärlich, warum die bunten Mergel so selten unter 
den Gerollen der Düne, die Kalke und Kreide dieser nur einzeln nicht nur am 
jetzigen Strande, sondern überhaupt in den Schuttmassen des Unterlandes gefunden 
werden. 

Muss uns diese rasche Verminderung der Düne für deren Zukunft auch Be- 
sorgnisse einflössen; so gehen die Befürchtungen sicher zu weit, welche schon in 
den nächsten Decennien ihren völligen Untergang in Aussicht stellen. Mag vor dem 
vereinten Angriff des Windes und der Wellen das Hügelland in immer engere 
Grenzen sich zurückziehen; so wird doch, so lange das, die Düne tragende, Riff 
sich nicht nach der Tiefe senkt und die Insel den Andrang der Wogen von W. 
her bricht, sich auf jenem ein Geröllwall erhalten, dessen letzte Reste erst mit 



- 208 - 

denen des Felsens dem Meere verfallen können. Demungeachtet gebietet das Inte- 
resse den Hclgolandern schon jetzt für kräftigen Schutz zu sorgen, wozu ein tüch- 
tiges Bollwerk gegen N W., N. und N O. besonders geeignet erscheint, da sich 
hinter demselben die Gerolle häufen und wahrscheinlich bald ein Wall von solcher 
Höhe bilden würde, dass die gewöhnlichen und endlich selbst die höchsten Fluthen 
ihn nicht mehr überstiegen, wie dies im Untcrlande seit 150 Jahren geschehen ist. 
Hier würde eine Mauer von Eisenconcrel, wie sie Fiedler zum Schutze der Insel 
vorgeschlagen, gewiss vortreffliche Dienste leisten und für die Folge ein Bollwerk 
aus Holz entbehrlich machen, während die Kosten einer solchen Umgürtung des 
Felsens in keinem Verhältnisse zu dem erzielten Gewinn stünden. 

Durch Unterstützung der Vegetation auf den Dünenhügeln könnte der fliegende 
Sand mehr befestigt und dem Abbruche durch den Wind vorgebeugt werden. 
Allein zu allen diesen Arbeiten gehört ein kräftigeres Zusammenwirken der Einzelnen, 
als bis jetzt unter den Insulanern geherrscht hat, wenn nicht die künftigen Versu- 
che, die Düne zu schützen gleich erfolglos bleiben sollen, wie die bisherigen. 

Angelangt am Ziele unserer Untersuchungen möge es erlaubt sein, einen Blick 
rückwärts zu werfen und die Beihe der gewonnenen Ergebnisse rasch durchschrei- 
tend zu prüfen: ob bei dem Scheiden von der Stätte lange geführten Kampfes uns 
die Hoffnung auf errungenen Sieg folgen könne. 

Vor der Macht der historischen Kritik hatte sich die Tradition, aus einer Stel- 
lung nach der andern verdrängt, zurückgezogen, und war endlich ganz vom Ge- 
biete der Geschichte gewichen. Für die meisten der angeblichen Fluthen, welche 
das grossej blühende Eiland nach und nach verschlungen haben sollten, fehlte jeder 
erhärtende Beweis; (s. o. S. 38); die letzte dieser Katastrophen aber vom Jahre 
1634 ist eine notorische Erdichtung, da nach den Angaben der Steuerbücher des 
15 und 16 Jahrhunderts wie nach der Beschreibung Bruyk's Helgoland schon zu 
jener Zeit uns dasselbe Bild darbietet, welches wir am Anfange des 18ten Jahr- 
hunderts und mit wenigen Veränderungen noch heute erblicken. So hob sich die 
Schilderung Adam's von Bremen in ihrer Treue und Uebereinstimmung mit der 
Gegenwart vollständig ans den fantastischen Nebeln, womit Meier und seine Nach- 
folger sie verhüllt hatten. War doch Erstcrer von dem Gespenste der Fluthen 



— 209 — 

verfolgt, so weit gegangen, auch an den Küsten der Nord- und Ostsee der Sage 
ganze Länderstrecken mit beliebigen Städten, Schlössern, Dörfern, Wäldern und 
Gewässern reich besäet in einem Umfange zu opfern, dass sein wissenschaftlicher 
Credit früher schon stark bezweifelt, jetzt vollständig -vernichtet ist.*) Adams Zu- 
verlässigkeit bewährt sich dagegen am Prüfstein verbürgter Geschichte fast überall, 
wo wir seine Angaben mit den Erzählungen späterer Chronisten im Widerspruch 
finden.**) 

Doch mehr fast als geschriebene Urkunden unterstützt die Geschichte der Natur 



•) Ausser den bereits angeführten Bemerkungen Michelsen's über die Meier'sche Karte von Nord- 
Friesland möge hier auch noch Tetens Ansicht über deren Zuverlässigkeit eine Stelle finden. 
A. a. 0. S. 110 heisst es: 

„Wenn das alte Nord-Friesland zwischen der Eider und Jütland an der Nordsee so gewesen 
ist, wie es auf der Charte beim Dankwarth aussieht, so scheint es durch das Meer seit dem 
13ten Jahrhundert viel verloren zu haben. Aber doch, wenn mans genauer ansiebt, bei weitem 
nicht so viel, als es beim ersten Anblick scheint. Es bat sich freilich mit der Zeit weiter hinaus 
in die See zu Westen erstreckt, aber es ist in Inseln und Inselchen vertheilt gewesen, zwischen 
denen das Wasser durchging. Jetzo muss man rechnen, welch eine grosse Strecke von Marsch- 
land längst der Geest innerhalb der Deiche liegt. 

Man erwäge, dass Tondern damals ein Hafen an der See war, dagegen jetzo über eine Meile 
davon entfernt ist. Man halte die beiden Karten beim Dankwarth, die von 1240 und die von 
1651, genau gegen einander, so ist der Unterschied am Lande nicht sehr gross. Es ist ganz 
oder grösstenteils so viel wieder angeschlemmt ans Ufer der Geest, als von dem äussern 
Rande weggespült ist. Ich würde den Unterschied fast auf nichts bringen, wenn die alte Karte 
ganz zuverlässig wäre; auch in Hinsicht der Grenzen, die dem Schlickwatt auf ihr gegeben sind. 
Das Watt ist eigentlich das äusserste Ufer des tiefen Meeres und ist damals nicht weiter hin- 
ausgegangen, als es auf der neuen Karte gezeichnet ist. Freilich, wer bürgt für die Richtigkeit 
der Zeichnung? Vergleicht man aber die Jüngern von 1651 mit dem Umfang des Landes, wie 
es gegenwärtig ist, so fehlt zwar der grösste verlorne Theil vom Nordstrand und einige Inseln; 
aber dagegen sind längs dem ganzen Ufer verschiedene neue Koye entstanden, die auf den 
Karten noch nicht stehen, wodurch man jenen Verlust für ersetzt halten kann. Wie es jetzt 
geht, ist es vorher, gegangen. Diese Marschen liegen im Schutz der Dünen, hinter denen das 
Land aufgeschlickt ist. Noch jetzo liegen Dünen an den Inseln an der Westseite gegen die 
See zu. 

Wie die Dünen entweder vergehen, oder allmählig einwärts rücken, nehmen die Inseln an der 
Westseite ab, und der Schlick, der zu Westen weggespült wird, setzt sich zwischen den Inseln 
und dem schon bedeichten Lande wiederum an. Wenige Stellen ausgenommen, findet man an 
dem ganzen hiesigen Ufer Aufschlickung und Anwachs." 

*•) Mit Helgoland theilt Rügen dasselbe Sagengeschick. Auch diese Insel soll noch in historischen 
Zeiten mft Pommern zusammengehangen, ebenso durch Sturmfluthen über deren Zeit man völlig 

27 



. ' ' II—— — — — — -' i ■ - ■ 



— 210 — 

Adams Schilderung unseres Eilandes, darum haben wir denn auch eifrigst den allen 
Felsbau von dem Fundamente l>is zur Firste in seinen gesammten Gliedern durch- 
forscht, und im Grunde wie an den Wänden, über den Fclsenthoren wie an den 
Pfeilern nach den Charakteren gespäht in welchen die Natur ihre Geschichte 
selbst aufgezeichnet haben möchte. Deutliche Inschriften wechselten mit halb 
verwischten; dort konnten wir mit grosser Sicherheit lesen, hier mit minderer 
Gewissheit die Züge entziffern, und durch versuchte Ergänzung zum Verständnisse 
gelangen. 

Folgende Sätze haben wir beiden entnommen: 

1. Helgoland ist eine isolirte Erhebung im norddeutschen Tieflande; es hat zu 
keiner Zeit im Sinne der Sage mit dem Fcstlandc zusammengehangen, und ist 
nicht durch Fluthcn und Ströme von Letzterem getrennt in seine jetzige Lage ge- 
kommen. 

2. Seit der lokalen Erhebung der Schichten, welche nach Richtung und rela- 
tivem Alter sich mit jener der Seitenketten Schwedens in Verbindung setzen lässt, 
wurde die Insel wiederholt in die allgemeinen Hebungen und Senkungen des 
Nordseebodens gezogen, und erlitt mit diesen mehrfache INiveauveränderungcn. 

3. Die Insel Helgoland hat höchst wahrscheinlich schon einmal existirt, war 
aber zur Zeit der ßollstcinformation vom Meere so weit abgespült, dass sie nur noch 
ein Felsriff bildete. 



uneinig ist, starken Abbruch erlitten haben und allmählig auf ihren jetzigen Umfang beschränkt 
worden sein. Boll a. a. 0. Seite 51. bemerkt über diese Sagen im Yerhältniss zu Adam's 
Schilderung von Rügen folgendes : „Die ältesten Urkunden bieten uns ein Bild Rügens dar, 
welches von der jetzigen Gestaltung der Insel in den Hauptverhältnissen nicht verschieden war. 
Wir halten daher den Ausspruch des Herrn Fabricius für vollkommen gerechtfertigt: „dass 
nach dem, was die ältesten Urkunden und die Erzählungen Adam's von Bremen, Helmold's, des 
Gefährten des Bischoffs Otto, und Saio's über die derzeitigen Küstenzüge von der nördlichen 
Spitze der Insel Hiddensee bis zum Rüden ergeben, solche von den jetzigen überall nicht we- 
sentlich verschieden waren, und dass die hin und wieder gegebenen Nachrichten von grossen 
Wasserfluthen, durch welche das Land seine heutige Gestalt erst lange nach den aller geschicht- 
lichen Kunde vorangegangenen Umwälzungen erhalten haben soll, durch jene Zeugnisse völlig 
widerlegt werden." — Bei der grossen Zerrissenheit der Rügenschen Küsten war es gewiss sehr 
schwer, sich ein sicheres Bild von ihnen zu entwerfen, und wir müssen es unsern Vorfahren 
nachsehen, wenn ihnen dies nicht immer gelang." 



— 211 — 

4. Durch die weit verbreitete Erhebung des Landes nach der Geröllablagerung 
trat jenes Riff wieder als Insel über die Mcercsflächc und bildete wahrscheinlich 
spater sogar einen Theil des Festlandes. 

5. Als die umliegenden Länder schon von Menschen bewohnt waren, hatte die 
jüngste allgemeine Senhung im IXordseebcchen begonnen, welcher Helgoland seine 
jetzige Lage verdankt. 

6. Dieses Ereigniss erfolgte in vorhistorischer Zeit, welche wir jetzt 
nur annähernd, in der Folge mit grösserer Gewissheit zu bestimmen vermögen. 
Die Elemente dieser Zeitrechnung sind uns einerseits in dem Maasse der seit der 
letzten Senhung durch Abspülung des Felsens entstandenen Riffe, anderseits in dem 
Verhältnisse dieser fortschreitenden Zerstörung während einer bestimmten Zeit ge- 
geben. JNinnnt man die Entfernung der westlichsten Schichten im Riffe, welche 
bei ordinärer Ebbe über die Meeresfläche treten, von dem Abhänge des Seil inger- 
Horns = 580 F. (s. o. S. 74}, den Destructionscoefficienten für hundert Jahre 
gleich 10 F.; so fiele jenes Ereigniss 8800 Jalire vor die Gegenwart. 

Rechnet man danach auf die Zeiten Adam's von Drenien, Karl's des Grossen, 
und des Friesenkönigs Radbod zurück; so ist entschieden, dass damals die Insel 
nur Weniges grösser war, als jetzt; dass Adam's Schilderung ganz mit ihrem ge- 
genwärtigem Zustande übereinkommt und die Meyersche Karte mit der gesammten 
Sagenverbrämung leichtgläubiger Chronisten von der INatur selbst widerlegt wird. 

Doch in der grauen Vorzeit erkennen wir den Ursprung der Tradition aus 
grossen Naturereignissen und da ersetzt sie uns die historischen Reweise, dass der 
Mensch Zeuge der letzten gewaltigeren Zuckungen war, welche den umliegenden 
Ländern ihre jetzige Gestalt verliehen. Jahrtausende in ihrer reinen Form von Ge- 
sehlecht zu Geschlecht vererbt, gerieth die Sage endlich in die Hände christlicher 
Rekehrer. 

Der Sprache unkundig schien ihnen Halligland mit Heiligland gleichbedeutend. 
St. Ursula mit ihren elftausend Jungfrauen liessen sie hier durch die Heiden ihren Un- 
tergang finden und Gottes Zorn die verheerenden Fluthen senden. Konnte die fromme 
Einfalt noch an der Wahrhaftigheit solcher Erzählungen zweifeln, wenn der ver- 
schmitzte Priester den unschuldigen Relemniten als versteinerten Rest der heiligen 

27* 



- 212 — 

Wachskerzen zeigte; Echinitenstacheln als petrifieirte Dornen und Haselnüsse zu 
Zeugen aufrief, dass der kahle Fels früher von einer blühenden Insel umgehen ge- 
wesen? Endlich stimmten die von Adam erwähnten Grösscnvcrhältnisse ja ganz mit 
diesem Glauben überein und verdrängten aufsteigende Zweifel, dass ein geistlicher 
Scribent sich eine absichtliche Entstellung hier erlaubt haben könnte, um Adam's 
Schilderung der von den Priestern präparirten Tradition anzupassen; selbst, dass ein 
zufälliger Schreibfehler sich eingeschlichen habe, wollte man ungeachtet des offen- 
baren Widerspruchs mit den übrigen Angaben nicht zugestehen. Wäre denn, 
wenn man sich gegen die Möglichkeit absichtlicher Einschwärzung sträubt, auch die 
eines Irrthums zurückzuweisen? Versetzen wir doch Godeffroy's Abhandlung in die 
Zeit Adams. Wurden wir nicht scheinbar mit vollem Rechte einen bedeutenden 
Abbruch der Insel behaupten können, wenn wir dort die Fläche des Oberlandes 
auf eine 5tel Quadratmeile gesetzt, die Gestalt des Felsens mit einem rechtwinkeli- 
gen Dreieck verglichen finden? Doch genug über diese Frage, deren Prüfung nach 
allen Seiten erschöpft und die in ihrer Entscheidung gegen jede erhebliche Einrede 
geschützt zu sein scheint. Wichtiger ist es, mit wenigen Worten noch die Be- 
denken zu berühren, welche im Hinblick auf die langsam fortschreitende Destruction 
dieses morschen Gesteins gegen so manche noch in der Geologie wuchernde Fluth- 
und Spül-Theorien aufsteigen müssen. Wenn es Jahrtausende hindurch des ver- 
einten Wirkens der zerstörenden Kräfte bedurfte, ehe die alte Felsruine sich um 
einige hundert Fuss vor dem Meere zurückzog, wenn man sieht, wie reissende Berg- 
ströme Blassen schleifenden Gerölles fortführen, ohne an dem Gestein des Bettes 
auffallende Erweiterungen und Vertiefungen zu erzeugen; welche Zeiträume oder 
welche Steigerung der zerstörenden Agenzien waren dann erforderlich, um auf 
grossen Strecken ungleich festere Felsschichten wegzuschwemmen? Gewiss folgte 
nach der letzten Senkung Helgolands in das Meer in den ersten Perioden die Küs- 
tenzertrümmerung rascher, da die aus tiefer See gegen die Abhänge anschlagenden 
Wellen mit ungleich grösserer Kraft wirkten, als die auf den gebildeten Riffen 
mehr und mehr gebrochenen Wogen. Mag die grössere Härte und mindere Zer- 
klüftung der tieferen Bänke diesen Unterschied auch theilweise aufgehoben haben, 
und deshalb der jetzige Destructionscoefficient von dem früheren vielleicht nicht sehr 



— 213 — 

abweichend sein, so wurde dennoch in obiger Berechnung ein Verbälfniss von 10 
Fuss in hundert Jahren gesetzt, um dem Resultate einen höheren Grad von Wahr- 
scheinlichheit zu verleihen. l\och fehlt es uns in der Bildungsgeschichte der Erd- 
rinde an einem Datum zur absoluten Altersbestimmung irgend einer der Länder ge- 
staltenden Katastrophen. Die Erforschung eines einzigen wäre schon ein grosser 
Gewinn für die Wissenschaft, denn es liesse sich hoffen, wie durch Gleichungen, 
mittelst des einen bekannten die anderen unbekannten zu finden. Wie es dem mensch- 
lichen Geiste gelang, das Gewicht des Erdballes zu bestimmen und den Baum 
durchdringend die Entfernungen der Welten zu messen, so wird sich ihm auch 
ein Weg eröffnen, um in der Zeit vor jede Geschichte zurückzuschreiten und die 
Tage der Erde zu zählen. Auf diesem Wege dürfte Helgoland einer der schönsten 
Marksteine und das Interesse der Geologen dauernd ihm zugewendet sein. Ja, 
wenn einst die plutonischen Kräfte zu grösserer Thätigkeit wiedererwachen, wenn 
weithin durch die norddeutsche Ebene ihre Zuckungen sich verbreiten und das 
Land noch mehr nach der Tiefe ziehen sollten, aus der sie es früher gehoben, wenn 
Frankfurt a. d. O. von der Ostsee bespült würde, wenn vor den Thoren Berlin's 
die Wogen der Nordsee brandeten, und derBhein bei Düsseldorf mündete, so würde 
Helgoland noch als ein sechzig Fuss hoher Fels das Meer überragen; und dem Geo- 
logen wie dem Steuermann ein treuer Wegweiser auf schwierigem Pfade sein. 



Gedruckt bei J. W. Wörmcr. 
(Kl. Bäckerstrasse, No. 10.) 



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Abhandlungen 



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5*§£> 



Wo 






herausgegeben 



von dem naturwissenschaftlichen Verein 



Hambnrg'. 



Zweiter Band. Zweite Abtlieilung. 



HiMBlK«, 1853. 
HeroM'scne Buchhandlung. 



1 ii Ii a 1 t. 



Seite 
Beifrag zur Ornithulogie Westafrica's , von Dr. G. Hartlaub in Bremen, corresp. 

Mitgliede des naturwiss. Vereins 1 — 56 

Hierzu Tat. 1 — II der Vögel. 

Zweiter Beitrag zur Ornithologie Westafrica's, von Demselben 57 — 68 

Beiträge zur ferneren Kenntniss der JVIeerschlangen, von Dr. Phil. Schmidt in Hamburg 69 — Sti 

Hierzu Tat'. I — 7 der Schlangen. 
Das Gold der Goldküste, besonders das von Elmina, von Prof. K. Wiebel in Hamburg. 87 — 10S 
Die Gehirnnerven der Saurier, anatomisch untersucht von Dr. J.G.Fischer in Hamburg. 10!) — 212 

Hierzu die anatomischen Tafeln 1 — 3. 



Beitrag 



©mitljtflojju tUeftafrkct'0, 



Or. Cf. Harttaub 



in Bremen. 



(Hiezu Taf. I — 11 der Vögel.) 



Beitrag zur Ornithologie Westafrica's, 



Dr. G. Hartlauh. 

.Llie zoologischen Sammlungen, welche dem hamburger Museo durch den 
Reisenden Carl Weiss in zwei verschiedenen Sendungen von der Westküste 
Africa's zugekommen sind, bieten gerade im Felde der Ornithologie des Neuen 
und Interessanten genug, um daran einige allgemeinere Betrachtungen über die 
Vögel dieser Gegenden anzuknüpfen. Es wurden diese Sammlungen der Haupt- 
sache nach an drei Lokalitäten zu Stande gebracht, nämlich auf den beiden 
dem Aequator nahe gelegenen Inseln St. Thome und do Principe und umEImina 
auf der Goldküste. Nur einige wenige Arten stammen von Wineba, Accra und 
Anamaboe. Die von Weiss eingesandten Vösrel waren die folgenden : 



St. Thome: 
Milvus aegyptius, Gm. 
Athene leucopsis, nob. 
Cypselus abyssinicus, Licht. 
Coracias garrula, L. 
Alcedo caeruleocephala, Gm. 
Zosterops lugubris, nob. 
Turdus olivaceofuscus, nob. 

8. Drymoica ruficapilla, Fräser. 

9. Muscipeta atrochalybea, Thomps. 

10. Onychognathus fulgidus,nob. 

11. Ploceus grandis, Fräser. 

12. Euplectes erythrops, nob. 

13. Sycobius St. Thomae, nob. 



I. 

•2. 

3. 

4. 
5. 
6. 

7. 



14. Spermestes cucullata, Sw. 

15. Psittacula pullaria, L. 

16. Chalcites smaragdineus, Sw. 

17. Turtur simplex, nob. 

18. Treron abyssinica, Latb. 

19. Numida Rendallii, Sw. 

20. Coturnix histrionica, nob. 

21. Ardea thalassina, Sw. 

22. Ardea bubulcus, Sav. 

23. Ardea gularis, B. 

24. Numenius phaeopus, L. 

25. Gallinula chloropus, L. 

26. Phalacrocorax africanus, Gm. 

I 



<) 



Jlha do Principe: 

1. Di er ums m ödes tu s, nob. 13. 

2. Lamprotornis ignita, Nordm. 14. 

3. Spermestes cucullata, Sw. 15. 

4. Halcyon torquata, Sw. 16. 

Elmina: 17. 

(Wineba, Accra, Anamaboe. ) 18. 

1 . Cypselus abyssinicus, Licht. 

(Anamaboe.) 19. 

2. Alcedo pieta, Bodd. 20. 

3. Merops albicollis, Vieill. (Wineba.) 21. 

4. Merops bicolor, Daud. 22. 

5. Merops erythropterus, Gm. 23. 

6. Nectarinea eyanoeephala, V. 24. 

7. Nectarinea splendida, Sh. 25. 

8. Nectarinea chalybea, L. 26. 

9. Crateropus platycercus, Sw. 27. 

(Accra.) 28. 

10. Cossypha verticalis, nob. 29. 

11. Platysteira melanoptera, Gm. 30. 

12. Muscipeta laticauda, Svv. 31. 



Campephaga phoenicea, Lath. 
Telephorus senegalus, L. 
Laniarius gambensis, Liebt. 
Laniarius barbarus, Sb. 
Laniarius major, nob. 
Laniarius leueorhynchus, 

nob. 
Ploceus textor, Gm. 
Euplectes oryx, L. 
Corythaix Buffonii, V. 
Pogonias Vieillotii, Leach. 
Macronyx flavigaster, Sw. 
Hoplopterus inornatus, Sw. 
Glareola pratincola, L. 
Charadrius minor, L. 
Charadrius bitorquatus, Licht. 
Charadrius marginatus, V. 
Himantopus vulgaris, V. (Accra.) 
Parra africana, Sm. 
Stema minuta, L. 



Unter diesen 59 Arten scheinen sich 11 als neu und zuvor unbeschrieben 
herauszustellen, und zwar eine von Jlha do Principe (Dicrurus modestus), 
zwei von der Goldküste (Laniarius major und leueorhynchus), und 
acht von St. Thome, nämlich Athene leueopsis, Zosterops lugubris, 
Turdus olivaeeofuscus, Onychognathus fulgidus, eine sehr merk- 
würdige neue Form der für die Zoologie Africa's so characteristischen 
Glanzvögel, Euplectes erythrops, Sycobius St. Thomae, Turtur 
simplex und Coturnix histrionica, die erste bisjetzt entdeckte Africa 
eigenthümliche Wachtelart. Die auf St. Thome gesammelten Vögel ver- 
danken ein ganz besonderes Interesse dem Umstände, dass, mit Aus- 
nahme des von Fräser mitgebrachten und beschriebenen Ploceus grandis, 



— 3 — 

noch keine Arten von dorther zur Kunde des wissenschaftlichen Publicums 
gelangten. Dass sich unter den 26 bisjetzt bekannten Arten dieser Insel 9 be- 
finden, welche bisher an keiner anderen Lokalitat gefunden wurden, ist jeden- 
falls ein beachtungswerth.es, wenngleich unter den Inselfaunen nicht vereinzelt 
dastehendes Verhältniss. Das wenn auch noch so seltene Vorkommen unserer 
Mandelkrähe auf St. Thome, wo der Vogel allerdings, einer Notiz des 
Sammlers zufolge, von Niemanden gekannt war, bleibt doch merkwürdig genug, 
denn das Verbreitungsgebiet dieses europäischen Vogels erstreckte sich, soviel 
bekannt, nicht über die nördlichen Theile Africa's hinaus. Von den übrigen 
oben namhaft gemachten Arten der Insel wurde Muscipeta atrochalybea 
nur noch auf Fernando Po beobachtet. Numenius phaeopus und Gallinula 
chloropus sind Cosmopoliten, deren Vorkommen auf einer aequatorialen Insel 
nichts Befremdendes hat. — Unter den vier von Weiss auf .Jlha do Principe 
gesammelten Vögeln scheinen zwei dieser Insel eigenthümlich anzugehören, 
nämlich Lampvotoruis ignita und Dicrurus modestus, wenn sich nicht 
etwa unsere Vermuthung, dass dieser letztere mit dem vom Herzog von Würtem- 
berg im Sennaar beobachteten, aber noch nicht beschriebenen D. erythroph- 
thalmus identisch sei, bestätigen sollte. — Ein und dreissig Arten sammelte 
Weiss um Elmina. Nur zwei derselben, beide der Gattung Laniarius ange- 
hörig, schienen sich bei näherer Vergleichung als neu zu ergeben. Doch ist 
auch diese Sammlung in anderer Hinsicht nicht ohne Interesse. Zu den merk- 
würdigeren Arten derselben gehört Merops bicolor, Daud. und Muscipeta 
laticauda, Sw., erstere eine in Sammlungen bisher sehr seltene, durch ihr 
völlig abweichendes Colorit ausgezeichnete Art der Gattung Merops, welche 
man bisher nur als durch Perrein in Congo, einer sehr entfernten Lokalität, 
gesammelt kannte , letztere eine weniger typische Art der in Asien und Africa 
zahlreich vertretenen Gattung Muscipeta, welche Swainson, in der Meinung, 
sie sei neuholländischen Ursprungs, als Myiagra beschrieb und abbildete. 
Eine bei Elmina und auf St. Thome von Weiss eingesammelte Cypselusart 
ist nur mit dem kürzlich von Streubel beschriebenen C. abyssinicus, Hempr. 
Ehrenb. , in Einklang zu bringen. 



— 4 — 

Die frühesten Beiträge zu unserer Kenntniss der Vögel Westafrica's finden 
sich bei Brisson, welcher in seiner Ornithologie 33 Arten von Adansons Reise 
herstammender senegalischer Vögel in gewohnter ausführlicher Weise beschreibt. 
Es folgen dannBuffon und der ungleich wichtigere Vieillot, dessen ältere Arbeiten im 
Detervilleschen Dictionaire und in der Encyclopedie methodique die Beschreibungen 
der von Perrein in Congo und Loango gesammelten Arten, sowie verschiedener 
neuer, in der Sammlung des Grafen Riocur befindlicher Senegalvögel enthalten. 
Mehrere dieser letzteren , z. B. Alcedo tricolor und Lanius acuticaudatus sind 
später nicht wieder aufgefunden worden. Der von Cranell verfasste zoologische 
Anhang zu Tuckeys „Expedition to explore the river Zaire" berichtet, obgleich 
nur dürftig und mangelhaft, über die ornithologische Ausbeute dieser unglücklichen 
Reise. Bowdich theilt in seinen „Excursions to Madeira and Porto Santo" 
kurze und nur zum Theil kenntliche Beschreibungen einer Anzahl Arten des 
Gambiagebietes mit. Der naturhistorische Atlas zu Erman's Reise um die Welt, 
von A. von Nordmann verfasst, enthält Beschreibungen und Abbildungen ver- 
schiedener vom Senegal und von Jlha do Principe herstammender neuer Arten, 
so z. B. von Lamprotornis ignita. W. Swainsons trotz seiner Unvollständigkeit 
sehr anziehendes und verdienstliches Werk „The Birds of Western Africa" 
behandelt zunächst die Vögel Senegambiens, deren viele neue beschrieben und 
abgebildet werden, und bezeichnet in einer geistvollen und scharfsinnigen Ein- 
leitung zum ersten Male allgemeinere Gesichtspunkte für die Characterisirung 
der Ornithologie Westafrica's. Das hauptsächlichste, dieser Arbeit zum Grunde 
liegende Material bilden die Sammlungen des damaligen Gouverneurs der englischen 
Besitzung am Gambia, L. G. R endall. Dass Swainson jedoch dieselben nicht 
vollständig benutzt hat oder benutzen konnte, geht daraus hervor, dass in dem 
kürzlich erschienenen Catalog der Vögelsammlung des brittischen Museums noch 
eine nicht geringe Anzahl von Arten der Rendall'schen Sammlung namhaft gemacht 
werden, deren Swainson nicht gedenkt. In der Deutung älterer Beschreibungen, 
gegenüber modernen Arten, spricht sich bei ihm eine unbegreifliche Unsicherheit 
aus, ein Umstand, dem die Nomenclatur mehr als einen überflüssigen Namen 
verdankt. Louis Fräser, der Naturforscher der letzten Nigerexpedition der 
Engländer, machte in den „ Proceedings" -der zoologischen Gesellschaft zu London 
die von ihm auf Fernando Po , Cap Palmas, Cap Coast, Sierra Leone, der Goldküste 






— 5 — 

und an den Flüssen Niger und Nun beobachteten Arten bekannt; andere der von ihm 
gesammelten Vögel beschrieb Strickland und noch andere, von den dieser Expe- 
dition beigegebenen Gelehrten Stanger und Thompson heimgebracht, Sir W. Jardine. 
Die wichtigsten der von Fräser entdeckten neuen Arten sind in dessen Zoologia 
typiea abgebildet worden. Sir W. Jardine verzeichnete noch eine Parthie an 
den Flüssen Old Calabar und Bonny gesammelter Arten, welche durch für den 
Palmölhandel fahrende Schiffe nach Liverpool gebracht waren. Lesson's letzte 
Schrift, den Supplementband zu der Leveque-schen Ausgabe der Werke Büffons 
in lSmo bildend, giebt Nachricht von einigen neuen Arten vom Casamansefluss 
in Senegambien. Wir selbst beschrieben einige neue Vögel der Goldküste, und 
es verdient schliesslich nur noch erwähnt zu werden, dass sich in den Werken 
Temminks und Anderer, so wie in den periodischen Schriften der Zoological 
Society, der Societe Cuvierienne, der Acadeiny of Natural Sciences zu Philadelphia, 
u. s. w. einzelne mehr oder minder wichtige Beiträge zu der Ornithologie West- 
africa's finden, deren in dem weiter unten folgenden Artenverzeichniss ihres Orts 
gedacht worden ist. 

Man begreift aber unter Westafrica, als zoologischer Provinz, am geeignetsten 
Senegambien und Guinea im weitesten Sinne des Wortes. Nördlich bildet nämlich 
der Senegal ziemlich scharf die Gränze der zoologisch durchforschten Westküste; 
die weite Strecke von diesem Flusse bis etwa zum 30sten Grade N. B. ist 
noch, soviel uns bekannt, von keinem Zoologen untersucht worden. Wir wüssten 
nicht eine einzige Vogelart namhaft zu machen, deren mit Sicherheit festge- 
stellter Fundort auf dieser ausgedehnten Küstenstrecke zu suchen wäre. Es 
müsste von nicht geringem Interesse sein, den Uebergang der bunten und glanz- 
vollen Vögelfauna des Senegalgebietes zu der schmucklosen und, den Mitthei- 
lungen Drummond's und Schousboe's zufolge, ganz europäisches Gepräge 
tragenden Marocco's längs derselben verfolgen zu können. Im Süden aber 
begränzt sich Westafrica nicht weniger naturgemäss mit Benguela. Denn wie 
sich das weite Küstengebiet Senegambiens und Guinea's, seiner ganzen Aus- 
dehnung nach reich an Flüssen, Sümpfen, Salz- und Süsswasserseen, vielerwärts 
hüglich und zum grösseren Theile mit undurchdringlicher Waldung besetzt, 
nördlich vom Senegal in eine dürre pflanzenarme Küste mit Wüstencharacter 
verlängert, so scheint andrerseits die üppige Bewaldung des sumpfreichen Ben- 



— 6 — 

guela nach Süden zu fast plötzlich aufzuhören , und die weitere Küstenstrecke 
bis zum grossen Fischfluss ist wasserarm und unfruchtbar. 

Die ornithologische Bevölkerung des so begränzten westafricanischen Küsten- 
landes gehört, wie dies in den eben berührten physischen Verhältnissen seine 
Erklärung findet, zu den glanzvollsten und buntesten aller Zonen. Mit Recht 
erinnert Swainson an das entsprechende Bild der gegenüberliegenden Küste 
Südamerica's. Wie dort die vielfarbigen Tanagras und Pipren , die Icterus und 
Ampelisarten , vor allen aber die reitzenden, im Metallglanze aller Farben 
funkelnden Colibris (man kennt deren schon über 300 Arten) die reiche Landschaft 
beleben helfen, so sind es hier zahlreiche, mit den lebhaftesten und oft wunder- 
bar zusammengestellten Farben geschmückte Arten der Gattungen Coracias, 
Merops, Alcedo, Laniarius, Oriolus, prachtvoll metallglänzende Lam- 
protornis, Chalcites und Nectarineen, die herrlichen Formen Mus ophaga 
und Corythaix, endlich aber zahllose oft sehr hübsch und bunt gefärbte 
grössere und kleine Fringilliden, deren Stimmen Luft und Wald erfüllen, und 
deren Mannigfaltigkeit und Schönheit die Besucher dieser Gegenden zu warmen 

Ausdrücken der Bewunderung hinreissen soll. 

• 

Die Westafrica eigenthümlichen Gattungen sind Gypohierax mit 1, 
Chelictinia mit 1, Chaunonotus mit 1, Spermospiza mit 2, Nigrita 
mit 2, Onychognathus mit 1, Musophaga mit 1, Picathartes mit 
1 Art. Von der bisher als ausschliesslich westafricanisch betrachteten Gat- 
tung Podica ist ganz kürzlich eine zweite Art in Malacca entdeckt worden. 
Die in Süd- und Nordostafrica durch eine und dieselbe Art vertretene Fa- 
milie der Trogoniden fehlt in Westafrica; dagegen findet sich nur hier die 
einzige bis jetzt in Africa entdeckte Art der in Asien und Australien zahlreich 
repräsentirten farbenprächtigen Gattung Pitta. Dasselbe gilt von der den 
americanischen Coccyzus analogen Kukuksform Zanclostomus. Die west- 
africanischen Gattungen Melaenornis und Ptilopachus fand Büppell auch in 
Abyssinien, dagegen erstreckt sich die Verbreitung der in Westafrica einheimischen 
Gattungen Corvinella und Pyrenestes nur noch über den Süden dieses 
Welttheils. Will man, um dies noch hinzuzufügen, für gewisse generische Formen 
Centren oder Ausgangspunkte der Verbreitung annehmen, so scheinen solche 



für die Gattungen Nectarinea, Trichophorus, Laniarius, Sycobius, 
Numida und vielleicht noch für einige andere in Westafrica gesucht werden 
zu müssen. 

Von den 494 im nachfolgenden Verzeichniss aufgeführten Arten hat West- 
africa 103 nur mit Nordostafrica , 40 nur mit Südafrica, 57 endlich mit beiden 
zugleich gemein. Von europäischen Vögeln wurden daselbst bis jetzt etwa 
47 Arten beobachtet, darunter allein 28 Arten aus der Ordnung der Stelzvögel. 
Nahe an 300 Arten sind als Westafrica eigenthümlich zu betrachten. Eine 
tabellarische Uebersicht mag dies durch die einzelnen Familien hindurch erläutern : 



I. Rapaces. 30 Arten 

Vulturidae 2 Arten. 

Falconidae 19 * 

Strigidae 9 = 



Davon Westafrica eigenth 1 Art. 



2 
3 



II. Passeres, L. 300 Arten. 

Caprimulgidae 3 Arten. Davon Westafrica eigenth 1 Art. 

Hirundinidae 9 ^ ^ ? s 3 * 

Todidae 7 * = * * 2 f 

Alcedinidae 15 = = s ? 10 * 

Meropidae 15 * * = * 7 * 

Upupidae 3 ? * ? s 1 * 



Nectariniadae 23 

Lusciniadae .32 

Turdidae 29 

Muscicapidae 17 

Ampelidae 8 

Laniadae 21 

Corvidae 3 

Sturnidae 12 

Fringillidae 92 

Colidae 2 

Musophagidae 5 

Bucerotidae 9 



.19 
.27 
.23 
.14 
. 3 
.15 
. 3 
. 7 
.64 
. 1 
. 5 
. 6 



III. Scansores. 39 Arten. 

Psittacidae 8 Arten. Davon Westafrica eigenth 7 Art. 

Picidae 19 * z z * 16 = 

Cuculidae 13 z z z z 7 * 

IV. Columbae. 14 Arten. 

Columbidae 14 Arten. Davon Westafrica eigenth 5 Art. 

V. Gallinae. 

Meleagrinae 3 Arten. Davon Westafrica eigenth 3 Art. 

Tetraonidae 6 * z z z 3 * 

Pteroclinae 3 z z z z 1 z 

VI. Struthiones. 4 Arten. 
Struthionidae 4 Arten. Davon AVestafrica eigenth 1 Art. 

VII. Grallae. 72 Arten. 

Charadridae 16 Arten. Davon Westafrica eigenth 7 Art. 

Ardeidae 32 z * z z 11 * 

Scolopacidae 17 z * z z ] = 

Rallidae 7 z z z z 3 * 

VIII. Ans er es. 22 Arten. 

Anatidae 5 Arten. Davon Westafrica eigenth Art. 

Procellariadae 1 z * * z z 

Laridae 11 z z z z 6 z 

Pelecanidae 4 z z z z z 

Alle diese Zahlenangaben können natürlich nur relativen Werth beanspruchen, 
aber sie dürften in Verbindung mit dem nachfolgenden Artencatalog genügen, um 
einmal das sehr Eigentümliche der westafricanischen Ornithologie, dann aber auch 
deren Beziehungen und Verwandtschaft hinsichtlich Süd- und Nordostafrica's in ein 
einigermaassen deutliches Licht zu stellen. Worin der Grund zu suchen ist, dass 
weit mehr Arten West- und Nordostafrica gemeinschaftlich angehören, als West- 
mit Südafrica, möchte schwer zu ermitteln sein. Vergleichende Berücksichtigung 
der physischen Beschaffenheit dieser verschiedenen Ländertheile giebt da wenig 
Aufschluss. Wanderungsverhältnisse kommen dabei vielleicht mehr, als sich dies 



— 9 — 

bisjetzt nachweisen lässt, in Betracht. Das periodische Wandern senegam- 
bischer Arten nach dem Süden Africa's ist, wie schon Swainson bemerkt, erwiesen. 
Nur auf solche Weise erklärt es sich, dass Levaillant Lamprotornis aenea 
und aurata, sowie Laniarius barbarus, im Namaqualande antraf. Swainson's 
Annahme, nördlich begränze die Barbarei, südlich der Senegal den Verbreitungs- 
bezirk dieser letzteren Art, beruht wohl auf einem Irrthum. Nachweislich ist 
kein Exemplar dieses Vogels nordwärts vom Senegalgebiet beobachtet worden; 
dagegen kommt derselbe längs der ganzen Guineaküste vor. Wie es in der 
Klasse der Säugethiere, unter andern von einigen Antilopen, bekannt ist, dass 
sie an weit entlegenen Punkten ihres heimischen Erdtheils von zwar bestimmt 
verschiedenen, aber doch ausserordentlich nahe verwandten Arten gleichsam 
stellvertreten werden, so Hessen sich auch unter den Vögeln Africa's zahlreiche 
Beispiele solch eigenthümlicher Beziehung namhaft machen. Wir erinnern an 
Laniarius barbarus (W.-Afr.), L. erythrogaster (N.-O.-Afr.), und L. atro- 
coccineus (S.-Afr.), ferner an Prionops plumatus (W.-Afr.), P. cristatus 
(N.-O.) und P. talacoma (S.-Afr.), an Corythaix Buffonii (W.-Afr.), C. 
leucotis (N.-O.-Afr.) und C. persa (S.-Afr.). Manche Arten, einheimisch so- 
wohl in West- wie auch in Nordostafrica, werden nur im Süden durch eine solche 
gleichsam analoge Species wiederholt, wie dies z. B. von Merops nubicus 
und Bullockii gilt, deren südliche Stellvertreter bekanntlich M. nubicoides 
Bullockoides sind. Der in Südafrica und Abyssinien einheimische Psittacus 
Levaillantii wird in Senegabien durch eine überaus nahestehende Art, P. pa- 
chyrhynchus, ersetzt u. s. w. Dass eine grosse Menge Vögelarten der West- 
küste migratorische seien, bestätigt ganz neuerlich C. A. Gordon in Jardine's 
contributions to Ornithology 1849. Es finden sich dort sehr dankenswerthe 
Notizen über einige dreissig von Gordon um Cap-Coat beobachtete und gesammelte 
Vögel veröffentlicht. Was diese Arbeit besonders interessant macht, sind die 
darin mitgetheilten Nachrichten über die Lebensweise westafrikanischer Vögel, 
die ersten und einzigen von einiger Bedeutung, deren wir zu gedenken wüssten. 

Werfen wir schliesslich einen Blick auf die specielle Verbreitung der ein- 
zelnen Ordnungen in Westafrica. Die Raubvögel sind massig zahlreich ver- 
treten, wir begegnen unter ihnen den seltenen und interessanten Gattungen 

2 



— 10 — 

Gypohierax und Chelictinia, letztere eine dem americanischen Elanoides 
analoge Form; Die auffallend spärliche Vertretung der Geier, einer Familie, 
welche in mehrfachen Arten durch Anzahl und Grösse der Individuen eine sehr 
hervorstehende Rolle im Thierleben Afiica's ausfüllt, mag ihren Grund wohl 
hauptsächlich in dem Westafrica eigentümlichen Mangel an hochgelegenen freien 
felsigen Gebirgsparthien, so wie an sterilen Ebenen, haben, welche beide die 
Lieblingsreviere geierartiger Vögel in anderen Gegenden dieses Welttheils bilden. 

Aus der grossen Ordnung der Passeres kennt man in Westafrica an 300 Arten. 
Als characteristisch durch Artenreichthum und Farbenpracht machen sich hier 
zunächst die Gattungen Coracias, Alcedo (L.) und Merops bemerklich, 
letztere mit einzelnen Arten von wahrhaft barocker Schönheit. (M. gularis, Sh.). 
Halcyon acteon, ein z. B. um Sierra Leone nicht selten vorkommender Vogel, 
lebt zugleich häufig auf der capverdischen Insel St. Jago (Forster, Darwin, 
Bennet). Von Nectarineen besitzt Westafrica an 20 ihm eigenthümlicher 
Arten. Des merkwürdigen Vorkommens einer Pittaart, der P. angolensis, 
ist schon gedacht worden. Unter den übrigen drosselartigen Vögeln tritt die 
Gattung Trichoph orus, unter den öluscicapiden die Gattungen Muscipeta 
und Platysteira als characteristisch in den Vorgrund. Eine bemerkens- 
werthe Art aus dieser Familie ist der von Vieillot als Platy rhj nchus musicus 
beschriebene, von Lesson mit Recht zum Range einer Gattung erhobene und 
von ihm Bias benannte Vogel Angola's. Auch die durch die genera Dicrurus 
und Campephaga in Westafrica vertretenen Ampeliden haben eine ihrer präch- 
tigen und abweichenden Färbung wegen interessante Art, C. lobata, aufzu- 
weisen. Zu den Zierden der africanischen Ornithologie gehören ferner die nirgends 
artenreicher, wie an der Westküste, auftretenden Gattungen Laniarius und 
Lamprotornis. Beide haben eine Reihenfolge der schönsten Arten aufzuweisen, 
als welche man beispielsweise Lan. gutturalis, Lamprotornis ignita, 
splendida und leucogaster bezeichnen könnte. Als eine der beachtens- 
werthesten Eigentümlichkeiten der Ornithologie Westafrica's heben wir noch 
den ausserordentlichen Reichthum an finkenartigen Vögeln hervor, deren niem- 
als 80 Arten durch die genera Ploceus, Textor, Euplectes, Sycobius, 
Vidua, Nigrita, Spermospiza, Pyrenestes, Estrelda, Amadina 



— 11 — 

u. s. w. in derselben auftreten. Dazu kommt noch, dass sehr viele dieser Arten, 
z. ß. alle Ploceinen, gesellig leben und äusserst zahlreich an Individuen sind. 
Die in Süd- und Nordostafrica so artenreich vorkommenden Lerchen und 
Saxicolen *) zählen hier, was in Hinblick auf den Character der westafricanischen 
Landschaft erklärlich ist, nur sehr wenige Repraesentanten. Einer derselben, die 
kleine Lerchenform Pyrrhulau da, wiederholt sich %uf den capverdischen Inseln. 
Die letzten Glieder dieser Ordnung dürfen schliesslich um so weniger unerwähnt 
bleiben, als sie die stolzesten Zierden der Vögelwelt Africa's, die herrlichen 
Gattungen Musophaga und Corythaix, einschliessen. M. violacea ist 
einer der schönsten, C. gigantea einer der merkwürdigsten Vögel aller Zonen. 
Von den 9 Bucerosarten Westafrica's verdient der dem B. comatus Indiens 
zunächst stehende B. albocristatus Cass. besonderer Erwähnung. 

Die Scan so res sind mit etwa 40 Arten nur schwach vertreten. Schon 
Wagler hebt den auffallenden Mangel an Papageyen in Africa hervor. Von 
den 15 Arten, welche man von dem Festlande dieses Welttheils kennt, bewohnen 
nicht weniger wie 8 die Westküste. Aus der durch die genera Pogonias und 
Barbatula, einer Zwergform, vertretenen Familie der Bucconiden heben wir 
Pogonias sulcirostris als besonders characteristischen Vogel Senegambiens 
hervor. Die bis jetzt bekannten Spechte Westafrica's gehören zu den kleineren 
und mehr unscheinbaren Arten dieser Form. Die Kukuke treten mit 13 Arten 
aus den Gattungen Indicator, Centropus, Zanclostomus, Cuculus, 
Oxylophus und Chalcites auf. Eine Art dieser letzteren Gattung, Ch. 
smaragdineus, rangirt mit den schönsten Vögeln Africa's. Nur sehr wenige 
der westafricanischen Klettervögel kommen zugleich in Nordost-, noch wenigere 
zugleich in Südafrica vor. 



*) Thienemann's Bemerkung, dass die geographische Verbreitung der Gattung Saxicola 
auffallende Uebereinstimmung mit der des genus Erica unter den Pflanzen zeige (Fort- 
pflanzungsgeschichte der Vögel Heft 5 p. 23S) frappirt zwar beim ersten Anblick, ergiebt 
sich aber doch, schärfer betrachtet, als irrthümlich. Denn abgesehen davon, dass in 
Südafrica die Verbreitungscentren der Haiden und der Steinschmätzer keineswegs zu- 
sammenfallen, so lässt sich auch die sehr starke Vertretung dieser Vogelgattung in dem 
Haidearmen nordöstlichen Theilen Africa's mit solcher Ansicht nicht in Einklang bringen. 

2 ■■■ 



— 12 — 

Die Tauben form zeigt sich durch 14 Arten vertreten, der Mehrzahl nach 
den Gattungen Treron, Turtur und Peristera angehörig. Nur 5 derselben 
scheinen Westafrica eigentümlich zu sein, unter ihnen die von Weiss entdeckte 
Turtur simplex und die durch ihre dunkelblutrothe Färbung sehr auffallende 
Peristera puella, Schleg. 

Aus der Ordnung der hühn er artigen A'ögel tritt die Gattung Numida 
mit zum Theil sehr schönen und ausgezeichneten Arten, wie vulturina und 
cristata, in den Vorgrund. Eine dritte in Senegambien gewöhnlichste Art 
N. Rendallii, ist bis über die capverdischen Inseln verbreitet. An Francolinen 
und Pteroclesarten ist Westafrica arm. Wir brauchen auf die nahe liegenden 
Gründe nicht zurückzukommen. Ausschliesslich ihm eigen ist die Zwergform Orty- 
xelos. Die von Weiss auf St. Thome entdeckte Wachtelart, Coturnix his- 
trionica, dürfte sich schliesslich mit der südafricanischen C. Delegorguei 
als identisch erweisen. 

Trappen finden an der Westküste Africa's nicht ihr eigentliches Terrain. 
Die mit aufgeführte Otis Denhami kömmt wohl nur tief im Innern vor. 

Keine Ordnung ist nächst den Passeres in Westafrica so artenreich vertreten, 
wie die Stelzvögel, deren 22 ihm eigenthümlich anzugehören scheinen. Wir 
begegnen zahlreichen europäischen Arten, selbst hochnordischen, wie der Limosa 
lapponica. Unter den Charadriden fällt der schöne Cursorius chalcopterus 
auf, ebenso drei Glareolaarten. Nicht weniger wie 1 8 Reiherarten beleben die 
Fluss- und Seeufer, die Sümpfe und Salzlachen der Westküste, darunter manche 
nur hier vorkommende, wie Botaurus leucolophus, Nycticorax cucul- 
latus, Ardea Sturmii, calceolata, typhon. Neben ihnen erscheinen die 
Gattungen Mycteria, Leptoptilos, Ciconia, Platalea, Anastomas, 
Scopus, Tantalus, Ibis, letztere mit 4 Arten. Die Familie Rallidae ist 
dagegen verhältnissmässig schwach vertreten, und hat nur 2 Westafrica eigene 
Arten aufzuweisen, nämlich Corethrura pulchra und Podica senegalensis. 

Unter der auffallend geringen Anzahl entenartiger Vögel, welche man von 
der Westküste kennt, verdient Nettapus madagascariensis besondere Er- 
wähnung, ebenso die americanische Dendrocygna viduata, deren specifische 



— 13 — 

Unterscheidung als A. personata (Herz, von Würtemberg) wir nach sorgfaltiger 
Vergleichung brasilischer und senegambischer Exemplare nicht billigen können. 
Dass das wasserarme Südafrica weit mehr Entenarten aufzuweisen hat, wie das 
Fluss- und Seenreiche Gebiet der Westküste, bleibt schwer zu erklären. Doch darf 
das den Anatiden überhaupt mehr zusagende gemässigtere Clima des ersteren als 
Causalmoment gewiss nicht unberücksichtigt bleiben. Ob sich die von Swainson 
für Westafrica beschriebenen neuen Stern aarten nachträglich als solche bestä- 
tigen werden, bleibt wenigstens hinsichtlich einiger derselben zweifelhaft. Wohl 
nur zufällig wurde dort bis jetzt keine Podicepsart gefunden. 



Verzeichniss aller bisjetzt in Westafrica 
beobachteten Vögel. *) 



I. Accipitres. 

1. Neophron pileatus, Burch. — Westafrica: Catal. N. S. 
Brit. Mus. p. 8. — Ashanteegegend : Catal. Vulturid. Mus. 

Philadelph. — Cap. Coast: Fräser, Proc. 1843, p. 51. 

2. Gypohierax angolensis, Gm. — Congo: List of 
Specim. Brit. Mus. p. 8. — Fernando Po: Fräser, ibid. — 
Rio de Bontry, Guinea : Catal. Vulturid. Mus. Philad. — 
Gambia: Bowdich Excurs. p. 224. (Aquila.) 

3. Aquila naeviöides, Cüv. — Falco senegallus, N. S. 
Cüv. — F. rapax, Temm. — ListofSpec. Brit. Mus. p. II. 

Pucheran in Rev. & Mag. de Zoolog. Heft II. pag. 4. 

4. Spizaetos bellicosus, Daud. — Sierra Leone: S. 
Andr. Smith Illustr. S. Afr. Zool. IX. 

5. Spizaetos occipitalis, Daud. — Falco sene- S. 
galensis, Daud. List of Specim. Brit. Mus. p. 15. — Gambia: 

Bowdich Excurs. p. 224. 

6. Spizaetos coronatus, L. — Guinea: Barbot etc. S. 
— Gambia: Bowd. Excurs. p. 224. (Harpyia). 

7. Circaetos gallicus, Gm. — Senegal: List of N. E. 
Spec. Brit. Mus. p. 17. 

8. Baza cuculoides, Swains. West.-Afr. I. p. 104, S. (Natal). 
pl. 1. Senegal. — Aviceda Verreauxii, Lafr. (Natal). 



*) Systematik und Nomenclatur sind nacli Gray's genera of birds. N. bedeutet Nordost- 
africa ; S. Südafrica; E. Europa; N. S. und N. E. das gleichzeitige Vorkommen des 
westafricanischen Vogels im nordöstlichen und südlichen Africa, oder im nordöstlichen 
Africa und in Europa. 



— 15 — 



9. Pernis apivorus, L. — Goldküste: Mus. Lugdun. 
Schleg. Fauna Japon. Voeg. p. 24. 

10. Milvus aegyptius; Gm. — Falco parasiticus, 
Daud. — J. St. Thonie: Mus. Hamburg. — Old Calabarfluss : 
Jard. Ann. and. Mag. 17. p. 85. 

11. Elanoides Riocourii, Vieill. Senegambien. — 
Chelictinia Riocourii, Less. Echo du M. S. 1843, p. 63. 

12. Elanus melanopterus, Daud. — Gambia: List 
of Specim. Brit. Mus. p. 45. 

13. Hypotriorchis concolor, Temm. — Falcoarde- 
siacus, Vieill. — Swains. W.-Afr. I. p. 42, pl. 3. Senegambien. 

14. Hypotriorchis Chicquera, Daud. — Falco 
ruficollis, Swains. W.-Afr. 1. p. 107, pl. 2. 

15. Tinnunculus alaudarius, Briss. — F. rufes- 
cens, Swains. W.-Afr. I. p. 109. — Schleg. Fauna. Japon. 
Voeg. p. 3. Senegal: Mus. Lugdun. 

16. Melierax sphenurus, Büpp. — Accipiter bra- 
chydactylus, Swains. W.-Afr. I. p. 1 18. — Gambia: Mus. Brem. 

17. Melierax gabar, Daud. — Accip. erythrorhyn- 
chus, Sw. W.-Afr. Lp. 121. — Senegal: List of Spec. Br. 
Mus. p. 76. — Variet. nigra: Sparvius niger, Vieill. 

18. Melierax monogrammicus, Temm. — Swains. 
W.-Afr. II. p. 114, pl. 4. Senegambien. 

19. Melierax musicus, Daud. — Gambia: List of 
Specim. Brit. Mus. p. 77. 

20. Gypogeranus secretarius, Scop. — G. gam- 
bensis, Ogilby, Proceed. 1835, p. 102: Rendali. 

21. Polyboroides radiatus, Scop. — Falco gym- 
nogenys, Temm. — Gambia: Mus. Brem. — Goldküste: Andr. 
Smith Ulustr. S.-Afr. Zool. part XVIII. 

22. Athene W oo dfordii, A. Smith, Illustr. S.-Afr. 
Zool. pl. 71. — Gambia: List of Spec. Brit. Mus. p. 91. — 
Goldküste: Mus. Brem. 



N. E. 



N. S. 



N. S. 

N. (InselBorakan 
im rothen Meer.) 

S. 

N. E. 



N. S. 



S. 



N. S. 



N. 



N. S. 



N. S. 
CSchoa) 



16 



23. Athene perlata, Vieill. — Swains. W.-Afr. I. 
p. 130. Senegamhien. 

24. Athene leucopsis, nob. — Rev. Zool. 1849, 
p. 496. — J. St. Thome: Mus. Hamburg. 

25. Scops senegalensis, Swains. W.-Afr. I. p. 127. 
— Gambia: Mus. Brem. 

26. Scops leucotis, Temm. — Sw. W.-Afr. I. p. 124. 
Senegambien. 

27. Otus maculosus, Vieill. — Strix africana, 
Temm. — List of Specim. Brit. Mus. p. 106. 

28. Bubo lacteus, Temm. — Senegal: Catal. Strigin. 
Mus. Philadelph. 

29. Strix flamm ea, L. — West-Africa: List of 
Specim. Brit. Mus. p. 108. — Catal. Strigin. Mus. Philad. 

30. Strix poensis, Fräser. Proceed. 1842, p. 189: 
Fernando Po. 

II. Passeres, L. 

31. . Scotornis climacurus, Vieill. — Sw. W.-Afr. II. 
p. 66. Senegambien. — Cap Coast: Gordon. 

32. Scotornis trimaculatus, Sw. W.-Afr. II. p. 70. 

33. Macrodipteryxlongipennis, Shaw. — Swains. 
W.-Afr. II. p. 62, pl. 5. Sierra Leone: Afzel. — Gambia: 
Mus. Brem. etc. — Bonny-river: Jard.Ann. and. Mag. 17. p. 85. 

34. Cypselus ambrosiacus, Temm. — Hirundo 
riparia senegalensis, Briss. — C. parvus, Licht. — Senegal: 
Adanson. — Accra: (Goldküste) Fräs. Proceed. 1844, p. 99. — 
Cap Coast: Gordon. 

35. Cypselus abyssinicus, Licht. — Streubel, Isis 
1849, p.354. — Anamaboe (Goldküste): Mus. Hamburg. — St. 
Thome : ibid. Dieses ist sehr wahrscheinlich die von Gordon 
um Cap Coast beobachtete und von Strickland mit dem in- 
dischen C. affinis identificirte Art. 



S. 



N. S. (Fazogl.) 

N. S. 

N. S. (Fazogl.) 

E. N. S. 



N. (Sennaar.) 



N. (Sennaar.) 



N. S. 



N. 



— 17 — 

36. Acanthylis Sabinii, Gray, Griff. Anim. Kingd. II. 70. — 
Chaetura bicolor, Gray. Zool. Mise. I. p. 6. — Fernando Po: Fräs. 
Strickl. Proc. 1S44, p. 99. 

37. Hirundo rustica, L. — Old Calabarfluss : Jard. Ann. and N. E. 
Mag. 17, p. 85. 

38. Hirundo cahirica, Licht. — H. Savignyi, Leach. Congo: N. 
Tuckey Expedit. App. p. 407. 

39. Hirundo rufifrons, Vieill. Encycl.p. 524. — Gambia: Mus.Brem. S. 

40. Hirundo senegalensis, L. — Swains. W.-Afr. II. p. 72, N. 
pl. 6. — Schleg. F. Japon. Voeg. p. 33. — Senegal: Adanson. — Cap 

Coast: Gordon. 

41. Hirundo puella, Schleg. F. Japon. Voeg. p. 33: Goldküste. 

42. Hirundo leucosoma, Swains. West. - Afr. II. p. 74: 
Gambia. — Fräser, Proceed. 1843, p. 51: Accra. 

43. Eurystomus afer, Lath. — E. rubescens, Vieill. — Swains. N. 
W.-Afr. II. p. 112. Senegambien, Goldküste u. s. w. 

44. Eurystomus viridis, Wagl. spec. 5: Senegambien. 

45. Coracias garrula, L. — Junger Vogel von St. Thome im N. E. 
Hamburger Museo. „War dort gänzlich unbekannt" (Weiss). 

46. Coracias cyanogaster, Vieill. — Swains. W.-Afr. II. 
p. 108, pl. 13. — Gambia. 

47. Coracias abyssinica, Lath. — Swains. West-Afr. II. N. S. 
p. 105. — C. senegala, Lath. 

48. Coracias caudata, L. — C. angolensis, Sh. — Pucher. S. 
Rev. zool. 1845, p. 369. — C. natalensis, Licht: Angola. 

49. Coracias nuchalis, Swains. W.-Afr. II. p. 110. — Cor. N. S. 
Levaillantii, Temm. — Senegambien. 

50. Halcyon cyanoleuca, Vieill. — Martin Pecheur ä ventre 
sable, Temm. Catal. 1807, p. 215. — Angola. 

51. Halcyon cancrophaga, Lath. — Buff.Pl.enl. 334. — Senegal. 

52. Halcyon senegalensis, L. — Swains. W.-Afr. II. p. 97. — 
Ispida Senegal, major. Briss. IV. 494. — Bowdich Excurs. p. 228 (Alcedo 
Nr. 3): Senegambien. — ' Jard. Ann. and Mag. 17. p. 85: Bonny-river. 

3 



— 18 — 

53. Halcyon cinereifrons, Vieill. Enc. p. 395. — H. torquata, 
Swains : Gambia. — Bonny-river : Jard. Ann. 1 7. p. 85. — Malimbe : Periein. 

— Fernando Po: Mus. Britan. — Jlha do Principe: Mus. Hamburg. 

54. Halcyon acteon, Less. — II. rufiventer, Swains. W.-Afr. II. 
p. 101, pl. XII. — Gambia: Swains. — Sierra Leone: Mus. Brem. — 
Ins. St. Jago: Forster, Darwin etc. 

55. Halcyon variegata, Vieill. Enc. 397. — Senegambien: N. 
Mus. Brem. 

56. Ceryle maxima, Pall. — Ispida gigantea, Swains. W.-Afr. II. N. S. 
pl. XI. — Congo: Mus. Britan. 

57. Ceryle (?) tricolor, Vieill. Enc. p. 398. — Senegal: 
Collect. Eiocour. 

58. Ceryle bicincta, Swains. W.-Afr. II. p. 95. Ob nur Varietät 
von C. rudis? — Gambia: Swains. — Bonny-river: Jard. Ann. vol. 17, 
p. 85. — Fernando Po und Niger aufwärts bislddah: Fräser, Proc. 1843, 
p. 51. — Cap Coast: Gordon. 

59. Alcedo ispida, L. — Ispida senegalensis, Briss. IV. 486. E. N. 

— Senegal: Adanson. 

60. Alcedo leucogaster, Fräser, Proceed. 1843, p. 4. — Zool. 
typic. pl. 1: Fernando Po. — Kaup, Famil. der Eisvögel, p. 15. 

61. Alcedo cristata, L. — Gambia und „Salt pond near Cap S. 
Ceast": Bowd. Excurs. p. 228 (Alcedo Nr. 2). — Bonny-river: Jard. 

Ann. and Mag. 17. p. 85. 

62. Alcedo picta, Bodd. — A. ultramarina, Daud. — Halcyon 
cyanotis, Swains. W.-Afr. II. p. 103. — Todierde Juida, Buff. — Malimbe: 
Perrein. — Old Calabarfluss : Jard. Ann. 17. p. 85. — Elmina: Mus. Hamb. 

63. Alcedo caeruleocephala, Gm. — PI. enl. 356 : Guinea. — 
Ins. St. Thome: Mus. Hamburg. — Ale. cyanostigma, Rüpp. ist der 
jüngere Vogel dieser Art. 

64. Alcedo nitida, Kaup. Famil. der Eisvögel, p. 12. — Alcedo 
Nr. 4, Bowdich Excurs. p. 228. 

65. Merops apiaster, L. — Swains. West-Afr. II. p. 76. — E. N. 
Gambia: Mus. Brem. 



' 



— 19 — 

66. IVIerops Savignyi, Lev. — Swains. W.-Afr. II. p. 77, pl.7: N. 
Senegambien. — M. aegyptius, Forsk. 

67. Merops Lamarkii, Vieill. — M. viridissimus, Swains. West- N. 
Afr. II. p. 82: Senegambien. 

68. Merops albicollis, Vieill. — M. Cfivieri, Licht. — Swains. 
W.-Afr. II. p. 85: Senegal, Sierra Leone. — - Old Calabarfluss : Jard. 
Ann. and Mag. 17. p. 85. — Wineba: Mus. Hamburg. 

69. Merops Adansonii, Temm. — M. senegalensis, Shaw. — 
Westafrica? — Guepier marron et bleu du Senegal, Buff. PI. enl. 314. 

70. Meropslongicauda, Vieill. Enc. p. 393. — Malimbe: Perrein. 

71. Merops collaris, Vieill. Enc. 393. — Kittl. Kupfertaf. N^ 
Vög. t. 7, fig. 2: Senegal. 

72. Merops. nubicus, Gm. — M. caeruleocephalus, Lath. — N. 
Swains. W.-Afr. II. p. 78, pl. IX.: Senegambien. 

73. Merops hirundinaceus, Vieill. — M. chrysolaimus, Jard. — S. N. 
Gambia, Sierra Leone. 

74. Merops variegatus, Vieill. — Malimbe: Perrein. N. 

75. Merops erythropterus, Gm. — Swains. W.-Afr. II. p. 88. — N. 
Temm. Catal. 1807, p. 216. — Elmina: Mus. Hamb. 

76. Merops bicolor, Daud. — Malimbe: Perrein. — Elmina 
(Goldküste) : Mus. Hamburg. 

77. Merops Bullockii, Vieill. — M. cyanogaster, Swains. 
W.-Afr. II. p. 80, pl. 8: Senegambien. 

78. Merops gularis, Shaw. — Gray Gen. ofBirds, fig. opt. — 
fig. opt. — Sierra Leone: Afzelius. — Grand Bassa „440 lieues au sud 
du Senegal" Lesson. Descripr. de Mammif. p. 268. 

79. Merops angolensis, Lath. — Briss. Ornith IV. 588. Nach 
einem von Poivre nach der Natur gemalten Bilde beschrieben. 

80. Upupa epops, L. — Var. senegalensis, Swains. W.-Afr. II. N. 
p. 114. — Congo: Perrein. 

81. Promerops melanorhynchos, Licht. — Falcinellus sene- 
galensis, Vieill. — Swains. W.-Afr. II. p. 117. 



— 20 — 

82. Promerops aterrimus, Steph. — P. pusillus, Swains. N. S. 
W.-Afr. II. p. 120. 

83. Nectarinea senegalensis, L. — Swains. West-Afr. II. 
p. 127. — Certhia Senegal, violac. Briss. III. 660: Senegambien. — 
Jlha do Principe : Nordmann Erm. Atl. p. 6. 

84. Nectarinea chalybea, L. — Swains. W.-Afr. II. p. 132. — S. 
Elmina: Mus. Hamb. — 

85. Nectarinea cyanocephala, Vieill. — N. chloronotos, 
Swains. W.-Afr. II. p. 136, pl. 16: Gambia. — Bowd. Excurs. p. 227 
(Nect. No. 2.) — Elmina: Mus. Hamburg. — Malimbe: Perrein. 

86. Nectarinea superba, Vieill. — Cinnyris sugnimbidus, 
Less. — Malimbe: Perrein. 

87. Nectarinea splendida, Sb. — Swains. W.-Afr. II. p. 125. — 
Goldküste: Mus. Hamb. etc. — Gambia: Mus. Brem. — Jlha do Principe : 
Nordmann Erm. Atl. p. 6. — Cap Coast: Gordon. 

88. Nectarinea erythrothorax, Vieill. Enc. 594. — Angola. 

89. Nectarinea rubescens, Vieill. — N. angolensis, Less. — 
Congo. — Angola. 

90. Nectarinea cuprea, Sh. — Cinn. erythronotos, Swains. 
W.-Afr. II. p. 30, pl. XV. 

91. Nectarinea Perreinii, Vieill. — Malimbe: Penein. — 
Nicht abgebildet. 

92. Nectarinea amethystina, Sh. — N. aurifrons, Licht. — S. 
Swains. W.-Afr. II. p. 134. 

93. Nectarinea Stangerii, Jard. Illustr. of Orn. ri. ser. pl. 48. 
— Niger. 

94. Nectarinea fuliginosa, Vieill. — Jard. Monogr. pl. 14. — 
Less. Descript. de Mammif. p. 271. — Malimbe: Perrein. 

95. Nectarinea chloropygia, Jard. Illustr. of Orn, n. s. 
pl. 50. — Niger. 

96. Nectarinea obscura, Jard. Monogr. p. 253. — Fernando Po. 

97. Nectarinea Adalberti, Gerv. — N. eboensis, Thomps. — 
Jard. Illustr. n. 5. pl. 49. — Niger. (Eboe.) 



— 21 — 

98. Nectarinea venusta, Sh. — Cinnyris pusillus, Swains. 
VV.-Afr. II. p. 138. — Gambia. Sierra Leone. 

99. Nectarinea pulchella, L. — Swains. W.-Afr. II. p. 123. N. S. 
pl. XIV. — Certhia longicauda seneg. Briss. III. 645. 

100. Nectarinea melampogon, Licht. Doubl, p. 15. — 
Senegambien. 

101. Nectarinea platura, Vieill. — N. cyanopygos, Liebt. — S. 
Senegal. 

102. Nectarinea nitens, Vieill. — Malimbe: Perrein. 

103. Anthreptes Fraseri, Jard. Illustr. of Orn. n. s. pl. 53. — 
Fernando Po. 

104. Anthreptes Longnemarii, Less. — A. leueosoma. 
Swains. W.-Afr. II. pl. XVII. — Gambia. 

105. Anthreptes melasoma, Less. Rev. zool. III. p. 272. — 
Jd. Descript. de Mammif. p. 271. — Senegal. 

106. Prinia icterica, Strickl. Proceed. 1844, p. 100. — Fer- 
nando Po: Fräser. 

107. Prinia olivacea, Strickl. Proceed. 1844, p. 99. — Fernando 
Po : Fräser. 

108. Drymoica lateralis, Fräser, Ann. and Nag. XII. p. 479. — 
Cap Palmas. 

109. Drymoica Strangei, Fräs. ibid. — Accra. 

110. Drymoica uropygialis, Fräs. Zool. typic. part. III. 
pl. I. : Accra. 

• 111. Drymoica rufa, Fräs. Zool. typic. III. pl. I.: Ouorra. 

112. Drymoica mentalis, Fräs. Ann. and Mag. XII. p. 478: 
Accra. — Jard. Ornith. Contribut. 1849. part I. c. fig. 

113. Drymoica rufogularis, Fräs. Zool. typic. part. III. — 
Fernando Po. 

114. Drymoica ruficapilla, Fräs. Ann. and Mag. XII. p. 478: 
„River Nun." — St. Thome: Mus. Hamb. 

115. Drymoica superciliosa, Swains. W.-Afr. II. p. 40, pl. 2. — 
Gambia. 



— 22 — 

116. Drymoica subflava, Gm. — Figuier blond du Senegal, 
Buff. Eni. 584, f. 2. — Vaill. Ois. d'Afr. pl. 127. 

117. Drymoica undata, auct. — Figuier tachete du Senegal, 
Buff. Eni. 582, fig. 2. 

118. Drymoica (?) fuscata, Gm. — Figuier brun du Senegal, 
Buff. Eni. 584, fig. 1. 

119. Sylvia prasinopyga, Licht. — Keyserl. Blas. Wirb. I. 
p. LVI. — Ob identisch mit S. Bonellii? — Senegambien. 

120. Sylvia flavescens, Lath. — Figuier ä ventre jaune du 
Senegal, Buff. Eni. 582, f. 3. — Burton Catal. Chat. Collect, p. 20. 

121. Sylvia senegalensis, Bodd. — S. rufigastra, Lath. — Buff. 
Eni. 582, f. 1. 

122. Sylvia badiceps,Fraser,Proceed.l842,p.l44. — FernandoPo. 

123. Sylvia (?) superciliaris, Fräs. — Sylvicola superc. 
Fräs. Annais and 31ag. 12, p. 440, — Fernando Po. 

124. Sylvietta brachyura, Lafren. Rev. zool. II. p. 257. — 
Senegambien. 

125. Sylvietta lutescens, Less. — Descript. de Mammif. 
p. 298. — Gambia. — Echo du IM. S. 1844, p. 233. 

126. Saxicola sp. Eine grosse schwarze Saxicola mit weissem 
Schulterfleck vom Gambia sah ich im Leidner Museum. 

127. Pratincola rubicola, L. — Swains. W.-Afr. II. p. 45.— N.S.E. 
Senegambien. 

128. Pratincola fervida, Gm. — Traquet du Senegal, Buff. 
Eni. 583, f. 1. — Rubetra Senegal. Briss. III. 441. (Adanson). 

129. Pratincola leucorhoa, Gm. — Buff. Eni. 583. fig. 2. — 
Lesson. Traite d'Orn. p. 413. 

130. Thamnobia frontalis, Swains. W.-Afr. II. p. 46. — 
Rüpp. System. Uebers. pl. 17. — Gambia. 

131. Parus leucopterus, Swains. W.-Afr. II. p. 43. — Lafren. 
Rev. zool. 1840, p. 70. — Gambia. 

132. Zosterops citrina, nob. — Z. flava. Swains. West-Afr. II. S. 
p. 43, pl. 3: Senegal. — Südafrica: Catal. Collect. Fort Pitt. 






— 23 — 

133. Zosterops lugubris, nob. Rev. zool. 1848, p. 108. — ■ 
Ins. St. Thome: Mus. Hamburg. 

134. Motacilla flava, L. — Gambia: Mus. Brem. — Goldküste: E.N.S. 
Mus. Hamburg. 

135. Motacilla guiaris, Swains. West-Afr. II. p. 38. Senegal. 

136. Anthus Gouldii, Fräser, Proceed. lS43.,p. 27. — FernandoPo. 

137. Macronyx croceus, Vieill. — M. flavigaster. Swains. 
W.-Afr. I. p. 215. — Jard. Illustr. n. s. pl. 22. Galam, Goldküste, u. s. w. 

13S. Pitta angolensis, Vieill. — P. pulih, Fräser, Proc. 1842, 
p. 190. — Port Lokkoh, Sierra Leone. — Desm. Iconogr. Orn. t. 46. 

139. Argya erythroptera, Gm. — Le Podobe du Senegal, N. 
Buff. Eni. 354. 

140. Argya luctuosa, Lafren. — Senegambien. Fide Less. 

141. Turdus olivaceofuscus, n. Jüngerer Vogel (?) St. Tbome: 
Mus. Hamburg. 

142. Cossypha albicapilla, Vieill. — Petrocincla leucoceps, 
Swains. W.-Afr. I. p. 282. — Senegambien. — Cap Coast: Gordon. 

143. Cossypha verticalis, nob. — Petrocincla albicapilla, 
Swains. W.-Afr. I. p. 284, pl. 32. — Elmina: Mus. Hamburg. 

144. Cossypha poensis, Fräser. — Strickland, Proceed. 1S44, 
p. 100. — Fernando Fo. 

145. Crateropus Reinwardtii, Swains. W.-Afr. II. p. 276. — 
Jd. Zool. Illustr. pl. 80. 

146. Crateropus platycercus, Swains. W.-Afr. I. p. 274. — 
Accra: Mus. Hamburg. 

147. Crateropus atripennis, Swains. W.-Afr. I. p. 278. — 
Less. Descript. de Mammif. p. 298: Gambia. 

148. Crateropus atriceps, Less. — C. oriolides, Swains. 
W.-Afr. I. p. 280, pl. 31. 

149. Oriolus auratus, Vieill. — O bicolor, Temm. Catal. System. S. 
1807, p. 202. — Swains. W.-Afr. II. p. 33. 

150. Oriolus larvatus, Licht. — O capensis, Swains. West- 
Afr. II. p. 37. 



— 24 — 

151. Oriolus brachyrhy nchus, Swains. West-Afr. II. p. 39. — 
Sierra Leone. 

152. Oriolus intermedius, Temm. Mus. Lugdun: Goldküste. 

153. Tricliophorus barbatus, Temm. — T. strigilatus, Swains. 
W.-Afr. I. p. 267: Sierra Leone. 

154. Tricliophorus olivaceus, Swains. W.-Afr. I. p. 264. — 
T. mentalis, Temm. Mus. Lugd. — Gambia: Mus. Brem. 

155. Tricliophorus icterinus, Temm. Mus. Lugdun.: W.Afr. 

156. Tricliophorus gularis, Swains. W.-Afr. I. p. 266. Ob 
identisch mit T. tephrogenys, Jard.? 

157. Tricliophorus chloris, Valenc. Galani. — Dict. des Sc. 
natur. vol. 40, p. 266. 

158. Trichoph orus poliocephalus. Temm. Mus. Lugd.: W.Afr. 

159. Tricliophorus canicapillus, nob. n. sp. — Brimstone 
bellied thrush, Lath. Gen. Hist. V. 103. — Sierra Leone. Mus. Brem. 

160. Dasycephala syndactyla, Swains. W.-Afr. I. p. 261: 
Sierra Leone.: 

161. Ixos inornatus, Fräs. Proceed. 1843, p. 27: Cap Coast. 

162. Ixos flavicollis, Sw. W.-Afr. I. p. 259. 

163. Phyllastrephus lugubris, Bodd. — Merula senegalensis, 
Briss. — PI. enl. 563, fig. 2. 

164. Phyllastrephus scandens, Sw. W.-Afr. I. p. 270, pl. 30. 

165. Andropadus latirostris, Strickl. Proc. 1844, p. 100: 
Fernando Po. 

166. Andropadus gracilirostris, Strickl. Proc 1844, p. 100: 
Fernando Po. 

167. Platysteira melanoptera, Gm. — P. lobata, Swains. 
W.-Afr. II. p. 49. — Muscic. Senegal, torquata, Briss. (Adanson). — 
Elmina: Mus. Hamburg. — Cap Coast: Gordon. 

168. Platysteira senegalensis, L. — PI. enl. 567, fig. I u. 2. — N. 
Senegal: Adanson. 

169. Platysteira castanea, Fräser, Zool. typic. part. V. — 
Fernando Po. — Proceed. 1842, p. 141. 









— 25 — 

170. Platysteira leucopygialis, Fräs. ibid. — Fernando Po. 

171. Muscipeta rufiventris, Swains. W.-Afr. II. p. 53, pl. IV. — 
Tchitrea Casamansae, Less. Rev. zool. I. p. 277. 3 ad. — Id. Descript. 
de Mammif. p. 223. — Senegambien. 

172. Muscipeta melanogastra, Swains. W.-Afr. II. p. 55. — N. 
Senegambien. 

173. Muscipeta senegalensis, Less. Rev. zool. 1838, p. 279. — 
Id. Annal. des Sc. nat. IX. 173. — Goldküste: Mus. Urem. 

174. Muscipeta atrochalybea, Thomps. Ann. and Magaz. n. s. 
No. 64, p. 204. — Fernando Po : Fräser. — St. Thome : Mus. Hamburg. 

175. Muscipeta tricolor, Fräs. Ann. and Mag. 12. p. 441. — 
Proceed. 1843, p. 3. — Fernando Po. 

176. Muscipeta Smithii, Fräser, Proceed. 1843,p. 16. — W.-Afr. 

177. Muscipeta cristata, Gm. — Muscic. Senegal, cristata, 
Briss. (Adanson). 

178. Muscipeta laticauda, Swains. Flycatch. p. 210, pl. 25; 
(irrthümlich als Myiagra.) — Elmina : Mus. Hamb. — Sierra Leone : Mus.Brem. 

179. Bias musica, Vieill. Encycl. p. 845. — Myiagra flavipes, 
Swains. Flycatch. p. 255, 20S. — Congo: Perrein. 

180. Muscicapa Fraseri, Strickl. Proceed. 1844, p. 102. — 
Fernando Po. 

181. Muscicapa grisola, L. — Swains. West-Air. II. p. 52. E. N. 

182. Muscicapa picata, Swains. Flycatch. p. 254. — West-Africa. 

183. Muscicapa flavigastra, Swains. W.-Afr. II. p. 47. — 
Id. Flycatch. pl. 28. CHyliota). — Senegambien. 

1S4. Campephaga lobata, Temm. PI. col. 279 und 280. — 
Sierra Leone und Guinea. 

185. Campephaga phoenicea, Lath. — Swains. W.-Afr. I. N. S. 
p. 252, pl. 27 und 28. — Elmina: Mus. Hamb. 

186. Ceblepyris pectoralis, Swains. West-Afr. I. p. 249. — N. 
Pycnonotus niveoventer, Less. Gambia. — Sierra Leone: Jardine. 

187. Melaenornis edolioides, Swains. West-Afr. II. pl. 29. — N. 
Argya edolioides, Lafren. — Mus. Brem. Gambia. 

4 



— 26 — 

188. Dicrurus musicus, Vieill. Enc. 752. Ob wirklich auch am S. 
Senegal vorkommend ? 

189. Dicrurus lugubris, Ehrenb. — D. canipennis, Swains. N. 
W.-Afr. I. p. 254. 

190. Dicrurus atripennis, Swains. W.-Afr. I. p. 256. 

191. Dicrurus modestus, nob. Rev. et Mag. I. p. 495. — Jlha 
do Principe: Mus. Hamburg. 

192. Tephrodornis ocreatus, Strickl. Proceed. 1S44, p. 102. — 
Fernando Po: Fräser. 

193. Corvinella corvina, Shaw. — Swains. W.-Afr.I. p. 233.— S. 
Senegambien, Goldküste, Angola. 

194. Lau i us rufus, Briss. — Swains. W.-Afr. I. p. 231. — N.S.E. 
Senegal. 4 Exempl. im Leidner Museo: Schleg. Kritisch. Uebers. p. 44. — 
Goldküste : Mus. Brem. 

195. Lanius rutilans, Temm. — PI. enl. 477, fig. 2. — Senegal: 
Lichtenst. Doubl, p. 47. — Nach Schlegel nur Varietät von L. rufus. 

196. Lanius Smithii, Fräser, Proceed. 1843, p. 16. — CapCoast: 
Gordon. 

197. Lanius (?) acuticaudatus, Vieill. Encyl.p. 729. — Senegal: 
Collect. Fiocour. 

198. Prionops plumatus, Shaw. — Swains. West - Afr. I. 
p. 246, pl. 26. 

199. Telephorus senegalus, L. — Lanius Senegal, cinereus, 
Briss. Orn. .II. t. 17, fig. 1. (Adanson) — Elmina: Mus. Hamb. 

200. Telephorus erythropterus, Sil. — Swains. W.-Afr. I. 
p. 235. — PI. enl. 479, fig. 1. — Schleg. Kritisch. Uebers. p. 47. (Lokal- 
raoe des T. tschagra). 

201. Telephorus longirostris, Swains. Anim. in Menag. p. 282. S. 
Auch in West-Africa: Burt. Catal. Collect. Fort Pitt. p. 11. 

202. Laniarius major, nob. — Telephonus major, nob. Rev. 
zool. 1848, p. 108. — Elmina: Mus. Hamburg. 

203. Laniarius leucorhynchus, nob. — Telephonus leucorh. 
nob. Rev. zool. 1848, p. 10S. — Elmina: Mus. Hamburg. 



— 27 — 

204. Laniarius barbarus, L. — Swains. W.-Afr. I. pl. 24. — 
Senegal bis Goldküste. — Cap Coast: Gordon. 

205. Laniarius icterus, Cüv. — L. olivaceus, Vieill. — Swains. N. 
West-Afr. I. p. 237, pl. 22. 

206. Laniarius hypopyrrhus, nob. Catal. JMus. Brem. p. 61. — 
Gambia: Mus. Brem. 

207. Laniarius cruentus, Less. — Centur. zool. pl. 65. — Jd. 
Zool. de Belanger. p. 256. — Cap Coast. 

20S. Laniarius gutturalis, Daud. — L. viridis Vieill. — Malimbe: S. o. 
Perrein. — Sierra Leone: Afzelius. (Natal.) 

209. Laniarius superciliosus, Swains. W.-Afr. I. p. 239. 

210. Laniarius chrysogaster, Sw. W.-Afr. I.pl. 244, pl. 25. Mala- 
conotus aurantiopectus,Less. — Gambia: Mus. Brem. — Cap Coast: Gordon. 

211. Laniarius gambensis, Licht. — Malacon. mollissimus, 
Swains. W.-Afr. I. p. 240, pl. 23. — Elmina: Mus. Hamburg. 

212. Chaunonotus Sabinii, J. E. Gray, Zool. Mise. p. 6. — 
Jard. Selb. Illustr. n. s- pl. 27. — Sierra Leone. 

213. Ptilostomus senegalensis, L. — Swains. West-Afr. I. N. S. 
p. 135. — Pt. poecilorhyncbus, Wagl. — Briss II. p. 40. 

214. Corvus leueonotus, Swains. West-Afr. I. p. 133, pl. 5: 
Senegambien. — Cap Coast: Gordon. 

215. Picathartes gymno cephalus, Temm. PI. col. 327. — 
Sierra Leone: Mus. Lugdun., Britann., Leadbeat. 

216. Lamprotornis aenea, Gm. — L. longicauda, Swains. N. S. 
West-Afr. I. p. 148: Senegambien. — Jlha do Principe: Erm. Atl. 

217. Lamprotornis splendida, Vieill. Enc. 653. — L. ebry- 
sonotis, Swains. West-Afr. I. p. 143, pl. 6. — Malimbe: Perrein. — 
Gambia: Swains. — Fernando Po: Fräs. Proceed. 1843, p. 57. 

218. Lamprotornis ignita, Nordmann. Erm. Atl. p. 7, tab. 3. — 
Gray Gen. of Birds, fig. opt. — Jlha do Principe: Mus. Hamburg. 

219. Lamprotornis aurata, auet. Merle violet de Juida, BufF. S. 
— Couigniop, Levaill. — L. lucida, Nordm. — L. ptilonorhyncha, 
Swains. West-Afr. I. p. 140. — Senegambien, Goldküste. 

4 •■• 



— 28 — 

220. Lamprotornis nitens, auct. — Meile vert d'Angola, Cuft'. — N. 
Choucädor, Levaill. — Senegambien. 

221. Lamprotornis chalcura, Nordm. — L. cyanotis, Swains. 
West-Afr. I. p. 146. Senegal. 

222. Lamprotornis melanogaster, Swains. Anim. in Men. 
p. 297. Senegal. 

223. Lamprotornis chloroptera, Swains. Anim. in Men. 
p. 359. West-Africa. 

224. Lamprotornis rufiventris, Rüpp. — Swains. W.-Afr. I. N. 
p. 151. — Burt. Catal. Coli. Fort Pitt: West-Africa. 

225. Lamprotornis leucogaster, Gm. — Swains. W.-Afr. I. N. 
p. 152, pl. 8. — Meile de Juida, Buff. — Lanius No. 1. Bowd. 
Excurs. p. 224. — Gambia, Goldküste. 

226. Onychognathus fulgidus, nob. Rev. et Mag. I. p. 494^ 
pl. 14, fig. 2 und 3. — St. Thome: Mus. Hamburg. 

227. Buphaga africana, auct. — Swains. W.-Afr. II. p. 200. S. 

228. Textor alecto, Temm. — Dertroides albirostris, Swains. N. 
West-Afr. I. 163. Galam, Gambia. 

229. Ploceus grandis, Gray. Gen. of birds. — P. collaris, 
Fräser. Proceed. 1842, p. 142. — St. Thome: Mus. Hamburg. 

230. Ploceus textor, Gm. — Swains. W.-Afr. I. p. 167. — 
Fringilla senegalens. Briss. (Adanson) — Senegambien, Cap Coast, 
Cap Palmas, Goldküste, Fernando Po, Angola. 

231. Ploceus velatus, Vieill. Encl. p. 702. — West-Africa. 

232. Ploceus capitalis, Lath. — Licht. Doubl. No. 236. — 
Senegambien. 

233. Ploceus spilonotus, Vig. — P. flaviceps, Swains. West- S. 
Afr. II. p. 259, pl. 32. 

234. Ploceus melanops, Temm. — Mus. Lugd. — Sierra Leone. 

235. Ploceus tricolor, Temm. — Mus. Lugdun. — Senegal. 

236. Ploceus brachypterus, Swains. West-Afr. I. p. 168. 
pl. 10. — Fräser, Proceed. 1843, p. 52. — Gambia, Fernando Po. 



— 29 — 

237. Ploceus cucullatus, Swains. West-Afr. II. p. 261. — 
Jd. Menag. p. 308. — Senegambien. 

238. Ploceus personatus, Swains. Anim. in Menag. p. 306. — 
Fräser Proceed. 1843, p. 52: Cap Coast. — Jardine contribut. to 
Ornith. 1849, fig. m. et fem. 

239. Ploeeus flavocapillus, Vieill. Enc. 698. — Congo et 
Cacongo: Perrein. 

240. Ploeeus collaris, Vieill. Enc. 699. Senegal.— Malimbe: 
Perrein. 

241. Ploceus vitellinus, Licht. Doubl. Nr. 237. — Senegambien. 

242. Ploceus ruficeps, Swains. W.-Afr. II. p. 262, — Jd Anim. 
in Menag. p. 308. — Senegambien. 

243. Ploceus aureoflavus, A. Smith, Illustr. S.-Afr. Zool. — 
Sierra Leone. 

244. Ploceus flavigula, nob. Rev. zool. 1845, p. 406. — Accra: 
Mus. Brem. 

245. Ploceus melanotis, Lafren. Rev. zool. 1839,p.20. — Jd.Mag. 
de Zool. 1839, Ois. pl. 7. — Lesson Descript. p. 334. — Senegambien. 

246. Ploceus castaneofuscus, Less. Rev. zool. 1S40, p. 99. — 
Casamansefluss, Senegambien. 

247. Ploceus isabellinus, Less. Rev. zool. 1840, p. 216. — 
Sierra Leone. ' 

248. Ploceus modestus, nob. Rev. zool. 1845, p.406. — P. flavo- 
viridis, Rüpp. — Accra : Mus. Brem. 

249. Euplectes luteolus, Licht. Doubl, p. 23. — Senegambien. 

250. Euplectes jon quillaceus, Vieill. Encycl.p. 700. Angola. — 
Le Republicain ä ventre et gorge jaune, Temm. Catal. system. 1807. p. 234. 

251. Euplectes afer, Gm. — E. melanogaster (Lath.) Swains. 
West-Afr. I. p. 182. 

252. Euplectes ranunculaceus, Licht. — Le Worabe, Vieill. 
Ois. chant. pl. 28. — Senegambien. 

253. Euplectes aureus, Vieill. — E. aurinotus, Swains. Menag. 
p. 310. — Benguela. 



— 30 — 

254. Euplectes rufovelatus, Fräser Proceed. 1842, p, 42. — 
Jd. Zool. typic. part. IX. — Fernando Po. 

255. Euplectes flammiceps, Swains. W.-Afr. I. p. 186, pl. 13. N. 
Senegambien. — Cap Coast: Gordon. 

256. Euplectes franciscanus, Isert. — E. ignicolor. Vieill. N. 
Swains. W.-Afr. I. p. 184. — Le Cardinalin. Temm. Catal. 1S07. — 

Cap Coast: Gordon. 

257. Euplectes oryx, L. — Swains. W.-Afr. 1.187 —Cap Coast: S. 
Fräser. — Elmina : Mus. Hamb. 

258. Euplectes erythrops, nob. Rev. zool. XI. p. 109. — Insel 
St. Thome: Mus. Hamb. 

259. Euplectes sanguinirostris, L. — Swains. W.-Afr. I.p. 188. 
— Passer senegalens. erythrorhynchus, Briss. (Adanson) — Senegambien. 

260. Sycobius aurantius, Vieill. — Swains. Anim. in Menag. S. 
p. 306. — Congo et Cacongo: Perrein. 

261. Sycobius chrysomus, Swains. W.-Afr. II. p. 170 (Sym- 
plectes.) — Eupodes xanthosomus, Jard. Jll. n. s. pl. — Sierra Leone, Senegal. 

262. Sycobius cristatus, Vieill. Enc.700. — Ploceus malimbicus, 
Steph. — Swains. Menag. p. 305. — Le Republicain ä capuchon ecarlate, 
Temm. Catal. 1807, p. 234. — Congo: Perrein. 

263. Sycobius rubricollis, Swains. — P. cristatus, P Vieill. — 
Swains. Menag. 306. 

264. Sycobius nitens, J. E. Gray Zool. Mise I. p. 6. — Gray, 
Gen. of birds. fig. opt. — West-Africa: Sabine. 

265. Sycobius collaris, J. E. Gray Zool. Mise. I. p. 6. — 
West-Africa: Sabine. 

266. Sycobius scutatus, Cassin, Proceed. Acad. Philadelph. 
1848, p. 67. — West-Africa. 

267. Sycobius nigricollis, Vieill. Enc. 699. — Malimbe: Perrein. 

268. Sycobius nigerrimus, Vieill. Enc. 700. — Ploceus niger, 
Swains. Menag. p. 306. — Malimbe: Perrein. 

269. Sycobius St. Thomae, nob. Rev. zool. XI. p. 109. — St. 
Thome: Mus. Hamburg. 



— 31 — 

270. Nigrita canicapilla, Strickl. Proceed. 1842, p. 145. — 
Fräser, Zool. typic. part. IX: Fernando Po. 

271. Nigrita fusconotos, Strickl. ibid. — Fräser, Zool. typic. 
part. VIII: Fernando Po. 

272. Vidua ardens, Bodd. — V. rubritorques, Swains. W.-Afr. I. S. 
p. 174: Senegambien. 

273. Vidua longicauda, Latb. — V. chrysonotos, Swains. N. 
W.-Afr. Lp. 178. — Gambia, Accra, Cap Palmas : Fräs. — CapCoast: Gordon. 

274. Vidua paradisea, L. — Swains. W.-Afr.I.p. 172, pl. 11. — N. 
Vidua: Briss. Orn. III. p. 120. (Angola). 

275. Vidua principalis, L. — V. erythrorbynchos, Swains. N. 
W.-Afr. I. p. 176, pl. 12: Senegambien, Angola, Accra, Cap Palmas: 
Fräser. — Cap Coast: Gordon. 

276. Spermospiza baematina, Vieill. — Spermophaga cyano- 
rbynchos, Swains. W.-Afr. I. p. 164. — Jard. Illustr. n. s. pl. XL — 
Malimbe: Perrein. — Goldküste: Mus. Brem. (Loxia guttata Vieill. ist £>) 
— Cap Coast: Gordon. 

277. Pyrenestes ostrina, Vieill. — P. sanguinea, Swains. 
W.-Afr. I. pl. 9 : Sierra Leone. 

278. Pyrenestes coccinea, Cassin, Proceed. Academ. Phila- 
delph. 1848, p. 67. — Sierra Leone: Monrovia. 

279. Coccothraustes olivaceus, Fräs. Proceed. 1842, p. 144. — 
Jd. Zool. typic. part. X. — Fernando Po. 

280. Estrelda sanguinolenta, Temm. — Swains. W.-Afr. I. N. 
p. 190: Gambia. 

281. Estrelda benghalus, L. — E.phoenicotis, Swains. W.-Afr. I. 
p. 192, pl. XIV. — Fringilla angolensis, L. 

282. Estrelda melanogastra, Swains. W.-Afr. Lp: 194: Gambia. 

283. Estrelda caerulescens, Vieill. Enc. 9S6. — Swains. N. 
W.-Afr. Lp. 195. 

284. Estrelda rubriventris, Vieill. Ois. cbant.pl. 13. — Fringilla 
troglodytes, Licht. Doubl, p. 26. — Senegambien. 

285. Estrelda Dufresnii, Vieill. Encycl. p. 989. — West-Afr. 



— 32 — 

286. Estrelda rufopicta, Fräser, Proceed. 1S43, p. 27. — Jd. 
Zoolog, typic. part. IX. — Cap Coast. 

287. Estrelda subflava, Vieill. Encycl. p. 992. — Senegal: 
Collect. Riocour. 

288. Estrelda versicolor, Vieill. Enc. p. 991. — Senegal: 
Collect. Baillon. 

289. Estrelda minima, Vieill. Enc. p. 992. — Senegal. N. 

290. Estrelda atricollis, Vieill. Enc 990. — Senegal: Collect. N. 
Baillon. — Fr. multizona, Temm. 

291. Estrelda frontalis, Vieill. Enc. 990. — Senegal. N. 

292. E s t r e 1 d a v i r i d i s, Vieill. Enc. 988.— Ois. chant.pl.4.— W.-Afr. 

293. Estrelda Perreinii, Vieill. Enc. p. 988.— Malimbe: Perrein. 

294. Estrelda melpoda, Vieill. Enc. p. 987. — Senegambien, 
Goldküste. 

295. Estrelda cinerea, Vieill. Enc. 986. — Ois. chant. pl. 6. — N. 
Gambia , Goldküste. 

296. Estrelda phoenicoptera, Svvains. W.-Afr. I. p. 203. — 
E. erythropteron , Lesson Echo du M. S. 1845, p. 295. 

297. Estrelda elegans, Lath. PI. enl. 203. 1. — E. speciosa, N. 
(Bodd.) Gray. Senegal? 

298. Estrelda bicolor, nob. — Pytelia bicolor, nob. Catal. 
Mus. Brem. p. 76. — Goldküste. 

299. Estrelda musica, Vieill. Ois. chant. pl. 11. Niger? 

300. Amadina fasciata, Gm. — Swains. W.-Afr. I. p. 197. — N. 
Fring. detruncata, Licht. 

301. Amadina poensis, Fräser, Proceed. 1842, p. 145. — 
Jd. Zoolog, typic. part. IV. — Fernando Po. 

302. Amadina Bicolor, Fräser, Proceed. 1842, p. 145. — 
Jd. Zoolog, typic. part. IV. — Cap Palmas. 

303. Amadina nitens, L. — Swains. W.-Afr. I.p. 199. — W.-Afr. N. 

304. Amadina cantaus, Gm. — Vieill. Ois. chant.pl. 57. — Senegal. N. 

305. Amadina cucullata, Swains. — Spermestes cucullata, 
Swains. West-Afr. I. p. 201. — Loxia prasipteron, Less. Rev. zool. II. 
104. — Sierra Leone, Senegal: Less. — St. Thome: Mus. Hamburg. 



— 33 — 

306. Amadina (?) nigra, Vieill. Enc. 1015. — Bouvreuil noir 
d'Afrique, Briss. III. 317. — Loxia panicivora, L. 

307. Passer simplex, Swains. W.-Afr. I. p. 208. — Senegam- 
bien. — Cap Coast: Gordon. 

308. Plocepasser superciliosus, Rüpp. Swains. W.-Afr. I. N. 
p. 209. (Agrophilus.) 

309. Fringillaria flaviventris, Vieill. — F. capensis, Swains. 
West.-Afr. I. p. 211, gl. XVIII. — PI. enl. 664, fig. 2. 

310. Alauda senegalensis, Gm. — Briss. Orn. III. t. 19. 
(Adanson). — PL enl. 504, f. 1. — Anthus seneg. Burt. Chath. Collect, p. 20. 

311. Pyrrhulauda leucotis, Stanl. — Alauda melanocephala, N. S. 
Licht. — Smith, Illustr. S.-Afr. Zool. Birds. pl. 26. 

312. Miraffra senegalensis, (Vieill.) Burt. Catal. Chath. 
Collect, p. 21. West-Africa. 

313. Certhilauda nivosa, Swains. West-Afr. I. p. 213. 

314. Crithagra chrysopyga, Swains. West-Afr. 1. p. 206. 
pl. XVII. Senegamhien. — Cap Coast: Gordon. 

315. Crithagra angolensis, Gm. — Edwards, Birds. pl. 129. 

316. Colius macrourus, L. — C. senegalensis, Gm. — Briss. III. N. 
p. 306 (Adanson.) — PL enl. 282, fig. 2. — Gray Gen. fig. opt. 

317. Colius nigricollis, Vieill. Enc. p. 865. — Temm. Catal. 
syst. 1807, p. 228. — Levaill. Ois. d'Afr. pl. 259. Angola. 

318. Musophaga violacea, Isert. — Swains. W.-Afr. I. p. 218, 
pl. XIX. — Gambia, Goldküste. 

319. Corythaix Buffonii, Vieill. — C. senegalensis, Swains. 
W.-Afr. I. p. 225, pl. XXI. — Senegambien, Fernando Po. — Elmina: 
Mus. Hamb. — Cap Coast: Gordon. 

320. Corythaix paulina, Temm. — C. erythrolophus, Vieill. 
Swains. W.-Afr. I. p. 228. — Bowd. Excurs. p. 229: Sierra Leone. 

321. Corythaix gigantea, Vieill. — Levaill. Prom. et Guepiers, 
pl. 19. — Less. Compl. VII. 528. — Fernando Po: Fräser.— Goldküste 
Mus. Lugdun. 



— 34 — 

322. Schizorhis africana, Lath. — Musophaga variegata, 
Vieill. — Swains. W.-Afr. I. p. 223, pl. XX. 

323. Buceros coronatus, Sh. — Swains. W.-Afr. II. p. 257. — S. 
Vaill. Ois. d'Afr. pl. 234. 

324. Buceros fasciatus, Sh. — B. melanoleucus, Vieill. — Lev. 
Ois. d'Afr. 232. Angola, Congo: Tuckey Exped. p. 407. — Gambia: 
Mus. Brem. — Goldkiiste, Old Calabarfluss j .lard. Ann. 17. p. 85. 

325. Buceros nasutus, auct. — Levaill. p. 236. — Hydrocorax 
Senegal, melanorhynchus, Briss. (Adanson.) 

326. Buceros ery throrhy nchus, Briss. — PI. enl. 260. — 
Hydrocor. Senegal, erytbrorhynehus, Briss. (Adanson.) 

327. Buceros poecilorhynchus, Lafren. Kev. zool. II. p. 257. 
— Senegambien. Ob Altersstufe von B. nasutus? 

32S. Buceros albocristatus, Cassin, Journ. Acad. Nat. Sc. of 
Philadelph. new. ser. I. p. 135, pl. 15. „St. Paulsriver:" Sierra Leone. 

329. 15 uc er os elatus, Temm. — ibid. Descript. Sierra Leone. 

330. Buceros atratus, Temm. PI. col. 558.— Ashanteegegend. 

331. Buceros cylindricus, Temm. cranium : PI. col. — 
Ashanteegegend. 

III. Scansores. 

332. Palaeornis torquatus, Briss. — P. cubicularis, Wagl. — N. 
Swains. West-Afr. II. p. 174. — Denh. Clappert. Voy. p. 196. 

333. Psitta.cus erithacus, L. — PI. enl. 311. — Denh. 
Clappert. Voy. p. 196. — Westküste. 

334. Psittacus senegalus, L. — Levaill. Perr. p. 116. — 
Swains. West-Afr. II. p. 176. — Psittacula Senegal. Briss. IV. 400. 

335. Psittacus timneh, Fräser, Proceed. 1844, p. 38. „Timneh 
country" Sierra Leone. 

336. Psittacus Rüppellii, Gray, Proceed. 1848, p. 125, 
pl. 5. — Nunezfluss. 

337. Psittacus pachyrhynchus, nob. — System. -Verzeich. 
Brem. Samml. p. 88. — Gambia. 

338. Psittacus Guilielmi, Jard. Contribut. IV. 1849. — Congo. 



— 35 — 

339. Psittacula pullaria, L. — Psittacula guineensis, Briss. — 
Golclküste, Cap Coast u. s. vv. — St. Thome: Mus. Hamburg. 

340. Pogonias sulcirostris, Leach. — Swains. West-Afr. II. 
p. 166. — Senegambien. 

341. Pogonias Saltii, Stanley. — P. rubrifrons, Swains. West- 
Afr. II. p, 170. — Sierra Leone. 

342. Pogonias Vieillotii, Leach. — P. senegalensis, Licht. — N. 
Swains. W.-Afr. II. p. 168. — Senegambien, Sierra Leone, Golclküste. — 

Jlha do Principe: Erm. Atl. p. 1. 

343. Pogonias hirsutus, Swains. West-Afr. II. p. 172. — 
Jd. Zool. Illustr. II. pl. 72. — Sierra Leone. 

344. Bucco subsulphureus, Fräser, Proceed. 1843, p. 3. — 
Jd. Zool. typic. part XI. — Fernando Po. 

345. Bucco ery thronotos, Cüv. — B. atroflavus, Blum. — 
Levaill. Barb. pl. 57. — Guinea. 

346. Bucco chrysoconus, Temm. — PI. col. 536, fig. 1. — N. 
Galam , Senegambien. 

347. Picus (?) obsoletus, Wagl. Isis 1830, p. 510. — 
Senegambien. 

348. Dendrobates immaculatus, Swains. W.-Afr. II. p. 152. 

349. Dendrobates poiocephalus, Swains. W.-Afr. II. p. 154. N. 

350. Dendrobates africanus, J. E. Gray. Zool. Mise. I. p. 18. — 
West-Africa: Capt. Sabine. 

351. Dendrobates olivaceus, J. E. Gray, Zool. Mise. I. p. 18. — 
West-Africa: Capt. Sabine. 

352. Dendrobates goertan, Gm. — Pl.enl.320. — Senegambien, 

353. Dendrobates senegalensis, Lath. — PI. enl. 345, fig. 3. 
Mus. Paris. 

354. Dendrobates minutus, Temm. PI. col. 197, fig. 2. 
Senegal, Guinea. 

355. Campethera chrysura, Swains. West-Afr. II. p. 158. 
(Dendromus.) 



— 36 — 

356. Campethera nivosa, Swains.W.-Afr. II.p.l62.(l)endroinus.) 

357. Campethera brachyrh yn clia, Svvains. W.-Afr. II. p. 160. 
(Dendromus.) 

35S. Campethera nubica, Bodd. — Picus punctatus, Cüv. — 
Swains. W.-Afr. II. p. 163. 

359. Indicator albirostris, Temm. — J. leucotis, Swains. 
W.-Afr. II. p. 193. Senegambien. — J. flavicollis, Swains. ibid. 

360. Indicator minor, Cüv. — Swains. West-Afr. II. p. 196. — N. S. 
PL col. 542, fig. 2. 

361. Centropus senegalensis, L. — Briss. Orn. IV. 120. N. 
(Adanson.) — Swains. W.-Afr. II. p. 185, pl. XIX. — Senegal, Goldküste, 

Cap Palmas. — Cap Coast: Gordon. 

362. Zanclostomus aureus, Vieill. Enc. p. 1333. — Vaill. Ois. 
d'Afr. pl. 215. — Coucou gris bronce, Temm. Catal. syst. 1807, 
p. 207. — Malimbe: Perrein. 

363. Zanclostomus flavirostris, Swains. W.-Afr. II. p. 183, 
pl. XIX. Gambia. — Fernando Po: Fräser, Proceed. 1843, p. 51. — 
Goldküste: Mus. Brem. 

364. Cuculus nigricans, Swains. West-Afr. IL p. 180. — Id. 
Zool. Illustr. sec. ser. IL 

365. Cuculus lineatus, Swains.W.-Afr. IL p. 178, pl. XVIII. — 
Less. Descript. p. 208: Gambia. 

366. Cuculus rubiculus, Swains. W.-Afr. p. 181. — Fräser, S. o. 
Proceed. 1843, p. 51: Gambia, Fernando Po. (Natal.) 

367. Oxylophus afer, Steph. — O. Vaillantii, Less. — Swains. N. 
West-Afr. IL 182. Senegambien. 

368. Oxylophus glandarius, L. bis Senegambien: Lesson. N. E. 

369. Chalcites smaragdin eus , Swains. W.-Afr. IL p. 191: 
Senegambien. — St. Thome: Mus. Hamburg. 

370. Chalcites auratus, Gm. — Swains. W.-Afr. IL p. 187. N. S. 
C. cupreus, Bodd. — Senegambien, Goldküste. 

371. Chalcites Clasii, Cüv. — Swains. West-Afr. IL p. 189, N. S. 
pl. XXI. Westküste. 



I 



— 37 — 

IV. Colu mbae. 

372. Treron australis, (L.) Steph. — Vinago midirostris, Swains. S. 
W.-Afr. II. d. 205. Gambia. — Cap Coast: Gordon. 

373. Treron abyssinica, Lath. — Swains. W.-Afr. II. p. 202: N. 
Senegambien. — St. Tbome: Mus. Hamburg. 

374. Treron crassirostris, Fräs. Proceed. 1843, p. 35. — Id 
Zool. typic. part. II. — West-Afr. 

375. Treron calva, Temm. Catal. system. 1807, p. 250: Pigeon S. 
ä front nu d'Angola. 

376. Columba guinea, L. — Swains. W.-Afr. II. p. 212. — N. S. 
Gambia: Rendali. 

377. Oena capensis,.L. — Swains. W.-Afr. II. p. 214. N. S. 
37S. TuTtur vinaceus, Gm. — T. erythrophrys, Swains. West- 
Afr. II. p. 207, pl. XXII. — Gambia. 

379. Turtur semitorquatus, Swains. W.-Afr. II. p. 208. — T. 
albiventris, Gray List, etc. p. 191. — Cap Coast: Gordon. 

380. Turtur risorius, auct. — Turtur senegalens. torquatus, 
Briss. Orn. 2. 124 (Adanson). 

381. Turtur senegalensis, L. — Col. aegyptiaca, Latb. — N. S. 
Turt. Senegal, gutture maculato, Briss. Orn. I. p. 125. (Adanson). — 
Tuckey Exped. Zaire: Senegambien. 

382. Turtur simplex, nob. Rev. zool. et Mag 1. p. 497. — 
Ins. St. Thome: Mus. Hamburg. 

383. Peristera tympanistria, Temm. — Fräser, Proceed. 1843, S. 
p. 51: Fernando Po. 

384. Peristera chalcospilos, Wagl. — Turtur Senegal. Briss. 
Orn. I. p. 123 (Adanson). — Turt. chalcospilos, Swains. W.-Afr. II. 
p. 210. — Gambia: Rendall. 

385. Peristera puella, Schleg. Bigdrag, tot de Dierkunde, etc. 
I. p. 17, c. fig. pulcherr. — Goldküste. 

V. Gallinae. 

1386. Numida Rendallii, Ogilby. — N. maculipennis, Swains. 
W.-Afr. II. p. 226. — Fräs. Zool. typic. IV. — Senegambien, Guinea. — 
St. Thome: Mus. Hamburg. — St. Jago: Darw. Joum. p. 3. 



— 38 — 

3S7. Numida cristata, Pall. — Sierra Leone: Gray, List etc. 
p. 30. — Goldküste: Mus. Bvem. 

388. Numida vulturina, Hardw. Proceed. 1S34, p. 12. — Gould, 
Ic. Av. rar. 1. pl. 8. — Westküste: Capt. Probyn. 

389. Ptilopachus fuscus, Vieill. — Pt. erythrorhynchus, Swains. IN. 
Jard. Illustr. n. s. pl. 16. — Swains. W.-Afr. II. p. 220. — Gambia, 

Sierra Leone. 

390. Francolinus Branchii, Leach: Tuckey Exped. Zaire, 
p. 408. — Congo: Mus. Brit. 

391. Francolinus bicalcaratus, L. — Perdix Senegal. Briss. 
I. 231 (Adanson). — Chaetopus Adansonii (Temm). Swains. W.-Afr. II. 
p. 217. — Fräser, Proceed. 1843, p. 51: Iddah, Niger. 

392. Francolinus albogularis^ Gray List etc. p. 35 (part III.) 
West-Air. : Rendall. 

393. Coturnix histrionica, nob. Rev. et Mag. I. p. 495. S. 
St. Thome: Mus. Hamburg. — Ob C. Delegorguei? Beleg. Voy. II. 615. 

394. Ortyxelos Meifreni, Vieill. — Hemipodius nivosus. N. 
Swains. West-Afr. II. p. 225. Senegambien. — Kordofan: Mitchell. 

395. Pterocles bicinctus, Temm. — PI. tricinctus, Swains. 
West-Afr. II. p. 222, pl. XXIII. f>. 

396. Pterocles exustus, Temm. — PI. senegalensis, Licht. — N. 
Denh. Clappert. Voy. p. 196. Senegambien. 

397. Pterocles guttatus, Licht. — Tetrao senegallus, Lath. — N. 
PI. enl. 130. Senegambien. (?) 

VI. Struthiones. 

398. Struthio camelus, L. N. S. 

399. Eupodotis senegalensis, Vieill. Enc. 333. — Otis seneg. N. 
Less. Descript. p. 235. — Otis raad Rüpp. Monogr. p. 232. 

400. Eupodotis Denhami, Childr. — Denh. Clapp. Voy. 
p. 199. — Gray Gen. of Birds, fig. opt. — Inneres West-Africa. 

401. Eupodotis arabs, L. Autrache volant du Senegal, Adans. N. 
Voy. p. 160. — Rüpp. 1. c. p. 215. 



— 39 — 

VII. Grallae. 

402. Oedicnemus senegalensis, Vieill. — Swains. West- 
Afr. II. p. 228. Gambia. — Ouorra: Mus. Brit. 

403. Cursorius senegalensis, Licht. — Swains. West-Afr. II. N. 
p. 230, pl. XXIV. 

404. Cursorius chalcopterus, Temm. PI. col. 298. — Swains. 
West-Afr. II. p. 233. Senegambien. 

405. Glareola pratincola, L. — Gl. senegalensis, Briss. Orn. N. E. 
V. 148. (Adanson). — Senegambien. — Goldküste: Mus. Hamburg. Fräser, 
Proceed. 1843, p. 51. 

406. Glareola cinerea, Fräser, Proceed. 1843, p. 26: River 
Nun, Ouorra. — Gray Gen. of Birds, fig. opt. 

407. Glareola megapoda, Gray, List of Specim. III. p. 62. — 
Ouorra: Cayt. Allen. 

1408. Squatarola helvetica, Cüv. — Scbleg. F. Japon. Voeg. E. 

p. 106. Guineaküste. 
409. Lobivanellus albicapillus, Vieill. — L. strigilatus, N. 

Swains. West-Afr. part. II, p. 241, pl. XXVII. — Vanellus Senegal, 
armatus, Briss. V. 111. (Adanson). — Parra senegala, L. 
410. Lobivanellus albiceps,. Gould. Proceed. 1834. p. — 
Fräser, Zool. typic. part. III: Fernando Po. 
411. Hoplopterus inornatus, Swains. West-Afr. II. p. 239. 
Gambia. — Goldküste: Mus. Hamburg. 

412. Hoplopterus spinosus, L. — Vanellus melasomus, N. 
Swains. West-Afr. II. p. 237, pl. XXVI. — Tuckey Exped. Zaire, p. 407. — 

413. Hoplopterus ventralis, Wagl. — Pluvialis Senegal, 
armatus, Briss. Orn. V. p. 86. (Adanson). 

414. Hoplopterus tectus, Bodd. — Sarciophorus pileatus, N. 
(Gm.) Strickl. — PI. enl. 834. — Senegambien. 

415. Charadrius minor,M.undW. — Charadrius zonatus, Swains. E. N. 
W.-Afr. II. p. 235.pl. XXV. —Gambia: Rendall. — Goldküste: Mus. Hamb. 

416. Charadius marginatus, Vieill. — Ch. leucopolius, Wagl. — S. 
Elmina: Mus. Hamburg. 



— 40 — 

417. Cbaradrius tricollaris, Vieill. — Ch. bitorquatus, Licht. — S. 
Elmina: Mus. Hamburg. 

418. Grus pavonina, L. — Bowd. Excurs. p. 229. — Denh. N. 
and Clappert. Voy. p. 201. — Senegal, Guinea. 

410. Ardea melanocephala, Childr. — A. atricollis, Wagl. — N. S. 
Deiiham and Clappert. Voy. p. 201. — Senegambien : Wagl. — Senn aar: 
Mus. Brem. 

420. Ardea purpurea, L. — Gambia: GrayListofSpec.part.III.p.77. E. N. S. 

421. Ardea goliatb, Temm. PI. col. 474. — Galam, Senegambien. N. 

422. Ardea typhon, Temm. PI. col. 475. — Galam, Senegambien. 

423. Ardea flavirostris, Temm. — Wagl. spec. 9. — Gambia: 
Kendali, Mus. Brit. 

424. Ardea garzetta, L. — Gambia: Rendall, Mus. Brit. — E.N.S. 
Lichtenstein. Doubl, p. 77. 

425. Ardea affinis, Gray List of Specini. p. 79, (Herodias). 
Gambia: Rendall. 

426. Ardea melanorhynchos, Wagl. Isis, 1829, p. 659: Sene- 
gambien. 

427. Ardea comata, Fall. — A. senegalensis, Gm. — Gambia: E. N. 
Rendall, Mus- Britann. 

428. Ardea bubulcus, Sav. — A. Verany, Roux. — Gambia: N. S. 
Rendall, Mus. Britann. — St. Thome: Mus. Hamburg. 

429. Ardea Sturmii, Wagl. — Egretta plumbea, Swains. Menag. 
p. 334. Senegambien. — Gray Gen. of Birds, flg. opt. 

430. Ardea thalassina, Swains. Anim. in Menag. p. 333. — S. 
Gambia: Rendall. — Old Calabarfluss : Jard. Ann. and. Mag. 17. p. 51. — 

St. Thome: Mus. Hamburg. 

431. Ardea gularis, Bosk. — Gambia, Goldküste. — St. Thome: N. 
Mus. Hamburg. 

432. Ardea ardesiaca, Wagl. Syst. spec. 20. Ob gularis p ? 
(Vieill.) Senegambien. 

433. Ardea calceolata^ Dubus, Bullet. Acad. Bruxell. 1837, 
IV, p. 39. Guinea. 






— 41 



434. Botaurus leucolophus, Jard. Ann. and Mag. 17. p. 51 
(Tigrisoma). — Old Calabarfluss. 

435. Nycticorax europaeus, Steph. — Licht. Doubl, p. 78: N. E. 



N. 


E 


N. 


E 




N 


N. 


S 




N 



Senegambien. 

436. Nycticorax cucullatus, Wagl. (Licht.) Isis 1829, p. 661: 
Senegambien. 

437. Scopus umbretta, Gm. — Briss. Orn. V. 503, (Adanson). — N. S. 
Bowd. Excurs. p. 230. — Tuckey Exped. Zaire, p. 477. 

438. Platalea tenuirostris, Gray, Zool. Mise. I. p. 12. - N. S. 
Gambia: Mus. Britann. 

439. Ciconia alba, L. — Lichtenst. Doubl. 76: Senegambien. 

440. Ciconia nigra, Bei. Senegambien: Lichtenst. Doubl, p. 76. 

441. Ciconia Abdimii, Ehrenb. — Senegambien : Lichtenst. Doubl. 
Berl. Mus. p. 77. 

442. Anastomus lamelligerus, Temm. Senegambien. 

443. Mycteria senegalensis , Lath. — C. ephippiorhyncha,. 
Temm. — Bowd. Excurs. p. 229. — Gambia: Rendali, Mus. Brit. 

444. Leptoptilos crumenifera, Cüv. — Cic. argala, Temm. N. 
PI. col. 301. — Benn. Gard. Menag. Zool. Soc. II. 273: West-Africa. 

445. Tantalus Ibis, L. — T. rhodinopterus, Wagl. — Bowd. N. S. 
Excurs. p. 230. (Ibis No. 1.) Senegambien. 

446. Ibis falcinellus, L. — West-Africa: Gray List of Specim. N.S.E. 
Brit. Mus. part. III. p. 92. 

447. Ibis hagedash, Sparrm. — I. chalcoptera, Vieill. — Temm. S. 
Catal. 1807, p. 256. — Bowd. Excurs- 230. — Gambia: Rendalh Bowdich.— 

Old Calabarfluss: Jard. Ann. and Mag. 17. p. S5. 

448. Ibis olivacea, Dub. Bullet. Acad. Brux. 1837, p. 103. — 
Id. Esq. ornithol. I. pl. 3: Guinea. 

449. Ibis egretta, Temm. Man. d'Orn.IV. p. 391. Ashanteegegend. 

450. Numenius phaeopus, L. — Gambia: Rendall. — St. Thome: N.S.Ei 
Mus. Hamburg. 

451. Limosa lapponica, L. (L. rufa, Briss.) — West-Africa: N. E. 
Rendall, Mus. Britann. 

C 



— 42 — 

452. Totanus stagnatilis, Bechst. — Gambia: Rendall, N.S.E. 
Mus. Britann. 

453. Totanus calidris, Bechst. — Tringa gambetta, Gm. — E. N. 
Gambia : Rendall, Mus. Britann. 

454. Totanus hypoleucus, L. — Gambia: Rendali, Mus. Britann. E. N. 
— Guineaküste: Schleg. F. Japon. Voeg. p. 108. 

455. Recurvirostra avocetta, L. — Congo: Tuckey, Expedit. E. N. 
Zaire, Appentl. p. 407. 

456. Kecurvirostra tephroleuca, Vieill. Encycl. p. 360: 
Senegal. 

457. Himantopus candidus, Bon. — Senegambien: Lichtenst. E. N. 
Doubl. Berl. Mus. p. 7 2. — Accra: Mus. Hamb. 

45S. Totanus glottis, L. — T. chloropus, M. — Gambia: Kendall, E.N.S. 
Mus. Britann. 

459. Tiinga canutus, L. — Gambia: Kendall, Mus. Britann. 

460. Tringa subarquata, Gm. — Le Cocorlis du Senegal, 
Temm. Catal. 1807. p. 258. — Gambia: Kendall, Mus. Britann. 

461. Tiinga Temminckii, Leisl. — Senegambien: Lichtenst. 
Doubl. Beil. Mus. p. 75. 

462. Tringa minuta, Leisl. — Gambia: Kendall, Mus. Brit. 

463. Calidris arenaria, L. — Gambia: Kendall, Mus. Brit. 

464. Rhynchaea capensis, L. — PI. enl. 270. — J, E. Gray 
Zool. Miscell. I. p. 18. — Gambia: Rendali. 

465. Scolopax gallinago, L. — Gambia: Kendall, Lichtenst. E. N. 
Doubl. Berlin. Mus. p. 75. 

466. Strepsilas interpres, L. — Gambia: Kendall, Mus. Brit. E.N.S. 

467. Parra africana, Gm. — Bowd. Excurs. p. 230. — Tuckey, N. 
Exped. Zaire, p. 407. Gambia, Angola. — Elmina: Mus. Hamb. 

468. Corethrura pulchra, Gray. Zool. Mise. I. p. 13. — Swains. 
W.-Afr. II. p. 243. — Less. Descript. p. 243: Casamansefluss , (Sene- 
gambien) Sierra Leone. 

469. Corethrura cinnamomea, Less. Rev. zool. 1840, p. 99. — 
Gray List of'Specim. p. 120. — Gambia: Rendali. — Casamansefluss: Less. 



E. 


E.N.S. 




E. N. 


E.N.S. 


E.N.S. 


N. S. 



— 43 — 

470. Porphyrio Allenii, Thomps. Ann. and Mag. ofNat. Hist.: N. 
Gambia, Iddah (Niger.) — Gray Gen. of Birds, fig. opt. — Abyssinien: 

Mus. Brem. 

471. Gallinula cbloropus, L. — Senegambien: Licbtenst. E.N.S. 
Doubl, p. 79. — St. Thome: Mus. Hamb. — Temm. Man. IV. p. 441. 

472. Gallinula nigra, Gm. — Rallus carinatus, Swains. West- S. 
Afr. II. p. 244. — Gallin. fiavirostra, Swains. Menag. p. 338. — Poule 

d'eau noirette, Temm. Catal. 1807, p. 260. — Gambia, Goldküste, Angola. 

"473. Fulica atra, L. — Senegambien: Licbtenst. Doubl, p. 80. E.N.S. 

474. Podica senegalensis, Vieill. — Gray Gen. of Birds. fig. opt. 

VIII. Anseres. 

475. Phoenicopterus parvus, Vieill. — P. minor, Geoffr. — N. 
Senegambien. 

476. Plectropterus gambensis, L. — Bowd. Excurs. p. 231. S. N. 

477. Sarkidiornis africana, Eyton. — Denh. Clappert. Voy. N. S. 
p. 204. (Anser melanotos). 

478. Nettapus auritus, Bodd. — Anas madagascariensis, Gm. (Mada- 
West-Africa: Rendall, Mus. Britann. Gray List etc. p. 128. gascar.) 

479. Dendrocygna viduata, L. — Denn. Clappert. Voy. p. 205. N. 
— D. personata , Herzog von Würtemberg. — Gambia : Mus. Brem. 

480. Thalassidroma Wilsonii, Bon. — Old Calabarfluss: Jard. 
Ann. and Mag. vol. 17. p. S5. 

481. Larus poiocephalus, Swains. West - Afr. II. p. 245, 
pl. XXIX. — Gambia: Rendall. 

482. Rbynchops orientalis, Rüpp. — Ouorra: Mus. Britann. — N. 
River Nun: Fräser, Proceed. 1843, p. 51. 

483. Sterna caspia, Pall. — Gambia: Rendall. — SierraLeone: N. E. 
Capt. Sabine. 

484. Sterna cristata, Swains. West -Afr. II. 247, pl. 30. — 
Cay Roni: Capt. Sabine. 

485. Sterna minuta, L. — Niger: Gray List ofSpecim.p. 179. — N. E. 
Goldküste: Mus. Hamburg. 

486. Sterna melanoptera, Swains. West-Afr. II. p. 249. 

6 * 



— 44 — 

487. Sterna senegalensis, Swains. West-Afr. II. p. 250. 
4S8. Sterna brachypus, Swains. W.-Afr. II. p. 252. Mus. Britann. 

489. Sterna melanotis, Swains. West-Afr. II. p. 253. 

490. Anous tenuirostris, Temm. — Sterna senex, Cranell, N. 
Tuckey Exped. Zaire, p. 407. — Senegal: Mus. Paris. — Old Calabarfluss : 

Jard. Ann. and Mag. 17. p. 268. 

491. Plotus Levaillantii, Temm.pl. col. 380. — PI. congensis, N. S. 
Cranch, Tuckey Exped. p. 407. — Denh. Clappert. Voy. p. 206. — 
West-Africa: Capt. Sabine. 

492. Pelecanus rufescens, Gm. — Gambia: Rendall. — Egga N. 
(Niger): Fräser, Proceed. 1842, p. 144. — Goldküste: Lath. Gen. 

Hist. X. 404. (Pelecanus cristatus, Less. ?) 

493. Pelecanus onoerotalus, L. — Senegambien: Lichtenst. E. N. 
Doubl, p. 85. — Denh. Clappert. Voy. p. 205. — Goldberry Voy. 
Uebers. II. p. 289. 

494. Phalacrocorax africanus, Gm. — Swains. West-Afr. II. N. S. 
p. 25 5, pl. 3 1 . (Carbo longicaudus.J Senegambien, Goldküste. — St. Thome : 

Mus. Hamburg. 

Nachtrag. 

495. Circus Swainsonii, Smith. Illustr. Süd-Afr. Zool. pl. 43, 
44. — Falco aequipar Cüv. Pucheran Eev. et Mag. de Zoolog. No. 2, 
p. 14. — Senegal: Mus. Paris. 

496. Hirundo nigrita, G.R.Gray. Gen. of Birds pl. 20. — Niger: 
Mus. Britann. 

497. Hirundo melanocrissus, Rüpp. — Cap Coast: Gordon. — N. 
Jardine Contrib. to Ornithol. 1849. I. 

498. Hirundo striolata, Rüpp. — Cap Coast: Gordon. — N. 
Jardine Contrib. to Ornithol. 1849. I. 

499. Alcedo semitorquata, Swains. Zoolog. Illustr. pl. 151. — N. S. 
West-Africa: Capt. Sabine. — Mus. Britann. 

500. Drymoica erythroptera, Jard. — Cap Coast: Gordon. — 
Jardine Contrib. to Ornithol. 1849. fig. 

501. Sterna nigra, L. — Gambia: Rendall, Mus. Brit. 



Bemerkungen. 



No. 49. Von der Gleichartigkeit der abyssinisehen Coracias Levaillantii 
und der senegambischen Coracias nuchalis, Swains. haben wir uns durch 
Vergleichung mehrfacher Exemplare aus beiden Gegenden bestimmt überzeugt. 

No. 53. Wenn unter Halcyon cinereifrons Vieill. und H. torquata 
Swains. nicht zwei Arten stecken, so zeigt dieser Vogel wenigstens merkwürdige 
Localracen-Verschiedenheit. Die Exemplare der Hamburger Sammlung, von Jlha 
do Principe stammend, übertreffen verschiedene andere uns vorliegende von der 
Goldküste und vom Gambia bedeutend an Grösse, indem sie volle 11" 10"' 
(Paris. Maass) messen. Wir lassen die Beschreibung des sehr eigenthümlich 
gefärbten Weibchens hier folgen: 

Scheitel dunkel braungrün , nach Nacken und Hinterhals zu ganz grün 
werdend; Rücken mehr in's malachitgrüne ziehend; Unterrücken und Bürzel 
glänzend blaugrünlich; Schwanz unreiner so gefärbt, Flügel wie beim Männchen; 



Streif [über dem Auge okergelblich; Feld durchs Auge schwarz; Halsseiten aus 
dem Grünen ins Okergelbe; Kinn weiss; Kehle und Vorderhals rein okergelb; 
Brust auf grünem Grunde okergelb tingirt; Bauchmitte weiss, Seiten okergelblich ; 
untere Schwanzdeckfedern grauweisslich; die Schwanzfedern sind untenber ganz 
schwarz, die Innenfahne derselben ist obenher breit schwarz gerandet; Ober- 
schnabel ganz roth, schwärzlich gewölkt, Unterschnabel schwarz mit breitrothem 
Rande und rother Spitze. Der Schnabel des Männchens ist ganz roth und nur 
an der Spitze dunkler. 

Die grössere oder geringere Ausbreitung des Roth am Schnabel scheint 
bei gewissen Alcediniden lediglich vom Alter des Vogels abzuhängen. Je jünger 
der Vogel, desto mehr schwarz zeigt der Schnabel. Kaup hat dies bei seinen 
Eisvögeldiagnosen leider nicht berücksichtigt. So hat z. B. Alcedo caeru- 
leocephala im ausgefärbten Zustande den Schnabel roth; der jüngere Vogel 
dieser Art (Alcedo cyanostigma, Rüpp.) zeigt denselben schwarz. 



— 46 — 

No. 152. Oriolus intermedius , Mus. Lugdun. seheint eine gute Art 
zu sein, welche dem O. brachyrhynchus, Sw. am nächsten stellt. An 
Körpergrösse und Schnahelbildung difteriren beide Arten kaum merklich von 
einander. Aber die Färbung zeigt wesentliche Verschiedenheiten. Bei 0. inter- 
medius sind nämlich die mittleren Schwanzfedern an der grösseren Wurzelhälfte 
hellolivengrün, dann schwarz und an der Spitze gelb, die dann folgenden sind 
schwarz mit immer grösser werdendem gelben Spitzentheil. Swainson's Beschrei- 
bung zufolge muss die Schwanzfärbung bei O. brachyrhynchus eine deutlich 
verschiedene sein. 

No. 174. Thompson beschreibt nur das Männchen dieser Art. Das Weibchen 
der Muscipeta atrochalybea in der Hamburger Sammlung, ist am Unterleibe 
grau; das Epigastrium hat diese Farbe mit Schwarz untermischt. 

No. 208. Das Weibchen des Laniarius gutturalis finden wir nirgends 
beschrieben. Es unterscheidet sich vom Männchen durch den gänzlichen 
Mangel der schwarzen Brustbinde. Das Roth der Kehle geht in die 
gelbe Färbung der Unterkörpermitte über. 

No. 234 und 235. Die hierfolgenden Beschreibungen zweier neuen Ploceus- 
arten werden, kurz und unvollkommen wie sie sind, genügen, um die specifische 
Verschiedenheit derselben zu erläutern: 

1. Ploceus melanops, Mus. Lugdun. Oben olivengrün, unten gelb, 
Fleck zwischen Mundwinkel und Auge schwarz, die beiden mittleren Schwanz- 
federn sind ganz schwarz, die übrigen gelb und zeigen nur das Spitzendrittel 
schwarz. Sierra Leone. 

2. Ploceus tricolor, Mus. Lugdun. Oben schwarz, untenher gelb; 
Augenbraunen gelb, Streifen durchs Auge schwarz, Rücken, Flügel und Schwanz 
gehen etwas ins Bräunliche. Senegal. (Sycobius?) 

No. 275. Vidua principalis, L. Das nirgends beschriebene Weibchen 
hat folgende abweichende Zeichnung: 

Obenher mit schwarzen Längsflecken auf hellbraunem Grunde; Kopf hellbraun; 
zwei breite scharfbegränzte Längsbinden des Oberkopfs, Ohrgegend und ein 
schmaler Bartfleck schwarz; die Federn der Scheitelmitte zeigen schwarze feine 
Schaftflecke; die Schwungfedern dritter Ordnung sind schwarzbraun mit breiten 
hellbraunen Rändern, die erster und zweiter Ordnung sind schwarz, letztere mit 






— 47 — 

schmalem undeutlichen braunen Aussensaum ; Afterfittig schwarz ; die Deckfedern 
des Flügels sind wie die Tertiärschwingen gefärbt; Schwanzfedern schwarzbraun, 
die seitlichen mit breitem weissen Innenrande, die mittleren mit feinem bräun- 
. liehen Saum; Brust hellröthlichbraun, die Seiten derselben mit einigen schwarzen 
Längsschmitzen; Hypochondrien bräunlicb, Bauchmitte und untere Schwanzdecken 
weiss; Schnabel corallenroth; Füsse bräunlich. 

Ganze Länge 4" 7"'; Schnabel längs der Firste gem. 3f"; Schnabel vom 
rictus aus gem. 3h'"; Flügel 2h"; Schwanz 1" 7"'; Tarsus 7§'". 

No. 337. Psittacus pachyrhynchus , nob. Dieser Papagey, von 
welchem die Bremer Sammlung Männchen und Weibchen besitzt, zeigt, was 
Statur und Färbung betrifft, die auffallendste Aehnlichkeit mit dem südafricanischen 
Ps. Levaillantii, unterscheidet sich aber von diesem auf den ersten Blick 
durch den ungeheuren Schnabel. Dieser ist, längs der Firste gemessen, volle 
zwei Zoll lang, längs der gonys gemessen 11"', und die Breite der Oberkinnlade 
beträgt an der Wurzel 15 Linien. Bei näherer Vergleichuug stellen sich auch 
nicht unbedeutende Verschiedenheiten in der Färbung beider Arten heraus. Das 
Grün des Rückens und der Flügel ist bei Ps. pachyrhynchus bedeutend lebhafter, 
wie bei P. Levaillantii, wo das Schwarz der Mitte der Federn weit deutlicher 
zum Vorschein kommt; bei P. pachyrhynchus sind die Federn des Kopfs und 
des Halses in der Mitte bräunlicb, am Rande breit silbergrau, mit schwarzen 
Schäften, Nacken und Kopfseiten erscheinen am reinsten grau; bei P. Levail- 
lantii hingegen erscheinen Kopf und Hals mehr olivengelblich gefärbt, die Mitte 
der Federn ist schwärzlichbraun ; die Vertbeilung des Roth an den Flügeln ist 
bei beiden Arten ziemlich gleich. Das Vaterland dieser neuen Art ist Sene- 
gambien. Eine dritte sehr verwandte Art ist Pionus Guilielmi, Jard. aus Congo. 

No. 362. Wir sind von der wirklichen Verschiedenheit des Zanclostomus 
flavirostris und des Cuculus aeratus, Vieill. keineswegs fest überzeugt. 

No. 373. Hinsichtlich der so sehr ungenügend beschriebenen Columba St. 
Thomae Gm., ganz sicher einer Treronart, gewähren die von Weiss eingesandten 
Sammlungen kein Licht. Das Wenige, was von dieser grünen Taube mitgetheilt 
wird, berechtigt nicht zu deren Vereinigung mit T. abyssinica. 



Neue Arten 

des 

hamburgischen naturhistorischen Museums. 



Athene leucopsis, nob. (No. 24 des Kataloges.) 
Rev. et Mag. de Zool. 1849, p. 496. 

A. supra rufescens, pilei plumis nigro albo brunneoque notatis, multis 
colli lateralis interscapulii et dorsi simili modo pictis; facie, gula et superciliis 
albis; remigibus tert. nonnullis inacula apicali alba nigro terminata ornatis; ala 
spuria nigra, tectricibus majoribus apice albis; subtus albida, pectore brunnes- 
cente nigro marmorato; abdomine pallide rufescente notato maculisque nonnullis 
longitudinalibus nigris ornato; tarsis rufis; pedibus et rostro flavidis; iride flava. 

Long, tot.: 8" 2'"; Alar: 5" 6"'; Caudae: 2" 8'"; Tarsi: 1" V"; 
Habitat: ins. St. Thome. 

Kehle, breite Augenbraunen und Gesichtsfedern weiss, diese an Bart und 
Schäften gegen die Spitze zu schwarz werdend; auch die weissen Federchen 
der Augenbraunen haben feine schwärzliche Bindenzeichnung. Die Grundfarbe 
des ganzen Oberkörpers ist ein gelbliches Rothbraun; Scheitelfedern in der 
Mitte breit schwarz, dazwischen Federn weissgrundig mit schwarzer und brauner 
Zeichnung; ähnliche weisse Federn mit rothbrauner Spitze und schwarzer Quer- 
zeichnung stehen an Kopf- und Halsseiten, sowie häufig auf dem Interscapulium; 
Unterrücken, Bürzel, Schwanzdecken und Steuerfedern verwaschen rothbraun 
mit feiner schwarzer Zickzackzeichnung. Schulter dunkelbraun, undeutlich 
heller gezeichnet; Flügelbug weiss; ala spuria schwarz; grössere Deckfedern 
mit weissen Spitzen; Schwungfedern erster und zweiter Ordnung an der Innen- 
fahne schwarz, an der Aussenfahne rothbraun schwärzlich und weisslich gezeichnet, 
Tertiärschwingen rothbraun mit feiner schwärzlicher Zeichnung, zum Theil mit 
breitem weissen schwarzspitzigen Endfleck; die Grundfarbe des Unterkörpers 
ist weiss, Brust hellbraunröthlich mit feiner schwarzer Ouerzeichnung, Unterleib 



— 49 — 

weisslich mit hellbraunröthlicher Zickzackzeichnung und einzelnen breiten schwarzen 
Schaftflecken ; Befiederung der Tarsen rothbraun ; Füsse gelblich ; Schnabel gelb- 
lich mit hornbläulicher Spitze; Iris gelb. 

Das Vaterland dieser zierlichen kleinen Eule ist die Insel St. Thome. 



Zosterops lugubris, nob. (No. 133.) 
Rev. zool. 1848, p. 109. 

Z. supra olivaceus, pileo nigricante; plumulis periophthalmicis fasciolaque 
inter nares et oculum albidis; subalaribus et flexura alae pure albis; gula colloque 
antico pallide cinerascentibus; pectore et abdomine dilute brunnescente-olivaceis; 
pedibus carneis; rostro brunneo; iride nigra. 

Long, tot.: 5" 1|"'; rostr. a. fr. 4£"'; al. 2" 8^'"; caud. 2"; tars. %'". 

Habitat: ins. St. Thome. 

Übenher olivengrünlich gefärbt; Scheitel dunkler schwärzlich; Bürzel heller 
grüngelblich; die schwärzlichen Steuer- und Schwungfedern haben einen schmalen 
grünlichen Aussensaum, die Innenfahne der letzteren ist breit weisslich gerandet; 
Flügelbug und untere Flügeldecken rein weiss; zwischen Auge und Nasenloch 
eine weissliche Binde; der für die Gattung Zosterops characteristische Augen- 
ring ist am vorliegenden Exemplare weniger rein weiss gefärbt, wie bei den 
übrigen Arten derselben; die kleinen diesen Ring bildenden Federchen sind 
schmutzig weisslich und wie eingetrocknet; Kinn, Kehle und Vorderhals sind 
verschossen graulich gefärbt; Brust und Unterleib hellolivenbräunlich ; untere 
Schwanzdeckfedern heller gelblicholive ; die Füsse scheinen fleischfarbig gewesen 
zu sein ; die äussere und innere Zehe sind gleich lang ; der gerade, spitze, "ganz- 
randige Schnabel ist hellröthlichbraun und gegen die Spitze des Oberkiefers zu 
dunkler braun, die Augen schwarz. 

Dieser unscheinbar gefärbte kleine Vogel, welchen wir nach sorgfältiger 
Untersuchung der Gattung Zosterops einreihen zu müssen glauben, unterscheidet 
sich von den übrigen Arten derselben durch sein düsteres Colorit. Weiss ent- 
deckte ihn auf St. Thome. 



Turdus olivaceofuscus, nob. (No. 141.) 

T. supra olivaceofuscus, mento gula colloque antico pallidioribus, albido 
variis; corpore inferiore reliquo albido, maculis irregularibus fuscescentibus trans- 



— 50 — 

versim notato; hypochondriis et pectore saturatius fuscescentibus; subalaribus 
pallide ferru gineis; rostro et peclibus brunneis. 

Long, tot.: 9" 4'"; rostr. a fr. 1U"'; rostr. a rictu 1" '2'"; alar. 4" 9£'"; 
caud. 3" 8|"'; tars. 1" 5"'; digit. med. 1" 3"'. 

Habitat: ins. St. Thome. 

Der ganze Oberkörper nebst Flügeln und Schwanz ist einfarbig olivenbraun; 
innere Flügeldeckfedern hell roströthlich ; Kinn, Kehle und Vorderhals heller 
braun, weisslich gemischt; übriger Unterkörper weisslich mit unregelmässiger 
hellbrauner Ouerfleckenzeichnung; die Seiten zeigen am meisten braune Bei- 
mischung, etwas weniger die Brust, am wenigsten die Bauchmitte, Füsse und 
Schnabel braun, letzterer gegen die Spitze zu heller werdend; „Auge schwarz". 

Das Vaterland dieser Drossel ist die Insel St. Thome. Die Färbung des 
Unterkörpers scheint auf einen noch nicht völlig ausgefärbten Vogel hinzudeuten. 



Dicrurus modestus, nob. (No. 191.) 
Rev. et Mag. de Zool. 1849, p. 495. 

D. niger, nitore nonnullo chalybeo; remigibus primär, et secund. atris; 
subalaribus dorso concoloribus; subcaudalibus albido variegatis; iride laete rubra; 
cauda furcata. 

Long, tot.: 10" 4'"; rostri a fr. 11'"; rostri a rictu 12£'"; alar. 5" 9"'; caudae 
a basi 6" S'"; tarsi l" 2'". — Digiti medii cum ungue 1" 2'". 

Habitat: ins. St. Thome. 

Einfarbig schwarz mit schwachem Stahlglanz; die Schwungfedern erster und 
zweiter Ordnung sind mattschwarz; innere Flügeldeckfedern wie der Körper 
gefärbt; untere Schwanzdeckfedern weisslich gefleckt; Schnabel und Füsse 
schwarz; Iris roth; Schwanz gegabelt. 

Das Vaterland dieser, wie wir glauben, unbeschriebenen Art ist die Insel 
„do Principe." Sie wird dort, wie Weiss schreibt, Mapallou genannt. Der 
Herzog Paul Wilhelm von Würtemberg erzählte uns von einem noch unbeschriebenen 
schwarzen Dicrurus mit feuerrothen Augen, welchen er im Sennaar angetroffen 
habe, und welchen er Dicrurus erythrophthalmus nennt. D. lugubris, 
Ehrenb. hat eine nussbraune Iris. Von D. atripennis Swains. unterscheidet 
sich dieser Vogel sogleich durch den Gabelschwanz, von D. canipennis durch 






— 51 — 

die mattschwarze Färbung der Innenfahnen der Schwungfedern. Mit einer andern 
Art wäre kaum eine Verwechselung möglich. 



Laniarius major, nob. (No. 202.) 
Telephonus major, nob. Rev. zool. 1848, p. 108. 

L. supra niger, nitore chalybeo tergi et uropygii plumis cinereo alboque varie- 
gatis; alae fascia transversa alteraque longitudinali nee non corpore inferiore toto 
niveis; pectore et epigastrio nonnihil rubentibus; rostro et pedibus nigris; iride nigra. 

Long. tot. 9" 6"'; rostri a. fr. 11'"; al. 3" 11'"; caud. 3" 10|'"; tarsi 1" 3'". 

Habitat: Elminam in ora Afric. oeeid. aur. 

Der Oberkörper nebst Flügeln und Schwanz ist stahlglänzend bläulichschwarz ; 
Schwungfedern und Schwanz zeigen weniger Stahlglanz, letzterer lässt Spuren 
schwacher Ouerwellen auf sich bemerken ; die langen seidenartig weichen und 
zerschlissenen Federn des TJnterriiekens und Bürzels sind weiss und grau 
melirt; die weissen Aussenfahnen der mittleren Flügeldeckfedern bilden eine 
Ouerbinde: ausserdem aber entsteht durch den breiten blendend weissen Aussen- 
rand zweier remiges seeundariae eine sehr auffallende Längsbinde; die inneren 
Flügeldecken und der ganze Unterkörper sind weiss; Brust und Oberleib zeigen 
einen schwach gelbröthlichen Anflug, welchen man namentlich beim Lüften der 
Federn deutlich bemerkt; Schnabel und Füsse sind schwarz. 

Das hier beschriebene schöne und vollständige Exemplar des L. major 
stammt von Elmina an der Goldküste. Diese neue Art zeigt allerdings die 
auffallendste Aehnlichkeit mit dem ostafricanischen L. aethiopicus, Lath., 
übertrifft denselben aber bedeutend an Grösse und unterscheidet sich zudem 
durch die weisse Längsbinde der Flügel. Küppell erwähnt des röthlichen 
Anflugs der Brust in seiner Beschreibung des L. aethiopicus nicht (System. 
Uebers. p. 50), wohl aber Guerin: Rev. zool. VI. p. 161. - 



Laniarius leueorhynchus, nob. (No. 203.) 
Telephonus leueorhynchus, nob. Rev. zool. 1848, p. 108. 

L. totus niger, alis nonnihil fuscescentibus : rostro albido, tomiis subpellu- 
eidis, pedibus nigricantibus ; ptilosi molli, sericea, tergi et uropygii plumis 
elongatis, 'basi cinereis; alis brevibus, rotundatis; iride nigra. 



— 52 — 

Long. tot. 7" 11'"; rostri a. fr. 9£'"; alar. 3" 2£'"; caudae a basi 3"; 
tarsi 1" 1J"'. 

Habitat: Elminam in ora Afric. occid. aur. 

Der ganze Vogel ist schwarz; Körper und Schwanz mit schwachem bläulichen 
Metallschimmer; die Flügel ziehen ins matt bräunlichschwarze; die Schwanz- 
federn erscheinen unter einem gewissen Lichte unmerklich quergewellt; Schnabel 
hellgelblichweiss mit weisslichen abgegränzten Kinnladenrändern. Die Flügel 
sind sehr kurz und abgerundet; die fünfte und sechste Schwungfeder sind am 
längsten, die vierte und dritte nur wenig kürzer, die zweite ist bedeutend kürzer 
als die dritte und die erste kaum halb so lang wie die zweite; der Schwanz ist 
abgerundet; die innere Zehe ist etwas kürzer wie die äussere; die Nasenlöcher 
sind halbbedeckt von aufliegenden kleinen borstenartigen Federchen; das Gefieder 
ist lang und seidenartig weich; die Federn des Unterrückens sind sehr lang 
und an der Wurzel schiefergrau; „Augen schwarz." 

Das einzige uns bekannte Exemplar dieser ausgezeichneten Art wurde von 
Weiss bei Elmina an der Goldküste erlegt. 



Onychognathus, nob. Nov. Gen. 
Familia: Sturnidae. Subfamilia: Ptilonorhynchinae, Gray. 
Char. gen. Rostrum capite longius, robustum, compressum, grvpanium, 
aduncum, culmine arcuato, basi complanato-rotundato, apice acuto, elongato, 
uncinato. Alae mediocres, remige prima spuria, tertia, quarta et quinta caeteris 
longioribus, aequalibus; remiges tertiariae et tectrices majores structuram exhibent 
valde singularem; pogonium externum fascia longitudinali holosericea in duo 
quasi dimidia dispertitur, quorum unum superius (scapo proximum) ordinarium, 
alterum inferius subdecompositum, laxum, quasi fimbriatum dependet. Cauda 
valde gradata, elongata; rectrices angustae, debiles, apice acuminato-rotundatae. 
Pedes robusti, breves, digito interno et externo aequalibus, unguibus mediocribus, 
validis, postico caeteris multum validiore. Ptilosis sericea. 

Onychognat hu s fulgidus, nob. (No. 226.) 
Rev. et Mag. de Zool. 1849, p. 495, pl. 14, fig. 2 et 3. 
O. niger, nitore metallico violaceo resplendens; capite et collo aeneo-vires- 
centibus, pileo nitore nonnullo chalybeo; alae superficie externa aeneo-virescente, 



remigibus prim. et secund. dimidio b.isali laete rufis; cauda nigra, supra aeneo 
nitente; rostro et pedibus nigris; iride rubra. 

Long, tot.: 14" 2'"; rostri a fr. 1" Sf"; rostri a rictu 1" 7'"; alar. 5" 9"'; 
caudae a basi 6" 8"'; tarsi. 1" 2"'; digite medii cum ungue 1" 2'". 

Habitat: ins. St. Thome. — 

Kopf und Hals metalliscb grün glänzend, letzterer am reinsten, Scheitel mit 
etwas violetblauem Schiller; Ober- und Unterkörper glänzend violettschillernd 
schwarz ; Schwanz schwarz, obenher mit grünlichem Glänze; Aussenseite der Flügel 
metallisch grün glänzend; Schultern und kleinere Deckfedern wie der Rücken; 
Schwungfedern erster und zweiter Ordnung mattschwarz, auf beiden Fahnen von 
der Basis bis über die Hälfte hinaus intensiv braunroth; nur die erste hat die 
Aussenfahne schwarz; Schnabel dunkel hornbraun, gegen die Wurzel zu schwarz; 
Füsse schwarz ; Iris roth. 

Weiss fand diese höchst interessante und ganz neue Form Lamprotornis- 
artiger Vögel auf St. Thome. Die Färbung der Schwungfedern erinnert an L. 
morio , albirostris und einige ähnliche Arten, die Schwanzform an L. Burchellii. 



Euplectes erythrops, nob. (No. 258.) 
Ploceus erythrops, n. Rev. zool. 1848, p. 109. 

E. supra fuscus, plumis pallide marginatis; pileo obscuriore, plumulis fron- 
talibus, striola supraciliari , loris plumulisque circa mandibulae basin sanguineo 
tinctis; remigibus gracillime flavo, tertiariis latius albido marginatis, subalaribus 
alaeque flexura isabellinis, subtus dilute brunnescens, gula et abdomine medio 
albidis; rostro et pedibus brunneis. Foemina laete flava, ubi mas sanguineus. 

Long, tot.: 4" 8"'; rostr. a fr. 5'"; al. 2" 3f"; caud. 1" 2J'"; tars. 7J'". 

Habitat: ins. St. Thome. 

Diese der Gattung Euplectes Swains. (Ploceus im Sinne Gra}'*) angehörige 
Art halten wir für unbeschrieben. Alle Federn der oberen Theile sind dunkel- 
braun in der Mitte und haben hellbräunliche Ränder, welche an den Kopffedern 
schmaler und undeutlicher sind; daher erscheint der Oberkopf dunkler, die 
kleinen Federn um die Schnabelwurzel herum und über den Augen sind lebhaft 
blutroth beim Männchen, dagegen gelb beim Weibchen tingirt; die Schwung- 
federn haben einen feinen gelben Aussensaum, welcher aber der ersten ganz 



— 54 — 

fehlt und bei den letzten breiter und weisslichev wird; die Steuerfedern sind 
ebenfalls fein gelb gesäumt; untere Flügeldecken und Flügelbug lebbaft isabellgelb; 
kleine Flügeldeckfedern wie der Rücken gefärbt; Brust und Körperseiten hell- 
braungelb, ebenso die unteren Schwanzdeckfedern; Kehle und Bauchmitte weiss- 
licher; Füsse hellbraun; der kurze dicke Schnabel mit breiter abgerundeter Firste 
ist braun, unten heller. 

Das Vaterland dieser interessanten Art, von welcher Männchen und Weibchen 
das zoolog. Museum in Hamburg zieren, ist die Insel St. Thome. 



Sycobius St. Thomae, nob. (No. 269.) 
Rev. zool. 1848, p. 109. 

S. supra olivaceus, pileo et nucha fusco-nigricantibus ; fronte, superciliis, 
capitis collique lateribus et pectore ex aurantiaco fulvis; gula colloque antico 
pallidioribus; abdomine pallide brunnescente; uropygio in aurantiacum vergente; 
tectricibus alae apice albido limbatis; rostro et pedibus brunneis. 

Long, tot.: 5" 5'"; rostr. a fr. 7f"; al. 2" 10|'"; caud. 1" 10'"; tars. 10J'". 

Habitat: ins. St. Thome. 

Obenher olivengrün, gegen den Nacken zu bräunlich ; dieser und der Scheitel 
schwärzlichbraun ; Stirn, Augenbraunen, Kopf- und Halsseiten sind, so wie die 
Brust, ziemlich lebhaft orangenbräunlich ; dieselbe Färbung zeigen die Bürzelfedern 
und schwächer auf weisslichem Grunde Kehle und Vorderhals , die Schwung- 
und Steuerfedern sind dunkelbräunlich mit feinem olivengrünen Saum ; die 
grösseren und mittleren Deckfedern der Flügel haben einen breiten weisslichen 
Spitzensaum, wodurch zwei undeutliche weisse Binden zu Stande kommen; 
hinterste Schwungfedern ebenfalls weisslich gerandet, innere Flügeldecken weisslich; 
Unterleib und untere Schwanzdecken hellbräunlich; Schnabel hornbraun, die untere 
Kinnlade heller bräunlich; Füsse hellbräunlich; die innere Zehe ist kaum merklich 
kürzer als die äussere; der Schnabel ist schlank, gestreckt, ganzrandig. 

Das vorliegende von St. Thome stammende Exemplar ist sehr wahrscheinlich 
der jüngere nicht völlig ausgefärbte Vogel einer unbekannten Art der Gattung 
Sycobius, Vieill., und zwar einer durchaus typischen. 






— 55 — 

Turtur simplex, nob. (No. 382.) 
Rev. et Mag. de Zool. 1849, p. 497. 

T. supra olivaceo-brunnescens; fronte et sincipite dilute canis; pileo, collo 
et interseapulio nitore columbino lilacino-purpurascente et sub certa luce smaragdino 
micantibus; gula, abdomine medio et subcaudalibus albis; pectore et hypochondriis 
brunneo-flavescentibus; rectricibus mediis dorso concoloribus , reliquis large 
cinereo terminatis; pedibus rubentibus. 

Long tot.: 11" 7'"; alav. 5" 9'"; rostri a rictu 10'"; rostri a fr. 7"'; tarsi 10'". 

Habitat: ins. St. Thome. 

Kehle weiss; Stirn und Vorderkopf hell graulich; Scheitel, Seiten und 
Hinterhals taubenschillernd purpurröthlich, in gewissem Lichte goldgrün schillernd; 
ebenso Interscapulium und Vorderhals, aber letzterer weniger lebhaft; übriger Ober- 
körper olivenbraun mit sehr wenig Glanz ; die Schwungfedern erster Ordnung sind 
mit Ausnahme der ersten an der Aussenfahne stark ausgerandet, mit weisslichem 
Saum; Aussenseite der Flügel von der Farbe des Rückens; innere Flügeldeck- 
federn dunkelbraun ; Brust und Seiten gelblichbraun, nach der weissen Bauchmitte 
zu mehr isabellfarben, untere Schwanzdeckfedern weiss; die zwei mittleren 
Schwanzfedern zeigen die Färbung des Rückens, die übrigen haben das Spitzen- 
drittheil dunkelgrau; Schnabel schwarz; Füsse, wie es scheint, rötblichbraun. 

Weiss entdeckte diese Taubenart auf der Insel St. Thome. 



Coturnix histrionica, nob. ( No. 393.) $ 
Rev. et Mag. de Zool. 1849, p. 495. 

C. supra fusco-cinerascens , albido et nigricante transversim notata; plumis 
colli postici et lateralis, interscapulii et dorsi tectricibusque alae macula longi- 
tudinali albida nigro marginata medio notatis; pileo nuchaque brunneis; super- 
ciliis fasciolaque pilei medii breviore albidis; vitta brevi inter nares et oculum 
aliaque longiore infraoculari fusco-nigricantibus , spatio intermedio albo; gula 
colloque antico albis; fascia nigra per mediam gulam decurrens maculamque 
triangulärem formans ancorae figuram in fundo albo exhibet; area magna pectorali 
nigra, corpore subtus rufo, maculis longitudinalibus nigris^ his in colli et pectoris 
lateribus medio albis; subalaribus albis; rostro nigro; iride fusca. 



— 56 — 

Long, tot.: 7" 2'"; alar. 3" 8'"; rostri a fr. 5'"; tarsi 12J'". 

Habitat: ins. St. Thome. 

Der Grundton der oberen Körperfärbung ist ein ziemlich helles Graubraun; 
die Federn des Hinter- und Seitenhalses, des Rückens und theilweise der Flügel- 
decken zeigen einen gelblich weissen schwarzeingefassten Schaftfleck, ausserdem 
aber eine mehr unregelmässige weissliche und schwärzliche Ouerzeichnung; die 
Schwungfedern sind hellgraubraun , an den Innenfahnen noch heller graulich, 
die Kiele derselben äusserlich braun, unterhalb weiss; Oberkopf und Nacken 
dunkler braun, fast einfarbig; von der Schnabelwurzel an zieht sich über jedes 
Auge eine scharf begränzte weisse Binde bis zum Nacken hinab, eine ähnliche 
läuft mitten über den Oberkopf hin; zwischen Nasenöffnung und Auge befindet 
sich eine kurze dunkelbraune Binde, eine ebenso gefärbte läuft vom rictus aus 
unter dem Auge hin, zwischen beiden aber wieder eine weisse; Ohrgegend 
röthlich braun; von der Mitte des Kinn's läuft eine breite schwarzbraune Binde 
bis zum Vorderhals hinab, sich hier zu einem dreieckigen Flecken ausbreitend, 
welcher sich beiderseits als scharfbegränzte Binde bis zur Ohrgegend hinaufzieht; 
diese schwarzbraune Zeichnung ist unterhalb und oberhalb weiss begränzt; längs 
der Halsseiten zieht sich eine lebhaft fuchsrothe Färbung herab , welche die 
Seiten der Brust und des ganzen Unterkörpers einnimmt und den Unterleib so 
wie die unteren Schwanzdecken färbt; diese rothen Federn haben an Hals- und 
Brustseiten einen schwarzbegränzten weissen Schaftflecken, die der Hypochondrien 
und des Unterleibes dagegen einen breiteren lebhaft schwarzen, die unteren 
Schwanzdeckfedern sind ungefleckt; ein breites kohlschwarzes Feld nimmt die 
ganze Brustmitte ein und zieht sich nach oben spitz zum Vorderhals hinauf, 
nach unten zu aber weniger spitz zum Epigastrium hinab; innere Flügeldecken 
weiss; Schnabel schwarz; Füsse gelblich; Iris dunkelbraun. 

Diese von allen Wachteln am schönsten und auffallendsten gefärbte Art 
stammt von St. Thome. Möglicherweise ist sie identisch mit der im zweiten 
Bande von Delegorgue's Voyage dans l'Afrique australe auf Seite 615 sehr 
unvollständig beschriebenen Coturnix Delegorguei, in welchem Falle der 
letztere Name, als der ältere, Geltung behalten würde. 



Zweiter Beitrag 



zur 



(&xnitt)olo$ie tDfftafrurfl'0, 



von 



Dr. G, Hartlaub. 



Unsere Hoffnung, dass abermalige Sendungen von Weiss die nächste 
Veranlassung zu einem zweiten „Beitrage zur Ornithologie Westafrica's" abgeben 
würden, ist bis jetzt (März 1851) unerfüllt geblieben. Und das ist um so mehr 
zu bedauern, als die beiden früheren wohl geeignet gewesen waren, ein ungewöhn- 
lich lebhaftes Interesse der Zoologen für die Insel St. Thome, den jetzigen 
Aufenthaltsort desselben, zu erwecken und als neben so manchen anderen Localitäten 
der Westküste Africa's gerade auch diese, den bisherigen Erfahrungen zufolge, 
nur geringe Aussicht auf anderseitige wissenschaftliche Ausbeutung zu gewähren 
scheint. 

In der Voraussetzung, dass eine Vervollständigung und resp. Berichtigung 
des vorigjährigen „Beitrages" den Ornithologen nicht unerwünscht kommen müsste, 
haben wir uns gern bereit finden lassen, was inzwischen darauf Bezügliches zu 
unserer Kenntniss gelangte, hier nachzutragen. Es sind namentlich zwei Werke, 
deren Inhalt zu spät kennen gelernt zu haben wir lebhaft bedauern. Das eine 
ist der ausführliche, von einem der Führer und einem der Naturforscher der letzten 
Niger-Expedition der Engländer veröffentlichte Bericht über dieselbe, welcher 
1848 in London unter dem Titel „A Narrative of the Expedition sent by H. M. 
government to the River Niger in 1841, by Capt. W. Allen and T. E.H.Thomson" 
in zwei Bänden erschien , deren letzter in einem zoologischen Anhange die 
Beschreibungen aller neuen, während dieser Reise beobachteten Thiere giebt. 
Der grossen Mehrzahl nach waren die Vögel allerdings bereits von Fräser und 
Anderen bekannt gemacht, viele sogar in der „Zoologia typica" abgebildet worden, 
aber um so interessanter war es uns , hier zuerst Nachrichten über eine neue, bisher 
nur aus der Abbildung in Gray's „Genera of Birds" bekannte Schwalbenart, H i r u n d o 
nigrita, so wie über Corythaix gigantea und Corythaix macrorhyncha 
zu finden, von welcher letzteren Art bis dahin nicht einmal das Vaterland bekannt 
gewesen war. Ausserdem enthält dieses Werk an vielen Stellen des Textes 
Bemerkungen, wenn auch nur spärliche, über die Lebensweise und zumal die 
Standorte der beobachteten Arten eingestreuet, und gerade auch in letzterer Hinsicht 
war es uns erfreulich, in demselben manches für diesen Nachtrag nicht unwichtige 

8 * 



— 60 — 

benutzen zu können. So befand sich unter den von der Expedition berührten 
Localitäten des westafricanischen Gebietes auch die kleine, waldreiche, südlich 
von St. Thome gelegene und von ihr nur durch einen schmalen Canal getrennte 
Jlha das Rollas, deren Thienvelt man wohl ohne Bedenken als auch auf St. 
Thome existirend annehmen darf. Es ist also ganz sicher nur Zufall, dass keine 
der dort von Thomson beobachteten Vögelarten (Melasoma edolioides, 
Laniarius icterus und chrysogaster, Treron crassirostris, Columba 
guinea, Turtur semitorquatus und Peristera chalcospilos) sich unter 
den von Weiss auf St. Thome gesammelten befindet. 

Das zweite der oben erwähnten Werke ist C. L. Bonaparte's „Conspectus 
generum avium", dadurch für vorliegende Arbeit überaus wichtig, dass es die 
ersten Beschreibungen oder wenigstens Angaben einer Anzahl neuer westafricani- 
scher Vögel enthält, welche das holländische Nationalmuseum in Leyden durch 
seine Reisenden aus Ashantee und von der Goldküste eingesandt erhielt, und 
deren Bekanntmachung der wissenschaftlichen Welt vorenthalten geblieben war. 
Es sind die folgenden : 

1. Scotopelia peli, (Temm.) Bonap. Ashantee. 

2. Caprimulgus concretus, Temm. ib. 

3. Alcedo quadribrachys, Temm. Guinea. 

4. Bessonornis diadematus, Bp. Guinea. 

5. Oriolus Baiuffi, Bp. Ashantee. 

6. Ixos ashanteus, Temm. 

7. Ceblepyris cinerascens, Temm. Guinea. 

8. Rectes ferrugineus, Bp. ib. 

9. Rectes dichrous, Bp. ib. 

10. Sigmodus caniceps. Temm. 

11. Laniarius peli, Temm. Ashantee. 

12. Symplectes princeps, Bp. Jlha do Principe. 

13. Coryphegnathus capitalba, Bp. Ashantee. 

14. Gymnobucco calous, Bp. Ashantee. 

15. Xylobucco scolopaceus, Bp. ib. 

16. Centropus epomidis, Temm. Guinea. 

17. Centropus Francisci, Temm. ib. 



— 61 — 

Diese Liste würde ohne Zweifel noch reicher ausfallen, wenn nicht Bonaparte's Werk 
erst etwa zur Hälfte gedruckt wäre. Auch hinsichtlich der Synonymie und der 
geographischen Verbreitung der einzelnen Arten giebt dasselbe manche nützliche 
Winke an die Hand, und musste für die unten folgenden Berichtigungen und 
Nachträge mehrfach zu Rathe gezogen werden. 

Endlich verdient hier noch eine ältere Arbeit Erwähnung, welche unter dem 
Titel „Observations on the countries of Congo and Loango as in 1790 by Mr. 
George Maxwell" im 6ten Bande des Edinburgh Philosophical Journal erschien, 
und welche wenigstens dadurch an diesem Orte ein gewisses Interesse beansprucht, 
dass sie in einem längeren, den Vögeln gewidmeten Abschnitte den grossen 
Reichthum und die Mannigfaltigkeit derselben in jenen südlichsten Gegenden 
Westafrica's bezeugt. Der Verfasser, Capitain eines KaufFahrers, scheint übrigens 
nicht ohne Talent für Naturbeobachtung gewesen zu sein, er berichtet von dein 
geselligen Nisten gewisser Papageyen in den grossen „Cotton-trees," welche 
allmorgentlich zur bestimmten Zeit geräuschvoll von ihnen verlassen und Abends 
ebenso wieder bezogen werden, von den 10 Fuss klafternden, in Flügen von 
Tausenden zusammenhaltenden Pelicanen Congo's, von der merkwürdigen Lebens- 
weise der auf den Inseln und Sandbänken des Flusses zahlreichen Flamingo's 
u. s. w., wobei denn nur zu bedauern bleibt, dass seine Arbeit keine wissen- 
schaftliche Feststellung irgend einer der besprochenen Arten möglich macht. 

Die aus Bonaparte's „Conspectus," so wie aus verschiedenen anderen, weniger 
ergiebigen Quellen gewonnene Bereicherung des Artencatalog's zieht nothwendig 
gewisse Veränderungen des allgemeinen Theils unseres „Beitrag-s" und namentlich 
der schon an sich immer nur annähernd richtigen numerischen Resultate desselben 
nach sich. iSur auf die wichtigsten möge hier hingewiesen werden. Zu der 
Zahl der Westafrica eigenthümlichen Gattungen kämen hinzu: Scotopelia, 
eine sehr grosse, zwischen Athene und Scops stehende Eulenform, Rectes, 
eine uns bis jetzt nur dem Namen nach bekannte Würgerform, Xylobucco, 
und vielleicht noch Gymnobucco und» Sigmodus, obgleich wir bei einem 
neuerlichen Besuche des Berliner Museums unter den von Peters aus Mozambique 
mitgebrachten Vögeln die beiden letzteren Gattungen bestimmt erkannt zu haben 
glauben; ferner auch noch Pyrenestes, denn Bonaparte bringt wohl mit Recht 
die bisher dazu gerechnete südafricanische Pyrrhula albifrons Vig. in eine neue 



— 62 — 

generische Abtheilung, Coryphegnathus, welche ihrerseits wieder durch eine 
nahe verwandte Art in Ashantee vertreten wird. Dagegen würde Nigrita 
wegfallen, denn Bonaparte kennt eine Art vom weissen Nil, N. Arnaudi. — Zu 
den von uns namhaft gemachten Beispielen der Vertretung westafricanischer 
Vögel durch sehr ähnliche, aber bestimmt verschiedene Species in anderen Theilen 
desselben Welttheils, verdient als besonders interessantes hinzugefügt zu werden, 
dass Peters eine zweite, etwas grössere Podica-Art (Podica Petersii, nob.) 
in Mozambique entdeckt hat. — Die Bemerkung, man habe vor Weiss nur eine 
einzige Vogelart von St. Thome gekannt, Ploceus grandis, bedarf insofern 
rler Berichtigung, als Thomson daselbst Treron crassirostris beobachtete. — 
Die Zahl der hinzugekommenen Arten beträgt 29, die der durch synonymische 
Reduction u. s. w. wegfallenden acht. 

Die ersten Hefte von Sir William Jardine's „Contributions to Ornithology" 
für 1851 enthalten eine etwas abgekürzte Uebersetzung des „Beitrag's" vom 
vorigen Jahre. 



Nachtrag 
zu dem Verzeichnisse der westafricanischen Vögel. 

Spec. 13. Für diese Art sei Hypotriorchis ardesiacus, Vieill. der Haupt- 
name. Der von Temmink unter dem Namen Falco concolor beschrie- 
bene Falke ist eine andere Art. Vergl. ßp. Consp. p. 26. 

„ 24. Hier ist einzuschalten: 

Scotopelia peli (Temm.) Bp. Consp. p. 44. Ashantee. 

„ 25. Ist identisch mit Scops capensis, Smith, und kömmt auch in Süd- 
africa vor. 

„ 26. Zwei sehr lebhaft gefärbte ^Exemplare aus dem Kaffernlande im 
Berliner Museo. 

„ 28. Diese Art scheint auf Westafrica beschränkt zu sein. Die nahe 
verwandte nordöstliche ist Bub o cinerascens, Guer. und die eben- 
falls sehr nahe stehende südliche B. Verreauxi, Bp. 



— 63 — 
Spec. 30. Beschreib. Allen and Thoms. Narrat. Nig. II. p. 488. 

„ 31. Einzuschalten : 

Caprimulgus concretus, Temm. Bp. Consp. p. 60. Ashantee. 
„ 33. Nigerraündung und Aboh am Niger: Allen and Thoms. Nig. I. p. 167 

und 250. 

„ 34. Allen and Thoms. Nig. II. p. 498. Nach Bonaparte ein Dendrochelidon 
„ 40. „Bimbia Küste" Thoms. ib. II. 290. — Bonap. Rev. crit. p. 49. 
„ 41 . Ist bestimmt identisch mit Hir. abyssinica, Guer. Bonap. Rev. crit. p. 52. 
„ 47. Bonaparte hält Coracias senegala Lath. für eine eigene Art. 

Wohl mit Unrecht. 
„ 52. Häufig in den Rhyzophoragebüschen der Nigermündung: Allen and 

Thoms. Nig. 1. p. 167. 

Bei Alcedo wäre einzuschalten: 

A. quadribrachys, Temm. Bp. Consp. p. 158. Guinea. 
„ 60. Allen and Thoms. Nig. II. p. 203. Beschreib. 
„ 62. Niger.: Thoms. 1. c. I. 203. 

„ 71. Ist wohl gleichartig mit Merops variegatus, V. (sp. 74). 
„ 85. Fernando Po: Thoms. Nig. II. p. 211. — Congo: Mus. Berolin. 
„ 87. Congo: Mus. Berolin. 
„ 93. Stammt nicht vom Niger, sondern von Fernando Po: Thoms. Nig. II. 

p. 303. 
„ 97. Allen and Thoms. Narrat. Nig. II. p. 502. Beschr. 
„ 104. Aboh am Niger. Thoms. ib. I. p. 250. 
„ 106 — 114. Beschreib, ib. II. p. 495. 490 und 491. 

Bei Drymoica ist einzuschalten: 
D. chrysocnema, Licht. Mus. Berol. Senegal. 

Bei Sylvia: 
S. opaca, Licht.Mus.Berol. StehtderS. olivetorum sehr nahe. Senegal. 
„ 122. Allen and Thoms. Narrat. Nig. II. p. 295. Beschreib. 
„ 123. Ibid. p. 493. 



— 64 — 

Spec. 124. Wohl eins mit Sylvia brachyura, Licht. Mus. Berol. 
Bei Saxicola schalte ein: 
S, Aethiops, Licht. Mus. Berol. Senegal. — Myrniecocichla 
aethiops, Bonap. Consp. p. 302. 
,, 130. Auch im nordöstlichen Africa nicht selten. 

„ 132. Von Bonaparte Zosterops senegalensis genannt. Consp. p. 399. 
,. 135. Iddah am Niger. Thoms. Narrat. Nig. I. 310. 
., 136. Thoms. 1. c. II. p. 493. Beschreib. 
„ 138. Thoms. I. c. II. p. 495. Beschreib. 

143. Bessonornis Swainsonii, Bp. Consp. p- 301. 
Dann einzuschalten: 
Bessonornis diadematus, Bp. Mus. Lugd. Guinea. Consp. p. 30. 
„ 144. Allen and Thoms. Narr. Nig. II. p. 496. 
., 148. Cap. Coast.: Thoms. 1. c. I. p. 142. 
„ 149. Aboh am Niger: Thoms. ib. 250. 

„ 152. Ist Oriolus Baruffii, Bonap. Consp. I. p. 347. Ashantee. 
„ 155. Bonap. Consp. p. 262. 
„ 158. Bonap. Consp. p. 262. 
„ 161. Allen and Thoms. Nig. II. p. 496. 
Dann einzuschalten: 
Ix os ashanteus, Temm. Mus. Lugd. Bp. Consp. p. 266. 
165 u. 166. Allen and Thoms. Nig. II. p. 496—97. Beschreib. 
169 u. 170. Thoms. 1. c. II. p. 298 und 99. Beschreib. 
171. Aboh am Niger: Thoms. 1. c. I. 245. 
174 — 176. Allen and Thoms. Nig. II. p. 292 — 94. Beschreib. 
ISO. Thoms. 1. c. II. 191. Beschr. 

184. Lanicterus lobatus, Bp. Gattung Lobotos, Reichenb. 
Hier einzuschalten: 
L. xanthomoides, Less. Ann. des Sc. nat. 1838. p. 169. Gambia. 

Bei Ceblepyris'füge hinzu: 
C. cinerascens, Temm. Guinea. Bp. Consp. p. 353. 
187. Ilha das Rollas: Thoms. Nig. II. p. 41. 






— 65 — 

Bei den Laniaden fehlt: 
Rectes dichrous, Bonap. Guinea. Rev. et Mag. deZool. 1850, p. 564. 
Rectes ferrugineus, Bonap. Guinea. Ibid. 
Spec. 196. Allen and Thoms. Nig. II. p. 489. Beschreib. 
Bei Corvinella ist einzuschalten: 
Sigmodus caniceps, Temm. Mus. Lugd. Bp. Consp. p. 365. 
Eine ganz nahe verwandte Art steht im Berliner Museo, von 
Peters aus Mozambique gebracht. 
„ 205. Ilha das Rollas und Bimbia: Thoms. Narrat. Nig. II. p. 41 u. 289. 
„ 210. Ilha das Rollas: Thoms. ibid. II. p. 41. und Fernando Po. Thoms. 
ib. II. 221. Kömmt auch in Südafrica vor: — L. similis, Smith. Av. jun. 

Dann ist einzuschalten: 
Laniarius peli, Temm. Mus. Lugd. Ashantee. Bp. Consp. p. 360. 
„ 213. Ptilostomus poecilorhynchus, Wagl. ist nicht synonym 
von Pt. senegalensis, sondern eine gute eigne Art. 
214. Fernando Po: Thoms. Narrat. Nig. II. p. 221. 

219. Fernando Po: Thoms. 1. c. Eine etwas kleinere Localrage dieser 
Art brachte Dr. Peters von Mozambique. 

Hier ist einzuschalten: 
Lamprotornis opaca, Licht. Mus. Berol. S £■ Galam. 
227. Iddah am Niger: Thoms. 1. c. I. p. 311. 

229. Allen and Thoms. Narrat. Nig. II. p. 499. Bonaparte vereinigt diese 
höchst ausgezeichnete Art irrthümlich mit Ploc. textor. Consp. p. 440. 

230. Thoms. 1, c. I. p. 135. 
232. Diese Art und sp. 238 sind gleich. Vielleicht gehört auch Ploceus 

velatus Vieill. dahin. 
241 und 242 will Bonaparte vereinigen: Consp. p. 441. 
245. Kömmt auch im nordöstl. Africa vor: Ploc. erythrocephalus, Rüpp. 
248. Ist nach Bonaparte das Weibchen von Ploceus larvatus, Rüpp. 

250. Eine Abbildung dieser Art: Gueri'n Iconogr. R. A. Ois. t. 18. 8. 

251. Iddah am Niger: Thoms. Narrat. I. p. 310. Bonaparte zieht diese 
Art und die folgende zusammen. 



)5 

5? 



— 66 — 

Spec 254. Allen and Thoms. Narrat. II. p. 500. Von Bonaparte irrthümlich 

mit sp. 262 vereinigt: Consp. p. 438. 
„ 258. Foudia erythrops, Bonap. Consp. p. 446. 
„ 259. Abyssinische Exemplare dieser Art glauben wir specifisch sondern 

zu müssen, eine Ansicht, welcher Bonaparte beistimmt. Er schlägt 

für die neue Art den Namen: Quelea Lathami vor. 
„ 261. Aboh am Niger: Thoms. 1. c. I. 250. 
„ 263. Ist p von 262. 

Hier wäre einzuschalten: 

Symplectes princeps, Bp. Consp. p. 439. Ilha do Principe. 
„ 266. Schön abgebildet: Journ. Acad. Philad. I. pl. 41. <J und £. 
„ 268. Mus. Paris. 

„ 271. Allen and Thoms. Narrat. Nig. II. p. 501. 
Bei Vidua ist einzuschalten. 

V. albonotata, Cassin Journ. Acad. Philad. I. p. 241, pl. 30, fig. 2. 

V. regia, L. Westafrica. ? 
„ 275. Aboh am Niger: Thoms. 1. c. I. 245. 
„ 277. Iddah am Niger: Thoms. 1. c. I. 310. 
„ 278. Schön abgebildet: Journ. Acad. Philad. I. pl. 31, fig. 2. Bonaparte 

will diese Art mit der vorigen vereinigen. ? 
„ 279. Allen and Thoms. 1. c. II. p. 500. Reichenbach erhebt diesen Vogel 

zu der Gattung Ligurnus. 
„ 282. Wahrscheinlich identisch mit Estrelda Perreinii, V. (sp. 293). 
„ 283. Gambia: Mus. Brem. 
„ 284. Auch im Sennaar: Bonap. Consp. 
Hier fehlt: 

Estrelda atricapilla, Bonap. in litter. Gaboon. n. spec. 
,, 285. Auch in Südafrica: Fring. melanotis, Temm. Col. 221. 
„ 286. Allen and Thoms. Narr. Nig. II. p. 501. 
„ 287. Ist auch Fring. sanguinolenta, Temm. 
„ 290. Ist die Gattung Otygospiza, Sundeval. 
„ 294. Angola: Mus. Berol. (Fring. lippa, Licht.) 
„ 297. Von Hemprich und Ehrenb. im Berl, Mus. Ist eine Pytelia. 



— 67 — 

Hier fehlt: 
Pytelia afra, (Gm.) Bp. Brown Illustr. 25, fig. 2. Angola. 
Spec. 301 und 302: Allen and Thoms. Nig. II. p. 500. 
„ 303. Davon ist bestimmt verschieden: 

Amadina ultramarina, Gm. Westafrica. Bonaparte vereinigt dj^se 
beiden und Estrelda musica V. in seine Gattung Hypochera. 
„ 308. Iddah am Niger: Thoms. 1. c. I. 310. 
Bei Corythaix ist einzuschalten: 

C. macrorhyncha, Fräs. Proc. Zool. Soc. 1839, p. 34. — Gray. 
Gen. of Birds, fig. opt. „Bimbia and Cameroons." Thoms. 1. c. 
II. p. 505. 

„ 321. Allen and Thoms. Narrat. Nig. II. p. 221 und 504. Ist wahrscheinlich 
der „Boolicoco" Angola's, unvollständig beschrieben von G. Maxwell. 
„ 326. Aboh am Niger: Thoms. 1. c. I. 250. 

„ 328. Ist auch Buceros macrourus, Temtn. Mus. Lugd. Ashantee. 
Bonap. Consp. p. 91. 

Bei Buceros ist einzuschalten: 
B. fistulator, Cassin, Proceed. Acad. N. Sc. Philad. 1850.- p. 68. 
„ 332. Iddah am Niger. Thoms. 1. c. I. 311. 
„ 334. Iddah: Thoms. 1. c. 

„ 337. Ist eins mit Bonaparte'sPoiocephalus magnirostris: Consp. p. 5. 
„ 344. Allen and Thoms. 1. c. II. 504. Beschreib. 
„ 346. Gambia: Mus. Brem. Der kleinste aller Bucconiden. 
Dann schalte ein: 
Gymnobucco calvus (Lafr.) Bonap. Consp. 141. Ashantee. 
Xylobucco scolopaceus, Bonap. ib. Ashantee. 
. „ 352. Mas adult. ist P. poiocephalus, Sw. Malh. Classif. p. 29. 
Bei Dendrobates schalte ein: 

D. pyrrhogaster, Malh. Rev. zool. 1845. p. 399. Bonap. Consp. 
p. 126. Sierra Leone. Ashantee. 

„ 356. Picus pardinus, Temm. Mus. Lugd. Ashantee. 
Bei Indicator füare hinzu: 
J. major, Steph. (flavicollis, Sw.) Westafrica. 

9* 



— 68 — 

Bei Centropus ist einzuschalten: 

C. epomidis, Temm. Bonap. Consp. 107. Guinea. Mus. Lugd. 

C. Francisci, Bonap. ib. Guinea. Mus. Lugd. 
Spec. 369. Einer brieflichen Mittheilung Bonaparte's zufolge stecken unter 
, Chalcites smaragdineus zwei Arten, deren eine einen kürzeren 

quadrirten, die andere einen langen keilförmigen Schwanz hat. 

Beide sind westafricanisch. 

Fernando Po: Thoms. 1. c. II. 221. 

Jlha das Rollas und St. Thome: Allen and Thoms. Narrativ. Nig. II. 

p. 41 und 506. 

Jlha das Rollas: Thoms. 1. c. II. p. 41. 

Jlha das Rollas und Bimbia: Thoms. 1. c. II. p. 221 und 290. 

Jlha das Rollas: Thoms. 1. c. II. p. 41. 

Iddah am Niger: Thoms. 1. c. I. p. 311. 

Allen and Thoms. Nig. II. 507. Beschreib. 

Ibid. 508; Beschreib. 

Ibid. II. p. 507 und I. p. 332. 
474. Eine neue verwandte aber etwas grössere Art brachte Peters von 

Mozambique: Mus. Berol. 
479. Dr. Peters sammelte diese Art in Mozambique und der Prinz zu 

Neuwied erhielt sie aus Senegambien. 
482. Allen and Thoms. Narrat. Nig. I. p. 167. 

486. Nigermündung: Thoms. 1. c. I. 167. 

487. Nigermündung: Thoms. ib. 

496. Allen and Thoms. Narrat. Nig. II. p. 498 und I. p. 167 und 179. 
Erste Beschreibung. — Atticora nigrita. Bonap. 

497. Ist Hir. rufula Temm. Bonap. Consp. p. 339. — Id. Rev. crit. p. 50. 

498. Ist gleichartig mit Hir. puella Schleg. (sp. 41) und H. abyssinica, 
Guer. Bonap. Consp. p. 340. 



55 


370. 


55 


374. 


55 


376. 


55 


379. 


55 


384. 


55 


391. 


55 


406. 


55 


410. 


!5 


470. 






Beiträge 



zur 



fcxmven Hotntmfe trer JSUirfctjlottgot, 



von 



Dr. Philipp Schmidt. 



Erklärung der Tafeln. 



Tab. 1. Tkalassophis anguillaeformis. Mihi. 
Fig. 1. Die Kopfschilder. Fig. 2. Die Schilder der Unterkinnlade. Fig. 3. Die 
Bauchschienen. Fig. 4. Der Kopf von T. muraenaeformis. Fig. 5 und 6. Bauch 
und Halsschilder mit der zahnförmigen Erhebung derselben Schlange. 

Tab. 2. Tkalassophis microcephala. Mihi. 
Fig. I. Die Kopfschilder. Fig. 2. Beschildung des Unterkiefers. Fig. 3. Die 
Afteröffnung. Fig. 4. Bauchschuppen. Fig. 5. Stärkster Körperumriss. Fig. 6. 
Umriss des Schwanzes. 

Tab. 3. Tkalassophis viperina. Mihi. 
Fig. 1 . Ansicht der Unterkinnlade nebst den bei der Kehle anfangenden Bauch- 
schildern. Fig. 2. Beschuppung. Fig. 3. Der After mit den umgebenden Schildern. 

Tab. 4. Thalassopkis anomala. Mihi. 
Fig. 1. Ansicht der Schnautze von vorn. Fig. 2. Die Kopfbeschildung. Fig. 3. 
Der Unterkiefer. Fig. 4. Die Schuppen mit ihren Erhebungen. Fig. 5. Stärkster 
Körperumriss. Fig. 6. Umriss des Schwanzes. 

Tab. 5. Tkalassophis Scklegelii. Mihi. 
Fig. 1. Der Unterkiefer. Fig. 2. Umriss des Körpers. 

Tab. 6. Thalassopkis Werneri. Mild. 
Fig. 1. Die Kopfbeschildung. Fig. 2. Die Beschildung des Unterkiefers. 
Fig. 3. Vergrösserte Schilder. Fig. 4. Stärkster Körperumriss. 

Tab. 7. Der Foetus einer Hydropkis striata. Sckley. 
Fig. 1. a. Ein Ei in seiner natürlichen Lage, vom Eileiter umschlossen, 
b. Das Ei vom Eileiter befreit und etwas in die Höhe gehoben. Der, durch das 
Amnion durchscheinende Foetus, liegt gegen die Rückenwirbel und wird gegen die 
Bauchseite von der Placenta gedeckt, c. Der zurückgeschlagene Eileiter. Fig. 2. a. 
Die junge Schlange, wie sie, nach Entfernung des Amnion, in der kahnförniigen Ver- 
tiefung ihrer Placenta ruht. b. Ansicht der Placenta und der verbindenden Nabel- 
schnur, c. Ansetzungspunkt der Nabelschnur und Aftei Öffnung — der deutlicheren 
Darstellung wegen um ein Weniges vergrössert. 



JDem freundlichen Entgegenkommen mehrerer unserer Rheder, so wie den 
ehrenvollen Bemühungen ihrer Schiffsführer und Steuerleute verdankt das Hambur- 
gische naturhistorische Museum ^ unter anderen Schätzen, auch eine beträchtliche 
Anzahl von Schlangen aus dem Indischen Archipel und Chinesischen Meere. Die 
Schwierigkeit, welche der Fang dieser Thiere bietet, macht dieselbe zu Seltenheiten 
in den Museen und noch immer blieben die Fragen über ihre Lebensart und 
Generationsverhältnisse unbeantwortet. Unsere Kenntniss von ihnen beschränkt 
sich daher nur auf die Formen der wenigen bisher bekannt gewordenen Arten. 
Die verdienstvollen Untersuchungen Schlegel's*) haben die Verwirrung, welche 
in der Beschreibung und Eintheilung dieser Thiere herrschte und vererbte, wo 
nicht gänzlich gelöst, doch bedeutend aufgeklärt. Es ist diesem ausgezeichneten 
Sachkenner gelungen, wenigstens sieben Arten der bisher bekannt gewordenen 
Meerschlangen wissenschaftlich festzustellen. In dem ersten Bande der „Ab- 
handlungen aus dem Gebiete der Naturwissenschaften" fügte ich eine 
achte Species, unter dem Namen: Hydrophis schizopholis, hinzu und gegen- 
wärtig ist es mir vergönnt, sieben neue Arten anreihen zu können. Bemerken 
muss ich jedoch, dass eine derselben wahrscheinlich schon von Russell" 1 ') 
beschrieben, von Schlegel aber möglicherweise auf eine seiner sieben Species 
bezogen worden ist. Letzteres erklärt sich leicht aus der Ungenauigkeit 
der Beschreibung und Abbildungen Russell's und aus der offenbaren Thatsache, 
dass er ein und dasselbe Thier in verschiedenen Lebensaltern und Varietäten 
als besondere Arten aufgeführt hat. Hier wird eine ausreichende Controlle nur 
möglich, wenn das Thier selbst zur Hand ist, welches die Abbildung und 
Beschreibung zweifelhaft darstellt. Gern bin ich bereit, es nur dem Zufalle 
beizumessen, wenn ich im Stande bin, den im Auftrage der Regierung in Java 
wissenschaftlich Reisenden einige verloren gegangene Beobachtungen nachtragen 



*) Essai sur Ia Physionomie des serpens. Amsterdam 1837. 
**) Account of Indian Serpents. London 1796. 



— 72 — 

zu können. Jedenfalls aber freue ich mich, dem jungen Institute des Hamburgischen 
Museums den Ruhm vindiciren zu können, an Meer-Ophidier die berühmtesten 
und begünstigsten Museen des In- und Auslandes an Reichthum zu überbieten. 

Es ist ein Irrthum der niederländischen Reisenden, wenn sie behaupten, 
dass an der Küste Java's nur eine einzige Art Hydrophis vorkommt"). Im 
Jahre 1847 fing der Capitain des Hamburger Schiffs Alma, Herr Meyer, und 
dessen Steuermann, Herr Werner-*), auf der Rhede von Samarang, mittelst 
Netzfischerei, binnen einer Stunde, gegen hundert Hydrophiden und machten sie 
dem hiesigen Museum zum Geschenk. Unter diesen Schlangen erkannte ich 
als in grosser Anzahl vorhanden die H. schistosa, in geringerer H. gracilis, 
pelamis, striata. Ausser den angeführten traten mir aber fünf Arten als unzweifelhaft 
neu entgegen, und eine Species, welche ich dem Russell wiederum zurückerstatten 
möchte. Aus der angeführten Thatsache erhellt es klar, dass unter günstigen 
Verhältnissen eine 3Ienge von Meerschlangen an der Küste Java's vorkommen. 
Ich habe es nicht versäumt, mich nach dem Betragen der Thiere zu erkundigen, 
konnte aber nur unbefriedigende Resultate erlangen. Die Thiere bewegen sich 
langsam, schlängelnd, dicht unter der Oberfläche des Wassers und suchen bei 
der Jagd rasch die Tiefe. Die bei Samarang gefangenen Schlangen machten im 
Netze lebhafte Bewegungen, welche denen der Aale glichen. Nachdem sie eine 
Stunde am Bord gewesen, hatte die Energie dieser Bewegungen noch nicht 
nachgelassen; sie wurden sodann in Weingeist erstickt. Herr Werner behauptet, 
auf seinen vielen Reisen im Indischen Meere grössere Meerschlangen gesehen 
zu haben, namentlich eine zwölf Fuss messende in der Südsee, etwa hundert 
Meilen von der Sunda-Strasse, und eine noch bei weitem grössere, welche von der 
Küste Java's den Cours nach Sumatra nahm und dicht vor dem Schiffe vorüberglitt. 
Peron will ebenfalls Meerschlangen von der Grösse von zwölf Fuss gesehen 
haben; ich muss indessen gestehen, dass ich nicht glaube, dass irgend eine der 
mir bekannten Hydrophiden eine solche Grösse erlangen könne. In Betreff der 
zweiten von Herrn Werner in kolossaler Grösse beschriebenen Schlange glaube 
ich eher an die Möglichkeit, dass ein wasserliebender Python molurus die Reise 



') Schlegel I. c. 

*) Gegenwärtig Marinelieutenant auf der deutschen Flotte. 



! 



— 73 — 

von Java nach Sumatra nicht zu entfernt gehalten habe, als an das Vorkommen 
eines so gänzlich von unserer Gattung abweichenden Grössenverhältnisses. 

Die Meerschlangen werden durchgehends in die Abtheilung der giftigen 
gebracht und dennoch ist die Berechtigung hierzu keinesweges hinreichend 
nachgewiesen. Die verdächtige Rinne, welche an der convexen Seite der 
Fangzähne der oberen Maxille bei einigen Meerschlangen allerdings vorkommt, 
fehlt bei anderen und ist überdies eine Eigenthümlichkeit mancher harmlosen 
Homalopsis-Arfen, so wie verschiedener Erd- und Baumschlangen, deren Unschäd- 
lichkeit nichtsdestoweniger feststeht. Kann das Vorkommen einer Rinne am 
Zahn die giftige Eigenschaft an und für sich nicht feststellen, so kann dies 
noch weniger das Dafürhalten der Anwohner jener Gestade, wo vorzugsweise 
Meerschlangen vorkommen. Soll die Annahme der Giftigkeit nicht mit einem 
Vorurtheil verwechselt werden, so müssen, was keinesweges der Fall ist, 
unzweifelhafte Thafsachen vorliegen von der schädlichen, oder gar tödlichen 
Wirkung des Bisses dieser Thiere bei Menschen. Eine auf Tradition oder einen 
abschreckenden Anblick begründete Furcht wird aber gegen viele Thiere aus 
der Klasse der Reptilien gehegt, die durchaus unschuldig sind. Häufig empfing 
unser Museum einen Gecko, eine Amphisbaene u.dgl. mit dem Bemerken: „Die 
Eingebornen fürchteten den Biss dieser Thiere mehr qls den der Klapperschlangen 
und hielten ihn für unmittelbar tödlich." Die Analogie gestattet überdies von 
der Unschädlichkeit der Flussschlangen auch auf die der Meerschlangen zu 
schliessen, wenigstens dürfen wir dies unbedingt bei jenen, denen die verdäch- 
tigende Rinne fehlt, und deren kleine Mundöffnung und winziges Zahnsystem 
überhaupt einen schädlichen Act unmöglich macht. Aber dem Allen stehen die 
Beobachtungen Russell's entgegen, der, obgleich einige Meerschlangen für 
unschädlich erklärend, andern ein Gift beimisst, welches nach wenigen Minuten, 
den Tod von gebissenen Hühnern nach sich ziehe. Die Schwierigkeit, jene 
ihrem Elemente entnommenen Thiere zum Beissen zu bringen, muss sehr gross 
gewesen sein und Andere haben dieses Experiment vergeblich versucht. Ueberdies 
ist das Temperament dieser Thiere keinesweges kriegerisch. Siebold, der auf 
seiner Reise nach Japan viele Meerschlangen fangen liess, berichtet, dass die 
Matrosen dieselben furchtlos durch die Hände gleiten Hessen, ohne gebissen zu 
werden, und auch Russell giebt an, wie die Zubringer mehrerer von ihm für 

]0 



— 74 — 

giftig erklärten Schlangen keine Gefahr bei ihnen vorausgesetzt hätten. Es 
würde sich nicht schicken, eine Thatsache zu leugnen, die Russell beobachtet 
haben will, obgleich ihm sonst leicht nachgewiesen werden kann, dass er bei 
anderen Angaben auf Hörensagen viel Gewicht gelegt haben muss. Russell 
berichtet ebenfalls, wie er bei einer weiblichen Hydrophis neun vollkommen 
ausgebildete Junge gefunden habe, von denen jedes in ein bestimmtes Ei einge- 
schlossen gewesen wäre. Die Zahl der Eier steht in grossem Missverhältniss 
zu den von mir gemachten Beobachtungen und es ist auffallend, dass Russell 
die näheren Verhältnisse des Ei's, die sich doch wesentlich von denen anderer 
Schlangeneier unterscheiden, mit keinem Worte anführt. Die Eier der Land- 
schlangen sind bekanntlich, gleich denen der Schildkröten, Lacertinen und 
Crocodille, von einer pergamentartigen Hülle umgeben und werden in den Sand 
abgesetzt, um sodann von der Sonne ausgebrütet zu werden. Bei den Eiern 
der Meerschlangen fehlt nun diese äussere Umgebung gänzlich und das vollkommen 
reife, zum Ausschlüpfen bereite Thier liegt nur in der Umhüllung der zarten 
Eihäute und in der kahnförmigen Vertiefung der dotterartigen Placenta, an welcher 
es mit der Nabelschnur befestigt ist. So fand ich die Beschaffenheit des Eies 
bei einer weiblichen Hydrophis striata, welche vier Eier im Oviduct trug. Die 
jungen Schlangen waren vollkommen ausgebildet, in allen Theilen der Mutter 
gleich; sie hatten eine Länge von zehn Zoll, während die der Mutter vier Fuss 
betrug. Nur in der Färbung wichen sie bedeutend ab. Das junge Thier zeigte 
abwechselnd mit der hellen Grundfarbe zahlreiche schwarze Ringe, während das 
alte rautenförmige schwarze Flecken auf dem Rücken trug, bei schmutzig 
schwefelgelber Färbung der Bauchseiten. Der Foetus lagerte gegen die Rücken- 
wirbel und war an der Bauchseite von der Placenta gedeckt. Gleichzeitig fand 
, ich bei einer Hydrophis gracilis drei Eier, welche dieselben Bedingungen zeigten, 
nur war der Embryo noch nicht so weit ausgebildet und es zeigte sich, dass in 
den früheren Stadien desselben der Dotter den Keim umhüllt. Das Thier fand 
sich nämlich auch gegen den Rücken noch fast von der gelben Masse umhüllt, 
die indessen schon bemerkliche Spuren von Resoibtion an sich trug, so dass 
im späteren Verlaufe der Entwickelung nur die kahnförmige Placenta übrig- 
bleibt. Es würde sich hier also eine Analogie mit der Bildung der Placenta 
bei den Säugethieren finden. — Nach dieser Beobachtung kann der Geburtsact 



— 75 — 

der Hydrophiden keinem Zweifel ferner unterliegen. Die zarte Hülle der Eihaut 
wird durchbrochen im Augenblicke der Geburt und die junge Schlange tritt aus 
den Geburtsorganen der Mutter, als selbständiges Wesen, unmittelbar in ihr 
neues Lebenselement, das Wasser. Auch die Hypothese von Schinz, als könnte 
die junge Schlange in der ersten Lebensperiode mit Kiemen versehen sein, 
widerlegt sich hierdurch. 

Die Sammlung der Ophidier ist in unserem Museum nach Schlegel geordnet, 
mit Ausnahme der Pythonen, Eryciden, Boaeiden und Tortriciden, bei welchen 
die Eintheilung von Dumeril und Bibron zum Grunde gelegt wurde. Ausserdem 
habe ich die Wasserschlangen in eine Familie zusammengestellt, da sie, ihrer 
Organisation zufolge, in einem natürlichen Systeme nicht getrennt werden können. 
Die Familie bezeichne ich mit dem Namen der Hydrophiden und rechne zu ihnen; 
I. Das genus Homalopsis""') mit seinen schon zahlreichen Arten. 

II. Das genus Potamophis mit den bis jetzt allein bekannten Arten Pota- 
mophis javanica (Acrochordus javanicus) und P. fasciata (A. faseiatus). 

III. Das genus Thalassophis (Hydrophis Schleg.), gegenwärtig bestehend aus 
den sieben von Schlegel festgestellten Arten, der von mir unter dem Namen 
Hydrophis schizopholis eingeführten Schlange und den jetzt folgenden, von mir 
beschriebenen Arten. 

Ich wende mich jetzt der Schilderung einer ganzen Reihe neuer Meer- 
schlangen zu, in der Ueberzeugung, dass die ungeheure Vorrathskammer unseres 
Planeten, das Meer, sicher noch viele Wesen in ihrem Innern birgt, welche, der 
von mir behandelten Gattung angehörend, noch späteren Beobachtungen vorbe- 
halten bleiben. 



*) In Schlegel's System sind die Tropidonotus- und Homalopsis-Arten unter zwei genera 
gebracht, welche, als fünfte Familie der ungiftigen Schlangen, die Süsswasserschlangen 
ausmachen. Die Tropidonoten gehören nun offenbar, ihrer Organisation und Lebensart 
zufolge, mehr den Landschlangen an, weshalb ich dieselben von den eigentlichen Wasser- 
schlangen getrennt und, als verbindendes Glied, in ein genus gebracht habe, welches ich 
mit- dem Namen Hydrophilophis bezeichne. Wohl ist mir bekannt, dass mehrere 
Boaeiden und Pythonen diese Benennung mit eben dem Rechte verdienen, indessen 
würde man dieselben nur gewaltsam aus ihrer natürlichen Verbindung reissen können. 



10 * 



— 76 — 

I. 

Thalassophis anguillaeformis. Mihi. 

Charactere. Der Eindruck, den der Anblick der Schlange macht, ist 
abweichend von dem sonst bei Meerschlangen gewöhnlichen. Während der Kopf 
in Form und Beschildung an einen Elaps erinnert, erwecken die Gestaltung des 
Körpers und die fetten Contoure unwillkürlich die Vergleichung mit einem Aale. 
Grosse Bauchschilder sind vorhanden, wie bei Elaps- und Bungarus- Arten; die 
Schuppen durchaus glatt, wie bei Hydrophis colubrina und bei den Landschlangen, 
mit einer hornartigen Epidermis bedeckt. Färbung: schmutzig ockergelb, der 
Rücken kaffeebraun. 

Gestaltung. Der Kopf setzt sich etwas vom Halse ab, der letztere ver- 
läuft anfangs cylindrisch, leicht von oben nach unten gedrückt. Gegen die Mitte 
des Körpers fällt die grösste Stärke desselben, die allmählig, gegen den Schwanz 
zu, sich wieder verringert. Der Körper gewinnt eine leichte Abplattung, welche 
aber weder auf dem Rücken noch am Bauche eine wirkliche Kielung hervor- 
bringt, sondern mehr das Contour des Aales zeigt. Die Mundspalte ist gerade, 
ziemlich lang, die Augen liegen über der Mitte derselben, seitlich, etwas nach oben 
gerichtet; die rundlichen Naslöcher stehen vertikal. Der Oberkiefer trägt an 
jeder Seite sechs viereckige Lippenschilder; das dritte Schild, vom Mundwinkel 
gerechnet, bildet das untere Augenschild. Die Spitze des Mundes bildet ein 
grosses Rostralschild, welches nach unten einen starken Zahn ausschickt, der 
sich in eine Vertiefung einlegt, welche das herzförmige Mittelschild der Unter- 
kinnlade besitzt. An das vertikal abfallende Rostralschild lagern sich die 
vorderen deltoidisch gestalteten Stirnschilder, welche in schwacher Senkung nach 
aussen und hinten die geschlossenen Naslöcher tragen. Die hinteren Frontal- 
schilder sind in vier in einer Reihe liegende Schilder getheilt, die mittleren 
sind die kleinsten, die um das Doppelte grösseren äusseren stossen seitlich an 
das vordere Augenschild. Spitzwinklich nach oben und unten ist das grosse 
hexagonale Vertikalschild gelagert; ihm zur Seite zwei kleinere, ähnlicher Form, 
als obere Augenschilder; zwei grosse Del1*>ide bilden schliesslich die Hinter- 
hauptschilder. Die Lippenschilder des Unterkiefers bestehen ebenfalls aus sechs 
Vierecken zu jeder Seite, die von vorne das herzförmig eingekerbte Mittelschild 



— 77 — 

umschliessen und Rechtecke darstellen, denen sich zwei ähnliche nach unten 
anschliessen. Die Schuppen sind in der Nähe des Kopfes rautenförmig, die 
untere Spitze legt sich dachziegelartig; absteigend nehmen die Schuppen an Grösse 
zu und liegen dann wie gepflastert an einander; sie sind durchaus glatt, ohne 
die geringste Spur einer Erhebung. Unter dem Halse beginnen querliegend 
grosse hexagonale ßauchschilder, ganz wie bei den natterartigen Schlangen, und 
unter den Meerschlangen bei der Hydrophis colubrina; bis zum breiten Afterschild 
zählt man 142 Bauchschilder. Ein hornartiger, ganz der Epidermis der Land- 
schlangen gleichender Ueberzug ist eine fernere Eigenthümlichkeit. 

Grösse. Kopf 0, 2; Schwanz 0, 8; ganze Länge 0; 63. 

Färbung. Die Grundfarbe ist ein dunkeles Okergelb. Kopf und Kücken 
sind kaffeebraun; zahlreiche, bis zum Schwanzende an einander stossende, eine 
etwas dunklere Farbe tragende, rautenförmige Flecke verästeln sich zur unbe- 
stimmten Zeichnung über den gelben unteren Theil des Leibes. 

Aufenthaltsort. Diese Schlange wurde an der Küste von Java gefangen. 



IL 

Thalassophis muraenaeformis. Mihi. 

Unbedeutend kleiner als die vorige und ihr in Allem so ähnlich, dass sie 
vielleicht als Varietät der vorhergehenden betrachtet werden kann. Der wesent- 
liche Unterschied besteht 1) darin, dass die hinteren Frontalschilder nicht in vier von 
ungleicher Grösse getheilt sind, sondern wie gewöhnlich zwei pentagonale 
Schilder ausmachen; und 2) dass das Centrum jedes Bauchschildes vom Halse 
bis zur Mitte des Bauches eine zahnförmige starke Erhebung zeigt, die dann 
plötzlich aufhört, um von glatten Schildern gefolgt zu Averden. 

Die Schlange wurde mit der vorigen zugleich auf der Rhede von Samarang 
gefangen. 

Das Zahnsystem dieser Schlangen ist ein sehr schwaches, und es darf mit 
Recht an dem Vorkommen verdächtiger Zähne gezweifelt werden. 



— 78 — 

III. 
Thalassophis microc eph ala. Mihi. 

Charaktere. Der hintere Theil des Leibes um das Dreifache höher als 
der vordere. Keine Bauchschilder. Sehr grosses, nach unten gebogenes 
Rostralschild. Schwanz auffallend kurz und glatt. Farbe des Kopfes gelblich. 

Gestaltung. Bei flüchtigem Anblick glaubt man eine Hydrophis gracilis 
vor Augen zu haben, von der sie aber wesentlich verschieden ist. Der Kopf 
unterscheidet sich von ihr durch das Rostralschild , die Farbe und das viel 
grössere Herüberragen der Oberkinnlade über die untere. Der obere Theil des 
Körpers verläuft fast gleich mit dem kleinen Kopf cylin drisch bei beiden 
Schlangen und nimmt allmählig gegen die Mitte zu; bei H. gracilis bleibt aber 
der Rücken rundlich, während er bei T. microcephala einen scharfen Rand nach 
oben und unten bildet Bei ersterer ist der Schwanz länger und seitlich dicker, 
die zweite zeigt ihn auffallend kurz und platt. Jene hat hexagonale Bauchschilder 
mit zwei tuberculösen Erhebungen, dieser fehlen die Bauchschilder ganz und 
eine Reihe gleich grosser Schuppen tritt in der Mitte des Bauches zu einer 
Sutur zusammen. In der Färbung und Zeichnung ähneln sich beide Thiere bis 
auf den Kopf. 

Die Mundspalte ist fast gerade, mit einer leichten Biegung in den Mund- 
winkeln nach aufwärts. Der schmale Kopf läuft pyramidal zu. Sechs Lippen- 
schilder sind an jeder Seite vorhanden; das dritte, vom Mundwinkel gerechnet, 
bildet das untere Augenschild, das fünfte ragt am höchsten hinauf, das sechste 
ist am kleinsten. Das pentagonale Rostralschild ist sehr gross und wie ein 
Papageischnabel gebogen und tritt um eine Linie über die Unterkinnlade hervor. 
An dieses legen sich zwei grosse, rechteckige, vordere Frontalschilder, welche 
im obem und äussern Winkel die Naslöcher tragen; es folgen zwei kleinere, 
hexagonale, hintere Frontalschilder, denen sich zu jeder Seite ein kleineres, 
pentagonales, vorderes Augenschild anreiht. Das Verticalschild ist klein, hexagonal, 
zu beiden Seiten liegen in ähnlicher Form die oberen Augenschilder; zwei 
langgestreckte Pentagone bilden die Hinterhauptschilder. Der Unterkiefer trägt 
ebenfalls an jeder Seite sechs Schilder, die gegen die Spitze des Mundes sind 
die grössten und umfassen das triangelförmige Mittelschild. 



— 79 — 

Das laterale Auge liegt mehr gegen den Mundwinkel. Die Schuppen bilden 
Rhomben, die sich am Nacken etwas decken, später sind sie pflasterartig 
gestellt. Sie sind schwach carinirt, bei einem Exemplare trägt jede Schuppe zwei 
Tuberkel. Die gewöhnliche Schleimepidermis bedeckt das Thier. 

Farbe. Rostral- und Frontalschilder sind hochgelb; die Hinterhauptschilder 
blauschwarz ; der Bauch schmutziggelb; im Nacken beginnen blaugraue, rauten- 
förmige Flecke, im weiteren Verlaufe zeigt sich bei den meisten Exemplaren 
eine ebenmässig blaugraue Färbung; der Schwanz hat bei einigen Ringe, bei 
anderen nicht. 

Grösse. Kopf 0, 2, Schwanz 0, 7, ganze Länge 0, 97. 

Bei einem anderen Exemplare ist der Kopf etwas über ein Centimeter gross, 
während der Schwanz 0, 6, und das ganze Thier 0, 78 misst. 

Aufenthaltsort. Küste von Java. 



IV. 

Thalassophis viperina. Mihi. 

Charaktere. Stark abgesetzter, rundlicher Kopf mit hervorstrebenden 
Augen. Von der Kehle anfangend grosse Bauchschilder, die sich von der Mitte 
des Bauches an verkleinern. 

Gestaltung. Die Schlange, obgleich zu denen gehörend, welche, gleich 
der T. gracilis und microcephala, in der vorderen Hälfte des Körpers bedeutend 
kleinere Verhältnisse bieten, als in der hinteren, zeigt doch ein von ihnen 
bedeutend abweichendes Ansehen. Das Absetzen des Kopfes von dem cylindrischen 
Halse ist mehr als bei einer sonst bekannten Meerschlange bemerklich und ist 
zunächst in der starken Ausbeugung der oberen Kinnladen begründet, durch 
welche der Kopf eine rundliche Gestalt gewinnt. Die weite Mundspalte, die 
hervortretenden Augen geben dem Thiere einen wilden Ausdruck und erinnern 
an die Kopfform einiger Vipern. 

Der vordere Theil des Körpers ist, bis zur Mitte allmählig anschwellend, 
cylindrisch; dann plattet er sich massig ab und gewinnt nach oben und unten 
scharfe Contoure, doch nicht stärker ausgeprägt, als bei T. gracilis. Audi der 



— 80 — 

Schwanz verhält sich wie bei der zuletzt genannten Schlange, indem er bei 
seiner Abplattung doch seitlich etwas Rundliches behält. 

Der runde, vorn sehr abgestumpfte Kopf hat fast gleichstehende Ober- und 
Unter -Kiefer. Die weitgespaltene MundöfFnung zieht sich nach Oben. Der 
Kopf ist im Yerhältniss zum Körper massig gross. Sechs Lippenschilder sind 
am Oberkiefer vorhanden; das erste, vom Mundwinkel anfangend, ist getheilt; 
das vierte, viereckige Schild bildet die untere Einfassung des Auges. Das grosse, 
hexagonale Rostralschild hat unten starke Einschnitte und liegt fast ganz abhängig. 
Die vorderen, pentagonalen Frontalschilder legen sich an den spitzen Winkel des 
Rostralschildes und zeigen in ihrer Mitte die oblongen, mit einer Membran 
verschlossenen , vertical stehenden Naslöcher. Zwischen diesen Schildern und 
dem Verticalschild lagern, in ähnlicher Form, zwei obere Frontalschilder. Dem 
hexagonalen Verticalschilde stehen zwei kleine, ähnlich gestaltete, als obere 
Augenschilder, zur Seite. Zwei langgestreckte Pentagone lagern sich an den 
spitzen Winkel des Verticalschildes, als Hinterhauptschilder. Das runde, grössere 
Auge, als sonst bei Meerschlangen gefunden wird, tritt aus der Orbita hervor 
und zeigt eine goldgelbe Iris mit runder Pupille. Zwei hintere und ein vorderes 
Augenschild sind überdies vorhanden. Am Unterkiefer zählt man zehn Lippen- 
schilder, die im Winkel des Mundes sind die kleinsten. Die Untermandibular- 
gegend ist mit lang gezogenen Hexagonen besetzt. Gleich unter der Kehle 
beginnen querliegende Rechtecke als Bauchschilder, die herabsteigend zu einem 
Quadrat sich zusammendrängen, bis sie, immer sich verkleinernd, gegen den 
Schwanz und über ihn hinaus als Hexagone erscheinen. Die sonstige Beschuppung 
ist hexagonal, pflastersteinartig, überall eine massige Längscarina tragend; die 
Bauchschilder haben dagegen zwei Längserhebungen. Die Zähne sind bei dieser 
Schlange sehr klein, an den Fangzähnen der oberen Maxille ist auch mittelst 
der Loupe keine Rinne zu entdecken. Das Ansehen scheint also bei dieser Art 
zu trügen, welche sicher als unschädlich betrachtet werden darf. 

Färbung. Die Grundfarbe ist ein zartes Weissgelb, welches sich auch 
an der Schnautze und bis über die Augen geltend macht. Von den zweiten 
Frontalschildern zieht sich über den Rücken eine schöne blauschwarze Färbung 
und über diese treten, vom Nacken anfangend, vierzig rautenförmige, sich 



— 81 — 

symmetrisch folgende Flecken auf, die am Schwänze Ringe bilden; das Ende des 
Letzteren ist ganz blauschwarz. 

Grösse. Kopf 0, -2. Schwanz 0, 6. Ganze Länge 0, 65. 

Aufenthaltsort. Diese Schlange ward in einem einzigen Exemplare an 
der Küste von Java gefangen. 



V. 

Thalassophis anomala. Mihi. 

Charactere. Aufgewulstete Ränder an den Gesichtsschildern; eigene 
Nasenschilder; eine sehr starke weisse Längscarina auf jeder Schuppe, welche 
nach unten stachelartig endet. Fleischfarbiges Gesicht, indigoblaugraue Rauten auf 
blasgelbem Untergrund. 

Gestaltung. Diese Schlange unterscheidet sich auf den ersten Blick 
von allen bekannten Meerschlangen, sowohl in Hinsicht auf die auszeichnende 
Färbung, als auch auf die ganz eigenthümliche Kopfbildung. In der äusseren 
Gestalt schliesst sie sich den Schlangen an, welche, gleich der Hydrophis 
nigrocincta und der von mir beschriebenen H. schizopholis, einen mehr robusten, 
nur gegen die unteren Partien massig seitlich abgeplatteten Körperbau zeigen. 
Der Kopf verläuft gleichmässig mit dem Halse, welcher die Cylinderform auch 
auf den oberen Körper überträgt; letzterer gewinnt aber beträchtlich an Dicke, 
um sich dann später gegen den Schwanz etwas seitlich abzuplatten. Sechs 
Lippenschilder sind an jeder Seite der oberen Maxille vorhanden. Unter dem 
ersten, vom Mundwinkel angefangen, finden sich noch zwei kleinere; das dritte 
und vierte Schild steht unter dem Auge; das fünfte, pentagonale, tritt mit dem 
Dreieck nach oben. Das Rostrum besteht aus drei kleinen Schildern, von denen 
das mittlere, ovale, je seitlich von einem Dreieck begränzt wird, wodurch die 
Einschnitte entstehen, in welche sich das gegenüberstehende Schild der Unter- 
kinnlade einlegt. Auf das mittlere Schild des Rostrum's stellt sich ein kleines, 
ovales Schild, an welches sich zwei ähnliche anlegen, welche nach oben die 
Nasal- und unteren Frontalschilder begränzen. Die eben beschriebenen Schilder 
bilden abfallend die abgestumpfte, über den Unterkiefer etwas hervorragende 
Schnautze. Es folgen jetzt in horizontaler Lage die ersten Frontalschilder als 
gestreckte Oblonge; diese haben zu jeder Seite die Nasenschilder, welche nach 

11 



— 82 — 

Innen die geschlossenen grossen Naslöcher tragen ; dieselben stehen in einer 
Linie mit den Augen. Eine Eigenthümlichkeit ist, dass die Nasal-, die unteren 
Frontal- und die Rostralschilder mit aufgewulsteten Rändern an einander liegen, 
wodurch das Gesicht den Ausdruck eines mit Narben versehenen erhält. Die 
zweiten, nach oben rund, nach unten spitz auslaufenden Frontalschilder keilen 
sich ein zwischen dem vorderen pentagonalen Augenschild, dem Nasal-, dem 
unteren Frontal-, dem Vertical- und den oberen Augenschildern. Das Verticalschild 
bildet ein Delta, seitlich begränzt von den pentagonalen Oberaugenschildern. Die 
Hinterhauptschilder gleichen in Form dem Vertex, nur sind sie um das Doppelte 
grösser. Das Auge wird nach hinten von zwei Schildern begränzt; ein Typus, 
der aber veränderlich zu sein scheint. So zeigt ein Exemplar hinter dem einen 
Auge zwei, hinter dem anderen nur ein Schild; ein anderes hinter jedem Auge 
nur ein einziges. Der Unterkiefer trägt an jeder Seite zehn Lippenschilder. 
Vom Mundwinkel anfangend, bilden sie erst kleine Vierecke, die mit dem sechsten 
grösser werden; das siebente ist am grössten, dann folgen zwei gleiche und 
endlich zwei ovale, die in der Mitte das kleine herzförmige Schild umfassen, 
welches dem eingezackten Rostrum entspricht. Die Spalte des Maules ist 
scharf nach oben gezogen ; das Auge liegt in der Mitte der Mundspalte. Die 
Bezahnung dieser Schlange ist eine schwache; die verdächtige Rille in den 
Fangzähnen ist selbst mit der Loupe nicht zu entdecken. Die Beschuppung ist 
eine hexagonale, pflastersteinartig gesetzte. Jede Schuppe trägt eine sehr starke, 
weisse Längscarina, welche nach unten sich erhebt und in eine Spitze endet, 
so, dass diese Erhebung mit dem Dorne zu vergleichen ist, welcher an dem 
Stamm der wilden Rose sitzt. Das eigentliche Bauchschild würde sich ganz 
unter die gleichen Nebenschilder verlieren, trüge es nicht zur Auszeichnung zwei 
Längserhebungen. 

Färbung. Die Schlange hat lebhafte Farben. Während die Grundfarbe 
ein blasses Schwefelgelb ist, wird der Rücken von symmetrisch sich folgenden, 
indigoblaugrauen, rautenförmigen- Flecken geziert, welche kurz vor dem Schwänze 
sich in Ringe zusammenziehen. Das Gesicht trägt Fleischfarbe. 

Grösse. Kopf 0, 2; Schwanz 0, 9; ganze Länge 0, 72. 

Aufenthaltsort. Die Schlange wurde in mehreren Exemplaren auf der 
Rhede von Samarang gefangen. 



— 83 — 

VI. 

Thalassophis Schlegelii. Mihi. 

Charaktere. Starke Abplattung des ganzen Körpers und scharfe Kielung 
am Rücken und Bauche. Rücken dunkelgrau, Bauch weissgelb. 

Synonymem: Hoogli pattee. Russell Tom. 1. Tab. X. — ? — 

Es muss dahingestellt bleiben, ob die von Russell abgebildete und beschriebene 
Schlange mit der unsrigen zusammenfällt, da es unmöglich ist, sich aus den 
Darlegungen dieses Schriftstellers vollständig zu unterrichten. Die Abbildung 
entspricht, bis auf den ungenau in Form und Beschildung gezeichneten Kopf, 
sonst vollständig der Thalassophis Schlegelii ; die Beschreibung weicht aber sehr 
von derselben ab. Russell giebt seiner Schlange überdies Giftzähne mit tödtlichem 
Biss und eine Grösse von drei und einem halben Fuss. Die Grösse betreffend, 
so messen die Exemplare, welche alle Kennzeichen alter Thiere tragen, ungefähr 
die Hälfte der angegebenen. Dagegen muss bemerkt werden, dass das sonst so 
harmlos aussehende Thier zu seinem Umfang verhältnissmässig grosse Fangzähne 
hat, welche nach vorne eine deutliche Rille zeigen. 

Gestaltung. Sie weicht von allen durch Schlegel und mich bisher 
beschriebenen Schlangen ab. Der Kopf gleicht in Form dem Kopfe eines 
Tropidonotus, ist etwas abgesetzt vom Halse und läuft pyramidal mit leichter 
Abstumpfung aus. Charakteristisch ist aber die Kielung, welche gleich hinter 
dem Nacken beginnt und allmählig ganz scharf wird. Auch am Bauche ist die 
Kielung mehr als bei irgend einer anderen Schlange hervortretend ; die starke 
seitliche Abplattung folgt aus dem Angeführten. Der Oberkiefer des lang- 
gestreckten Kopfes tritt etwas über den Unterkiefer hervor. Der Mund ist lang 
gespalten und zieht sich etwas in die Höhe. Acht Schilder bilden den Rand 

des Oberkiefers zu jeder Seite. Die drei ersten, vom Mundwinkel anfangend, 

• 
sind unregelmässige Vierecke, die bei einigen Exemplaren, vielleicht nur zufällig, 

getheilt sind; es folgt dann ein dreieckiges Schild, dann zwei viereckige als 
Unteraugenschilder; dann ein grösseres Pentagon und achtens, ein verschobenes 
kleines Viereck, welches an das abfallende, mit starken Einkerbungen versehene 
Rostralschild sich anlegt. An das Rostralschild legen sich als vordere Frontal- 
schilder zwei Rechtecke, die im oberen und äusseren Winkel die verticalen, 

11 * 



— 84 — 

rundlichen Naslöcher tragen. Es folgen zwei pentagonale obere Frontalschilder. 
Drei, beinahe gleich grosse Hexagone bilden das Vertical- und zu jeder Seite 
ein Oberaugenschild; zwei grosse langgestreckte Pentagone machen die Gränze 
als Hinterhauptschilder. Es sind ein vorderes Augenschild und zwei kleinere 
quadrate Hinterhauptschilder vorhanden. Die Augen, liegen seitlich. Der Unter- 
kiefer zeigt ebenfalls acht Lippenschilder, die ersteren vier sind klein, die vier 
letzteren gross, besonders diejenigen, welche das Dreieck, welches dem Rostral- 
schild entspricht, umschliessen. Die Beschuppung ist pflastersteinartig, hexagonal, 
die Bauchschilder unterscheiden sich nur durch eine Längsreihe grösserer 
Hexagone. Jede Schuppe trägt eine schwache Erhebung in der Mitte. Das 
gewöhnliche dünne Epithelium überzieht die Schilder. 

Färbung. Das alte Thier ist zweifarbig. Der Rücken ist bis zur Hälfte 
des Leibes dunkelschiefergrau gefärbt, der untere Theil des Körpers ist gelblich- 
weiss; bei jüngeren Thieren sind die Farben heller und man sieht den grauen 
Rücken von feinen weissen Strichen, die ein Centimeter von einander stehen, 
durchschnitten. Bei ganz jungen Thieren sind die Striche bestimmter und bilden 
eine niedliche Zeichnung, auch ist der Schwanz von schwarzen Ringen umgeben, 
welche bei dem älteren Thiere fehlen. 

Grösse. Kopf 0, 2; Schwanz 0, 7; ganze Länge 0, 66. 

Aufenthaltsort. Die auf verschiedene Weise erhaltenen Exemplare sind 
grösstentheils im Chinesischen Meere gefangen. 



VII. 

Thalassophis Werneri*). Mihi. 

Charactere. Kopf sehr niedergedrückt; Leib seitlich stark zusammen - 
gepresst, mit scharfer Kielung nach Qfcen und Unten; Bauchschilder kaum 
bemerklich; schwarzgrüne ebenmässige Färbung auf dem Rücken, grüngelbe an 
den Bauchseiten. 



*) Dieser Name ward dem Thiere beigelegt, in ehrender Anerkennung der Verdienste, 
welche sich der ehemalige Obersteuermann des Schiffes Alma und jetzige Marine- 
lieutenant, Herr Reinhard Werner, um die Bereicherung des Hamburgischen natur- 
historischen Museums durch eifriges Sammeln auf seinen früheren Reisen erworben hat. 



— 85 — 

Gestaltung. Nächst der Thalassophis Schlegelii ist diese Schlange eine 
der am meisten zusammengedrückten. Die Kielung des Rückens beginnt etwa 
zwölf Centimeter hinter dem cylindrisch gestalteten Halse und ist scharf wie ein 
Messer, die Kielung am Bauche entspricht der oberen. Der Schwanz verläuft 
lanzettförmig und zeigt an den Rändern eine stärkere Abplattung, als dies sonst 
bei Meerschlangen bemerkt wird. Auch diese Schlange hat mit der Hoogli 
pattee Russell's grosse Aehnlichkeit und es muss dahingestellt bleiben, ob er 
diese oder die vorige Schlange im Auge hatte, oder die seinige vielleicht eine 
eigene Art darstellt. 

Der etwas abgesetzte Kopf ist stark niedergedrückt, die obere Kinnlade 
überragt die untere nicht. Der hinten breitere Kopf läuft pyramidal gegen die 
Schnautze und stumpft sich hier kurz ab. Die Mundspalte ist gerade, in den 
Winkeln plötzlich aufsteigend. Die Beschildung des Kopfes ist eigenthümlich. 
Es sind sieben obere Lippenschilder vorhanden. Die vier ersten vom Mund- 
winkel ausgehend zeigen am Mundrande kleine Hülfsschilder, das vierte Schild 
steht unter dem Auge. Die drei gegen das Rostralschild liegenden pentagonalen 
Schilder sind grösser und von diesen ist das mittelste wiederum am grössten. Das 
Rostralschild ist abhängig, klein, oval, die unteren Einkerbungen treten weniger 
deutlich hervor. Zwei grosse, eingeschnittene, triangelförmige vordere Stirn- 
schilder legen sich mit dem spitzen Winkel an das Rostralschild und tragen 
gegen die Basis und in der Mitte die rautenförmigen, grossen, mit Membranen 
geschlossenen Naslöcher. Die hinteren Frontalschilder sind klein, ihnen zur 
Seite liegen die vorderen Augenschilder und zwischen diese Augenschilder 
und das vordere und hintere Frontalschild ist noch ein viereckiges kleines Schild 
eingekeilt. — An der vorderen Seite des linken Auges sind zwei -vordere Augen- 
schilder vorhanden, während am rechten nur ein grösseres erscheint, dagegen 
ist das Oberaugenschild des rechten Auges getheilt, während es einfach am 
linken ist. Bei beiden Augen sind die hinteren Augenschilder doppelt. Das kleine, 
fast runde Vertikalschild ist seitlich von hexagonalen Augenschildern begränzt. 
Die nun folgenden unregelmässig pentagonalen Hinterhauptschilder schliessen 
in der Mitte nicht aneinander, sondern lassen von oben mehrere kleine Schilder, 
von unbestimmten Formen, zwischen sich eindringen. Die Augen sind seitlich 
und etwas nach Oben gerichtet, die Iris ist goldgelb. Auch die untere Maxille 



— 86 — 

trägt sieben Lippenschilder, von denen die gegen die Mundspitze langgestreckt 
lagernden die grössten sind. Das dem Rostralschild gegenüberstehende Schild 
ist ebenfalls schmal und lang nach unten gezogen. Die Untermandibulargegend 
ist mit Rechtecken gepflastert. Die Beschuppung besteht aus gepflasterten 
Rhomben, die eine starke Längscarina tragen; gegen den Schwanz wird diese 
Bildung mehr viereckig; auf dem Schwänze sind die Schuppen am grössten. 

Die Bauchschilder bestehen in einer Reihe Schuppen, welche kaum von 
den übrigen zu unterscheiden sind ; jedoch ist diese Reihe durch etwas grössere 
und zweifach carinirte Schuppen gebildet. 

Die Zahnbildung dieser Schlange ist mit der vorhergehenden ziemlich gleich. 
Auch bei ihr sind verhältnissmässig grosse Fangzähne mit deutlich vorderer 
Rille vorhanden. 

Färbung. Ein olives Grün überzieht Kopf und Rücken, während der 
Bauch schmutzig gelbgrün ist. Ueber den Rücken ziehen sich symmetrisch 
abgesetzte, etwas dunkelgrünere, rautenförmige Flecken, die gegen den Bauch 
spitz auslaufen. 

Grösse. Länge des Kopfes 0,4; des Schwanzes 0, 14; ganze Länge 0, 90. 

Aufenthaltsort. Diese Schlange wurde, unter vielen anderen, auf der 
Rhede von Samarang in einem einzigen Exemplare durch Herrn Werner gefangen. 



Das Gold der Goldküste, 

besonders das von Elmina. 



Vorgetragen 
in der geographisch -geologischen Section des naturwissenschaftlichen Vereins 

von 

Professor JSf. WFiehel, 






Äeit Entdeckung der Goldschätze Californiens haben wir die Analysen 
dieses edlen Metalles aus jenen reichen Fundstätten fast gleichzeitig von Henry"), 
Hoffmann* ) und Oswald*"*) erhalten. Ebenso kennen wir längst die Zusammen- 
setzung des Goldes aus den verschiedenen Gruben von Mittel- und Süd-America 
und denen des Ural durch die trefflichen Arbeiten von Boussingaultf), G. Roseff), 
Awdejewftf) und Anderer. Ausserdem lieferte Lampadiustf-j-j-) eine Analyse 
des Goldes von Eula in Böhmen ; Klaproth und andere Chemiker die Zerlegung 
dieses Metalles von verschiedenen Fundörtern Siberien's und Europa's. Vergeblich 
forscht man dagegen nach neueren Untersuchungen über die Beschaffenheit des 
Goldes von der Africanischen Westküste. Wenn es keinem Zweifel unterliegen 
dürfte, dass schon die Punier aus diesen reichen Quellen geschöpft haben, 
ebendaher durch Mauren im Mittelalter ein grosser Theil des Goldes über 
Spanien nach dem Abendlande gelangte und die Portugiesen schon vor der 
Entdeckung America"s das Gold Guinea's.nach ihrer Heimath brachten, so muss 
eine solche Nichtbeachtung einer der ältesten Quellen des Reichthums in der 
That auffallen. Wenn man ferner erwägt, dass seit jener Zeit fast alle 
Völker Europa's daselbst Niederlassungen gegründet und einen lebhaften Tausch- 
handel gegen Gold und andere Landesprodukte mit den Eingeborenen eröffnet 
haben und die vielfachsten Erfahrungen über die Verfälschungen machten, welche 
sich dieselben erlauben, so begreift man kaum, warum dem Golde der Westküste 
von den Chemikern nicht gleiche Aufmerksamkeit wie jenem anderer Länder 
gewidmet worden. 



*) Philos. Magaz. XXXIV. 205. Erdmann's Journal. Bd. 46. 405. 

**) Annalen der Chem. und Pharmac. Bd. 70. 255. 

•") Poggendorff's Ann. Bd. 78. S. 96. 

f) Ann. de Chem. et de Phys. Bd. 34. 40S. 

•tf-) Pogg. Ann. Bd. 23. S. 161. 

fti) Pogg. Ann. Bd. 53. S. 153. 

■j-j-) Handb. z. chem. Anal, der Metalle S. 251. 

12 



— 90 — 

Seit mehreren Jahren bot sicli mir wiederholt Gelegenheit, grössere Quanti- 
täten desselben, welche hier eingeführt wurden, zu sehen, und ich benutzte 
dieselbe zur Gewinnung von Proben zum Behufe der Analyse. Wenn schon 
die Ergebnisse derselben manches Abweichende und auf den ersten Blick höchst 
Eigenthümliche darboten, so erhöhte sich das Interesse für diesen Gegenstand 
durch die Erlangung eines Stücks goldführenden Sandsteins aus der Nähe der 
holländischen Niederlassung Elmina, welches unser Reisender, Herr Weiss, 
seiner letzten Naturaliensendung beigefügt hatte. Ehe ich mich zur speciellen 
Besprechung des Letzteren wende, möge es mir gestattet sein, die wichtigsten 
Ergebnisse einer grösseren Analysenreihe des Westafricanischen Goldes vorzustellen. 

Die im Handel übliche Bezeichnung Gold staub passt nur theilweise auf 
den Zustand, in welchem das Metall zu uns gelangt, indem es in der Regel 
aus einem Gemische wirklichen Staubes mit Körnern bis zu Erbsengrösse und 
darüber besteht. So grosse Stücke, wie wir aus Californien erhalten, habe ich 
bis jetzt nicht darunter gesehen, wohl aber einige Parthien, die nur aus Körnern, 
andere, die nur aus dem feinsten Staube bestanden. Da ich, aus weiter unten 
erhellenden Gründen, bei meinen Untersuchungen die beiden Arten für sich 
behandelte, so entspringt daraus die Notwendigkeit, sie auch hier getrennt zu 
betrachten, und ich habe sie deshalb durch die Benennungen Körnergold und 
Staubgold unterschieden. 

Das Körnergold erscheint in den verschiedensten unregelmässigen Gestalten ^ 
oft zackig und mit vielen kleinen Vertiefungen auf der Oberfläche, bald mehr 
eben, verdrückten Ellipsoiden und Kugeln gleichend, bis zu den feinsten Blättchen. 
Die hervorspringenden Ecken und Kanten sind, namentlich bei den grösseren 
Stücken, stark abgeschliffen, während bei den kleineren, ungeachtet der beträcht- 
lichen Weiche des Metalles, sich alle Unebenheiten oft so frisch erhalten finden, 
wie bei dem im Muttergesteine sitzenden Golde. 

Ausgebildete Krystalle habe ich darunter nie gefunden, was, einer nicht 
unwahrscheinlichen Mittheilung zufolge, seinen Grund darin haben soll, dass 
die Neger dieselben sorgfältig aussuchen und zu ihrem Schmucke verwenden. 

Farbe und Glanz der Körner waren gleich dem des feinsten Ducatengoldes 
und eben so schön ihr Strich. 



— 91 — 

In den Vertiefungen der sehr zackigen Stückchen sieht man mit dem 
Vergrösserungsglase nicht selten kleine Gesteinskörnchen mit Quarz und Theilchen 
eines rothen Thones sitzen, welch letzteren man aber durch eine Bürste voll- 
ständig entfernen kann, während die Ouarzkörnchen sehr fest im Metalle haften. 

Das Gewicht mancher Körnchen fühlt sich auf der Hand zuweilen über- 
raschend klein, im Verhältniss zu ihrem Volumen ; aber es ist dies begreiflicherweise 
kein sicheres Merkmal ihrer Unächtheit, da Höhlungen im Metalle diese scheinbar 
geringe Schwere veranlassen und bei der Bestimmung des specifischen Gewichtes 
für Gold, von fast gleicher Feine gehalten, grosse Differenzen geben. Wir 
werden indessen sehen, dass man bei dem Körnergolde der Westküste doch 
mehr Gewicht auf diesen Umstand zu legen habe, und das Bedenken gegen die 
Reinheit solcher Stücke begründeter ist, als bei dem Golde von anderen Fundorten. 

Das Staubgold ist im feinsten Zustande für das unbewaffnete Auge fast 
glanzlos und messinggelb von Farbe. Im weniger feinen erkennt man vorherr- 
schend dünne Flitterchen, die an Farbe und Glanz sich dem Körnergolde nähern. 
Unter dem Mikroskope fand ich auch bei dem feinsten Staube die Lamellenform 
vorherrschend; rundliche oder eckige Körnchen waren nur überwiegend bei der in 
der Analyse mit No. 3 bezeichneten Probe. Da die Masse, aus welcher dieselben 
entnommen wurden, aber viele grössere und kleinere Bruchstücke verarbeiteten 
Goldes enthielt, so dürfte man wohl befugt sein, jene oft sehr zackigen und 
scharfkantigen Theilchen als Feilicht und Gekrätze zu betrachten, welches dem 
natürlichen Goldstaube beigemischt wurde. Von fünfzehn Analysen, welche ich 
mit dem Westafricanischen Körnergolde und Staubgolde angestellt habe, führe 
ich nur diejenigen hier an, welche durch ihre Ergebnisse besondere Beachtung 
verdienen. Dagegen mögen zur Vergleichung mit dem Americanischen und 
Ural'schen Golde einige Data aus den Arbeiten Boussingault's, G. Rose's 
A. hier Platz finden. 

Hinsichtlich des analytischen Verfahrens, beschränke ich mich auf die 
Jemerkung, dass die Scheidung auf nassem Wege und die Fällung des Goldes 
durch Chlorsäure bewirkt wurde. 



12 * 



— 92 — 

I. Westafrikanisches Gold. 

a) Körnergold. 

1. 2. 3. 4. 

Gold 89,40. 87,91. 73,54. 55,27. 

Silber 10,07. 11,40. 20,92. 18,58. 

Kupfer 0,53. 0,69. 4,27. 15,14. 

Zink 0,77. 9,09. 

Zinn 0,28 

Blei 0,20. 1,92. 

100,00. 100,00. 99,98. 100,00. 

b) Staubgold. 

1. 2. 3. 

Gold 97,23. 96,40. 92,03. 

Silber 2,77. 3,60. 5,82. 

Kupfer 2,15. 

100,00. 100,00. 100,00. 

II. Amerikanisches Gold n. Boussingault. 

. Gold 98,00. \ ' K 

L Silber 200 j Von Bucaramanga. 

100,00. 

„ Gold 84,50.1 __ i . , 

2. _„. , _ __ > Blattcnen von Oias Ancnas. 

Silber 15,d0. ) J 

100,00. 

„ Gold 74,00.* . 

3 - Silber 2600 | KrystaU von Tifnbi. 

100,00. 

4. _.,. «-'«,'■»" i Goldkorn vom St. Rosa de Osos. 

Silber 35,07. ) 

100,00. 



5. 
49,56. 

5,07. 
25,10. 
17,31. 

0,94. 

1,98. 



99,96. 



— 93 — 

III. Kalifornisches Gold. 

Körnergold. 

I. 2. 3. 4. 5. 6. 

Henry. Hoffmann. Oswald. 

Gold 90,01. 86,57. 89,61. 87,6. 88,76. 89,32. 

Silber 9,01. 12,33. 10,05. 8,7. 8,17. 9,74. 

Eisen etc — 00,54. 



J 0,34. | 3,7. [ 3,05. j 0,94. 
99,88. 99,73. 100,00. 100,0. 99,98. 100,00. 

IV. Gold vom Ural. 

a) nach G. Rose. 



.,. ' «'•»«"! Schabrowsky bei Katharinenburg. 

Silber 0,16. ) J ° 

99,12. 

,7.0.» 

,30, \ 



2. _,.„ ■„'„«"? Goruschka bei Nischne-Tagilsk. 

Silber I2, aft » 



100,00. 



3. ,-',-> Boruschka bei Nischne-Tagilsk. 

Silber 16,15. ^ 

100,00. 

. Gold 60,98.i . 

4. ' J Siranowsky im Altai. 
Silber 38,38. ) J 

99,36. 

b) nach Avvdejew. 

Gold 95,33. 

Silber 4,34. 

Kupfer 1 / Granatoedrische Krystalle von Katharinenburg. 



Eisen )" 

100,00. 



— 94 — 

Gold 92,71. 

Silber 6,51 

"■ tr,,,^- i > Desgleichen. 



J u P fer j 0,78. ( 

Eisen ) ' ) 



"&* 



100,00. 



Gold 79,00. 

Silber 20,34. 



Kupfer ) f Tetraedrische Krystalle. Ebendaher. 

Eisen j °' 66 A 



100,00. 

Bei der Bestimmung der specifi sehen Gewichte, die bei einer Wasser- 
temperatur von-f- 12 ° C. vorgenommen wurde, drängte sich mir die Beobachtung der 
nicht unbedeutenden Differenzen auf, welche Proben von fast gleichem Goldgehalte 
zeigen und dass in der Regel eine beträchtliche Zunahme der Dichtigkeit erfolgte, 
wenn das Korn geschmolzen worden war. Um sicher zu sein, dass durch die 
Schmelzung keine Veränderung in der materiellen Beschaffenheit eingetreten sei, 
ward nur ein Theil des Korns dazu genommen und dessen Zusammensetzung 
mit dem Reste verglichen. 

Nur die unter 4 und 5 bezeichneten Proben des Africanischen Körnergoldes 
erlitten nun so beträchtliche Umwandlung, dass von weiteren Versuchen abge- 
sehen wurde. 

Aus der folgenden Zusammenstellung der gefundenen Gewichte wird sich 
die Richtigkeit obiger Bemerkungen ergeben. Das * bezeichnet die sp. Gew. 
nach der Schmelzung. 



I. 


Afrikanisches Gold. 






a) Körnerg 


old. 






1. 


2. 


3. 


Gold in pCt. 




87,91. 


73,54 


sp. G 


4 14,63. 
( 17,79.* 


16,20. 
17,44.* 


15,72 
16,07 



— 95 — 

b) Staubgold. 

1. 2. 3. 

Gold in pCt 97,23. 96,40. 92,03. 

sp. G 18,92. * 1 8,48. * 1 8,25. * 

II. Californisches Gold. 

2. 3. 4. 5. 

Gold in pCt 86,87. 87,60. 88,76. 89,32. 

* 15,63. 17,4. 15,90. 16,91. 

Sp I 15,96 17,79.* 

geglüht u. gehämmert 16,48. 

III. Uralsches Gold, 

nach Awdejew. 

I. 2. 3. 

Gold in pCt 95,83. 95,3. 79,00. 

sp. G 18,79. 18,89. 16,03. 

Dass sich durch Schmelzung wie durch mechanische Behandlung die Dich- 
tigkeit des natürlichen gediegenen Goldes vermehre, ist schon früher beobachtet 
worden und hat bei der verschiedenen Porosität der Kömer nichts Auffallendes. 
Hier sollte nur zunächst dadurch belegt werden, wie unsicher es sei, aus der 
specifischen Schwere auf den Feingehalt zu schliessen. Auffallend sind dagegen 
die grösseren Dichtigkeiten bei geringerem Goldgehalte, wie sie bei dem Ural'schen 
und Californischen Golde sich zeigen. Will man dieselben nicht Versuchs- 
fehlern zuschreiben, so dürften sie nur durch die Annahme verschiedener Ver- 
bindungen zwischen Gold und Silber von anderem Dichtigkeitsgrade, die mit 
überschüssigem Golde gemischt sind, erklärlich sein. Hinsichtlich der Analyse 
des Californischen Goldes, No. 5 und 6, deren erstere von meinem Zuhörer, 
Stud. med. 3Iöller, unter meiner Leitung im Laboratorium, die letztere gleich- 
zeitig von mir selbst mit Körnern angestellt wurde, die unser Museum der Güte 
des Herrn J. Ruperti verdankt, glaube ich behaupten zu dürfen, dass die 
Abweichungen nicht in Fehlern liegen, da bei der Untersuchung jede mögliche 
Vorsicht angewendet wurde. Ganz besonders auffallend waren indessen für mich 
die grossen Differenzen in der quantitativen wie qualitativen Zusammensetzung 



— 96 — 

des Africanischen Goldes, gegen das anderer Länder. Allerdings ist durch 
Boussingault's und G. Rose's Arbeiten die beträchtliche Veränderlichkeit des 
Goldgehaltes, selbst vom gleichen Fundorte, erwiesen; denn unter den 16 
Analysen des Ersteren sind 2 zwischen 60 — 70 pCt, 4 von 70 — 80 pCt., 
7 von 80—90 pCt., 3 von 90—98 pCt.; und unter G. Rose's 23 Proben finden 
sich 2 von 60—70 pCt., 1 von 70—80 pCt., 9 von 80—90 pCt, 11 von 
90 — 98 pCt. Gold; aber Mengen von 53 und 49 pCt. kommen in keiner mir 
bekannten Analyse vor. Spuren des Kupfers und des Eisens fand G. Rose 
fast in allen untersuchten Proben, Henry und Awdejew in wiegbarer Menge. 
Eine so grosse Quantität aber war in der Analyse des Körnergoldes No. 3 um 
so verdächtiger, als Zink, Blei und Zinn daneben auftreten; das gleichzeitige 
Vorkommen von Kupfer und Zink"), Zinn und Bleierze*') mit dem Golde, Hess 
zwar die Annahme zu, dass dieselben bei der rohen Behandlung, welche man 
von den Negern erwarten darf, zufällig in das Metall gelangt seien; allein die 
spätere Zerlegung der Körner 4 und 5 stellte die absichtliche Beimischung 
ausser allem Zweifel. Eingezogene Erkundigungen belehrten mich zwar bald, 
dass die Bewohner der Goldküste sich arge Verfälschungen erlauben; dass 
dieselbe aber nicht nur an der Küste, sondern bis tief in's Innere als ein 
Industriezweig betrieben werde und wahrscheinlich in eine Zeit zurückreicht, 
ehe noch die Europäer diese Länder besuchten, erfuhr ich erst aus den Berichten 
älterer und neuerer Reisenden. 

So klagt schon darüber W. J. Müller ** : ). Noch genauer berichtet 



*) Sillim. Amer. Journal XX. 124. 

*) Oswald. A. a. O. 

*) Die Africanische, auf der Guineischen Goldkiiste gelegene Landschaft Fetu. Hamburg 1673. 
»Das gute Gold vermengen sie mit Caccaraen aus Silber, Kupfer, Messing. Aus Silber 
machen sie falsch Gold, welches zwar einen guten Schein hat, so man es aber genau 
besichtigt und probiret wird dasselbe lauter Silber befunden. Man hat wohl eher 
grosse Armringe, fünf, sechs Unzen Goldes schwer, für Gold angegeben, welche, ob sie 
zwar auf dem Probirstein Goldes Probe gehalten, hat man doch hernach, als man sie 
zerstücket, dass das Inwendigste Silber und Messing gewesen, befanden. 

Es ist unter ihnen sehr gemein , dass sie das Gold mit ausgebohrten goldenen 
Corallen und anderen ausgehöhlten Goldstückchen vermengen. Solche aber pflegen von 
ihnen mit kleinen Sandsteinlein und Körnlein aus- und angefüllt zu werden, damit sie 
desto mehr wiegen. Ursach dessen haben die Unter- Commissarien , welche auf der 



— 97 — . 
W. Bosman. *) — Dass selbst heute dieser Betrag noch fortdauere und mit grösster 



Guin. Küste das Gold empfangen, und andere Handelsleute gute Aufsicht zu nehmen, 
dass sie von den betrüglichen Schwarzen nicht hinter das Licht geführet und betrogen 
werden. 

Zwar ist es vor Jahren gebräuchlich gewesen, dass die Bedienten einer Africanischen 
Compagnie das falsche Gold zu confisciren und ohne eine Einrede wegzunehmen, 
denjenigen auch, welcher dasselbe gebracht, um ein fettes Schaaf zu strafen, Macht 
gehabt. 

Solcher Gebrauch aber ist nunmehr abgethan, so dass die Blanquen in Guinea 
niemals sauer dürfen sehen, wann ihnen falsch Gold angeboten wird. Wird ein Betrüger 
.zu Rede gestellt, weiss er alsbald sich zu entschuldigen. Der eine giebt vor, es sei 
nicht seine Schuld, dass das Gold nicht aufrichtig, er habe es selber von Andern also 
empfangen. Der Andere aber giebt kein gut Wort, sondern pochet, mit Vorgeben, weil 
man sich weigerte, das Gold zu nehmen, so wollte er die Waaren von andern Nationen 
kaufen, er wüsste gewiss, dass sie dasselbe mit Dank würden annehmen.« 
*) Nauwkeurige Beschryving van de Guinese Goud-Tand en Slavekust. Amsterdam 1737. 
»Zu ersteren gehören die mit Silber und Kupfer vermengten Fetiche. Dieselben werden 
von den Schwarzen zu kleinen Stückchen verhauen, im Werthe von 1, 2 und 3 Deuten. 
Den Werth dieser kleinen Stückchen wissen die Negerinnen so genau nach dem Ansehen 
zu bestimmen, dass man sie nicht übervortheilen kann. Sie zählen sie einander zu, 
ohne sie zu wiegen, wie gemünztes Gold. Man nennt diese Stückchen hier Kakeraas, 
ein Name, der von den Negern gegeben ist nnd das Geringste an Werth bezeichnet. 
Da dies Gold von schlechtem Gehalt und geringem Werthe ist, soll manches nicht über 
20 Gulden bei uns in Holland werth sein, doch geht es an der ganzen Küste im 
Handel. Unserer Besatzung wird damit ihre Löhnung bezahlt, die allerlei Eswaaren 
dafür von den Negerinnen kaufen. Diese mischen es unter anderes Gold und bringen 
es zu uns , worauf wir es durch unsere Leute aussuchen lassen und wieder ausgeben, 
so dass dieses Gold wie der wandernde Dukate ist, kommend und gehend, ohne sich 
zu vermindern, ungeachtet die Engländer, Franzosen, Portugiesen und selbst wir jährlich 
viel davon nach Europa senden. Da die Schwarzen indessen mehr neues machen, als 
wir wegsenden, so wird es wohl ewig hier im Gange bleiben. 

Meisterlich verstehen sich die Schwarzen darauf, falsches Gold zu machen ; das 
Staubgold und Berggold ahmen sie so schön nach, dass oft Leute damit betrogen 
werden. Manche Stückchen giessen sie so, dass sie rund umher eine Messerdicke gutes 
Gold haben, innen aber nur Kupfer oder auch Eisen enthalten; doch dies ist eine neue 
Erfindung von ihnen und noch nicht lange bekannt gewesen. Das gewöhnliche falsche 
Berggold ist Silber und Kupfer mit wenig Gold, jedoch so schön gefärbt, dass sie den 
Unkundigen damit leicht betrügen, der bei'm Empfang von 1 — 2 tfe Gold nicht alle 
Stückchen probiren kann und auch nicht auf den Gedanken kommt, da es so schön 
von Ansehen ist. 

Noch eine andere Art, die beinahe dem Berggold gleicht, besteht nur aus Staub 
von geschmolzenen Couraal, welches sie so schön zu giessen, kochen und färben 
verstehen, dass es nur durch die Schwere zu unterscheiden ist. Auch Staubgold 

13 



— OS — 

Geschicklichkeit geübt werde, erzählt uns Robertson,") und Dupuis **) erhielt 
vom König der Ashantees sogar die Versicherung: „Er wolle dafür sorgen, dass die 
Engländer reines Gold bekämen, nicht hohles Messing -Gold, wie es die Fantees 
machten. " Bei der in dem Tauschhandel üblichen und möglichen Art der 
Prüfung können die Neger durch Verfälschung des Goldes immer einen gewissen 
Gewinn ziehen, besonders wenn sie es als Körnergold an den Markt bringen 
und ich wage daher nicht zu behaupten, dass die Stückchen No. 1 und 2 der 
Analyse natürliches Gold seien, obschon ihr Silbergehalt dafür spricht. Eine 
so in's Kleine gehende Verfälschung, bei welcher man die Körner ausbohrt, mit 
Messing füllt und die Oeffnung wieder durch Gold scbliesst, ist natürlich nur 
in einem Lande möglich, wo die Arbeit und Zeit fast keinen Werth hat. Nur 
die mechanischen Schwierigkeiten, das Staubgold in gleicher Weise nachzuahmen, 
mag dies mehr gegen die Verfälschung geschützt und ihm den grösseren Werth 
gegen das Körnergold verliehen haben. Bosman ***) erklärt dasselbe schon für 
„das allerbeste, das in Europa am meisten werth sei" und die obigen drei 
Analysen bestätigen diese Ansicht vollkommen. Bei der ausserordentlichen 
Verbreitung des Gold führenden Schuttlandes zwischen dem Niger und Senegal 
bleibt nun aber die besondere Fundstätte des zur Untersuchung gewählten Goldes 
in völliger Ungewissheit, wenn es derselben nicht durch Reisende entnommen 
wird. Wenige sind bisjetzt überhaupt so weit vorgedrungen und auch diesen 
machte der Argwohn, mit welchem die Eingebornen die Lagerstätten bewachen 
und verheimlichen, eine genaue Erforschung derselben unmöglich. 

Um so erfreulicher war mir daher die Sendung einer Gold führenden Stufe 
aus der Nähe von Elmina durch unseren Reisenden, Herrn Weiss. Er hatte 



machen sie daraus, doch meistens nehmen sie dazu gefeiltes Kupfer, dem sie eine gute 
Farbe zu geben wissen. 

Docli all' das falsche und gefärbte Gold verliert in 1 — 2 Monaten seinen Glanz, 
wo man dann merkt, dass es unecht ist. Mit den Stückchen aber, die mit Gold überzogen 
sind, geht es nicht so, sie bleiben unverändert und sind deshalb um so gefährlicher.« 

*) Notes on Afrika etc. London 1819. S. 203. Es heisst daselbst: »Sie ahmen das 
Gold so vollkommen durch eine Mischung von Gold, Silber und Messing nach, dass der 
beste Kenner, ohne eine Probe anzustellen, den Betrug schwerlich entdecken wird.« 

*) Journal of a residence in Ashantee, by J. Dupuis. 1824. S. 157. 

•) A. a. O. S. 82. 



— 99 — 

dieselbe von dem dort anstehenden Gestein losgeschlagen und mit der Bemerkung 
begleitet, dass aus dem Gerolle, welches der Niger herunter spüle, die Ein- 
gebornen durch Waschen beträchtlich Goldstaub gewönnen. 

Das Vorkommen des Goldes an dieser Stelle ist zwar längst bekannt, denn 
schon Bosman *) gedenkt der Goldgewinnung daselbst , jedoch ohne nähere 
Angaben über seine Lagerstätte. 

Das Gestein besteht seiner Hauptmasse nach aus einem hell fleischfarbigen 
Thon, von einzelnen, 1 — 2'" dicken, weisslichgrauen Schweifen durchzogen, 
die an vielen Stellen zerdrückt und gegen einander verworfen erscheinen. 
Erbsengrosse Nieren eines dunkel leberbraunen Thons liegen unregelmässig in 
der Masse vertheilt. Aus der Lage jener hellen Schweifen ergiebt sich schon 
eine schiefrige Struktur des Gesteins, das in der Bichtung derselben leichter 
theilbar ist und auf der Spaltungsfläche viele, äusserst feine, Glimmerblättchen 
zeigt, die auf dem Querbruche nur wenig sichtbar sind. Selbst das bewaffnete 
Auge vermag nur einzelne Quarzkörnchen zu erkennen; bei dem Schlämmen 
gewinnt man dagegen eine grössere Parthie sehr feinen Quarzsandes. An der 
Zunge klebt das Gestein ziemlich stark und entwickelt schon bei dem Anhauchen, 
besonders heftig aber bei dem Uebergiessen mit Wasser den characteristischen 
Thongeruch. Während der Verschluckung des Wassers entstand das bekannte 



A. a. o. S. 81. 

Es heisst daselbst: »Die dritte Stelle ist an dem Meeresufer in der Nähe von 
Elmina und Axin, wo das Gold wie bei den Flüssen durch die Gewässer von den Höhen 
herabgespült wird. Hier sieht man, wenn es des Nachts stark geregnet hat, Hunderte 
von Negerinnen, welche oft ganz nackt sind oder nur einen kleinen Lappen um haben, 
um dasjenige zu bedecken, was die Ehrbarkeit gebietet. Eine jede von ihnen ist mit 
einem grossen und kleinen Becken versehen, welches ersteres sie voll Erde und Sand 
schöpfen und so lange mit etwas Wasser rühren und umspühlen, bis alle Erde davon ist. 
War darunter Gold, so bleibt dasselbe durch seine Schwere amBoden des Beckens liegen, 
woraus sie es vorsichtig in das kleine Becken schütten und dann wieder an das Spülen 
gehen. Sie bleiben dabei gewöhnlich bis am Mittag beschäftigt, wo sie wohl 5 — 6 Stüber 
oder auch mehr und minder an Gold gewinnen; doch manchmal trägt es sich auch zu, dass 
sie Stückchen von 2, 3 bis 4 Gulden Werth finden; dies ist aber selten, viel häufiger 
dagegen , dass sie den ganzen Tag umsonst gespült haben. Die im Lande aus den 
Gruben gegrabene oder von den Flüssen fortgerissene Erde wird auf obenerwähnte 
Weise mit Wasser gespült , ohne dass sie ein anderes Verfahren kennten , dasselbe zu 
gewinnen.' 

13* 



— 100 — 

singende Geräusch, obgleich die Stufe zuvor an einem feuchten Orte gelegen 
hatte und zugleich zerfiel dieselbe in kleine Stückchen , die sich bei dem 
Umrühren fast vollständig aufschlämmten. Durch ChlorwasserstofFsäure erfolgt 
nur ein kaum bemerkliches Aufbrausen , das rothe Pulver entfärbt sich aber 
nach längeren Digestionen beinahe ganz, und die Säure erscheint tief gelb 
gefärbt, so dass in dem Rückstande nur noch sehr werfig Eisenoxyd bleibt. 
Die mit kleesaurem Ammoniak behandelte Flüssigkeit gab -nur eine sehr schwache 
Reaction auf Kalk und enthielt ausser diesem nur Eisen und Spuren von 
Bittererde. 

In diesem Thongestein liegen einige Körnchen Goldes von der Grösse eines 
kleinen Stecknadelknopfes, andere Flitterchen waren nur unter dem Ver- 
grösserungsglase und auch hiermit nur schwierig zu erkennen, da sie an Farbe 
und Glanz den Glimmerblättchen sehr ähnelten. Wie die weitere Untersuchung 
lehrt, waren dieselben nicht gleichmässig in dem Gesteine vertheilt, sondern 
hauptsächlich nur an der einen Seite des ungefähr 3 Zoll dicken Stückes. Ich 
schlug den reicheren Theil der Stufe ab, weichte ihn in Wasser auf und erhielt 
durch längeres sehr vorsichtiges Schlämmen zuletzt eine Quantität Gold von 
0,082 Gramm, welches nach Entfernung der grösseren Körnchen dem feinsten 
Mehle gleich nur im Sonnenlichte einzelne glänzende Punkte zeigte und mehr 
mes.singgelbe Farbe besass. Um alle etwa noch anhängenden Eisentheilchen zu 
entfernen, wurde die Probe mit ChlorwasserstofFsäure bei massiger Wärme 
digerirt und nach sorgfältigem Aussüssen in Königswasser gelöst. Der weisse 
Rückstand löste sich nach dem Filtriren und Waschen vollständig in Ammoniak 
auf und bestand nur aus Chlorsilber. Aus dem Filtrate ward das Gold, wie 
bei den obigen Analysen, durch Kleesäure gefällt, von Kupfer und Eisen fanden 
sich keine Spur. 

Nach der Wägung enthielt die Probe 

an Gold 97,S1 pCt. 

„ Silber 2,19 „ 



100,00 pCt. 
und es gehört demnach das Gold von Elmina zu dem gehaltreichsten, das uns 
die Natur darbietet. 



— 101 — 

G. Rose gedenkt der im Ural verbreiteten Meinung, dass das Waschgold 
feiner als das Berggold sei, und bei Bosman begegnen wir derselben Ansicht. 
Mag nun auch an der Goldküste der Grund in der Unverfälschtheit des Staub- 
goldes zu suchen sein, so wird doch durch meine Analysen des dortigen Staub- 
goldes Bosman's Behauptung bestätigt. Henry *) hält es für möglich, dass ein 
Theil des Silbers in dem Waschgolde durch gewisse chemische Agenden ent- 
fernt und dadurch der Feingehalt zugenommen habe, allein wo ein so kräftiges 
Agens, wie die concentrirte Salpetersäure, ohne Wirkung ist, vermag man sich 
schwerlich eine Vorstellung von jenem lösenden Medium zu machen. 

Nach der Beschaffenheit des Gesteines, in welchem- das Gold von Elmina 
vorkommt, unterliegt es keinem Zweifel, dass sich dasselbe auch hier auf 
secundärer Lagerstätte befindet. Welcher Formation wir es aber zuzählen sollen, 
das lässt sich nach den gegebenen Anhaltspunkten unmöglich mit Sicherheit 
bestimmen. In Leonhard's Jahrbuch **) haben wir eine kurze Mittheilung über 
die geognostische Beschaffenheit der Umgebung von Christiansborg durch den 
Missionair Kus erhalten, der zufolge ein fein fiassriger Gneis unmittelbar an der 
Küste ansteht; daneben tritt ein grobkörniger Granit auf, am meisten verbreitet 
erscheint aber ein Hornblendeschiefer mit Körnern von rothem Granit, der von 
Akropong und Rio Volta in das Land der Ashantees sich erstreckt und dort 
der allgemein herrschende sein soll. Auch des Gesteins von Elmina gedenkt 
der Referent und bezeichnet es als einen feinkörnigen rothen und grauen Thon- 
sandstein, dessen Schichten stark gegen den Horizont geneigt seien. 

Auch Merian* •') hatte Gelegenheit die Gebirgsartensuite des Missionairs Rus 
zu sehen. Er zählt die Stücke von Elmina zum bunten Sandstein und findet 
sie jenem des Schwarz waldes täuschend ähnlich. Der Goldführung desselben 
erwähnt weder er, noch der ungenannte Referent in Leonhard's Jahrbuch. 



•) A. a. O. S. 407. 

**) 1811. S. 488, 

***) Verhandlung der naturforschenden Gesellschaft in Basel, V. S. 99 ff. und daraus ein 
sehr kurzer Bericht in Leonhard's Jahrb. 1845. S. 235. Leider war mir die Original- 
Abhandlung unerreichbar, der Auszug aber ist so aphoristisch, dass sich darnach 
unmöglich Merians Ansichten beurtheilen lassen. 



— 102 — 

Wenn es überhaupt zulässig wäre, die geognostische Stellung dieses 
Gesteins nach der Farbe etc. einzelner Handstücke zu bestimmen, so finden 
sich allerdings die nächsten Vergleichungspunkte für den Thonsandstein von 
Elmina im Gebiete der Trias. Manche Schieferletten des bunten Sandsteins, 
namentlich aber die bunten Mergel des Keupers, sehen demselben so täuschend 
ähnlich, dass das Auge vergeblich nach unterscheidenden Merkmalen späht. Ich 
habe die Stufe von Elmina zwischen Stücke der oberen Schichten des Helgo- 
lander Felsens gelegt, ohne dass Freunde mit sehr geübten Blicken es heraus 
zu finden vermochten. Allein es giebt Bildungen der tertiären und Diluvialzeit, 
welche diese äussere. Aehnlichkeit in gleichem Grade, hinsichtlich ihres 
physikalischen und chemischen Verhaltens aber eine noch grössere Ueberein- 
stimmung besitzen, so z. B. der rothe Diluvialthon von Elmshorn. *) Weder 
bei den Helgolander Letten und bunten Mergeln, noch bei mir sehr bekannten 
Triasbildungen Frankens habe ich Schichten von so grosser Aufschlemmungs- 
fähigkeit im Wasser beobachtet, wie wir sie bei den jüngeren Thonablagerungen 
als Regel kennen. Immer sind in jenen Letten die Theilchen durch ein kieseliges 
oder kalkiges Bindemittel so fest verbunden, dass sie sich durch Uebergiessen 
mit Wasser nicht von selbst trennen. Man könnte geneigt sein, diese Eigen- 
schaft des vorliegenden Handstückes als eine mehr zufällige in den Schichten, 
welchen es entnommen, nicht allgemeiner herrschende zu betrachten; allein 
dagegen möchte mit Recht auf die Berichte von Bosman und Weiss hingewiesen 
werden, nach welchen jeder stärkere Regen jene Felsen stark abspühlt. Die 
Stufe hatte, wie ich eben erwähnte, vor dem Versuche längere Zeit an einem 
feuchten und kalten Orte gelegen, und dennoch hatte das Wasser eine so zer- 
störende Wirkung auf dieselbe geäussert. Wenn wir nun dagegen die ungleich 
stärkere Reaction des niederfallenden Regens auf das, durch die brennende 
Sonne scharf getrocknete, Gestein erwägen, so wird die starke mechanische Zer- 
trümmerung begreiflich, welche der Fortführung durch das Wasser vorangehen 
muss. Es ist leicht möglich, dass quarzreichere, festere Schichten jene lockeren 
unterteufen oder mit ihnen wechseln und Merian vielleicht ein derartiges Hand- 



*) Vergl. meine Abhandlung: die Insel Helgoland. S. 153 ff. 



'_ 103 — 

stück vor Augen hatte; damit wäre aber eben so wenig ein haltbarer Beweis 
für die geognostische Stellung der Schichten von Elmina gewonnen. 

Alle Berichte über das Vorkommen des Goldes im Innern des Landes 
bezeichnen uns mit rothem Thon vermengte Geröllablagerungen am Abhänge 
der Berge oder in den von Flüssen durchschnittenen Ebenen, als Lagerstätte 
des Metalls. Auch die Goldgruben von Dambagnagney und Eenieba etc. 
im Stromgebiete des Senegal und der Gambia liegen nach Rafenel's ) Mit- 
theilungen in einer gleichen, an eisenhaltigem Thone sehr reichen, Geröllbildung. 
Namentlich ist im Lande der Ashantees, wie Dupuis **} berichtet, der rothe 



*) Voyage dans l'Afrique occidentale, comprenant l'exploration du Senegal, depuis St. Louis 
jusqu'ä la Faleme, au delä de Bakel; de la Faleme; des mines d'or de Keniebna; des 
pays de Galam, Bondou et Woolli et de la Gambie ; execute en 1843 et 1844, par 
Huard-Bessinieres, Jamin, Raffen el , Peyre-Ferry et Pottin-Patterson. Redige par A. 
Raffenel. 
••) A. a. O. II. Thl. S. LVI. 

Es heisst daselbst: «Gaman und besonders die Provinzen Ponin, Safoy und 
Showy enthalten die reichsten Goldgruben, die meinen Berichterstattern in diesem oder 
irgend einem andern Theile Africa's bekannt sind; welche beiläufig erklären, dass in 
Ashantee, Dinkra und Wassau die Metalllager in einer Tiefe von 12 Cubit (22 Fuss) 
unter der Oberfläche, in den Provinzen von Gaman aber 5 Cubit (9 Fuss) gefunden 
werden. Das Erz wird hauptsächlich aus breiten Gruben gegraben, welche dem verstor- 
benen Könige in der Nähe von Kontosoo gehörten. Das Gold dieser Gegenden ist, 
zufolge der mir gezeigten Proben, von einer sehr dunkeln Farbe, mit rothem Sande 
und Stücken weissen Granits vermischt. Es wird alles mit dem Namen Berggold 
belegt und dessen innerer Werth höher geschätzt, als das von Ashantee , obgleich das 
letztere sehr rein ist. Das Gold von Gaman, d. h. das Grubengold, wird zuweilen auf 
den Markt von Ashantee in massiven Stücken, mit Lehm und Gestein verwachsen, 
gebracht, welches zusammen wohl 14 oder 15 Hö Troigewicht wiegt, wenn es aber von 
Beimischungen befreit ist, an reinem Metall nur 1 oder 1$ 1b wiegen würde. Aber 
eben dies ist, wie mir fest versichert wurde, kein vollständiges Beispiel, um einen 
. rechten Begriff von dem Reichthum der Gruben zu erhalten ; viele davon, und die 
metallreichsten, werden entweder als Nationalgut betrachtet, oder, wie in Ashantee, zu 
heilig gehalten, um sie anzugreifen. Andere Proben, die das vollkommenste natürliche 
Ansehen hatten, kamen mir täglich in festen Stücken zu Gesicht, welche die Caboceers 
an ihren Handgelenken befestigen, während und nach dem Adai custom trugen, welche 
öfters, wie ich glaube, so viel als 4 1b wogen. Der Goldstaub von Gaman, der während 
des Regens in dem Strombett durch Waschen gewonnen wird, ebenso wie in Ashantee, 
Fantee und Ahanta, ist auch höher von Farbe, reiner und besser als der, der in irgend 
einem andern Lande gewonnen wird. An den Ufern des Burra, eines Stromes, welcher 
nahe bei Moslem, einer Stadt in Kherabi, entspringt, und südlich in den Tando oder 
Assinee-Fluss fliesst, waschen die Gamans auch Gold, und während der Regenzeit, wie 






— 104 



Eisenthon ein stetiger Begleiter des Goldes und über dessen grosse Verbreitung 
westlich gegen Cape Palmas giebt uns Adam*) nähere Kunde. Von Cape Palmas 
bis zu den Hügeln von Drewin ist die Küste felsigt, obgleich das Land östlich 
und westlich von dem letzteren nur wenig über der Meereshöhe liegt. Die Hügel 
erheben sich steil von der Meeresküste bis zu einer massigen Höhe und scheinen 
ohne Zusammenhang mit einer Bergkette des Inneren, denn der Anblick des Landes 
von dort bis Cape Apollonia ist äusserst niedrig. Die Felsen von Bereby, St. 
Andre und Drewin bestehen aus Sandstein mit Ouarzkörnern, das niedrige Land 
besteht aus rothem Thonj Dammerde und Sand. Von Apollonia an wird die 
Oberfläche des Landes wellenförmig und zeigt eine Reihe sanfter Hügel bis 
Barracoe, östlich von Elmina. Keiner dieser Hügel erhebt sich mehr als 4 — 500 
Fuss über die Meeresfläche. Oestlich von Barracoe, bei dem dänischen Fort 
Ningo, erscheinen an der Küste hohe Berge, als Ausläufer einer gegen 2000 Fuss 
hohen Kette, welche von O. nach W. streicht. Das Gestein der Berge von 
Ningo und Christiansborg besteht nach Rus aus Gneis, Granit. Von Drewin 
bis Barracoe erstreckt sich derselbe Sandstein längs der Küste, aber die Hügel 



mein Berichterstatter erzählt, finden dort 8 — 10,000 Sklaven zwei Monate lang Beschäf T 
tigung, und das Metall, das sie sammeln, hinzugerechnet zu dem Ertrag der Gruben, 
wurde früher in grossen Massen nach Manding und Kong ausgeführt (wo es zu 
Schmucksachen verarbeitet und von dort zu den Stämmen am Joliba geschickt wurde), 
geht jetzt aber nach Ashantee , von wo aus es in kleineren Quantitäten nach den See- 
provinzen von Apollonia, Ahanta, Fantee etc. kommt, und ist dann vermischt, bevor es 
in die Hände der Weissen gelangt; und den Hauptgewinn des Metalls erhalten entweder 
die inländischen Kaufleute, oder er kommt den Geschäftsfreunden der Moslems in Yandy, 
Salgha, Banko, Wobea und anderen grossen Städten des nordöstlichen Districts zu 
Gute. In diesem schnellen Umlauf erreichtes in Kurzem Zogho , Salamo, Kook und 
zuletzt Nikky, die Hauptstadt des grossen Königreiches Bargho, wo es auch zu 
Schmucksachen und Münzen verwandt wird, und unter dieser neuen Form ist es schnell 
nach Koara in Haoussa gebracht, oder in den Provinzen und benachbarten Königreichen 
von Wawa, Maury, Kaima, Baman und Kandasky vertheilt. Von Koara und Ghulby 
kommt es nach allen Theilen von Soudan , der Wüste und den Königreichen Bornou, 
Aegypten und Gharb, aber nirgends völlig rein und im natürlichen Zustande, weder wie 
es aus den Gruben gewonnen ist, noch in Stücken oder Staub , wie es durch Tausch 
nach West-Wangara gebracht wird. DieAshantees selbst verarbeiten etwas zu Schmuck- 
sachen, Ketten und Verzierungen; es verschwindet in demselben Verhältniss seiner 
nordöstlichen Ausbreitung, bevor es die Königreiche Bargho oder Magho erreicht, wo 
die grossen Fabriken sind.« 
Remarks on the country extending from Cape Palmas to the river Congo. 1823. 



— 105 — 

bestehen aus schiefrigem Thon. Jenseits des Rio Volta, gegen den Rio Formosa, 
in einer Erstreckung von 20 — 30 Meilen, ist das Land so flach, dass man bei dem 
Heransegeln erst die Bäume über dem Horizonte erblickt, und dieses Tiefland soll 
sich noch 3 — 400 Meilen in's Innere erstrecken. Der Boden besteht auch hier aus 
festem, rothem Thon mit Sand bedeckt, in welchem man keine Steinchen von 
Wallnussgrösse findet, so dass die zum Kornmahlen nöthigen Steine von den 
Ningo- Hügeln, oder weiter her von der Goldküste, gebracht werden müssen. 

So unvollkommen bis jetzt auch noch unsere Kenntnisse über die Richtung 
der Gebirgsketten im Inneren des Landes und über deren geognostische Verhält- 
nisse sind, so dürfen wir doch gewiss den in allen Flussbetten und über die 
ganze Küste von Cape Palmas bis gegen den Rio Formosa verbreiteten Eisenthon 
als das Zersetzungsproduct der Gebirgsmassen des Inneren ansprechen. Die 
allgemeine Abdachung des Vorlandes scheint von Nord nach Süd gerichtet, 
denn alle von Cape Three Points bis zum Rio Formosa sich ergiessenden 
Ströme, wie der Assinee oder Tando, der Rio Cobre oder Ancobra, der Ofim, 
welcher nach seiner Vereinigung mit dem Bossum-Pra westlich von Elmina 
mündet, der Amissa, östlich von Anamaboe, der Aynsoo bei Barku, endlich der 
mächtige Rio Volta, alle, so weit sie bis jetzt erforscht, haben einen nord- 
südlichen Lauf. Seine Erhebung bis zu 4 und 500 Fuss über dem Meeresspiegel 
zwischen Cape Palmas und Barku, seine Bedeckung mit dem jüngsten Meeres- 
sande in dem Tieflande zwischen dem Rio Volta und Formosa, versetzen seine 
Ablagerung in eine Zeit, in welcher dieses Vorland dem Meere noch nicht 
entstiegen war. Ob die Erhebung und Schichtenstörung mit dem Durchbruche 
des Granits bei Christiansborg und Ningo zusammenhängt, ob sie vor, während 
oder nach der Diluvialzeit Europa's erfolgte, ob die unteren, quarzreicheren und 
härteren Schichten nur eine Formation mit dem darüber liegenden Eisenthon 
bilden, oder einer älteren Sandsteinbildung angehören, — das wird erst nach 
genauer Untersuchung zu entscheiden sein. 

Eine Verbindung beider wird im vollkommensten Einklang mit den Gesetzen 
der Sedimentbildung stehen, wie es eine nothwendige Folge derselben ist, dass 
in der grössten Entfernung von den ursprünglichen Lagerstätten des Goldes nur 
die feinsten Flitterchen sich abgelagert haben und, seltene Ausnahmen abgerechnet, 
die grössten Körner und Stücke nicht in dem sandigen Eisenthon der Küste, 
sondern erst in dem groben Gerolle gegen die Gebirgsabhänge und in dessen 

14 



— 106 — 

Thälern gefunden werden. Unter den Gesteinen, welche die Gebirgsmassen im 
Inneren des Landes bilden, soll nach Rus der Hornblendeschiefer vorherrschen. 
Bestätigen uns dies spätere Untersuchungen und gelingt es, in ihm das eigent- 
liche Muttergestein des Goldes zu ermitteln, so würde sich der beträchtliche 
Eisengehalt des Thones aus der zersetzten Hornblende ableiten lassen. Gewiss 
ist es eine, unsere Aufmerksamkeit erregende, Thatsache, dass die goldführenden 
Gesteine in so grossem Umfange zertrümmert, ihre Gemengtheile oft so voll- 
ständig zersetzt sind, dass nur Vermuthungen über ihren früheren Character 
aufgestellt werden können. Die Wirkungen des Frostes, welche in höheren 
Breiten hauptsächlich die mechanische Zertheilung der Gesteine herbeiführen 
und den chemischen Agentien den Weg bahnen, haben in der Nähe des Aequators 
keinen Antheil am Zerstörungsprozesse; selbst die Macht des flüssigen Wassers 
ist ungleich mehr beschränkt; beide werden aber vielleicht ersetzt durch den 
Einfluss der höheren Wärme und die vergleichsweise grösseren Temperatur- 
difFerenzen zwischen Tag und Nacht. Die starke Ausdehnung des in dem 
Gesteine reichlich eingesprengten Goldes konnten hier dieselbe mechanische 
Wirkung äussern, wie das in den Haarspalten erstarrende Wasser, und dem 
Sauerstoffe mit dem Eindringen in den Hornblendeschiefer die Verbindung mit 
dessen Eisenoxydul ermöglichen, wodurch der Reigen der weiteren chemischen 
Zersetzung eröffnet wurde. Bei der Gewinnung des Goldes bedient man sich 
überall des blossen Abschlämmens in Kalabassen und kennt also entweder die 
grossen Vortheile nicht^ welche mehrere Stämme Asiens schon vor vielen Jahr- 
hunderten durch Anwendung von Fellen bei dem Waschen erzielten, oder man 
ist bei dem grossen Goldreichthum der Lagerstätten zu indolent, um durch 
weitere Vorkehrungen die Ausbeute zu steigern. Das Letztere muss man 
besonders bei den Bewohnern der Goldküste voraussetzen, welche nach ihrer 
so langen Berührung mit den Europäern nicht einmal in dieser Hinsicht auf 
eine höhere Culturstufe gelangten. Indessen scheinen auch Letztere sich wenig 
darum bekümmert zu haben, obgleich schon Bosman die Aufmerksamkeit der 
holländisch -westindischen Compagnie darauf lenkte. 

Bei der Abschlämmung der Stufen von Elmina überzeugte ich mich, wie 
vorsichtig man verfahren müsse, um die äusserst feinen Flitterchen nicht mit 
wegzuspülen, und es unterliegt darnach für mich keinem Zweifel, dass der 
Gewinn, ganz abgesehen von der Amalgamationsmethode, durch eine vollkommene 



\ 






— 107 — 

Wascheinrichtuug in den Lagerstätten von Elmina sich beträchtlich erhöhen 
würde. Dass das Gold in den Schichten des Gesteins sehr ungleich vertheilt 
vorkomme, vermag man aus Bosman's Worten zu entnehmen, „dass die 
Negerinnen oft den ganzen Tag umsonst waschen", indem der Regen bald 
Metallreichere, bald ganz arme Schichten in dem Ausgehenden erreicht. Ein 
rationeller bergmännischer Betrieb würde daher, wie Bosman sehr richtig bemerkt, 
den Vortheil noch ferner erhöhen. 

Die allgemeine Verfälschung des Goldes hat nicht nur die Europäer, sondern 
auch die Eingebornen im Inneren *) zur Entdeckung des Betruges dasselbe Mittel 
anwenden lassen, dessen man sich zur Trennung des Goldstaubes von den letzten 
Resten beigemischten Sandes bedient, welches aber sicherlich immer mit Verlust 
verknüpft ist, indem man unter starkem Umschütteln auf den Goldstaub bläst 
und die specifisch leichteren Körperchen dadurch wegzujagen sucht. Bosman**) 



*) Vergl. Robertson a. a. O. 126 und Rafenel in der Uebersetzung von Schmidt, S. 259. 
**) Wer zu wissen wünscht, wie man sich vor dem falschen Golde bewahren könne, beliebe 
Folgendes zu beachten. Wenn man im Zweifel ist, ob die grossen Stückchen 
falsch oder fein seien, so hat man sie nur mit dem Messer mitten durch zu schneiden, 
wo es sich denn augenblicklich entdecken wird. Die kleinen Stückchen, welche ebenfalls 
dem Berggolde gleichen, muss man auf einen Stein legen und mit dem Hammer darauf 
schlagen. Sind sie von Couraal gemacht, so zerbröckeln sie und geben eine schlechte 
Probe ; doch das ganz gebliebene muss man nachher immer noch mit dem Messer 
untersuchen. Aber mit dem Staubgold und den kleinsten Stückchen kann man obige 
Probe nicht vornehmen ; doch hat man ausserdem ein gutes Mittel, um das falsche von 
dem feinen zu unterscheiden. Man nimmt ein einfaches Blasbecken, legt das verdächtige 
Gold hinein und wenn man nun stark auf dasselbe blässt und dabei stark umschüttelt, 
so wird das falsche Gold sogleich aus dem Becken fliegen, das gute aber liegen bleiben, 
da es sich, seiner Schwere wegen, nicht leicht wegblasen lässt. Wiederholt man dies 
3 — \ Mal, so kann man das Gute von dem Schlechten leicht trennen. 

Es kommt uns hier ganz lächerlich vor, dass alle Neulinge, namentlich Seefahrer, 
Scheidewasser mit sich führen, um das Gold zu prüfen ; doch wenn alle diese Leute 
nur an das gemeine Sprüchwort dächten: dass kein Gold ohne Unrath ist, so würden 
sie diese unsichere Probe schnell aufgeben und, um nicht betrogen zu werden, sich auf 
obiges Verfahren verweisen lassen. Das Kennzeichen , wodurch sie das Gute von dem 
Falschen unterscheiden zu können glauben, besteht darin, dass sie etwas davon in ein 
irdenes Töpfchen oder Glas legen und dann Scheidewasser darauf giessen. Wenn es 
falsch, so soll das Wasser aufkochen und grün werden, wie bei falschem Golde. Eine 
arme Wissenschaft, wahrhaftig! 

Lasset die Leute z. B. ein Vierzigguldenstück nehmen, unter welchem der siebente, 
achte oder zehnte Theil falsches Gold wäre, so wird das Scheidewasser nicht diese 
Wirkung thun (oder doch so stark nicht), so dass diese Probe nicht sicher ist, um so 
weniger da, wo es rasch und ohne Zeitverlust geschehen muss. — Es ist deshalb 

14* 



— 108 — 

erzählt von dieser und anderen Proben der Europäer; doch verwirft er mit 
Unrecht die Anwendung der Salpetersäure, da sie das beste Mittel ist, um ohne 
Verlust die Anwesenheit von Messingfeilicht im Goldstaube zu erkennen, mit 
welchem derselbe häufig vermischt wird. Die ausgebohrten und mit Messing 
oder Kupfer ausgefüllten Körner, so wie das unter \ mit Silber versetzte Gold, 
werden allerdings diese Probe bestehen, und hierin Bosman's Rath, erstere 
durchzuhauen, auch heute noch zu befolgen sein, da bei der Art des Handels 
eine chemische Probe unausführbar ist. Eine Täuschung kann jedoch auch hier 
noch unterlaufen, da sich das feine Gold bei dem Durchschneiden leicht über 
den unedeln Kern zieht und dessen wahre Natur verdeckt, wenn man nicht 
durch eine Feile oder Schaben mit dem Messer das Goldhäutchen entfernt. 

Man zieht bei dem Tauschhandel gegen Gold an der Westküste zwar 
immer einen Goldprüfer Cg°hl taker) zu Rathe, da er aber unmöglich alle Körner 
untersuchen kann, so ist begreiflich, dass auch stark verfälschte mit vorkommen. 
Durch den üblichen Preis des Goldes sucht man sich gegen solche Nachtheile 
zu schützen; denn die Unze*) wird daselbst durchschnittlich nur zu 16 — 18 
Dollars berechnet. 

Endlich scheint in unseren Tagen das Bedürfniss nach europäischer Cultur 
von einzelnen Häuptern der dortigen Stämme lebhafter empfunden zu sein, als 
bisher. Der König der Ashantees hat seinen Sohn an die Ouellstätte der 
Geognosie und Bergwerkskunde, die Akademie zu Freiberg, gesendet, und wenn 
er, wie wir wünschen und hoffen , von da mehr Durst nach Wissen als nach 
Gold in seine Heimath trägt, so wird sich an seinen Namen der unvergängliche 
Ruhm knüpfen, das tiefe Dunkel, welches noch über jenen Ländern liegt, erhellt 
und der Gesittung eine breite Gasse in die Barbarei eröffnet zu haben. 



besser, mit dem Blasbecken zu arbeiten und das Grobe mit den Fingern auszusuchen, 
dann wird man reines Gold bekommen. Dazu kommt noch die Mühe, das Gold erst 
durch das Scheidewasser nass und dann wieder trocken zu machen, was den Schwarzen, 
wenn sie gutes Gold haben, sehr missfällt. 

*) Eine Unze theilt man dort in 16 ackies, 36 ackies = ein benda, 40 ackies = ein 
periguin. 8 tokoos (eine kleine Beere) werden auf ein ackie gerechnet. Cf. Mission 
from Cape Coast Castle to Ashantee, by T. E. Bowdich. London 1S19. S. 330. 



Die Geliirnnerven der Saurier 



anatomisch untersucht 



«#. €1. Wischer Dr, 

ordentl. Lehrer an der Realschule des .Tohanneums in Hamburg. 



Uebersicht des Inhaltes. 



Erster Abschnitt. Von den Augenmuskelnerven pag. 115 

I. Vom Nervus oculomotorius „ 115 

II. Vom Nervus patheticus „ 117 

III. Vom Nervus abducens s „ 117 

Zweiter Abschnitt. Vom Nervus trigeminus „ 117 

I. Vom Ursprünge des Trigeminus „ 117 

II. Von den Ganglien des Trigeminus „ 118 

III. Von den Zweigen des Trigeminus ,, 119 

1 . Vom ersten Aste des Trigeminus „ 120 

2. Vom zweiten Aste des Trigeminus „ 121 

a) Vom Ramus recurrens ad nervum facialem '. „ 122 

b) Von den Zweigen an die Stirnhaut . . .-i ,, 124 

c) Von den Zweigen für die Haut der Augenlider „ 125 

d) Vom Drüsenzweig des zweiten Astes ,, 125 

e) Von den Verbindungszweigen zum R. palatinus „ 127 

f) Von den Gaumenhautzweigen „ 128 

g) Von dem Zweig für die Haut des Oberkiefers „ 129 

h) Vom Nervus alveolaris superior „ 129 

3. Vom dritten Aste des Trigeminus „ 130 

a) Vom Zweig für die Haut der Wange und den M. levator anguli oris „ 131 

b) Von den Nerven für die Hebemuskeln des Unterkiefers „ 132 

c) Vom Ramus recurrens cutaneus maxillae inferioris „ 132 

d) Vom Nervus alveolaris inferior und dessen Zweigen „ 133 

Dritter Abschnitt. Vom Nervus facialis „ 135 

A. Vom Ramus palatinus „ 136 

a) Vom Ramus communicans posterior rami palatini cum Maxillari superiore. . . . „ 137 

b) Vom R. communicans anterior ,, 139 

c) Zweige an die Gaumenhaut „ 141 

B. Von den Verbindungszweigen zwischen Facialis und Glossopharyngeus „ 141 

a) Vom R. communicans internus rami palatini cum Glossopharyngeo „ 142 

b) Vom R. communicans externus nervi facialis cum Glossopharyngeo „ 144 

C. Vom hinteren Hauptstamm des N. facialis „ 146 

a) Von der Chorda tympani „ 147 

b) Vom Muskelaste „ 149 



IV 



Vierter Abschnitt. Vom Nervus glossopharyngeus pag. 150 

a. Vom Ganglion petrosum } 151 

b. Von den Verstärkungszweigen des N. vagus an den N. glossopharyngeus „ 153 

c. Verlauf des Glossopharyngeus im Allgemeinen „ 155 

d. Von den Zweigen des Glossopharyngeus „ 158 

1) Vom Kehlkopfszweige (N. laryngeus superior) „ 158 

a) Form desselben „ 158 

ß) Vom Verhältniss des Kehlkopfszweiges zum R. recurrens nervi vagi „ 159 

y) Von der endlichen Verzweigung des Kehlkopfsnerven ,, 160 

5) Ueber den Kehlkopfszweig als Ast des Vagus „ 161 

2) Von den Schlundzweigen des Glossopharyngeus „ 162 

3) Von den Muskelzweigen des Glossopharyngeus „ 162 

4) Vom Zungenzweige des Glossopharyngeus „ 163 

Fünfter Abschnitt. Vom Nervus vagus „ 164 

a. Vom Ursprünge desselben ,, 164 

b. Von dem Verhältniss des Vagus zu anderen Hirnnerven „ 166 

c. Von dem Verhältniss des Vagus zum Sympathicus „ 167 

d. Vom Ganglion radicis nervi vagi „ 168 

e. Vom Ganglion trunci nervi vagi „ 169 

f. Von den Aesten des N. vagus „ 170 

1) Vom N. laryngopharyngeus „ 170 

2) Vom R. recurrens „ 171 

3) Von den Zweigen an die Speiseröhre „ 173 

4) Von den Zweigen an das Herz, die Lunge und den Magen „ 173 

Sechster Abschnitt. Vom Nervus accessorius Willisii „ 174 

Siebenter Abschnitt. Vom Nervus hypoglossus ,, 178 

a. Vom Ursprünge desselben „ ] 78 

b. Vom Verhältniss des Hypoglossus zu anderen Hirnnerven „ 182 

c. Vom Verlauf des Hypoglossus im Allgemeinen . . „ 183 

d. Von der Verzweigung des Hypoglossus im Besonderen „ 183 

1) Vom Ramus descendens „ 183 

2) Von dem vorderen oder Hauptstamme des Hypoglossus „ 184 

Achter Abschnitt. Vom Sympathicus ,, 187 

I. Vom Kopftheil des Sympathicus „ 189 

1) Vom oberflächlichen Kopftheil „ 189 

2) Vom tiefen Kopftheil „ 192 

3) Ueber die Beziehung des Ramus palatinus zum tiefen Kopftheil „ 191 

4) Vom Ganglion petrosum „ 196 

II. Vom Halstheile des Sympathicus „ 1 97 

5) Vom oberflächlichen Halstheil des Sympathicus „ 197 

6) Vom tiefen Halstheil des Sympathicus „ 200 

III. Vom Brusttheil des Sympathicus „ 201 



Vorwort. 



_Llie durchgreifenden Unterschiede, die zwischen der Klasse der Amphibien 
(Amphibia nuda) und derjenigen der Reptilien (Amphibia squamata) bestehen, 
sprechen sich auch in der Anlage ihres Nervensystems so deutlich aus, als es 
nur immer der allen Wirbelthieren gemeinschaftliche Plan verstattet. Bei den 
ersteren fehlen einzelne Paare von Hirnnerven constant (eine Wurzel des Acces- 
sorius ist bisher bei ihnen nicht beobachtet, und der Hypoglossus hat nie eine 
Hirnwurzel), die Reptilien dagegen haben alle zwölf Paare; bei jenen findet 
zwischen den vorderen Hirnnerven häufig eine Verschmelzung statt, hier sind 
gerade diese, insbesondere die Augenmuskelnerven beständig ganz frei, und die 
hinteren Hirnnerven vielmehr zeigen eine grosse Neigung, sich zu gemeinschaft- 
lichen Stämmen zu verbinden; dort findet fast jede derartige Verschmelzung 
schon im Schädel, in Folge des Durchtrittes mehrerer Nerven durch eine gemein- 
schaftliche Oeffnung statt, — hierhat jeder Nerv (mit Ausnahme des Accessorius) 
seine besondere AustrittsöfFnung, und erst später verwachsen einzelne Stämme 
mit einander. Ausserdem kommen noch in der Verbreitung der einzelnen Nerven 
so wie in der Bildung der sympathischen Schlingen so durchgreifende Unter- 
schiede vor, und die grosse Einfachheit in der Anlage der Gehirnnerven der 
Amphibien tritt bei den Reptilien schon so sehr hinter der Annäherung an die 
complicirteren Formen der warmblütigen Wirbelthiere zurück, dass die Trennung 
beider Gruppen als wirklich verschiedener Klassen auch hier sich nicht ver- 
kennen lässt. 

15 



— 114 — 

Gerade diese, schon früher von Stannius in Bezug auf die Nerven der 
Krokodile hervorgehobene Annäherung der Reptilien an die Formen der höheren 
Wirbelthiere erregte in mir zuerst den Plan einer vergleichenden Arbeit über die 
Gehirnnerven der Reptilien und Vögel, — der grosse Mangel an genügenden 
Specialbeschreibungen veranlasste mich jedoch bald, von diesem Plan wieder 
abzustehen, und selbst eine Zahl von Reptilien genauer zu untersuchen. Alle 
Ordnungen dieser Klasse zu bearbeiten Hessen indessen die Schranken, die mir 
in Bezug auf die Zeit des Erscheinens und auf den Umfang dieser Abhandlung 
gesteckt waren, nicht zu, — ja selbst von der Darstellung der Gehirnnerven der 
Saurier und Krokodile, auf die ich mich beschränken musste, blieb die Schilderung 
der drei höheren Sinnesnerven namentlich aus dem Grunde ausgeschlossen, weil 
nur Weingeistexemplare untersucht werden konnten, eine Darstellung jener Nerven 
aber ohne mikroskopische Untersuchung der Primitivfasern und ohne detaillirte 
Beschreibung des Gehirns immer unvollkommen bleiben wird. 

Folgende Arten wurden untersucht: Chamaeleo vulgaris Cuv. variet. A. Dum. 
Bibr. — Platydactylus guttatus Cuv. — Varanus Niloticus Dum. Bibr. — Varanns 
Bengalensis Dum. Bibr. — Iguana tuberculata Laurenti. — Istiurus Amboinensis Cuv. — 
Agama spinosa Dum. Bibr. — Salvator Merianae Dum. Bibr. — Sulvator nigro- 
punctatus Dum. Bibr. — Lacerta ocellata Daudin. — Euprepes Sebae Dum. 
Bibr. — Crocodilus biporcatus Cuv. — Crocodilus acutus Geoffroy. — Alligator 
punctulatus Spix. 

Die untersuchten Formen waren Weingeistexemplare, die mir aus dem 
Doublettenvorrathe des hiesigen naturhistorischen Museums durch die Liberalität 
der Museums-Commission zur Verfügung gestellt wurden. Sei hiefür den Mit- 
gliedern der letzteren, deren College zu sein ich selbst die Ehre habe, hiemit 
der wärmste Dank abgestattet. Auch den Herren Professoren Stannius in 
Rostock und Eschricht in Kopenhagen fühle ich mich für die Bereitwilligkeit 
verpflichtet, mit welcher Sie mich durch die Schätze Ihrer Bibliotheken zu unter- 
stützen die Güte hatten. 



Erster Abschnitt. 

Von den Augenmuskelnerven. 

I. Vom Nervus oculomotorius. 

Der Oculomotorius entspringt überall dicht hinter der Hypophysis cerebri 
an der vordersten Grenze der Grundfläche des verlängerten Markes als einfacher 
Nervenstrang sehr nahe der Mittellinie (Lacerta ocellata, Varanus Bengalensis, 
Chamaeleo vulgaris u. A.), bei einigen sogar von der Mittellinie selbst (Jguana 
tuberculata, Platydactylus guttatus u. A.) Die einfache Wurzel wendet sich nach 
vorn und etwas nach aussen, und verlässt in abgeplatteter Form die Schädel- 
höhle durch ein an der unteren Seite der häutigen Seitenwand des Schädels 
gelegenes Loch. 

Wie dieser Ursprung, so ist auch die fernere Verbreitung des Oculomotorius 
bei allen Sauriern von derselben Form. Folgendes ist, als Typus seines Ver- 
laufes, die Schilderung seiner Ausbreitung bei Varanus Bengalensis: 

Nach dem Eintritt des Stammes in die Orbita, in welcher er über dem M. 
rectus externus, unter dem M. suspensorius nach vorn läuft, giebt er nach und 
nach folgende Zweige ab: 

«) Der erste wendet sich nach aussen und oben, läuft über den gleich 
zu beschreibenden Ast b fort, und verzweigt sich im M. rectus superior. 

b~) Der zweite Ast ist der Bamus ciliaris, unmittelbar nach dem Ast a ent- 
springend. Derselbe tritt über den M. rectus externus fort zwischen die Fasern 
des M. suspensorius, und schwillt zu einem spindelförmigen Ganglion an, in 
dessen hintere Seite von aussen her der Ramus ciliaris vom ersten Ast des Tri- 
geminus eindringt. Aus diesem Ganglion geht ein einfacher Stamm hervor, der 
hinter und etwas unter der Eintrittsstelle des Opticus in den Augapfel sich einsenkt. 

c) Der folgende, in fünf feinere Zweige sich spaltende Ast geht aus- 
schliesslich in den M. rectus inferior, in den er von unten her eindringt. 

Nach Abgabe dieser Zweige ist der Stamm des Oculomotorius längs des 
Knorpelstiels des Keilbeins bis vor den M. rectus inferior nach vorn getreten, 
und theilt sich hier in 2 Zweige: 

d) gerade nach vorn unter dem Bulbus verlaufend, bis zum hinteren Rande 
des M. obliquus inferior, in welchem er endigt; 

e) wendet sich an der Innenwand der Orbita längs des knorplichen Septum 
aufwärts und endigt im M. rectus externus. 

Ganz dieselbe Form, mit geringen Abweichungen in dem etwas früheren 
oder späteren Abgang der einzelnen Zweige zeigt der Oculomotorius bei den 

15 * 



- 116 — 

übrigen Eidechsen. Die einzigen Verschiedenheiten, die der Erwähnung bedürfen, 
betreffen höchstens die Form des, überall vorhandenen, Ganglion ciliare. Dies 
ist fast immer eine länglich-spindelförmige Anschwellung im Stamm des zweiten 
Astes (R. ciliaris) des Oculomotorius, und der Ciliarzweig des Trigeminus mündet 
meist von der Seite her in die Mitte oder den vorderen Theil des Ganglions 
ein ( Varanus Niloticus, Lacerta ocellata, Iguana tuberculata, Platydactylus guttatus). 
Bei Salvator Merianae treten dagegen der R. ciliaris Oculomotorii und der nur 
halb so starke Ciliarast des Trigeminus schon vor der Bildung des Ganglions 
zusammen. Aehnlich bei Euprepes Sebae. Hier sind beide Aeste von gleicher 
Stärke und treten gleichzeitig ins Ganglion ein. Letzteres ist sehr länglich und 
so schwach, dass es kaum noch eine Anschwellung genannt werden kann. 

Aus dem Ganglion tritt meist ein einfacher Stamm aus. Bei Varanus Niloticus 
ward eine Neigung zur Theilung insofern bemerkt, als gleich nach seinem 
Ursprünge ein feiner Nebenzweig von ihm abgeht, der parallel mit dem Stamme 
verlaufend, vor dessen Eintritt in den Bulbus wieder in denselben einmündet. 

Die Einsenkung in den Augapfel erfolgt beständig eben ausser- und unter- 
halb vom Sehnerven. 

Die Krokodile (Crocod. biporcatus) zeigen ein ziemlich abweichendes Verhältniss. Der einfache 
Stamm des Oculomotorius , ganz ähnlich wie bei den Sauriern hinter dem Hirnanhang nahe der 
Mittellinie entsprungen, giebt sogleich nach seinem Eintritt in die Orbita einen längs der inneren 
Fläche des Bulbus aufsteigenden Zweig für den M. rectus superior ab. Nach seinem Abgange 
legt sich der Stamm hart an den eben aus seinem Ganglion entsprungenen R. nasalis des ersten 
Astes des Trigeminus, und schwillt ganz, an der Innenseite desselben liegend, zu einem flachen, 
länglichen Ganglion an. In den vorderen Theil des letzteren tritt ein nicht unbedeutender Zweig 
des R. nasalis ein, der sich fast unmittelbar in den aus dem Ganglion austretenden Ciliarnerven 
verfolgen lässt. Aus dem angeschwollenen Stamme des Oculomotorius selbst gehen folgende Zweige 
hervor: d) am weitesten nach innen der Ast für den M. rectus externus; — J) weiter nach aussen 
der unter dem Augapfel nach vorn verlaufende Ast für den M. obliquus inferior ; — c) noch 
weiter nach aussen der von unten her in den R. inferior gehende Zweig; — d) am weitesten nach 
aussen der, fast als Fortsetzung des erwähnten Astes vom Trigeminus erscheinende Nervus ciliaris. 
Dieser dringt nicht sogleich mit allen seinen Fasern in den Augapfel ein, sondern entlässt, unter 
dem Opticus fort nach aussen tretend, einen feinen Zweig, der neben dem Sehnerven in die 
Sclerotica eindringt; der grössere Theil des Nerven geht in zwei feine Zweige gespalten unter 
dem Bulbus und demselben hart anliegend schräg nach aussen und vorn bis zur Cornea, um hier, 
wie es scheint, in's Auge einzudringen. 

Die Unterschiede der Krokodile bestehen also darin: 

1) Dass hier kein eigentliches Ganglion ciliare im Stamm des vom Oculomotorius abgegebenen 
R. ciliaris sich findet, sondern dass der ganze Stamm des dritten Paares vor dem Abgang des 
Ciliarnerven eine ganglienartige Anschwellung zeigt, an der die Fasern des Trigeminus keinen 
oder nur einen sehr geringen Antheil nehmen ; 

2) dass der aus dem Ganglion hervorgehende Truncus ciliaris nicht wie bei den Eidechsen 
neben dem Opticus, sondern grösstentheils erst viel weiter nach aussen in den Augapfel eindringt. 



— 117 — 

IL Vom Nervus patheticus. 

Die Wurzel dieses Nerven ist, wie es scheint, immer einfach, und entspringt 
beständig von der oberen und hinteren Grenze der Vierhügelmasse. In einem 
sanften Bogen schmiegt sich dieselbe dieser Gehirnabtheilung dicht anliegend 
nach unten und vorn, läuft von der Seite her über die Wurzel des Trigeminus 
fort und tritt aus einem besonderen Loche in der häutigen Seitenwand des 
Schädels etwas vor und über dem Ramus primus Trigemini in die Orbita ein. 
Eben hervorgetreten läuft der Patheticus, der Seitenwand des Schädels dicht 
anliegend, etwas über dem benachbarten R. nasalis paris quinti nach vorn, um 
endlich in seinem Muskel, dem M. obliquus superior, sich zu verbreiten. 

Eine Abweichung von diesem Verlauf ist mir bei keiner der untersuchten 
Formen bekannt geworden. 

III. Vom Nervus abducens. 

(Auf den Abbildungen mit 6 bezeichnet.) 

Der Abducens entspringt immer als einfacher Nerv von der Grundfläche des 
verlängerten Markes ziemlich nahe der Mittellinie, nicht ganz in gleicher Höhe 
mit dem Ursprung des Trigeminus*). Die feine Wurzel wendet sich nach vorn 
und etwas nach aussen, und tritt durch einen feinen, von oben und hinten nach 
unten und vorn gerichteten Kanal aus dem Schädel. Gleich nach seinem Austritt 
läuft der feine Abducens zwischen die Bündel des M. suspensorius, giebt dem- 
selben 2 bis 3 feine aber deutliche Zweige, durchbohrt dann diesen Muskel, und 
tritt von hinten her an den M. rectus externus, in welchem er sich ausbreitet**). 

Auch in der Form dieses Nerven stimmen alle untersuchten Arten überein. 



Zweiter Abschnitt. 

Vom Nervus Trigeminus. 

I. Vom Ursprünge des Trigeminus. 

Vom vordersten Theil der Seitenfläche des verlängerten Markes entspringt 
der Trigeminus beinahe in gleicher Höhe mit dem von der Mittellinie entsprin- 
genden Oculomotorius. Sein Ursprung ist immer getrennt von demjenigen anderer 
Hirnnerven und ein Uebergang von Wurzelbündeln des fünften Paares an das 
siebente oder umgekehrt, wie ihn viele Amphibien und Fische zeigen, findet sich 

*) Einen Ursprung in der Mittellinie selbst, wie ich ihn früher bei den Amphibien gefunden 
(vgl. meine frühere Schrift: Amphibiorum nudorum neuroloyiae specimen, Berol. 1843, Taf. I 
und II, sämmtliche Figuren No. 6) , zeigen die Saurier und Krokodile uicbt. 
**) Es ist mir nicht geglückt, die Nerven für die Muskeln der Nickbaut aufzufinden. Ebensowenig 
konnte icb den Verbindungszweig des Abducens zum N. vidianus (unserem N. palatinus) finden, 
der nach Vogts Angaben bei Chelonia, Lacerta, Monitor u. A. exisliren soll. 



- 118 - 

nicht. Bei den Sauriern gelang es mir bei der grössten Aufmerksamkeit auch 
bei ansehnlichen Exemplaren nicht, eine ohne Theilnahme am Ganglion verlau- 
fende Portio minor zu entdecken. Mit Leichtigkeit sieht man dieselbe dagegen 
auch bei den kleinsten Krokodilen. 

Bei Crocodilus biporcatus entspringt der Trigeminus mit 4 gesonderten Wurzeln. Eine, die 
stärkste von allen, ist ihrem Ursprünge nach vordere oder untere, die drei anderen entspringen 
höher (d. h. der Rückseite näher), in gleicher Linie neben einander, und werden von unten erst 
gesehen, wenn man die dieselben verdeckende untere Wurzel aufhebt. Diese 3 oberen Wurzeln 
sind von ungleicher Stärke. Von ihnen gehen die zweite und dritte ins Ganglion Gasseri über, 
ohne dass sich entscheiden Hesse, wie grossen Antheil jede an der Bildung des zweiten und dritten 
Astes hat. Die erste dieser 3 oberen Wurzeln ist dagegen allein etwas stärker, als die beiden 
anderen zusammen, und theilt sich, obgleich einfach entspringend, in zwei gleiche Hälften, von 
denen die hintere mit den zwei ersteren (oberen) Wurzeln ins Ganglion Gasseri übergeht, während 
die vordere "sich von den übrigen Wurzeln des fünften Paares abwendet, nach vorn durch eine 
besondere Oeffnung aus dem Schädel tritt, und allein den ersten Ast des Trigeminus bildet. Die 
zuerst genannte untere Wurzel hat weder an der Bildung dieses ersten Astes noch an derjenigen 
des Gauglion Gasseri einigen Antheil, sondern, an dies letztere sich von unten her anlegend, lässt 
sie sich unter demselben fort nach aussen in den dritten Ast hinein verfolgen, zu dessen Muskel- 
ästen sie insbesondere die Fasern hergiebt.*) 

II. Von dem Ganglion des Trigeminus. 

Eine Eigentümlichkeit der Reptilien gegenüber den Amphibien ist der 
Umstand, dass der erste Ast des Trigeminus ein besonderes Ganglion hat, ge- 
trennt von dem gemeinschaftlichen Ganglion des zweiten und dritten Astes. 
Bei den Sauriern ist dasselbe bisweilen eine besondere Anschwellung, welche 
die Wurzel des ersten Astes bildet, nachdem sie sich vom zweiten und dritten 
Aste getrennt {Platydactylus guttatus, Salvator Merianae und S. nigropunctatus), 
oft aber ist sie auch mit dem Ganglion des zweiten und dritten Astes so ver- 
wachsen, dass sie nur durch einen Einschnitt an der vorderen Seite desselben 
getrennt erscheint QVaranus Bengalensis, Iguana tuber culata).' ::k ~) 

Bei Chamaeleo vulgaris habe ich nur ein Ganglion finden können (Taf. II, fig. 4, B). Ans der 
vorderen Fläche des Wurzelstammes geht ohne Bildung eines Ganglions der erste Ast hervor. 
An der hinteren Seite liegt das flache, halbkreisförmige Ganglion des zweiten und dritten Astes 
so angeheftet, dass die Convexität nach hinten gerichtet ist, und die vordere Fläche des Wurzel- 
stammes, von der, wie eben gesagt, auch der erste Ast abgeht, ohne directe Theilnahme am 
Ganglion in den nach aussen gerichteten dritten Ast sich fortsetzt. Aus der höchsten, nach hinten 
gekehrten Krümmung des Ganglions geht der zweite Ast hervor, erst ebenfalls auf eine ganz 
kleine Strecke die Richtung nach hinten verfolgend, dann nach oben und mit rascher Biegung nach 
vorn über den dritten Ast forttretend und nun die Richtung nach aussen und vorn einhaltend. 



*) Müller erwähnt einer besonderen Porlio motoria des Trigeminus bei der Klapperschlange und 
bei Python ligris. (Vergl. Neurologie der Myxinoiden in den Abhandl. d. berlin. Akad. 
der Wisseuscli. 1839. pg. 229.) 
**) Ein besonderes Ganglion des ersten Astes bildet Müller ab bei der Klapperschlange 1. 1. 
Taf. IV, fig. 4, 5'. 






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Gewöhnlich ist das Ganglion des zweiten und dritten Astes in dem für den 
Austritt des Nerven bestimmten Loche selbst gelegen, und zwar so, dass es 
halb aus demselben nach aussen vorragt. Dies Loch wird von hinten, unten 
und oben von der Knochenmasse des Felsenbeins, von vorn aber von der häu- 
tigen Seitenwand des Schädels begrenzt. Das Loch für den ersten Ast liegt 
in der häutigen Seitenwand selbst, etwas vor und unter der Oeffnung für den 
zweiten und dritten Ast. 

111. Von den Zweigen des Trigeminus. 

Ausser den gewöhnlichen drei Aesten geht aus der Wurzel des Trigeminus 
oder der unteren Fläche des Ganglion Gasseri , — bei den Krokodilen aus der 
Portio minor — , ein feiner Nerv hervor, der unter dem ersten Aste nach vorn 
in die Orbita eintritt, und sich hier von unten her an den M. adductor maxillae 
superioris ") da anlegt, wo dieser am Gelenkfortsatz des Keilbeins sich befestigt. 
Eine kurze Strecke läuft dieser. Nerv unter dem genannten Muskel nach vorn, 
und breitet sich dann in demselben mit mehreren feinen Zweigen aus. 

Ich habe diesen Nerven bei allen untersuchten Eidechsen und Krokodilen 
gefunden, und zwar überall von derselben Form. 

Bei den Krokodilen steigt die Zahl der aus der Wurzel des Trigeminus 
entspringenden Aeste noch um einen höher als bei den Sauriern, da der bei 
diesen aus dem zweiten Aste hervorgehende E. recurrens dort aus dem Ganglion 
selbst hervorgeht. (Taf. III, flg. 5, x.) 



*) Was zunächst diesen Muskel betrifft, so ist es ohne Zweifel derselbe, den Boianus bei Emys 
Europaea als M '. palpebralis bezeichnet (Tab. XVIII, fig. 80, 12) : „Palpebralis orbicularis musculi 
„palpebrarum loco; neque vero in orbem circumductus. — Ab inscriplione tendinea-oriundum, 
„ob pallorem tarnen partim notabile Stratum musculosum, juxta palpebrarum lougiludinem por- 
„rectum 5 in superiore palpebra vix aliquantum conspicnum, apertius iuferiore, ibique bulbo 
„subductum. — Necdum tarnen de universa huius musculi eiusque cum membranae nictitantis 
„illo intercedente forte reciproca ratione, mihi satis liquet etc. etc." — Auch mir ist nur der 
innere Anheftungspunkt dieses bei allen Sauriern und Krokodilen ausgebildeten Muskels deutlich 
geworden. Er entspringt nämlich von dem vorderen Winkel, den der Gelenkfortsatz des Keil- 
beins mit dem Knorpelstiel des letzteren bildet, ferner in der Kegel (nicht bei Varanus Ben- 
galensis) von dem ganzen Innenrande des Knorpelstiels selbst, und endlich beständig mit einem 
ziemlich starken Bündel vom hinteren Rande des Vomer. Er geht von diesen Anheftungspunkten 
mit queren Bündeln unter dem Bulbus nach Aussen, wird aber an der äusseren Fläche des 
Augapfels, den er von unten her innig umschliesst, so fein, dass es nicht möglich war, seinen 
äusseren Anheftungspunkt aufzufinden. Dass er sich an den Innenrand des Oberkieferbeins 
festsetze, wird aus der Bildung der Schlangen wahrscheinlich, wo Müller (1.1.) einen Gaumen- 
muskel namhaft macht, der sich zwischen dem oberen Kieferapparat und der Basis cranii fest- 
heftet, und der, ganz wie unser Muskel, einen feinen Nerven aus der Portio motoria Trigernini 
bekommt. Ist dies Verhällniss dasselbe bei den Sauriern, so bat der Muskel den Zweck, den 
Oberkieferknochen (wegen dessen vorderen Befestigung in geringem Grade) nach innen zu 
biegen und ausserdem bei seiner Contraction den Augapfel nach oben zu drängen. Letzteres 
ist wohl die einzige Wirkung, die diesem Muskel bei den Krokodilen und Schildkröten übrig 
bleibt. Bei diesen bat, wie erst gesagt, Boianus, bei jenen habe ich ihn beobachtet. 
Boianus bezeichnet nicht näher, welcher Nerve denselben versorgt. 



— 120 — 

I. Vom ersten Aste des Trigeminus. 

Dieser ist immer der schwächste und in der Regel kaum halb so stark, 
wie jeder der beiden anderen. Gleich nach seinem Ursprünge aus seinem 
Ganglion theilt er sich gewöhnlich in 2 Aeste, einen R. frontalis und R. nasalis, 
von denen jener für die Haut der Stirngegend bestimmt ist, während dieser die 
Nasenschleimhaut versorgt, und ausserdem beständig einen Zweig ins Ganglion 
ciliare des Oculomotorius abgiebt. 

Nur geringe Abweichungen finden in der Form dieses Nerven statt. 

Bei Iguana tuberculata gehört, wie erst erwähnt, die vordere schwächere Hälfte des röthlichen 
Ganglion des Trigeminus dem ersten Aste an, der aus dem vorderen Theil desselben hervorgeht. 
Kaum aus der Schädelhöhle getreten, theilt er sich in seine beiden Aeste : 

a) Der R. nasalis geht uach vorn, nachdem er gleich nach seinem Ursprünge seinen R. ciliaris 
in den vorderen Theil des Ganglion ciliare des Oculomotorius abgegeben hat, tritt, dem Patheticus 
dicht anliegend, über den Opticus und unter den M. obliquus superior fort nach vorn, und dringt 
durch den Kanal , der von den an der unteren Fläche der beiden Frontalia media befindlichen 
Leisten gebildet wird, in die Nasenhöhle, um sich auf der" Schleimhaut derselben auszubreiten. 

b) Der R. frontalis wendet sich sogleich nach oben längs der häutigen Seitenwand des 
Schädels, und theilt sich über dem Auge in mehrere Zweige. Einer derselben tritt unter den 
äusseren Rand des Os frontale medium nach innen, fast bis zur Mittellinie, wendet sich dann 
nach vorn und endigt in der Haut über dem vorderen inneren Theil des ßulbus. Ein anderer 
verbindet sich mit einem feinen Endzweige des zweiten Astes, der sich in der Haut des oberen 
Augenlides ausbreitet. Auch die übrigen Endzweige verbreiten sich an der Haut der Stirn 
über dem Auge. 

Bei Salvalor Merianae hat der erste Ast keine besondere Oeffnung im Schädel, wohl aber 
ein eigenes längliches Ganglion, welches ausserhalb der Schädelhöhle liegt. Aus demselben gehen 
3 Nerven hervor: 

a) Der feinste derselben ist der Ramus ciliaris, der nach vorn und innen gehend, mit dem 
stärkeren R. ciliaris des Oculomotorius zum Ganglion ciliare zusammentritt. 

b) Der stärkste ist der R. nasalis, der sich ganz wie bei Iguana verhält. 

c) An Stärke zwischen den beiden vorigen steht der R. frontalis. Er theilt sich bald nach 
seinem Ursprünge in mehrere Zweige, welche hinter und innerhalb des Augapfels in die Höhe bis 
zur Stirnhaut hinter dem Auge aufsteigen, um in dieser sich auszubreiten. Ein Faden desselben 
gesellt sich zu dem R. recurrens des zweiten Astes. 

Bei Salvator nigropunctatus ward von der Form der verwandten Art keine Abweichung beob- 
achtet. Auch bei Varanus Bengalensis dieselbe Theilung des ersten Astes in seine beiden Zweige 
(R. nasalis und R. frontalis) gleich nach seinem Austritt aus der ihm angehörigen, durch einen 
tiefen Einschnitt abgetheilten vorderen Hälfte des Ganglions. Der R. ciliaris tritt nicht gleich- 
zeitig mit denselben aus dem letzteren aus, sondern ist, wie bei Iguana, Zweig des R. nasalis, 
und tritt, schwächer als der entsprechende Ast des Oculomotorius, seitwärts in die Mitte des 
ziemlich beträchtlichen Ganglion ciliare ein. 

Ganz von derselben Form ist der erste Ast bei Lacerta ocellata. 

Bei Cltamaeleo , Evprepes, Platydactylus , Agama ward nur das Verhältniss des Augenastes 
zum Ganglion ciliare untersucht, die übrigen Verzweigungen nicht weiter verfolgt. 

Die Krokodile zeigen insofern eine abweichende Bildung, als nicht alle zur Stirnhaut über 
dem Auge sich vertheilenden Fasern von einem einfachen R. frontalis ausgehen, sondern der erste 



/li 



— 121 — 

Ast auch nach 'Absendung seines R. ciliaris noch wiederholt Fasern an die Stirnhaut sendet. Bei 
Crocodilus biporcatus trennt sich die Wurzel des ersten Astes, deren Ursprung vorher (pg. 1)8) darge- 
stellt ist, unter rechtem Winkel von denjenigen des zweiten und dritten Astes, und geht nach vorn 
und unten, um durch ein eigenes Loch aus dem Schädel zu treten. Noch halb im Knochenkanal bildet 
sie ein sehr deutliches, ovales, plattes Ganglion (Taf. III, fig. 5, A), aus welchem 2 Zweige hervorgehen : 

a) Der schwächere wendet sich sogleich nach aussen, schmiegt sich hinter dem M. rectus 
externus herum bis zum hinteren Augenwinkel, und breitet sich mit mehreren Zweigen in der Haut 
des unteren und oberen Augenlides aus. Von den das letztere versorgenden Nerven lassen sich 
einzelne Fäden bis zur Stirngegend verfolgen. 

V) Der bei Weitem stärkere ist der eigentliche Hauptstamm. Er geht gerade aus nach vorn, 
giebt einen schwachen Zweig (Taf. III, fig. 5 c) in das benachbart liegende Ganglion ciliare (g c), 
tritt über den Opticus und den M. rectus internus fort, und läuft, an der Innenfläche des Augapfels 
dem Patheticus dicht anliegend, bis zur vorderen Ecke der Orbita. Hier tritt er unter dem M. 
obliquus superior fort nach vorn, und giebt mehrere Zweige nach aussen, die sich am vorderen 
Augenwinkel in der Haut des oberen und unteren Augenlides verbreiten, während der Hauptstamm 
selbst in die Nasenhöhle eindringt. 

2. Vom zweiten Aste des Trigeminus. 

Dass der zweite und dritte Ast des Trigeminus bei den Sauriern ein gemein- 
schaftliches Ganglion haben, das halb ausserhalb der Schädelhöhle liegt, ist erst 
(pg. 118) erwähnt. Bei den meisten tritt der zweite Ast aus der äusseren Spitze 
dieses Ganglions hervor, — nur beim Chamaeleon ward ein abweichender Aus- 
tritt aus der hinteren Seite desselben erst (pg. 118) beschrieben. 

Der zweite Ast ist bedeutend stärker, als der erste, aber meist um ein 
wenig schwächer, als der dritte. Muskeläste, wie Boianus einzelne bei Emys 
angiebt, werden bei den Sauriern und Krokodilen nie von ihm entsendet. Er ist 
dagegen beständig wichtig: 1) durch seine Zweige an die Haut der Stirn und 
der Augenlider; 2) durch einen eigenthümlichen Drüsenast von ganz besonderer 
Form (an die Conjunctiva des Auges und an die Hardersche Drüse); 3) durch 
zwei sympathische Verbindungsschiingen, die eine an den Ramus palatinus, die 
andere (R. recurrens) an den hinteren Hauptstamm des Facialis selbst; 4) durch 
das Verhalten seiner vorderen Endigung als N. alveolaris superior, und 5) durch 
seine mit Gaumenästen des R. palatinus sich verbindenden Gaumenzweige. 

Sein Verlauf bei den Sauriern, welcher von demjenigen der Krokodile in 
einigen wesentlichen Punkten abweicht, ist der Hauptform nach folgender: 

Gewöhnlich tritt der Maxillaris superior ohne Zweige abzugeben durch die 
vordere und äussere Parthie der Kaumuskeln schräg nach vorn und aussen bis 
hinter das Auge, um hier Zweige für die Haut der Stirn, für das obere und 
untere Augenlid, und den Ramus recurrens ad Nervum facialem abzugeben, und 
ausserdem den erst erwähnten Drüsenast zu entsenden. Nach ihrer Abgabe 
durchbohrt die Fortsetzung des Nerven als eigentlicher Infraorbitalis von hinten 
her die äussere Parthie des M. adductor maxillae superioris, um zwischen diesem 

16 



— 122 — 

und dem äusseren Theil der unteren Fläche des Augapfels seinen Weg nach 
vorn fortzusetzen. Bei diesem Verlauf entsendet er seine hinteren Verbindung^- ' 
zweige an den N. palatinus (Ramus communicans posterior cum N. palatino), 
tritt dann wieder aus dem M. adductor maxillae superioris hervor, und wendet 
sich nach aussen an den Oberkieferknochen, um alsbald einen oder mehrere feine 
Zweige nach innen abzusenden, die mit den vorderen Verbindungszweigen des 
R. palatinus verschmolzen in der Mundhaut längs der Innenfläche des Zahnrandes 
des Oberkieferknochens sich verbreiten. Nach Abgabe dieser Zweige tritt der 
Maxillaris superior in den Kanal des Oberkiefers ein, und verläuft in ihm als 
eigentlicher Nervus alveolaris superior nach vorn bis zur Spitze des Zwischen- 
kiefers, beständig Zweige an die Zähne und an die äussere Haut entsendend. 

Dies der Verlauf bei den Sauriern. Besondere Abweichungen von dieser 
Form werden bei der Schilderung der einzelnen Parthieen angegeben werden. 
Der Maxillaris superior der Krokodile ( Crocod. biporcatus) unterscheidet sich 
namentlich dadurch, dass derR. infraorbitalis (Taf. III. fig. 5, X) erst dann (in der 
Gegend des neunten Zahns) in den Knochenkanal eintritt, nachdem er zuvor 
schon einen Alveolaris posterior (fig. 5, f<) abgegeben, der in der Gegend des vier- 
zehnten Zahns in seinen Kanal sich einsenkt, dessen letztes Ende er indessen 
selbst bei seinem Eintritt in den Knochen wieder aufnimmt. Dass übrigens bei 
den Krokodilen ein wirklicher Plexus sphenopalatinus stattfindet, der mit Zweigen 
des Ramus palatinus die gewöhnliche Schlinge bildet, dass auch hier ein Drüsenast, 
nur von etwas abweichender Form, vorhanden ist, so wie überhaupt manche andere 
specielle Abweichung von dem Typus der Saurier, wird bei den besonderen 
Formen der einzelnen Nervenzweige erwähnt werden. 

a) Vom Ramus recurrens ad nervum facialem *). 

Bei allen Sauriern ohne Ausnahme geht aus dem Maxillaris superior da, 
wo derselbe hinter dem Augapfel seine Zweige für die Haut der Stirn und der 
Augenlider entlässt, ein häufig durch Fäden des ersten Astes (B. frontalis) ver- 



Bendz (Bidrag til den sammenlignende Anatomie af Nervus Glossopharyngeus, Vagus, Acces- 
sorius Willisii og Hypoglossus. Kjöbenhavn 1843, pg. 5, Tab. I, 24.) entdeckte diesen Nerven 
zuerst bei Chelonia Mydas , wo er aus Fäden des ersten und zweiten Astes des Trigeminus 
gebildet wird, und nicbt in den Facialis, sondern diiect in den Halstbeil des Sympalhicus ein- 
mündet, und mit dem Ganglion petrosum iu Verbindung steht. — Wach Bonosdorf (Descriptio 
anatomica Nervornm, cerebralium Corvi Cornicis Linu. Actis Societ. Fenniae inserla. Helsingfors 
1850. pg. 510) hat Schlemm (Observalt. ueurolog. Berol. 1834, pg. 18) bei Meleagris 
Gallopavo eineu Nervus recurrens aus dem ersten Aste des Trigeminus an den Facialis zu- 
rücklaufend gesehen, von dem Staunius (Lehrbuch der vergleich. Anatomie pg. 283) ganz 
allgemein angiebt , dass er den Vögeln zukomme. Bonusdorf versichert, diese Verbindung 
finde bei Covvus Gornix nicht statt. Der Nervus vidianus, mit welchem B. diesen Nerven 
vergleicht, entspringe hier aus dem zweiten Aste des Trigeminus. — Mit den Rami recurrentes 
bei den Fischen darf unser Nerv indessen theils wegen seines oberflächlichen Verlaufes, theils 
deshalb nicht verglichen werden, weil diese nach Staunius sich nie mit dem Glossopharyn- 
geus, sondern stets nur mit V r agns und Hypoglossus verbinden. 






— 123 — 

stärkter Nerv von sehr eigenthümlichev Form hervor, der vielleicht nur den 
"Reptilien eigen ist. Löst man nämlich vorsichtig die Knochenleiste ab, die sich 
bei vielen von ihnen vom Scheitelbein zum Ouerfortsatz des Hinterhauptsbeines 
erstreckt, so rindet man an ihrer inneren Seite neben einem ziemlich starken 
Gefässstamm (Arteria temporomuscularis Boianus) einen äusserst feinen Nerven- 
faden, der aus dem zweiten Aste des Trigeminus an der genannten Theilungs- 
stelle entsprungen, sich rückwärts über den Kopf wendet, neben jener Arterie 
dicht unter der Stirnhaut (oder, wie bei Lacerta, unter den dem Hautskelett 
angehörigen Deckknochen der Stirn) nach hinten läuft, hinter dem Querfortsatz 
des Hinterhauptsbeines abwärts steigt, und sich in den hinteren Haupt stamm des 
Facialis gewöhnlich da einsenkt, wo dieser seinen äusseren Verbindungsast zum 
Glossopharyngeus (R. communicans externus cum Glossopharyngeo) und die 
Chorda tympani entlasst. Diesen Nerven habe ich mit Bestimmtheit beobachtet 
bei lgtvana tuberculata, htiurus Amboinensis, Varanus Bengalensis, Salvator nigro- 
punctatus, Salv. Merianae, Euprepes Sebae, Lacerta ocellata, Chamaeleo vulgaris, 
Platydactylus guttatus. Auch bei den Krokodilen ist er als viel stärkerer Nerv 
vorhanden, entspringt hier aber schon aus dem Ganglion des Trigeminus selbst, 
um nicht, wie bei den Eidechsen, in einem grossen Bogen über den Kopf nach 
hinten zu laufen, sondern um, dem Schädel nahe anliegend, in dem vorderen 
Theil der äusseren Gehörkapsel nach hinten zu gehen, und dort, gerade wie 
bei den Eidechsen, mit dem hinteren Hauptstanim des Facialis zu verschmelzen. 
(Taf. III, fig. 5, x.) 

Die speciellen Formen dieses Nerven sind folgende: 

Bei Varanus Bengalensis theilt sich der Maxillaris superior hinter und unter dem Auge in 
3 Aeste: der stärkste ist der eigentliche Infraorbitalis; der zweite, viel schwächere, ist ein Nerv, 
der bald nach seinem Ursprung in den Driisenzweig und die Augenlideräste sich theilt. Der 
dritte, schwächste endlich entlasst mehrere feine, in der Stirnhaut hinter dem Auge sich verbrei- 
tende Fäden und ausserdem unsern R. recurrens zum Facialis. Dieser läuft wie gewöhnlich als 
äusserst feiner Nervenfaden an der inneren Seite der vom Scheitelbein zum Querfortsatz des 
Hinterhauptsbeins sich erstreckenden Knochenleiste nach hinten , tritt an der Grenze zwischen 
Quadratbein und Querfortsatz nach unten, und senkt sich in den hinteren Hauptstamm des Facialis ein. 

Bei Iguana tuberculata giebt ebenfalls der Maxillaris superior hinter dem Augapfel 2 Nerven 
ab, von denen der eine die für die Haut der Augenlider, die Conjunctiva und die Hardersche 
Drüse bestimmten Fäden enthält, während der zweite, für die Haut der Stirn bestimmte, unsern 
R. recurrens abgiebt. Dieser tritt ober- und ausserhalb der Kaumuskeln in Begleitung der Arteria 
temporomuscularis nach hinten unter dem Os frontale posterius fort, da wo dieser Knochen sich 
mit dem Os quadrato-jugale verbindet, tritt dann mit dem genannten Gefäss unter die Knochen- 
leiste,, die vom Scheitelbein sich schräg nach hinten und aussen bis zum Querfortsatz des Occipi- 
tale laterale erstreckt, läuft dann unter dieser Leiste nach hinten, und tritt hinter dem Querfortsatz 
nach unten, um in den Theil des Facialis einzumünden, der die Chorda tympani, den Muskelzweig 
und den äusseren Verbindungsast zum Glossopharyngeus abgiebt. (Taf. II. fig. 3, x.) 

16 * 



— 124 — 

Bei Istiurus Amboinensis entlässt der Maxillaris superior 3 Nerven. Der erste und dritte 
sind für die Haut der beiden Augenlider bestimmt. Der mittlere giebt einzelne Fäden an die 
Stirnhaut ab, und wendet sich dann auf demselben Wege, wie bei den übrigen Eidechsen, als 
R. recurrens rückwärts , und verschmilzt hinter dem Kopfe mit dem hinteren Hauptstamm des 
Facialis, da, wo dieser sich in seine Endäste theilt. (Taf. III. flg. l,x.) 

Bei Salvator Merianae tritt der zweite Ast des Trigeminus ebenfalls durch die Kaumuskeln 
hindurch schräg nach vorn und aussen. Hinter dem Augapfel giebt er den R. recurrens ab, um 
erst etwas später den Drüsenzweig und die Aeste für die Augenlider zu entlassen. Der R. recur- 
rens enthält hier die für die Stirnhaut bestimmten Fasern, nach deren Abgabe er wie gewöhnlich, 
an der Innenseite der besprochenen Knochenleiste in Begleitung der Arteria temporomuscularis 
nach hinten läuft, um sich endlich mit dem Facialis zu verbinden. 

Salvator nigropunctatus wiederholt ganz die Form von Sah. Merianae. 

Von den übrigen Eidechsen weicht Euprepes Sebae nur dadurch ab, dass unser Nerv nicht 
in den hinteren Hauptstamm des Facialis vor dessen Theilung in seine Endäste, sondern in den 
vorderen der Chorda tympani analogen Zweig desselben einmündet. Gerade an seiner Einsenkungs- 
stelle in denselben steht dieser jedoch durch eine schmale Nervenbrücke mit der andern, den 
sympathischen Verbindungszweig zum Glossopharyngeus entsendenden Hälfte (Muskelast) des hin- 
teren Hauptstammes des Facialis in Verbindung. 

Bei Chamaeleo vulgaris entspringt der R. recurrens ganz wie bei den übrigen Sauriern, läuft 
aber nicht hart unter der erwähnten Knochenleiste, sondern höher und weiter einwärts mitten 
durch die hintere Parthie der starken Kaumuskeln zwischen der mittleren, nach hinten verlängerten 
und der äusseren Schädelleiste (immer in Begleitung der Arteria temporomuscularis) und senkt 
sich nahe der Theilungsstelle des hinteren Hauptstammes des Facialis in denselben ein. 

Auch bei den Krokodilen existirt ein Verbindungsnerv vom Trigeminus an den hinteren 
Hauptstamm des siebenten Paares. Derselbe gehört hier (Crocodilus biporcatus Taf. III. fig. 5, x) 
aber nicht zu den peripherischen Endigungen des zweiten Astes, sondern geht schon aus dem 
gemeinschaftlichen Ganglion des zweiten und dritten Astes hervor, läuft deshalb auch nicht über 
den Kopf nach hinten, sondern tritt dicht vor der knöchernen Gehörkapsel schräg nech aussen 
und hinten, und trifft mit dem ebenfalls fast dieselbe Richtung verfolgenden hinteren Hauptstamm 
des Facialis unter spitzem Winkel zusammen. Aus dieser Vereinigung gehen zwei Nerven hervor: 
der hintere Hauptstamm des Facialis selbst, und der Ramus communicans externus nervi Facialis 
cum Glossopharyngeo. Von beiden wird später die Rede sein. 

b) Von den Zweigen an die Stirnhaut. 
Mit dem eben beschriebenen R. recurrens zugleich gehen hinter dem Aug- 
apfel aus dem zweiten Aste des Trigeminus einzelne Fäden hervor, die hinter 
dem Bulbus in die Höhe steigen, und sich in der Haut der Stirn ausbreiten. 
Diese Fäden sind von besonderer Feinheit, — vielleicht ist das der Grund, 
weshalb ich sie nur bei den grösseren der mir zu Gebote stehenden Formen 
mit Deutlichkeit sah. 

Bei Varanus Benyalensis entspringen sie in der eben angegebenen Weise mit dem R. recurrens 
zugleich als getrennte Fäden. Ebenso gehen auch bei Iguana tuberculata zugleich mit dem R. 
recurrens Fäden aus dem zweiten Aste des Trigeminus hervor, die sich zugleich mit Zweigen vom 
R. frontalis des ersten Astes in der Haut der Stirn ausbreiten (pag. 120). Aehnliche Zweige wurden 
endlich noch bei Salvator Merianae und Sah. nigropunctatus beobachtet. 



— 125 - 

c) Von den Zweigen für die Haut der Augenlider. 
Derselbe Punkt, wo mit dem R. recurrens die eben erwähnten Zweige für 
die Stirnhaut aus dem Maxillaris superior entspringen, ist, anscheinend beständig, 
auch die Ursprungsstelle mehrerer feiner Nerven für das obere und untere Augenlid. 

Ihr Abgang und ihre Form ist bei denjenigen Eidechsen, von denen mir grössere Exemplare 
zu Gebote standen, folgende: 

Bei Varanus Bengalensis, wo, wie erst erwähnt, der Maxillaris superior sich hinter dem Auge 
in 3 Aeste theilt, ist es der zweite, der diese Augenlidernerven entlässt. (Der erste dieser drei 
Nerven ist, wie erwähnt, der eigentliche Infraorbitalis, der dritte entsendet den R. recurrens und 
die Stirnnerven.) Derselbe theilt sich da, wo der Maxillaris superior unter den Augapfel tritt, in 
zwei Zweige, deren schwächerer der gleich zu beschreibende Drüsenast ist. Der stärkere dagegen 
tritt unter die Haut hinter dem Auge, um sich sogleich wieder in mehrere Zweige zu theilen. 
Von diesen tritt einer unter die Haut des oberen Augenlides, und lässt sich unter derselben bis 
zum vorderen Winkel des Auges verfolgen ; ein anderer läuft unter der Haut des unteren Augen- 
lides nach vorn, gerade zwischen der Haut und dem den vorderen Theil der Augenhöhle von unten 
her begrenzenden Theil des Oberkiefers; ein dritter endlich, etwas stärker als dieser, läuft, dem 
Bulbus dicht anliegend, mehr nach innen zu, ebenfalls beständig Zweige in die Haut des unteren 
Augenlides sendend. 

Bei Iguana tuberculata tritt wie immer der Maxillaris superior nach vorn und aussen zwischen 
den Kaumuskeln hindurch bis zum hinteren Augenwinkel. Auf diesem Wege giebt er zwei Aeste, 
a und b ab. 

a) tritt hinter dem Auge an der vorderen Grenze der Kaumuskelmasse nach oben. Am 
oberen Augenlid angelangt entsendet er den vorhin abgehandelten R. recurrens, und verbindet sich 
alsdann mit einem von innen und unten längs der häutigen Seitenwand des Hirnschädels aufsteigenden 
Endzweige des R. frontalis vom ersten Aste. Aus dieser Verbindung gehen zwei feine Nerven hervor: 

a geht unter dem oberen Augenlide bis zum vorderen Augenwinkel und löst sich mit zahl- 
reichen Fäden in der Haut desselben auf; 

ß geht ebenfalls unter dem oberen Augenlide nach vorn, aber etwas weiter nach innen zu, 
um ebenso wie et in der Haut desselben sich zu verzweigen. 

6) tritt hinter das untere Augenlid und theilt sich in zwei Aeste: 

a läuft unter dem vorderen Augenlide nach vorn, und giebt zahlreiche Fäden in die Haut 
desselben ab, um selbst in dessen vorderen Winkel zu endigen; 

ß ist der gleich zu beschreibende Drüsenzweig. 

Bei Salvatar nigropunetatus (Taf. I, fig. 1, ß) und Istiurus Amloinensis wurden ebenfalls mit 
Deutlichkeit Zweige beobachtet, die am hinteren Augenwinkel aus dem zweiten Aste des 
Trigeminus hervorgehend, die beiden Augenlider und die den Oberkieferknochen bedeckende Haut 
mit Nerven versorgen. 

d) Vom Drilsenzweig des zweiten Astes. 
So möchte ich einen sehr beständigen, aber äusserst feinen Nerven nennen 
(dargestellt Taf. I, fig. l,y), der, wenigstens zuweilen, eine deutlich gangliöse 
Natur hat, und immer die Conjunctiva und die Hardersche Drüse mit Fäden 
versorgt. Derselbe steht mit den Verbindungszweigen zum Bamus palatinus 
paris septimi (mit dem Plexus sphenopalatinus) durchaus in keiner weiteren 
Verbindung, als dass er ebenfalls aus dem zweiten Aste des Trigeminus 



— 126 — 

entspringt, und ist eben wegen seiner Aehnlichkeit mit der Form von Nerven 
zweigen, die man einem selbstständigen sympathischen System zuzuschreiben 
gewohnt ist, bei seinem Mangel an allen Verbindungsfäden zum sympathischen 
Kopftheil, höchst merkwürdig. 

Die speciellen Formen dieses Nerven sind folgende: 

Sein Ursprung aus dem zweiten Aste bei Varanus Bengalensis ist vorhin (bei Gelegenheit dea 
R. recurrens und der Augenliderzweige) angegeben. Er tritt hier mit dem Infraorbitalis unter den 
Bulbus, durchbohrt mit demselben den M. adductor maxillae superioris, und läuft zwischen diesem 
und dem Augapfel an der Aussenseite des zweiten Astes des Trigeminus, dem letzteren sehr nahe, 
nach vorn. Auf seinem ganzen Verlauf empfängt er beständig zahlreiche feine Fäden aus dem 
benachbarten Infraorbitalis und bildet mit denselben kleine Geflechte, aus denen feine nach aussen 
gehende Zweige entspringen, welche an der Conjunctiva sich zu verbreiten scheinen. Der durch 
diese austretenden Fäden entstehende Verlust wird immer wieder durch neue Fäden aus dem 
Maxillaris superior ersetzt. An dem vorderen Theil des Bulbus, da wo der zweite Ast des Tri- 
geminus sich nach aussen wendet, um in seinen Kanal einzutreten , tritt unser Nerv nach innen 
über den Maxillaris superior fort, und theilt sich in mehrere Zweige. Von diesen wendet sich 
einer nach innen, und geht in die Hardersche Drüse. Ein anderer Endfaden schlingt sich vorn 
um den Augapfel nach oben und endigt an der vorderen Oberfläche desselben in der Bindehaut. 

Auch von Iguana tubercidata ward vorhin der Ursprung dieses Nerven schon näher bezeichnet. 
Er verbindet sich mit einem feinen Faden des für die Augenlider bestimmten Nerven , und geht 
wie bei Varanus neben und aussen vom Maxillaris superior unter dem äusseren Theil des Augapfels 
nach vorn. Auch hier giebt er auf diesem Wege zahlreiche Fäden ab, die sich geflechtartig unter 
einander verbinden und in die Bindehaut des Auges gehen. (Ganglienartige Anschwellungen, wie 
bei Sahator, wurden eben so wenig wie bei Varanus bemerkt) Dieser Abgang von Nervenfäden 
wird auch hier beständig wieder ersetzt durch zahlreiche auf seinem ganzen Wege in ihn eüv 
tretende Fäden des benachbarten Infraorbitalis. Ob der Nerv hier in der Harderschen Drüse 
endigt, wie bei Varanus, liess sich nicht ermitteln. 

Nachdem der Maxillaris superior bei Sahator Merianae kaum unter den Augapfel getreten 
ist, giebt er den Drüsenzweig ab, der als äusserst feiner Nerv etwas ausserhalb vom Infraorbitalis 
und mit diesem parallel nach vorn verläuft. Er ist hier besonders ausgezeichnet durch seine 
gangliöse Natur, indem er aus einer grossen Zahl zwar äusserst kleiner, aber schon durch eine 
starke Loupe wahrnehmbarer Ganglien besteht, welche von hinten nach vorn einander in grader 
Linie folgend, durch feine Fäden mit einander verbunden sind, und sich fast wie eine Schnur 
Perlen ausnehmen. In jedes dieser Ganglien treten Fäden aus dem naheliegenden Infraorbitalis 
ein, aus jedem derselben treten andere, wie es scheint, an die Conjunctiva, aus. Unter dem vor- 
deren Drittheil des Augapfels angelangt, empfängt dieser gangliöse Nerv einen stärkeren Verbin- 
dungszweig vom zweiten Aste des Trigeminus, und legt sich dann hart unter die Hardersche Drüse, 
um ihr verhältnissmässig beträchtliche Nervenfasern zu geben. Er selbst schmiegt sich vorn um 
den Augapfel in die Höhe und scheint in der Conjunctiva zu endigen. 

Eben so deutlich ist dieser Driisenzweig bei Sahator nigropunctatus (Taf. I, fig. I,y), <^ er 
ganz die Form von Sah. Merianae wiederholt, nur dass keine Ganglien in der Bahn desselben 
beobachtet wurden. Uebrigens dieselbe Abgabe von Zweigen an die Conjunctiva, dieselbe Aufnahme 
neuer Fäden (vgl. die rechte Seite der Abbildung) aus dem Infraorbitalis (A). 

Auch bei den Krokodilen habe ich diesen Nerven, wenn auch in etwas anderer Form, wieder- 
gefunden. Bei Crocodilus biporcatus tritt der zweite Ast des Trigeminus (Taf. III, fig. 5, n) von 
hinten und innen nach vorn und aussen bis hinter den Augapfel, tritt hier über die hinterste 



— 127 — 

dickste Schicht des M. adductor maxillae superioris, und giebt, über derselben liegend, einen 
starken Zweig, den später zu beschreibenden Alveolaris posterior (fi), ab. Gleich nach seiner 
Abgabe entsendet er einen sehr feinen Nerven (Taf. III, fig. 5, y) , der mit ihm selbst parallel, 
und sogar in der Mitte des Bulbus wieder auf eine kurze Strecke mit ihm verschmelzend, nach 
vorn verläuft. Er löst sich im vorderen Theile der Orbita in mehrere feine Fäden auf, die sich 
geflechtartig auf der Conjunctiva ausbreiten. Einer derselben lässt sich eine Strecke nach vorn 
und oben um den Augapfel herum verfolgen. — Es fehlen hier also die bei den Eidechsen schon 
während seines ganzen Verlaufes aus dem Drüsenzweig austretenden Nervenfäden für die Con- 
junctiva, und statt der Ersatzfäden, die derselbe dort beständig aus dem Infraorbitalis erhält, 
findet bald nach seinem Austritt wieder eine Verschmelzung mit dem letzteren statt, bei welcher 
Gelegenheit vielleicht eine Aufnahme neuer Fäden erfolgt. 

e) Von den Verbindungszweigen des zweiten Astes des Trigeminus zum N. palatinus. 

(Dargestellt Taf. I, fig. 1,8,8'.) 

Es ward bei Gelegenheit der eben beschriebenen Zweige des Maxillaris 
superior wiederholt erwähnt, dass der letztere bei allen Sauriern und Krokodilen 
von hinten nach vorn tretend bald nach ihrer Entsendung den M. adductor 
maxillae superioris (Taf. I, fig. 1 , K) durchbohrt, um zwischen diesem und dem 
darüber liegenden Augapfel nach vorn zu verlaufen. Erst in dem vorderen Theil 
der Augenhöhle tritt er wieder aus diesem Muskel heraus, nun bald den Charakter 
eines N. alveolaris superior annehmend. 

Auf diesem Wege gehen beständig nicht ganz unbeträchtliche Nervenzweige 
aus ihm hervor (sie sind immer viel stärker, als der Drüsenzweig, der R. recur- 
rens und die Augenliderzweige), die nach innen und unten tretend, den M. 
adductor maxillae superioris durchbohren, um entweder direct zu eigenthümlichen 
Schlingen mit dem R. palatinus zusammen zu treten, oder mit Zweigen des 
letzteren einen kurzen Nervenstamm zu bilden, der, sowie jene Schlingen, mit 
dem Plexus sphenopalatinus verglichen werden muss. Der Antheil des R. pala- 
tinus an diesen Schlingen wird bei Gelegenheit des Facialis besprochen werden, 
sowie auch einer späteren Erörterung vorbehalten bleiben muss, welche aus dem 
R. palatinus austretenden Nervenzüge diesen aus dem Trigeminus in denselben 
übergehenden Nervenfasern entsprechen. Hier möge nur die Bemerkung Stelle 
finden, dass nur der R. communicans posterior nervi palatini cum nervo maxil- 
lari superiore an diesem Analogon des Sphenoidalgeflechtes Antheil nimmt. 

Bei Iguana tuberculata treten bei dem eben erwähnten Verlaufe des Infraorbitalis nach 
einander drei stärkere Zweige aus ihm hervor, die den M. adductor maxillae superioris durch- 
bohren, um sich mit Zweigen des R. palatinus in einer später zu erörternden Weise zu verbinden. 

Auch bei Salvator Merianae verfolgt der Infraorbitalis nach Abgabe seines Drüsenzweiges 
den Weg zwischen Bulbus und M. adductor maxillae superioris nach vorn, und giebt nach einander 
drei nicht unbeträchtliche Nerven ab, welche den genannten Muskel nach unten zu durchbohren, 
um sich nach einander mit Zweigen des R. palatinus des Facialis zu einem kurzen Stamme zu 
verbinden. Ueber Letzteren vergl. die Beschreibung des R. palatinus. 



— 128 — 

Bei Sahator nigropunctatus schickt der zweite Ast des Trigeminus (Taf. I, fig. 1, n, a), den- 
selben Weg, wie bei den übrigen Eidechsen verfolgend, nach Abgabe des Drüsenastes (y) einen 
ziemlich starken Ast (fig. 1, 8) nach innen, der in zwei Zweige (6' und 8') gespalten, an zwei 
verschiedenen Punkten den M. adductor maxillae superioris durchbohrt, um unterhalb dieses 
Muskels, dem Os pterygoideum aufliegend, mit zwei Aesten (g und g) des R. palatinus (p) zu 
einem kurzen, unter der Mitte des Bulbus liegenden, feinen Nervenstamm (e) sich zu verbinden; 
aus dessen vorderem Theil gehen zwei Zweige hervor, von denen einer (4') wieder an den R. 
palatinus sich anlegt, um mit ihm zu verschmelzen, während der andere (£) nach aussen läuft, 
den M. adductor maxillae superioris durchbohrend nach oben tritt, und sich wieder an den 
Infraorbitalis anlegt, mit dem er eine kurze Strecke parallel nach vorn geht, und dann unter sehr 
spitzem Winkel mit ihm verschmilzt. Zweige an die Gaumenhaut, die aus diesem gemischten 
Nervenstamm des Facialis und Trigeminus hervorgingen, wurden nicht beobachtet. 

Bei Varanus Bengalensis entlässt an derselben Stelle, wie bei den übrigen Eidechsen, der 
Maxillaris superior einen ziemlich starken Nervenzweig, der den M. adductor maxillae superioris 
durchbohrend nach innen tritt, um mit dem Ramus communicans posterior nervi palatini cum 
maxillari superiore zu einer Schlinge zu verschmelzen. Es wird hier also nicht, wie bei Iguana 
und Salvator ein kurzer, aus Zweigen des Trigeminus und des R. palatinus gebildeter Nerven- 
stamm zusammengesetzt, sondern das ganze Sphenoidalgeflecht ist auf eine einfache Schlinge 
reducirt. Ueber den Antheil des Facialis an dieser Schlinge vgl. die Beschreibung des R. palatinus. 

Viel stärker ausgebildet ist das Sphenoidalgeflecht bei den Krokodilen. Bei Crocodilus bipor- 
catus giebt, wie schon erst erwähnt, der Infraorbitalis, nachdem er über den M. adductor maxillae 
superioris getreten, einen starken Nervenzweig nach aussen ab (Taf. III, fig. 5, ti), den R. alve- 
olaris posterior, während er selbst erst viel später den Charakter eines Alveolaris anterior annimmt. 
Jener, der R. alveolaris posterior, giebt bald nach seinem Ursprünge 2 — 3 deutliche starke Zweige 
nach aussen ab (fig. 5, 8, 8'), zu denen sich noch ein fünfter (e), vom Infraorbitalis selbst her- 
rührender, gesellt. Alle diese Zweige vereinen sich in der äusseren Ecke der Orbita, dem Ober- 
Kieferknochen dicht anliegend, zu einem sehr ausgebildeten, netzartigen Geflecht (pl.) mit kleinen 
viereckigen Maschen. Aus diesem Geflecht, das in ähnlicher Ausbildung bei keiner Eidechse 
gefunden wurde, gehen nach allen Seiten Nerven von ziemlicher Stärke hervor. Einige schlagen 
sich nach aussen, zwischen Haut und Oberkieferknochen in die Höhe, und breiten sich in der 
Haut der Wangengegend aus. Andere laufen zurück bis zum Mundwinkel, um hier zu endigen. 
Noch andere (zwei bis drei, fig. 5, 4) biegen nach innen um, laufen quer unter dem Augapfel an den 
R. palatinus des siebenten Paares heran, um mit einem Zweige desselben (fig. 5, g) eine Schlinge 
zu bilden, aus welcher keine .Zweige hervorgehen. 

f) Von den Gaumenhautzweigen. (Dargestellt Taf. I, fig. i,$.) 

Nach Abgabe der eben abgehandelten .Verbindungszweige mit dem Ramus 
communicans posterior nervi palatini cum maxillari superiore verfolgt der Infra- 
orbitalis seinen Weg unter dem Augapfel, zwischen diesem und dem von unten 
her denselben überziehenden M. adductor maxillae superioris nach vorn ver- 
laufend. Fast an der Vorderfläche des Bulbus angelangt, durchbohrt er zum 
zweiten Male diesen Muskel, um wieder aus demselben hervor-, und an den 
Oberkieferknochen heranzutreten. Dieser Verlauf ist sämmtlichen untersuchten 
Eidechsen und Krokodilen eigen. 



— 129 — 

Vor dem Eintritt in den Canalis alveolares superior, und demselben schon 
sehr nahe, entlässt er sehr beständig einen feinen Ast nach innen, der mit dem 
Ramus communicans anterior nervi palatini cum maxillari superiore (&') zu einer 
Schlinge zusammentritt (Taf. I, fig. l,&). Aus dieser Schlinge geht immer ein 
Nerv hervor (&"), der längs der Innenfläche des Zahnrandes des Ober- und später 
des Zwischenkiefers zwischen Knochen und innerer Mundhaut nach vorn läuft, 
und in der letzteren mit zahlreichen Zweigen sich ausbreitet. 

Die besonderen Verhältnisse dieses ans Fasern des Trigeminus und Facialis gebildeten 
Gaumennerveu werden bei Gelegenheit des R. palatinus erörtert werden. Sie wurden genau 
ermittelt bei Varanus Bengalensis, Iguana tuberculata, Salvator Merianae und Sahator nigropunctatus. 
Ueber Crocodilus hiporcatus vergl. Taf. III, fig. 5. Hier ist 3 der in Rede stehende Zweig des 
Trigeminus, 5' der R. communicans anterior nervi palatini, 5" der aus ihrer Verbindung hervor- 
gehende Zweig für die innere Mundhaut. 

g) Von dem Zweig für die Haut des Oberkiefers. (Dargestellt Taf. I, fig. i,*.) 

In der Regel, vielleicht beständig, wird vom Maxillaris superior zugleich 
mit dem vorigen Nerven auch nach aussen ein feiner Zweig abgesandt, der 
längs der Aussenfläche des Zahnrandes des Oberkieferknochens, zwischen diesem 
und der ihn von aussen bekleidenden Haut, eine kurze Strecke nach vorn läuft, 
und sich in der letzteren ausbreitet. Bei allen grösseren Eidechsen und bei 
den Krokodilen ward dieser Zweig beobachtet, vielleicht also, dass er bei den 
kleineren Formen nur wegen seiner Feinheit nicht aufgefunden wurde. 

h) Vom Nervus alveolaris superior. (Taf. I, fig. i, /•«.) 
Die letzte Endigung des zweiten Astes des Trigeminus ist constant dieselbe. 
Nachdem er als N. infraorbitalis (Taf. I, fig. 1,1) unter dem Augapfel nach vorn 
getreten ist, hier wieder den M. adductor maxillae superioris (K) durchbohrt, 
und sowohl den Zweig für die Haut des Oberkiefers, als den mit Endzweigen 
des R. palatinus sich verbindenden Ast für die innere Mundhaut abgegeben hat, 
nähert er sich von innen her dem Oberkieferknochen, tritt in den Canalis alveo- 
laris desselben ein, und verläuft nach vorn bis zur Spitze des Zwischenkiefers. 
Auf diesem ganzen Wege gehen zweierlei Zweige aus ihm hervor: 1) Rami 
dentales, bei den Sauriern ausserordentlich fein, stärker bei den Krokodilen 
(Taf. III, fig. 5, d), von oben her an die Wurzel jedes Zahns herantretend; 
2) Rami cutanei, bei den Krokodilen feiner, bei den Sauriern viel stärker als 
jene, in kleinen Absätzen durch feine Löcher des Knochens nach aussen tretend, 
und sich in der den Oberkiefer bekleidenden Haut ausbreitend. 

Dies die Form des Nerven bei allen untersuchten Eidechsen. Wesentlich von ihr verschieden 
ist, wie schon oben bemerkt, diejenige der Krokodile. Hier {Crocodilus hiporcatus) existirt nämlich 
ausser dem als N. alveolaris anterior endigenden Hauptstaram des Infraorbitalis (Taf. III, ■*, f') 
noch ein R. alveolaris posterior (fi) von ansehnlicher Stärke. Dieser wird schon nach aussen 

17 



130 — 

abgegeben, sobald der Infraorbitalis den M. adductor maxillae superioris durchbohrt hat, um unter 
dem Augapfel nach vorn zu verlaufen. Dieser Alveolaris posterior entlässt, wie oben bemerkt, die 
meisten der das Sphenoidalgeflecht bildenden Zweige (8,8'), läuft dann nach aussen, um in der 
Gegend des vierzehnten Zahns in den für ihu bestimmten Kanal des Oberkiefers einzutreten- 
(Die eigentliche Fortsetzung des Infraorbitalis tritt als N. alveolaris anterior erst in der Gegend 
des neunten Zahns in den Oberkieferkanal ein.) Bei seinem Eintritt in denselben entlässt der R. 
alveolaris posterior zuerst einen Zweig nach hinten, um auch die hinteren Zähne mit Zweigen zu 
versorgen, und läuft dann im Knochen bis zum zehnten Zahn nach vorn, in jeden der auf seinem 
Wege liegenden Zähne einen sehr starken Zweig entsendend (d). Durch diesen Abgang bedeu- 
tender Aeste wird seine Stärke rasch so verringert , dass in der Gegend des neunten Zahns nur 
ein sehr schwacher Rest desselben sich mit dem nun in den Kanal eintretenden und seine Stelle 
einnehmenden Alveolaris anterior (fi') verbinden kann. Der neunte Zahn wird noch vom Alveo- 
laris posterior versorgt. — Der Alveolaris anterior, die Fortsetzung des eigentlichen Infraorbitalis, 
nimmt bei seinem Eintritt in den Kanal das letzte Ende des Alveolaris posterior auf, und läuft, 
wie erst bemerkt, im Knochen bis zur Spitze des Zwischenkiefers nach vorn, ebenfalls an die 
Wurzel jedes auf seinem Wege liegenden Zahns einen starken Zweig, und ausserdem schwächere 
Aeste an die den Oberkiefer bedeckende Haut abgebend. 



3. Vom dritten Aste des Trigeminus. 

Ueber den Ursprung des dritten Astes zugleich mit dem zweiten Aste aus 
dem Ganglion Gasseri ist oben (pag. 118 und 119) gehandelt worden. Nur bei den 
Krokodilen glückte es, den Uebergang der Portio minor der Trigeminus-Wurzel 
in diesen dritten Ast zu verfolgen. An Stärke übertrifft dieser beständig alle 
übrigen Hirnnerven mit Ausnahme des Opticus. Namentlich bei den Krokodilen, 
auch bei ganz kleinen Exemplaren, ist er von bedeutender Dicke, so wie auch 
seine Aeste zwar wegen der benachbarten Lage der von ihnen versorgten Organe 
die kürzesten, zugleich aber auch die stärksten sind. 

Vor der Schilderung seines Verlaufes im Allgemeinen muss nochmals hin- 
gewiesen werden auf den schon früher (pag- 119) abgehandelten Nerven für den 
M. adductor maxillae superioris, der bei den Krokodilen (und Schlangen nach 
Müller) deutlich aus der Portio motoria entspringt, bei den Sauriern bald aus 
dem Ganglion, bald aus dem dritten Aste hervorgeht. — Ein zweiter Nerv, von 
gleicher Feinheit wie der vorige, der aber den Eidechsen völlig zu fehlen 
scheint, ward bei Crocodilus biporcatus aus der Portio minor ausgehend gefunden 
(Taf. III, ßg. 5, r). Dieser wendet sich, noch bevor der ganze dritte Ast über 
das Ganglion hinausgekommen ist, auf dem unteren Boden der Orbita über der 
Gaumenhaut nach vorn, läuft bis zum vorderen Rande der vom Oberkiefer, vom 
Gaumenbein (Os palatinum Cuv.) und vom Os pterygoideum externum Cuv. 
begrenzten Grube, um hier mit vielen feinen Zweigen in der unteren und inneren 
Parthie des M. pterygoideus zu endigen, der mit seinen von vorn nach hinten 
sich erstreckenden Fasern die erwähnte Grube von unten her ganz begrenzt. 






— 131 — 

Bei den Eidechsen erstrecken sich die Fasern des genannten Muskels nicht 
so weit nach vorn, — dies der einfache Grund, weshalb auch der diesen Theil 
desselben versorgende Nerv minder ausgebildet, vielleicht nicht vorhanden ist. 

Der dritte Ast des Trigeminus hat, obgleich mit dem zweiten, wie erst 
erwähnt, aus einem gemeinschaftlichen Ganglion entspringend, doch bisweilen 
eine besondere Oeffnung im Schädel, in dem Falle nämlich, wenn das Ganglion 
nicht theilweise aus dem Knochen hervorragt. Dann liegt die Oeffnung für den 
dritten Ast etwas hinter und unter derjenigen für den zweiten Ast, allseitig vom 
Felsenbein begrenzt. Dies ist z. B. der Fall bei Istiurus Amboinensis. In 
den meisten Fällen ist, wie oben angegeben, beiden Aesten eine Oeffnung 
gemeinschaftlich. — 

Von seinem Austritte an ist er sogleich schräg nach aussen und unten 
gerichtet, vor dem Ouadratbein abwärts bis zum Unterkieferknochen verlaufend. 
Auf diesem Wege entsendet er einen Zweig nach vorn und aussen an die Haut 
dei Wangengegend, bisweilen auch an den M. levator anguli oris, und seine 
Kaumuskelzweige. Am Unterkiefer angelangt, tritt er in den Canalis alveolaris 
inferior ein, um selbst als N. alveolaris inferior nach vorn zu verlaufen. Auf 
diesem Wege verbindet er sich mit einem Zweige vom hinteren Hauptstamm 
des Facialis, der Chorda tympani, entsendet zahlreiche Zweige aus dem Knochen 
nach aussen an die den Unterkiefer bedeckende Haut, und schickt endlich regel- 
mässig einen nicht unbeträchtlichen Ast nach innen, der sich theils in der Haut 
des Unterkiefers, theils im M. mylohyoideus, theils endlich (als Ramus lingualis) 
zugleich mit Endzweigen des Hypoglossus in der Zunge verbreitet. 

a) Vom Ztveig für die Haut der Wange und den M. levator anguli oris. 

Gewöhnlich unmittelbar nach seinem Austritt aus dem Schädel entsendet 
der dritte Ast des Trigeminus einen Nervenzweig, den man den R. subcutaneus 
malae nennen könnte, wenn nicht dieser Name beim Menschen zur Bezeichnung 
eines bekannten Hautzweiges des zweiten Astes diente. Auch dieser Nerv der 
Saurier scheint bei oberflächlicher Betrachtung aus dem zweiten Aste zu stammen, 
da er demselben an seiner unteren Seite dicht anliegt, und ganz dieselbe Richtung 
verfolgt, wie jener. Verfolgt man seinen Weg aber in centripetaler Richtung, 
so hält es nicht schwer, sich von seinem Ursprünge aus dem Anfange des 
dritten Astes zu überzeugen ' ). 

Schon gleich nach seinem Ursprünge legt sich dieser Nerv dicht an die 
untere Seite des zweiten Astes an, und tritt mit demselben durch die vordere 



*) Auch Vogt beschreibt bei Python einen feinen Ast des Karaus tertius, der parallel dem ersten 

Zweige des Ramus secuudus nach vorn und aussen lauft, und sich in der äusseren Haut des 

Mundwinkels, zum Theil auch in der Mundschleimhaut in der Ecke des Mundes verlheilt. 
Müllers Arch. 1839, pg. 46. 

17 * 



— 132 — 

und äussere Parthie der Kaumuskeln hindurch schräg nach vorn und aussen, 
wendet sich, an der Haut über dem Mundwinkel angelangt, um die vordere 
Grenze der Kaumuskeln herum nach aussen und eine kurze Strecke nach hinten, 
und breitet sich in der Haut über und hinter dem Mundwinkel aus. Von dieser 
Form ward der Nerv gefunden bei Lacerta ocellata, Varanus Bengalensis, Iguana 
tuberculata. Bei Salvator Merianae und Salvator nigropunctatus dringen seine 
Fasern nur theilweise in die Haut des Mundwinkels ein: seine hauptsächliche 
Verbreitung erfolgt hier in dem ausnahmsweise bei Salvator vorhandenen M. 
levator anguli oris (vom äusseren Rande des Os frontale posterius schräg nach 
unten und vorn an die Haut des Mundwinkels). — 

b) Nerven für die Bebemuskeln des Unterkiefers. 
Ausser dem eben erwähnten Nerven, der nur bisweilen an Muskeln sich 
verbreitet, gehen beständig noch drei Muskelnerven aus dem Stamme des dritten 
Astes hervor: 

a) an die hinteren Hebemuskeln des Unterkiefers, 

b) an die äusseren Hebemuskeln 

und etwas später, als a und b tritt von der inneren Seite des Stammes ein 
Nerv hervor 

c) der, stärker, als die beiden vorigen, die inneren Hebemuskeln des Unter- 
kiefers (Mm. pterygoidei) mit Zweigen versorgt. 

Bei allen darauf untersuchten Sauriern wurden diese Nerven in der ange- 
gebenen Form gefunden. 

c) Ramus recurrens cutaneus maxillae inferior is. (Taf. I, fig. i,t.) 

Bei allen Sauriern und Krokodilen tritt der dritte Ast des Trigeminus nach 
Entsendung aller Muskelzweige nach aussen und unten an den Oberkieferknochen 
heran. Bevor er in seinen Kanal tritt, entspringt aus ihm ein Nerv von sehr 
eigenthümlicher Form. Während der Stamm selbst nämlich nach vorn umbiegt, 
wendet sich dieser, an seiner hinteren Seite entspringend, nach hinten, und 
tritt vor dem Gelenk des Ouadratbeins in einen eigenen Kanal des Unterkiefers 
ein, um in demselben, unter diesem Gelenk durch, nach hinten zu verlaufen. 

Gefunden habe ich diesen Nerven bei allen darauf untersuchten Formen, 
nämlich : Iguana tuberculata, Jstiurus Amboinensis, Varanus Bengalensis und Niloticus, 
Lacerta ocellata, Euprepes Sebae, Chamaeleo vulgaris, Crocodilus acutus, Crocodilus 
biporcatus und Alligator punctidatus. Seine Stärke ist indessen so gering, und 
der Knochen an dieser Stelle so fest, dass es mir nur bei einer Eidechse 
(Salvator nigropunctatus), und bei den Krokodilen gelang, seine Endigung in der 
den Unterkiefer bedeckenden Haut zu ermitteln. 

Bei Salvator nigropunctatus tritt unser Nerv, wie überall, vor dem Gelenk des Quadratbeines 
in einen eigenen Kanal des Unterkiefers, der sich nahe der Aussenfläche des Knochens befindet. 



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Dieser Kanal mündet mit einer feinen Oeffnung an der Aussenseite des Unterkiefers, unter und 
etwas vor dem Trommelfell nach aussen, — und durch diese Oeffnung tritt der genannte Nerv 
wieder hervor. Gleich nach seinem Hervortritt theilt sich derselbe in mehrere feine Zweige, von 
denen die meisten und stärkeren sich in der das Un.terkiefergelenk bedeckenden Haut ausbreiten. 
Ein Faden lässt sich bis zum vorderen Rand des Trommelfells verfolgen, und dürfte vielleicht als 
R. auricularis zu deuten sein. 

Bei den übrigen Sauriern scheint dieser Nerv einen abweichenden Verlauf zu haben. Ich 
konnte nirgends an der Aussenfläche des Unterkieferknochens eine Oeffnung seines Kanals finden, 
es gelang vielmehr öfter, den Letzteren unter dem Gelenk des Quadratbeins nach hinten zu ver- 
folgen. — Uebrigens ist zu bemerken, dass an dieser Stelle (unter dem Gelenk des Quadratbeins) 
zwei Knochenkanäle sich kreuzen, ohne sich jedoch zu berühren; einer, der Aussenseite des 
Knochens nahe gelegen, in welchem unser Ramus recurrens cutaneus nach hinten verläuft, — der 
andere, mehr an der Innenseite des Knochens, führt die Chorda tympani von hinten nach vorn. 

Auch bei den Krokodilen gehen an der Biegungsstelle des Maxillaris inferior Nerven aus 
demselben hervor, die diesem rücklaufenden Aste der Saurier analog zu sein scheinen, obgleich 
es mir nicht gelang, jenen bei Sakator bis zum Gehörgang verlaufenden Faden aufzufinden. 
Cvocodilus acutus zeigt folgende Form : An der Stelle, wo der dritte Ast des Trigeminus nach vorn 
umbiegt, um in seinen Knochenkanal einzutreten, entsendet er aus seiner hinteren Fläche zwei Nerven: 

a) Der vordere derselben läuft vertical abwärts, die bisherige Richtung des Hauptstammes 
einhaltend, tritt in ein feines, vor dem Gelenk des Unterkiefers gelegenes Loch des letzteren ein, 
verlässt jedoch gleich darauf wieder den Knochen durch eine an der innern Seite desselben 
gelegene Oeffnung, verfolgt seinen Weg nach unten, und breitet sich in der den Unterkiefer an 
dieser Stelle von unten her bedeckenden Haut aus. 

b) Der hintere Nerv ist nur halb so stark, als a; er wendet sich etwas rückwärts, und 
theilt sich in zwei Aeste: 

a) Der vordere, stärkere dringt hinter a von oben her in einen für ihn bestimmten Kanal 
des Unterkiefers ein, biegt in demselben, dem unteren Rande des Knochens ziemlich nahe, unter 
rechtem Winkel nach vorn um, und verläuft in der letzteren Richtung durch das ganze letzte 
Drittheil des Unterkieferknochens. Dann endlich theilt dieser Nerv sich in zwei feine Fäden, die 
aus dem Kanal nach unten heraustreten, und sich in der den Unterkiefer von unten her bedeckenden 
Haut ausbreiten. 

ß) Der hintere, schwächere, dringt noch weiter nach hinten als a in den Knochen ein, durch- 
bohrt denselben in vertikaler Richtung, und breitet sich ebenfalls in der Haut aus, die den 
Unterkiefer an dieser Stelle bedeckt. 

d) Vom Nervus alveolaris inferior und dessen Zweigen. 
Nach Abgabe des eben abgehandelten R. recurrens cutaneus schlägt der 
bisher schräg nach aussen und unten verlaufende Maxillaris inferior die Richtung 
nach vorn ein, tritt in den Canalis alveolaris maxillae inferioris, nimmt die von 
hinten her in einem feinen Kanal herangetretene Chorda tympani auf Oergl. 
über letztere den hinteren Hauptstamm des Facialis), und verläuft als Nervus 
alveolaris inferior bis zur Spitze des Unterkiefers. Auf diesem Wege giebt 
derselbe ausser zahlreichen Fäden nach oben an die Wurzeln der Zähne und 
ausser stärkeren Zweigen nach aussen an die Haut des Unterkiefers einen Nerven 
ab, den man gleichzeitig als R. lingualis und R. mylohyoideus betrachten könnte. 



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Die speciellen Formen dieses Zweiges sind folgende: 

Bei Varanus Bengalensis findet sich am Anfang des zweiten Drittheils des Unterkiefers an 
dessen unteren Seite ein rauher Vorsprung, als Ansatzpunkt des M. hyoraaxillaris. Hier dringt 
der genannte Zweig des Alveolaris inferior ajis dem Knochen hervor, und theilt sich in mehrere 
Zweige. Einige derselben breiten sich an der Haut des Unterkiefers aus, zwei andere verzweigen 
sich am M. mylohyoideus, während der stärkste über die vorderen Zungenbeinmuskeln nach innen 
dringt, und sich mit einem Endzweige des Hypoglossus zu einer Schlinge verbindet, aus welcher 
mehrere feine Nerven hervorgehen, die von der Seite her in die Zunge eindringen. 

Auch bei Iguana tuberculata tritt ein starker Zweig am Ende des vorderen Drittheils des 
Unterkiefers durch ein an dessen Innenfläche gelegenes Loch nach innen, und theilt sich, wie bei 
"Varanus, in mehrere feine Zweige. Auch hier breiten sich einige in der Haut des Unterkiefers, 
andere im M. mylohyoideus aus, während der Hauptzweig diesen Muskel, dann auch den darüber 
liegenden M. genioglossus durchbohrt, und einige feine Zweige abgiebt, welche deutliche Schlingen 
bilden mit einigen der letzten Endzweige des Hypoglossus. Zwischen diesen Endzweigen beider 
Nerven findet hart an der Aussenseite des M. lingualis ein feines Geflecht statt , von welchem 
sogar mehrere äusserst feine Zweige in .ein sehr kleines, an der Aussenfläche des genannten 
Muskels liegendes Ganglion zusammenstrahlen. Der in Rede stehende Endzweig des Maxillaris 
inferior tritt darauf an der Seite des starken Zungenmuskels in die Höhe, und dringt mit einigen 
der letzten Zweige des Hypoglossus von der Seite her in die Zunge ein. 

Ganz dieselbe Form findet sich bei Salvator nigropunctatus , nur mit der Abweichung, dass 
keine Verbindung mit Endzweigen des Hypoglossus (wenigstens nicht ausserhalb der Zunge) statt- 
findet, und dass die Endzweige beider Nerven neben einander in die Zungenwurzel eindringen. 

Bei Platydactylus guttatus wieder fast ganz die Form, wie bei Iguana. Der für die Zunge 
bestimmte Endzweig durchbohrt von unten her den hier vorhandenen unteren Bauch des M. genio- 
hyoideus und verbindet sich geflechtartig mit mehreren feinen, ebenfalls durch den genannten Muskel 
hindurch tretenden Endzweigen des Hypoglossus. Aus diesem Geflecht geht ein Hauptstamm und 
mehrere feinere Nerven hervor, die alle von der Seite her sich in die Zungenwurzel einsenken. 

Agama spinosa zeigt denselben Ast des Alveolaris inferior von etwas ansehnlicherer Stärke, 
im Uebrigen aber von derselben Form, wie bei den anderen Eidechsen. Der für die Zunge 
bestimmte Zweig tritt quer hinüber durch die unteren Zungenbeinmuskeln an die Zungenwurzel, 
legt sich hier dicht an einen der drei Endzweige des Hypoglossus (vergl. diesen), verlässt ihn aber 
sogleich wieder, um vollständig mit einem anderen (dem dritten) Endaste dieses Nerven zu ver- 
schmelzen. Die aus dieser Verbindung hervorgehenden zwei Nerven dringen beide von der Seite 
her in die Zungenwurzel ein. 

Bei Istiurus Amboinensis theilt sich der aus seiner Oeffnung (diese hat dieselbe Lage wie 
bei Varanus) hervorgetretene Nerv ebenfalls sogleich in drei Zweige, von denen einer in die Haut 
des Unterkiefers, ein anderer in den M. mylohyoideus geht, während der dritte, stärkste, nach 
innen an den M. hyoglossus herantritt, und sich hier mit einem der Endzweige des Hypoglossus 
vereint. Durch ihre Verbindung wird ein feiner Nervenstamm gebildet, der, die bisherige Richtung 
dieses vom Hypoglossus stammenden Nerven beibehaltend, nach vorn läuft. Auf seinem Wege 
giebt er nach einander drei Zweige aus, die von der Seite her in die Zunge eindringen, während 
die letzte Endigung dieses Nervenstammes, die ohne Zweifel dem Hypoglossus angehört, im M. 
genioglossus sich verbreitet. 

Bei Chamaeleo vulgaris liegt das Loch für den Austritt unseres Nerven etwas weiter nach 
hinten, nämlich in der Mitte der Innenfläche des Unterkiefers. Gleich nach seinem Hervortritt 
theilt sich derselhe in zwei Aeste. Der erste tritt unter den M. mylohyoideus, und breitet sich in 



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diesem, so wie in der ihn bedeckenden Haut ans. Der zweite durchbohrt diesen Muskel, und tritt 
über dem M. geniohyoideus von der Seite her an die Zungenwurzel heran, um in dieselbe ein- 
zudringen. Eine Verbindung mit Endzweigen desHypoglossus findet ausserhalb der Zunge nicht statt. 
Bei den Krokodilen liegt die Oeffhung für den Austritt dieses Nerven, der überhaupt eine 
etwas abweichende Form zeigt, noch weiter nach hinten. Gleich nachdem nämlich (bei Crocodilus 
acutus^) der Maxillaris inferior in seinen Kanal eingetreten, um in ihm nach vorn zu verlaufen, 
entlässt er einen starken Nerven, der sich wieder in zwei Zweige theilt: 

a) Einer derselben bleibt im Canalis alveolaris inferior, und läuft, in demselben unter dem 
Stamme des Maxillaris inferior liegend, nach vorn. In der Gegend des dreizehnten Zahns theilt 
er sich wieder in zwei Aeste. Der stärkere tritt hier aus dem Kanal hervor, und breitet sich in 
der inneren Haut des Mundes, nahe dem Zahnrande des Unterkiefers, aus. Der feinere läuft 
weiter nach vorn bis zur Gegend des neunten Zahns, verlässt hier ebenfalls den Kanal, und endet 
wie der vorige. 

b) Der zweite Ast unseres Nerven tritt sogleich nach seinem Ursprung durch ein Loch an 
der Innenseite des Knochens hervor, und theilt sich in vier Zweige. Zwei davon breiten sich im 
Mylohyoideus und in der Haut des Mundwinkels aus; giner geht in die hier liegende Hautdrüse; 
einer endlich läuft längs des Innenrandes des Unterkiefers zwischen Haut und Mylohyoideus nach 
vom, giebt feine Zweige an die Haut, und drei bis vier feine Nerven ab, die den M. mylohyoideus 
durchbohren, und sich auf dem muskulösen Boden der Mundhöhle ausbreiten. Dieser Nerv lässt 
sich bis zum ersten Drittheil des Unterkiefers verfolgen, wo er in der Haut endigt. 



Dritter Abschnitt. 

Vom Nervus Facialis. 

Die Wurzel des N. facialis (auf den Abbildungen mit 7 bezeichnet) ist 
immer ein einfacher, feiner, walzenförmiger Nervenstrang, hart vor der Wurzel 
des Acusticus von der Seitenfläche des verlängerten Markes entspringend, und 
immer durch einen eigenen feinen Knochenkanal des Felsenbeins aus dem Schädel 
tretend. Bei allen Sauriern und Krokodilen bleibt, im Gegensatz zu der Bildung 
vieler Fische und nackter Amphibien, diese Wurzel von derjenigen des Trigeminus 
völlig getrennt, — nur in den letzten Endigungen beider Nerven werden oft 
eigenthümliche Schlingenbildungen beobachtet. 

Eben aus dem Schädel getreten, bisweilen noch im Knochenkanale selbst, 
schwillt sie zu einem beständig vorhandenen, zwar nicht grossen, aber immer 
deutlichen Ganglion an (>uf allen Abbildungen mit C bezeichnet). Ich habe 
dies Ganglion bei allen untersuchten Arten, am grössten bei Iguana tuberculata, 
angetroffen.*) — Gewöhnlich hat dasselbe eine abgestumpft dreieckige Gestalt, 



Bei den Vögeln scheint es nicht beständig zu sein; Bonnsdorf beobachtete indessen doch 
zuweilen ein Ganglion geniculum bei Corvus Cornix 1. 1. pg- 525. Bei den Amphibien ist es 
beständig vorhanden, nur bisweilen (bei den Ecaudata) mit dem Ganglion des Trigeminus ver- 
schmolzen. Vergl. meine frühere Abhandlung. Unter deo Fischen besitzen es nach St'arinius 
die Plagiostomen, wo der Ramus palatinus direct ans dem Facialis entspringt. 



— 136 = 

und dann gehen aus zwei seiner Ecken die beiden Hauptstämme des Facialis 
hervor, während die dritte Ecke der Punkt ist, wo die Wurzel selbst in das 
Ganglion eintritt. Bei einigen, Iguana, (Taf. II, fig. 3, C) ist die Gestalt des 
Ganglions oval, — dann gehen ausser den beiden Ilauptstämmen noch andere 
Nervenzweige aus ihm hervor. 

Es werden nämlich constant zwei aus dem Ganglion des Facialis austretende 
Hauptstämme beobachtet, ein vorderer, der R. palatinus, und ein hinterer Haupt- 
stamm. Unter sämmtlichen untersuchten Formen ist keine, wo einer dieser 
Hauptstämme fehlte, oder auch nur durch Verschmelzung mit anderen Hirnnerven 
seinen Ursprung vom Facialis aufgegeben hätte, — ausser ihnen gehen zuweilen 
aus dem Ganglion noch Verbindungszweige an das Ganglion petrosum des 
Glossopharyngeus hervor, die indessen in der Kegel aus dem R. palatinus, nur 
ausnahmsweise aus dem Ganglion entspringen. 

A. Vom Ramus palatinus. (Dargestellt Taf. i, fig. i,p,p.) 
Der Nervus palatinus scheint bei den kaltblütigen Wirbelthieren von besonderer 
Wichtigkeit zu sein. Bei den Fischen entsendet er nach Stannius feine Zweige zur 
Schleimhaut des Gaumens, seltener auch an Muskeln (z. B. den queren Gaumen- 
muskel bei Perca, Cottus u. A.), und steht anscheinend immer mit dem zweiten 
Aste des Trigeminus in Verbindung. *) Bei den Amphibien scheinen nur häutige 
Gebilde von ihm versorgt zu werden, doch fehlen auch hier nicht die Verbindungen 
mit dem zweiten Aste des Trigeminus.*'') Bei den Reptilien endlich, von denen 
ich freilich nur die Saurier und Krokodile untersuchen konnte, entlässt er nur 
Aeste an die Schleimhaut des Gaumens, bildet aber ausserdem beständig die 
Brücke, wodurch der zweite Ast des fünften Paares, und, wenn es vorhanden 
ist, das Sphenoidalgeflecht entweder direct, oder durch Vermittelung des Gangl. 
petrosum mit dem Halstheil des Sympathicus in Verbindung steht. 

Immer hat bei den Sauriern und Krokodilen dieser Nerv die Form, die 
unter den Fischen schon bei Chimaera, Raia, Spinax und Carcharias vorkommt, 
und die sich bei allen nackten Amphibien, am deutlichsten bei den Salamandrinen 
wiederholt, sofern er nie, (wie bei Silurus~) als Ast des Trigemiiius, oder gar 
(wie bei Lophius) als gesonderter Nerv erscheint, sondern beständig als Ast 
des mit einer gangliösen Anschwellung versehenen Facialis auftritt. Nach seinem 
Ursprünge aus dem Ganglion wendet er sich nach innen und unten, um dann 
nach vorn durch einen kurzen Kanal im Basilarstück des Keilbeins CVgl. Taf. I, 
flg. 1, Canalis vidianus Auct.) zu laufen. Aus ihm hervorgetreten, läuft unser 



*) Vgl. über die geoaneren Verbältuisse : Stannius das peripher. Nervensystem der Fische, pg. 54 ff. 

**) Besonders deutlich ist diese Verbindung bei Pelobates und Bombinator. Vergl. meine frühere 

Abhandlung pg. 22. 



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Nerv über den Gelenkfortsatz des Keilbeins fort, und tritt über dem Os ptery- 
goideum nacb vorn, fast auf der Mitte des Bodens der Orbita seinen Weg 
verfolgend. Bei den Krokodilen (Taf. III, flg. 5, p), wo der K. palatinus dein 
vorderen Stiele des Keilbeins fest anliegend nacb vorn verläuft, erinnert seine 
Form mehr an diejenige der Fische, wo er '• ) zwar auch durch einen kurzen 
Kanal des Os sphenoideum basilare, dann aber längs der Aussenseite des ver- 
schmälerten Abschnittes dieses Knochens nach vorn läuft. Auf seinem Wege 
nach vorn entspringen dreierlei Nerven von ihm: 1. Verbindungsäste zum N. 
infraorbitalis ; 2. Verbindungsäste zum Glossopharyngeus ; 3. Zweige an die 
Schleimhaut des Gaumens. 

Was zunächst die ersteren dieser Nerven betrifft, so finden sich gewöhnlich 
zwei Verbindungsstellen zwischen R. palatinus und Maxillaris superior, die eine, 
bald nachdem der E. palatinus auf das Gaumengewölbe getreten, die zweite im 
vorderen Abschnitte der Orbita. Nur die erstere möchte als Analogon des 
Sphenoidalgeflechtes zu betrachten sein, während die zweite wohl nur eine Ver- 
mischung von Nervenfasern des fünften und siebenten Paares zur Versorgung 
der Gaumenhaut bewirkt. Zur besseren Unterscheidung wollen wir jene als 
hinteren, (R. communicans posterior), diese als vorderen Verbindungsast (R. 
communicans anterior) bezeichnen. 

a) Vom R. communicans posterior rami palatini cum Maxillari 

SUperiore. (Dargestellt Taf. I, fig. 1, g, g.) 

Die hinteren Verbindungsäste zwischen R. palatinus und Maxillaris superior, 
über deren Verhältniss zum Kopftheil des Sympathicus später bei Gelegenheit 
des letzteren die Rede sein wird, erscheinen, wie früher pag. 127 schon dar- 
gethan ist, entweder als einfache brückenartige Verbindungsschiingen zwischen 
beiden Nerven, oder die aus den letzteren stammenden Elemente treten auf dem 
Boden der Orbita zu einem kurzen Stamme zusammen. 

Das erste Verhalten ward früher (pg. 128) von Varanus Bengalensis geschildert, wo ein 
einfacher Nervenzweig aus dem Maxillaris superior quer hinübertritt an den R. palatinus. Hier 
möge nur erwähnt werden, dass, wenn man diesen ganzen Zweig als aus dem ersteren kommend, 
und in den letzteren einmündend betrachtet (nicht umgekehrt), die Form seiner Verschmelzung 
mit dem R. palatinus auf ein Rücklaufen einiger von seinen Fasern in der Bahn des letzteren 
schliessen l'asst. Man sieht nämlich schon bei massiger Vergrösserung an dieser Verbindungsstelle 
einen Theil seiner Fasern sich nach vorn mit dem R. palatinus wenden, um mit diesem ver- 
schmolzen, in centrifugaler Richtung nach vorn zu verlaufen. Andere wenden sich unzweifelhaft 
nach hinten, verschmelzen ebenfalls mit dem R. palatinus, und gehen in centripetaler Richtung 
(nach hinten) fort. Es leuchtet ein, dass diese letzteren auch als aus dem R. palatinus stammend 
und an den Maxillaris superior hinübergehend aufgefasst werden können. 



*) Stannius das peripher. Nervensystem der Fische, pg. S6. 

18 



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Bei Iguana tuberculata findet sich dagegen die zweite der erst angeführten Verbindungsweisen. 
Die Form, unter der diese sich darstellt, ist folgende: Nachdem der R. palatinus seinen Kanal 
verlassen hat und auf das Os pterygoideum getreten ist, um zwischen diesem und dem M. adductor 
maxillae superioris nach vorn zu verlaufen, giebt er gleich anfangs drei bis vier feine Fäden nach aussen, 
die sich geflechtartig unter einander, und dann mit einem von oben nach unten den genannten 
Muskel durchbohrenden Aste des Infraorbitalis zu einem feinen Nervenstamme verbinden, der, 
dem letztgenannten Nerven nahe liegend, aber durch den M. adductor maxillae superioris von 
ihm getrennt, von hinten nach vorn läuft. Dieser durch Elemente des R. palatinus und des 
Maxillaris superior zusammengesetzte Nerv empfängt bald darauf noch einen den M. adductor 
maxillae superioris durchbohrenden Zweig des letzteren, und theilt sich in zwei Aeste, von denen 
einer wieder zurück geht an den R. palatinus, um mit diesem zu verschmelzen, während der andere 
sich mit einem neuen Zweige des Maxillaris superior zu dem später abzuhandelnden Zweig für 
die innere Mundhaut vereint. 

Etwa in der Mitte der Orbita giebt der R. palatinus noch einen neuen Zweig ab, stärker 
als die vorigen, der sich schräg nach aussen und vorn wendet, und ebenfalls einen starken den 
M. adductor maxillae superioris durchbohrenden Verstärkungszweig aus dem Infraorbitalis empfängt, 
dann nach vorn und innen über die tellerförmige Ausbreitung der Gaumenhant tritt, um hier sich 
zu verzweigen. 

Bei Sahator ciigropunctatus bilden ebenfalls Nerven , die aus dem R. palatinus und dem 
Maxillaris superior fast gleichzeitig ausgehen, einen schon früher (pg. 128) beschriebenen kurzen 
Nervenstamm (vgl. Taf. I, fig. l,e). 

Ganz ähnlich verhält sich Sahator Merianae. Nachdem der R. palatinus in gewöhnlicher 
Weise über den Gelenkforts'atz des Keilbeins fort nach aussen auf das Os pterygoideum getreten 
ist, an dessen innerem Rande er, dem Knochen fest anliegend, unter dem M. adductor maxillae 
superioris nach vorn verläuft, giebt er einen Zweig nach aussen, der ebenfalls unter dem genannten 
Muskel nach vorn gehend, drei nach einander aus dem Infraorbitalis ausgetretene Nervenzweige 
aufnimmt, und so einen kurzen Nervenstamm bildet, aus welchem bei dieser Art keine an die 
Gaumenhaut gehenden Zweige beobachtet wurden. Das vordere Ende dieses Nervenstammes biegt 
wieder nach innen um, und mündet wieder in den R. palatinus ein. 

Die Krokodile wiederholen dagegen die Form von Varanus Bengalensis. Nachdem bei 
Crocodilus biporcatus der R. palatinus, dem Felsenbein dicht anliegend, bis zur Basis des Keilbeins 
getreten, und bis zur hinteren Ecke der Orbita über die vordere flache Ausbreitung des M. ptery- 
goideus gelangt ist, giebt er einen Zweig ab (Taf. III, fig. 5, g), der unter rechtem Winkel sich 
von der bisherigen Richtung ab und nach aussen wendet, um mit dem früher (pg. 128) beschriebenen 
aus dem Sphenoidalgeflecht hervorgehenden Aste des Trigeminus zu einer Schlinge (g-4) s ' cn 
zu verbinden. 

So bilden bei allen Sauriern und Krokodilen ) diese hinteren Verbindungs- 
äste eine Brücke zwischen R. palatinus (Facialis) und Maxillaris superior 
(Trigeminus). Ob durch ihre Vermittelung Nervenfasern aus diesem in jenen, 
oder aus jenem in diesen übergeführt werden, ist schwer zu entscheiden. Ich 
möchte mich für die erste dieser Ansichten entscheiden, und glauben, dass 



*) Vogt beschreibt diese hintere Verbindung zwischen E. palatinus und Maxillaris superior bei 
Python tigris als seinen eisten Plexus (Müll. Arcli. 1839, pg. 48). Auch Müller in seinen 
Bemerkungen zu Vogts Arbeit erwähnt dieser Verbindung (I. 1. pg. 60), und bildet sie von 
Python tigris ab. (Vgl. Neurologie der Myxiuoideu, Taf. IV, fig- 3, 5".) 






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diese hinteren Verbindungsäste zwischen Trigeminus und Palatinus die erste der 
sympathischen Schlingen sind, die sich weiter unten am Rumpf in ähnlicher 
Weise wiederholen *). Diese Schlingenbildung setzt sich vom R. palatinus dann 
nach hinten durch einen in den Halstheil des Sympathicus gehenden Nerven 
fort (den später zu beschreibenden Ramus communicans internus rami palatini 
cum nervo glossopharyngeo). 

Ueber den genaueren Zusammenhang unseres Verbindungszweiges mit den 
übrigen sympathischen Schlingen vergl. das Kapitel über den Kopftheil des 
Sympathicus. 

b) Vom Ramus communicans anterior rami palatini cum Maxillari 

SUperiore. (Dargestellt Taf. I, flg. 1,3'.) 

Nachdem der R. palatinus die hintere Verbindungsschlinge mit dem zweiten 
Aste des Trigeminus gebildet hat, tritt er meist ohne Abgabe weiterer Zweige 
mehr oder weniger nahe au den schmalen Knorpelstiel des Keilbeins heran, läuft 
auf dem Boden der Orbita nach vorn, und spaltet sich an der vorderen Grenze 
derselben in mehrere Zweige. Einige derselben breiten sich in der Schleimhaut 
des Gaumens auf der vorderen Decke der Mundhöhle aus, einer derselben, den 
wir mit dem Namen des vorderen Verbindungszweiges zwischen R. palatinus 
und Maxillaris superior bezeichnen wollen, tritt beständig nach aussen an den 
Oberkieferast' des Trigeminus heran, um mit ihm eine neue Verbindung von 
eigenthümlicher Form einzugehen. Ueberall tritt dieser R. communicans anterior 
als wirklicher Ast des R. palatinus auf, und während wir es als wahrscheinlich 
ansehen mussten, dass durch den hinteren Verbindungsast Nervenfasern an 
den Facialis übergeführt werden, kann hier fast nur von solchen Fasern die Rede 
sein, die umgekehrt aus dem R. palatinus an den Trigeminus hinübertreten. 
Denn meistens lässt sich dieser vordere Verbindungsast als besonderer Nerv, der 
nur vom Maxillaris superior Verstärkungsfasern erhält, bis zu seiner endlichen 
Ausbreitung an der die innere Fläche des Zahnrandes des Oberkiefers bedeckenden 
Mundhaut verfolgen. 

Bei Salvator nigropunctalus giebt der zweite Ast des Trigeminus vor seinem Eintritt in den 
Oberkieferkanal einen feinen Ast nach innen ab (Taf. 1, fig. 1,5), der sich mit unserem, im vor- 
deren inneren AVinkel der Orbita abgegebenen, R. communicans anterior (fig. 1,5') des R. palatinus 
zu einer Schlinge verbindet. Aus dieser Schlinge geht ein Nerv hervor (fig. ],3"), der zwischen 
innerer Mundhaut und Zahnrand des Oberkieferknochens parallel mit dem im Kanal des letzteren 
verlaufenden Alveolaris superior nach vorn tretend, sich an der den Knochen von innen her be- 
deckenden Mundhaut ausbreitet. Ich sah bei meinem Exemplar deutlich von beiden Seiten her 
Fasern in diesen Nerven übergehen , einen anderen Theil der in jener Schlinge enthaltenen Fäden 



*) Namentlich Stannius liebt die Aehnlichkeit dieser Schlingenbildungen am Kupf mit den sub- 
vertebralen Schlingen am Rumpfe hervcr. (Das peripb. Nervensystem der Fische, pg. 72.) 

18* 



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jedoch nicht an der Bildung desselben Theil nehmen, sondern quer von der einen Seite nach der 
anderen hinübertreten. Ob diese letzteren vom Oberkieferast zum R. palatinus, oder umgekehrt 
von diesem zu jenem verlaufen, war unmöglich, zu entscheiden. 

Bei Varanus Bengalensis tritt unser Nerv in der vorderen Grenze der Orbita als einer der 
drei Endzweige des N. palatinus (die beiden anderen breiten sich in der Schleimhaut des Gaumens 
aus) an den Maxillaris superior da heran, wo dieser im Begriff ist, als N. alveolaris superior in 
seinen Knochenkanal einzutreten, legt sich hier dicht an diesen Nerven an, und verschmilzt mit ihm, 
um bei dieser Verbindung sich durch Fasern aus dem Trigeminus zu verstärken. Sogleich darauf 
trennt er sich wieder vom Maxillaris superior, und während dieser in den Oberkieferkanal eindringt, 
verläuft er selbst an der, der Mundhöhle zugewandten, Fläche des Knochens, zwischen diesem 
und der Mundhaut. Vorn, an der Greuze des Zwischenkiefers, zerfällt er in mehrere Zweige, die 
sich an der, den Knochen von innen her bedeckenden, Mundhaut ausbreiten. 

Bei Iguana tuberculata verbinden sich, wie schon vorhin erwähnt, die hinteren Verbindungs- 
Aeste in der Form mehrerer feiner Nerven unter einander und mit einem von oben her den M. 
adductor maxillae superioris durchbohrenden Zweig des Infraorbitalis zu einem kurzen Nerven- 
stamm. Dieser empfängt auf dem vorderen Theil des Bodens der Augenhöhle noch einen ferneren 
Zweig des Maxillaris superior, und wird nun selbst zum Theil zu dem in Rede stehenden vorderen 
Verbindungszweig, ohne jedoch dass, wie bei Varanus Bengalensis, eine wirkliche Verschmelzung 
mit dem zweiten Aste des Trigeminus stattfände. Nachdem er nämlich hart an den Oberkiefer- 
Knochen herangetreten, empfängt er, ganz wie bei Salvalor nigropunctatus, einen kurzen Ver- 
stärkungsast aus dem ganz benachbart liegenden Maxillaris superior,. und einen anderen von innen 
her aus dem R. palatinus, und legt sich alsdann an die Innenseite des Zahnrandes des Ober- 
kieferknochens fest an, um auf dieselbe Weise, wie bei Varanus und Iguana zu verlaufen und 
sich auszubreiten. 

Salvator Merianae wiederholt in Bezug auf diesen Nerven ganz die Bildung von S.nigropunctatus. 

Von diesen Formen der Eidechsen zeigen die Krokodile nur geringe Abweichungen. Bei 
Crocodilus hiporcatus läuft der R. palatinus (Taf. III, fig. 5, p), nach der Bildung der hinteren 
Verbindungsschlinge (g), gerade aus nach vorn, dem vorderen Knochenstiel des Keilbeinkörpers 
dicht anliegend. In der vorderen inneren Ecke der Orbita endigt er in mehreren feinen Zweigen. 
Einige derselben breiten sich in der Gaumenhaut aus (Taf. III, fig. 5, p'), ein anderer tritt nach 
aussen (9') nahe an den Oberkieferknochen heran, und verbindet sich mit einem in der Gegend 
des zwölften Zahns vom zweiten Aste des Trigeminus entsendeten Zweig (9) zu einem Nerven, 
der sich gleich darauf in zwei Theile spaltet. Der schwächere breitet sich sogleich in der Gaumen- 
haut aus; der stärkere (3") lässt sich auf der letzteren, der er au der inneren und unteren Seite 
des Oberkieferknochens dicht anliegt, bis etwa in die Gegend des achten Zahns verfolgen, wo er 
sehr fein in der den inneren Rand des Knochens bedeckenden Mundhaut sich verliert. *) 



Aehuliche Verbindungen der letzten Endzweige des R. palatinus mit Aesten des Trigeminus 
sind auch bei anderen "Wirbelthieren beobachtet worden. Unter den Fischen erwähnt Stan- 
nius (das peripher. Nervens. d. Fische, pg. 42) bei Cyclopterus, Pleuronectes, Salmo, Corre- 
gonus, Esox, Cyprinus, Anguilla Zweige des Maxillaris superior, welche mit Eudzweigen des 
R. palatinus Verbindungen, oft in der Form von Schlingen, eingehen, und „die Schleimhaut der 
Mundhöhle am Eingang' der letzteren" mit Faden versorgen. Bei Cobitis fossilis wird sogar 
der gauze N. palatinus zu dieser Verbindung mit der ganzen Fortsetzung des Maxillar. super, 
verwandt. — Bei Emys Europaea beschreibt Boianus (Tab. XXVI, fig. 130, ß 6 ), als aus dem 
Maxillaris super, hervorgehend, einen R. palatinus posterior und R. palatinus anterior, welche 
sich auf der Schleimhaut des Gaumens ausbreiten. Letzterer bildet in der vorderen Ecke der 
Augenbohle mit dem Ramulus posterior ex infraorbitali eine Schlinge. — Auch bei Python 
tigris erwähnen Vogt und Müller ähnlicher Nerven. (Müll. Arch. 1839, pg. 49 und pg. 61.) 



— 141 — 

c) Zweige an die Gaumenhaut. 

Auf dem ganzen Wege des R. palatinus bis zum vorderen Winkel der 
Orbita habe ich nie Zweige an die Gaumenhaut aus ihm hervorgehen sehen, 
möchte jedoch auf deren Anwesenheit auch im hinteren Abschnitte der Augen- 
höhle daraus schliessen, dass bei der Fortnahme des Os pterygoideum von unten 
her der darauf liegende R. palatinus dem Knochen dicht anhaftet, und nur mit 
einiger Mühe von ihm zu trennen ist. Vielleicht, dass dieses Anhaften eben 
durch feine Nervenfasern bewirkt wird, die hier natürlich den Knochen nach 
unten durchdringen müssen, um zur Gaumenhaut zu gelangen. 

Deutliche Gaumenzweige treten erst in der vorderen inneren Ecke der 
Augenhöhle auf, und zwar scheint sich immer der ganze Rest des R. palatinus 
in diese Zweige aufzulösen. 

An demselben Punkte, wo bei Varanus Bengalensis der eben beschriebene R. communicans 
anterior aus dem R. palatinus hervorgeht, theilt sich dieser in noch zwei andere Zweige: 

a) Der äussere derselben läuft gerade aus nach vorn an der inneren Seite der vorderen 
Gaumengrube, tritt bis zum Zahnrand des Zwischenkiefers und breitet sich hier in dem vorderen 
Theil der Schleimhaut des Mundes aus. 

V) Der zweite, innere Endast des R. palatinus, etwa halb so schwach wie der vorige, läuft 
nach innen und vorn auf der Haut des Gaumens , verschmilzt in der Mittellinie mit dem ent- 
sprechenden Nerven der anderen Seite, und endigt in der Schleimhaut des Gaumens. 

Bei Iyuana tvherculata tritt der R. palatinus nach Abgabe der vorhin beschriebenen hinteren 
und vorderen A r erbindungszweige ziemlich nahe an die Mittellinie heran, um endlich an der vor- 
deren Grenze der Orbita in mehrere Aeste sich aufzulösen, die sich in der vorderen Haut des 
Gaumens ausbreiten. Eine Verbindung eines dieser Endzweige mit einem entsprechenden Zweige 
von der anderen Seite ward nicht beobachtet. 

Bei Salvator Merianae und Sah. niyropunetatus treten gleichzeitig mit dem K. communicans 
anterior mehrere Zweige hervor, die sich (Taf. I, fig. l,p') auf der Gaumenhaut, besonders auf 
der tellerförmigen Platte derselben ausbreiten. Bei C/iamaeleo, Euprepes , Lacerta, Ayama und 
Istiurus wurden diese Gaumenzweige ebenfalls beobachtet, ihre Feinheit war jedoch zu gross, um 
eine klare Vorstellung über ihre Ausbreitung zu gewinnen. 

Bei Crocodilus biporcatvs wurden dieselben genau verfolgt. Sie gehen auch hier als letzte 
Endzweige des R. palatinus da aus demselben hervor, wo dieser den vorderen Verbindungsast zum 
Trigeminus entsendet (Taf. III, fig. 5, p'). Ihre Ausbreitung ist ganz diejenige von Iyuana und Salvator. 

B. Von den Verbindungszweigen zwischen Facialis und Glossophaiyngeus. 

Der Facialis steht mit dem Glossophaiyngeus beständig durch zwei Nerven 
in Verbindung, die sich in Bezug auf ihre Einmündung in den letzteren ziemlich 
gleich verhalten, sofern sie beide entweder in das Gangl. petrosum sich ein- 
senken, oder sich mit dem Stamm des Glossopharyngeus selbst verbinden. 
In ihrem Urprunge sind beide sehr verschieden, — der eine, innere, entspringt 
beständig aus dem R. palatinus, höchstens aus dem Ganglion des Facialis 
selbst; der andere, äussere, geht immer aus dem hinteren Hauptstamme des 




— 142 — 

Facialis hervor. Den ersteren (auf allen Figuren mit i bezeichnet) wollen wir 
mit dem Namen des R. communicans internus rami palatini cum Glosso- 
pharyngeo belegen, — der letztere (überall mit e bezeichnet) wird sich von 
ihm als R. communicans externus nervi Facialis cum Glossopharyngeo unter- 
scheiden lassen. 

a) Vom Ramus communicans internus rami palatini cum Glosso- 
pharyngeo. (Taf. I, Üg. 1, i, i.) 

Dieser Nerv gehört zu den feinsten Nerven der Saurier, — nur mit grosser 
Vorsicht und Mühe gelingt es, ihn vom Glossopharyngeus aus bis zu seinem 
Ursprünge aus dem R. palatinus oder, der seltenere Fall, aus dem Ganglion des 
Facialis zu verfolgen. Zugleich gehört er aber auch zu den beständigsten 
Nerven und scheint ganz allgemein zum Plane des Nervensystems der Saurier 
zu gehören. 

Aus dem R. palatinus oder dem Ganglion des Facialis entspringt er ge- 
wöhnlich mit zwei bis drei feinen Fäden, die sich, sogleich nach hinten laufend, 
bald zu einem feinen Stamme verbinden. Dieser legt sich nahe an den eben 
aus seiner Schädelöffnung hervorgetretenen Glossopharyngeus an, um mit ihm 
selbst zu verschmelzen, oder an derselben Stelle wie dieser in das Ganglion 
petrosum einzumünden. In einigen Fällen glückt es, ihn unter dem letzteren 
hindurch in den Halsstamm des Sympathicus zu verfolgen, — ein Umstand, aus 
welchem sich seine Natur als einer der Hauptschlingen des letzteren beweisen 
lässt. Vergl. hierüber den Abschnitt vom Kopftheil des Sympathicus. 

Als vom R. palatinus entspringend, ist unser Nerv bei Chamaeho vulgaris am deutlichsten. 
Da, wo dieser, auf dem Gaumengewölbe nach vorn laufend, unter den Bulbus tritt, entsendet er 
zwei feine Zweige nach hinten (Taf. II, fig. 4, i), die sich gleich darauf zu einem Nerven ver- 
binden. Dieser verläuft, dem Keilbeinkörper dicht anliegend, tief unter dem Ganglion des Facialis 
durch rückwärts bis zum Ganglion petrosum (D), passirt dasselbe sogar eine ganz kurze Strecke, 
biegt dann kurz hinter demselben knieförmig nach innen und vorn um, und mündet so in das 
Ganglion petrosum ein, dass er wie ein aus demselben ausgesandter, erst nach hinten gehender, 
dann sogleich nach vorn umbiegender Nerv erscheint. — Diese Form der Einmündung in das 
Ganglion petrosum ward indessen bei keiner anderen Eidechse beobachtet. — 

Bei Varanus Bengahnsis wird unser Nerv (Taf. II, fig. 2, i) aus drei Fäden gebildet, die 
nach einander ans dem R. palatinus, der letzte aus dem Ganglion des Facialis, entspringen. Er 
läuft, dem Keilbeinkörper anliegend, nach hinten, tritt an den Stamm des Glossopharyngeus heran 
(Taf II, fig. 2, 9), und verschmilzt mit demselben, jedoch so, dass er ihm nur wie angeklebt 
erscheint, und sich deutlich unter demselben durch in den Halstheil des Sympathicus verfolgen 
lässt (Taf. II, fig. 2, s'). 

Ganz ähnlich ist das Verhalten bei Salvator niyropunctatus. Auch hier entspringen aus dem 
R. palatinus kurz nach dessen Ursprünge zwei feine Nerven, die, der Basis cranii fest anliegend 
(Taf. I, fig. 1, i i), sich bald vereinigen, und nun in der Form eines feinen einfachen Nerven- 
stammes (i) rückwärts bis zum Ganglion petrosum (D) verlaufen. In das letztere tritt dieser nicht 
vollständig ein, sondern legt sich der unteren Fläche desselben fest an, und verwächst mit ihm, 



— 143 — 

jedoch so , dass er sich deutlich in den vereinigten Stamm (F) von Vagus und Hypoglossus 
verfolgen lässt. 

Bei Istiurus Amboinensis entlässt der R. palatinus, kurz, nachdem er aus dem Ganglion ge- 
treten, zwei feine Fäden, die sich unmittelbar nach ihrem Ursprünge zu einem Faden vereinen 
(Taf. III, fig. I, i). Dieser geht eine kurze Strecke parallel mit dem hinteren Hauptstamm des 
Facialis schräg nach aussen und hinten, und tritt mit dem etwas stärkeren R. communicans 
externus (e) und mit der feinen Wurzel des Glossopharyngeus (9) selbst von innen und vorn her 
in das Ganglion petrosum (D) ein. 

Aehnlich bei Platydactylus guttatus, wo ich es indessen unentschieden lassen muss, ob unser 
Verbindungsast (Taf. III, fig. 3, i) nur aus dem R. palatinus entspringt, oder auch aus dem 
Ganglion des Facialis eine Verstärkung erhält. Er tritt mit dem feinen Stamme des Glosso- 
pharingeus (9) von innen und hinten her in das schwache Ganglion petrosum (D) ein. Von vorn 
her tritt der R. communicans externus (e) erst an den aus dem Ganglion hervorgehenden Stamm. 

Etwas abweichend ist die Form von Agama spinosa. Hier treten der R. communicans 
internus (Taf. III, fig. 2, i) und externus (e) schon vor ihrer Einmündung in den Glossopharyngeus 
zu einem kurzen Nervenstamm (a) zusammen. Dieser verbindet sich mit dem feinen Stamm des 
neunten Paares (9), ohne dass sich eine Spur einer Anschwellung fände. Aus dem verbundenen 
Stamme geht einerseits die Fortsetzung des Glossopharyngeus (99) in den Hypoglossus, anderer- 
seits der mit dem Vagus verschmelzende Halstheil des Sympathicus hervor (s). 

Durch Vergleichung dieser eben geschilderten Formen lassen sich leicht auch bei den übrigen 
Sauriern die, diesem B. communicans externus entsprechenden, Elemente auffinden. Bei Iguana 
tuberculata (Taf. II, fig. 3, i i) entspringen die beiden ihn repräsentirenden Nerven nicht aus dem 
R. palatinus, sondern schon aus dem Ganglion des Facialis (C) selbst. Beide gehen, ohne sich 
zu vereinigen, an der Basis cranii nach hinten, und treten von innen und vorn zugleich mit dem 
Glossopharyngeus (9) und dem R. communicans externus (e) in das Ganglion petrosum (D) ein. 

Bei Lacerta ocellala lässt sich noch besser, als bei Varanus, dieser Nerv in den Halstheil 
des Sympathicus verfolgen. Er geht hier nämlich (Taf. II, fig. 1, i) ganz bei dem Ganglion 
petrosum (D) vorbei, und mündet erst jenseits desselben mit den übrigen, den Halstheil des 
Sympathicus bildenden, Nervenstämmen zusammen (e e und s"). *) 



*) Ob der von Vogt (Beitr. z. Neurologie der Reptilien ) beschriebene ., vordere Kopfstamm" 
{Chelonia Mydas, Monitor Niloticus, Varanus spec, Lacerta ocellala') unserem Nerven analog 
sei, ist mir wahrscheinlich, lässt sich aber nicht mit Sicherheit entscheiden, da Vogt denselben 
immer aus dem Sphenoidalgeflecht enlsiehen lässt. Ich habe diesen Ursprung bei unserem 
Nerven nie nachweisen können, sondern immer gesehen, dass er entweder aus dem R. palatinus, 
oder aus dem Ganglion des Facialis entsteht. Allerdings steht, wie oben dargetban , der K. 
palatinus immer mit dem Sphenoidalgeflecht des zweiten Astes des Trigeminns in Verbindung, 
und hiedurch konnte es kommen, dass Vogt, der vom Verlauf des R. palatinus keine klare 
Vorstellung hatte, sondern denselben vielleicht als einen vom Trigeminns entspringenden Nerven 
des Sphenoidalgeflechtes ansah, den aus dem E. palatinus entspringenden Nerven als vom 
Spheuoidalgeflechte abgehend schilderte. — Das zweite, was mir bei Vogts Darstellung zu 
erinnern bleibt, ist, dass dieser Forscher bei mehreren Eidechsen eine Verbindung des in Rede 
steheuden Nerven mit einem Ast des Abducens angiebt. Es ist mir trotz aller gerade auf 
diesen Punkt gerichteten Aufmerksamkeit nie gelungen, diesen Verbindungsast aufzufinden. Bei 
Chamaeleo sah ich allerdings einen Nervenfaden aus dem Abducens . in der Richtung nach 
unserem Nerven abgehen, er war aber zu fein, um ihn selbst mit Hülfe einer sehr scharfen 
Lonpe bis ans Ende verfolgen zu können. — Uebrigens hat Müller (vergl. Neurologie der 
Myxinoiden Taf. IV, fig. 3 und fig. 4) unsern Nerven bei Python tigris und Crotalus horridus 
abgebildet. Bei jenem (fig. 3, 8) entspringt derselbe aus dem R. palatinus (7*) und geht rück- 
wärts ins Ganglion petrosum (von Müller als Ganglion cervicale snpremum bezeichnet). Bei 
Crotalus entspringt er vom Facialis (fig. VII), da wo dieser den R. palatinus (66) entlässt, und 



— 144 — 
b) Vom Ramus communicans externus nervi facialis cum Glosso- 

phavyilgeo. (Auf allen Figuren mit e bezeichnet.) 

Der zweite der Aeste, wodurch der Facialis mit dem Glossopharyngeus 
oder dem Ganglion petrosum in Verbindung steht, ist wo möglich noch bestän- 
diger, als der erst beschriebene. Er ist von mir bei allen untersuchten Formen 
aufgefunden worden, und geht beständig vom hinteren Hauptstamm des Facialis 
ab, meist da, wo dieser zugleich die Chorda tympani und den Muskelast ent- 
lässt. Seine Einmündung ist nicht bei allen dieselbe: meist senkt er sich mit 
dem R. communicans internus und dem Glossopharyngeus von innen her ins 
Ganglion petrosum ein, bisweilen aber verbindet er sich ohne Anschwellung mit 
dem Glossopharyngeus; in noch anderen aber selteneren Fällen umgeht er den 
Glossopharyngeus und das Ganglion petrosum gänzlich, steht mit letzterem nur 
durch feine Fäden in Verbindung, und setzt sich direct in den Halstheil des 
Sympathicus fort. 

Bei Varanus Bengahnsis (Taf. II, fig. 2, e) bestellt unser Nerv aus zwei neben einander ent- 
springenden und verlaufenden Zweigen. Der hintere Hauptstamm (fig. 2, f ) entsendet dieselben, 
nachdem er die Chorda tympani (t) entlassen und den R. recurrens aus dem Trigeminus (x) 
aufgenommen, so dass nach Abgang unserer beiden Nerven nur der Muskelast (m) übrig bleibt. 
Beide Nerven senken sich in den Stamm des Glossopharyngeus da ein, wo dieser die beiden Ver- 
bindungsäste (1,1) vom anfänglich vereinten Vagus und Hypoglossus aufnimmt, und wo auch der 
R. communicans internus (i) an ihn herantritt. 

Beim Leguan entspringt dieser Nerv gerade da aus dem hinteren Hauptstamm des Facialis 
(Taf. II, fig. 3, e), wo dieser (f) von vorn und oben her den R. recurrens Trigemini (x) erhält, 
während der Facialis selbst nach aussen geht, um sich in Chorda tympani (t) und Muskelast (m) 
zu theilen. Die Verbindung des Nerven mit dem Ganglion petrosum erfolgt entweder direct, indem 
er (linke Seite meines Exemplars) zugleich mit den beiden inneren Verbindungszweigen (ii) und 
mit dem Glossopharyngeus selbst (9) von innen her in's Ganglion petrosum (D) einmündet, — 
oder indem er (rechte Seite) mit einem der beiden Zweige (i) verschmilzt, ehe diese sich in's 
Ganglion einsenken. 

Bei Istiurus Amboinensis geht dieser Nerv ebenfalls an der Theilungsstelle des hinteren 
Hauptstammes des Facialis aus demselben hervor, und mündet, wie bei Iguana, mit dem feinen 
Stamme des Glossopharyngeus (Taf. 111, fig. 1, 9) und dem R. communicans internus (i) in's 
Ganglion petrosum (D) ein. Aus letzterem geht ausser dem Stamm des Glossopharyngeus (9) 
nur der Halsstamm des Sympathicus (s) hervor. 

Bei Salvator nigropunctutus theilt sich ebenfalls der hintere Hauptstamm des Facialis nach 
Aufnahme des R. recurrens (Taf. I, fig. 1, x) vom Trigeminus und nach Abgabe der Chorda 
tympani (t) in den Muskelast (m) und den in Rede stehenden Nerven, der, nach, hinten verlaufend, 
da in's Ganglion petrosum (D) einmündet, wo auch der Glossopharyngeus selbst (9) in dasselbe eingeht. 

Bei Salvator Merianae entspringt unser Nerv (Taf. III, fig. 4, e) an derselben Stelle aus dem 
hinteren Hauptstamm des Facialis, wo dieser sich nach Aufnahme des R. recurrens (x) in Muskel- 
geht (99) mit dem Glossopharyngeus (IX) zusammen in den vereinigten Stamm der hinteren 
Hirnnerven ein. Müller vergleicht diesen Nerven mit der Jakobsonschen Anastomose, — eine 
Ansicht, der wir, trotz unserer abweichenden Meinung über den N. vidianus (unsern R. palalinus), 
mir beipflichten können. 



— 145 — 

Ast (m) und Chorda tympani (t) theilt. Ein merkwürdiger Unterschied von der Bildung des 
Salvator nigropunctatus besteht jedoch darin, dass bei dem Mangel eines Ganglion petrosum unser 
Nerv (e) den feinen Stamm des Glossopharyngeus (9) aufnimmt, ohne eine Spur einer gangliösen 
Anschwellung zu zeigen; bald darauf nimmt der so entstandene feine Stamm noch einen Faden 
(I) aus dem vereinigten Stamm von Vagus und Hypoglossus auf, und mündet alsdann in den 
letzteren da ein, wo der (dem Hypoglossus angehörige) Verbindungszweig des ersten Halsnerven 
sich in denselben einsenkt. Hiedurch entsteht ein kurzer Nervenstamm (F), der Glossopharyngeus, 
Vagus, Hypoglossus, Accessorius und Sympathicus enthält. 

Bei C'iamaeleo vulgaris ist unser Nerv (Taf. II, fig. 4, e) der am weitesten nach innen liegende 
der vier Endzweige, in die sich der hintere Hauptstamm des Facialis (f) theilt. Er läuft in einem 
nach hinten convexen Bogen nach innen , und tritt von aussen und hinten dicht neben dem R. 
communicans internus (i) so in das Ganglion petrosum (D) ein, dass er (gerade wie der Ast i) 
wie ein von diesem ausgehender Nerv erscheint. 

Bei Euprepes Sebae entspringt der in Rede stehende Verbindungsast gerade da aus dem hin- 
teren Hauptstamm des Facialis, wo von oben und vorn her der R. recurrens Trigemini in diesen 
einmündet. Sein Ursprung und Verlauf bei dieser Eidechse ist aus mehreren Gründen interessant. 
Erstens lässt sich nämlich mit ziemlicher Deutlichkeit der Uebergang des R. recurrens Trigemini 
in unseren Nerven verfolgen, so dass letzterer deutlich als die, durch Fasern des Facialis ver- 
stärkte Fortsetzung des ersteren erscheint. Jener (der R. recurrens) mündet zwar in diejenige 
Hälfte des hinteren Hauptstammes des Facialis ein, die sich später als Chorda tympani verhält, 
während dieser aus der zweiten Hälfte entspringt, die sich gleich darauf als Muskelast verzweigt, — 
aber beide Hälften des hinteren Hauptstammes sind gerade da, wo der eine den R. recurrens 
aufnimmt, der andere den R. communicans externus abgiebt, durch eine schmale Nervenbrücke mit 
einander verbunden, so dass man den letzteren als die, allerdings verstärkte, Fortsetzung des R. 
recurrens erkennt. Ferner aber ist das auffallend an der Bildung von Euprepes, dass unser 
äusserer Verbindungsast mit dem Glossopharyngeus zwar sich verbindet, denselben aber (als 
Halsstamm des Sympathicus) eher wieder verlässt, ehe dieser sein Ganglion petrosum gebildet. 

Platydactylus guttalus erinnert in mancher Beziehung an die Form von Euprepes, sofern 
auch hier unser R. communicans externus (Taf. III, fig. 3, e) sich direct in den Halsstamm des 
Sympathicus (s) verfolgen lässt. Nur mündet er nicht mit Glossopharyngeus (9) und innerem 
Verbindungsast (i) zusammen von hinten her in's Ganglion petrosum (D) ein, sondern kreuzt erst 
den aus diesem hervorgehenden Stamm (gl) , an der Kreuzungsstelle mit dem letzteren fest 
verwachsend. 

Schon aus diesen Formen von Euprepes und Platydactylus geht deutlich hervor, dass auch 
dieser zweite Verbindungsast zwischen Facialis und Glossopharyngeus als eine der sympathischen 
Schlingen zwischen zwei verschiedenen Nerven zu betrachten sei. Noch deutlicher folgt dies aus 
der Bildung von Lacerta ocellata. 

Während er hier nämlich auf der linken Seite meines Exemplars, wie bei Iguuna und Salvator 
nigropunctatus, in's Ganglion petrosum selbst einmündet (vgl. dieAbbildungTaf.il, fig. 1, e') steht 
er auf der rechten Seite nur durch einige Nervenfäden (a, a) mit demselben in Verbindung, geht 
aber (ähnlich wie der R. communicans internus) selbst an dem Ganglion vorbei, um sich in einen 
der geflechtartig mit einander verbundenen Halsstämme des Sympathicus (e e) fortzusetzen. 

Auch bei den Krokodilen findet sich dieser Verbindnngsast, und zwar von ansehnlicher Stärke. 
Auch hier (Crocodilus biporcatus, Taf. HI, fig. 5, e) entspringt er aus dem hinteren Hauptstamm 
des Facialis gerade da, wo dieser den R. recurrens (x) aus dem Ganglion des Trigeminus aufge- 
nommen hat. Nur verschmilzt er nicht mit dem Glossopharyngeus, sondern verläuft in einem 

19 



— 146 — 

eigenen Knochenkanal nach hinten bis zum gemeinschaftlichen Ganglion (D) der hinteren Himherven, 
in dessen vordere kleinere Hälfte er zugleich mit den Wurzeln des Vagus, Glossopharyngeus und 
Accessorius eintritt. 

So findet sich also, wie aus den eben gegebenen Specialbeschreibungen 
hervorgeht, bei den Sauriern und Krokodilen allgemein dieser R. communicans 
externus nervi Facialis cum Glossopharyngeo. Bald mündet er direct ins Ganglion 
petrosum ein (Iguana tuberculata, Salvator nigropunctatus, Chamaeleo vulgaris, 
Istiurus Amboinensis) ; bald liegt dieses Ganglion ganz ausserhalb der Verbindung 
unseres Nerven mit dem Glossopharyngeus (Euprepea Sebae, Platydactylus guttatus); 
bei einigen verbindet er sich mit dem Glossopharyngeus, um gleich darauf (ohne 
GanglienbildungO i» den vereinigten Stamm der hinteren Hirnnerven einzumünden 
(Salvator Merianae); bei anderen endlich (rechte Seite von Lacerta ocellata~) 
stellt er nur durch einzelne Fäden mit dem Ganglion petrosum in Verbindung 
und lässt sich deutlich als einer der den Halstheil des Sympathicus bildenden 
Hauptstämme erkennen. 

Dass dieser ganze Zweig, wie namentlich aus der letzten Bildung sich er- 
giebt, ein Theil von einer der beiden grossen sympathischen Schlingen zwischen 
Trigeminus und hinteren Hirnnerven sei, wird später, in dem Abschnitte über 
den Sympathicus, gezeigt werden. 

C. Vom hinteren Hauptstamm des Facialis. 

(Auf allen Figuren mit f bezeichnet.) 

Des besseren Zusammenhanges wegen waren wir genöthigt, auf den vorigen 
Seiten schon einen Nerven (den R. communicans externus nervi Facialis cum Glosso- 
pharyngeo) zu betrachten, der vom hinteren Hauptstamm des Facialis ausgeht, 
ehe der Verlauf des letzteren im Allgemeinen und seine übrigen Verzweigungen 
genauer auseinandergesetzt wurden. Jetzt, nach Abzug aller derjenigen in den 
Facialis einmündenden oder von ihm ausgehenden Zweige, die als Verbindungs- 
schlingen des Sympathicus anzusehen sind, nämlich der Bami communicantes 
internus et externus cum Glossopharyngeo, wird es leicht sein, die übrigen 
Zweige des Facialis kennen zu lernen, die als der eigentliche Verbreitungs- 
bezirk des Antlitznerven zu betrachten sind. 

Aus dem Ganglion des Facialis geht ausser dem R. palatinus und einigen 
unbeständigen Aesten (bei Iguana dem R. communicans internus cum Glosso- 
pharyngeo) noch der hintere Hauptstamm des siebenten Paares hervor, an Stärke 
den R. palatinus meist um ein Geringes übertreffend, der eine dem letzteren 
entgegengesetzte Richtung einschlägt. CVergl. namentlich f auf der linken Seite 
von Taf. I, fig. 1). Er wendet sich nämlich sogleich nach hinten, anfangs der 
Seite des Schädels dicht anliegend, tritt über das lange Gehörknöchelchen fort, 
und theilt sich gleich darauf in seine drei Endäste. Vor der Theilung oder an 






— 147 — 

der Theilungsstelle selbst, seltener etwas später, empfängt er den ober- und 
ausserhalb des Schädels in einem grossen Bogen nach hinten verlaufenden 
Ramus recurrens aus dem Trigeminus (vergl. über diesen pag. 122 ff). Dass 
letzterer als eine der beiden Hauptparthien zu betrachten sei, mit denen der 
Kopftheil des Sympathicus bei den Sauriern (überhaupt den Reptilien?) beginnt, 
wird später bei näherer Erörterung der sympathischen Schlingen dargethan 
werden. Als seine Fortsetzung ist der dritte der aus dem hinteren Hauptstamm 
des Facialis hervorgehenden Aeste zu betrachten, nämlich der vorhin abgehandelte 
R. communicans externus cum Glossopharyngeo. Zieht man diese Verbindungs- 
zweige, wodurch der Facialis einerseits mit dem Glossopharyngeus und dem 
sympathischen Halstheil, andererseits mit dem Trigeminus CR- recurrens) ver- 
bunden ist, ab, so bleiben, als dem eigentlichen Verbreitungsbezirk desselben 
angehörig, nur zwei Nerven übrig, die Chorda tympani und der Muskelast. 

a) Von der Chorda tympani. 

(In den Figuren mit t bezeichnet.) 

Einen als Chorda tympani sich verhaltenden Nerven, der aus dem hinteren 
Hauptstamme des Facialis hervorgehend sich längs der hinteren Fläche des 
Quadratbeins nach unten schmiegt, in ein Loch des Unterkieferknochens hinter 
dem Gelenk des Ouadratbeins eindringt, und dann im Knochen nach vorn um- 
biegt, um in einem eigenen Kanal nach vorn zu verlaufen und sich bald darauf 
mit dem Alveolartheile des dritten Astes des Trigeminus zu verbinden, habe 
ich mit Bestimmtheit gefunden bei Lacerta ocellata, Varanus Bengalensis, Varanus 
Niloticus, Euprepes Sebae, Platydactylus guttatus, Agama spinosa, Sulvator nigro- 
punctatus , Salvator Merianae , Iguana tuberculata, Istiurus Amboinensis. Bei 
Chamaeleo vulgaris und den Krokodilen habe ich mich von seinem Dasein nicht 
überzeugen können.*) Da sich, wie oben auseinander gesetzt (pag. 133 und 134) ein 



*) Es ist dies ohne Zweifel derselbe Nerv, den Vogt bei Monitor Niloticus, Varanus spec, 
Lacerta ocellata, Platydactylus guttatus, Chamaeleo Africanus als Paukenast beschreibt, ihm 
eine Verbreitung im Paukenfelle zuschreibend. Bei aller auf diesen Punkt gerichteten Auf- 
merksamkeit habe ich nie das kleinste Fädchen aus diesem Nerven ans Trommelfell gehen sehen, 
ihn dagegen ohne Ausnahme bei allen oben genannten Eidechsen bis in sein Loch im Unter- 
kiefer verfolgen können. Ist dies derselbe, von Vogt nur nicht bis zu Ende verfolgte Ast, so 
wäre die Chorda tympani nach der Notiz dieses Forschers auch bei Chamaeleo zu slalniren. 
Bei den Krokodilen hat auch Vogt seinen Paukenast vermisst. — Dass die Chorda auch den 
Schlangen eigen sei, wird aus Müllers Darstellung (vergl. Neurologie der Mvxinoiden in d. 
Abhandl. der Berl. Akad. d. Wissenscb. 1838, pag. 230) mehr als wahrscheinlich. Hier tritt 
aus dem Ganglion cervicale supremum (unserem Ganglion pelrosnm), in welches vorher mehrere 
Zweige aus dem Facialis eingetreten sind, ein Zweig (Taf. IV, fig. 3,9') „zum hinteren Winkel 
„des Unterkiefers, und tritt hier in eine sehr kleine OefFnung, er verbindet sich wahrscheinlich 
„im Innern des Unterkiefers mit dem N. alveolaris inferior." — Nachdem Platner bekanntlich 
die Chorda bei den Vögeln und ihren Uebergang in den K. maxillaris inferior aufgefunden 
(bei der Krähe), ist es bemerkenswerth, dass Bonnsdorf (Act. Fenn. 1850, pag. 553) diesen 
Nerven gerade bei Corvus Cornix vermisste, ihn jedoch bei Grus cinerea mit ziemlicher Be- 
stimmtheit auffand. 

19 * 



— 148 — 

Ast des Alveolaris inferior Trigemini beständig im M. mylohyoideus und als 
Ramus lingualis in der Zunge verbreitet, muss bei dem eben geschilderten Ver- 
lauf des in Rede stehenden Nerven wenigstens die Möglichkeit zugegeben 
werden, dass Fasern des Facialis an dieser Ausbreitung Theil 
nehmen. Da es ferner mehr als wahrscheinlich ist, dass es sympathische 
Fasern sind, die durch unsern R. recurrens vom zweiten Ast des Trigeminus 
(vergl. oben pg. 122 und weiter unten die Abhandlung über den Kopftheil des 
Sympathicus) an den hinteren Hauptstamm des Facialis übergeführt werden, und 
da dieser R. recurrens von dem letzteren meist vor Abgang der Chorda, zuweilen 
sogar (Euprepes Sebae, Iguana tuberculata) von der Chorda selbst aufgenommen 
wird, so muss zweitens wenigstens die Möglichkeit zugegeben werden, dass 
auf diesem Wege auch sympathische Fasern, aus dem zweiten 
Aste des Trigeminus stammend, in die Zunge gelangen. 

Bei allen erst genannten Formen ward der Ursprung der Chorda tympani 
und ihr Verlauf bis zur Oeffnung im hinteren Vorsprung des Unterkiefers ver- 
folgt, bei einigen (Varanus Bengalensis , Salvator nigropunctatus) ward ihr 
weiterer Verlauf im Knochenkanal bis zur Verbindung mit dem Maxillaris in- 
ferior beobachtet. 

Nachdem bei Varanus Bengalensis der hintere Hauptstamm des Facialis (Taf. II, fig. 2, f ) in 
seiner Richtung nach hinten und aussen über die Columella fortgetreten, entlässt er einen Zweig (a) 
nach aussen, der sich sogleich wieder in zwei feinere Nerven theilt. 

a) Der eine (fig. 2, ß) schlägt sich wieder nach innen und vorn, um sich wieder mit dem 
Hauptstamm des Facialis an der Stelle zu vereinen, wo der R. recurrens aus dem Trigeminus in 
diesen einmündet. 

ß) Der zweite (fig. 2, t) ist die Chorda tympani, welche über der Columella zurück an das 
Quadratbein herantritt, sich, der hinteren Fläche desselben anliegend, nach unten schlingt, und 
dicht hinter dem Gelenk dieses Knochens in ein besonderes Loch im hinteren Fortsatz des Unter- 
kiefers einsenkt, um in einem eigenen, an der Innenseite des letzteren gelegenen, Kanal nach vorn 
zu gehen, und sich mit dem Maxillaris inferior Trigemini zu vereinen. 

Bei Iguana tuberculata spaltet sich der hintere Hauptstamm des Facialis (Taf. II, fig. 3, f), 
schon bevor er über die Columella nach aussen und hinten getreten ist, in zwei anfangs eng mit 
einander verbundene Zweige. 

oe) Der hintere (fig. 3, m), den R. communicans externus cum Glossopharyngeo (e) ent- 
lassend, giebt sich als der weiter unten zu beschreibende Muskelast zu erkennen. 

ß) Der vordere nimmt den R. recurrens (x) ex Trigemino auf, schmiegt sich dann in einem 
Bogen an der hinteren Fläche des Quadratbeins nach unten, um als Chorda tympani durch ein 
feines Loch hinter dem Gelenk des Quadratbeins in den für ihn bestimmten Kanal des Unterkiefers 
einzutreten. 

Auch bei Sahätor Merianae tritt der hintere Hauptstamm über das Gehörknöchelchen fort 
nach hinten. Etwas hinter dem letzteren wendet er sich schräg nach aussen, um sich alsbald in 
gleicher Höhe mit der Austrittsstelle des Vagus in drei Aeste zu spalten. An dieser Theilungs- 
stelle empfängt er den über den Schädel nach hinten getretenen R. recurrens Trigemini (Taf. III, 
fig. 4, x), so, dass es scheint, als ginge dieser allein in den ersten dieser drei Zweige über. 



— 149 — 

Dieser erste Zweig, die Chorda tympani (fig. 4, t), von gleicher Stärke mit dem Muskelast (m), 
und dem Verbindungsast zum Glossopharyngeus (e), legt sich an den hinteren und inneren Rand 
des öuadratbeins an, um, ganz wie bei den übrigen Sauriern, längs desselben bis zu seinem Ein- 
tritt in den Unterkiefer zu verlaufen. 

Salvator nigropxtnctatus (Taf. I, fig. 1, t) wiederholt ganz die Form von Salvator Merianae. 
Die Chorda ward auch hier, wie bei Varanus Bengalensis, in einem an der Innenseite des Unter- 
kieferknochens gelegenen Kanal, bis zur Verschmelzung mit dem dritten Aste des Trigeminus, verfolgt. 

Bei Lacena ocellata theilt sich der hintere Hauptstamm des Facialis nach Aufnahme des R. 
recurrens aus dem Trigeminus (Taf. II, fig. 1, x), und nach Abgabe des R. communicans externus 
(e) in den Muskelast (m) und die Chorda tympani (t). Letztere zeigt bis zum Eintritt in ihr 
feines Loch im Unterkiefer ganz denselben Verlauf, wie bei den übrigen Eidechsen. 

Dass die Chorda tympani bei lüuprepes Sebae den R. recurrens aus dem Trigeminus aufnimmt, 
an der Verbindungsstelle aber durch eine feine Nervenbrücke mit dem, den Verbindungsast zum 
Glossopharyngeus entsendenden, Muskelast des Facialis in Verbindung steht, ward oben (pag. 145) 
erwähnt. Die Chorda geht hierauf wieder zurück über die Columella, legt sich an die hintere 
und innere Kante des Quadratbeins an, und läuft, demselben dicht anliegend, um, wie gewöhnlich, 
in ihr Loch hinter dem Gelenk des Quadratbeins einzutreten. 

Bei Istiurus Amboinensis, Agama spinosa, Platydactylus guttatus wurden keine wesentliche 
Abweichungen beobachtet. 

Bei Chamaeleo vulgaris verläuft der hintere Hauptstamm des Facialis (Taf. II, fig. 4, f) über 
den inneren Anheftungspunkt der Columella fort schräg nach hinten und aussen, um ziemlich nahe 
dem Ganglion petrosum den R. recurrens aus dem Trigeminus aufzunehmen, und unmittelbar 
darauf sich in vier Zweige zu spalten. 

Der vorderste von ihnen (fig. 4, t) wendet sich schräg nach aussen und vorn, tritt wieder 
über die Columella zurück, und schlägt die Richtung nach dem Unterkiefergelenk ein. Es glückte 
nicht, ihn bis an's Ende zu verfolgen. 

Bei Crocodilus biporcatus tritt der hintere Hauptstamm des Facialis (Taf. III, fig. 5, f ) schräg 
nach unten, hinten und aussen, und verbindet sich hinter der knöchernen Gehörkapsel "mit dem 
starken R. recurrens (x) ans dem Ganglion Trigemini unter spitzem Winkel, aus dessen Scheitel- 
punkt nicht nur der oben beschriebene starke R. communicans externus cum Glossopharyngeo (e), 
sondern noch ein zweiter Ast hervorgeht, der ganz die Richtung des vorherigen hinteren Haupt- 
stammes verfolgt. Von diesem letzteren, hauptsächlich im M. digastricus sich verbreitenden 
Zweige, geht ein feiner Ast hervor, der zwar auch, wie bei Chamaeleo, die Richtung nach dem 
Unterkiefergelenk einschlägt, den es aber eben so wenig glückte, bis an's Ende zu verfolgen. 

b) Vom Muskelaste des Facialis. 

(Anf allen Figuren mit m bezeichnet.) 

Ganz allgemein ist dies der zweite der beiden Endzweige, in die sich nach 
Aufnahme des R. recurrens und nach Abgabe des R. communicans externus cum 
Glossopharyngeo der hintere Hauptstamm des Facialis spaltet. Sein Ursprung 
aus dem letzteren ist bei den Specialbeschreibungen der Chorda tympani schon 
mit angegeben worden. Sein Verlauf, schräg nach aussen und hinten an den 
M. digastricus masillae inferioris, sowie seine Verbreitung in diesem, und in 
dem M. longissimus colli Boianus (hintere, von den Dornfortsätzen der ersten 
Halswirbel entspringende Parthie des Mylohyoideus), ist so beständig bei allen 



— 150 — 






Arten dieselbe, dass eine specielle Darlegung der einzelnen Formen vollkommen 
überflüssig erscheint. Dass der Facialis durch seine Ausbreitung an diesen 
beiden Muskeln wiederum seine Function als IServ der Athemmuskeln bekundet, 
ist einleuchtend. 

Vierter Abschnitt. 

Vom Nervus glossopharyngeus. 

Der Ursprung des Glossopharyngeus ist bei allen Sauriern von dem des 
Vagus getrennt *). Seine feine Wurzel entspringt von der Seitenfläche des ver- 
längerten Markes (auf allen Figuren mit 9 bezeichnet) ziemlich nahe hinter dem 
Ursprung des Acusticus. Beständig tritt ferner dieselbe durch ein eigenes feines, 
vor dem des Vagus gelegenes Loch im Occipitale laterale aus dem Schädel. 

Während indessen alle untersuchten Saurier diesen getrennten Ursprung und 
Austritt des Glossopharyngeus zeigten, konnte ich denselben bei Crocodilus 
biporcatus, Crocodilus acutus, und Alligator punctulatus nicht finden**). Man 
könnte die vorderste der fächerförmig zusammenstrahlenden Wurzeln des Vagus 
(vergl. von Crocodilus biporcatus, Taf. III, fig. 5, 10), wie Vogt es thut, als 
Wurzel des Glossopharyngeus deuten, ohne jedoch im Stande zu sein, einen 
directen Beweis für diese Ansicht zu liefern, da diese Wurzel keine getrennte 
Schädelöffnung hat, und sich ganz verhält wie die übrigen Vagus -Wurzeln. 

Auch bei den Sauriern indessen, wo ein getrennter Ursprung des Glosso- '* 
pharyngeus sich nachweisen lässt, bleibt dieser in seinem Verlaufe nur selten 
frei. Bisweilen verschmilzt er früher oder später mit dem Stamme des Hypo- 
glossus, um dann als dessen Ast aufzutreten, ***) oft erhält er Verstärkungs- 
zweige vom Vagus, die dann wieder aus seinem Stamme als eigenthümliche 
Zweige hervorgehen, — überall endlich finden sich die schon oben abgehandelten 






*) I! e i) il i giebt (1. 1. pg. a5) Lei Chamaeleo Africanus eine Verschmelzung von Glossopharyngeus, 
Vagus und Hypoglossus an, die ich bei dem von mir untersuchten Exemplare nicht finde. 
Ebenso wenig kann ich Vogt beistimmen, der von Iguana und PlatydactyluS eine ähnliche 
Verschmelzung berichtet. — So scheint der Glossopharyngeus auch bei den übrigen Ordnungen 
einen getrennten Ursprung und Austritt aus dem Schädel zu haben. Unter den Schildkröten 
bei Emys Europaea nacb Boianus, bei Testudo graeca und Chelonia mydas nach Ben dz. 
Von den Schlangen bildet Müller einen getrennten Ursprung des neunten Paares ab von 
Python tigris und Crotalus horridus. (Vergl. Neurologie der Myxinoiden Taf. IV, fig. 3 u. 4.) 
**) Nach Ben dz ist der Glossoph. bei Alligator lucius vollständig vom Vagus getrennt. Nach 
V o g t hat er bei Champza nud Crocodilus zwar eine eigene Wurzel, tritt aber nicht aus einem 
besonderen Kanal aus, sondern mündet in die Oeffnuug des Vagus ein, in dessen Ganglion er 
sicli einsenkt. 
***) Als Ast des Vagus, wie bei den meisten der nackten Amphibien, habe ich ihn nie auftreten 
sehen, und muss auch hier dem Ausspruche von Ben dz in Bezug auf Chamaeleo, so wie von 
Vogt in Bezug auf PlatydactyluS, Iguana und Draco widersprechen. 






— 151 — 

Verbindungszweige vom Facialis (R. communicans internus rami palatini und 
R. communicans externus nervi Facialis). — Alle diese fremden Beimengungen 
machen es oft schwierig zu entscheiden, welche der austretenden Zweige dem 
Glossopharyngeus selbst, und welche den benachbarten Hirnnerven angehören. 

a. Vom Ganglion petrosum. 

(Auf deu Figuren mit D bezeichuel.) 

Bevor wir diese fremden Verstärkungszweige weiter berühren, von deneu 
übrigens nach dem oben Gesagten die Verbindungsäste des Facialis keiner wei- 
teren Erörterung bedürfen, ist es nöthig, eines Ganglions zu erwähnen, durch 
dessen Vermittelung meist die Vereinigung des Glossopharyngeus mit jenen 
Verbindungszweigen aus dem Facialis, oft auch mit denjenigen aus dem Vagus 
erfolgt. Wir bezeichnen dasselbe vorläufig nach Ben dz' Vorgange als Ganglion 
petrosum, und behalten uns vor, die Gründe für diese Bezeichnung später, 
im Abschnitte über den Sympathicus näher auseinander zu setzen. Dasselbe 
liegt, wenn es überhaupt vorhanden ist, in der Bahn des Glossopharyngeus, 
meist kurz nach dessen Austritt aus dem Schädel, nimmt den von hinten kom- 
menden Glossopharyngeus, die Verbindungszweige aus dem Facialis, meist auch 
diejenigen aus dem Vagus auf, und entlässt auf der anderen Seite ausser dem 
Stamm des Glossopharyngeus noch den Halsstamm des Sympathicus oder einen 
Theil desselben. 

Sehr deutlich ist das rothliche elliptische Ganglion petrosum bei Iguana tuberculata (Taf. II, 
fig. 3, D). Ausser der eigentlichen Wurzel des Glossopharyngeus (9) treten hier drei Zweige aus 
dem Facialis (i i und e) in dasselbe ein, von denen oben ausführlich die Rede gewesen ist. Gleich 
aus dem hinteren Theil dieses Ganglions tritt ein feiner Nervenfaden (a) , der mit einem Zweige 
des Vagus zusammen (ß) einen der drei sympathischen Halsstämme (s") bildet. Aus dem anderen 
Ende des Ganglions entstehen drei Nerven : der feinste (y) verbindet sich mit dem eben erwähnten 
sympathischen Stamm. Der zweite, stärkere (s'), bildet für sich den zweiten der Hauptstämme 
des Sympathicus am Halse. Der dritte endlich (g 1) giebt sich in seinem Verlauf als eigentlicher 
Glossopharyngeus zu erkennen. 

Bei Istiurus Amboinensis liegt das starke Ganglion petrosum (Taf. III, fig. 1, D), nicht nahe 
am Schädel, sondern noch etwas ausserhalb des Ganglion radicis nervi Vagi (E), von dem es 
noch um das Doppelte an Stärke übertroffen wird. In dasselbe treten ein : die Wurzel des neunten 
Paares (9) und die beiden Verbindungsäste vom Facialis (i und e). Austreten: der Halsstamm 
des Sympathicus (s) und der anfangs mit diesem verbundene Stamm des Glossopharyngeus (g 1). 
Letzterer erhält gleich darauf einen Verstärkungszweig vom Vagus (1), und verschmilzt dann mit 
dem Hypoglossus. 

Bei Sahator nigropunctatus (Taf. I, fig. 1, D) münden iu das spindelförmige Ganglion pe- 
trosum ausser dem eigentlichen Glossopharyngeus (9) noch die beiden Verbindungszweige vom 
Facialis (der innere derselben [i] lässt sich als feiner weisser Streif unter dem Ganglion fort in 
den vereinigten Stamm von Vagus und Hypoglossus verfolgen), und zwei Zweige (1) aus dem 
vereinigten Stamm. 



— 152 — 

Bei Salvator Merianae existirt dagegen bestimmt kein gesondertes Ganglion petrosum, sondern 
die Wurzel des neunten Paares tritt bald nach ihrem Austritt aus dem Schädel (Taf. III, fig. 4, 9) 
in den gemeinschaftlichen Stamm der hinteren Hirnnerven ein (F), der weder hier, noch sonst, 
eine gangliöse Anschwellung zeigt. 

Ob die Vereinigung von Nerven ein Ganglion zu nennen sei, blieb mir zweifelhaft bei 
Varanus Bengalensis, wo sechs verschiedene Wurzeln zu einem Stamme zusammentreten (drei 
Verbindungszweige aus dem Facialis [Taf. II, fig. 2, i und ee], zwei Verstärkungsäste aus dem 
Vagus [I, 1] , und die Wurzel des Glossopharyngeus selbst [9]). Dieser Stamm erscheint gleich- 
förmig dick, und nicht stärker, als die ein- und austretenden Nerven ihn erwarten lassen. Bei 
Varanus Niloticus ist dagegen das Ganglion sehr deutlich und gross; ausser den von hinten her 
in dasselbe einmündenden Verbindungszweigen vom Facialis und ausser dem Glossopharyngeus 
selbst, tritt noch ein kurzer Verstärkungsast aus dem Vagus in dasselbe ein. Ein einfacher 
Stamm geht daraus hervor, der sich bald in Vagus und Halsstamm des Sympathicus theilt. 

Platydactylus guttatus zeigt ebenfalls eine schwache aber deutliche Anschwellung, die dem 
Ganglion petrosum verglichen werden muss (Taf. III, fig. 3, D). Der Glossopharyngeus verbindet 
sich ausserhalb des Schädels mit dem R. communicans internus (i), und schwillt nun zu einem 
schwachen länglichen Ganglion an. An den aus diesem Ganglion hervorgehenden einfachen Stamm 
tritt von vorn her unter rechtem Winkel der äussere Verbindungszweig des Facialis (e) heran, 
und lässt sich, an der Kreuzungsstelle mit ihm verschmelzend, in den Halsstamm des Sympathicus 
verfolgen. Ich kann Vogt durchaus nicht beipflichten, nach welchem bei Platydactylus alle hinteren 
Hirnnervenwurzeln sich in einen grossen Stamm vereinen, aus dem Glossopharyngeus, Hypoglossus, 
Vagus und Sympathicus austreten sollen. 

Bei Agama spinosa ist an der gewöhnlichen Stelle kein Ganglion vorhanden. Die beiden 
Verbindungszweige vom Facialis (Taf. III, fig. 2, i und e) verschmelzen mit einander zu einem 
kurzen Stamm, der gleich darauf in den Glossopharyngeus sich einsenkt, ohne dass dieser hier 
eine Spur einer Anschwellung zeigte. Der so entstandene Stamm (g s) theilt sich bald wieder in 
den mit dem Vagus verschmelzenden sympathischen Halstheil (s), und in den mit dem Hypo- 
glossus sich verbindenden Glossopharyngeus (g 1). Letzterer, in der Form eines kurzen Ver- 
bindungszweiges erscheinend, zeigt allerdings eine schwache längliche Anschwellung, die aber 
schwerlich als Ganglion petrosum zu deuten sein möchte. 

Bei Chamaeleo africanus wird weder von Bendz (I. 1. pg. 15), noch von Vogt (1. I. pg. 26) 
ein Ganglion petrosum erwähnt. Beide schildern hier die Wurzeln des Vagus, Glossopharyngeus 
und Hypoglossus in einen einzigen starken Stamm (Ganglion nach Vogt) zusammentretend. Ich 
finde bei meinem Exemplar ein von diesen Darstellungen ganz verschiedenes Verhalten: Der 
Glossopharyngeus tritt als feiner, aber deutlich zu unterscheidender Nerv (Taf. II, fig. 4,9) durch 
ein etwas vor dem des Vagus gelegenes Loch aus dem Schädel , legt sich sogleich eng an den 
vereinigten Stamm von Vagus und Hypoglossus an , und erhält von diesem einen bedeutenden 
Verstärkungsast (1). Hiedurch erscheint der Nerv zwar stärker, als vorher, anfangs aber noch 
gleichförmig dick, schwillt jedoch gleich zu einem kleinen, aber deutlichen, dem vereinigten 
Stamme von Vagus und Hypoglossus sehr dicht anliegenden, Ganglion an (D). Aus diesem gehen 
fünf Nerven hervor: Die beiden Verbindungszweige vom Facialis (i und e, von uns als in's 
Ganglion einmündend angesehen), der Schlundzweig des Glossopharyngeus (g), ein starker, bis- 
weilen aber auch vom Schlundzweige ausgehender, Verstärkungsast an den Hypoglossus (o), und der 
Halsstamm des Sympathicus (s). 

Euprepes Sebae besitzt ein Ganglion in dem Stamm des Glossopharyngeus, das aber nicht, 
wie sonst gewöhnlich, nahe der Austrittsstelle des letzteren liegt, und ausserdem weder mit dem 
Facialis noch mit dem Vagus in Verbindung steht. Der sehr feine Glossopharyngeus läuft, nachdem 



— 153 — 

er dicht vor dem Vagus aus dem Schädel getreten, schräg nach hinten und aussen bis etwa in 
die Gegend des Unterkieferfortsatzes, verbindet sich hier mit dem gewöhnlichen R. communicans 
externus nervi Facialis, und bildet mit ihm einen kurzen Stamm , in den noch ein feiner Faden 
aus dem A'agus einmündet, der aber durchaus keine Spur einer gangliösen Anschwellung zeigt. 
Dieser kurze aber gleichförmig dicke Stamm theilt sich bald in zwei Nervenstämme: a) Der eine 
verfolgt seine Richtung nach hinten, nimmt noch einen Faden aus dem Vagus auf, und giebt sich 
durch seinen späteren Verlauf als Halsstamm des Sympathicus zu erkennen. — b) Der zweite ist 
der eigentliche Glossopharyngeus, der sich schräge nach hinten und aussen schlägt, noch einen 
Faden aus dem Vagus aufnimmt, und nun erst zu einem kleinen halbkugelförmigen Ganglion 
anschwillt, in das weiter kein Zweig vom Sympathicus, Vagus und Facialis einmündet. 

So liegt auch bei Lacerta ocellata (wenigstens auf der rechten Seite meines Exemplars) das 
Ganglion* petrosum (Taf. II, fig. 1,D) nur in der Bahn des Glossopharyngeus, ohne dass die Ver- 
bindungszweige aus dem Facialis in dasselbe einmündeten (i und e). Beide gehen vielmehr an dem 
Ganglion vorbei, und nur der äussere derselben (e) ist durch zwei Fäden (a, a) mit ihm ver- 
bunden. Auf der linken Seite (rechte Seite der Figur) mündete dagegen bei dem von mir unter- 
suchten Exemplar der äussere Verbindungsast (e') in das Ganglion (Dd) ein, während der innere (i) 
auch hier dasselbe umgeht. *) 

Was die Krokodile betrifft, so schreibt Ben dz bei Alligator lucius dem Glossopharyngeus, 
dessen Wurzel mit der des Vagus durch eine gemeinschaftliche Oeffnung aus dem Schädel gehe, 
ein kleines ovales Ganglion petrosum zu**), das dicht vor dem Ganglion cervicale supremum liege, 
und mit diesem durch Zellgewebe verbunden sei. (Ein nach vorn gehender Verbindungszweig, 
unser R. communicans externus nervi Facalis cum Glossopharyngeo, ward nicht weiter verfolgt). 
Der Glossopharyngeus ist nach Bendz hier vollständig getrennt vom Vagus, und nur durch einen 
feinen Nervenfaden ist das Ganglion radicis nervi A'agi mit dem Ganglion petrosum verknüpft. — 
Nach dieser Schilderung sind bei Alligator lucius drei sehr benachbarte Ganglien vorhanden, 
Ganglion cervicale supremum , Ganglion radicis nervi Vagi und Ganglion petrosum , — eine 
Bildnngsweise, die ich bei keiner Eidechse und keinem Krokodil aufgefunden habe. Bei Alligator 
punctulalus, den ich zu untersuchen Gelegenheit hatte, fand ich eben so, wie bei Crocodilus bipor- 
catus und Crocodilus acutus, dass die Wurzeln des Glossopharyngeus, Vagus, Accessorius und 
theilweise auch die des Hypoglossus in ein grosses , hart am Schädel gelegenes Ganglion zusam- 
menmünden , das also nach der Bildung von Alligator lucius als aus jenen drei Ganglien ver- 
schmolzen anzusehen sein würde. (Von Crocodilus biporcatus dargestellt Taf. III, fig. 5, D). 

b. Von den Verstärkungszweigen des Vagus an den Glossopharyngeus. 

(Auf den Figuren mit / bezeichnet.) 

Bei vielen Sauriern, jedoch keineswegs bei allen, werden Verstärkungs- 
zweige vom Vagus an den Glossopharyngeus abgegeben. Es ist wichtig, ihr 



*) In Vogts flüchtigen Darstellungen ist bei keiner Eidechse ein Ganglion erwähnt, das dem 
Ganglion petrosum verglichen werden könnte. Bendz erwähnt dasselbe dagegen überall, wo 
er einen getrennten Verlauf des Glossopharyngeus beschreibt (Lacerta agilis, Amphisbaena) ; 
unter den Schildkröten findet es sich nachBoianus bei Emys Europaea, und nach Bendz bei 
Chelonia Mydas, Testudo. Bei den Schlangen scheint dies Ganglion vorzukommen. Müller 
bildet dasselbe als Ganglion cervicale supremum von Python tigris ab (1. 1. Taf. IV, fig. 3), 
erwähnt seiner jedoch nicht bei der Klapperschlange. Auch bei Tropidonotus natrix ist es von 
Bendz (1. 1. pg. 19) nicht aufgefunden. 

*) Bidrag til den sammenlignen de Anatomie afN. Glossopharyng. Vagus og Hypoglossus. Kiöbenhavn 
1843, pg. 10. 

20 



— 154 — 

Verhältniss bei den verschiedenen Formen genau zu ermitteln, weil dies der 
einzige anatomische Weg ist, durch den man zur Entscheidung über einzelne 
Nervenzweige gelangen kann, die, obgleich häufig als Aeste des Glossopharyn- 
geus auftretend, dennoch nicht ihm angehören, sondern von Fasern des Vagus 
abzuleiten sind. 

Diese Verbindungszweige sind immer sehr kurz, — häufig so kurz, dass 
es der grössten Vorsicht bedarf, um sie darzustellen. Die Schwierigkeit ihrer 
Behandlung wird dadurch erhöht, dass sie bald nach dem Austritt der hinteren 
Hirnnerven aus dem Schädel, wo diese noch sehr nahe bei einander verlaufen, 
abgegeben werden. Bei einigen erfolgt ihre Abgabe und respect. Aufnahme erst 
jenseits, bei vielen noch diesseits des Ganglion petrosum. Zuweilen fehlen sie, 
obgleich die ihnen entsprechenden Endzweige aus der Bahn des Glossopharyn- 
geus hervorgehen, dann aber ist der letztere selbst vorher auf eine kurze Strecke 
mit den übrigen hinteren Hirnnerven zu einem gemeinschaftlichen Stamm ver- 
schmolzen, — eine Form, bei der ein Uebergang von Fasern des Vagus an den 
Glossopharyngeus noch einfacher bewirkt wird, als auf dem Wege wirklicher 
Verstärkungszweige. 

Sehr nahe am Schädel werden diese Zweige vom Vagus an den Glossopharyngeus abgegeben 
bei Varanus Bengalensis (Taf. II, fig. 2, 1). Es sind deren zwei, von ungleicher Stärke, gleichzeitig aus 
dem Vagus (v) da abgegeben, wo dieser sich gleich nach dem Austritt aus dem Schädel von dem ihm 
anfangs verbundenen Theil (der ersten Hirnwurzel [h']) des Hypoglossus trennt. Sie gehen schräg nach 
aussen, und münden gleichzeitig da in den Glossopharyngeus (9) ein, wo dieser die oben abgehandelten 
Verbindungszweige aus dem Facialis (e e und i) aufnimmt. So treten hier sechs Nerven (e, e, i, 
9, 1, 1) zur Bildung eines Stammes zusammen, der sich durch diese Verstärkungen zwar an- 
sehnlich verdickt zeigt, ohne dass man sich jedoch mit Bestimmtheit für das Dasein einer gangliösen 
Anschwellung entscheiden könnte. 

Auch bei Varanus Niloticus, wo indessen ein sehr deutliches Ganglion petrosum in der Bahn 
des Glossopharyngeus vorhanden ist, geht ein feiner Verbindungszweig aus dem benachbarten Vagus 
von der Seite her in die Mitte desselben ein. 

Bei Cliamaeleo vulgaris (Taf. II, fig. 4) empfängt ebenfalls der feine Glossopharyngeus (9) 
gleich nach seinem Austritt aus dem Schädel einen kurzen aber starken Zweig (1) aus dem be- 
nachbarten Vagus (10), und schwillt sofort zu dem oben geschilderten Ganglion petrosum an (D). 

Bei Salvator riigropunctatus (Taf. 1, fig. 1), wo der Glossopharyngeus vom Vagus getrennt 
bleibt, und ein deutliches Ganglion petrosum (D) zeigt, münden in die innere Fläche desselben 
zwei kurze Zweige (I, 1) aus dem Vagus ein. 

Auch bei Salvator Merianae (Taf. III, fig. 4) existirt ein Verbindungszweig (1) aus dem 
Vagus (10) an den Glossopharyngeus (9), welcher letztere sich aber kurz nach dessen Aufnahme und 
nach der Vereinigung mit dem äusseren Verbindungsast aus dem Facialis (e) wieder in den vereinigten 
Stamm (F) von Vagus und Hypoglossus einsenkt. 

Erst jenseits des Ganglion petrosum empfängt der Glossopharyngeus diesen Verstärkungsast 
aus dem Vagus (Taf. II, fig. 3, 1) bei Iguana tuberculata, obgleich zu bemerken ist, dass das 
Ganglion petrosum selbst durch eine geflechtartige Verbindung sympathischer Fäden mit A r agus 
und Hypoglossus in Verbindung steht. — 



- _ 155 — 

Aehnlich bei Istiurus Amboinensis (Taf. III, fig. 1). Der Vagus giebt hier erst nach der Bil- 
dung seines grossen Ganglion radicis (E) einen starken Verbindungszweig (I) an den Glossopharyngeus 
ab, der in den letzteren (gl) erst jenseits des Ganglion petrosum (D) einmündet. Der Glosso- 
pharyngeus selbst verschmilzt bald nach seiner Aufnahme vollständig mit dem Hypoglossus (h). — 

Bei Lacerta ocellata (Taf. II, fig. 1) fehlen diese Verstärkungszweige des Vagus an den 
Glossopharyngeus gänzlich. Aus jenem gehen Dur mehrere feine sympathische Fäden (ß, ß', ß") 
hervor, die in das hier stark entwickelte Halsgeflecht eingehen, also nur auf indirecte Weise mit 
dem durch das GaDglion petrosum (D) damit verbundenen Glossopharyngeus (9 — gl) in Verbin- 
dung stehen. 

Ebenso findet sich auch bei Euprepes Sebae kein eigentlicher Verstärkungsast des Vagus. 
Auch hier steht der letztere nur durch einzelne (drei) sehr feine sympathische Fäden mit dem 
Glossopharyngeus in Verbindung. 

Bei Platydactylus guttatus tritt, wie bei Iguana und Istiurus, der nicht unbeträchtliche Ver- 
stärkungszweig aus dem Vagus (Taf. III, fig. 3, 1) erst jenseits des GaDglion petrosum (D) in den 
Glossopharyngeus (gl) ein. 

Bei Agama spinosa ist das Verhältniss ziemlich verwickelt. Hier (Taf. III, fig. 2) verbindet 
sich der Vagus (10), nachdem er ans seinem Ganglion radicis (E) hervorgetreten, mit einem 
Theile (der ersten Himwnrzel h') des Hypoglossus. Aus diesem vereinigten Stamme (hv) geht 
gleich darauf ein starker Verstärkungsast (1) an den Glossopharyngeus (99) ab, mit dem dieser 
zu einem kleinen Ganglion (petrosum? D) anschwillt. Unmittelbar nachher geht aus dem ver- 
einigten Stamm (hv) ein anderer Zweig (h) ab, der sich mit dem Rest des Hypoglossus (aus 
der zweiten Hirnwurzel, h", und dem ersten Halsnerven, 13, gebildet) vereinigt. Dieser letzte, 
wieder in den Hypoglossus eingehende Ast entspricht ohne Zweifel jener ersten Hirnwurzel des 
zwölften Paares.*) 

c. Verlauf des Glossopharyngeus im Allgemeinen. 

Nachdem der Glossopharyngeus ausserhalb des Schädels alle Verbindungs- 
zweige aus Facialis und Vagus (wenn solche vorhanden sind), aufgenommen hat, 
und nach seiner Trennung vom Halstheil des Sympathicus als selbstständiger 
Stamm entweder aus dem Ganglion petrosum oder aus einem gemeinschaftlichen 
Stamm der hinteren Hirnnerven hervorgetreten ist, verläuft er in der Regel 
folgendermassen : 

Während der Vagus und der Halstheil des S}'mpathicus horizontal nach 
hinten laufen, schlägt sich der Glossopharyngeus, oft unter Abgabe von Schlund- 
zweigen, nach aussen, um sich gewöhnlich dicht an den etwas mehr hinter- 



Von Ameiva teguixin bildet Müller (vergl. Neurologie der Myxinoiden Taf. IV, fig. 5) einen 
deutlichen Verslärkuugszweig des Vagus (X) an den Glossopharyngeus (IX) ab. — Ben dz 
(Bidrag etc. pg. 13) erwähnt eines solchen bei Lacerta agilis, während Amphisbaena nach 
dieses Forschers Darstellung (pg. 17) seiner entbehrt. — Unter den Schlangen bildet Müller 
(1. 1. fig. 3) bei Python tigris einen Ast aus der Wurzel des Vagus in das Ganglion cervicale 
supremum (unser Ganglion petrosum) ab, während nach demselben Forscher bei der Klapper- 
schlange (1. 1. fig. 4) eine gänzliche Verschmelzung der hinteren Hirnnerven, [wie bei Salvator 
Merianae] stattfindet. — Auch bei Tropidonotus natrix ist nach Ben dz (1. 1. pg. 18) Vagus 
und Glossopharyngeus ganz verschmolzen. — Unter den Schildkröten fehlt der Verbioduugsast 
aus dem Vagus an den Glossopharyngeus bei Emys Europaea (nach Boianus fig. 105), ist 
dagegen vorhanden bei Chelonia Mydas (nach Beudz, 1. 1. pg. 5). 

20 * 



— 156 — 

wärts entsprungenen Hypoglossus anzulegen, von diesem, abgesehen von seinem 
Ursprung und seiner Verbreitung, leicht durch seine bedeutendere Feinheit zu 
unterscheiden *). Beide treten, von aussen durch die Mm. longissimus colli 
(Boianus) und Cucullaris bedeckt, um die hintere Spitze des grossen (hinteren) 
Zungenbeinhorns herum, wobei in der Regel der Glossopharyngeus an der vor- 
deren Seite des Hypoglossus verläuft. Sie liegen auf diesem Wege einander sehr 
nahe, verschmelzen sogar bisweilen gänzlich mit einander. Beide biegen dann nach 
innen und vorn, und verlaufen parallel dem vorderen Bande des hinteren Zungen- 
beinhorns über dem M. geniohyoideus, (der selbst wieder vom M. mylohyoideus 
von unten her bedeckt wird) bis zur Aussenseite des hinteren Ansatzpunktes 
des M. hyoglossus (hinterer Rand des hinteren Zungenbeinhorns), um sich hier 
zu trennen. Der Hypoglossus tritt unter oder in den M. hyoglossus, der Glosso- 
pharyngeus dagegen bleibt über diesem Muskel, läuft unter dem M. hyoideus 
(vom hinteren Zungenbeinhorn an das vordere) nach vorn, und steigt da gegen 
die Mundhöhle in die Höhe, wo die beiden Zungenbeinhörner sich entweder 
mit einander, oder mit dem kurzen Körper des Zungenbeins unter spitzem 
Winkel verbinden, und endigt nahe dem Kehlkopf mit Schlund-, Kehlkopfs- 
und Zungen -Zweigen. 

Von diesem Verlauf, der sich bei Lacerta ocellata, Iguana tuberculata, Platydactylus guttatus, 
Salvator nigropunctatus, Varanus Bengalensis und Varanus Niloticus findet, zeigt Sahator Merianae 
insofern eine Abweichung, als der Glossopharyngeus, dessen selbstständige Wurzel (Taf. III, 
fig. 4, 9), wie oben gesagt, mit dem vereinigten Stamm der hinteren Hirnnerven sich verbindet, 
später als Ast des aus diesem Stamm hervorgehenden Hypoglossus da erscheint, wo dieser um 
die hintere Spitze des hinteren Zungenbeinhorns über dem Geniohyoideus an den Hyoglossus 
hinanläuft. 

Aehnlich bei Istiurus Amboinensis. Auch hier verschmilzt der Glossopharyngeus (Taf. III, 
fig- '»£.') vollständig mit dem Hypoglossus (h), um später wieder als Ast des letzteren aufzu- 
treten. Er trennt sich nämlich wieder von ihm da, wo dieser sich vor der hinteren Ecke des 
grossen Zungenbeinhorns zwischen die Bündel des M. geniohyoideus schlägt. 

Dasselbe Verhältniss wiederholt sich bei Agama spinosa. Der Glossopharyngeus (Taf. III, 
fig. 2, 9) nimmt den Kopftheil des Sympathicus (a) auf, tritt indessen bald wieder von dem, durch 
diese Verschmelzung entstandenen, Stamm (gs) wieder ab (99), um mit dem erst erwähnten 
Verstärkungszweig aus dem Vagus (I) zum Ganglion petrosum (D) anzuschwellen. Der hieraus 
hervorgehende einfache Stamm (gl) mündet ganz in den benachbarten Hypoglossus (hg) ein, aus 
dem er an derselben Stelle, wie bei Istiurus, wieder abgeht. 

Bei Euprepes Sebae findet, abgesehen von der Verzweigung, in sofern eine geringe Abweichung 
von dem vorhin beschriebenen gewöhnlichen Verlaufe statt, als der äusserst feine Glossopharyngeus 
zwar auch hier in Begleitung des Hypoglossus den Bogen um das hintere Zungenbeinhorn macht, 



Während der Hypoglossus der stärkste der hinteren Hirunerven ist, erscheint der Glosso- 
pharyngeus immer als ein sehr feiner Stamm. Am feinsten in Vergleich zu den übrigen er- 
schien er mir bei Lacerta ocellata und Euprepes Sebae, — hier fehlen ihm nämlich die hei den 
übrigen seineu Stamm verstärkenden Elemente des Vagus. 



— 157 — 

um später hinter dem Winkel des vorderen Hornes wieder in die Höhe zu treten, aber nicht an 
der vorderen, sondern an der hinteren, später inneren, Seite des Hypoglossus verläuft. 

Was die Krokodile betrifft, so entsteht sowohl bei Crocodilus acutus und Crocodilus biporcatus, 
als auch bei Alligator punctulatus der Stamm des Glossopharyngeus aus dem vorderen Rande des 
dicht am Schädel liegenden grossen Ganglion der hinteren Hirnnerven. Bei Crocodilus biporcatus 
(Taf. III, fig. 5, D) treten sechs Nerven aus diesem Ganglion aus: 1) Der Sympathicus impar (s); 
2) ein Verbindungszweig zum ersten Halsnerven , nach unserer Ansicht dem R. externus des 
Accessorius entsprechend (y); 3) der R. Iaryngopharyngeus *) (1p); 4) der Glossopharyngeus (gl); 
5) der Vagus (v); 6) der Hypoglossus (h). — Von diesen entspringt der Glossopharyngeus (gl) am 
weitesten nach vorn aus dem Ganglion, so dass es scheint, als käme derselbe allein aus dem 
kleineren vorderen Abschnitt des Ganglions. Er ist indessen dem hinteren Abschnitt desselben 
fest verschmolzen, und lässt sich auf mechanischem Wege durchaus nicht isoliren. Er läuft schräg 
nach aussen und hinten , biegt dann hinter dem hinteren Hörn des Zungenbeins nach vorn um, 
indem er über den Hypoglossus forttritt, und giebt hinter dem Zungenbeinhorn einen beträchtlichen 
Zweig (<^) nach innen an den aus dem N. Iaryngopharyngeus hervortretenden N. laryngeus superior (I s). 
Nach Abgabe dieses Zweiges tritt der Glossopharyngeus in Begleitung des Hypoglossus an den 
M. hyomaxillaris **), unter welchem er sich in zwei Zweige theilt: 

<x) geht nach innen und oben, dringt in die Fasern des Hyomaxillaris ein, und breitet sich 
mit mehreren Zweigen in demselben aus; 

ß) tritt nahe an den benachbarten Hypoglossus heran, nimmt von ihm einen seiner eigenen 
Stärke gleichen Ast auf, und schlägt sich nach vorn und innen an den M. hyoglossus hinan. Der 
grösste Theil seiner Fasern dringt in diesen Muskel ein , und breitet sich in ihm und in dem 
muskulösen Boden der Mundhöhle aus. Ein Nervenbündel dagegen dringt weiter nach vorn , tritt 
vom Hyoglossus unter den mehr nach aussen gelegenen Genioglossus, um in ihm sich zu ver- 
breiten. 

Auffallend ist hier die Ausbreitung des Glossopharyngeus an so vielen Muskeln, wobei jedoch 
eines Theils die erwähnte Verschmelzung mit dem Hypoglossus, andererseits der benachbarte 
Ursprung mit dem letzteren aus dem gemeinschaftlichen Ganglion zu berücksichtigen ist. Wichtig 
scheint ferner der Verstärkungsast (4) an den als Laryngeus superior auftretenden vorderen Ast 
des Laryngopharyngeus (1 s). 

Auch bei Crocodilus acutus entspringt der Glossopharyngeus ganz wie bei Crocodilus biporcatus 
aus dem Ganglion. Auch hier giebt er einen beträchtlichen Verstärkungszweig an den aus dem 
N. laryngopharyngeus entspringenden N. laryngeus superior, tritt über den M. sternomaxillaris ***), 
giebt diesem und dem über demselben liegenden M. hyomaxillaris ansehnliche Zweige, und läuft 
an der inneren Seite des Hypoglossus nach vorn, um endlich im muskulösen Boden der Mundhöhle 
sich auszubreiten. 



*) Dass bei allen Krokodilen ein getrennter N. laryngopharyngeus aus dem Ganglion entspringt, 
der den R. laryngeus superior (Taf. III, fig. 5, 1 s) und nebst den Rami recurrentes die Speise- 
röhrenzweige (ld) des Vagus enthält, von denen letztere als R. descendens glossopharyngei von 
Slannius beschrieben wurden, wird später dargethau. Hier möge nur erwähnt werden, dass 
es mir bei der genauesten Untersuchung nicht möglich war, einen vom Vagus entspringenden, 
in diesen sogenannten R. descendens Glossopharyngei übergehenden Zweig aufzufinden, dessen 
Anwesenheit Stannius (Lehrb. pg. 19i) behauptet. 

) Ueber die Zungenbeinmuskeln der Krokodile vgl. den Abschnitt von der Ausbreitung des 
Hypoglossus. 

***) Auch über diesen nur den Krokodilen eigenen Muskel verweisen wir auf den Abschnitt über 
den Hypoglossus. 



** 



— 158 — 

Ganz dieselbe Form zeigt Alligator punctulatus, nur dass hier der bei Crocodilus so beträcht- 
liche Verstärkungszweig an den N. laryngeus superior äusserst schwach ist, und aus zwei sehr 
feinen Fäden besteht. Ferner findet hier, nach Abgabe deutlicher Zweige an den M. byomaxiliaris, 
keine eigentliche Verschmelzung mit dem Hypoglossus statt, sondern der Glossopharyngeus steht 
mit dem letzteren nur durch feine Nervenschlingen in Verbindung. 

d. Von den Zweigen des Glossopharyngeus. 

Vom Stamme des Glossopharyngeus können auf dem in dem vorigen Ab- 
schnitte angegebenen Wege nach seinem Hervorgang aus dem Ganglion petrosum 
und nach der Aufnahme der oben geschilderten Verbindungszweige aus dem 
Facialis und dem Vagus folgende Zweige abgegeben werden: 1) Schlundzweige; 
2) Muskelzweige; 3) Kehlkopfszweige; 4) Zungenzweige. — Einzelne dieser 
Aeste fehlen hin und wieder, weil es Elemente anderer Nerven sind, die nicht 
bei allen Eidechsen in der Bahn des Glossopharyngeus verlaufen. Mögen hier 
zuerst diejenigen Zweige betrachtet werden, die nicht der eigentlichen Wurzel 
des letzteren selbst, sondern den Verstärkungszweigen anderer Hirnnerven 
entsprechen. * 

1) Vom Kehlkopfszweige. (N. laryngeus superior.) 
a) Form desselben. 

Bei vielen Sauriern entspringt aus der Bahn des Glossopharyngeus ein Nerv, 
der trotz seiner den Eidechsen und Krokodilen eigenthümlichen Form ohne 
Zweifel als ein Analogon des N. laryngeus superior nervi Vagi der höheren 
Thiere zu betrachten ist. Diese seine Abstammung aus dem Vagus sind wir 
auch für die Reptilien zu beweisen im Stande, und werden die anatomischen 
Gründe dafür nach der Schilderung seiner, bei keinem Wirbelthiere bisher 
beobachteten, Form angeben. 

Nachdem der Glossopharyngeus die später zu behandelnden Schlund- und 
Muskel -Zweige abgegeben, tritt der Rest des Nerven, der nur noch den Kehl- 
kopfs- und den Zungen -Zweig enthält, constant über den M. hyoglossus fort 
nach innen an die Luftröhre, an welcher er, nahe dem Kehlkopf, mit dem von 
hinten heraufsteigenden R. recurrens vagi zusammen tritt, verschmilzt bisweilen 
mit letzterem, und endigt nach Abgabe des Zungenzweiges immer in einer sehr 
auffallenden Form. Unter dem Kehlkopf nämlich tritt der Nerv der einen Seite 
constant nach der anderen hinüber, und verschmilzt mit dem entsprechenden 
Nerven der anderen Seite zu einer einfachen oder doppelten Schlinge. 

Diese auffallende Schlingenbildung des N. laryngeus superior ward bei folgenden Eidechsen 
und Krokodilen gefunden: Lacerta ocellata, Varanus ßcngalensis, Varanns Niloticus, Iguana tuber 
eulata, Istiurus Amboinensis , Salvator Meiianae, Salvator nigropunctatus , Platydactylus guttatus, 
Euprepes Sebae, Crocodilus biporcatus, Crocodilus acutus, Alligator punctulatus. Von allen darauf 
untersuchten Formen ward sie nur beim Chamaeleon nicht beobachtet. Der hier aus dem Ganglion 
petrosum entspringende und diesem Nerven entsprechende Ast (Taf. II, fig. 4, g) läuft unter Abgabe 



— 159 — 

ton Schlundfäden nach unten und innen, und scheint an der diesem Thier eigentümlichen Kehl- 
kopfsblase ohne Schlingenbildung zu endigen. 

Ueberall liegt diese Schlinge unter dem hinteren Theil des Kehlkopfs, und stellt sich in 
der Form eines queren, namentlich in der Mitte abgeplatteten, bogenförmigen Nerven dar. Bei 
den Krokodilen ist die Schlinge besonders stark. Sie liegt hier über der schildförmigen Erwei- 
terung des Zungenbeinkörpers, und wird erst nach ihrer Entfernung gesehen. Bei Crocodilus 
biporcatus ist sie doppelt, und die hintere derselben so stark, die aus ihr hervorgehenden Fäden 
so fein, dass man kaum eine peripherische Endigung aller zu ihrer Bildung zusammentretenden 
Nervenfäden annehmen kann, sondern fast zu der Annahme gedrängt wird, dass die Nervenfasern 
beider Seiten hier zusammentreten, um grösstentheils auf der anderen Seite centripetal zurück 
zu laufen. Bei Crocodilus acutus und Alligator punctulatus liegt eine solche Annahme viel ferner: 
auch hier ist die Schlinge sehr beträchtlich, allein die aus dem Ende des R. laryngeus superior 
hervortretenden Zweige für die Muskeln des Kehlkopfes sind viel beträchtlicher. 

ß) Vom Verhältnis»' des Kehlkopfszweiges zum R. recurrens N. Vagi. 
Immer tritt an das letzte Ende des Kehlkopfszweiges die letzte Endigung 
des R. recurrens Vagi heran, meist in der Gegend des dritten oder vieiten Luft- 
röhrenringes. Bald findet eine völlige Verschmelzung beider Nerven, bald eine 
blosse Verbindung durch Nervenzweige statt, während in einzelnen Fällen beide 
Nerven völlig getrennt bleiben. In letzterem Falle ist es der Kehlkopfszweig, 
der die Schlinge bildet. 

Durchaus keine Verbindung beider Nerven zeigt Varanus Bengalensis. Unter dem hinteren 
Theil des Kehlkopfes communiciren die letzten Enden der Kehlkopfszweige der rechten und linken 
Seite mit einander und bilden mehrere dem Kehlkopf hart anliegende Schlingen mit einander. 
In gleicher Weise treten auch vom R. recurrens N. vagi, der übrigens getrennt verläuft, einzelne 
Fäden von der rechten Seite zur linken hinüber. 

Auch bei Platydactylus guttatus keine Verbindung des R. recurrens mit dem N. laryngeus 
superior. Der Glossopharyngeus, der von aussen und hinten her hinter den Kehlkopf gelangt ist, 
theilt sich hier in vier Zweige. Zwei derselben dringen in die seitlichen und unteren starken 
Kehlkopfsmuskeln ein, der dritte geht als R. lingualis im M. hyoglossus zur Zunge, während der 
vierte allein hinter dem Kehlkopf die Querschlinge mit dem entsprechenden Nerven der anderen 
Seite bildet. Der R. recurrens vereint sich nicht mit dem Kehlkopfszweige, und nimmt an dessen 
Schlinge keinen Theil, sondern dringt frei von der Seite her in den Kehlkopf ein, um sich in 
dessen Schleimhäuten auszubreiten. 

Mit einem Theil des R. recurrens ist der Kehlkopfszweig des Glossopharyngeus verbunden 
bei Iguana tuberculata und Salvator nigropunctatus. Aus dieser Verbindung geht auch hier eine 
deutliche Schlinge hinter und unter dem Kehlkopf nach dem entsprechenden Nerven der anderen 
Seite hinüber. Aus der Schlinge selbst gehen Fäden in die Muskeln des Kehlkopfs hervor. Der 
übrig gebliebene Theil des R. recurrens dringt von der Seite her in den Kehlkopf ein. 

Bei Salvator Merianae findet dagegen die Verbindung des Kehlkopfszweiges mit dem Ende 
des R. recurrens erst statt, nachdem der erstere seine Schlinge gebildet hat. Diese entsteht in 
der Weise, dass der Nerv der linken Seite erst einen Verbindungszweig an denjenigen der rechten 
Seite absendet, um gleich darauf wieder von diesem Ersatzfäden zu erhalten. So findet in der 
Form einer doppelten Schlinge ein wirklicher Austausch von Fasern statt. An ein centripetales 
Zurücklaufen der Fäden eines Nerven auf der anderen Seite ist hier sicher nicht zu denken. 



— 160 — 

Eine völlige Verschmelzung des R. recurrens Vagi mit dem Kehlkopfszweige findet statt bei 
Euprepes Sebae und Lacerla oceUata, welche beide ausserdem noch darin übereinstimmen, dass der 
letztere nicht als Ast des Glossopharyngeus, sondern als Zweig des Vagus erscheint. Bei Euprepes 
Sebae tritt der Kehlkopfszweig in der Gegend des vierten Luftröhrenringes an die Trachea heran, 
nimmt den von hinten längs der äusseren Seite der letzteren heraufsteigenden R. recurrens Vagi 
vollständig auf, schickt dann dicht hinter dem Kehlkopf eine stärkere, gleich darauf noch eine 
schwächere Schlinge nach der anderen Seite hinüber, und dringt dann selbst in die Muskeln des 
Kehlkopfes ein. Bei Lacerta ocellala steht der Kehlkopfszweig nahe am Kehlkopf nach aussen 
durch verhältnissmässig starke Nervenzweige mit dem eigentlichen Glossopharyngeus in Verbindung, 
während er nach innen entweder (rechte Seite meines Exemplars) mit dem R. recurrens ganz 
verschmilzt, oder ihm (linke Seite) eine.beträchtliche Verstärkung zuschickt, so dass an dieser Stelle, 
nahe dem Kehlkopf, drei Nerven mit einander communiciren : der R. recurrens, der R. laryngeus 
superior und der Glossopharyngeus. Der so verstärkte R. recurrens theilt sich alsdann in zwei 
Theile, von denen der eine quer hinter dem Kehlkopfe die starke Schlinge bildet, während der 
andere in die starken Kehlkopfsmuskeln eindringt. 

Bei den Krokodilen ist die Form dieses Kehlkopfszweiges vollkommen dieselbe, wie bei den 
Eidechsen, sein Ursprung aber ganz abweichend. Es existirt hier nämlicb, wie schon vorhin 
(pg. 157) erwähnt, ein schon vom Ganglion der hinteren Hirnnerven an getrennter N. laryngo- 
pharyngeus (Taf. III, fig 5, 1 p), der alle den Kehlkopf, Speiseröhre, Luftröhre versorgenden Fäden 
des Vagus enthält. Dieser läuft parallel mit dem Glossopharyngeus, Hypoglossus und dem eigent- 
lichen Stamm des Vagus nach aussen und unten, und theilt sich da, wo Glossopharyngeus und 
Hypoglossus nach vorn, Vagus nach hinten umbiegen, in zwei Aeste *). Der hintere (JR. de- 
scendens nervi laryngopharyngei [Taf. 3, fig. 5, 1 d] , von Vogt als Sympathicus superficialis, von 
Stannius [Lehrbuch pg. 191] als R. descendens Glossopharyngei bezeichnet,) versorgt die Speise- 
röhre und entlässt die Rami recurrentes nervi Vagi. Der vordere (1s) verbindet sich beständig 
mit einem Zweige **) des Glossopharyngeus (<^), den dieser bei seiner Biegung nach vorn an ihn 
abgiebt. Nach dieser Verstärkung wird dieser vordere Ast des N. laryngopharyngeus zum eigent- 
lichen Kehlkopfsnerven, der nach Abgabe einiger schwacher Schlundzweige das letzte Ende des 
R. recurrens aufnimmt, und entweder eine doppelte (Crocodilus biporcatus) oder einfache Schlinge 
(Crocodilus acutus) mit dem Nerven der anderen Seite unter dem hinteren Theil des Kehlkopfes bildet. 

y) Von der endlichen Verzweigung des Kehlkopfsnerven. 

Aus der Schlinge selbst gehen in der Regel keine Zweige hervor. Einzig 
bei Crocodilus biporcatus ward aus der Mitte derselben ein in den Kehlkopf ein- 
dringender Faden beobachtet. 

Das letzte Ende des diese Schlinge absendenden Kehlkopfszweiges dringt 
entweder verbunden mit Endzweigen des R. recurrens oder allein regelmässig 
in die seitlichen und unteren Muskeln des Kehlkopfes ein. Andere Ausbreitungen 
der letzten Endigung desselben wurden nicht beobachtet. In den Fällen, wo 
der R. recurrens sich nicht mit jenem verbindet (Varanus Bengalensis, Platy- 



*) Diese Theilung erfolgt bei Alligator punctulatus schon früher, nämlich bald nach dem Ursprung 
aus dem Ganglion. 
**) Kurz und stark bei Crocodilus biporcatus, schwächer bei Crocodilus acutus. Zwei sehr schwache 
Verbindungszweige exlstiien bei Alligator punctulatus. 






— 161 — 

dactylus guttatus), geht dieser nicht in die Muskeln, sondern an die Schleimhäute 
des Kehlkopfes. 

d) Ueber den Kehlkopfszweig als Ast des Vagus. 

Es entsteht jetzt die Frage, ob der eben beschriebene Kehlkopfszweig wirk- 
lich dem eigentlichen Glossopharyngeus angehöre. Ein Zweifel hieran kann 
schon durch den Umstand entstehen, dass derselbe nicht immer aus dem Glosso- 
pharyngeus, sondern bisweilen aus dem Stamm des Vagus entspringt (Euprepes 
Sebae, Lacerta ocellata, und nach Ben dz auch Amphisbaena) , und dass gleich- 
wohl der letztere vorher keine Verstärkungsfasern aus dem neunten Paare 
erbalten hat, von denen man diesen Kehlkopfsast ableiten könnte. Es lässt 
sich indessen auch anatomisch beweisen, dass dieser Nerv wirklich dem Vagus 
angehört, und nur hin und wieder in der Bahn des Glossopharyngeus verläuft, 
um als dessen Zweig aufzutreten. Diese Natur als eines Vagus-Astes ist diesem 
Nerven in der That auch bereits von Stannius zugesprochen*), der sein Auf- 
treten als Ast des Glossopharyngeus mit Recht durch die Innigkeit der Ver- 
bindungen zwischen Glossopharyngeus und Vagus erklärt. Folgendes ist der 
aus unseren vorher geschilderten Beobachtungen sich ergebende directe Beweis 
für die Richtigkeit des Ausspruches dieses Forschers. 

Alle Saurier, wo der R. laryngeus superior als Ast des Glossopharyngeus 
erscheint (Salvator nigropunctatus , Iguana tuberculata, Platydactylus guttatus, 
Varanus Bengalensis)**'), sind gerade diejenigen, wo der Glossopharyngeus, wie 
vorhin ausführlich dargethan, einen oder mehrere Verstärkungsäste aus dem 
Vagus erhält, oder gar völlig mit ihm und dem Hypoglossus zu einem gemein- 
schaftlichen Stamme der hinteren Hirnnerven verschmolzen ist (Salvator Merianae 
und unter den Schlangen Tropidonotus natrix nach Bendz***), Crotalus horridus 
nach Müller). Dahingegen, wo der Kehlkopfszweig als Ast des Glossopharyn- 
geus fehlt, und als Zweig des Vagus auftritt (Euprepes Sebae und Lacerta ocellata) 



*) Lehrbuch der vergl. Anat. pg. 191, Anmerk. 9. 
**) Hieher auch Lacerta agilis. Nach Bendz bekommt der Glossopharyngeus einen Verstärkuogs- 
zweig aus dem Vagus , und breitet sich später mit einem Zweige am Kehlkopf aus. — Dass 
auch bei Ameiva teguixin und von den Schlaugen bei Python tigris , wo nach Müller, wie 
oben gesagt, Verstärknngszweige Tom Vagus an den Glossopharyngeus stallfinden, der R. laryn- 
geus superior ans dem letzteren hervorgeht, also jenem Verstärkungsaste des Vagus entspricht, 
folgt zwar nicht aus einer speciellen Beschreibung des berühmten Anatomen, aber daraus, dass 
dieser den ganzen Glossopharyngeus als „vorderen Kehlkopfsnerven 1 ' bezeichnet. — Unter den 
Vögeln findet sich dasselbe Verhällniss nach Bonnsdorf (1. 1. pg. 530, 555) bei Corvus Cornix. 
Hier erhält der Glossopharyngeus einen Verstärkungsast aus dem Ganglion radicis nervi Vagi, 
und enllässt dafür später den K. laryngeus superior. Ganz ebenso nach demselben Forscher 
(1. 1. pg. 605, 607) bei Grus cinerea. 
***) Bei dieser Schlange entlässt nach Bendz der vereinigte Stamm von Vagus und Glossopharyn- 
geus einen sich am Kehlkopfe ausbreitenden Zweig, den dieser Forscher für den IN. laryngeus 
superior der bö'heren Thiere hält , weil der Mangel eines Ganglion petrosum ihn verhindert, 
denselben als Glossopharyngeus zu deuten (1. 1. pg. 19). 

21 



— 162 — 

fehlen mit Bestimmtheit alle Verstärkungsfasern aus dem Vagus an den Glosso- 
pharyngeus *). Diese vorhin (pg. 153 ff.) abgehandelten Verstärkungszweige sind 
es also, die dem N. laryngeus superior entsprechen, und letzterer ist mithin 
keinesweges, wie es bei der Mehrzahl der Saurier leicht scheinen könnte, als 
Ast des Glossopharyngeus, sondern als Zweig des Vagus zu betrachten. 

Hieraus erklären sich denn auch einzelne Fälle, wo dieser Kehlkopfszweig sogar als Ast des 
Hypoglossus erscheint. Bei Agama. spinosa, Istiurus Amboinensis und Sahator Merianae findet sich 
dies Verhältniss. 

Bei Agama spinosa und Istiurus Amboinensis verbindet sich der Glossopharyngeus nach Auf- 
nahme eines Verstärkungsastes aus dem Vagus (Taf. III, fig. 1,1 und fig. 2, \) mit dem Hypo- 
glossus, — ■ natürlich also, dass nicht bloss der Geschmacksnerv selbst, sondern auch die mit ihm 
verschmolzenen fremden Elemente als Zweige desselben erscheinen. Bei Salvator Merianae geht 
der Glossopharyngeus (auch hier den Kehlkopfszweig enthaltend), mit dem Hypoglossus zu einem 
Stamm verbunden, aus dem vereinigten Stamm der hinteren Hirnnerven hervor, — ein Verhältniss, 
woraus sich leicht erklären lässt, wie die den Kehlkopfszweig bildenden Fasern des Vagus in die 
Bahn des Glossopharyngeus, und somit auch in die des Hypoglossus gelangten. 

2) Von den Schlundzweigen des Glossopharyngeus. 

Fast bei allen Sauriern gehen Schlundzweige aus der Bahn des Glosso- 
pharyngeus hervor. Bald erscheinen sie in der Form eines selbstständigen 
Astes (Euprepes, Iguana), bald sind die den Schlund versorgenden Fäden in dem 
Kehlkopfszweige enthalten, aus dem sie bei seiner Krümmung nach vorn und 
innen allmählich austreten. Letzteres Verhältniss namentlich scheint darauf 
hinzudeuten, dass auch sie, wie der Kehlkopfszweig selbst, vom Vagus abzuleiten 
sind. Nur lässt sich dagegen das Beispiel einiger Eidechsen, z. B. Euprepes 
Sebae, anführen, wo ein besonderer, stark ausgebildeter, vom N. laryngeus 
superior getrennter, Schlundzweig des Glossopharyngeus vorhanden ist, ohne 
dass dieser vorher Verstärkungszweige aus dem Vagus erhalten hätte. 

3) Von den Muskelzweigen des Glossopharyngeus. 

Zu den unzweifelhaft fremden in der Bahn des Glossopharyngeus ver- 
laufenden Elementen gehören die bei den Krokodilen und einigen Eidechsen 
an einzelne Muskeln entsendeten Zweige. Häufig fehlen dieselben gänzlich, 
und wo sie vorhanden sind, erstrecken sie sich ausschliesslich an Muskeln des 



*) Bei Ampliisbaena alba wird von Ben dz kein Kelilkopfszweig des Glossopharyngeus namhaft 
gemacht, dagegen ein mit 2 Aesten an der Luftröhre und dem Kehlkopf sich ausbreitender 
Zweig des Vagus beschrieben. Diesem Verhältniss entspricht, dass derselbe Forscher hier 
keinen Verstärkungsast des Vagus an den Glossopharyngeus erwähnt. (1. 1. pg. 17 und 18.) 

Unter den Schildkröten fehlen bei Emys Europaea nach Boianns (fig. 10S), wie oben 
erwähnt, die Verstärkungszweige des Vagus au den Glossopharyngeus. Diesem entsprechend 
geht auch hier der Kehlkopfszweig nicht aus dem Glossopharyngeus, sondern ans dem Vagus 
hervor. Einer Schlinge unter dem Kehlkopf wird nicht erwähnt. Der Kehlkopfszweig breitet 
sich auch hier in Muskeln, nämlich im M. dilalator und M. constrictor laryngis aus. (Boianus 
1. 1. fig. 107, e*. ) 



— 163 — 

Zungenbeins. Schon aus diesem Umstände wird ihre Abstammung aus dem 
Hypoglossus wahrscheinlich. Dem letzteren liegt, wie oben gesagt, der Glosso- 
pharyngeus auf seinem Wege nach unten und vorn gewöhnlich so dicht an, 
dass es oft schwer hält, ihn von demselben zu trennen. Dazu kommt, dass oft 
Verbindungszweige des mit dem Vagus theilweise verschmolzenen Hypoglossus 
an den Glossopharyngeus vorkommen (Varanus Bengalensis), ja, dass endlich 
zuweilen eine wirkliche Vereinigung von Vagus, Glossopharyngeus und Hypo- 
glossus bald nach ihrem Austritte aus dem Schädel stattfindet (Salvator Merianae), 
— lauter Umstände, aus denen sich der Uebeigang motorischer Fasern aus dem 
Hypoglossus an den Glossopharyngeus leicht erklären lässt. Dass indessen der 
schliessliche Beweis für die Richtigkeit dieser Ansicht sich erst aus Reizungs- 
versuchen an lebenden Thieren ergeben würde, ist einleuchtend. 

Uebrigens erklärt sich aus der Absendung einzelner Muskelzweige aus der 
Bahn des Glossopharyngeus dessen eigenthümlicher Verlauf bei vielen Eidechsen. 
Nur in seltenen Fällen , wo aber beständig diese Muskelzweige ihm fehlen, 
läuft derselbe, wie man es überall erwarten sollte, dem Schlünde dicht anliegend, 
nach aussen und unten, dann nach innen und vorn zur Zunge und zum Kehlkopf. 
In der Regel macht er in Begleitung des Hypoglossus einen viel grösseren 
Bogen um das hintere Zungenbeinhorn herum, ein Weg, der dadurch bedingt 
wird, dass er selbst noch oft einzelne Aeste an die Zungenbeinmuskeln abzu- 
geben hat, bevor er seine Endigung an Kehlkopf und Zunge findet. 

Alle Muskelzweige wurden gänzlich vermisst bei C/tamaeleo vulgaris, Sahator nigropunctatus. — 
Wenn dergleichen vorhanden sind, so ist am beständigsten ein Ast in den M. hyoideus (vom 
vorderen Rande des hinteren Zungenbeinhorns an den hinteren Rand des vorderen). Er wird 
vom Glossopharyngeus abgegeben, bald nachdem derselbe sich vom Hypoglossus getrennt, und 
unterhalb des M. hyoideus nach vorn zu dem Winkel verläuft , den das vordere Hörn mit dem 
hinteren oder mit dem Zungenbeinkörper bildet. Dieser Muskelzweig ward beobachtet bei : Lacerta 
ocellata, Euprepes Sebae, Varanus Bengalensis, Iguona tulerculata. — Ausser diesem Aste ward 
einmal (bei Varanus Bengalensis') ein Zweig an den M. omohyoideus, und bei Plaiydactylus guttatus 
ein Ast an den M. hyoglossus beobachtet. 

Bei den Krokodilen, wo freilich Glossopharyngeus und Hypoglossus gemeinschaftlich aus dem 
grossen Ganglion der hinteren Hirnnerven entspringen, ist, wie oben pg. 157 gesagt, dte Zahl der 
Muskelzweige des ersteren viel stärker, als bei den Eidechsen. Immer wird hier der M. hyo- 
maxillaris mit starken Zweigen von ihm versorgt. Unbeständig scheint der bei Ciocodilus acutus 
beobachtete Zweig an den M. sternomaxillaris , und die Zweige an den M. hyoglossus und M. 
genioglossus ( Croeodihis biporcatus ) zu sein, welche letztere aus der kurz vor ihrer Abgabe statt- 
findenden erneuerten Verbindung mit dem Hypoglossus abzuleiten sind. 

4) Vom Zungenzweige des Glossopharyngeus. 
Nachdem in den vorhergehenden Abschnitten diejenigen Zweige des Glosso- 
pharyngeus abgehandelt wurden, welche als fremde Beimengungen anderer Nerven 
zu betrachten sein dürften, bleibt nur noch die Frage zu erledigen, welche 

21 * 



— 164 — 

peripherischen Endigungen seinen eigenen Wurzelfasern entsprechen. Diese 
Frage beantwortet sich leicht, wenn man die eintretenden Verstärkungszweige 
von anderen Nerven gegen die denselben entsprechenden austretenden Aeste in 
Rechnung bringt, — nach Abzug beider bleibt einerseits die Wurzel des Glosso- 
pharyngeus selbst nach, als deren Fortsetzung alsdann die auf der anderen 
Seite nachbleibenden Zweige zu betrachten sein werden. 

Den Verbindungsästen aus dem Facialis entspricht, wie oben pg. 142 und 144 ff 
schon theilweise angedeutet ist, und weiter unten noch näher auseinandergesetzt 
werden wird, der einfache oder doppelte Halsstamm des Sympathicus, vom 
Ganglion petrosum des Glossopharyngeus aus in der Regel beginnend. Den 
Verstärkungszweigen aus dem Vagus entspricht der Kehlkopfszweig (vgl. pg. 161), 
vielleicht auch die Schlundzweige (pg. 162), während die hin und wieder aus 
der Bahn des Glossopharyngeus ausgegebenen Muskelzweige vom Hypoglossus 
abzuleiten sind. Es bleibt demnach von austretenden Aesten nur der Zungen- 
zweig als derjenige Ast nach, der den Fasern des Glossopharyngeus selbst 
eigenthümlich ist. 

Ein eigentlicher R. lingualis des Glossopharyngeus wird bei allen denjenigen 
Formen vermisst, wo eine Verschmelzung des letzteren mit dem Hypoglossus 
stattfindet (Istiurus Amboinensis, Agama spinosa, Salvator Merianae, Chamaeleo 
vulgaris), — die Vermuthung liegt nahe, dass hier die Zungenfasern des Glosso- 
pharyngeus durch den Hypoglossus selbst bis zum Punkt ihrer Ausbreitung 
geführt werden. Bei den übrigen Sauriern ist derselbe vorhanden, gehört aber 
beständig zu den allerfeinsten und letzten Ausbreitungen des Stammes. Er wird 
beständig da abgegeben, wo der Glossopharyngeus in dem Winkel zwischen 
vorderen Zungenbeinhorn und Zungenbeinkörper in die Höhe tritt. Während 
hier der Kehlkopfszweig sich an den vordersten Theil der Luftröhre anlegt, um 
unter dem Kehlkopf die oben beschriebene Schlinge mit dem entsprechenden 
Zweige der anderen Seite zu bilden, tritt der andere Endzweig des Stammes 
als R. lingualis an den M. hyoglossus und verläuft in diesem, neben den End- 
zweigen des Hypoglossus, nach vorn bis zur Zunge. 



Fünfter Abschnitt. 

Vom Nervus Vagus. 

a. Von dem Ursprünge desselben. 

Der Vagus entspringt überall von der Seitenfläche des verlängerten Markes. 
In den meisten Fällen lassen sich seine Wurzeln (auf den Abbildungen mit 10 
bezeichnet) nur sehr schwer von denen des Accessorius Willisii unterscheiden. 



— 165 — 

Das erste, dem Vagus angehörige, Bündel liegt in der Regel der Grundfläche 
ziemlich nahe, eben hinter der Wurzel des Glossopharyngeus, während das letzte 
Wurzelbündel des Accessorius auf der Rückenfläche des verlängerten Markes 
selbst liegt, und bis hinter den ersten, bisweilen sogar bis hinter den zweiten 
Halsnerven hinabreicht. Zwischen diesen beiden äussersten Wurzeln liegt in 
schräger Linie eine Zahl von fünf bis acht Bündeln, dem Vagus und Accessorius 
gemeinschaftlich, wie es scheint, angehörig. Oft wird ausserdem das Urtheil 
über den Ursprung des Vagus noch durch eine oder zwei von der Grundfläche 
des verlängerten Markes entspringende Wurzelbündel erschwert, so dass von drei 
verschiedenen Parthien des verlängerten Markes, Nervenbündel zu einem Stamme 
zusammenstrahlen, nämlich I)von der Rückenseite; 2) von der Seitenfläche, 3) von 
der Grundfläche. Die dritte Parthie gehört, wie bald gezeigt werden wird, aus- 
schliesslich dem Hypoglossus an, dessen Ursprünge bisweilen mit denen des 
Vagus sich vereinen; die erste und ein Theil der zweiten sind, wie dies 
namentlich die Bildung von Salvator nigropunctatus deutlich macht, als Wurzeln 
des Accessorius zu betrachten, so dass nach Abzug dieser Beiden nur die ersten 
Wurzeln der zweiten Parthie als eigentliche Wurzeln des Vagus nachbleiben. 

Am freiesten zeigt sich der Ursprung des Vagus bei Salvator nigropunctatus (Taf. I, fig. I). 
Die feinen Wurzeln des Accessorius (II) sammeln sich zu einem dünnen Nervenstamm, der über 
(d. h. dem Rücken näher) der einfachen Wurzel des Vagus (10) durch dasselbe Loch austritt. 
Bei oberflächlicher Betrachtung scheinen beide nur einen, in der Richtung von vorn nach hinten 
schmalen, in der Richtung von unten nach oben breiten und platten Nervenstamm zu bilden. Bei 
vorsichtiger Behandlung sieht man jedoch , nachdem man die von unten her diesen Stamm be- 
deckende Wurzel des Hypoglossus (h') durchgeschnitten, und zur Seite gebogen hat, den Accessorius 
über dem Vagus nach aussen treten, und innerhalb des Kanals nur einen nicht unbeträchtlichen 
Verstärknngszweig an denselben abgeben. Eine Verbindung des Vagus mit Wurzeln des Hypo- 
glossus findet innerhalb des Schädels nicht statt, sondern die erste Hirnwurzel des letzteren (h'), 
läuft durch einen besonderen Kanal nach aussen, um ausserhalb erst mit dem Vagus sich zu vereinen. 

Bei Iguana tuherculata (Taf. II, fig. 3) scheint es unmöglich zu entscheiden, welche der 
fächerförmig in's Foramen lacerum zusammenstrahlenden Wurzeln dem Vagus, welche dem Acces- 
sorius angehören. Auch hier findet keine Verbindung der Vagus- (10) und Hypoglossus-Wurzeln 
(h' und h") statt, — ja letzterer bleibt auch ausserhalb des Schädels vollkommen frei. 

Ganz ähnlich verhält sich Lacerta ocellata (Taf. II, fig. 1), Platydactylus guttatus (Taf. III, 
fig. 3) und Istiurm Amboinensis (Taf. III, fig. 1). Ueberall ein fächerförmiges Zusammenstrahlen 
der Wurzeln des Accessorius und Vagus (10 und 11), überall vollkommene Freiheit des Hypo- 
glossus im Ursprung (h' und h") und Verlauf (h). 

Bei Varanus Bengalensis (Taf. II, fig. 2) zeigen die Wurzelverhältnisse dieser drei Nerven 
eine viel complicirtere Form, die sich aber leicht durch Vergleichung mit den eben beschriebenen 
deuten lässt. Eine breite Nervenwurzel von der Grundfläche (erste Hirnwurzel des Hypoglossus h'), 
ein starker Nervenstrang von der Seitenfläche dicht hinter dem Glossopharyngeus (Vagus), und 
endlich mehrere feine Wurzeln von der Rückenseite des verlängerten Markes entspringend (Acces- 
sorius), vereinen sich noch innerhalb des Schädels zu einem Stamme, der sich gleich ausserhalb 
desselben wieder in zwei Stämme, Vagus (v) und Hypoglossus (h) spaltet. 



— 166 — 

Bei Agama spinosa (Taf. III, fig. 2) ist der Vagns (10) mit der ersten Hirnwurzel des 
Hypoglossus (h') innerhalb des Schädels nicht verschmolzen, verbindet sich aber mit ihr gleich 
nach der Bildung seines Ganglion radicis (E). 

Was Chamaeleo vulgaris betrifft, so finde ich das von Ben dz (1.1. pg. 15) beschriebene Zu- 
sammenstrahlen sämmtjicher Wurzeln der hinteren Hirnnerven innerhalb des Schädels in einen 
gemeinschaftlichen Stamm, den Vogt (1.1. pg. 26) als ein bedeutendes Ganglion schildert, bei 
meinem Exemplare nicht bestätigt (vgl. Taf. II, fig. 4). Hier ist zunächst die Wurzel des Glosso- 
pharyngeus (9), wie schon oben gesagt, vollkommen frei, geht durch eine besondere Oeffhung aus 
dem Schädel und schwillt nach Aufnahme eines kurzen aber starken Verstärkungszweiges (1) aus 
dem Vagus zum Ganglion petrosum (D) an. (Ueber die Bildung des letzteren vgl. pag. 152). Als 
eigentliche Wurzeln des Vagus möchten zwei, von der Seitenfläche des verlängerten Markes etwas 
weiter nach hinten als die des Glossopharyngeus entspringende stärkere Wurzelbündel (10) anzu- 
sehen sein, die durch einen besonderen Kanal im Occipitale laterale austreten, und in demselben 
sich zu einem kurzen Stamm verbinden. Eben ausserhalb des Schädels vereinigt sich mit dem- 
selben die ebenfalls durch eine besondere Oeffhung ausgetretene Hirnwurzel (h') des Hypoglossus. 

Jenes, von Vogt für Chamaeleo beschriebene Verhältniss finde ich dagegen bei allen von 
mir untersuchten Krokodilen (Crocodilus biporcatus , Crocodilus acutus und Alligator punctulatus). 
Hier sammeln sich die Wurzeln sämmtlicher hinteren Hirnnerven in einem gemeinschaftlichen, dem 
Schädel dicht anliegenden grossen Ganglion, in welches ausserdem noch der oben beschriebene 
Verbindungsast vom Facialis einmündet. Von unten diese Wurzelverhältnisse untersuchend findet 
man bei Crocodilus biporcatus (Taf. III , fig. 5) sechs gesonderte Wurzeln in's Ganglion (D) ein- 
tretend: 1) Zwei Bündel von der Grundfläche des verlängerten Markes (h'), von unten her in die 
hintere grössere Hälfte des Ganglions einmündend, dem Hypoglossus angehörend; 2) vier Bündel in 
schräger Richtung von unten und vorn nach oben und hinten in den vorderen kleineren Theil des 
Ganglions eintretend, dem Vagus und Glossopharyngeus entsprechend (10); endlich tritt noch die 
aus sechs bis acht feinen Bündeln zusammengesetzte Wurzel des Accessorius hinzu, die nur von 
der Rückenseite aus sichtbar ist. *) 



b. Von dem Verhältniss des Vagus zu anderen Hirnnerven. 

Nur selten bleibt der Vagus in seinem ganzen Verlaufe vollständig frei 
(Euprepes Sebae, Lacerta ocellata). In der Regel findet früher oder später eine 
Verbindung mit dem Glossopharyngeus oder dem Hypoglossus, bisweilen auch 
mit beiden statt. 

Was zunächst die Verbindung mit dem Glossopharyngeus betrifft, so ist 
schon früher gesagt worden, dass eine vollständige Verschmelzung beider Nerven 
nur in dem einen Falle stattfindet, wenn überhaupt alle hinteren Hirnnerven sich 
zu einem gemeinschaftlichen Stamme vereinen. Dann theilt sich dieser letztere 
später in zwei Stämme, deren einer wiederum Glossopharyngeus und Hypoglossus 
zusammen, der andere Vagus und Halstheil des Sympathicus enthält. (Salvator 



*) Nach Vogt (1.1. pg. 33) ist die Wurzel des Glossopharyngeus frei, und tritt durch einen 
eigenen Kanal aus. Nach Bendz (I. 1. pg. 10) gebt sie bei Alligator lucius mit dem Vagus 
durch einen gemeinschaftlichen • Kanal ans dem Schädel, bleibt aber in ihrem ganzen Verlaufe 
frei, ein eignes Ganglion petrosum bildend. Unser grosses Kopfganglion scheint bei Alligator 
lucius nicht vorhanden zu sein. 



— 167 — 

Merianae, Taf III, fig. 4.) *) — In den meisten Fällen erfolgt die Verbindung 
von Vagus und Glossopharyngeus durch Zweige, die der erstere an den letzteren 
entsendet. Ueber diese Verstärkungszweige ist früher (pg. 153, 161, 162) aus- 
führlich gehandelt, und gezeigt worden, dass sie dem N. laryngeus superior, 
vielleicht auch den Schlundzweigen des Glossopharyngeus entsprechen. 

Mit dem Hypoglossus dagegen findet immer die erstere Art der Vereinigung 
statt. Nie wird diese durch Zweige bewirkt, die vom Vagus an den Hypo- 
glossus, oder von diesem an jenen entsandt werden, sondern wo eine Verbindung 
beider Nerven beobachtet wird, erfolgt diese immer nur dadurch, dass der vor- 
dere Stamm des Hypoglossus, aus einer oder auch beiden Hirnwurzeln desselben 
gebildet, sich auf eine Strecke mit dem Vagus vereint. Diese Verhältnisse 
werden bei der Darstellung des Hypoglossus ihre Erledigung finden. 

c. Vom Verhältniss des Vagus zum Sympathicus. 

Der Vagus ist in der Regel mit dem Halstheil des Sympathicus nur durch 
feine Nervenschlingen verbunden. Nur selten verschmelzen die von vorn her 
kommenden sympathischen Elemente gänzlich mit ihm, um später von seinem 
Stamme sich wieder zu trennen. In diesem Falle fehlen erklärlicher Weise alle 
Verbindungszweige. 

Völlige Vereinigung des Vagus mit dem Halstheil des Sympathicus findet sich bei Sahator 
nigropunctatus . Hier legen sich die aus dem R. palatinus nach hinten sich fortsetzenden Fasern 
des letzteren als R. communicans internus nervi palatini cum Glossopharyngeo (Taf. I, fig. 1, i, i) 
an das Ganglion petrosum von unten her dicht an, lassen sich aber unter diesem durch in den 
vereinigten Stamm von Vagus und Hypoglossus verfolgen (F). Dieser theilt sich bald darauf in 
zwei Stämme. Der stärkere (h) wendet sich nach aussen , und ist in seinem Verlaufe als Hypo- 
glossus zu erkennen. Der zweite (v s), etwas schwächer, verfolgt die Richtung nach hinten , und 
theilt sich bald nach seiner Trennung von jenem in zwei Zweige, den Halsstamm des Sympathicus, 
und den Vagus. Jeder der letzteren schwillt eben unter dem Brustgürtel zu einem starken ovalen 
Ganglion an. — Ganz ähnlich ist das Verhalten bei Salvator Merianae und nach Müllers Abbildung 
bei Ameiva teguixin. 

In den meisten Fällen scheint übrigens der Halstheil des Sympathicus nur durch feine Fäden 
mit dem Vagus in Verbindung zu stehen. Diese Fäden, oft in der Form eines Geflechtes erscheinend 
(Lacerta ocellata, Iguana tuber culata) , wurden wenigstens bei den grösseren Arten niemals vermisst. 

Nach Abgabe dieser Fäden verläuft der Vagus in der Regel ohne weitere 
Verbindung mit dem Sympathicus bis zur Bildung seines Ganglion trunci. Wohl 
aber findet sich, anscheinend beständig, eine starke von Vogt bei den Sauriern 
entdeckte Verbindungsschlinge zwischen diesem Ganglion und dem ersten oder 
zweiten Brustganglion des Sympathicus. Von dieser wird weiter unten die Rede 



*) Nach Müller (vergl. Neurologie der Myxinoiden, Taf. IV, fig. 3) verschmelzen auch bei 
Crotalus horridus sämmlliche hinteren Hirnnerven zu einem Stamm. 



— 168 — 

sein. Hier möge nur bemerkt werden, dass bei Varanus Bengalensis, wo das 
Ganglion trunci nervi Vagi weiter nach hinten liegt, als das Ganglion thoracicum 
primum, die aus dem letzteren austretenden Fäden nicht in das erwähnte Gan- 
glion, sondern in den benachbarten Stamm des Vagus sich einsenken, und dass 
dieser an der Stelle ihrer Einmündung schon eine vordere, ganz kleine An- 
schwellung zeigt. 

d. Vom Ganglion radicis nervi Vagi. 

(Auf den Abbildungen mit JE bezeichnet.) 

Ein dem Vagus selbst angehöriges Wurzelganglion kommt nicht allen Sau- 
riern zu, und auch da, wo ein solches als unzweifelhaft vorhanden von den 
Autoren angegeben wird, findet häufig eine Verschmelzung mit dem Glosso- 
pharyngeus oder mit dem sympathischen Halstheil statt, so dass diese An- 
schwellung auch als Ganglion petrosum oder als Ganglion cervicale supremum 
gedeutet werden kann. Nur wenige Fälle sind mir bekannt, wo unzweifelhaft 
ein Ganglion radicis eben ausserhalb der Schädelhöhle in der Bahn des Vagus 
vorkommt. 

Als vollkommen gleichförmiger Nervenstrang ohne Spur einer Verdickung erscheint der Vagus 
von seinem Ursprung innerhalb des Schädels bis zu seiner späteren Verzweigung bei Iguana tuber- 
culata und Platydactylus guttatus. Hier nimmt der Vagus nur die Accessorius -Wurzel auf, und 
nicht einmal eine Verdickung des ursprünglichen Stammes findet durch Aufnahme von Verstärkungs- 
zweigen statt. (Taf. H, fig. 3, v und Taf. III, fig. 3, v.) 

Bei Salvator nigropvnctatiis ist eher eine Täuschung möglich. Die einfache starke Wurzel des 
Vagus (Taf. I, fig. 1, 10) erhält innerhalb des Kanals einen Verstärkungszweig vom Accessorius, 
und nimmt, eben ausserhalb des Schädels, die durch einen besonderen Kanal austretende erste 
Hirnwurzel des Hypoglossus (h') auf. Bis hieher erscheint der Stamm gleichförmig dick. Etwas 
später, nach Abgabe zweier Verbindungszweige (I, 1) für das benachbarte Ganglion petrosum und 
eines Astes (u) für die Carotiden-Drüse zeigt sich freilich bei fast gleichzeitiger Aufnahme der 
Verstärkungszweige aus dem R. palatinus des Facialis (i) und der ferneren Elemente des Hypo- 
glossus (h" und k, der zweiten Hirnwurzel und dem ersten Halsnerven angehörig) eine beträcht- 
liche Verstärkung des Stammes (F), die aber nicht bedeutender ist, als dass sie nicht lediglich 
durch diese Verstärkungszweige erklärt würde. Der Stamm erscheint verstärkt, aber nicht 
ganglienartig angeschwollen. 

Selbst bei Sahätor Merianae (Taf. III, fig. 4) , wo die Wurzel des Vagus mit einem Theil 
des Hypoglossus aus dem Schädel hervortritt, und dann auch den Glossopharyngeus (9) aufnimmt, 
wo man also mindestens eine dem Ganglion petrosum entsprechende Anschwellung erwarten sollte, 
findet sich ein einfacher, durch die Aufnahme so vieler Elemente ansehnlich verdickter, aber 
keineswegs ganglienartig angeschwollener Stamm (F). 

Ebenso wenig finde ich ein Ganglion radicis bei Varanus Bengalensis (Taf. II, fig. 2). Die 
Wurzel des Vagus, diejenige des Accessorius, und die erste Hirnwurzel des Hypoglossus treten 
hier, wie oben bemerkt, schon innerhalb des Schädels zur Bildung eines gleichförmig dicken 
Stammes zusammen, der gleich ausserhalb des Foramen lacerum sich in die seinen Elementen 
entsprechenden Stämme theilt. 









— 169 — 

Bei Cliamaeleo vulgaris, wo von Vogt und Bendz ein deutliches Ganglion radicis angegeben 
wird, war auch ich zuerst in Zweifel. Bei sorgfältiger Behandlung der bei diesem Thier sehr 
feinen Nerven gelang es indessen, das dem Vagus sehr nahe anliegende Ganglion petrosum 
(Taf. II, fig. 4, D), mit welchem dieser durch Zellgewebe und einen sehr kurzen Verbindungszweig 
vereinigt ist, zu isoliren, worauf alsdann der vereinigte Stamm von Vagus und Hypoglossus gleich- 
förmig dick erschien. Wenn also bei den von jenen beiden Forschern untersuchten. Exemplaren 
ein Ganglion an der Austrittsstelle des Vagus sich fand, so ist diese Anschwellung leicht durch 
eine Verschmelzung des Ganglion petrosum mit dem letzteren erklärt, — zumal da beide Autoren 
den Stamm des Glossopharyngeus aus diesem Ganglion hervorgehen lassen, den ich bei meinem 
Exemplar aus dem getrennten Ganglion petrosum austreten sah. 

Bei Lacerta ocellata treten die fächerförmig zusammenstrahlenden Wurzeln des Vagus im 
Foramen lacerum zu einem Nerven zusammen , der sich auf den ersten Blick angeschwollen, oder 
vielmehr in der Richtung von unten nach oben verdickt darstellt. Diese Verdickung ist indessen 
so unbedeutend, dass es erst einer mikroskopischen Untersuchung an frischen Exemplaren be- 
dürfen wird, um die ganglienartige Natur dieser Anschwellung zu erweisen. 

Bei Ittiurus Amboinensis ist dagegen bestimmt ein grosses Ganglion radicis nervi Vagi 
(Taf. III, fig. 1, E) gleich nach dem Austritt des letzteren aus der Schädelhöhle vorhanden. Aus 
demselben geht nach hinten und aussen der feine R. externus Accessorii (y), nach innen und 
hinten der starke Stamm des Vagus (v) hervor. 

Ebenso ist auch bei Ayama spinosa ein sehr deutliches ovales Ganglion radicis vorhanden, 
aus welchem hier jedoch nur der gleich darauf mit der ersten Hirnwurzel des Hypoglossus ver- 
schmelzende Stamm des Vagus hervorgeht (Taf. III, fig. 2, D). *) 

Dass bei den Krokodilen {Crocodilus biporcatus , Crocodilus acutus und Alligator punclulatus) 
ein grosses Ganglion hart am Schädel vorhanden sei, in welches Glossopharyngeus, A'agus, Acces- 
sorius und Hypoglossus eintreten , und welches ausserdem noch den Kopftheil des Sympathicus 
aufnimmt, ist oben erwähnt. Dies Ganglion kann demnach als aus drei verschmolzenen Ganglien 
(Ganglion petrosum, Ganglion cervicale supremum und Ganglion radicis nervi Vagi) gebildet an- 
gesehen werden, um so mehr, als bei Alligator lucius nach Bendz in derThat diese drei Ganglien 
getrennt vorhanden sind. 

e. Vom Ganglion trunci nervi Vagi. 

Das von Vogt und Bendz gleichzeitig entdeckte Ganglion trunci nervi 
Vagi, das der letztere auch bei den Schlangen, Schildkröten (Testudo) und 



*) Von anderen Autoren erwähnt Vogl (1.1. pg. 15) keiu Ganglion radicis bei Monitor JSiloticus, 
ebenso wenig bei dem Varanus vom Senegal. — Von Ameiva teguixin bildet Müller (1. 1. 
Taf. IV, fig. 5) kein Ganglion radicis nervi Vagi ab. — Bei Amphisbaena alba ist Bendz 
(1. 1. pg. 17) über das Dasein eines Ganglion radicis in Zweifel. Vagus und Glossopharyugeus 
geben hier durch eine gemeinschaftliche OefTnuug aus dem Schädel, uud letzterer besitzt eiu 
deutliches Ganglion petrosum. — Auch Vogt (1. 1. pg. 30) beschreibt keiu Ganglion radicis 
nervi Vagi bei Ampldsbaena. Bei Lacerta agilis erwähnt Beudz (1. 1. pg. 13) desselben 
dagegen als unzweifelhaft vorhanden. — Unter den Sclilangen findet es sich nach Bendz bei 
Tropidonotus natrix (1. 1. pg. 19). Von Python tigris uud Crotalus Iiorridus bat Müller (1.1.) 
keiu Ganglion radicis nervi Vagi abgebildet. Die Vereinigung der hintereu Hirnuerven der 
letztgenannten Art schildert Vogt (1. 1. pg. 44) als ein grosses Ganglion, das in ähnlicher Form 
auch bei Naja Haje vorhanden sein soll (1. 1. pg. 47). Derselbe Forscher erwähnt dagegen 
keines Ganglions bei Coluber siculus (pg. 49) und Viperaprester. Bei beiden sind die hinteren 
Hirnnerven zu einem gemeinschaftlichen Stamm vereint. — Von den Schildkröten giebt Bendz 
(1. 1. pg. 6) bei Chelonia Mydas und bei Testudo (pg. 9) ein grosses Ganglion radicis nervi 
Vagi an. — Desselben erwähnt Boianus (fig. 107, X) bei Emys Europaea. 

22 



- 170 — 

Krokodilen auffand, ist insbesondere von Bendz sowohl seiner Lage und Form 
nach, als in Bezug auf die aus demselben hervorgehenden Zweige so gründlich 
geschildert*), dass eine weitere Erörterung vollkommen überflüssig erscheint. 
Ich habe dasselbe von ansehnlicher Grösse bei allen untersuchten Sauriern und 
Krokodilen im Stamme des Vagus bei dessen Eintritt in die Brusthöhle, in 
der Nähe des Herzens, gefunden. Es ist oval, platt und meist von röthlicher 
Farbe; in der Regel steht es durch einen starken Zweig mit dem ersten ßrust- 
ganglion des Sympathicus in Verbindung. Vor Bildung desselben gehen nur 
selten aus dem den Hals hinablaufenden Stamme des Vagus Zweige aus. Von 
diesen wird später gehandelt werden. 

f. Von den Aesten des Vagus. 

1) Vom N. laryngopharyngeus. 

Von allen Zweigen des Vagus zeigen die den Kehlkopf und den Schlund 
versorgenden Aeste die grösste Neigung, sich von den übrigen Elementen des- 
selben früh zu isoliren, — ohne Zweifel aus dem Grunde, weil sie Organe zu 
versorgen haben, die ziemlich weit nach vorn liegen, während der eigentliche 
Verbreitungsbezirk der übrigen Theile des Vagus erst von der Brusthöhle an 
beginnt. So ist schon oben (pg. '6' ff) ausführlich bewiesen worden, dass der 
R. laryngeus superior (der indessen, wie oben gesagt, zugleich auch meistens 
die Schlundfäden enthält, und deshalb eigentlich nach Bendz Vorgange als 
N. laryngopharyngeus aufgefasst werden muss) häufig in der Form eines Ver- 
stärkungsastes aus der Bahn des Vagus schon sehr früh in diejenige des Glosso- 
pharyngeus übertritt, um aus dem letzteren wieder in der Form eines seiner 
Aeste auszutreten, — und auch dieses Anlehnen an den Geschmacksnerven 
erklärt sich auf leichte Art aus dem Umstände, dass gerade dieser beständig 
an den von jenen Elementen versorgten Organen (Kehlkopf und Schlund) vor- 
bei läuft. ""'*) 

Nur selten hält dieser Kehlkopf-Schlund -Nerv noch etwas länger mit den 
übrigen Fasern des Vagus zusammen, erst jenseits des Ganglion trunci aus- 
tretend, — eine Form, die nur bei Euprepes Sebae und Lacerta ocellata beob- 
achtet wurde, und die sich vielleicht daraus erklärt, dass diese Eidechsen einen 
verhältnissmässig kurzen Hals haben, mithin der Umweg in die Brusthöhle hinab 
und dann wieder zurück an Kehlkopf und Schlund bei ihnen nicht so gross ist, 
wie bei den übrigen Sauriern. Ebenso selten aber (nur bei den Krokodilen und 



*) Bidrag eic. pg. 31. 
**) An ähnliche Verhältnisse bei den übrigen Ordnungen der Reptilien und bei den Vögeln ist 
oben (pg. 161 Anm.) erinnert. Bei den letzteren erklärt sich aus der Länge ihres Halses leicbl 
bei diesem Nerven die Vermeidung des grossen Umweges durch die Brusthöhle. 



— 171 — 

nach Ben dz bei den Schildkröten) erscheint der N. laryngopharyngeus als ein 
gleich vom Anfange an selbstständiger Nerv, enthält aber in diesem Falle auch 
noch diejenigen Fasern des Vagus, wodurch die am Halse selbst liegenden 
Eingeweide (Luftröhre und Speiseröhre) versorgt werden. 

Bei Lacerta ocellata geht der R. laryngopharyngeus aus dem Ganglion trunci hervor, wendet 
sich sogleich Bach innen und unten, dann, der Haut des Schlundes dicht anliegend, und ihr feine 
Zweige gebend, nach vorn, um sich dicht hinter dem Kehlkopf an die Trachea anzulegen, und 
communicirt hier sowohl nach aussen durch feine Verbindungszweige mit dem Glossopharyngeus, 
als nach innen mit dem längs der Luftröhre heraufsteigenden R. recurrens nervi Vagi. Einige 
Zweige desselben endigen hier in der Haut des Schlundes, ein anderer verbindet sich mit einem 
Endzweige des R. recurrens, und bildet unter dem Kehlkopf die starke oben ausführlich erörterte 
Schlinge mit dem entsprechenden Nerven der anderen Seite. Die aus dieser Schlinge an beiden 
Seiten hervorgehenden Endzweige dringen in die Muskeln des Kehlkopfes ein. 

Ganz ähnlich bei Euprepes Sebae. Auch hier entspringt unser Nerv aus dem Ganglion trunci 
nervi Vagi, schlägt sich um den Aortenbogen herum nach innen und vorn, hinter dem hinteren 
Zungenbeinhorn seinen Weg, dem Schlünde dicht anliegend, verfolgend. Am vierten Ringe der 
Luftröhre tritt er an diese heran, nimmt den von hinten längs derselben heraufsteigenden R. 
recurrens vollständig auf, und schickt dicht hinter dem Kehlkopf zwei starke Schlingen nach der 
anderen Seite hinüber. Sein letztes Ende dringt auch hier in die Muskeln des Kehlkopfes ein. 

Die eben berührte Form des N. laryngopharyngeus bei den Krokodilen als selbstständig aus 
dem gemeinschaftlichen Ganglion der hinteren Hirnnerven entspringenden Nerven (von Ben dz 
1. I. pg. II zuerst beschrieben) ward oben (pg. 160 dieser Schrift) ausführlich besprochen. Der 
vordere Ast desselben, durch Zweige des Glossopharyngeus verstärkt (Taf. III, fig. 5, ls), giebt 
sich als R. Iaryngens superior zu erkennen, und ist durch die oben berührte Bildung seiner starken 
Schlingen nach der anderen Seite ausgezeichnet. Der hintere Ast (ld, R. descendens) breitet sich 
bis tief unter den Brustgürtel mit zahlreichen Fäden geflechtartig auf der Speiseröhre aus, und 
entlässt nach einander mehrere längs der Trachea heraufsteigende Rami recurrentes. *) 

2) Vom Ramus recurrens nervi Vagi. 
Bei allen Sauriern finden sich Nervenzweige des Vagus, die von hinten 
her an der äusseren Seite der Luftröhre bis zum Kehlkopf heraufsteigen, und 
sich mit dem R. recurrens der Säugethiere und Vögel vergleichen lassen. Ihr 
Ursprung ist verschieden: bald gehen sie jenseits, bald diesseits des Ganglion 
trunci aus dem Vagus hervor, meist entspringen sie aus dem Stamme des letzteren 
selbst (Saurier) , bisweilen aber aus dem vom Stamme des Vagus losgetrennten 
N. laryngopharyngeus (Krokodile). Auch ihre Zahl ist schwankend, — statt 
des in der Regel einfachen R. recurrens kommen deren bei einzelnen Formen 



*) Von ganz ähnlicher Form, wie bei den Krokodilen ist nach Ben dz der N. laryngopharyngeus 
bei den Schildkröten (Chelonia Ml/das, Testudo). Er entspringt hier aus dem Ganglion radicis 
nervi Vagi, und iheilt sich in einen vorderen und hinteren Zweig. Jener breitet sich am 
Kehlkopf und Schluud , dieser an Speiseröhre und Luftröhre aus. Einer Schlingenbildung 
unter dem Kehlkopf mit dem entsprechenden Nerven der anderen Seile wird nicht erwähnt; 
ausserdem wird noch ein besonderer R. recurrens beschrieben (1. 1. pg. 7 und pg. 9). 

22 * 



— 172 — 

zwei, auch drei vor, die nach einander aus dem Vagus entspringen, und nach 
einander an die Aussenseite der Luftröhre sich anlegen. In diesem Falle nimmt 
jedesmal der nächst vordere Nerv da, wo er an die Trachea herantritt, das Ende 
des nächst vorhergehenden auf. — Immer aber treten die letzten Endzweige 
dieser Nerven in eine innige Verbindung mit dem R. laryngeus snperior. (Ueber 
letzteren Punkt vgl. pg. 159, 160 dieser Schrift.) Letzterer entsendet die Zweige für 
die Muskeln, während der K. recurrens ausschliesslich für die Schleimhäute des 
Kehlkopfes bestimmt zu sein scheint. 

Jenseits des Ganglion trunci entspringt der R. recurrens bei Lacerta ocellata, Euprepes Sebae, 
Salvator Merianae , Iguana tuberculata und Istiurus Amboinensis.*) Bei Lacerta ocellata und 
Euprepes Sebae ist der R. recurrens ein einfacher Nerv. Bei Salvator Merianae theilt er sich 
gleich nach seinem Ursprung in zwei feinere Nerven , die getrennt an das hintere Ende der Luft- 
röhre herantreten, hier wieder zu einem Nerven verschmelzen, und nun als einfacher Nervenstamm 
nach vorn verlaufen. 

Diese Andeutung einer Theilung des R. recurrens in zwei Nerven von gleicher Stärke ist 
völlig ausgeführt bei Iguana tuberculata und Istiurus Amboinensis. Bei beiden findet man zwei, 
ebenfalls erst jenseits des Ganglions nach einander aus dem Hauptstamm des Vagus entspringende 
feine Nervenzweige, von denen der hintere sich an das hintere Ende der Luftröhre anlegt, und an 
deren Aussenfläche dicht anliegend nach vorn verläuft. Wo dieser hintere R. recurrens am Anfang 
des letzten Dritttheils der Luftröhre fein endigt, tritt der vordere der beiden -genannten Nerven an 
die Luftröhre heran, nimmt das letzte feine Ende des ersten auf, und setzt nun dessen Weg längs 
der äusseren Seite der ganzen Luftröhre bis zum Kehlkopf fort, nm sich in der gewöhnlichen 
Weise mit dem N. laryngeus superior zu verbinden. 

Bei Varanus Bengalensis tritt der R. recurrens nicht jenseits des Ganglion trunci, sondern 
diesseits desselben aus dem Stamm des Vagus hervor. Es muss hier jedoch an unsere oben an- 
geführte Beobachtung (pg. 168) erinnert werdeu, dass der Vagus bei Varanus Bengalensis noch 
vor seinem eigentlichen Ganglion trunci und vor Entsendung des R. recurrens schon eine erste, 
freilich äusserst schwache, Anschwellung in seinem Stamm an einem Punkte zeigt, wo mehrere 
feine Fäden aus dem grossen ersten Brustganglion des Sympathicus in denselben übertreten.**) 

Dass bei den Krokodilen die für die Luftröhre und Speiseröhre bestimmten Fäden aus dem 
Ram. descendens des N. laryngopharyngeus austreten, ist oben (pg. 160) erwähnt. Dieser R. 
descendens läuft bei den drei von mir untersuchten Arten als starker Nervenstamm unter der 
Speiseröhre und parallel mit der Trachea, aber von der letzteren einige Linien entfernt, nach 
hinten bis unter den Brustgürtel, beständig feine nnd stärkere Fäden aussendend, die sich ge- 
flechtartig an der ganzen Speiseröhre ausbreiten. Bei Crocodilus acutus entsendet dieser hintere 
Ast da, wo er unter die Speiseröhre tritt, um nach hinten zu verlaufen, ein Bündel stärkerer Fäden 
nach innen, von denen die meisten am Schlünde sich ausbreiten, einer jedoch, der unter rechtem 
Winkel von ihnen abgeht, nach innen senkrecht auf die Luftröhre zuläuft. An dem zwölften Ringe 
der letzteren legt dieser sich an dieselbe an, nimmt das letzte Ende des zweiten R. recurrens 



*) Dies Verhallen wird auch für Lacerta agilis und Chamaeleo von Bendz beschrieben. 
**) Auch bei Amphisbaena alba beschreibt Bendz (l. 1. pg. 18) keinen jenseits des Ganglion tmuci 
entsprungenen R. recurrens. Nach diesem Forscher giebt dagegen der Vagus schon viel früher 
einen Nerven ab, der längs der Luftröhre nach vorn lauft, und wohl dem R. recurrens analog 
sein dürfte. 



— 173 — 

auf, und läuft nun, wieder nach vorn umbiegend, an der äusseren Seite der Luftröhre bis zum 
Kehlkopfe zurück, um hier mit dem N. laryngeus superior gerade da zu verschmelzen , wo dieser 
seine Schlinge mit dem entsprechenden Nerven der anderen Seite bildet. — Nach Abgabe des 
ersten R. recurrens läuft der R. descendens Nervi laryngopharyngei in der erst angegebenen Weise 
nach hinten, viele Fäden an die Speiseröhre entsendend, um kurz vor seinem Eintritt in die Brust 
einen zweiten R. recurrens abzugeben, der, wie der erste, senkrecht an die Trachea herantritt, 
an deren achtundvierzigsten bis fünfzigsten Ringe sich hart an sie anlegt, und nun an der 
äusseren Seite der Luftröhre ebenfalls zurückläuft. Auf diesem Wege wird der N§rv merklich 
feiner, — sein letztes Ende wird von dem ersten R. recurrens aufgenommen. 

Aehnlich ist das Verhältniss bei Alligator punctulatus. Hier entlässt der R. descendens 
N. laryngopharyngei mehrere Nerven, die am zwanzigsten, sechsundzwanzigsten und vierund- 
dreissigsten Ringe der Luftröhre senkrecht an dieselbe herantreten, und längs ihrer äusseren 
Fläche nach vorn zurücklaufen. Auch hier konnte ich den nach Ben dz (I. I. pg. 12) bei Alligator 
lucitis aus dem Ganglion trunci entspringenden R. recurrens nicht auffinden. *) 

3) Von den Zweigen an die Speiseröhre. 
Nach dem R. recurrens sind dies diejenigen Aeste, die zuerst nach der 
Bildung des Ganglion trunci aus dem Stamm des Vagus hervor zu gehen pflegen. 
Nur in seltenen Fällen wiederholen sie den ausnahmsweise stattfindenden Ursprung 
des R. recurrens diesseits des Ganglions; eben so selten sind sie schon vom 
Ursprung des Vagus an von diesem getrennt, und in einem besonders verlaufenden 
N. laryngopharyngeus enthalten. Sie verbreiten sich an der Speiseröhre, und 
lassen sich nach hinten bis zum Magjen, nach vorn häufig bis zum Schlünde 
verfolgen. 

Bei Varanus Bengalensis gehen ausser dem R. recurrens noch zwei Nerven für die Speiseröhre 
aus dem Stamm des Vagus ab, bevor dieser unter den Brustgürtel tritt, um sein Ganglion trunci 
zu bilden. Der Stamm bildet schon vor ihrer Abgabe, wie erst erwähnt, nach Aufnahme feiner 
Fäden aus dem Sympathicus ein ganz kleines vorderes Ganglion. — Bei den Krokodilen treten 
die Speiseröhrenzweige in der erst beschriebenen Weise aus dem R. descendens des N. laryngo- 
pharyngeus aus. 

4) Von den Zweigen an das Herz, die Lungen und den Magen. 
Die für diese Organe bestimmten Zweige gehen beständig bei allen Eidechsen 

und Krokodilen erst nach der Bildung des Ganglion trunci aus dem Vagus 



*) Unter den Schlangen scheint bei Tropidonotus natrix (nach Ben dz pg. 19) eiu doppelter 
R. recurrens vorhanden zu sein. Der biutere entspringt aus dem Ganglion trunci, und verbindet 
sich auf seinem Wege längs der Carotis mit einem schon früher aus dem Stamm des Vagus ausge- 
tretenen Nerven (dem vorderen R. recurrens?). — In den Beschreibungen, die Vogt von 
Python tigris, Crotahis horridus, Naja Haje, Cohtber Sicillns und Vipera prester gegeben, wird 
der R. recurrens gänzlich vermisst. — Von den Schildkröten wird von Boianus (fig. 107) in 
der Brusthöhle kein eigentliches Ganglion trunci angeführt, wohl aber giebt der Vagus zahlreiche 
Fäden ab, die mit Zweigen des Sympathicus ein Geflecht um den linken Aortenbogen bilden. 
Milien zwischen diesen Fäden geht der R. recurrens ab , der nach Abgabe kleiner Zweige an 
die Speiseröhre die Luftröhre in ihrer ganzen Länge mit Fäden versorgt. — Bei Testudo geht 
nach Ben dz (1. 1. pg. 9) der R. recurrens jenseits des Ganglion trunci ab, als einfacher Nerv 
längs der Luftröhre zurücklaufend. 



— 174 — 

hervor. Ihre Zahl ist so schwankend, ihre Form bei den verschiedenen Arten 
so wechselnd, dass eine ausführliche Schilderung ihrer Verhältnisse den Raum 
dieser Abhandlung bei Weitem überschreiten würde. Nur das möge hier bemerkt 
werden, dass die Zweige an's Herz gewöhnlich die ersten sind, die auf die 
Absendung des R. recurrens folgen, ja dass sie häufig mit diesem zugleich als 
ein gemeinschaftlicher feiner Nervenstamm entsendet werden, der sich erst bei 
der Krümmung um den Aortenbogen in diese beiden verschiedenen Elemente 
theilt. — Eine geflechtartige Verbindung dieser letzten Endzweige des Vagus 
mit Fäden des Sympathicus ward nicht beobachtet, wohl aber steht, wie oben 
erwähnt, das Ganglion trunci, aus dem der sie entsendende Stamm entspringt, 
durch eine starke Schlinge mit dem ersten Brustganglion des Sympathicus in 
Verbindung. 

Sechster Abschnitt. 

Vom Nervus accessorius Willisii. 

Bei allen Sauriern und Krokodilen haben die Wurzeln des Accessorius die 
Form, die von Bisch off für einige von ihnen nachgewiesen ist. Fünf bis neun 
feine Wurzelbündel, meistens nach hinten an Stärke zunehmend, entspringen in 
einer schrägen Linie, die von der Ursprungsstelle des Vagus an der Seitenfläche 
des verlängerten Markes beginnend, sich nach hinten und oben zur Rückenfläche 
desselben bis hinter den zweiten Halsnerven erstreckt. Das letzte, am weitesten 
nach hinten reichende Wurzelbündel erscheint zugleich als das äusserste, und 
wird auf seinem Wege, anscheinend immer, durch neue aus der Markmasse 
austretende zarte Nervenbündel verstärkt. 

Alle diese Wurzelbündel sammeln sich in der Gegend des Foramen lacerum 
zu einem feinen Stamm, der in der Regel mit dem Nervus Vagus verschmilzt, 
sehr selten (Salvator nigropunctatus und Salvator Merianae) als getrennter Nerv 
neben dem Vagus durch die gemeinschaftliche SchädelöfFnung austritt. *) 

Die einzelnen Bündel der Nerven haften bei den Reptilien viel dichter an 
einander, und lassen sich viel schwieriger isoliren, als bei den Säugethieren, — 
dies der Grund, weshalb sich bei den Sauriern nicht nachweisen lässt, einen 
wie grossen Antheil der Accessorius an der Bildung der Schlundzweige des 
Kehlkopfastes und des R. recurrens des Vagus hat. Dass indessen wirklich 
Fasern des Accessorius in die übrigen Parthieen des Vagus übergehen, lässt 



*) Nach Bisch off (N. accessorii Anal. Darmst. 1832, pg. 46) findet sich dies Verha'lluiss auch 
bei Amphisbaena alba, nach Ben dz ( 1. 1. pg. 6) bei Chelonia Mydas. — Boiauus 1. 1. 
fig. 108, v, | bildete dasselbe schon früher ab bei Emys Europaea. 






— 175 — 

sich mit Bestimmtheit aus der Bildung von Salvator nigropunctatus erweisen ), 
wo der Accessorius der Wurzel des Vagus innerhalb des sie beide umschliessen- 
den Knocbenkanals einen kurzen Verstärkungszweig, als R. internus, giebt. 

Nur die peripherische Ausbreitung derjenigen Fasern des Accessorius lässt 
sich mit Sicherheit ermitteln, die in dem R. externus, wenn er vorhanden ist, 
enthalten sind. 

In der That scheint ein solcher R. externus nicht überall vorhanden zu sein. 
Ich habe denselben bei einem hinreichend grossen Exemplar von Chamaeleo 
vulgaris und bei Agama spinosa nicht rinden können **). Mit Bestimmtheit habe 
ich ihn beobachtet bei Lacerta ocellata, Euprepes Sebae, Salvator nigropunctatus, 
Salvator Merianae, Istiurus Amboinensis, Platydactylus gut latus, Varanus Niloticus, 
Varanus Bengalensis und Iguana tuberculafa. Bei den Krokodilen sind ebenfalls 
Nerven vorhanden, die dem R. externus Accessorii entsprechen, — ihr Verhälrniss 
ist indessen schwieriger zu ermitteln, theils wegen der abweichenden Anordnung 
des Schultergerüstes, theils wegen des abnormen Ursprungs dieser Nerven nicht 
vom Stamm des Vagus, sondern aus dem gemeinschaftlichen Ganglion der hin- 
teren Hirnnerven, aus dem noch ein anderer Muskelnerv, der Hypoglossus, 
hervorgeht. 

Immer verbreitet sich dieser R. externus an solchen Muskeln, die sich vom 
Schädel und den Dornfortsätzen der Halswirbel an den vorderen Rand der eigent- 
lichen Scapula (nicht der Cartilago suprascapularis) erstrecken, und die man 
dem M. cucullaris' und dem M. omomastoideus zu vergleichen genöthigt ist. 
Eine Verzweigung an eigentlichen Nackenmuskeln, d. h. an solchen, die sich 
vom Schädel an den ersten Theil der Wirbelsäule erstrecken, wie Bischoff 
(Musculi cervicis) und Vogt überall angeben, habe ich niemals beobachtet. Diese 
Muskeln erhalten vielmehr beständig vom ersten und zweiten Halsnerven ihre 
Zweige ***). Eine Verwechselung des eigentlichen Accessoriuszweiges mit Aesten 



*) Auch bei Chelonia Mydas sind die getrennt neben einander durch dieselbe OefFnung aus- 
tretenden Nerven durch einen kurzen Zweig mit einander verknüpft (Ben dz 1. 1. pg. 6). 
**) Bisch off (1. 1. pg. 46) die Accessorius-Wurzel von Iguana beschreibend, erwähnt keines B. 
externus , den derselbe Forscher dagegen von Lacerta ocellata ( wo auch ich ihn gefunden ; 
Vogt leugnet ihn hier mit Uurecht) und Amphisbaena alba mit Bestimmtheit beschreibt. — 
Von Monitor Niloticus und einem Varanus vom Senegal führt Vogt einen dem K. externus 
Accessorii entsprechenden Nervenast an, der sich indessen in den Nackenmuskelu (?) verzweigen soll. 
***) Der M. cucullaris ist besonders stark bei den dickhalsigen Gattungen Euprepes (Sebae) und 
Lacerta (ocellata) , findet sich aber auch bei den übrigen Sauriern, vielleicht mit alleiniger 
Ausnahme der Chamaeleons und der Krokodile, wo ohnehin das Schultergerüst bekanntlich 
durch den Mangel einer Clavicula und einer Cartilago suprascapularis eine abweichende Anordnung 
zeigt. Der M. mylohyoideus setzt sich häufig noch eine Strecke am Hals fort als M. lougissimus 
colli (Boianus), indem seine in der unteren Mittellinie mit denjenigen der anderen Seile 
zusammenslossenden Fasern quer um den Hals nach oben gehen, und sich mit einer sehr feinen 
Sehne an den Dornfortsätzen der Halswirbel befestigen. Schlägt man diesen Muskel, der seine 
Nerven theils vom Facialis, theils vom dritten und vierten Halsuerven bekommt, von oben nach 



— 176 






dieser Halsnerven mag freilich wohl wegen der benachbarten Lage derselben 
oft stattgefunden haben. — Auffallend ist übrigens eine deutliche Schlinge, 
welche, vielleicht beständig, die letzte, später nach innen wieder einbiegende 
Endigung dieses R. externus mit einem Aste des dritten Halsnerven bildet. — 
Da, wie erst bemerkt, nicht immer der Accessorius mit dem Vagus ver- 
schmilzt, so findet natürlich auch in Bezug auf den Ursprung des R. externus 
ein doppeltes Verhältniss statt. Entweder derselbe entspringt aus dem freien, 
mit dem Vagus nicht verschmolzenen, Accessorius selbst, oder er tritt als Ast 
des herumschweifenden Nerven auf. 

Ersteres Verhältniss findet sich am deutlichsten bei Salvalor nigropunciatus. Nachdem 
nämlich, wie oben erwähnt, die fächerförmig zusammenstrahlenden, nach hinten stärker 
werdenden Elemente des Accessorius sich über der ersten Hirnwurzel des Hypoglossus (Taf. I, 
fig. I , h') zu einem besonderen Strang vereint und im Foramen lacerum, das ihm und 
dem Vagus gemeinschaftlich ist, dem letzteren einen feinen Verbindungszweig gegeben, tritt 
derselbe über alle hinteren Hirnnerven fort nach hinten und aussen, und legt sich, an Stärke 
dem dritten Theile des späteren Vagus gleich, an den M. cucullaris an, giebt demselben sogleich 
einen feinen Zweig, und läuft an der Innenseite dieses Muskels in einer zu dessen Fasern 
senkrechten Richtung nach hinten. Unter dem diesen Muskel nach aussen hin durchbohrenden 
dritten Halsnerven tritt der R. externus Accessorii durch, verschmilzt mit einem nicht unbe- 
trächtlichen Ast dieses Nerven, und dringt nun zwischen die Muskelbündel des Cucullaris ein, um 
sich in ihnen auszubreiten. 

Dieselbe völlige Freiheit vom Vagus zeigt der R. externus des Accessorius bei Sahator 
Merianae. Auch hier breitet derselbe sich im M. cucullaris aus, gemeinschaftlich mit einem Aste 
des dritten Halsnerven. 

Das zweite Verhältniss, nämlich völlige Verschmelzung des Accessorius mit dem Vagus, 
von welchem sein R. externus später als besonderer Ast ausgegeben wird, findet sich bei Istiurus 
Amboinensis , Lacerta ocellata, Platydactylus guttatus, Euprepes Sebae, Iguana tuberculata, Varanus 
Niloticus und Varanus Benyalensis. 

Bei Istiurus Amboinensis entspringt der R. externus erst aus dem hier sehr deutlich vor- 
handenen Ganglion radicis nervi Vagi (Taf. III, fig. 1, E). Aus diesem gehen zwei Nerven hervor, 
der eigentliche Stamm des Vagus (v), und der feine Muskelast des Accessorius (y). Letzterer 
läuft mit dem ersteren eine Strecke parallel nach hinten, aber während dieser innerhalb des Hypo- 
glossus (h) durchtritt, legt sich unser Nerv an die Innenseite des M. omomastoideus an, um eine 
Strecke parallel mit dessen Fasern schräg nach hinten und abwärts zu verlaufen, und demselben 
bald nach einander zwei deutliche Zweige zu geben. Bald darauf biegt der Nerv wieder nach 






innen vollständig zurück, so sieht man darunter den M. cucullaris liegen. Dieser entspringt bei 
Lacerta ocellata, wo er am stärksten entwickelt ist, vom Processus mastoldeus und von den 
Dorniorlsätzen sämmtlicher Hals- und der ersten Rückenwirbel bis hinter deu Schultergürlel, 
und gebt mit nach unten convergirenden Fasern an den vorderen Kaud des knöchernen Schulter- 
blattes, wo er sich befestigt. — Die vordere Partbie dieses Muskels kommt auch isolirt und 
durch einen kleinen Zwischenraum von der hinteren getrennt ( Istiurus Amboinensis ) , zuweilen 
auch ganz allein ohne die hinlere Parlhie vor ( Chamaeleo und Krokodile), und möchte dem 
M. omomastoideus zu vergleichen sein. Die -vordere Parthie bekommt ausschliesslich ihren 
Nerven vom Accessorius, die hintere wird ausserdem noch meist von dem, durch dieselbe 
nach aussen hindurch tretenden, dritten Halsnerven versorgt. 






— 177 - 

innen und oben um, tritt dicht an den dritten Halsnerven heran (15) und verschmilzt mit einem 
Aste desselben zu einer feinen, aber vollkommen deutlichen Schlinge. 

Auch bei Lacerta ocellata entsteht der R. externus als Zweig des Vagus, und wird von dem 
letzteren erst abgegeben, nachdem derselbe schon mehrere Verbindungsfäden für den Halstheil 
des Sympathicus abgegeben hat. Er ist hier, entsprechend der Entwickelung des M. cucullaris, 
in dem er sich von innen her verbreitet, sehr stark. 

Bei Iguana tuberculata entspringt der R. externus (Taf. II, fig. 3, y) Accessorii gerade da 
aus dem Stamme des Vagus, wo dieser seinen Verstärkungsast an den Glossopharyngeus (1) 
abgiebt. Er ist im Verhältniss zur Grösse dieser Eidechse sehr schwach, und wird von dem 
genannten Verstärkungsaste an den Glossopharyngeus um das Dreifache an Stärke übertreffen. 
Gleich nach seinem Ursprünge wendet er sich nach aussen und hinten, legt sich, wie gewöhnlich, 
an den vorderen Rand des M. cucullaris so an, dass er in einer zu den Fasern desselben senk- 
rechten Richtung innerhalb dieses Muskels nach hinten verläuft. Nachdem er namentlich der 
vorderen dem Omomastoideus entsprechenden Parthie desselben mehrere Zweige gegeben, biegt 
sein letztes Ende in der Gegend des diesen Muskel durchbohrenden dritten Halsnerven an den letz- 
teren heran, und verschmilzt völlig mit einem Zweige desselben zu einer deutlichen Schlinge. 

Der R. externus von Euprepes Sebae erinnert durch seine bedeutende Stärke, die der be- 
trächtlichen Entwickelung des M. cucullaris entspricht, an Lacerta ocellata. Er wird schon vom 
Stamme des Vagus ausgegeben, nachdem dieser eben den Schädel verlassen, läuft schräg nach 
hinten und aussen unter dem M. cucullaris, dessen Fasern er kreuzt, nach hinten, und breitet sich 
in demselben aus. 

Bei Platydactylus guttatus tritt, wie beim Leguan, der R. externus Accessorii gerade da aus 
dem Stamme des Vagus als äusserst feiner Nerv ab (Taf. III, fig. 3, y), wo dieser seinen Verstär- 
kungszweig zum Glossopharyngeus entsendet. Ausser der gewöhnlichen Ausbreitung an der Innen- 
fläche des M. cucullaris ward auch hier eine deutliche Schlinge mit einem Zweige des dritten 
Halsnerven beobachtet. 

Bei Varanus Niloticus tritt unser Nerv mit dem Stamme des Vagus zugleich aus dem Foramen 
lacerum hervor, liegt diesem Nerven anfangs sehr dicht an, tritt dann unter die vordere Parthie 
des M. cucullaris, giebt derselben zwei deutliche Zweige, und läuft, wie gewöhnlich, längs der 
Innenfläche dieses Muskels nach hinten. Sein letztes Ende biegt endlich wieder nach innen ein, 
und verschmilztjnit einem ihm entgegenkommenden Aste des dritten Halsnerven zu einer Schlinge. 

Was endlich die Krokodile betrifft, so ist bei der Aufzählung der einzelnen in das grosse 
Ganglion der hinteren Hirnnerven eintretenden Wurzeln (pg. 166) schon erwähnt worden, dass die 
feinen Wurzeln des Accessorius, an der Rückenseite des verlängerten Markes in gewöhnlicher Weise 
entspringend, sich in der Gegend des Foramen lacerum zu einem feinen Nervenstamm sammeln, 
der von oben und hinten in den hinteren grösseren Theil des erwähnten Ganglions eintritt. Als 
einem Theil dieser Wurzeln entsprechender R. externus ist nach unserer Ansicht ein aus dem 
Ganglion austretender Verbindungszweig an den ersten Halsnerven zu betrachten (Taf. IU, fig. 5, y). 
Dieser erste Halsnerv (fig. 5, 13) entspringt bei Crocodilus hiporcatus wie die freie Hirnwurzel des 
Hypoglossns (h') mit einfacher (unterer oder vorderer) Wurzel von der Grundfläche des verlän- 
gerten Markes, tritt zwischen Condylus occipitalis und erstem Halswirbel nach aussen, nimmt, 
aussen angelangt, einen Verbindungsast (z) von der freien Hirnwurzel des Hypoglossus (h') auf, 
und theilt sich in zwei Zweige: 

a) Der stärkere (y") steigt hinter dem Schädel in die Höhe, geht zwischen den Bündeln des 
bei den Krokodilen sehr entwickelten M. splenius capitis (von den Dornfortsätzen der ersten neun 
Halswirbel an die Crista horizontalis ossis oeeipitis) nach hinten, beständig an die Fasern dieses 
Muskels Zweige gebend. Seine Aeste lassen sich bis zum sechsten Halswirbel verfolgen. 

23 
* 



— 178 — 

b) Der feinere dieser beiden Zweige geht nach aussen und unten (y'), nimmt den erst er- 
wähnten Verbindungszweig (y) aus dem Ganglion auf, giebt feine Zweige an die unteren geraden 
Kopfmuskeln, verfolgt dann seinen Weg weiter nach aussen, und legt sich an einen schmalen, 
langen Muskel an, der vom vorderen Rande des Schulterblattes ausgehend, sich an das Lateral- 
stück des Hinterhauptsbeins befestigt (Omomastoideus?). Nachdem er als äusserst feiner Nerv 
eine kurze Strecke diesen Muskel an dessen innerer Seite nach hinten begleitet hat, breitet er 
sich mit mehreren Zweigen in ihm aus. 

Dieser letztere Nerv (y') möchte als der dem R. externns Accessorii entsprechende Nerv 
zu betrachten sein. Seine Verbreitung bei den Sauriern in der vorderen Parthie des M. cucullaris, 
die, wie oben gezeigt wurde, als Omomastoideus betrachtet werden kann, machen diese Deutung 
wahrscheinlich. Hiernach würden die Fasern des Accessorius, um an ihren Muskel zu gelangen, 
bei den Krokodilen einen zwar nicht auffallenden, aber doch eigenthümlichen Umweg machen. 
Aus dem Ganglion als Verbindungszweig (y) an den unteren Ast (y') des ersten Halsnerven hin- 
iib ergetreten, werden sie durch diesen erst zu ihrer peripherischen Endigung geführt. 



Siebenter Abschnitt. 

Vom Nervus hypoglossus. 

a. Vom Ursprung desselben. 

Der Hypoglossus zeigt sich bei den Sauriern sehr beständig in der Form 
seiner Wurzeln. Niemals wird er, wie bei den nackten Amphibien, ausschliess- 
lich durch Zweige der Spinalnerven zusammengesetzt, niemals wird er ferner, 
wie bei vielen höheren Thieren, lediglich aus eigentlichen Hirnwurzeln gebildet, 
sondern immer tragen sowohl besondere Hirnwurzeln, als auch Zweige der Hals- 
nerven zu seiner Bildung bei. Die Krokodile dagegen nähern sich auch hier 
wieder mehr der Form der höheren Wirbelthiere, sofern die beiden, den Hypo- 
glossus bildenden Hirnwurzeln keinerlei Verstärkungszweige von Spinalnerven 
erhalten. Was übrigens die letzteren bei den Sauriern betrifft, so tragen höch- 
stens die beiden ersten Halsnerven zur Bildung des Hypoglossus bei, werden 
aber dann durch die ihm zugesandten starken Aeste fast ganz consumirt, — nur 
einzelne Zweige in die oberen und unteren geraden Kopfmuskeln gehen ausserdem 
noch aus ihnen hervor. 

Diese beiden verschiedenartigen Elemente (Hirnwurzeln und Zweige von 
Spinalnerven), zeigen indessen bei den Sauriern sehr mannigfache Formen. Bald 
ist nur eine Hirnwurzel vorhanden (Salvator nigropunctatus, Euprepes Sebae), 
bald werden deren zwei beobachtet (Lacerta ocellata, Iguana tuberculata, Varanus 
Bengalensis, Istiurus Amboinensis , Agama sjnnosa), ja bei Platydactylus guttatus 
ist ihre Zahl sogar auf drei erhöht. — Bei einigen Formen finden sich ferner 
nur Verstärkungen vom ersten Halsnerven (Lacerta, Istiurus, Euprepes, Agama, 
Platydactylus), bei anderen trägt auch der zweite mit zur Bildung des Hypoglossus 
bei (Varanus, Salvator, Iguana). 



— 179 — 

Immer entspringen die Hirnwurzeln des Hypoglossus von der Grundfläche 
des verlängerten Markes nahe der Mittellinie (auf den Figuren mit h', h", h"' 
bezeichnet), lassen sich indessen nie bis zur letzteren selbst verfolgen. Wenn 
nicht der seltene Fall einer Verschmelzung mit dem Vagus vorkommt (Varanns 
Bengalensis), so tritt jede dieser Hirnwurzeln durch ein besonderes feines Loch 
nahe dem Condylus occipitalis im Os occipitale laterale aus dem Schädel. Auch 
die ersten beiden, zur Bildung des Hypoglossus beitragenden Halsnerven besitzen 
in der Regel nur untere (im Bellschen Sinne vordere), keine obere (hintere) 
Wurzeln, und zeigen kein Ganglion. Nur eine schwache Andeutung des letzteren 
und einer oberen Wurzel findet sich bisweilen beim zweiten Halsnerven. Der 
dritte Halsnerv dagegen, der einen viel ausgedehnteren Verbreitungsbezirk besitzt, 
sofern er sich nicht bloss in den tiefen, sondern auch in den oberflächlichen 
Halsmuskeln und in der Haut des Halses ausbreitet, hat immer eine sehr deut- 
liche untere und obere Wurzel, und, analog den übrigen Spinalnerven, ein deut- 
liches Ganglion. 

Die grösste Zahl verbunden mit der grössten Freiheit der Wurzeln des Hypoglossus findet 
sich bei Iguana tuberculata (Taf. II, fig. 3). Hier sind Tier Wurzeln vorhanden, von denen sich 
keine mit dem Vagus verbindet. Die beiden ersten sind eigentliche Hirnwurzeln (h' und h"), die 
dritte und vierte werden durch Zweige des ersten und zweiten Halsnerven gebildet (k' und k"). 
Die beiden Hirnwurzeln entspringen beinahe in gleicher Höhe mit den mittelsten der fächerförmig 
zusammenstrahlenden Wurzeln des Vagus von der Grundfläche des verlängerten Marks. Sie treten 
schräg nach unten und hinten, jede durch ein besonderes Loch im Occipitale laterale aus dem 
Schädel. Die Oeffnung der vorderen, dünneren (h') liegt etwas weiter nach innen als die der 
hinteren, stärkeren Wurzel (h"), — beide in gleicher Höhe in einer schmalen Knochenleiste an 
der genannten Schädelparthie. — Bald nach ihrem Austritt vereinigen sie sich zu dem vorderen 
Hauptstamm des Hypoglossus (h), der nach Abgabe eines starken in den Halstheil des Sympathicus 
eintretenden Fadens sich von aussen und vorn her um die vorderen geraden Kopfmuskeln nach 
hinten schlägt, um sich mit dem durch die beiden ersten Halsnerven gebildeten hinteren Haupt- 
stamm (k) des Hypoglossus zu verbinden. — Zur Bildung dieses letzteren werden die beiden 
ersten Halsnerven fast ganz verwandt, — nur feine Zweige treten aus ihnen noch in die unteren 
graden Kopfmuskeln aus. 

Auch Varanus Bengalensis hat zwei Hirnwurzeln des Hypoglossus, — starke Zweige der 
beiden ersten Halsnerven senden demselben fernere Elemente zu (vgl. Taf. II, fig. 2). Die erste 
Hirnwurzel (h') verschmilzt schon innerhalb des Schädels mit der Wurzel des Vagus zu einem 
Stamm, trennt sich jedoch wieder (h) gleich nach dem Hervortritt des letzteren (v). Die zweite 
Hirnwurzel (h"), gleich hinter der vorigen von der Grundfläche des verlängerten Markes ent- 
springend, theilt sich gleich nach ihrem Hervortritt in zwei Zweige: Der eine verbindet sich mit 
einem nach vorn tretenden Zweige des ersten Halsnerven zu einem feinen Stamm (z), der sich 
im M. rectus capitis anterior ausbreitet. Der zweite (k') geht unter dem ersten Halsnerven durch 
nach hinten, und verbindet sich mit dem zweiten Halsnerven (14). Der erste Halsnerv (13) ent- 
sendet ausser zwei Aesten in die Nackenmuskeln einen Zweig (k"), der sich ebenfalls mit diesem 
zweiten Halsnerven verbindet. Letzterer endlich (14) nimmt die aus der zweiten Hirnwurzel (h") 
und dem ersten Halsnerven (13) stammenden Elemente auf, und bildet mit ihnen den zweiten 

23* 



— 180 — 

Hauptstamm (k), der dem ersten vom Vagus abgehenden Hauptstamme (h) an Stärke fast gleich- 
kommt. Er vereinigt sich indessen mit demselben nicht völlig, sondern sendet ihm nur zwei 
Verstärkungszweige (w) zu , selbst als R. descendens Hypoglossi (d) nach aussen und hinten 
verlaufend. 

Bei Platydactytus guttatus ist die Zahl der Hirnwurzeln noch um eine vermehrt, dafür die 
Zahl der Halsnervenzweige um einen vermindert. Es finden sich nämlich drei eigentliche Hirn- 
wurzeln (Taf. III, flg. 3, h', h", h'"), und nur der erste Halsnerv (13) trägt durch einen beträcht- 
lichen Zweig zur Bildung des Hypoglossus bei. Jede der drei ersten tritt durch eine besondere 
feine Oeffnung aus dem Schädel. Gleich ausserhalb des letzteren vereinigen sich die beiden erßten 
Hinwurzeln (h' und h") zu einem "vorderen Hauptstamm (h), während die dritte sich mit dem 
ersten Halsnerven zu dem hinteren Hauptstamm (k) verbindet. Durch Verschmelzung beider 
Stämme wird der eigentliche Hypoglossus (h k) gebildet. 

Drei Wurzeln, nämlich zwei eigentliche Hirnwurzeln und einen Zweig des ersten Halsnerven, 
zeigt Lacerta oceltata (Taf. II, fig. 1). Die erste Hirnwurzel (h') bildet für sich den vorderen 
Hauptstamm (h) , der hintere (k) wird durch die zweite Hirnwurzel (h") und den Ast des ersten 
Halsnerven (13) gebildet. Alle drei Nerven entspringen von der Grundfläche des verlängerten 
Markes; die beiden Hirnwurzeln gehen jede durch ein besonderes Loch aus dem Schädel hervor. 

Dieselbe Zahl von Wurzeln (zwei Hirnwurzeln und einen Zweig des ersten Halsnerven) zeigt 
Euprepes Sebae. Auch hier bleibt die erste Hirnwurzel frei, und bildet für sich den vorderen 
Hauptstamm des Hypoglossus. Die zweite Hirnwurzel verbindet sich ausserhalb des Schädels mit 
einem Zweige des ersten Halsnerven zu dem hinteren Hauptstamm, der aber nicht ganz mit jenem 
vorderen verschmilzt, sondern (ähnlich wie bei Varanus) demselben einen beträchtlichen Ver- 
stärkungszweig znsendet, und dann sich als R. descendens verhält. 

Auch bei Salvatm' nigropunctatus ist dieselbe Zahl von Wurzeln (zwei Hirnwurzeln und ein 
Zweig des ersten Halsnerven), nur ihr Verhältniss unter einander und zum Vagus ist verschieden. — 
Die erste Hirnwurzel (Taf. I, fig. l,h') entspringt wie immer von der Grundfläche des verlängerten 
Markes, nahe der Mittellinie. Sie ist schräg nach vorn und aussen gerichtet, und tritt durch ein 
besonderes Loch nahe dem Condylus occipitalis aus dem Schädel, um unmittelbar ausserhalb des- 
selben mit dem Vagus (r) zu verschmelzen. Die zweite Hirnwurzel (h") entspringt dicht hinter 
der vorigen , ebenfalls von der Grundfläche des verlängerten Markes. Ihre Schädelöflnung liegt 
etwas weiter nach innen als diejenige der ersten Wurzel. Gleich nach ihrem Austritt giebt sie 
einen Zweig ab, der sich mit einem Zweige des ersten Halsnerven zu einem kurzen, in die oberen 
Nackenmuskeln gehenden Nerven vereinigt, und läuft dann nach hinten, dem vereinigten Stamme 
von Vagus und erster Hirnwurzel dicht anliegend, um ebenfalls in diesen Stamm einzumünden, 
unmittelbar nachdem derselbe den R. communicans internus (i), aus dem Ganglion petrosum 
(eigentlich aus dem R. palatinus) stammend, aufgenommen hat. — Der erste Halsnerv 
endlich !('3), zwischen Condylus occipitalis und Atlas hervorgetreten, giebt einen Zweig nach 
vorn, der sich mit dem eben erwähnten Zweige der zweiten Hirnwurzel zu einem kurzen, in 
die oberen Nackenmuskeln gehenden Nervenstamm (z) vereinigt. Der Rest des Nerven geht 
schräg nach aussen und hinten, giebt noch einen feinen Zweig in die unteren Nackenmuskeln 
und senkt sich nun, der zweiten Hirnwurzel des Hypoglossus an Stärke gleich, in den vereinigten 
Stamm ein, welcher letzterer, wie oben erwähnt, ausserdem noch die Elemente des Vagus, 
einen Theil des Accessorius und den Sympathicus enthält. — Unmittelbar nach Aufnahme der 
zweiten Hirnwurzel und des ersten Halsnerven theilt sich dieser wiederum in zwei Stämme, 
von denen der eine (h) alle Elemente des Hypoglossus enthält, während der andere (vs) sich bald 
in den Vagus und den Halsstamm des Sympathicus theilt. 



— 181 — 

Auch bei Istiurus Amboinensis wird der Hypoglossus durch zwei Hirnwurzeln und einen 
Zweig des ersten Halsnerven gebildet. Die erste Hirnwurzel (Taf. III, fig. 1, h') hat keine beson- 
dere Schädelöffnung, sondern, von der Grundfläche des verlängerten Markes in gewöhnlicher 
Weise entsprungen, tritt sie mit der Wurzel des Vagus aus einer gemeinschaftlichen Oeffnung 
hervor, ohne jedoch, wie bei Varanus, mit jener zu verschmelzen. Gleich nach ihrem Austritt 
wendet sie sich hinter dem Ganglion des Vagus (E) fort, und verschmilzt vollständig mit der 
zweiten Hirnwurzel. Diese (h") entspringt wie jene vor der Grundfläche des verlängerten Markes, 
aber eine ziemliche Strecke weiter nach hinten, so dass ihre Fasern im Schädel schräg nach vorn 
aufsteigen müssen, um die für sie hart am Condylus occipitalis gelegene Schädelöflnung zu 
gewinnen. Auch sie wendet sich nach ihrem Hervortritt schräg nach hinten und aussen und ver- 
schmilzt mit der ersten Hirnwurzel zu dem eigentlichen Stamm des Hypoglossus (h). — Der 
erste Halsnerv, ganz wie die Hirnwurzel mit einfacher vorderer Wurzel entspringend (13), giebt 
nach seinem Austritt (zwischen Hinterhauptsbein und Atlas) einen Zweig an den vorderen geraden 
Kopfmuskel, und legt sich, weiter nach aussen verlaufend, an den aus den beiden Hirnwurzeln 
gebildeten Stamm an, und empfängt von ihm, ohne vollständig mit ihm zu verschmelzen, zwei 
äusserst feine Nervenzweige (w). An der Stelle ihrer Aufnahme entlässt er einen feinen Nerven- 
faden nach hinten (z') , der sich in der Gegend des dritten Halsnerven wieder in zwei schwache 
Fäden theilt, von denen der eine mit einem Zweige dieses Nerven zu einer Schlinge zusammen- 
tritt, während der andere mit dem Halsstamm des Sympathicus verschmilzt. — Nach Abgabe 
dieses Fadens verfolgt unser Nerv seinen Weg nach aussen, und verhält sich als R. descendens 
Hypoglossi (d), indem er zwischen die Mm. sternohyoideus und omohyoideus tritt und in ihnen 
sich ausbreitet. 

Auch bei Agama spinosa findet sich dieselbe Zahl von Wurzeln (Taf. III, fig. 2). Die erste 
Hirnwurzel (h'), getrennt vom Vagus aus dem Schädel tretend, verschmilzt bald mit dem letzteren 
zu einem Stamme (hv), aus welchem die ihr angehörigen Elemente als kurzer Verstärkungszweig 
(h) an den hinteren Hauptstamm des Hypoglossus (gebildet aus der zweiten Hirnwurzel [h"] und 
dem ersten Halsnerven [13]) treten. Dieser, so verstärkt, nimmt bald nachher auch noch den 
Glossopharyngeus (gl) auf, und verfolgt dann seinen Weg nach aussen und unten. 

Am kleinsten ist die Zahl der zur Bildung des Hypoglossus zusammentretenden Nerven- 
stämme bei Ckamaeleo vulgaris. Hier existirt nur eine Hirnwurzel , welche ausserdem nur vom 
ersten Halsnerven zwei schwache Yerstärkungszweige erhält. — Die Hirnwurzel (Taf. II, fig. 4, h) 
entspringt, wie immer, von der Grundfläche des verlängerten Marks, aber weiter von der Mittel- 
linie entfernt, als bei den übrigen Eidechsen, tritt durch eine besondere Oeffnung aus dem Schädel, 
und mündet von innen her in den Stamm des Vagus da ein, wo dieser seinen starken Zweig (1) 
an das Ganglion petrosum entlässt. Vor ihrer Einsenkung in den Vagus empfängt dieselbe jedoch 
noch zwei feine A r erstärkungszweige von dem ebenfalls an dem seitlichen Theil der Grundfläche 
entspringenden, und kein Ganglion zeigenden ersten Halsnerven (13). 

Letzterer entlässt gleich nach seinem Hervortritt fünf feine Nerven: 

1) und 2) Die beiden ersten sind die beiden eben erwähnten Verstärkungszweige an die 
Hirnwurzel des Hypoglossus. 

3) und 4) Zwei dieser Nerven vertheilen sich an die unteren geraden Kopfmuskeln. 

5) Der fünfte (Taf. III, fig. 6, z) läuft unter den Wirbelkörpern der zwei ersten Halswirbel 
nach hinten, empfängt eine Verstärkung vom dritten Halsnerven, und wird so zu einem feinen 
Stamm (Taf. III, fig. 6, z'-) , der sich theils in den unteren Nackenmuskeln vertheilt, theils den 
später zu erwähnenden tiefen Halsstamm des Sympathicus bildet. — ■ 

Die auf die eben angegebene Weise verstärkte Hirnwurzel des Hypoglossus mündet mit der 
Wurzel des Vagus (10) zu einem kurzen, aber starken Nervenstamm zusammen, der dem Ganglion 



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petrosum (D) einen Verstärkungsast giebt (I), dann hinter diesem Ganglion nach aussen läuft, 
und sich sehr bald in zwei Stämme theilt, deren stärkerer (hg) nach Aufnahme eines kurzen 
Verstärkungsastes aus dem Ganglion petrosum sich als vereinigter Stamm von Glossopharyngeus 
und Hypoglossus zu erkennen giebt. 

So ist es bei den Sauriern. Bei den Krokodilen fehlen dagegen die Verstärkungszweige von 
den Halsnerven gänzlich, und nur Hirnwurzeln sind vorhanden. Von diesen mündet die erste bei 
Crocodilus biporcatus in das grosse Ganglion d